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Inwieweit unterscheidet sich der Sprachgebrauch in digitalen Kommunikationsmitteln? E-Mail und Messenger-Programme im Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 22 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprachliche Mittel

3. Zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und ihrer schriftlichen Verwirklichung
3.1 E-Mail
3.2 Messenger Programme

4. E-Mail und Messenger Programme: ein Vergleich

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

„Ich könnte jetzt nicht so schreiben, wie ich das E-Mail-mässig mache. Also da habe ich manchmal irgendwie so eine Gassensprache dann auch, also wie ich jetzt hier schwätze. Ich schreibe manchmal sogar im Dialekt.“ (Schönberger 2003: 137).

Dieses Zitat kann sinnbildlich für die Vielfalt der Sprache in digitalen Kommunikationsmitteln der heutigen Zeit stehen. Dass die sprachliche Kommunikation in digitalen Medien mit ihrer einhergehenden Veränderung durchaus hohen Stellenwert bei den Germanisten und Sprachwissenschaftlern einnimmt, zeigt schon die Tatsache, dass eben diese seit nunmehr zwanzig Jahren immer wieder Tatbestand verschiedener Forschungs- und Untersuchungsansätze ist (Günthner/ Konerding/ Liebert/ Roelcke 2005: Vorwort). Im Verlauf dieser Arbeit soll nun auf den verschiedenen Sprachgebrauch zweier unterschiedlicher Kommunikationsmittel näher eingegangen werden.

Als Untersuchungsgegenstände liegen hierbei zum einen das Medium der E-Mail und zum anderen das verschiedener Messenger Programme zugrunde. Die Wahl der E-Mail ist damit zu begründen, dass diese seit nun mehr rund zwanzig Jahren einen stetigen Begleiter im Alltag und Arbeitsbereich einer großen Bevölkerungsanzahl darstellt und somit auch die Veränderung der Sprache in den digitalen Kommunikationsmitteln, quasi seit Beginn dieser, mit beeinflusst hat (Schnitzer 2012: 207). Als Vergleichsobjekt zur E-Mail sollen in dieser Arbeit zwei verschiedene Messenger Programme untersucht und verglichen werden. Zum einen soll hierbei der Sprachgebrauch in dem Programm WhatsApp analysiert und zum anderen sollen Facebook Nachrichten genauer beleuchtet werden.

Die Auswahl der Messenger Programme ist darauf zurückzuführen, dass diese sich erst seit wenigen Jahren zunehmender Beliebtheit erfreuen, verstärkt genutzt werden und gleichwohl ein eher jüngeres Kommunikationsmittel darstellen (Schnitzer 2012: 315, Dürscheid/ Frick 2014: 154). Da die Kommunikation per Messenger Programm eher dem privaten Bereich zuzuordnen ist, sollen auch vornehmlich private E-Mails untersucht werden. Beide Kommunikationsformen sind graphisch realisiert und da der Fokus in dieser Arbeit auf der privaten Konversation zwischen Gesprächsparteien liegen soll, kann auch davon ausgegangen werden, dass sowohl die E-Mail als auch die Messenger Programme eine Tendenz zur konzeptionellen Mündlichkeit aufweisen (Dürscheid 2005: 93).

Darüber hinaus kann man davon sprechen, dass sowohl E-Mails als auch Messenger Programme in Bezug auf die graphische und stilistische Ebene ähnliche Merkmale aufweisen (Schnitzer 2012: 323) und so eine gute Vergleichsbasis gegeben sein sollte. Ausgehend von diesen beiden Ebenen soll nun im weiteren Verlauf der Arbeit auf verschiedene sprachliche Merkmale eingegangen werden. Diese werden dabei zunächst erläutert, um in der Folge die E-Mail und dann die zwei Messenger Programme auf Tilgungen, Reduktionen und Enklisen zu untersuchen. Des Weiteren wird der Fehlertoleranz sowie den graphostilistischen Mitteln eine hohe Bedeutung zukommen.

Den letzten Punkt der Analyse werden in diesem Fall Ausdrücke aus Nicht-Standard-Varietäten bilden. Am Ende dieser beiden Einzelanalysen sollen dann die herausgearbeiteten Ergebnisse zusammengeführt, abermals analysiert und schlussendlich eingeordnet werden. So wird am Ende der Arbeit eine Beantwortung meiner Fragestellung, inwieweit sich der Sprachgebrauch in den beiden Kommunikationsmitteln der E-Mail und den Messenger Programmen voneinander unterscheidet, gegeben sein.

2. Sprachliche Mittel

Bevor sich das Augenmerk auf die beiden verschiedenen Medienformen der E-Mail und der Messenger Programme richtet, sollen zuvor die zu untersuchenden sprachlichen Mittel erläutert werden. Die bereits in der Einführung erwähnten Analysekriterien werden daher nun chronologisch durchgearbeitet, damit eine entsprechende Analyse und Interpretation dieser im weiteren Verlauf der Arbeit möglich ist.

Der erste Punkt der Analyse, welchen ich untersuchen werde, soll den Tilgungen gewidmet sein. Unter einer Tilgung, welche auch Elision genannt werden kann, versteht man das Auslassen einiger Laute im Lautstrom, welches vorwiegend bei informellem und schnellem Sprechen zu verzeichnen ist (Pörings/ Schmitz 2003: 131).

Ob und inwieweit diese mündlich angesiedelte Kategorie auch in den konzeptionell mündlichen Formen der E-Mail und Messenger Kommunikation zu finden sein wird, wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch herausgefunden. In der Sprachwissenschaft wird in Bezug auf die Reduktion von einer Dezimierung von Syntagmen oder Wortgruppen auf ein einzelnes Wort oder einer Dezimierung eines Wortes gesprochen (Siever 2011: 94).

Das Ziel dieser Dezimierung ist der Erhalt eines neuen kürzeren Wortes. So können unbetonte Vokale im Deutschen ihre unterscheidende Qualität verlieren und schlussendlich auch getilgt werden (Pörings/ Schmitz 2003: 133). Unter dem Begriff Enklise, auch Enklitikon genannt, versteht man die Anlehnung eines unbetonten Wortes an das vorhergehende Betonte (www.duden.de/rechtschreibung/Enklise). So kommt es zu einer Verschmelzung zweier Wörter aus denen ein Einzelnes entsteht. Dieses behält jedoch die semantische Bedeutung der zuvor verschmolzenen Wörter bei.

Im Zusammenhang der graphostilistischen Mittel sollen nun Emoticons, Iterationen, Majuskeln und Interjektionen genauer untersucht werden. Das Wort Emoticon ist zusammengesetzt aus den englischen Wörtern Emotion und Icon und wird verwendet, um eine bestimmte Klasse von Ideogrammen zu bezeichnen, welche menschliche Emotionen nachbilden sollen (Kalinowski 1999: 4.3.1.1).

Heutzutage gibt es oftmals schon viele vorgefertigte Emoticons, welche nicht mehr selbst zusammengestellt werden müssen, sondern nur noch in Texte eingefügt werden. Zwar finden auch klassische Emoticons, bei denen Satzzeichen zu um 90° gedrehten Gesichtern zusammengestellt werden, ihre Verwendung. Doch steht Nutzern heute bereits eine Fülle von Programmen zum Download im Internet zur Verfügung, bei welchen die Emoticons lediglich noch ausgewählt und in den gewünschten Text eingefügt werden müssen.

Da es Emoticons vermutlich schon in analoger Form gab, ist es heute nicht weiter verwunderlich, dass sie auch in der digitalen Kommunikation auftreten (Schnitzer 2012: 252). In Bezug auf die Iterationen spricht Willi Mayerthaler auch von einer Reduplikationsstruktur respektive einer n-plikationsstruktur (Mayerthaler 1977: 47).

Dies bedeutet, dass ähnliche oder identische Teile eines Wortes, bei der Bildung dessen, zweifach oder noch häufiger wiederholt werden können. Darüber hinaus ist diese Struktur der Wortbildung nicht syntaktisch beschränkt. Majuskeln, welche häufig auch unter dem Namen Versal genannt sind, werden als wissenschaftlicher Fachausdruck für groß geschriebene Buchstaben eines Alphabets gebraucht (Beinert 2014: Majuskel).

Die Herkunft des Wortes ist wohl im Lateinischen zu finden, wo maiusculus so viel wie etwas größer bedeutet (http://www.duden.de/rechtschreibung/Majuskel). Widmet man sich nun dem sprachlichen Mittel der Interjektionen, so wird deutlich, dass es sich bei diesen um Redeteile handelt, welche den Zustand der Seele, den Gemütszustand oder Empfindungen beziehungsweise Gefühlsregungen in schriftlicher Form wiedergeben (Ehlich 1986: 20). Genauer betrachtet sind Interjektionen demnach das Zurückgebliebene der Emotionalität in der Sprache. Demnach besteht ein großes Repertoire an unterschiedlichen Interjektionen. So unterschied schon Grimm in Interjektionen des Rufenden, Schmerzempfindenden, sich Freuenden, Bewundernden oder des Lachenden, um nur ein paar wenige zu nennen (Ebd.: 23).

In Bezug auf die Fehlertoleranz soll nun zuerst die Interpunktion genauer definiert werden. Unter Interpunktion versteht man die Zeichensetzung, welche die geregelte Anwendung bestimmter Satzzeichen zur Einteilung von Sinnabschnitten oder Satzarten in sich vereint (Brockhaus 1979: 578). Gängige Satzzeichen sind beispielsweise Frage- und Ausrufezeichen, Kommas und Punkte am Satzende. Des Weiteren soll ein Augenmerk darauf geworfen werden, ob und inwieweit die verwendete Groß- und Kleinschreibung regelkonform angewandt wird.

Daraufhin soll die wohl als der bedeutendste Bereich der Sprachwissenschaft geltende Orthographie, auch als Rechtschreibung bekannt, behandelt werden (Maas 1992: 2). Schlussendlich sollen dann noch Ausdrücke aus nicht Standard-Varietäten untersucht werden, wobei fremdsprachliche Ausdrücke und etwaige vorkommende Dialekte in den Fokus rücken.

In diesem Abschnitt wurden einzelne sprachliche Mittel genauer definiert, wobei jedoch ihre Funktionen in Bezug auf die beiden zu analysierenden Kommunikationsmittel weitestgehend ausgespart blieben. In den folgenden Kapiteln sollen nun die einzelnen Anwendungsweisen, Absichten und Vorkommen dieser sprachlichen Mittel in den zwei Medien der E-Mail und der Messenger Programme betrachtet und erläutert werden.

3. Zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und ihrer schriftlichen Verwirklichung

3.1 E-Mail

Im Folgenden rückt das Kommunikationsmittel der E-Mail in den Fokus und soll eingehend untersucht werden. Die E-Mail, als bereits langjähriges und etabliertes Kommunikationsinstrument, stellt bei dieser Untersuchung das ältere Medium im Vergleich zu den Messenger Programmen dar und soll dementsprechend zuerst analysiert werden. In diesem Kapitel sollen ihre spezifischen Eigenschaften herausgearbeitet und schließlich in Bezug auf die bereits erwähnten und ausgeführten sprachlichen Mittel untersucht werden.

Bevor in diesem Kapitel auf die sprachlichen Mittel eingegangen wird, sollen zuvor noch einmal die typischen Charakteristika der E-Mail Kommunikation kurz herausgestellt und definiert werden. Zuerst einmal muss festgehalten werden, dass es sich bei dem Medium der E-Mail vorwiegend um eine screen-to-screen Kommunikation handelt (Dürscheid 2005: 89). Das bedeutet, dass der Text nicht in materialisierter Form vorliegt, sondern am Computer geschrieben, verschickt und empfangen wird. Des Weiteren kann man von einer Kommunikationsform im Medium der Schrift sprechen (Dürscheid 2002: 94).

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Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668180192
ISBN (Buch)
9783668180208
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317986
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – für Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
inwieweit sprachgebrauch kommunikationsmitteln vergleich e-mail messenger programmen

Autor

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