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Ontologischer Pluralismus. Die Position Carnaps in 'Empiricism, Semantics, and Ontology'

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Carnaps Sicht auf die Ontologie
2.1.1 Interne und externe Fragen
2.1.2 Carnaps Auffassung von Ontologischer Verpflichtung
2.1.3 Sind ontologische Fragen untief?
2.1.4 Ontologischer Pluralismus
2.2 Quines Einwande
2.2.1 Die Möglichkeit eines allumfassenden Frameworks
2.2.2 Analytisch/Synthetisch - Eine problematische Unter­scheidung?

3 Schluss

4 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

In den Augen Carnaps und vieler anderer logischer Empiristen galt Metaphy­sik als Disziplin, deren vorgebliche Sätze ganzlich sinnlos seien. Eine Diszi­plin, die von Sinneserfahrung unabhängige Erkenntnis anstrebe, unvereinbar mit dem wohl zentralsten empiristischen Gedanken: Alles Wissen über die Welt beruhe auf Erfahrung. Auch die Ontologie wurde so zur willkomme­nen Zielscheibe fär Kritik. Diese untersucht im Wesentlichen drei Arten von Fragen. Erstens die nach dem Begriff der Existenz. Was heißt es, dass etwas existiert? Zweitens die, in welche allgemeinsten Arten sich das Inventar unse­rer Welt einteilen lässt. Gibt es Eigenschaften, Sachverhalte, Propositionen? Und schließlich Fragen nach dem ontologischen Status von Gegenständen, wie etwa ‘Ist alles materiell?’.[1]

Auch wenn sich die traditionelle Ontologie zu großen Teilen mit Scheinproble­men beschaftigt haben mag, die Frage, was es gibt, bleibt bestehen. Carnaps Antwort darauf wird oft als ontologischer Pluralismus ausgelegt, demzufolge Theorien mit verschiedenen ontologischen Verpflichtungen nicht zueinander in Konflikt stehen. Eine unorthodoxe, aber dennoch ernst zu nehmende Sicht­weise? Im Folgenden soll, ausgehend vom Aufsatz ‘Empiricism, Semantics, and Ontology’, die Position Carnaps dargelegt werden. Im Anschluss daran wird diskutiert, inwieweit diese, im Lichte der Einwände Quines, plausibel ist.

2 Hauptteil

2.1 Carnaps Sicht auf die Ontologie

2.1.1 Interne und externe Fragen

Um Carnaps Denken nachvollziehen zu können, ist ein Verständnis seiner Unterscheidung zwischen internen und externen Fragen unabdingbar. Aus­sagen lassen sich nur relativ zu einem gegebenen sprachlichen Rahmen sinn­voll treffen. Ein derartiges Framework[2] besteht aus einem Vokabular, sowie einer Menge von Formations- und Transformationsregeln. Erstere legen die zulässigen grammatischen Konstruktionen fest, letztere, welche Schlüsse er­laubt sind.

Man mag versucht sein, den Begriff in einem Sinn zu verstehen, der umfas­sender als soeben angenommen ist, als Perspektive auf die Welt. In einem Sinn, der Wahrheit vom Standpunkt des Betrachters abhängig macht. Es gibt aber keinen Grund davon auszugehen:[3]

„If someone wishes to speak in his language about a new kind of entities, he has to introduce a system of new ways of speaking, subject to new rules; we shall call this procedure the construction of a linguistic framework for the new entities in question.“[4]

Wer also seine Sprache erweitern will, um uber neue Gegenstände zu spre­chen, hat Ausdrucke sowie Regeln fur deren Verwendung einzuführen.[5] Fur Carnap ist ein Framework rein sprachlich-instrumentell, den Begriff weiter zu fassen allenfalls Spekulation. Er fahrt fort:

„And now we must distinguish two kinds of questions of existence: first, questions of the existence of certain entities of the new kind within the framework ; we call them internal questions ; and second, questions concerning the existence or reality of the system of entities as a whole, called external questions. Internal questions and possible answers to them are formulated with the help of the new forms of ex­pressions. The answers may be found either by purely logical methods or by empirical methods, depending upon whether the framework is a logical or a factual one. An external question is of a problematic character which is in need of closer examination.“[6]

Fragen, die intern verstanden werden, beziehen sich somit auf Vorkommen und Stellung von Entitäten im Framework selbst. Sie sind mit dessen Eigen­begriffen formulierbar und gegebenenfalls gemaß seiner Transformationsre­geln beantwortbar.[7]

Anders hingegen externe Fragen. Diese nehmen, unabhängig vom sprachli­chen Rahmen, Bezug auf die Welt an sich. Zielen sie dabei auf Tatsachenwis­sen ab, sind sie fehlgeleitet: „To be real in the scientific sense means to be an element of the system; hence this concept cannot be meaningfully applied to the system itself.“[8] Demgegenäber sind pragmatische Fragen nach der Wahl einer Sprache und ihrer Struktur, obgleich ebenfalls extern, sinnvoll.

2.1.2 Carnaps Auffassung von Ontologischer Verpflichtung

Theorien haben Wahrheitsbedingungen, die etwas daruäber aussagen, wie die Welt im Falle ihrer Gältigkeit beschaffen sein muss. Meist schließt das be­stimmte Existenzbehauptungen mit ein. Als ontologische Verpflichtungen ei­ner Theorie gelten fur gewähnlich diejenigen Entitäten oder Arten von En- titaten, die es geben muss, damit diese wahr ist.[9] Carnap teilt diese Sicht­weise nur bedingt. Die Annahme neuer Entitaten treffe keine Aussage uber die sprachunabhangige Realitat, damit einhergehend bedurfe sie auch keiner theoretischen Rechtfertigung.[10] Ob es die von einer Theorie behandelten Ge- genstaände gibt, ist keine Frage, die sinnvoll vor deren Formulierung gestellt werden kann. Commitments entstehen nun laut Carnap in zwei grundlegen­den Schritten:

a) „[Tjhe introduction of a general term, a predicate of higher level, for the new kind of entities, permitting us to say of any particular entity that it belongs to this kind [...].“[11]
b) „[Tjhe introduction of variables of the new type. The new entities are values of these variables; the constants (and the closed compound expression, if any) are substitutable for the variables.3 With the help of the variables, general sentences concerning the new entities can be formulated.“[12]

Dies wirkt, sieht man von den voneinander abweichenden Existenzbegriffen ab, wie eine präzisierte Formulierung von Quines bekanntem Kriterium, zu­mal Carnap diesem explizit zustimmt.[13] Quines These:

We can very easily involve ourselves in ontological commitments by saying, for example, that there is something (bound variable) which red houses and sunsets have in common [... j. But this is, essentially, the only way we can involve ourselves in ontological commitments: by our use of bound variables.“[14]

Genauer betrachtet fällt jedoch ein Unterschied auf. Carnap zufolge involvie­ren ontologische Verpflichtungen zuerst die Einfuhrung von Prädikaten, die sich Entitaten zuschreiben lassen. Im zweiten Schritt die von Variablen; so­dann ist es möglich, interne Fragen und Antworten auf diese zu formulieren. Quine hingegen fordert einen weiteren Schritt: Den eigentlichen Gebrauch ge­bundener Variablen: „For [Carnap], we need only be able to say ‘[3xP(x)].’ For [Quine], we must also say it.“[15]

Daraus ergibt sich im Falle Carnaps die Konsequenz, dass bereits die Akzep­tanz eines sprachlichen Rahmens hinreichend fär die Verpflichtung auf die von seinen Begriffen bezeichneten Entitaten ist. Ontologische Verpflichtung ist fur Carnap gleichbedeutend mit der Akzeptanz eines Frameworks; danach zu fragen, was es unabhängig von diesem gibt, sinnlos.

[...]


[1] Vgl. Nimtz 2011, S. 199.

[2] Im Folgenden werden ‘Framework’, ‘Rahmen’ und ‘Sprache’ synonym verwendet.

[3] Vgl. Eklund 2009, S. 132.

[4] Carnap 1950, S.206.

[5] Vgl. Eklund 2009, S. 132.

[6] Carnap 1950, S. 206.

[7] Vgl. Krauth 1970, S. 196.

[8] Carnap 1950, S. 207.

[9] Vgl. Bricker 2014.

[10] Vgl. Carnap 1950, S. 214.

[11] Ebd., S. 213.

[12] Ebd., S. 213f.

[13] Vgl. ebd., S. 214.

[14] Quine 1951b, S. 36.

[15] Norton 1977, S. 79.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668173101
ISBN (Buch)
9783668173118
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317859
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Philosophie
Note
1.0
Schlagworte
ontologischer pluralismus position carnaps empiricism semantics ontology

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Titel: Ontologischer Pluralismus. Die Position Carnaps in 'Empiricism, Semantics, and Ontology'