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Die Finanzkrise, ihre Auswirkungen und die kritische Auseinandersetzung von Eigenkapitalregulierungen der Banken

Seminararbeit 2015 26 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Finanzkrise: Ursache und Entstehung
2.1 Entstehung und Platzen der Immobilienblase
2.2 Bank Runs als Folge der Krise
2.2.1 Die Rolle des Schattenbanksystems und der „securitization process“
2.2.2. „The Run on Repo“ und der Zusammenbruch des Interbankenmarktes ..

3. Prävention von Bank Runs durch Regulierungsmaßnahmen der Banken
3.1 Hintergründe, Ansatzmöglichkeiten und Chancen erhöhter Eigenkapitalerfordernisse
3.2 Erhöhte Eigenkapitalanforderungen und die Kreditvergabe von Banken
3.3 Eigenkapitalregulierungen und soziale Kosten
3.3.1 Steuerliche Perspektive
3.3.2 Bankenrettung und Bürgschaftsversprechen

4. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: The Process of Securitization

Abbildung 2: Average Repo Haircut on Structured Debt

Abbildung 3: Ausgangsbilanz mit 10% Eigenkapital

Abbildung 4: Repo Haircuts steigen auf 20 % (Kein GG)

Abbildung 5: Sinkende Asset-Preise durch den Verkauf von Assets

Abbildung 6: Ausgangsbilanz

Abbildung 7: Korrigierte Bilanzen mit erhöhten Eigenkapitalerfordernissen ..

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassung

Diese Arbeit greift die grundlegenden Ereignisse und Ursachen auf, die zur Entstehung der Finanzkrise im Jahr 2007 beitrugen und erläutert welche Faktoren ausschlagge- bend für das Entstehen einer spekulativen Blase am Immobilienmarkt waren. Insbe- sondere wird in diesem Zusammenhang die Verbriefung von Kreditforderung in den Vordergrund gerückt. Des Weiteren wird analysiert, in welcher Weise das Schatten- banksystem eine zentrale Rolle für den Zusammenbruch des Interbankenmarktes spielte.

Aufgrund dieser Geschehnisse, stehen viele Institutionen, insbesondere Banken, wei- terhin in der Kritik. Um zukünftig das Ausmaß dieser Ereignisse eindämmen zu kön- nen, wird in diesem Rahmen ein möglicher Lösungsansatz, die Eigenkapitalregulie- rung von Banken, dargelegt. Es wird analysiert, welche Auswirkungen sich durch er- höhte Eigenkapitalvorschriften der Banken auf sozialer, ökonomischer und politischer Ebene ergeben.

Abstract:

This paper gives a summary of the fundamental events and causes of the financial crisis in 2007. It also shows the vital factors, which were responsible for the development of a speculative housing bubble.

Especially, within this paper, the process of securitization and its relevance for this cause of the crisis, will be pointed out in particular. Also, there will be taken a closer view on the shadow banking system and its relevance for the breakdown within the interbank market.

According to the past incidents, many institutions have to deal with criticism from different players. To lower or even prevent similar happenings in the very near future, this paper offers one solution with regard to the opportunity of equity regulation. In this context, it will be analyzed which consequences these regulations will have in terms of social, economic and political issues.

1. Einleitung

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2007 leiden bis heute Finanz- und Real- märkte unter den katastrophalen Entwicklungen, die dieses Ereignis mit sich brachte. Die Krise mündete über die globale Weltwirtschaftskrise in bis eine heute andauernde Staatenkrise. Politiker, Ökonomen und Institutionen beschäftigen sich noch immer all- gegenwärtig mit Maßnahmen und Lösungsansätzen, die Entlastungen im gesamtwirt- schaftlichen System erbringen sollen. Zentralbanken unterstützen ganze Staaten, um nicht nur die Märkte zu stärken, auch um den Zusammenbruch wichtiger Institutionen zu verhindern. Einige Institutionen konnten bis dato nicht gerettet werden, andere wie- derrum wurden dazu gezwungen, sich unter Auflagen neu zu sanieren und neu zu strukturieren (Hellwig, 2009, S.130 ff.). Sowohl das Nicht-Funktionieren der Märkte, als auch die leichtfertige Kreditvergabe kann von Seiten der Banken als Auslöser und Ursache für den Liquiditätsverlust auf den Finanzmärkten herangezogen werden.

Im Folgenden wird dargestellt, welche Aspekte als Ursache für die die Entstehung der Finanzkrise betrachtet werden. Anhand der leichtfertigen Kreditvergabe im amerika- nischen Immobilienmarkt wird aufgezeigt, wie es zu Liquiditätsengpässen auf dem gesamten Finanzsektor kam. Aufgrund unzähliger existierender Theorien zu dieser Thematik werden in dieser Arbeit lediglich die aus meiner Sicht wichtigsten Zusam- menhänge dargelegt.

Im ersten Teil dieser Arbeit werden die Entwicklungen dargestellt, die zur Entstehung einer spekulativen Blase am amerikanischen Häusermarkt beigetragen haben. Im Fo- kus dieser Analyse wird insbesondere der Subprime-Markt stehen. Des Weiteren wird analysiert, inwiefern das Schattenbanksystem im Zusammenhang mit dem Securitiza- tion Process auf dem Repo Markt hier als Katalysator der Krisenentstehung angesehen werden kann. Hierbei werden die genauen Mechanismen in Bezug auf die Rückkauf- vereinbarungen dargelegt und die Problematik, die hierbei entsteht, dargelegt.

An dritter Stelle werden Ansatzmöglichkeiten für Regulierungsmaßnahmen von Banken aufgezeigt, welche die Solvenz sichern sollen. Insbesondere wird hier auf die Maßnahme der Eigenkapitalregulierung eingegangen.

Zuletzt werden in diesem Zusammenhang Thesen mit geeigneten Mitteln wiederlegt, die darauf abzielen, dass erhöhte Eigenkapitalmaßnahmen ausschließlich kostspielig seien.

2. Die Finanzkrise: Ursache und Entstehung

2.1 Entstehung und Platzen der Immobilienblase

Die Literatur bietet diverse Erklärungsansätze, in welcher zeitlichen Reihenfolge bestimmte Ereignisse für die Entstehung der Immobilienblase verantwortlich waren und welche Verkettung von Ereignissen zum Platzen der Blase führte. Fakt ist allerdings, dass nicht nur ein einziger Fehler im gesamtwirtschaftlichen System zu einem solch einschneidenden Ereignis führen konnte.

Der Ursprung der Entstehung und das Platzen der Immobilienblase liegen im Geschäft der Kreditvergabe US-amerikanischer Banken. Kreditinstitute hatten Kredite an Marktakteure mit geringer Bonität vergeben, sogenannte Subprime-Kredite. Diese Kredite wurden hauptsächlich dazu genutzt, Eigenheime zu erwerben. Der aus- gesprochene Wille, ein Eigenheim zu erwerben, hängt mit den Hintergründen der Zeit vor der Krise zusammen. Immobilien (real estates) wurden als Symbolik für hohen Wohlstand in der Gesellschaft angesehen (Hellwig, 2009, S.135). Diese Betrachtungs- weise wird auf den Zeitgeist der 90er Jahre zurückgeführt. Zu dieser Zeit stiegen die Immobilienpreise am Markt immer weiter an, und man glaubte, durch die Preissteige- rung die Immobilie in Zukunft gewinnbringend verkaufen zu können. Die Banken be- werteten daraufhin diese Objekte als relativ sicheres Vermögen und schlussfolgernd wurden Immobilien als Sicherungsmittel für Kredite betrachtet (Dell’Ariccia G. et al, 2008, S.11). Die Wahrheit war, dass die Schuldner ihre Kredite nicht mehr tilgen konn- ten und der Supergau im vollen Gange war. Um sich als Hausbesitzer Liquidität be- schaffen zu können, verkauften viele Eigenheimbesitzer nach und nach ihre Häuser. Dies löste eine ganze Welle von Immobilienverkäufen aus, was wiederrum einen Ver- fall von Immobilienpreisen zur Folge hatte, da das Angebot nun die Nachfrage deutlich dominierte. Eine Abwärtsspirale setzte sich in Gange, die bis zur Arbeitslosigkeit im Baugewerbe und Zahlungsunfähigkeit im Immobiliensektor führte. Doch es stellt sich die Frage, was Ursache und Folge für die leichtfertige Kredit- vergabe war? Im Folgenden werden die meines Erachtens ausschlaggebenden Ein- flussfaktoren im Zusammenhang erläutert.

Die Sparquote1 sank mit Beginn der 90er Jahre kontinuierlich. Im Umkehrschluss stieg der Konsum der amerikanischen Haushalte drastisch an. Die teilweise private Ver- schuldung wurde mittels aufgenommener Kredite finanziert. Staatliche Institutionen waren ebenso mitverantwortlich für die Entstehung der Krise. Seit den Anschlägen des 11. Septembers 2001 litt die USA unter den Nachwehen der wirtschaftlichen Konsequenzen, die dieses Ereignis mit sich brachte.

Die Federal Reserve Bank kurbelte die Wirtschaft durch das Herabsetzen des Leitzin- ses an. Dies begünstigte des Weiteren die Kreditaufnahme zu dieser Zeit. Allerdings wurde hier nicht ausreichend bedacht, dass mit jeder einhergehenden Niedrigzinsphase die Zinsen im Verlaufe der Zeit wieder steigen würden. Hierbei entstanden Diskrepan- zen in Bezug auf Einlage- und Sparzinsen. Kredite, die während der Niedrigzinsphase meist noch zu fixen Zinssätzen abgeschlossen wurden, standen nun nach Anhebung des Zinssatzes durch die FED, den gestiegenen Einlagezinsen der Depositen-Kunden gegenüber. Die Banken standen somit vor einem Liquiditätsproblem, was in diesem Zusammenhang auch als Fristenkongruenz der Banken bezeichnet wird (Spahn, 2012, S.23 ff.).

Auch die Regierung begünstigte die vereinfachte Kreditaufnahme für nicht sonderlich wohlhabende Menschen durch entsprechende Gesetzesauflagen. Die Gesetzeslage in den USA sieht vor, dass Kredite bei Zahlungsausfall nur durch den Wert der Immobilie besichert sind. Das bedeutet, dass der Schuldner allein mit dem Wert der Immobilie haftet.

Des Weiteren waren die Banken in der Lage, ihre Hypothekenkredite zu verbriefen und am Kapitalmarkt zu emittieren. Bei einer Verbriefung handelt es sich um Generierung festverzinslicher Renditeansprüche auf Zahlungsströme eines aus Einzelforderungen gebündelten Portfolios (Jobst, 2003, S.3). Dieses Portfolio wurde nun als Basis der Generierung von Wertpapieren verwendet und somit das Risiko an andere am Markt weiter gegeben. Diese Problematik wird in Bezug auf das Schattenbanksystem noch einmal aufgegriffen und ausführlich erläutert.

Schlussfolgernd lässt sich zusammenfassen, dass die restriktive Zinspolitik der FED, die erleichterte Kreditvergabe und die Verbriefung der Hypothekenkredite die Blasen- bildung am Immobilienmarkt beschleunigten und letztendlich zum Platzen brachten.

2.2 Bank Runs als Folge der Krise

2.2.1 Die Rolle des Schattenbanksystems und der „securitization process“

In diesem Abschnitt wird dargelegt, wie sich das Schattenbanksystem entwickelte und welche Rolle es in Bezug auf die Finanzkrise spielte. Definitionsgemäß ist eine Schat- tenbank ein Finanzintermediär, welches Aktivitäten außerhalb des regulierten Banken- system betreibt (Stijn et al., 2012, S.3). Zu den Schattenbanken zählen unterschiedli- che Institutionen. Zum einen kann dies ein Unternehmen sein, welches Geld- und Bankgeschäfte betreibt, jedoch kein Kreditinstitut ist (hierbei wird oft von Tochterge- sellschaften von Banken gesprochen). Zum anderen können diese Zweckgesellschaf- ten sein, wie beispielsweise Conduits und Structured Investment Vehicles.

Ähnlich wie im traditionellen Bankensystem kümmert sich das Schattenbanksystem um die Intermediation zwischen Kreditnehmern und Investoren unter Betracht der auf- kommenden Risiken, welche die Kreditvergabe mit sich bringt. In Bezug auf die fi- nanzielle Stabilität kommen den Schattenbanken zwei Hauptaufgaben zu: Securitiza- tion (Verbriefung) und Collateral intermediation (Stijn et al, 2012, S.6). Im Folgenden wird in diesem Zusammenhang insbesondere das Securitzed Banking erläutert.

Vorerst ist es wichtig zu klären, welche Akteure bei der Verbriefung involviert sind und welchen einzelnen Aufgaben die Akteure bei diesem Prozess nachkommen. Den Ausgangspunkt bildet der Asset Originator, der sogenannte Besitzer der Kredit- forderungen. Der Asset Originator kann beispielsweise eine non-financial-cooperation sein.

Verschiedene Gründe können für die Verbriefung dieser Forderungen sprechen. Es kann sein, dass sich das Unternehmen auf diesem Wege Liquidität verschaffen oder auch bestimmte Assets aus deren Bilanz entfernen möchte (Moro, 2013, S.5). Der Originator verkauft die ausgewählten Kreditforderungen an eine sogenannte Zweckgesellschaft (SPV). Eine Zweckgesellschaft wird alleinig nur für einen Zweck gegründet und kann auch sofort nach Erfüllung dieses Zweckes wieder aufgelöst wer- den.

Innerhalb dieser SPV werden Kreditforderungen gesammelt, zusammengefasst und gebündelt. Das Ergebnis dieser Strukturierung war die Erschaffung von Mortgage Backed Securities (Hellwig, 2009, S.139). Bei einer Tranchierung werden die Ausfall- risiken dieser Kreditforderungen, welche Zins-und Tilgungsansprüche beinhalten, in drei Tranchen eingeteilt: die Senior Tranche, die Mezzaine Tranche und die Equity- Tranche (Hellwig, 2009, S.139). Für diese Aufgabe der Staffelung ist neben den SPV auch der Einsatz von Rating Agenturen gefragt. Diese unterstützten in diesem Zusam- menhang die Bewertung dieser Tranchen. Diese werden durch die SPV an den Kapi- talmarkt emittiert, um dort von Investoren aufgekauft werden zu können (Gorton, 2007, S.8). Die SPV können in diesem Zusammenhang auch als Mittler angesehen werden. Im Gegenzug erhalten die Investoren Zins-und Tilgungsansprüche, die von den Kreditschuldnern gezahlt werden müssen. Im Prinzip kann man hier von einer Umschichtung und Streuung der Risiken von den ursprünglichen Institutionen (Asset Operator) zum Kapitalmarkt (Investoren) sprechen (Hellwig, 2009, S.140).

Abbildung 1: The Process of Securitization

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gorton/ Metrick, 2010, S.427, eigene Darstellung

Es stellt sich nun die Frage, inwiefern die Verbriefung dieser Kreditforderungen auf die Finanzkrise Einfluss nahm. Generell kann man davon ausgehen, dass eine Streuung der Risiken in Anlageobjekte als positiv angesehen werden kann. Durch die Tranchie- rung wird ein Portfolio verschiedener Kreditforderungen erstellt, welches durch die Diversifikation von Risiken die Ausfallwahrscheinlichkeit mindern kann. Im Falle ei- nes Ausfalles einer Forderung wäre das Wertpapier nicht vollständig wertlos. Ebenso kann die Tranchierung als Möglichkeit zur Informationsbereitstellung für Investoren angesehen werden. Durch die Bewertung stehen Investoren Informationen in Bezug auf die Ausfallwahrscheinlichkeit des Portfolios bereit. Es ist anzunehmen, dass auf- grund von mangelnder Information und Unkenntnis viele Investoren nicht bereit wä- ren, in diese Packages zu investieren. Der Grund hierfür besteht darin, dass es oft schwierig ist, allerlei Aktivitäten der betreffenden Unternehmen aufgrund asymmetri- scher Informationen zu durchschauen.

Durch Transferierung dieser Risiken an den Kapitalmarkt war es auch möglich, Inves- toren aus aller Welt Zugang zu diesen Mortage Backed Securities zu verschaffen. Allerdings unterliegen diese Tatsachen auch einem Irrglauben. Die Bewertung der Tranchen wurde durchaus durch einen ausgeprägten Optimismus in Bezug auf die Wertsteigerungen der Immobilien vollzogen. Die Rating Agenturen haben zum Teil nicht bedacht, dass diese Preise auch fallen können. Das ist unter anderem darauf zu- rückzuführen, dass seit der Großen Depression die Häuserpreise nicht mehr gefallen sind. Somit hatten die Rating Agenturen verpasst, ausreichend Verlustrisiken mit ein- zubeziehen (Hellwig, 2008, S. 155).

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass der Asset Originator selbst das Interesse verfolgt, dass seine Wertpapiere relativ gut bewertet werden, um das Interesse der Investoren zu wecken und eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Deswegen liegt hier die Ver- mutung nahe, dass sich Emittenten eher die Agenturen aussuchen werden, die eine bessere Bewertung vornehmen. Die Ratingagenturen gerieten somit in das Abhängig- keitsverhältnis dieses Verbriefungsprozesses (FCIC Report, 2011, S.60).

2.2.2. „The Run on Repo“ und der Zusammenbruch des Interbankenmarktes

Der dramatische Rückgang des Hypothekenwertes resultierte daraus, dass die Forderungen, die in Bezug auf die Rückzahlungen der aufgenommen Kredite fällig waren für die Immobilien uneinbringlich waren (Moro, 2013, S.1). Infolgedessen brach eine Bankenpanik aus, die in einem Bank Run endete. Dies geschieht, wenn das Banksystem insolvent ist, und Banken ihre Verbindlichkeiten gegenüber ihren Schuldnern aufgrund von Liquiditätsverlusten nicht erfüllen können (Gorton/Metrick, 2010, S.426). Hier gilt es den Begriff des Bank Runs noch einmal genauer abzugrenzen. Hierbei geht es nicht um den klassischen Abzug von Depositeneinlagen privater Haushalte, wie es zuletzt in Folge der Krise Griechenland geschah.

Im Zusammenhang mit der Finanzkrise fand ein ein Run on Repo statt.

Darunter versteht man entweder die Beendigung eines Repo-Geschäftes zweier Vertragsparteien, wenn also Geldgeber und Investor den Deal platzen lassen, oder die vertragliche Vereinbarung wird nur unter bestimmten Voraussetzungen fortgeführt. Der genaue Ablauf eines Repo-Geschäftes wird in einem späteren Abschnitt erläutert. Zur Folge hatte dieser Run on Repo, dass der Interbankenhandel enorm darunter litt und letzten Endes sogar darunter zusammen brach.

Tatsache ist, dass die Verbriefungen des Schattenbanksystems dazu beigetragen ha- ben, den Run on Repo zu begünstigen, indem hier die Risiken dieser Wertpapiere falsch bewertet wurden und am Ende unzählige wertlose Wertpapiere im Umlauf wa- ren.

Es muss erörtert werden, was genau auf dem Repo-Markt geschah, in welchem Zusammenhang die verbrieften Wertpapiere der Schattenbanken in diesem Kontext stehen und wie die Banken in Liquiditätsnot gerieten.

Ein Repo stellt eine Rückkaufvereinbarung dar. Durch dieses Finanzmittel haben In- dividuen die Möglichkeit, sich kurzfristig (overnight) am Markt Liquidität zu ver- schaffen (Gorton, 2009, S.4). Der Geldgeber (Investor) händigt dem Geldleiher Geld aus und bekommt im Gegenzug eine Sicherheit (collateral). Dies können unter ande- rem Wertpapiere sein. Zum Zeitpunkt der Transaktion wird gleichzeitig eine Rück- kaufvereinbarung abgeschlossen, in der der Schuldner dem Gläubiger verspricht, das Wertpapier zu einem späteren Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis zurück zu kaufen. Der Geldgeber erhält in diesem Falle für die Transaktion einen Reposatz. Dieser Repo- satz kann als Zinssatz angesehen werden, den der Schuldner für die Beleihung bezahlt. Neben dem Reposatz gibt es noch den Repo-Haircut. Bei der Transaktion wird berück- sichtigt, dass das Wertpapier einem gewissen Ausfallrisiko des Marktes unterliegt. Dieser Werteverlust soll in diesem Falle abgepuffert werden können. Deshalb erhält der Geldgeber auf das Wertpapier einen Rabatt, den sogenannten Repo-Haircut (Gor- ton, 2008, S.426ff.). Der Markt hierfür entstand zum einen durch die steigende Nach- frage nach Geld, zum anderen bot dieser Markt die Möglichkeit Anlegern kurzfristig zinsbringend Geld anzulegen. Dies kam diesen Institutionen gerade gelegen, da in den USA (vor der Krise) Depositen nur bis zu einem Wert von 250.000 Dollar versichert waren. Oftmals wurde auch viel Kapital im Ausland aufgrund von Steuerumgehung gehalten (Stijn, 2012, S.10). Die Möglichkeit der Kapitalanlage auf dem Repo-Markt bot den Anlegern eine alternative Investitionsmöglichkeit.

Der grundlegende Vorteil dieser Rückkaufvereinbarung liegt darin, dass der Geldge- ber das Wertpapier so lange hält, wie der Schuldner den vereinbarten Geldbetrag schuldet. Kann dieser den Verpflichtungen gegenüber dem Gläubiger nicht nachkom- men, hat der Schuldner die Möglichkeit, diese Sicherheit weiter zu verkaufen und so- mit zu liquidieren, um die vertragliche Vereinbarung zu beenden. Wie anfangs schon angedeutet, waren auch hier auf diesem Markt minderwertige Wertpapiere im Umlauf, welche anfangs gar nicht als solche identifiziert wurden. Die bildet hierbei das Securitized Banking. Einige dieser verpackten Kreditforderungen

[...]


1 Die Sparquote entspricht dem Anteil des verfügbaren Einkommens der Privathaushalte, welches nicht konsumiert sondern gespart wird (in Anlehnung an Sinn (2009), S.32).

Details

Seiten
26
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668171022
ISBN (Buch)
9783668171039
Dateigröße
740 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317788
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,7
Schlagworte
Finanzkrise Ursachen Eigenkapitalregulierung Kreditvergabe Immobilienmarkt

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