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Die Gründung von Juniorunternehmen durch Schüler. Fördern solche Projekte die Sozial- und Handlungskompetenz?

Das Beispiel Juniorprojekt des IW Köln

von Elias Bern (Autor)

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Juniorunternehmen
2.1 Was ist Junior?
2.2 Anforderungen der Wirtschaft an Schulabsolventen
2.3 Das Juniorunternehmen als Unterrichtsmethode zur Förderung der ökonomischen Bildung

3. Förderung der Handlungskompetenz durch Schülerfirmen
3.1 Definition und Beschreibung der Handlungskompetenz
3.2 Entfaltung der Handlungskompetenz durch das Juniorunternehmen

4. Förderung der Sozialkompetenz durch das Juniorunternehmen
4.1 Definition und Beschreibung der Sozialkompetenz
4.2 Entwicklung der Sozialkompetenz durch das Juniorunternehmen

5. Gefahren bei der Kompetenzförderung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Hauptthema dieser Hausarbeit basiert auf die „Förderung der Sozial- und Handlungskompetenz durch das Juniorprojekt“.

Eine Definition des Begriffs „Kompetenz“ verschafft uns hierbei zunächst einen Überblick.

„Kompetenzen sind Verhaltensweisen, die dem Menschen zur Verfügung stehen und situationsabhängig angewendet werden. Kompetenzen sind deshalb lern- und trainierbar.”[1]

Bestimmte Schlüsselkompetenzen, wie die Sozial- und Handlungskompetenz, erhalten in unserem Berufsleben eine immer größere Bedeutung. Aus diesem Grunde muss der Unterricht Methodenreicher und erfreulicher gestaltet werden. Heute ist es wissenschaftlich erwiesen, dass die Methoden indirekter, d. h selbstständiger, handlungsorientierter und kooperativer Instruktion die Selbstständigkeit der Schüler fördern und einen höheren Lernerfolg in Fragen der Sozialkompetenz hervorzubringen imstande sind.[2] Das Juniorunternehmen ist eine handlungsorientierte Methode die im sozialwissenschaftlichen Unterricht eingesetzt werden kann, um den Schülern solche Kompetenzen besser vermitteln zu können.

Die genaue Untersuchung folgt im weiteren Verlauf der Hausarbeit.

Das zweite Kapitel umfasst das Juniorunternehmen selbst. Zunächst werde ich die Strukturmerkmale des Juniorunternehmens erläutern und setze mit den Anforderungen der Wirtschaft fort. Den letzten Unterpunkt des ersten Kapitels belegt das Juniorunternehmen als Unterrichtsmethode zur Förderung der ökonomischen Bildung.

Im Hauptteil der schriftlichen Ausarbeitung geht es gezielt um die Kompetenzen, die durch das Juniorunternehmen hervorgehoben werden. Zunächst werde ich mit der Definition und Beschreibung der Handlungskompetenz beginnen. Folglich werde ich die Entfaltung der Handlungskompetenz durch das Juniorprojekt in den Fokus stellen.

Das vierte Kapitel beinhaltet die Sozialkompetenz, welche auf die Handlungskompetenz aufbaut. Es folgt eine Definition und setzt mit der Entwicklung der Sozialkompetenz durch das Juniorprojekt fort.

Darauffolgend beziehe ich mich auf die Probleme bei der Kompetenzförderung, bevor ich meine Untersuchung mit einem Fazit beenden werde.

2. Das Juniorunternehmen

2.1 Was ist Junior?

Junior ist ein Programm des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), welches im Jahre 1994 ins Leben gerufen wurde, das Schülerinnen und Schülern für ein Schuljahr dabei unterstützt, ein Juniorunternehmen zu gründen. Die Schüler erhalten die Möglichkeit, auf praktische Art und Weise erste Erfahrungen in der Welt der Wirtschaft zu sammeln.

„Schülerfirmen sind von Schülern organisierte Einrichtungen, die Produkte und Dienstleistungen für einen anonymen Markt anbieten und dabei mindestens Kostendeckung, in der Regel aber Gewinne anstreben und ein gewisses Risiko tragen“[3].

Grundlegend können Juniorenfirmen in allen Schulformen gegründet werden. Nach Angaben der IW Köln richtet sich Junior an Schüler ab der Klasse 9 an allgemein- und berufsbildenden Schulen. Im auslaufenden neunjährigen Gymnasium (G9) eignet sich Junior in der 9-10 Jahrgangsstufe. Im achtjährigen Gymnasium (G8) wird das Projekt in die 8-9 Jahrgangsstufe gesetzt.

Eine Voraussetzung des Juniorunternehmens ist die Zustimmung der Schulleitung und die Betreuung des Projekts durch mindestens einer Lehrperson.

Um einen vollständigen Eingang der Einschreibeunterlagen zu gewährleisten, müssen folgende Aspekte berücksichtigt werden: Alle Teilnehmer müssen die Bereitschaft am Projekt erklärt haben und im Mitarbeiterverzeichnis aufgeführt werden. Es muss eine Geschäftsidee vorhanden sein, welche auch genehmigungsfähig ist. Der Name des Unternehmens und ein entsprechendes Logo sollte feststehen. Jeder Schüler benötigt eine eigene Kontakt-Emailadresse. Die Wahl des Vorstandsvorsitzes und die Besetzung der Abteilungen müssen vorliegen .

Die Geschäftsidee des Junior-Unternehmens wird von den Schülern selbst entwickelt und umgesetzt. Anhand einer Marktanalyse berechnen die Schüler ihre Erfolgschancen aus. Somit wird die Menge der potenziellen Kunden und die Zahlungsbereitschaft kalkuliert. Ferner wird ein Businessplan erstellt, dass das Konzept sowie Ziele und Strategien des Unternehmens beinhaltet.

Sobald die Formalitäten mit der Junior-Geschäftsstelle abhandelt wurden, beginnt der offizielle Start des Unternehmens.

Das Start-Kapital wird durch den Verkauf der Anteilsscheine reguliert. Jedes Unternehmen bekommt die Chance 90 Anteilsscheine à 10Euro zu verkaufen. So stehen maximal 900Euro zur Verfügung.

Das Junior-Unternehmen besteht aus dem Vorstandsvorsitz, der Verwaltungs-, Marketing-, Finanz- und der Technikabteilung.

Im folgenden Verlauf sind die Junior-Unternehmer auf sich selbst gestellt und gestalten und leiten somit in eigener Verantwortung die Führung des Unternehmens.

Am Ende des Schuljahres muss jedes Unternehmen aufgelöst werden. Schüler, die mindestens 50 Arbeitsstunden absolviert haben, erhalten ein Teilnehmerzertifikat als Belohnung.

2.2 Anforderungen der Wirtschaft an Schulabsolventen

Der Berufsbildungsbericht vom Jahre 2008 zeigt, das ein Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt herrscht. Die abgeschlossenen Ausbildungsverträge stellen den zweithöchsten Wert nach der Wiedervereinigung dar. Jedoch können nicht alle Schulabsolventen davon profitieren, da weiterhin Probleme vorhanden sind.

Einer dieser Problembereiche stellt die Schule dar. Es mangelt in der Förderung der ökonomischen Bildung. Aus diesem Grunde sind viele Schüler bezüglich der Berufswelt nicht genügend vorbereitet bzw. nicht im Klaren, was auf sie zukommt.

Außerdem werden die Anforderungen der Unternehmen größer. Ein guter Schulabschluss ist nicht mehr der einzige Faktor für eine Einstellung.

Die Strukturen der Arbeitswelt und somit die Erwartungen an die Arbeitswelt haben sich durch die wirtschaftliche Entwicklung und den technischen Fortschritt verändert.

Es wird von Auszubildenden verlangt, dass sie sich schnell in neue Arbeitsbereiche integrieren können und nicht nur in einem Gebiet einsetzbar sind. Demzufolge wird ein höheres Ausmaß an sozialer Kompetenz erwartet, wie Kommunikations- und Teamfähigkeit. Aufgrund der veränderten Organisationsstrukturen wird die Verantwortung verstärkt an die Mitarbeiter aufgesetzt. Daraus können wir folgern, dass Selbstorganisation und Zielsetzungsfähigkeit gefordert wird.

Um die Schüler nicht vor solchen Konflikten bloßzustellen, ist eine Begleitung durch institutionelle Hilfen oder Unterrichtsmethoden, wie die der Schülerfirmen, notwendig. Diese erleichtern nämlich den Übergang von Schule in die Ausbildung.

Die Schülerfirmen bieten eine Orientierung in die Berufs- und Arbeitswelt. Es werden unterschiedliche berufliche Tätigkeitsfelder näher kennen gelernt. So bekommen Jugendliche die eine geringere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt haben, die Möglichkeit den Erwartungen der künftigen Arbeitgeber besser gerecht zu werden.

2.3 Das Juniorunternehmen als Unterrichtsmethode zur Förderung der ökonomischen Bildung

„Angesichts der fundamentalen Bedeutung ökonomischer Sachverhalte für alle Lebensbereiche und der zunehmenden Komplexität wirtschaftlicher Zusammenhänge ist ökonomische Bildung ein unverzichtbarer Bestandteil der Allgemeinbildung.“[4]

„Ökonomische Grundkenntnisse im Rahmen einer schulischen Allgemeinbildung sind notwendig, um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Basis der menschlichen Existenz überhaupt verstehbar zu machen. Es geht also nicht um berufliches Spezialwissen, sondern um allgemeine Grundlagenkenntnisse für das Verständnis beruflicher, wirtschaftlicher und technischer Prozesse in komplexen Industriegesellschaften“[5]

Das Juniorprojekt versucht die oben erwähnten Erwartungen zu füllen. Die Gründung eines Juniorunternehmens gewährleistet nämlich einen Einblick in die Arbeitswelt.

Die differenzierten Abteilungen innerhalb des Unternehmens ermöglichen, dass betriebliche und wirtschaftliche Grundbegriffe und Zusammenhänge gelernt werden.

Die Schüler lernen unternehmerische Entscheidungen zu planen, sie zu beurteilen und durchzuführen. Die Schüler werden darauf vorbereitet, um mit komplexen unsicheren Entwicklungen selbstständig und verantwortlich umzugehen. Für die Umsetzung ist von Lehrer und Schüler ein hohes Maß an Engagement, Innovations- und Risikobereitschaft erforderlich. Juniorenfirmen bedürfen einer besonders intensiven Betreuung. Der/Die verantwortliche Lehrer/in sollte versuchen immer wieder neue Impulse zu setzen und die Schüler bei Bedarf extrinsisch motivieren.

Bei einem Juniorunternehmen werden natürlich nicht alle Voraussetzungen für einen optimalen Wirtschaftszyklus dargelegt. Obwohl die Risiken, Kosten und Löhne minimiert werden, können sie trotzdem ein Verständnis für ökonomische Begriffe wecken.

Kruber sieht die Aufgabe der ökonomischen Bildung, Heranwachsende zu mündigen Wirtschaftsbürgern zu erziehen. Ökonomische Bildung soll Heranwachsende zu selbstbestimmten und verantwortlichen Entscheidungen befähigen.[6]

Der Begriff des Erziehens bezweckt das Herantasten zu dem erwünschten Ziel. Daraus können wir schließen, dass nicht alle Begebenheiten der Juniorenfirmen der reellen Firmen übereinstimmen müssen.

Die Deutsche Gesellschaft für ökonomische Bildung (DEGÖB) hingegen setzt beim Erwerb von Kompetenzen an, die die Lernenden „befähigen, sich in ökonomischen Lebenssituationen sicher zu orientieren, gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen angemessen zu beurteilen und sie verantwortlich im Bewusstsein der Konsequenzen mitzugestalten.“[7] Sie sieht das Ziel ökonomischer Bildung darin, Menschen zu einem mündigen Urteil, zur Selbstbestimmung und zur verantwortlichen Mitgestaltung zu befähigen.

Ökonomische Bildung ist nach Kuber nicht einfach Unterricht über das Funktionieren von Wirtschaft in Betrieben und auf Märkten, sondern eine fachlich fundierte, persönliche Auseinandersetzung mit Arbeiten und Wirtschaften und mit dem eigenen wirtschaftlichen Verhalten erfordert.[8]

3. Förderung der Handlungskompetenz durch Schülerfirmen

3.1 Definition und Beschreibung der Handlungskompetenz

Die didaktischen Leitgedanken des handlungsorientierten Lernen finden sich in verschiedenen pädagogischen Konzepten aus unterschiedlichen Epochen wieder.

Bereits im 19.Jahrhundert forderte Pestalozzi die interagierende Beteiligung von „Kopf, Herz und Hand.“[9] Er setzte die praktische Arbeit zum pädagogischen Instrument, durch das der Mensch sowohl eine physische als auch eine seelisch-geistige Ausbildung genoss.

Anfang des 20.Jahrhunderts entwarf Dewey das Konzept „learning by doing“. Hierbei sollte der Lernende durch diverse praktische Tätigkeiten zum Lernen motiviert werden. Er entwickelte die Projektmethode, worin die Beteiligten vorwiegend selber planen, was sie tun und erreichen wollen.

In den 20er- und 30er-Jahren traf die Projektmethode als handlungsorientierte Methode in Deutschland ein. Der Höhepunkt des Wandels erhob sich jedoch in den 80er-Jahren, als sich die Anforderungen im Beruflichen Leben durch den erhöhten technischen Wandel veränderten. Die Handlungsorientierung nahm in der beruflichen Bildung einen immer höheren Stellenwert ein, so dass „Personale und soziale Fähigkeiten zunehmend wichtiger wurden.“[10]

Das Wissen, das in Lehr-Lernsituationen erworben und angewendet wurde, soll zum Handeln in sozioökonomischen Lebenssituationen befähigen. Dieses Wissen wird als Handlungskompetenz bezeichnet.[11]

Eine weitere Definition bezeichnet Handlungskompetenz, als die den Individuen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.[12]

Nach Euler & Hahn stellt die Handlungskompetenz Schlüsselqualifikationen dar, welche unterschiedliche Schwerpunkte besitzt. Einer der Bezugspunkte besagt, das Handeln seinen Schwerpunkt im Umgang mit Sachen besitzt. Die so genannte Sachkompetenz ist für die Bewältigung mit materiellen und symbolischen Objekten notwendig. Den weiteren Schwerpunkt stellt die Sozialkompetenz dar. Diese ist erforderlich um differenzierten Kommunikationssituationen gewachsen zu sein. Die selbstständige Erschließung von Informationen ist auf die Selbstkompetenz zurückzuführen.

Der Erwerb von Schlüsselqualifikationen findet durch selbstorganisierte Lernprozesse statt. Diese Annahme bekräftigt auch der Psychologe Hans Aebli.

Denn nach Aeblis handlungstheoretischen Grundannahmen, kommt es im Hinblick auf die Realisierung erfolgreicher Lernprozesse darauf an, Lehr- und Lernarrangements so zu gestalten, dass die Schüler sich weitgehend durch selbstgesteuertes Lernen theoretisches Wissen im Zusammenhang mit praktischen Problemstellungen und Handlungsvollzügen aufbauen.

„ Lernen ist [...] dann selbstgesteuert, wenn der „Handelnde die wesentliche Entscheidung, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann“[13]

Der Freiraum für die Schüler fördert das individuelle, selbstorganisierte, Lernen. Dadurch wird dem Schüler die Möglichkeit gegeben, nach seinem eigenen Lernschema und Lernrhythmus zu arbeiten.

Im nächsten Abschnitt werde ich die Entwicklung der Handlungskompetenz durch das Juniorunternehmen, die ebenfalls zu den handlungsorientierten Methoden zählen, untersuchen.

[...]


[1] Glossaryon theBologna Process, HRK 2006

[2] Meyer, Hilbert, 2007, S. 58

[3] Retzmann, 2007, S. 191

[4] Vgl. Rahmenvorgabe für die ökonomische Bildung NRW in der Sekundarstufe 1 (1.Auflage 2001)

[5] Kaiser/Kaminski, 1997, S. 25

[6] Vgl. Krol, 2008, S. 151

[7] DGÖB, 2004, S. 2

[8] Vgl. Kruber, 1994, S. 34f

[9] Kaiser und Kaminski, 1997, S. 58

[10] Hillebrand & Tunat, 2006, S. 46

[11] Vgl. Euler & Hahn, 2004, S. 78

[12] Franz Weinert , 2001, S. 17–31

[13] Weinert 2001, S.102

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668175228
ISBN (Buch)
9783668175235
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317553
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Politikwissenschaften
Note
Schlagworte
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Autor

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    Elias Bern (Autor)

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