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Die Bedeutung des Taylorismus für das Management im 21. Jahrhundert

Seminararbeit 2015 16 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung

2 Begrifflich – systematische Grundlegung
2.1 Die Menschenbilder „Modell X & Y“ nach McGregor
2.2 Der Taylorismus
2.2.1 Die Arbeitsmarktumstände zu Zeiten Taylors
2.2.2 Die Managementprinzipien des Taylorismus

3 Die Bedeutung des Taylorismus für das Management im 21. Jahrhundert
3.1 Kritik am Taylorismus
3.2 Die Renaissance des Taylorismus

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Kondratieff-Zyklus

Abbildung 2: Die "Taylor-Wanne"

1 Einführung

Der von Frederick Winslow Taylor entwickelte Taylorismus hat die Wirtschaft seit Beginn des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt und auch im heutigen Managementdenken noch eine große Bedeutung. Taylor führte über einen Zeitraum von 30 Jahren in Fabriken Untersuchungen durch, um die Abläufe der Arbeiter zu protokollieren und zu verstehen.[1] Die damalige Erkenntnis seiner Untersuchung war, dass Arbeiter weniger leisten als sie eigentlich leisten können.[2] Mithilfe von wissenschaftlichen Methoden und Instrumenten versuchte er dieses Problem zu lösen und erstellte verschiedene Organisationstheorien. Diese veröffentlichte er in seiner Arbeit mit dem Titel „Scientific Management“, was übersetzt wissenschaftliche Betriebsführung bedeutet.[3] Das Ziel war es, die damaligen komplexen Arbeitsabläufe in Fabriken zu vereinfachen und die Produktivität zu steigern.

Das Thema dieser Arbeit ist es, die Grundlagen des Taylorismus zu erklären und die Bedeutung der Theorie im heutigen 21. Jahrhundert herauszuarbeiten. Hierfür werden zunächst die Menschenbilder „Modell X & Y“ nach McGregor erklärt, da das „Modell X“ die Annahmen des Scientific Managements beschreibt und dabei hilft Taylors Methoden zu verstehen. Darauffolgend werden die einzelnen Managementprinzipien von Taylors Theorie aufgegriffen und erklärt.

Im zweiten Teil der Arbeit wird dann die Bedeutung für das heutige Personalmanagement herausgearbeitet. Hierzu wird zuerst die kritische Seite der Theorie betrachtet und daraufhin erörtert, wieso sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts die Meinungen wandelten und viele Unternehmen dem Taylorismus abschworen, bevor nach Gründen gesucht wird, weshalb die wissenschaftliche Betriebsführung heutzutage wieder ein Thema geworden ist.

2 Begrifflich – systematische Grundlegung

2.1 Die Menschenbilder „Modell X & Y“ nach McGregor

Douglas McGregor veröffentlichte im Jahre 1960 in seinem Buch „The Human Side of Enterprise“ zwei unterschiedliche Modelle des Menschenbilds. Auf der einen Seite das „Modell Y“, das beschreibt, dass Menschen von Grund auf engagiert und leistungsbereit sind.[4] Seine Motivation erlangt der Mensch nach dieser Theorie durch den Drang zur Selbstverwirklichung und die Befriedigung der Ich-Bedürfnisse.[5] Die Aufgaben des Managements in dieser Theorie umfassen die Entwicklung einer Organisationsstruktur, in der sich die Ziele des Unternehmens mit den Zielen der Mitarbeiter decken.[6] Durch das übereinstimmende Ziel entwickelt der Mitarbeiter ein eigenes Bestreben das Ziel zu erreichen und übernimmt Verantwortung, die spätere Kontrollen des Arbeitsergebnisses überflüssig machen.[7]

Gegensätzlich beschreibt das „Modell X“ den Menschen grundsätzlich als faul und unwillig zu arbeiten.[8] Er entwickelt keinen Ehrgeiz etwas zur Erfüllung der Unternehmensziele beizutragen und kann nur durch Androhung von Strafmaßnahmen und ständiger Kontrolle zur Arbeit geführt werden.[9] Selbst monetäre Anreize führen nur zu einer kurzen Motivationssteigerung, da der Mensch immer mehr verdienen will und die Motivation direkt durch eine weitere Lohnerhöhung aufrecht gehalten werden müsste.[10] Das Management muss somit Aufgaben und Arbeitsabläufe detailliert vorgeben und die Durchführung streng überwachen, damit das gewünschte Ziel am Ende erreicht wird.[11]

Während McGregor 1960 das „Modell Y“ favorisierte, bildet das „Modell X“ die Sichtweise von Frederick Winslow Taylor ab. Seine durchgeführten Untersuchungen mit dem Ergebnis der Mitarbeiter leiste weniger als er zu leisten im Stande wäre, erklärte er durch Unlust der Mitarbeiter und zu wenig Kontrolle, was dazu führt, dass der Mitarbeiter nicht sein volles Potential abruft.

2.2 Der Taylorismus

2.2.1 Die Arbeitsmarktumstände zu Zeiten Taylors

Zu Zeiten Taylors befand sich die Wirtschaft gerade am Anfang eines Konjunkturaufschwungs. Dies lässt sich anhand des Kondratieffs-Zykluses, der in der folgenden Abbildung 1 dargestellt ist, am Besten aufzeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Kondratieff-Zyklus

Quelle: Händeler, E., Kondratieffs Welt, 2007, S. 27.

Der russische Ökonom Nikolai Dmitrijewitsch Kondratieff veröffentlichte mit seiner Theorie „Die langen Wellen der Konjunktur“ ein Modell, das besagt, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht durch kurze Konjunkturschwankungen geprägt ist, sondern es langfristige Zyklen gibt. Diese wiederholen sich alle 45-60 Jahre und werden durch eine Basisinnovation ausgelöst.[12]

Nach dieser These befand sich Taylor zu Beginn seiner Untersuchungen am Start des dritten Kondratieff-Zyklus. Diese Phase war geprägt durch eine Vielzahl technischer Entwicklungen, wie dem Elektromotor und anderen Maschinen, die schließlich die Grundlage für die Massenproduktion bildeten.[13] Taylor erkannte, dass aufgrund der wirtschaftlichen Veränderungen in diesem Zeitraum neue Arbeitsmethoden entwickelt werden mussten, um die volle Arbeitskraft der Mitarbeiter auszuschöpfen.[14] Die bisherige Arbeitsweise, der bis dahin vorherrschenden Manufakturen, war zu komplex und konnte nicht auf die neu entstandene Großindustrie übertragen werden.[15] Ausgehend von diesen Erkenntnissen veröffentlichte er im Jahre 1912 seine Arbeit „The Principles of Scientific Management“, in der er seine Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung und zur Möglichkeit der Verringerung der Komplexität erläutert. Der damalige Grad der Komplexität und die Veränderung die Taylors Arbeit hervorgerufen hat, zeigt sich in der folgenden Abbildung 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die "Taylor-Wanne"

Quelle: Frano-Pallesche, K., Gestaltungskonzepte von Anreizsystemen, 2005, S. 6.

Wie die „Taylor-Wanne“ grafisch darlegt, war die Komplexität zu Zeiten der Manufakturen enorm. Eine Manufaktur beinhaltete mehrere Handwerksberufe unter einem Dach, die dort zusammen, meistens noch von Hand, ein Produkt herstellten. Der Abstimmungsbedarf für ein Produkt war gigantisch, was den ganzen Produktionsablauf stark verlangsamte und verkomplizierte. Diesem Problem wollte Taylor mit seiner Arbeit entgegenwirken, was ihm auch gelang. Nach der Veröffentlichung von Taylors wissenschaftlicher Betriebsführung und der Umsetzung seiner Managementprinzipien hat die Komplexität der Produktion für beinahe ein Jahrhundert drastisch abgenommen. Diese Komplexitätsreduktion zeigt sich in Abbildung 2 an der abgeflachten Kurve zwischen 1910 und 1990. Auf die Gründe für den erneuten Anstieg der Komplexität gegen Ende des 20. Jahrhunderts wird im späteren Teil dieser Arbeit im Kapitel „Kritik am Taylorismus“ eingegangen.

2.2.2 Die Managementprinzipien des Taylorismus

Zentrales Thema von Taylors Arbeit war es, die Vergeudung der menschlichen Arbeitskraft durch zu viel Komplexität zu verhindern.[16] Außerdem wollte er zeigen, dass die Interessen von Arbeiter und Unternehmensführung grundsätzlich dieselben sind und diese sich nur erreichen lassen, wenn beide Seiten zusammenarbeiten, um so höchstmöglichen Wohlstand für alle zu generieren.[17] Die grundlegenden Prinzipien die Taylor in seiner Arbeit formuliert lauten:

- Die Trennung von Hand- und Kopfarbeit: Den Arbeitern werden alle planerischen Aufgaben entzogen, damit diese sich nur noch mit den ausführenden Tätigkeiten beschäftigen müssen.[18] Alle planerischen Tätigkeiten werden von der Unternehmensleitung übernommen.[19]
- Arbeitsabläufe optimieren: Hierbei wird jeder Arbeitsschritt mithilfe von Zeit- und Bewegungsstudien analysiert und im Folgenden festgelegt, wie viel Zeitbedarf ein Arbeitsschritt maximal benötigen darf.[20]
- Tägliches Arbeitspensum: Auf Grundlage der zeitlichen Arbeitsstudien kann für jeden Mitarbeiter ein Arbeitspensum erstellt werden, dass er an einem Tag zu bewerkstelligen hatte.[21]
- Differential-Entlohnung: Taylor entwarf ein System der Leistungsentlohnung, dass Mitarbeiter dazu führen sollte, ihr Arbeitspensum immer weiter zu erhöhen.[22] Erledigt ein Mitarbeiter sein Arbeitspensum schneller als in der vorgegebenen Zeit erhält er trotzdem den Stundenlohn für die angedachte Arbeitszeit plus eine Prämie.[23] Das Ziel dieses Systems ist es, dass die Mitarbeiter mit der Zeit immer schneller arbeiteten und somit auch das Arbeitspensum erhöht werden konnte.[24] Durch die folgende Produktionssteigerung von Gütern erhoffte Taylor sich einen steigenden Wohlstand der Bevölkerung, da mehr Güter verkauft werden, somit mehr eingenommen wird und dadurch die Mitarbeiter durch immer schnellere Arbeit besser entlohnt werden.[25] Der zweite Vorteil dieses Lohnsystems ist es, dass durch die genaue Abrechnung des Arbeitspensums faule und langsame Arbeiter erkannt und ersetzt werden können.[26]
- Funktionsmeistersystem: Zur Überwachung der Arbeit führte Taylor ein sogenanntes Funktionsmeistersystem ein.[27] Während es zu Zeiten der Manufakturen nur einen Werkstattmeister gab, der sich um alles kümmerte, besteht der größte Unterschied dieses Systems darin, dass es für jede Phase der Produktion einen Spezialisten gibt, der die Arbeitsanweisungen vorgibt und die Einhaltung der Arbeitszeiten kontrolliert.[28] Die Mitarbeiter können sich bei Problemen somit direkt an die jeweiligen Spezialisten wenden und müssen nicht den umständlichen Weg zur Hierarchiespitze nehmen.

Die von Taylor damit festgelegten Grundsätze der wissenschaftlichen Betriebsführung setzen den Mensch als Produktionsfaktor als Teil einer Maschine gleich, der sich hauptsächlich durch monetäre Anreize motivieren lässt.[29] Der Arbeitsprozess wurde dabei in möglichst viele kleine Teile unterteilt und mithilfe von Ablaufplänen standardisiert, damit jeder Arbeiter die Aufgaben problemlos und zeiteffizient erledigen kann.

Die Prinzipien Taylors bildeten in den Folgejahren die Grundlage für viele Arten der Fließfertigung in den industriellen Fabriken der Massenproduktion und steigerten die Produktivität enorm. Henry Ford setzte durch die Einführung der Fließbandfertigung in seinen Automobilfabriken die von Taylor geprägten Grundsätze wohl am Besten um.[30]

[...]


[1] Vgl. Frano-Pallesche, K., Gestaltungskonzepte von Anreizsystemen, 2005, S. 6.

[2] Vgl. Oechsler, W. A., Personal und Arbeit, 2011, S. 285.

[3] Vgl. ebenda, S. 285.

[4] Vgl. McGregor, D., Der Mensch im Unternehmen, 1986, S. 36.

[5] Vgl. ebenda, S. 36.

[6] Vgl. ebenda, S. 37.

[7] Vgl. ebenda, S. 36.

[8] Vgl. ebenda, S. 27.

[9] Vgl. ebenda, S. 27.

[10] Vgl. ebenda, S. 27.

[11] Vgl. ebenda, S. 28.

[12] Vgl. Händeler, E., Kondratieffs Welt, 2007, S. 26.

[13] Vgl. ebenda, S. 27.

[14] Vgl. Taylor, F. W., Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung, 2011, S. 13.

[15] Vgl. Frano-Pallesche, K., Gestaltungskonzepte von Anreizsystemen, 2005, S. 6.

[16] Vgl. Taylor, F. W., Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung, 2011, S. 13.

[17] Vgl. ebenda, S. 20.

[18] Vgl. Oechsler, W. A., Personal und Arbeit, 2011, S. 286.

[19] Vgl. Taylor, F. W., 2011, S. 27.

[20] Vgl. ebenda, S. 23, dazu auch Oechsler, W. A., 2011, S. 285.

[21] Vgl. Oechsler, W. A., 2011, S. 286.

[22] Vgl. ebenda, S. 286, dazu auch Taylor, F. W., 2011, S. 24f.

[23] Vgl. ebenda, S. 286.

[24] Vgl. Taylor, F. W., Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung, 2011, S. 28.

[25] Vgl. Frano-Pallesche, K., Gestaltungskonzepte von Anreizsystemen, 2005, S. 7.

[26] Vgl. Taylor, F. W., 2011, S. 25.

[27] Vgl. Oechsler, W. A., Personal und Arbeit, 2011, S. 286.

[28] Vgl. ebenda, S. 286.

[29] Vgl. ebenda, S. 287.

[30] Vgl. Frano-Pallesche, K., 2005, S. 7.

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668167698
ISBN (Buch)
9783668167704
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317476
Institution / Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Note
1,0
Schlagworte
Taylorismus Scientific Management F. W. Taylor Taylor McGregor Taylor-Wanne Modell X&Y The Principles of Scientific Management Managementprinzipien

Autor

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