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Die Zwei-Säulen-Strategie der Europäischen Zentralbank. Theorie, Aufbau, Begründung und Kritik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 19 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis ...3

Abkürzungsverzeichnis ...3

1. Einleitung ...4

2. Grundlagen der geldpolitischen Strategie der EZB ...5
2.1 Oberstes Ziel - Preisstabilität ...5
2.2 Der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik ...6

3. Die Zwei-Säulen-Strategie ...9
3.1 Die erste Säule: wirtschaftliche Analyse ...11
3.2 Die zweite Säule: monetäre Analyse ...12

4. Mögliche Alternativen zur Zwei-Säulen-Strategie ...13

5. Ökonomische Begründung der Zwei-Säulen-Strategie ...14

6. Kritik an der Zwei-Säulen-Strategie ...17

7. Fazit ...18

Literaturverzeichnis ...19

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik ...7
Abbildung 2: Die Zwei-Säulen-Strategie der EZB ...11
Abbildung 3: Die Geldmengenbegriffe in der EWU ...13

Abkürzungsverzeichnis

AEUV - Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union
BIP - Bruttoinlandsprodukt
EU-Vertrag - Gründungsvertrag der Europäischen Union
ESZB - Europäisches System der Zentralbanken
EWU - Europäische Wirtschafts- und Währungsunion
EZB - Europäische Zentralbank
HVPI - Harmonisierter Verbraucherpreisindex

1. Einleitung

„Der institutionelle Rahmen [der europäischen Geldpolitik] basiert auf dem Grundsatz, dass das Ziel des Eurosystems, Preisstabilität zu gewährleisten, von herausragender Bedeutung ist“ (EZB, 2011, S.62). Da die EZB als Zentralbank die ausführende Institution der europäischen Geldpolitik für die 19 Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) ist, ist sie die einzige Instanz zur Herausgabe von Basisgeld sowie Bereitstellung von Mindestreserveguthaben von Privat- und Geschäftsbanken und besitzt somit das alleinige Recht, Anbieter der monetären Basis zu sein (EZB, 2011, S.59). Sie hat daher eine Monopolstellung, durch die sie die Möglichkeit besitzt, „[...] die Bedingungen am Geldmarkt zu beeinflussen und die kurzfristigen Zinssätze zu steuern“ (EZB, 2011, S.59). Für ihre Geldpolitik nutzt sie die Zwei-Säulen-Strategie, die mittels zweier verschieden ausgerichteter Analyse-Säulen Informationen mithilfe statistischer Filterverfahren sammelt, bewertet und in die geldpolitischen Entscheidungen einfließen lässt. Genau hier entsteht die Motivation dieser Arbeit, die Zwei-Säulen-Strategie der EZB genauer darzustellen. Damit verbunden sind Fragen nach der ökonomischen Begründung, der Kritik und danach, welche Alternativstrategien es gibt.

In der vorliegenden Arbeit werden in Kapitel zwei allgemeine Grundlagen für das Verständnis zur Zwei-Säulen-Strategie dargestellt, zum einen das Ziel der europäischen Geldpolitik und zum anderen der Transmissionsmechanismus. Anschließend folgt Kapitel drei mit einer detaillierten Darstellung der Zwei-Säulen-Strategie. Mögliche Alternativen werden in Kapitel vier aufgezeigt und im fünften Kapitel wird die ökonomische Begründung für die Zwei-Säulen-Strategie dargestellt. Daran schließt in Kapitel sechs die Kritik an der Zwei-Säulen-Strategie an. Um die Arbeit abzuschließen, werden im siebten Kapitel die Ergebnisse der Arbeit kurz zusammengefasst und die Arbeit mit einem persönlichen Fazit beendet. Ziel dieser Arbeit ist es, Leserinnen und Leser allgemeine Grundkenntnisse über die Zwei-Säulen-Strategie zu vermitteln und Gründe zu liefern, weshalb die EZB bei ihrer Geldpolitik die Zwei-Säulen-Strategie verfolgt.

2. Grundlagen der geldpolitischen Strategie der EZB

Im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist das primäre Ziel der Europäischen Geldpolitik im 3. Teil, Kapitel 2 in Artikel 127 festgelegt: „Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken (im Folgenden „ESZB“) ist es, Preisstabilität zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union, um zur Verwirklichung der in Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union festgelegten Ziele der Union beizutragen“ (Heintschell von Heinegg, 2012, S. 631-632, Hervorh. im Orig.). Artikel 127 des AEUV ist zu entnehmen, dass das primäre Ziel der europäischen Geldpolitik die Gewährleistung von Preisstabilität und die Verhinderung von Inflation ist.

2.1 Oberstes Ziel - Preisstabilität

Um das Ziel der Preisstabilität quantifizierbar zu machen, gab der EZB-Rat 1998 eine quantitative Definition bekannt (EZB, 2011, S.69). Darin wird Preisstabilität als ein Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro- Währungsgebiet von 2 % oder weniger gegenüber dem Vorjahr definiert (vgl. ebd. S.69). Die quantitative Definition impliziert die Annahmen, dass sowohl eine Inflationsrate von über 2 %, als auch eine Deflationsrate (Inflationsrate deutlich unter 2 %) nicht mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar sind (vgl. ebd. S.71-72). Inflation bezeichnet einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus und damit ein Sinken der Kaufkraft (Issing, 2011, S.202). Deflation meint ein Sinken des Preisniveaus, was wiederum einen Anstieg der Kaufkraft zur Folge hat (vgl. ebd. S. 208-209). Für die Beurteilung der Preisstabilität und der Inflationsrate im Euro-Raum wird der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) herangezogen, dessen jährlicher Anstieg möglichst unter oder nahe, aber nicht über 2 % verglichen zum Vorjahr betragen soll (vgl. ebd. S.69). Der HVPI setzt sich aus einem europaweit festgelegten und einheitlichen Warenkorb zusammen, in dem die Preise für Dienstleistungen und Konsumausgaben einer Volkswirtschaft in einen Gesamtindex zusammengerechnet und anschließend mit denen des Vorjahres verglichen werden (vgl. ebd. S. 69-71). Die Kategorien Konsumausgaben und Dienstleistungen des HVPI werden in weitere Unterkategorien aufgeschlüsselt, wie beispielsweise Energie, Verkehr, Indus- trieerzeugnisse etc., wodurch Preisbeziehungen und Wirkungszusammenhänge analysiert, sichtbar gemacht und in die Berechnung miteinbezogen werden können (vgl. ebd. S.70). Das Ergebnis der prozentualen Änderungsrate zum Vorjahr stellt das Inflationsniveau und somit den Indikator für die Preisstabilität dar (vgl. ebd. S. 69-71). Preisstabilität wird mittels der prozentualen Änderungsrate des HVPI einer Volkswirtschaft verglichen zu der des Vorjahres berechnet. Das Inflationsziel der EZB für den Euro-Raum liegt bei einem jährlichen Anstieg des HVPI von knapp unter 2 %. Um das Ziel der Preisstabilität zu realisieren, muss die EZB auf den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik Einfluss nehmen.

2.2 Der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik

Der Transmissionsmechanismus ist der Prozess, über den sich geldpolitische Entscheidungen einer Zentralbank auf die Realwirtschaft auswirken (Görgens/ Ruckriegel/ Seitz, 2014, S.546-547). Transmission meint die Wirkungszusammenhänge zwischen den veränderten Notenbankzinsen, also einem monetären Impuls, und den nachfolgenden realwirtschaftlichen sowie finanziellen Einflussfaktoren (vgl. ebd., S.546-547). Grundlage des Transmissionsmechanismus ist die Annahme, dass eine Zentralbank, wenn sie über geldpolitische Maßnahmen eingreift, indirekt reale Größen wie Konsum, Vermögenspreise, Preisentwicklung, Angebot und Nachfrage nach ihren Zielsetzungen zu steuern, um ihr geldpolitisches Ziel zu erreichen (Görgens/ Ruckriegel/ Seitz, 2014, S.287). Die Zentralbank versucht über monetäre Impulse die realwirtschaftlichen Akteure und Faktoren zu beeinflussen, um ihre geldpolitische Zielsetzung zu erreichen (Anderegg, 2007, S.343). Diese Impulse werden über verschiedene Verbindungen zwischen Zentralbank und Realwirtschaft, die sogenannten Transmissionskanäle, übertragen (EZB, 2011, S.62-63). Allerdings können die getroffenen Maßnahmen mit Rückwirkungen auf die Zentralbank verbunden sein. Diese umgekehrte Wirkung des Transmissionsmechanismus ist allgemein als geldpolitische Rückkopplung bekannt (Görgens/ Ruckriegel/ Seitz, 2014. S. 287). Die Geldpolitik der Zentralbank wird dadurch erschwert, dass die monetären Impulse nicht nur zum Ziel hin, sondern auch von der eigentlichen Zielgröße auf die instrumentalisierte Variable zurückwirken können (vgl. ebd. S.287).

[...]


Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668168787
ISBN (Buch)
9783668168794
Dateigröße
2.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317456
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
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