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Hermeneutische Analyse des Werks „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind

Hausarbeit 2012 9 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deutungshypothese

3. Inhaltsangabe

4. Geschichtliche und Biographische Zusatzinformationen

5. Teilanalyse des Werks im Hinblick auf die Deutungshypothese

6. Quellen

1. Einleitung

Im Folgenden werde ich mit dem Werk „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind beschäftigen. Ich habe mich für eine hermeneutische Textinterpretation entschieden, bei der ich zunächst meinen ersten Eindruck formulieren, anschließend eine Deutungshypothese entwickeln und kurz den Inhalt des Werkes zusammenfassen werde. Danach werde ich Zusatzinformationen über Frank Wedekind und Zeitgeschichtliches im Hinblick auf die Deutungshypothese auswerten, um dann im vorletzten Teil die Deutungshypothese am Text selbst zu überprüfen. Dabei werde ich keine ganze Analyse des Textes vornehmen, sondern mir einzelne Textstellen heraussuchen, die relevant für die Deutungshypothese sind, da eine komplette Analyse den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde.

2. Deutungshypothese

Nach mehrmaligem Lesen des Werkes bin ich schließlich zu einer Deutungshypothese gekommen, bei der ich mich vor allem darauf konzentriert habe, was der Kern, das Hauptthema des Werkes ist. Meine Hypothese ist, dass das Werk als Kritik an der strengen Sexualmoral und Erziehung der Erwachsenenwelt und an der mangelnden Aufklärungsbereitschaft dieser zu deuten ist. Welche Argumente diese These stützen werde, ich nach der kurzen Inhaltsangabe erläutern.

3. Inhaltsangabe

Das Drama „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind handelt von mehreren Jugendlichen, fast noch Kindern, die erstmalige Erfahrungen mit ihrer aufkeimenden Sexualität machen und sich mit pubertären Nöten konfrontiert sehen. Zum einen geht es um Melchior Gabor, der sich seine Aufklärung aus Büchern und Zeitschriften, anstatt von seinen Eltern aneignen muss. Auch Wendla Bergmann stößt bei Fragen über Sexualität auf ausweichende, beschämte Antworten bei ihrer Mutter und glaubt schließlich die Erklärung der Mutter, dass eine Schwangerschaft nur durch starke Liebe hervorgerufen werden kann. Dieser Irrglaube wird ihr später, als sie von Melchior Gabor schwanger wird, zum Verhängnis. Sie stirbt an den Abortivmitteln, die sie durch die Mutter veranlasst verabreicht bekommt. Selbst als Wendla schon tot ist, wird die Schwangerschaft durch die Eltern verleugnet und auf dem Grabstein steht „gestorben an der Bleichsucht“[1]

Auch der Schüler Moritz Stiefel hat unter der strengen Moral der Gesellschaft zu leiden. Ihm scheint der Selbstmord der einzige Weg aus dem Druck des Gymnasiums und der Scham nicht versetzt worden zu sein. Am Schluss ist es Melchior Gabor der wieder Hoffnung schöpfen kann, nachdem er aus der Korrektionsanstalt geflüchtet ist, in die er verwiesen wurde. Er wiedersteht dem Selbstmord und folgt dem „vermummten Herrn“[2], der ihm das Leben verspricht.

4. Geschichtliche und Biographische Zusatzinformationen

Viele Teile des Werkes basieren auf persönlichen Erlebnissen Frank Wedekinds. Er besuchte 1879 ein Gymnasium in Aarau, auf dem er ähnliche Erfahrungen, wie die Figuren in seinem Stück machen musste. So pflegten auch dort die Lehrer einen strengen Umgang mit den Schülern. In Wedekinds Zeugnis hieß es „Unverbesserliche Nachlässigkeit und Trägheit“ und „konstanter Unfleiß“[3], den die Lehrer auf seine poetischen Tätigkeiten zurückführten.

Weitere Parallelen zwischen Werk und Leben Wedekinds bestehen zwischen seinen Schulkameraden und den Schülern aus dem Stück. Drei von Wedekinds Kameraden verübten auch Selbstmord. Viele der Szenen stammen aus persönlichen Erlebnissen Wedekinds und sind tatsächlich so geschehen. „Frühlings Erwachen“ schrieb er nachdem ihm einer seiner Kameraden von seinen Selbstmordplänen berichtete. Vielleicht auch, um die Gesellschaft auf diese Probleme aufmerksam zu machen.

„Frühlings Erwachen“ spielt in der gleichen Zeit in der Wedekind auch gelebt hat. Es ist daher naheliegend, dass Wedekind ähnliche Erlebnisse hatte, wie die Figuren in seinem Werk. Viele Eltern standen am Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Druck ihren Söhnen eine hohe Bildung zu ermöglichen, damit sie später ein hohes Ansehen und ein lukrativen Beruf erlangen konnten. Klassenunterschiede wurden durch den Übergang zur industriellen Gesellschaft noch stärker, was die Angst vor dem gesellschaftlichen Abfall und Armut noch vergrößerte. Wenn ein Sohn also, wie in „Frühlings Erwachen“ das Abitur nicht bestand, glich dies einer Tragödie. Frauen hingegen waren dem Mann untergeordnet und bekamen in der Regel keine Schulbildung. Das Wichtigste für sie war die Jungfräulichkeit, um in eine vorteilhafte Ehe eingehen zu können. Sollte diese Unschuld befleckt werden, wie es bei Wendla der Fall ist, war eine standesgemäße Ehe so gut wie ausgeschlossen. Ebenfalls eine Tragödie für die Eltern. Deshalb wurden natürliche Instinkte und Triebe der Kinder so gut es geht zu unterdrücken versucht, damit die Kinder ja nicht im Falle der Jungen vom Weg der hohen Bildung und bei den Mädchen von der Unschuld abkämen.[4]

In „Frühlings Erwachen“ wird Kritik an genau dieser Sexualmoral und Triebunterdrückung genommen. Wedekind der aus eigenen Erfahrungen schreibt und an eigenem Leib die Auswirkungen dieser Erziehung, am Selbstmord seiner Kameraden, erleben musste, zeigt, dass die Unterdrückung der Triebe und Regungen der pubertierende Heranwachsenden nicht der richtige Weg ist, da es Endeffekt nach hinten losgeht und unaufgeklärte Mädchen aus Unwissenheit schwanger werden und Jungen, die dem Druck des Gymnasiums nicht standhalten können, sich umbringen.

Wedekind vertrat Plato und dessen Ideal von freier Liebe, er strebte nach einem „Zurück zur Natur“ und verlangte die Anerkennung einer natürlichen Lebensordnung. Auch den Wert der Jungfräulichkeit erkannte Wedekind nicht an.[5] Außerdem forderte er „eine Reform des Erziehungswesens, indem er die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Ausformung von Natur beschrieb“[6]

5. Teilanalyse des Werks im Hinblick auf die Deutungshypothese

Das Werk zeigt anschaulich die Folgen der Erziehung von Kindern um die Jahrhundertwende. Dass das Werk als Kritik an ebendieser verstanden werden kann, wird an vielen Stellen deutlich.

[...]


[1] Wedekind, Frank: „Frühlings Erwachen“, S. 75

[2] Ebd., S. 78-82

[3] Völker, Klaus: „Wedekind“, S.8

[4] Müller, Linda: „Mädchen, Mädchen, warum presst du deine Knie zusammen? Erwachende Sexualität und ihre Unterdrückung in Frank Wedekinds Frühlings Erwachen“, S. 3

[5] Völker, Klaus: „Wedekind“, S.15

[6] Ebd., S.18

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668162877
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317236
Note
1,7
Schlagworte
Frühlings Erwachen Frank Wedekind

Autor

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Titel: Hermeneutische Analyse des Werks „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind