Lade Inhalt...

"Game of Thrones" versus "Die Herren von Winterfell". Ein Übersetzungsvergleich

Bachelorarbeit 2006 58 Seiten

Dolmetschen / Übersetzen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Literarische Übersetzungen
1.2 Vorbereitung
1.3 Fantastische Literatur
1.4 Vorbild
1.5 Anlass
1.6 Ziel
1.7 Vorgehensweise

2 Gegenüberstellung

3 Vergleich

4 Zusammenfassung und Fazit
4.1 ZT2
4.1.1 Vorbereitung
4.1.2 Stil
4.1.3 Altsprachlichkeit
4.1.4 Verschiedene Maßnahmen zur Abrundung der Übersetzung
4.2 Vergleich mit dem AT
4.2.1 Altsprachlichkeit
4.2.2 Bildhaftigkeit
4.2.3 Stil
4.2.4 Umgang mit Wörtern
4.3 Fazit

5 Anhang
5.1 Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Die Nachbildung dagegen beugt sich unter der Irrationalität der Sprachen; sie gesteht, man könne von einem Kunstwerk der Rede kein Abbild in einer andern Sprache hervorbringen, das in seinen einzelnen Theilen den einzelnen Theilen des Urbildes genau entspräche, sondern es bleibe bei der Verschiedenheit der Sprachen, mit welcher so viele andere Verschiedenheiten wesentlich zusammenhängen, nichts andersübrig, als ein Nachbild auszuarbeiten, ein Ganzes, aus merklich von den Theilen des Urbildes verschiedenen Theilen zusammengesezt, welches dennoch in seiner Wirkung jenem Ganzen so nahe komme, als die Verschiedenheit des Materials nur immer gestatte. “ (Schleiermacher; 24.07.1813: 46)

1.1 Literarischeübersetzungen

Es ist bekannt, dass bei der Übersetzung literarischer Texte, in diesem Fall geht es um Romane, die Wahrung der Funktionskonstanz eines der Hauptrobleme darstellt. Bereits bei kontemporären Romanen, also z.B. Kriminalgeschichten, stellt sich die Frage, inwie- weit etwa vulgäre Sprache nachgebildet werden sollte - tendenziell wählt der Übersetzer hier meist eine schwächere zielsprachige Ausdrucksvariante. Oder es ist zu entscheiden, ob ei-ne deutlich vorhandene und auch beabsichtigte dialektale Prägung des ausgangssprachli- chen Textes ebenso in die Zielsprache zu übertragen ist, um dem zielsprachigen Leser ein ähnlich tiefes Eintauchen in die Situation, die Kulisse, zu ermöglichen, wie dies beim Ori- ginalpublikum angestrebt ist. Je weiter der Übersetzer hier bei der Übersetzung im Sinne der Wirkung des ausgangssprachlichen Textes (AT) auf das neue Zielpublikum hinarbeitet, desto eher ist auch zu erwarten, dass er sich dieser größtmöglich annähert und sie so quasi „mitübersetzt“. Diese Annäherung wird erreicht, indem für so viele sprachliche Elemente im AT wie möglich ein entsprechendes, passendes, adäquates Äquivalent gefunden und möglichst so in den Text eingepasst wird, dass dem Leser des zielsprachigen Textes (ZT) so weit wie möglich entgeht, dass es sich um eine Übersetzung handelt.

1.2 Vorbereitung

„ Je weniger diese selbst wieder als ein besonderes unter einem hinreichend bekannten allgemeinen können betrachtet werden, desto mehr wissenschaftliche Kenntnißund Umsicht erfordert schon die Abfassung, und desto mehr wissenschaftliche Sach- und Sprachkenntnißwird auch der Uebersezer zu seinem Geschäft bedürfen. “ (Schleiermacher; 24.07.1813: 41)

Wie erfolgreich der Übersetzer bei der Reproduktion der Wirkung ist und wie glaubhaft der Leser sich beispielsweise in ein dialektales Umfeld versetzt fühlt, hängt na- turgemäß davon ab, inwieweit er durch Recherche oder Erfahrung auf seine Aufgabe vor- bereitet ist. Hieraus folgt, dass je weiter ein Übersetzer von der Beherrschung eines Dialek- tes oder einer Sprechweise, genau so auch von der Expertise in bestimmten Fachgebieten entfernt ist, er sich umso stärker dafür einsetzen muss, diesen Rückstand aufzuholen, um adäquat übersetzen zu können.

1.3 Fantastische Literatur

Was bei zeitgenössischen Romanen naturgemäß noch relativ einfach ist, stellt sich in historischer und im Besonderen auch fantastischer Literatur, sogenannter Fantasy- Literatur als unangenehme Schwierigkeit heraus. Es scheint, dass oft nur dann adäquat üb- ersetzt wird, wenn das nötige sprachliche Mittel durch natürliche Spracherfahrung in der Zielsprache ohnehin bereits zum Repertoire des Übersetzers gehört. Dies liegt eindeutig am historischen Charakter der Romane. In der Regel spielt ein klassischer Fantasy-Roman in einer mittelalterlichen Fantasiewelt. Und so bedienen sich die vornehmlich englischspra- chigen Autoren in unterschiedlichem Maße einer Sprache, die, wo möglich und sinnvoll, altsprachliches Vokabular und Wendungen in variierendem Grade enthält. Durch diesen Kunstgriff wird erreicht, dass der Leser sich in der Zeit zurückversetzt fühlt. Je ausgepräg- ter die angewandte Erzählweise altsprachlich wirkt, desto stärker ist genau dieser Effekt und darf bei Übersetzungen nicht übergangen werden.

1.4 Vorbild

Besonders eindrucksvoll ist dies bei „Der Herr der Ringe“ (Tolkien, übersetzt von Margaret Carroux, 1969), der Übersetzung von The Lord of the Rings (Tolkien, 1954-55) gelungen. Es werden nicht nur dem heutigen Sprachgebrauch ferne Wendungen benutzt, sondern auch Eigennahmen, die aus englishen Wortbildungsphänomenen von Tolkien kon- struiert wurden, nach entsprechendem Muster ins Deutsche übertragen. So wird ein gewis- ser „Mr Baggins“ zu „Herrn Beutlin“. Es wurde also erkannt, dass „Baggins“ von „bag“ abgeleitet ist und so von „Beutel“ zu „Beutlin“ neu konstruiert, und so wirkt der einge- deutschte Name wie der englischangelehnte auf den respektiven Muttersprachler in etwa ähnlich vertraut und fremd; „Baggins“ wie „Beutlin“ sind in keinem der Sprachräume ein gängiger Familiennahme und wirken doch durch das zugrunde liegende jeweilige Lexem ver-traut.

Wie Familiennamen sind auch Realia der Fantasiewelt wie z.B. Regionen übersetzt worden. Hier wird nach obigem Muster beispielsweise „Bag´s End“ zu „Beutelsend“. „The Shire“ wurde zum „Auenland“, folgt aber nicht der Technik, die bei den Familiennamen zum tragen kamen. Hier wurde überlegt, wie eine Grafschaft („shire“/county) in England, der Heimat Tolkiens und dem einzigen Land, in dem es „shires“ gibt, typischerweise aus- sieht und wie die Region im Buch beschrieben wird und kam zu dem Eindruck einer idyl- lischen Auenlandschaft ( „Aue“ = floodplain/meadow) und so zum Auenland, einem Land voller Auen.

1.5 Anlass

Offenbar ist jedoch für viele in diesem Feld tätige Übersetzer durch den augen- blicklichen Massencharakter der Publikationen und den dadurch herrschenden Zeitdruck ähnlich gründliche Recherche sowie das Einlesen in mittelalterliche Literatur keine an- nehmbare Option mehr. Dies führt dazu, dass viele Übersetzungen zwar hier und da ein paar archaische Begriffe vorzuweisen haben, diese allerdings in neusprachlicher Umge- bung oft fehlt am Platz wirken.

1.6 Ziel

Das Ziel dieser Arbeit ist es nun, anhand einer vergleichenden Übersetzung zu zei- gen, dass es durch tiefer gehende Recherche und Vorbereitung möglich ist, neben einer bereits bestehenden, etablierten Übersetzung eine Nachbildung des AT in älterer Sprache zu erstellen. D.h., dass nicht die Schwachstellen der bestehenden Übersetzung lokalisiert und optimiert werden sollen. Statt dessen soll eine eigenständige Variante von Letzterer losgelöst erarbeitet werden, die dann nach der Erarbeitung vor dem Hintergrund des AT mit der bereits vor-handenen an den markantesten Stellen verglichen werden soll.

Die Idee einer Neuübersetzung ist zugegeben nicht neu; auch der oben genannte „Lord of the Rings“ ist im Jahr 2000 nochmals von Wolfgang Krege ins Deutsche über- setzt worden, die Meinungen darüber gehen allerdings stark auseinander, da neu- und jugendsprachliche Ausdrücke wie „Chef“ und „schmieriges weißes Logo“ für „Herr“ und „weiße Hand“ verwandt werden. Es wird auch nicht davor zurückgeschreckt, Beleidigun gen wie „Penner“ zu verwenden, die unangemessen umgangssprachlichen Charakter haben und die stilistisch der mittelalterlichen Kulisse und ihrer Authentizität entgegenwirken.

Im Gegensatz zu einer solchen Realisierung ist das Ziel dieser Arbeit, eine Überset- zung nicht nur so zeitversetzt wie das englische Original klingen zu lassen, sondern sogar noch einen Schritt weiter zu gehen, um zu zeigen, dass es möglich ist, einem Text wesent- lich ältere Züge zu verleihen, als dies bisher getan wird, ohne die Lesbarkeit empfindlich zu beeinträchtigen.

Es muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass der Verfasser des erwählten AT zum Teil Wörter in ihren älteren Bedeutungen benutzt oder Komposita auf alte Weise anordnet. Dadurch wird der Leser z.B. auf die Etymologie oder die ehemalige Verwendung der Wörter aufmerksam gemacht, und dies hat zur Folge, dass schon der Verfasser zugunsten dieses Effektes eine Reduzierung der Leserlichkeit in Kauf nimmt, für die Übersetzung bietet sich also ein ähnlicher Freiraum.

1.7 Vorgehensweise

Um den ZT nun mittelalterlich klingen zu lassen, wird nach zwei Maximen gearbei- tet. Die im zu übersetzenden Roman beschriebene Fantasiewelt ähnelt dem Europa vor dem dreißigjährigen Krieg (Näheres hierzu unter15 ). Daraus ergibt sich die erste Maxime, nach der Wörter vermieden werden sollen, die offensichtlich Entlehnungen aus anderen Sprachen sind bzw. waren und die keine Lautwandlung zu einem deutschen Klangbild oder Schriftbild mitgemacht haben. Demnach wäre „Globus“ zu vermeiden, „Körper“ hingegen nicht.

Die zweite Maxime ergibt sich aus der Vielzahl von Eigennamen, die in FantasyRomanen auftreten. Nach ihr gilt es, so viele Namen wie möglich ins Deutsche so zu übersetzen, dass sie möglichst natürlich klingen (vgl. oben). Zudem sollen diverse Techniken zum Einsatz kommen, die dem Text altsprachliche Züge verleihen. Im Einzelnen sind diese Verfahren im Vergleich erklärt.

Zur Demonstration wird der Prolog von „A Game of Thrones“ (1996), des ersten Romanes aus dem Zyklus „A Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin, herangezo- gen. Der Übersetzer, mit dessen Text die neuangefertigte Übersetzung verglichen wird, ist Jörn Ingwersen.

Zunächst wird nach obengenanntem Ziel der AT übersetzt. Im Anschluss werden die drei Texte, also (AT), zielsprachlicher Text Nummer eins (ZT1, von Ingwersen, 1997) und zielsprachlicher Text Nummer zwei (ZT2, Madu, 2006) zum Vergleich ihrer Wirkung anschaulich nebeneinander gegenübergestellt und es wird an vielen Beispielen verdeut- licht, wie sich die Alternativübersetzung ZT2 gegenüber AT und ZT1 verhält, d.h. es wird erklärt, warum der neue Text dem Original eher entspricht, warum adäquater übersetzt wurde, wo welcher Text wie und mit welchem Ergebnis abweicht und mit welchen Mitteln eine altertümliche Wirkung erzielt wurde.

Abschließend wird der AT mit ZT2 verglichen, um anhand der in der Gegenüberstellung gewonnenen Ergebnisse ein Fazit gezogen.

2. Gegenüberstellung

Um die Unterschiede der drei Texte besser vergleichen können, werden sie im Querformat nebeneinander gestellt. So kann eine bestimmte Textstelle aus einem Text direkt neben der entsprechenden aus einem anderen genauer betrachtet werden, ohne Blättern zu müssen. Zur besseren Übersicht werden bei dem Beginn eines jeden Absatzes die Texte auf eine Zeile gebracht.

Um auf einzelne Textstellen angemessen eingehen zu können, sind in diese Stellen mit Ziffern markiert, unter denen sie in aufsteigender Reihenfolge im Angeschlossenen Vergleich zu finden sind. Hier stehen sie geordnet untereinander und werden eingehend er- läutert.

[...]

Details

Seiten
58
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783668162686
ISBN (Buch)
9783668162693
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317200
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln – Geisteswissenschaften
Note
2,1
Schlagworte
Übersetzung Game of Thrones Fantasy Vergleich Englisch Literatur Übersetzungswissenschaft englisch-deutsch Herr der Ringe Schleiermacher Grimm Etymologie Grimmelshausen Tolkien Martin George R.R. Martin

Autor

Teilen

Zurück

Titel: "Game of Thrones" versus "Die Herren von Winterfell". Ein Übersetzungsvergleich