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Der Schwarze Tod und seine Folgen für die Bevölkerung Europas

Hausarbeit 2015 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

EINLEITUNG

DIE PEST
Der Erreger Yersinia pestis
Übertragung
Formen der Pest

DER SCHWARZE TOD - DIE ZWEITE PESTPANDEMIE 1347 BIS 1352
Begriffsentstehung
Aufkommen und Verbreitung im mittelalterlichen Europa
Diagnose: Schwarzer Tod
Vorboten der Pest
Symptome beim Menschen
Behandlung
Äußere Behandlungen
Innere Behandlungen

FOLGEN FÜR DIE EUROPÄISCHE BEVÖLKERUNG
Bevölkerungsverluste
Auswirkungen auf Mentalität und Sozialleben
Wirtschaft
Bildung
Religiosität
Schutzmaßnahmen und Hygiene

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

Der Alltag des mittelalterlichen Europas war durch reges Treiben von Kaufleuten, Händlern, Pilgern, Soldaten und Bürokraten geprägt. Dennoch bestimmten auch Hunger und Krankheit das Leben und fanden ihren tragischen Höhepunkt in der zweiten großen Pestwelle Mitte des 14. Jahrhunderts.

Eine erste schwere Pandemie[1], bekannt als die "Justinianische Pest" bzw. "Pest des Justinian", wurde schon einmal um 540 herum von Schiffsratten und deren Flöhen verursacht. Der Erreger kam über die ägyptische Landbrücke in den östlichen Mittelmeerraum.[2] In der Mitte des 8. Jahrhunderts verschwand die Seuche dann aus unbekannten Gründen vom europäischen Kontinent. Dass nach der ersten Pestwelle eine weitere, als "Schwarzer Tod" bekannte Pandemie zurückkehren würde, hätte wohl niemand geglaubt.

Obwohl der Erreger, später als das Bakterium Yersinia pestis identifiziert, und Überträger, der Floh, fast unsichtbar schienen, lösten sie die verheerendste Krankheitswelle in der europäischen Geschichte aus. Kirchen, Geschäfte und Bildungseinrichtungen wurden geschlossen, Überlebende ließen einander im Stich. Moral und Glaube wichen Angst und Weltuntergangsstimmung. Die Straßen waren leer, denn mehr als die Hälfte der Bevölkerung Europas erlag der gefährlichen Seuche. Obwohl sie nicht unbekannt war, waren die Menschen auf eine derartige Katastrophe nicht vorbereitet. Übertragung und Verlauf blieben zunächst ein Mysterium. Unklar ist selbst bis heute noch, ob Seuchen zwischen 542 n. Chr. und 1347 zur Pest gezählt werden können, denn trotz ähnlichem Krankheitsbild richtete keine von ihnen solch schwerwiegende Missstände an. Nicht einmal die Pestwellen nach dem Schwarzen Tod konnten sein Ausmaß annehmen, obwohl sie "fast in jedem Jahrzehnt Teile Europas heimsuchten."[3]

Die Verbreitung der Krankheit wurde schon lange vor Eintreffen der Pestilenz in Europa begünstigt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ging eine seit dem 10. Jahrhundert andauernde Warmzeit zu Ende, woraufhin eine kältere Phase mit langen und härteren Wintern begann. Da die Sommer ebenfalls kühler wurden, traten in vielen Gegenden Europas Hungersnöte als Folge schlechter Ernten ein.[4] Sie forderten viele Opfer und schwächten die Population. Zu dieser Zeit breiteten sich Unfruchtbarkeit und andere Krankheiten schneller aus. Das kühlere Klima lud die Ratten dazu ein, sich einen warmen Platz in den Häusern zu suchen. Waren die Nager bereits mit dem Pestbakterium infiziert, war ein Entrinnen kaum mehr möglich, denn sobald die Krankheit von der Nagerpopulation auf den Menschen mittels Floh übergesprungen war, breitete sich die Pest durch Tröpfcheninfektion immer weiter aus. Die meisten Opfer überlebten nicht. Es kam dennoch darauf an, um welche Art von Pestilenz es sich handelte: Die Chance, eine Beulenpest zu überstehen, war wesentlich höher als bei der Lungenpest. Letztere riss fast 100 Prozent der Erkrankten in den Tod.

Viele Menschen waren der Ansicht, die von 1347 bis 1352[5] herrschende Seuche wäre eine Strafe Gottes. In Zeiten der wütenden Pest bestimmte moralischer Verfall den neuen Alltag, da Panik die Bindungen in der Gesellschaft auseinander brechen ließ und dadurch viele Menschen ihr (restliches) Leben in vollen Zügen genießen wollten. Kranke Mitmenschen wurden oftmals sich selbst überlassen. Weil viele Autoritäten der Pest zum Opfer gefallen waren, herrschte keine Ordnung mehr in den Städten. Hinzu kam ethnischer Hass als Folge der Suche nach einem Schuldigen, der unter anderem in tragischen Verbrennungen von Juden endete. Von den hohen Bevölkerungsverlusten, die erst nach und nach wieder aufgeholt werden konnten, abgesehen, folgten große wirtschaftliche Einbußen nach dem Rückzug des Schwarzen Todes. In der Zeit der Pest herrschte eine große Hungersnot, da Ernten nicht eingefahren und Vieh versorgt wurde. Erst in den Jahren nach der Krankheitswelle stellte sich der Hunger ein, es kam allerdings zu einer landwirtschaftlichen Krise. Dennoch führte die große Not auch zu positivem Umdenken in der Bevölkerung: Hygiene und Gesundheit gewannen an Bedeutung; erste Quarantänemaßnahmen wurden eingeführt. Die Menschen versuchten die Tragik der Pestpandemie zu nutzen, um auch langfristig Veränderungen zu bewirken.

In dieser Arbeit wird zunächst im Allgemeinen auf die Krankheit Pest eingegangen, ebenso wie auf den Schwarzen Tod, seine Verbreitung, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen des mittelalterlichen Lebens während und nach der großen Pestwelle.

DIE PEST

Die Bezeichnung "Pest" wird besonders in historischen Pandemien als generelle Beschreibung für eine Pestilenz genutzt. Die "große Pest" bezeichnete auch Typhus, Malaria, Pocken und andere Seuchen, denn diese hatten ebenfalls Symptome wie Durchfall, Hautgeschwüre oder Schwellungen der Lymphknoten.[6]

Die Seuche unterscheidet sich durch drei verschiedene Typen, deren Unterschied im Auftreten von Bazillen im Blut bzw. Sputum oder in entzündeten Lymphknoten liegt: Beulenpest, Septikämie bzw. Pestsepsis und Lungenpest. Sie tritt auch heute noch in Bergwald- und Savannengebieten auf. Etwa zweihundert Nagetierarten sind bekannt, die an Pesterregern erkranken können.[7]

In Westeuropa brach die Krankheit zum letzten Mal 1720 in Marseille aus; die dritte Pandemie, auch "Moderne Pest" genannt, begann um 1890 herum in China.[8] Seit 1800 waren in der Provinz Yünnan fast ausschließlich wilde Nager von der Krankheit befallen. Unter den Menschen brach sie infolge einer muslimischen Rebellion aus.[9]

Der Erreger Yersinia pestis

Der Überträger der Krankheit Pasteurella pestis wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Yersinia pestis identifiziert. Die Bezeichnung erhielt er nach dem schweizerischen Tropenarzt Alexandre Yersin.[10]

Es handelt sich um einen im Magen- Darmkanal lebenden Keim, der durch den Stich eines Parasiten in die Blutbahn des Wirts (Nagetier oder Mensch) übertragen wird und sich dort vermehrt.[11] Auch durch Kratzen, Nahrungsaufnahme, Tierbisse oder Verletzung durch infizierte Gegenstände kann der Erreger übertragen werden.[12] Seit den ersten Jahrhunderten nach Christi soll das Bakterium bereits in unterirdischen Höhlensystemen am Himalaya, im Osten Afrikas und womöglich auch in eurasischen Steppengebieten existiert und Nagetiere infiziert haben. Über diese gelangte er folglich zu den Rattenpopulationen.[13]

Die Gattung Yersinia stammt aus der Familie der Enterobakterien und besteht aus elf Arten, von denen drei beim Menschen zu finden sind: Yersinia pestis, Yersinia pseudotuberculosis und Yersinia enterocolitica. Y. pestis ist ein gram - negatives, unbewegliches und nicht sporenbildendes Stäbchenbakterium, das seine Form verändern kann. Es hat eine Länge von einem bis 1,3 Mikrometer und ist 0,5 bis 0,8 Mikrometer breit.[14]

Übertragung

"Die Ratten sind ebenso empfindlich wie Menschen gegen das Bakterium: Auch sie sterben an der Pest". [15]

Das Bakterium lebt endemisch in Ratten und anderen Nagetieren und wird durch den Biss eines Parasiten, im Fall der Pest den Rattenfloh, innerhalb der Rattenpopulation übertragen. Es kann in getrockneten Sekreten und Blut bis zu drei Wochen infektiös bleiben.[16] Zwei bis vier Wochen nach der Infizierung kommt es zu einem epizootischen Rattensterben.[17] Ist die Hauptnahrungsquelle des Flohs durch die bereits fortgeschrittene Epizootie gefährdet, passt sich der Parasit wenn nötig an eine andere Spezies an: Den Menschen.[18] Nach dem Flohbiss gelangt der Keim in die Schleimhäute der Atemwege und vermehrt sich dort. Während der Vermehrung oder beim Absterben scheidet das Bakterium Gifte aus, die wiederum die typischen Symptome der Pest hervorbringen.[19] Ist diese Infektion vollzogen, breitet sich die Pest durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch aus. Hatten Gesunde keinen Kontakt zu Infizierten, wurden sie dennoch womöglich durch von Flöhen befallene Ratten infiziert. Der direkte Infektionsweg Bakterium - Mensch ist seltener als die Kette Bakterium - Floh - Nager - Mensch. Eine Chance auf Genesung bestand, wenn die "Pesterreger nach der Infektion die Barriere der Lymphknoten"[20] nicht überwunden hatte. Die Pest ist dann weniger ansteckend.

Überbesiedlung, Schmutz und das dichte Zusammenleben von Menschen waren ideale Bedingungen, Ratten anzulocken. Besonders in kälteren Monaten suchten die Nager Schutz in wärmeren Häusern und lebten auf engstem Raum mit Menschen zusammen. Durch mangelnde Hygiene vermehrten sich Flöhe und Ratten schneller, was folglich zu einem höheren Infektionsrisiko bei Tier und Mensch führt.

Formen der Pest

Es sind drei Arten der Pest zu unterscheiden, die am häufigsten auftretende ist die Beulenpest (auch Bubonenpest, lat. bubo = Beule) . Nach der Übertragung des Erregers von Ratte zu Mensch ist eine Schwellung der Lymphknoten und das Entstehen eitriger Pusteln bzw. Beulen zu beobachten. Die Beulenpest ist nur mittels Vektor von Mensch zu Mensch übertragbar, nicht direkt.[21]

Kommt es nach der Übertragung zu einer Blutvergiftung aufgrund einer hohen Bakterienkonzentration im Blut, ist von einer septischen Pest bzw. Septikämie auszugehen. Somit können alle inneren Organe vom Erreger befallen werden. Führt eine Pestseptikämie zu einer Lungenentzündung, handelt es sich um eine sekundäre Lungenpest, welche auch als primäre Lungenpest direkt durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird.[22] Einfaches

Anhusten genügt demnach, jemandem den Tod zu bringen. Die Lungenpest verläuft am schnellsten mit einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen.

Die Wahrscheinlichkeit, an einer der Pestarten zu sterben, lag bei den historischen Ausbrüchen zwischen 75 Prozent, bei einer Lungenpest allerdings bei 100 Prozent. Die Immunisierung Überlebender trat nur geringfügig auf und war nicht vererbbar.

DER SCHWARZE TOD - DIE ZWEITE PESTPANDEMIE 1347 BIS 1352

"Es war eine Pestilenz, die Menschen jeden Standes, Alters und Geschlechts heimsuchte. Sie begannen, Blut zu spucken, und dann starben sie - manche sofort, andere nach zwei oder drei Tagen, und manche nach noch längerer Zeit. Und es traf sich, daß jeder, der die Kranken pflegte, sich mit der Krankheit bei ihnen ansteckte oder, durch die verpestete Luft infiziert, alsbald erkrankte und auf dieselbe Weise starb. Die meisten hatten Schwellungen in der Leiste, und viele hatten sie in der linken und rechten Achselhöhle und an anderen Stellen; man konnte fast immer irgendwo am Körper des Opfers eine ungewöhnliche Schwellung entdecken." (Matteo Villano)[23]

[...]


[1] Eine Pandemie entsteht aus einer Seuche, die weit verbreitet ist und ganze Landstriche, Länder oder Kontinente umfasst. Sie wird von mehreren Epidemien durchzogen. Diese treten zeitlich und örtlich begrenzt auf. Endemien hingegen sind zeitlich unbegrenzt, aber räumlich begrenzt und treten gehäuft in einer Region oder einem Teil der Population auf. Aus ihnen können Epidemien oder Pandemien hervorgehen. Unter Tierpopulationen auftretende Endemien oder Epidemien werden Enzootien bzw. Epizootien genannt.

[2] Vgl.: Weigl, A. (2012). Bevölkerungsgeschichte Europas. Böhlau Verlag. Wien. S. 49.

[3] Zitat aus: Zaddach, B. I. (1971). Die Folgen des Schwarzen Todes (1347-51) für den Klerus Mitteleuropas. Gustav Fischer Verlag. Stuttgart. S. 6.

[4] Vgl.: Vasold, M. (1991). Pest, Not und schwere Plagen. Seuchen und Epidemien vom Mittelalter bis heute. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung. München. S. 38.

[5] In den Quellen sind unterschiedliche Jahreszahlen zu finden, diese Angaben sind jedoch die gängigsten. Sie beinhalten allerdings nicht die Epidemien, die nach dem Schwarzen Tod wüteten.

[6] Vgl.: Bergdolt, K. (1994). Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters. Beck'sche Verlagsbuchhandlung. München. S. 12.

[7] Vgl.: Vasold, M. (1991). S.71 f.

[8] Vgl.: Hirshleifer, J. (1966). Disaster and Recovery. The Black Death in Western Europe. United States Atomic Energy Commission. S. 6.

[9] Vgl.: Seifert, L. (2013). Mikroevolution und Geschichte der Pest. Paläogenetische Detektion und Charakterisierung von Yersinia pestis, gewonnen aus historischem Skelettmaterial. Dissertation. Ludwig-Maximilian-Universität. München. S. 16.

[10] Vgl.: Ibs, J. H. (1994). Die Pest in Schleswig-Holstein von 1350 bis 1547/48. Eine sozialgeschichtliche Studie über eine wiederkehrende Katastrophe. Aus: Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte. Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften. Frankfurt a. M. S.73.

[11] Vgl.: Köster- Lösche, K. (1995). Die großen Seuchen. Von der Pest bis Aids. Insel Verlag. Frankfurt a. M. und Leipzig. S. 15.

[12] Vgl.: Ibs, J. H. (1994). S. 76.

[13] Vgl.: Weigl, A. (2012). S. 49.

[14] Vgl.: Perry, R. D., Fetherston, J. D. (1997). Yersinia pestis - Etiologic Agent of Plague. Department of Microbiology and Immunology. University of Kentucky. Lexington, KY. S. 37.

[15] Zitat aus: Köster- Lösche, K. (1995). S. 15.

[16] Vgl.: Bützer, P. (2011). Die Pestepidemie im Mittelalter. Pädagogische Hochschule St. Gallen. S. 2.

[17] Vgl.: Ibs, J. H. (1994). S. 75.

[18] Vgl.: Livi-Bacci, M. (1999). Europa und seine Menschen. Originalausgabe: La populazione nella storia d'Europa. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung. München. S. 96.

[19] Vgl.: Köster- Lösche, K. (1995). S. 15.

[20] Zitat aus: Ibs, J. H. (1994). S. 77.

[21] Vgl.: Vasold, M. (1991). S. 75.

[22] Vgl.: Weigl, A. (2012). S. 50.

[23] Aus: Herlihy, D. (1997). Der Schwarze Tod und die Verwandlung Europas. Originalausgabe: The Black Death and the Transformation of the West. Verlag Klaus Wagenbach. Berlin. S. 18.

Details

Seiten
25
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668163102
ISBN (Buch)
9783668163119
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v317156
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
2,0
Schlagworte
Pest Schwarzer Tod Europa Mittelalter Krankheit Seuche yersinia pestis Massensterben Bevölkerungsverluste Biologie der Pest Pestarten Beulenpest Lungenpest Rattenfloh Menschenfloh

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