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Umgang mit (negativen) Emotionen in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen. Das Beispiel betreutes Jugendwohnen

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Emotionale Entwicklung -eine Begriffsbestimmung-
2.1 Emotionen
2.2 Emotionsregulation
2.3 Emotionale Entwicklung im Jugendalter

3. Das Betreute Jugendwohnen
3.1 Methodenkompetenz
3.2 Vorstellung der allgemeinen pädagogischen Arbeit

4. Vorstellung ausgewählter Emotionen
4.1 Scham
4.2 Angst
4.3 Aggression

5. Methoden zur Unterstützung der Emotionsregulation bei Jugendlichen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars ‚Sozialpsychologische Dimensionen der Nutzung‘ habe ich mich in der folgenden Ausarbeitung mit der Thematik: ‚Umgang mit (negativen) Emotionen in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen im Betreuten Jugendwohnen‘ beschäftigt.

Das Jugendalter wird in der Fachliteratur oftmals als eine Phase der mangelnden Impulskontrolle und des sozial fragwürdigen Verhaltens deklariert. Grundsätzlich ist diese Zeitspanne für alle Beteiligten -dem Jugendlichen selbst, seiner Familie und dem Fachpersonal, welches gegebenenfalls mit ihm arbeitet- demnach eine zum Teil belastende, aber auch aufregende Zeit, die geprägt wird von vielen internen und externen Veränderungen. In dieser Entwicklungsperiode treten vermehrt intensive Gefühle auf, die in Stimmungsschwankungen und zum Teil deutlichen Gefühlsausbrüchen kulminieren können. Aus diesem Grund ist der Umgang mit Emotionen im Jugendalter ein zentrales Thema und ein wichtiger Bestandteil der Entwicklungspsychologie in dieser Altersspanne. Aber wie können Fachkräfte der Sozialen Arbeit die emotionale Reifung der Jugendlichen positiv beeinflussen und welche Methoden kommen dabei zum Tragen? Welche Emotionen finden generell erhöhte Präsenz in dieser Alterspanne und wie gehen Jugendliche speziell im Rahmen der Hilfsmaßnahme des Betreuten Wohnens mit ihnen um? Und was beinhaltet die emotionale Entwicklung überhaupt?

Um diese Fragestellungen beantworten zu können, möchte ich im Folgenden zuerst näher auf die Begriffe der Emotion und der Emotionsregulation im Allgemeinen und in der Phase des Jugendalters im Speziellen eingehen. Nach Deskription dieser werde ich mich der konkreten pädagogischen Arbeit im Betreuten Jugendwohnen zuwenden und zudem Methoden der Sozialen Arbeit in der Interaktion mit Jugendlichen vorstellen. Schlussendlich werden einzelne negative Emotionen, welche insbesondere im Jugendalter eine große Rolle spielen, vorgestellt und näher auf den Umgang mit ihnen in diesem fachlichen Kontext eingegangen. Das abschießende Fazit soll deutlich machen, inwiefern das Wissen über diese Emotionen im Allgemeinen und der Umgang mit ihnen in der pädagogischen Arbeit im Speziellen von Bedeutung für das Fachpersonal des Betreuten Jugendwohnens sind.

2. Emotionale Entwicklung -eine Begriffsbestimmung-

Um einen Einblick in die Thematik zu bekommen und eine Grundlage hinsichtlich der Verknüpfung mit der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen zu schaffen, sollen im Folgenden relevante Elemente der Begrifflichkeit Emotion und der Regulation selbiger beschrieben werden. Im Anschluss daran wird eine erste allgemeine Verbindung zum Jugendalter geschaffen.

2.1 Emotionen

Eine grundlegende Definition des Begriffs Emotionen existiert laut einschlägiger Fachliteratur nicht. Der amerikanische Psychologe und Neurowissenschaftler Joseph LeDoux fasste im Jahr 1996 jedoch folgendermaßen zusammen:

„Eines der wichtigsten Dinge, was jemals über Emotionen gesagt wurde, könnte sein, dass alle wissen, was damit gemeint ist, bis sie gefragt werden, sie zu definieren.“ (zit. in In-Albon 2013, S. 16)

Nichtsdestotrotz können einige grundlegende Faktoren zusammengetragen werden, die eine Erläuterung der Begrifflichkeit gewährleisten.

Hierbei ist vor allem bedeutsam, dass der Ausdruck Emotion das Wort ‚motion‘ beinhaltet, was übersetzt Bewegung bzw. ‚in Handlung kommen‘ heißt. (vgl. In-Albon 2013, S. 16) Das bedeutet somit, dass Emotionen handlungsweisend sind und das Individuum entweder in der Interaktion mit anderen Personen oder mit sich selbst durch das Empfinden von Emotionen in Aktion tritt. Emotionen haben somit für den Menschen eine Kommunikationsfunktion, da sie der Mitteilung von eigenen Bewertungen dienen und dadurch Bedürfnisse geäußert werden können. Im Zusammenhang mit dem prozesshaften Denken sind Emotionen als Reaktionen zu verstehen, die zur Folge haben, dass die jeweilige Person in Interaktion mit seiner Umgebung tritt, diese aufrecht erhält oder verändert. (vgl. Pinquart/Schwarzer/Zimmermann 2011, S. 176)

Das Leben eines jeden Menschen wird somit von Emotionen unterschiedlichster Art in differenter Weise geprägt. Sie können in manchen Situationen als Bereicherung verstanden werden, in anderen jedoch hinderlich erscheinen, da sie gegebenenfalls in der falschen Intensität auftreten oder gar unpassend erscheinen. Dabei haben Emotionen vor allem die Funktion schnell und zumeist automatisch auf Anforderungen zu regieren. (vgl. In-Albon 2013, S. 16)

Es handelt sich somit bei jedem Ausdruck von Emotionen um eine umfassende Antwort auf die für die jeweilige Person relevanten internen und externen Situationen, welche Reaktionen auf unterschiedlichen Verhaltens- und Wahrnehmungsebenen auslösen. Auch werden Emotionen deutlich, wenn man Situationen einen entsprechenden Zweck zuschreibt. Hierbei ist die Bedeutung, die dem jeweiligen Erlebnis zugeschrieben wird, dafür verantwortlich, welche Emotion gezeigt wird. Zudem beeinflussen sie die kognitiven Prozesse und können die Entscheidungsfindung entweder erleichtern oder erschweren. Es können zum einen positive Emotionen wie beispielsweise Freude, Zufriedenheit oder Erheiterung deutlich werden und zum anderen negative Emotionen wie Angst, Trauer oder Wut. Diese drücken sich generell in Form von Mimik, Gestik oder durch das Verhalten aus. (vgl. In-Albon 2013, S. 16)

Emotionen lassen sich zudem als ein kurzfristiger Zustand oder als ein Prozess verstehen. Emotion als ‚Momentaufnahme‘ kann unter anderem durch das eigene Erleben, durch das Ausdrucksverhalten oder spezielle Informationsverarbeitung erfasst werden. Dabei ist bedeutsam, dass dieser Zustand in Bezug auf die Intensität kaum stabil ist und sich zumeist durch eine Regulation der Emotion, welche nachfolgend beschrieben wird, ändert. (vgl. Zimmermann/Iwanski 2013, S. 27)

Zusammenfassend kann somit festgestellt werden, dass der Begriff der Emotion vielfältig anwendbar ist und den Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise prägen kann. Würde man sich jedoch in jeglichen Situationen stets der zuerst aufkommenden Emotion hingeben, würde man kaum die Möglichkeit haben, ein an die soziale Gesellschaft angepasstes Verhalten zu entwickeln und entsprechend negative bzw. zumindest verwunderte Reaktionen seiner Mitmenschen hervorrufen. Aus diesem Grund soll im Folgenden der Begriff der Emotionsregulation näher betrachtet werden.

2.2 Emotionsregulation

Die Begriffe Emotion und Emotionsregulation sind eng miteinander verbunden. Aus diesem Grund wird in der Fachliteratur über eine vorhandene Unterscheidbarkeit diskutiert. Ein Teil der Experten ist der Ansicht, dass alle Emotionen in einem gewissen Maße reguliert werden, weshalb die Emotionsregulation als Teil der Emotionen angesehen werden kann. Dem gegenüber sagt der andere Teil, dass die Tatsache, dass jedes emotionale Verhalten bewusst beeinflusst wird, nicht nachweißbar ist und somit auch Emotionen ohne Regulation stattfinden können. (vgl. In-Albon 2013, S.17f)

Generell versteht man unter dem Begriff Emotionsregulation jedoch alle ‚Prozesse der Überwachung, Bewertung und Veränderung von Emotionen hinsichtlich ihrer Qualität, Intensität, der Dynamik des zeitlichen Verlaufs und ihres Ausdrucks.‘ (Pinquart/Schwarzer/Zimmermann 2011, S. 192)

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Emotionsregulation ihren Ursprung in der Psychoanalyse, im Speziellen in den Arbeiten des amerikanischen Psychologen Richard Lazarus und des österreichischen Mediziners Hans Selye zu den Themen Stressbewältigung und Coping hat. Auch zum Begriff der Emotionsregulation liegt keine einheitliche Definition in der Fachliteratur vor. (vgl. In-Albon 2013, S. 18) Der US-amerikanische Psychologe James J. Gross sagt übersetzt zum Begriff Emotionsregulation Folgendes:

„Emotionsregulation bezieht sich auf alle Prozesse, die einen Einfluss darauf haben, ob und wann welche Emotion auftritt, wie intensiv wir sie wahrnehmen und wie sie ausgedrückt wird.“ (zit. in In-Albon 2013, S.18)

Grundsätzlich umfasst die Emotionsregulation alle Vorgänge, die an einer zielgerichteten Beeinflussung und Modifikation emotionaler Reaktionen beteiligt sind. Sie setzt ein, wenn entweder bereits eine Emotion ausgelöst wurde oder in der Voraussicht das eine Emotion erwartet wird und deren Ausprägung beeinflusst werden soll.

Mithilfe der Emotionsregulation soll die Verminderung negativer und die Verstärkung positiver Emotionen geschaffen werden. Emotionsregulationsprozesse können auch bereits in einem so frühen Handlungsstadium einsetzen, dass die jeweilige Emotion gar nicht erst auftritt, zum Beispiel durch Vermeidung bestimmter Situationen im Vorfeld. Dabei kann zwischen adaptiver und maladaptiver Emotionsregulation unterschieden werden. Bei einer adaptiven Regulation wird das eigene Empfinden wahrgenommen und verstanden. Dieser Prozess wird von dem oben erwähnten Psychologen Gross in vier Schritte unterteilt:

‚1. Innehalten und Durchatmen, 2. Wahrnehmen und Erkennen der Emotion, 3. Entscheiden, wie die Emotionen und die Situation kontrollierbar sind, und 4. Handeln im Sinne langfristiger Ziele‘. Maladaptiv wird die Emotionsregulation dann, wenn sich die Gefühle nicht in die angedachte Richtung verändern oder wenn der Kosten-Nutzen-Faktor langfristig die kurzfristige Emotion überwiegt. (vgl. In-Albon 2013, S.19)

Da sich diese Ausarbeitung mit der Altersspanne der Adoleszenz beschäftigt, soll nachfolgend zusätzlich die Entwicklung der Emotionsregulation im Jugendalter angesprochen werden, da grundsätzlich die Herausbildung von Emotionen im Allgemeinen und die Kompetenz der Emotionsregulation im Speziellen im Verlauf der Kindheit über das Jugendalter bis zum Erwachsenenstadium einem enormen Erweiterungsprozess unterliegt.

2.3 Emotionale Entwicklung im Jugendalter

In unserer Gesellschaft lässt sich im Allgemeinen die Phase der Jugend durch das Alter bestimmen. Grundsätzlich beginnt sie mit dem Einsetzen der Pubertät mit durchschnittlich zwölf, dreizehn Jahren und endet mit dem Erreichen der Volljährigkeit. Zu den grundlegenden Aufgaben und Zielen in dieser Phase gehört die Fähigkeit, sich auf das spätere Leben als Erwachsener vorzubereiten und in schulischer oder beruflicher Hinsicht zu qualifizieren. Auch die Herausbildung einer stabilen und autonomen Persönlichkeit, sowie einer gesellschaftsfähigen, sozial integrierten Identität, um in eben jener bestehen zu können, sind Teil des Entwicklungsprozesses in dieser Altersspanne. (Münchmeier 2001, S. 816) In all diesen Vorgängen spielen Emotionen und deren Regulation gerade im Jugendalter eine enorm wichtige Rolle.

Prinzipiell lässt sich jedoch festhalten, dass Emotionen altersunabhängig auftreten, Emotionsregulationsstrategien jedoch in verschiedenen Phasen des Lebensprozesses angepasst werden können. Ein wichtiger Punkt bei der Veränderung der Emotionsregulation von der Kindheit zum Jugendalter ist die Steigerung der ‚zielkorrigierten Selbststeuerung‘ (vgl. Zimmermann/Iwanski 2013, S. 29ff). Zur Veranschaulichung dieser allgemeinen Entwicklung der Emotionsregulation soll sich ein Schaubild mit Basismodulen vorgestellt werden. Zum einen finden sich hier ein Bewertungsmodul und zum anderen ein Emotionsmodul. Das Bewertungsmodul beinhaltet die Gründe für emotionale Reaktionen. Dabei treten Bewertungen der jeweiligen Situation in Bezug auf die subjektive Relevanz in den Vordergrund. Der zweite Teil des Modells, das Emotionsmodul, umschließt Entwicklungsveränderungen hinsichtlich der Bewältigung von Anforderungen und die Kompetenz, Lösungswege zu erkennen. (vgl. Zimmermann 1999, S. 225) Diese beiden Module werden durch das übergeordnete Modul der zielkorrigierten Selbststeuerung verbunden, welche die beiden Ebenen beeinflusst. Diese Beeinflussung und somit die Durchführung der zielkorrigierten Selbststeuerung gelingt umso effizienter, je mehr das Individuum einerseits seinen emotionalen Zustand und die damit verbundenen Bewertungen wahrnimmt und andererseits selbigen bezüglich der eigenen emotionalen Reaktionen und der Konsequenzen für das eigene Handeln kennt. (vgl. Zimmermann/Iwanski 2013, S. 31) Bereits kleine Kinder können zielkorrigiert handeln, indem sie Hindernisse, welche das eigentliche Ziel blockieren, entsprechend minimieren. Allerdings sind sie noch nicht in der Lage, flexible Aufgabenlösungen anzuwenden. Im Übergang von der Kindheit zum Jugendalter gelingt dies effektiver, da die Wahrnehmung und Interpretation des eigenen emotionalen Empfindens und die damit verbundene Bewertung, sowie die eigene emotionale Reaktion und die Überprüfung der Zielerreichung bzw. die Konsequenzen des eigenen Handlung entsprechend ausgereift sind. (vgl. Zimmermann 1999, S. 225) Das heißt, dass die exekutiven Funktionen im emotionalen und im nicht-emotionalen Bereich verbessert werden, die Veränderung der Gehirnstrukturen in unterschiedlichen Bereichen, sowie die Kompetenz des Aufschiebens von Belohnungen und die Erhöhung der Frustrationstoleranz im Übergang zum Jugendalter erweitert werden. Grundsätzlich haben Jugendliche dadurch eher die Möglichkeit ihre Regulationsstrategien flexibler an die jeweilig erlebten Situationen anzupassen. Zudem steigt die Zahl der Strategien, welche zur Emotionsregulation eingesetzt werden können, wodurch zunehmend mehr aktive Strategien eingesetzt werden können. Es werden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen eher Strategien zur Emotionsregulation ausgewählt welche für die Situation und die jeweilige Emotion besonders effizient erscheinen. Eine weitere Veränderung der Emotionsregulation von der Kindheit hin zum Jugendalter stellt die erweiterte Nutzung der Sprachkompetenz und die der kognitiven Fähigkeit dar. (vgl. Pinquart/Schwarzer/Zimmermann 2011, S. 192)

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Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668199361
ISBN (Buch)
9783668199378
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v316862
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Fakultät für Bildungswissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
umgang emotionen arbeit jugendlichen beispiel jugendwohnen

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