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Vor- und Nachteile von kollaborativer Gruppenarbeit in virtuellen Lernumgebungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 19 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Computervermittelte Kommunikation
2.1 Kommunikation allgemein
2.2 Definition und Arten computervermittelter Kommunikation (CvK)
2.3 Besonderheiten computervermittelter Kommunikation

3. Kollaborative Gruppenarbeit
3.1 Begriffsabgrenzung kooperative vs. kollaborative Gruppenarbeit
3.2 Voraussetzungen kollaborativer Gruppenarbeit in virtuellen Lernumgebungen
3.2.1 Technische Voraussetzungen
3.2.2 Die Rolle des Lehrenden
3.2.3 Voraussetzungen der Lernenden
3.3 Vor- und Nachteile kollaborativer Gruppenarbeit in virtuellen Umgebungen

4. Reflexion der eigenen Gruppenerfahrung

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die kollaborative Gruppenarbeit ist mittlerweile auch in virtuellen Lernumgebungen eine gängige Arbeitsform In dieser Arbeit über die Vor- und Nachteile dieser Lernform wird im Abschnitt „Computervermittelte Kommunikation“ zunächst auf die Kommunikation im Allgemeinen eingegangen und es werden einige Kommunikationstheorien vorgestellt, auf die später zurückgegriffen wird. Weiters wird der Begriff definiert und auf wesentliche Besonderheiten dieser Kommunikationsform eingegangen.

Im Abschnitt „Kollaborative Gruppenarbeit“ werden kooperative und kollaborative Gruppenarbeit voneinander abgegrenzt. Außerdem werden in diesem Abschnitt die technischen Voraussetzungen sowie die persönlichen Voraussetzungen der Lehrenden und Lernenden diskutiert, bevor am Ende diese Kapitels die Vor- und Nachteile der Arbeitsform ausgeführt werden.

Im abschließenden Kapitel reflektiere ich den Ablauf der Gruppenarbeit, wo den Studierenden im Rahmen des Modul 2 „(Bildungswissenschaftliche) Voraussetzungen für den Einsatz von neuen Lehr- und Lernformen“ im MA Bildung und Medien – eEducation der Fernuniversität Hagen die Aufgabe gestellt wurde, in Gruppen jeweils ein Lernszenario, das hauptsächlich computerbasierte Lern- und Kommunikationsprozesse beinhaltet, zu entwerfen.

2. Computervermittelte Kommunikation

2.1 Kommunikation allgemein

Boos (2009, S.16) definiert Kommunikation als wechselseitig aufeinander ausgerichtetes soziales Handeln, das intentional und damit Mittel zum Zweck ist. Ein wesentliches Merkmal von Kommunikation ist außerdem, dass sie immer medienvermittelt ist. Auf Basis dieser Definition kann man Kommunikation nun aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und sie vor allem als Signalübertragung, Interaktion oder als System sehen.

In Shannon und Weavers (1949, zitiert nach Boos, 2009, S. 17) Kommunikationsmodell ist Kommunikation Signalübertragung, wobei die von einer Nachrichtenquelle erzeugte Nachricht von einem Sender auf einen Nachrichtenkanal übertragen wird. Der Empfänger muss diesen Vorgang nun umkehren, um an die entsprechende Information zu gelangen. Da dieses Modell dem Inhalt der übertragenen Nachricht keinerlei Bedeutung beimisst, kann es auf dessen Basis zu rein technischen Störungen kommen, alle anderen Störungen werden in diesem Modell nicht beachtet.

Kommunikation als Interaktion dient als Basis für sehr viele Kommunikationsmodelle. Ich darf hier zwei Beispiele nennen. Im Organon-Modell stellt Bühler (1934, S. 28) das Zeichen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen und postuliert, dass es immer drei Funktionen in sich vereint: „Es ist Symbol kraft seiner Zuordnung zu Gegenständen und Sachverhalten, Symptom kraft seiner Abhängigkeit vom Sender, dessen Innerlichkeit es ausdrückt, und Signal kraft seines Appells an den Hörer, dessen äußeres oder inneres Verhalten es steuert [...].“

Das Zeichen hat also eine Symbolfunktion, weil es für ein Objekt steht, eine Ausdrucksfunktion, weil es die Beziehung zwischen Symbol und Sender ausdrückt und eine Appellfunktion, weil es den Empfänger beeinflussen will. (Boos, 2009, S. 19).

Schulz von Thun (2010) sieht in seinem Vier-Seiten-Modell Kommunikation ebenfalls als Interaktion. Für ihn besteht jede Mitteilung eigentlich aus vier Botschaften. Sie überträgt einerseits den eigentlichen Sachinhalt, aber auch eine Selbstoffenbarung, eine Beziehungsaussage und einen Appell. Diese vier Seiten gelten sowohl bei der Enkodierung als auch bei der Dekodierung, d.h. es ist möglich, dass ein Empfänger dazu neigt aus einer Mitteilung hauptsächlich eine der vier Botschaften herauszuhören. Hört er also beispielsweise hauptsächlich auf dem „Sachohr“, so hört er zwar den vordergründigen Inhalt, überhört aber das Wesentliche, wenn der eigentliche Inhalt hauptsächlich auf der Beziehungsebene liegt. Ein Empfänger mit sehr ausgeprägtem Appellohr wird tendenziell Äußerungen als Aufforderung auffassen, die gar nicht als solche gemeint sind.

Die funktional-strukturelle Systemtheorie von Niklas Luhmann (1970, zitiert nach Boos, 2009, S. 25) sieht Kommunikation als System. Er führt darin aus, dass Entstehung und Erhaltung von sozialen Systemen nur über Kommunikation möglich sind, da soziale Systeme nicht aus Personen, sondern „aus miteinander verflochtenen menschlichen Handlungen bestehen“.

2.2 Definition und Arten computervermittelter Kommunikation (CvK)

Bei computervermittelter Kommunikation(CvK) kodieren bzw. dekodieren jeweils Computer die Nachricht, d.h. an beiden Enden des Nachrichtenkanals nach Shannon und Weaver (1949, zitiert nach Boos, 2009, S. 17) befindet sich ein Computer.

Computervermittelte Kommunikation erfolgt mit Hilfe verschiedener Kommunikationswerkzeuge, die in synchrone und asynchrone Werkzeuge eingeteilt werden können. Bei asynchronen Werkzeugen müssen Sender und Empfänger nicht gleichzeitg an ihrem Computer sitzen, während das bei synchronen Werkzeugen sehr wohl der Fall ist. Typische asynchrone Werkzeuge sind Mailinglisten und Diskussionsforen im Gegensatz dazu sind Chats und Live-Sitzungen synchrone Werkzeuge. (Balaszs & Schoop, 2004, S. 20-23)

2.3 Besonderheiten computervermittelter Kommunikation

Falckenberg (1994) zählt zu den positiven Besonderheiten der CvK die Möglichkeit, mehrere Kommunikationspartner gleichzeitig zu haben, was zwar in der Face-to-Face(FtF) Situation, d.h. alle Gesprächsteilnehmer müssen am gleichen Ort zur gleichen Zeit anwesend sein, durchaus üblich ist, nicht aber beispielsweise bei einem Telefongespräch oder einem Briefwechsel. Außerdem ermöglicht CvK auch, sich mit unbekannten Kommunikationspartnern auszutauschen. Mailinglisten und Chatrooms erlauben es beispielsweise, seinen Partner über gemeinsame Interessen auszuwählen. Dieser bleibt im Normalfall unbekannt. CvK ist ortsunabhängig, man kann einerseits zu Personen an weit entfernten Orten Kontakt aufnehmen und andererseits sind die Kosten für die Kommunikation völlig entfernungsunabhängig.

Ein wesentlicher - einerseits positiver, aber andererseits auch negativer Unterschied - ist weiters die Tatsache, dass den Kommunikationspartnern ein Großteil der nonverbalen Informationen über ihr Gegenüber vorenthalten wird. Dazu gehören z.B. Mimik, Gestik, Geschlecht, Status und Alter (Kiesler, Siegel & McGuire, 1984). Ein willkommener Effekt dabei ist, dass Statusunterschieden und Normen in der CvK eine geringere Bedeutung zukommt. Es wird allerdings auch beobachtet, dass in diesem Umfeld Normverletzungen wie Beschimpfungen oder ähnliches gehäuft beobachtet werden (Dubrovsky, Kiesler & Sethna, 1991, zitiert nach Boos, 2009, S. 27; Hiltz, Turoff & Johnson, 1989, zitiert nach Boos 2009, S. 27).

Die verschiedenen Kommunikationsformen, bestimmt durch die benutzten Medien, unterscheiden sich außerdem in ihrem Grad an „social presence“, einem Konzept von Short, Williams und Christie (1976, zitiert nach Boos, 2009, S. 28f). In der FtF Kommunikation ist die social presence deutlich ausgeprägter als in der CvK. Dies spricht nicht unbedingt gegen die Verwendung der CvK, es muss lediglich darauf geachtet werden in welchen Situationen sie angewandt wird. CvK wird zum reinen Übermitteln von Information deutlich besser geeignet sein, als etwa in Situationen, in denen man den Kommunikationspartner in seinen Eigenheiten verstehen muss und schnell auf seine Reaktionen reagieren sollte (Boos, 2009, S. 29) Weiters unterscheiden sich die Kommunikationsformen in ihrer Reichhaltigkeit, da es z.B. in der FtF-Situation deutlich leichter ist, durch schnelle Rückfragen Unsicherheiten und Mehrdeutigkeiten auszuräumen (Daft & Lengel, 1986, zitiert nach Boos 2009, S. 28f).

3. Kollaborative Gruppenarbeit

3.1 Begriffsabgrenzung kooperative vs. kollaborative Gruppenarbeit

Im deutschen Sprachraum wird kooperative und kollaborative Gruppenarbeit oft synonym gebraucht, im englischen Sprachraum nicht, daher erscheint hier eine Begriffsabgrenzung sinnvoll.

Unter kollaborativem Lernen versteht man „die lerner-zentrierte gemeinsame Bearbeitung von schlecht strukturierten Aufgaben in selbstorganisierten Kleingruppen, in denen die Lernenden die Verantwortung für den Erfolg der Gruppe gemeinsam tragen.“ Im Unterschied dazu ist Kooperation eine arbeitsteilige Zusammenarbeit , die zwar ein gemeinsames Ziel hat, die Beiträge des Einzelnen aber noch auszumachen sind. Merkmale einer kollaborativen Gruppe sind in erster Linie die gemeinsame Verantwortung, das gemeinsame Ziel, das allerdings z.B. durch den Lehrenden vorgegeben sein kann und das gemeinsame Ergebnis, das durch die Gruppe definiert ist. Zusätzlich fordert das Arbeiten in solch einer Gruppe die aktive Teilnahme aller, damit häufige Interaktion und einer verhältnismäßig starke soziale Bindung (Balasz & Schoop, 2004, S. 4).

3.2 Voraussetzungen kollaborativer Gruppenarbeit in virtuellen Lernumgebungen

3.2.1 Technische Voraussetzungen

Gewisse technische Grundvoraussetzungen müssen gegeben sein, um kollaborative Gruppenarbeit zu gewährleisten, wobei man nicht davon ausgehen darf, dass maximaler Technikeinsatz auch ein optimales Ergebnis beschert (Hinze, 2004, S. 5). Salomon (2000) kritisiert in diesem Zusammenhang die manchmal starke Fokussierung auf die Technik als Hemmnis für die Entwicklung kollaborativer Arbeitsweisen. Eine auf technischer Ebene eher einfache Umsetzung ist manchmal sehr empfehlenswert, da sich hier Personen mit einfacher technischer Ausstattung genauso beteiligen können, wie Personen, die im Umgang mit den verschiedenen Werkzeugen noch ungeübt sind. Damit sinkt die Hemmschwelle zur Teilnahme. Da eine einfache Umgebung auch weniger technische Schwierigkeiten mit sich bringt und daher weniger Support benötigt, ist sie meist auch kostengünstiger (Hinze, 2004, S. 8).

Kollaborative Gruppenarbeit benötigt einerseits natürlich Werkzeuge zur Kommunikation, die den Gruppenmitgliedern einen Austausch untereinander ermöglichen, zusätzlich aber auch Werkzeuge zur Koordination, die den Ablauf der Kommunikation regeln und auch Werkzeuge zur Kooperation bzw. Kollaboration, die eben das Arbeiten an einem gemeinsamen Werk gewährleisten (Dinse & Bonczek, 2006, S. 13).

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668160224
ISBN (Buch)
9783668160231
Dateigröße
932 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v316818
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Kultur und Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
kollaborativ Gruppenarbeit Kommunikation Lernszenario lernen Computer vermittelt Kanal Sender Empfänger kooperativ e-Mail Foren chat Meta-Daten moderieren

Autor

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