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Kriegsbegeisterung 1914 in Deutschland. Zwischen Mythos und Realität

Examensarbeit 2015 93 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Weg in die Krise 1914
2.1 Nationalität, Imperialismus, Bündnisse und Krisen
2.2 Das Attentat von Sarajevo und seine Folgen

3. „Deutsches Heer und deutsches Volk sind eins“- Das Augusterlebnis
3.1 Die ungleiche Wahrnehmung in der Gesellschaft
3.2 Literarische Reflexion - Der Krieg in zeitgenössischen Werken
3.3 Künstlerische Reflexion - Zwischen Propaganda und Furcht

4. Wechselwirkung zwischen Politik und Presse
4.1 Der Kriegsbeginn im Spiegel deutscher Zeitungen
4.2 Exkurs: Die internationale Berichterstattung
4.2.1 Die österreichische Presse
4.2.2 Die russische Presse
4.2.3 Die französische Presse
4.2.4 Die englische Presse

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

Danksagung

Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle bei all denjenigen bedanken, die mich während der Anfertigung dieser Hausarbeit unterstützt und motiviert haben.

Ganz besonders gilt dieser Dank Herrn Dr. Lutz Oberdörfer, der meine Arbeit und somit auch mich betreut hat. Sie gaben mir nicht nur wertvolle Hinweise im Umgang mit der komplexen Thematik - auch Ihre moralische Unterstützung und kontinuierliche Motivation haben einen großen Teil zur Vollendung dieser Arbeit beigetragen. Vielen Dank für die Geduld und die Zeit, die Sie sich im persönlichen Gespräch nahmen.

Daneben gilt mein Dank Clemens, welcher in zahlreichen Stunden Korrektur gehört und gelesen hat. Aber auch Christian, Kenneth und Robert möchte ich danken, die mich immer wieder antrieben die Arbeit zu beenden. Ihr alle seid eine große Unterstützung für mich.

Nicht zuletzt gebührt meinen Eltern und meiner Schwester Fanny Dank, ohne welche dieses ganze Unternehmen schon im Vorhinein niemals zustande gekommen wäre.

1. Einleitung

Es schien, als wäre nicht nur Deutschland im Rausch der Kriegslust, als 1914 der Erste Weltkrieg seinen Beginn fand. Betrachtet man nur einmal Fotografien und Karikaturen zeitgenössischer Zeitungen, überkommt einen das Gefühl von Zusammenhalt und purer Euphorie in allen kriegsführenden Ländern. Es sind Fotos von uniformierten Männern, die freudig in ihren mit Parolen bemalten Zügen sitzen1 oder adrett bekleidete Massen, die nach der Bekanntgabe der Mobilmachung, jubelnd durch die Straßen ziehen2, die suggerieren, dass die Völker bereit seien für einen Krieg. Doch wie viel Wahrheitsgehalt haben derartige Bilder wirklich? Und vor allem: Ist die gesamte Bevölkerung Deutschland wirklich dem Kriegsrausch verfallen und bereit gewesen für Land und Kaiser freudig ihr Leben zu lassen?

Diese und weitere Fragen in Bezug auf den Mythos der Kriegsbegeisterung in Deutschland 1914, sollen Thema der vorliegenden Hausarbeit sein. Auf die Verhältnisse in anderen Ländern kann im Rahmen dieser Arbeit nur kursorisch eingegangen werden. Um dieser Problematik dennoch Aufmerksamkeit zu schenken, soll in einem Exkurs die Wechselwirkung von Politik und Presse der anderen Großmächte: Österreich- Ungarn, Russland, Frankreich und England, dargelegt und ausgewertet werden. Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, beschränkt sich die Hausarbeit auf den Zeitraum der Julikrise und des sogenannten „Augusterlebnisses“ im Jahre 1914, das seinen Namen durch die historiografische Rezeption der Stimmung gewisser Kreise der Bevölkerung des Deutschen Reichs bekam. Man spricht dabei auch vom „Geist von 1914“3. Um für die vorherrschenden Gefühle des Volkes sensibilisiert zu werden, wird jedoch zunächst der Weg in den Ersten Weltkrieg in den Fokus gerückt. Was waren die Ursachen für die Spannungen auf der Welt, weshalb eskalierten sie in einen großen Krieg? Und vor allem, wie ist Deutschland ein Teil des Krieges geworden? Wie wurde der Kriegseintritt Deutschlands in der Gesellschaft aufgenommen? Wer befürwortete das Kriegstreiben und wer stand ihm skeptisch gegenüber? Diese Punkte sollen als nächstes dabei behilflich sein, den anhaltenden Mythos der Kriegseuphorie genauer zu betrachten. Dabei helfen literarische und künstlerische Reflexionen, die Stimmung in der Gesellschaft besser einschätzen zu können. An ausgewählten Werken soll demonstriert werden, wie durchwachsen die Reaktionen auf die Bekanntgabe der Mobilmachung in Realität des Sommers 1914 wirklich waren. Des Weiteren soll der Fokus auf das Zusammenwirken von Presse und Politik gesetzt werden, denn in einer Zeit, in der es weder Radio noch Fernseher gab, spielten Zeitungen eine tragende Rolle für die Information, Meinungsbildung und die Beeinflussung breiter Kreise. Es stellen sich also nun diverse Frage in Bezug auf die Wechselwirkung zwischen der Regierung und der Zeitungen, wobei zu beachten sein wird, dass damals die Meinungs- oder Gesinnungspresse dominierte. Schnell wurde und wird dem Leser klar, welcher parteipolitische Richtung ein Blatt zuhörte, beziehungsweise welche sie im Grundsätzlichen unterstützte. Daraus ergaben sich große Unterschiede in den Bewertungen, etwa zwischen sozialdemokratischen und deutschkonservativen Zeitungen, oder, gerade in der Außen- und Sicherheitspolitik, zwischen jenen der Nationalliberalen und der linksliberalen Fortschrittspartei. Dabei ist es für meine Arbeit unumgänglich den Einfluss der Presse auf das Volk zu behandeln, aber auch, mit welchen Mitteln die Zeitungen ihren Einfluss festigten und auszubauen suchten. Und vor allem, aus welchem politischen Sektor sie kamen. Sprechen wir hier von Kriegspropaganda? Wäre der Erste Weltkrieg im bekannten Maß eskaliert, wenn es eine unzensierte und freie Presse gegeben hätte?4 Wie suchte die Politik die Presse, um das Volk für den Krieg zu begeistern und vor allem war das ein deutsches Phänomen? Um diesen Unterpunkt in seiner Komplexität genauer zu beleuchten, werden in einem Exkurs Zeitungsartikel in Schrift und Bild, sowohl aus Deutschland, als auch aus Österreich- Ungarn, Russland, Frankreich und England herangezogen und analysiert. Im Anschluss soll auf die Bedeutung der Presse, besonders in der Julikrise, eingegangen werden, indem ihr Agieren in den angeführten Ländern verglichen wird. Abgeschlossen wird die Hausarbeit mit einem Fazit, indem nach der Zusammentragung, Beleuchtung und Analyse diverser Fakten, darüber geurteilt wird, inwieweit die Kriegseuphorie 1914 Mythos oder Realität ist. Der Forschungsstand zur Problematik ist im Laufe der letzten Jahre herangereift. Im Rahmen meiner Arbeit stütze ich mich neben einer Reihe von themengerechter Literatur, ins Besondere auf die Werke von Christopher Clark „Die Schlafwandler“5, der sich mit dem Weg in den großen Krieg beschäftigte und auseinandersetze, sowie auf einen Sammelband zum Thema die Presse in Juli 19146, herausgegeben von Georg Eckert, Peter Geiss und Arne Karsten und auf Tillmann Bendikowskis Werk „Sommer 1914“7, dass die Begeisterung und Angst in Deutschland zum Kriegsbeginn thematisiert. Alle Werke sind auf einem aktuellen Forschungsstand und erlauben einen tiefgehenden Einblick in die Geschehnisse des Ersten Weltkriegs. Demzufolge stützte ich mich unteranderem auch auf Zeitungsartikel, die durch die Sekundarliteratur angegeben werden, mit einem Verweis auf die Originalausgabe. Für die Untersuchung ausländischer Zeitungen bediene ich mich zum Teil der Übersetzungen von Baberowski, Eckert und Geiss.

2. Der Weg in die Krise 1914

Wer annimmt, dass der Erste Weltkrieg einzig und allein durch das Attentat von Sarajevo ausgelöst wurde, liegt mit seiner Vermutung falsch. In den vergangenen Jahren haben sich diverse Wissenschaftlicher mit den Ursachen für die Zuspitzung der europäischen Situation beschäftigt und sind sich einig, dass der Grund dafür nicht nur die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau gewesen war, sondern das unterschiedliche Faktoren auf Europa einwirkten und die politische Stimmung vergifteten.

2.1 Nationalität, Imperialismus, Bündnisse und Krisen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts blühte in ganz Europa der Geist des Nationalismus und somit der große Wunsch von Einigkeit. Bevölkerungsgruppen sahen sich durch die Kleinstaaten getrennt. Im Vielvölkerstaat Österreich- Ungarn fühlte man sich als fremd wahrgenommen und vernahm ein Gefühl von Unfreiheit. Im Zuge dieses Gefühlsstroms erfand man sich neu und konstruierte eine Nation. Das hatte zur Folge, dass auch neue Ansprüche auf Machtgeltungen entstanden, die Konfliktpotential enthielten.8 Die möglichen Ursachen für den Ausbruch eines Krieges, beginnen also am Anfang des 19. Jahrhunderts. In den 1880er Jahren, als das sogenannte „Scramble for Africa“9 einen apostrophierten Kampf um die überseeischen Kolonien entfachte und das Zeitalter des Imperialismus begann, spitzte sich die Lage zunehmend zu. Das Deutsche Reich strebte verstärkt nach Kolonien in Afrika, Amerika und Asien, weswegen Frankreich, England und Deutschland im 19. Jahrhundert in Konkurrenz zueinander standen. Daraus resultierte, dass am 20. Mai 1882 Deutschland, Österreich- Ungarn und Italien den so genannten „Dreibund“ schlossen, um Frankreich zu isolieren. Deutschland und Frankreich trennte ohnehin eine Art „Erbfeindschaft“, die aus der Annexion Deutschlands von Elsaß- Lothringen im Jahre 1870 und 1871 resultierte.10 Als Reaktion darauf und auch als wertigen Gegenpol, schlossen Großbritannien und Frankreich zunächst die „Entente Cordiale“, der sich Russland 1907 anschloss und in dessen Rahmen sie den Namen „Tripel Entente“ trug.11 Für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es vielerlei Gründe. Es wäre ein Fehler, zu glauben, dass es allein daran lang, dass nach dem Rücktritt Otto von Bismarcks im Jahre 1890, sich die Politik Deutschlands grundlegend änderte. Durch diese „Verbündeten- Denken“ kam es jedoch zu Spannungen zwischen den Großmächten und zum Wunsch nach Bündnissystemen, die außenpolitische Sicherheit versprachen. Zu dieser Bündnisproblematik kann als weitere außenpolitische Ursache das Machtvakuum auf dem Balkan12 gezählt werden, das durch die an Einfluss verlierende osmanische Herrschaft entstand. Bulgaren, Griechen, Montenegriner und Albaner strebten danach eigene Nationalstaaten zu errichten, beziehungsweise diese zu erhalten oder zu erweitern. Das zaristische Russland wollte auf Kosten des morschen Osmanischen Reiches sein Territorium und seinen Einfluss vergrößern. Dieses Interesse kollidierte mit dem des Vielvölkerstaates Österreich- Ungarn: Dessen imperialistische Expansionspolitik zielte, wie auch die des Deutschen Reiches, ebenso in Richtung Balkan, was für weiteres Konfliktpotential sorgte. Diese Rivalitäten zwischen den europäischen Großmächten gipfelten in einem dynamischen Rüstungswettlauf. Bereits 1905 legte der deutsche Generalstabchef Alfred Graf von Schlieffen einen Aufmarschplan für einen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland vor, der später als sogenannter „Schlieffenplan“13 maßgeblich die deutsche Strategie zu Beginn des Ersten Weltkrieges bestimmt. Des Weiteren führte die Außenpolitik des Deutschen Reichs dazu, dass es zu einer zunehmenden Isolierung Deutschlands kam, dessen Reichsleitung es ablehnte sich über Einflussbereiche und Rüstungsbegrenzungen zu verständigen. Diese sogenannte „Politik der freien Hand“14, wie Kaiser Wilhelm II. sie führte, zählt auch als weitere mögliche Ursache für das Zuspitzen der Lage. Des Weiteren vergifteten viele Affären und Zwischenfälle das politische Klima in Europa. So auch die Krüger- Depesche. Der deutsche Kaiser sandte am 3. Januar 1896 Paulus Krüger, dem Präsidenten von Transvaal, ein Telegramm zu, dass ihn zur erfolgreichen Abwehr des Angriffs einer Privatarmee beglückwünschen sollte. Geführt wurde diese vom Briten Leander Starr Jameson, somit bestand in Berlin kein Zweifel daran, dass eigentlich das britische Empire hinter dem Einfall der Privatarmee stand. So hieß es im Telegramm:

„I express to you my sincere congratulations that you and your people, without appealing to the help of friendly powers, have succeeded, by your own energetic action against the armed bands which invaded your country as disturbers of the peace, in restoring peace and in maintaining the independence of the country against attack from without.”15

Da man in die Burenrepublik Transvaal ohnehin schon als Teil des britischen Empires sah, wurde diese Depesche in London als Affront wahrgenommen. Man verbat sich die Einmischung des Deutschen Reichs. Das Echauffieren ging so weit, dass man das Mittelmeerabkommen von 1887 als Reaktion daraufhin auflöste und England sich diplomatisch Russland annährte. Eine weitere Station auf dem Weg zur Eskalation, war die Erste Marokkokrise von 1904. Dabei standen Macht und Einfluss im nördlichen Afrika auf dem Spiel. Seit 1880 sicherten sich die Großmächte durch das Madrider Abkommen einen gleichmäßigen Zugang zu Marokko gegenseitig zu. Jedoch strebte Frankreich die Vorherrschaft in Maghreb an, was in Berlin auf Widerwillen stieß. Daraufhin besuchte Kaiser Wilhelm II. am 31. März 1905 den marokkanischen Sultan in Tanger, was auf seitens Frankreichs kritisch beäugt wurde. In der Konferenz im spanischen Alegeciras sollte die Streitigkeit um den Status Marokkos niedergelegt werden. Das Deutsche Reich versuchte die Verbindung zwischen Paris und London zu schwächen, jedoch sah das Resultat der Konferenz anders aus: Frankreich erhielt weitreichende Befugnisse in Marokko, was das Deutsche Reich in Europa noch weiter isolierte.16 Sechs Jahre nach der ersten Krise wurde Marokko erneut zum Schauplatz des europäischen Macht- und Kolonialkonflikts. Das Deutsche Reich reagierte negativ auf die Botschaft, dass im Sommer 1911 die marokkanischen Städte Fès und Rabat von französischen Truppen besetzt worden waren. Der Kaiser erhoffte sich, wenn er Frankreich in seinem Bestreben unterstützte, dass es einige Kolonien an Deutschland abtreten würde. Andererseits versandte Berlin Drohungen und hielt Europa die Gefahr eines Krieges vor Augen. Als der Kaiser 1911 sein Kanonenboot namens „Panther“ in die marokkanische Hafenstadt Agadir schickte, stieß er in Großbritannien auf große Skepsis. Man befürchtete Deutschland würde die Stadt als Militärstützpunkt ausbauen und wichtige britische Seeverbindungen kontrollieren. Die Zweite Marokkokrise fand ihr Ende, als im November 1911 der Marokko- Kongo- Vertrag geschlossen wurde. Deutschland erkannte die Vorherrschaft Frankreichs in Marokko an und dafür überließ Paris Berlin einen Teil ihrer Kolonie Französisch- Äquatorialguinea.17 Zwischen den beiden Marokkokrisen kam es zu einem weiteren Fauxpas des deutschen Kaisers. Ein von ihm gegebenes Interview 1908, ging als „Daily- Telegraph- Affäre“ in die Geschichte ein. In dem Interview, dass durch eine Reihe unglücklicher Umstände nie Korrektur gelesen wurde18, sprach Kaiser Wilhelm II. davon, dass er auf die Interessen Londons bedacht wäre, auch wenn die Mehrheit der Deutschen England feindlich gegenüberstünden, was die englische Angst einer Aufrüstung des Deutschen Reichs bestärkte. Des Weiteren sprach er davon, dass er ein russisch- französisches Vorgehen gegen England im Burenkrieg abgelehnt und es Queen Victoria mitgeteilt habe, somit hatte sich der Kaiser als eigenständiger Außenpolitiker im europäischen Bündnis gezeigt und mit seinem entworfenen Schlachtplan für den Burenkrieg, sei dieser gewonnen worden, obwohl der Kaiser noch in der Krüger- Depesche 1896 den Buren zum Sieg gegen die Briten gratulierte. Zusätzlich sprach er von der Aufrüstung des Flottenbaus und das jener sich nicht gegen England, sondern gegen die Fernost- Staaten richten würde, was vor allem Provokation für Japan darstellte. Sein Plan damit Englands kritische Betrachtung seines Flottenbaus abzumildern, scheiterte, denn das deutsche Volk fühlte sich von seinem Kaiser brüskiert. Sie forderten die Niederlegung der Krone. Der Kaiser selber bekam erst später von der Reaktion auf sein Interview mit. Er befand sich zur Zeit der Veröffentlichung beim österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Böhme

2.2 Das Attentat von Sarajevo und seine Folgen

Mit dessen Ermordung spitzte sich die zu eskalierende Situation in Europa weiterhin zu. Am 28. Juni 1914 fielen der österreichische Thronfolger und seine Frau Sophie von Hohenberg einem Attentat in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo zum Opfer. Ihr Aufenthaltsdatum fiel mit dem serbischen Feiertag St. Veits Tag zusammen, was viele Einwohner als Demütigung und Provokation empfanden. Die Mehrheit der in Bosnien- Herzegowina lebenden Bevölkerung waren Serben, die auf eine Vereinigung mit ihrer serbischen Heimat hofften. Beide österreichischen Repräsentanten wurden vom Gavrilo Princip erschossen. Dieser war Mitglied der Jugendbewegung Mlada Bosna, einer serbisch- nationalistischen revolutionären Vereinigung von Schülern und Studenten, die im von Österreich- Ungarn annektierten Bosnien- Herzegowina unterwegs waren.19 Die Donaumonarchie gab der serbischen Regierung eine moralische Mitschuld und vermutete sie hinter dem Auftrag des Attentats, da sie kriminelle Organisationen in ihrem Land gewähren ließen. Der leitenden bosnische Ermittler, Sektionsrat Friedrich Wiesner, schrieb in seinem Bericht vom 13. Juli 1914 an das k.u.k. Außenministerium:

„Mitwissenschaft serbischer Regierung an der Leitung des Attentats oder dessen Vorbereitung und Beistellung der Waffen durch nichts erwiesen oder auch nur zu vermuten. Es bestehen vielmehr Anhaltspunkte, dies als ausgeschlossen anzusehen. Durch Aussagen Beschuldigter kaum anfechtbar festgestellt, dass Attentat in Belgrad beschlossen und unter Mitwirkung serbischen Staatsbeamten Ciganović' und Major Tankošic' vorbereitet, von welchen beiden Bomben, Brownings, Munition und Zyankali beigestellt.“20

Österreich- Ungarn war ein Vielvölkerstaat, der unter seiner Donaumonarchie Ungarn, Tschechen, Slowaken, Rumänen, Italiener, Ukrainer, Kroaten und auch Serben einte. In Bosnien und Kroatien kam es zu antiserbischen Ausschreitungen, welche die Stimmung im Vielvölkerstaat weiterhin aufheizte.21 Bereits vor dem Attentat forderte man in Österreich- Ungarn, ein Vorgehen gegen Serbien, wogegen sich jedoch Franz Ferdinand aussprach. Doch als Reaktion auf die Ermordung seines Thronfolgers, stellte Österreich- Ungarn am 23. Juli 1914 ein Ultimatum an Serbien, dessen Erfüllung die Aufgabe der Unabhängigkeit Serbiens zur Folge gehabt hätte. Im Rahmen dessen, spricht man von der Julikrise 1914. Hierbei handelt es sich um die Zuspitzung der Lage zwischen den fünf Großmächten Europas. Die notwendige Unterstützung für das Ultimatum bekam Österreich- Ungarn vom Deutschen Reich. Als bei der „Mission Hoyos“22 der Gesandte Alexander von Hoyo nach Berlin reiste, um zu erurieren, ob es eine militärische Rückendeckung seitens des Deutschen Reichs gäbe. Nach einer Unterhaltung mit dem österreich- ungarischen Botschafter Ladislaus von Szögyény-Marich, erklärte sich Kaiser Wilhelm bereit, einen Blankoscheck auszustellen. In einem Telegramm an den Grafen Berchtold23 schrieb Graf Szögyény:

„Nach dem Dejeuner, als ich nochmals Ernst der Situation mit großem Nachdrucke betonte, ermächtigte mich seine Majestät, unserem allergnädigsten Herrn zu melden, dass wir auch in diesem Falle auf die volle. Unterstützung Deutschlands rechnen können. Wie gesagt, müsse er vorerst die Meinung des Reichskanzlers anhören, doch zweifle er nicht im Geringsten daran, dass Herr von Bethmann Hollweg vollkommen seiner Meinung zustimmen werde. Insbesondere gelte dies betreffend eine Aktion unsererseits gegenüber Serbien. Nach seiner [Kaiser Wilhelms] Meinung muss aber mit dieser Aktion nicht zugewartet werden. Russlands Haltung werde jedenfalls feindselig sein, doch sei er hierauf schon seit Jahren vorbereitet, und sollte es sogar zu einem Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Russland kommen, so könnten wir davon überzeugt sein, dass Deutschland in gewohnter Bundestreue an unserer Seite stehen werde. Russland sei übrigens, wie die Dinge heute stünden, noch keineswegs kriegsbereit und werde es sich gewiss noch sehr überlegen, an die Waffen zu appellieren. Doch werde es bei den anderen Mächten der Tripleentente gegen uns hetzen und am Balkan das Feuer schüren. Er begreife sehr gut, dass es Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät bei seiner bekannten Friedensliebe schwer fallen würde, in Serbien einzumarschieren; wenn wir aber wirklich die Notwendigkeit einer kriegerischen Aktion gegen Serbien erkannt hätten, so würde er [Kaiser Wilhelm] es bedauern, wenn wir den jetzigen, für uns so günstigen Moment unbenützt ließen.“24

In der Forschung ist weitgehend unstrittig, dass es sich um eine Blanko- Vollmacht handelte, für den Fall, dass daraus ernste europäische Konflikte werden könnten. Die Verantwortlichen in Wien haben wissend, dass es zu einem Krieg kommen könnte, nicht nur einen lokal begrenzten Krieg geplant, da sie hofften dadurch den Vielvölkerstaat Österreich- Ungarn wieder zu stabilisieren und retten zu können.25 Nun bestand Gefahr für das österreich- ungarische Vorgehen auf Seiten Russlands. Denn hätte Russland Serbien unterstützten wollen und Österreich- Ungarn den Krieg erklärt, hätte das zur Folge, dass das Deutsche Reich seine Bündnispflicht gegenüber dem Vielvölkerstaat einhalten müsse, ebenso wie Frankreich ihrem Bündnispartner Russland gegenüber. Nachdem die Serben das Ultimatum beantworteten und Österreich- Ungarn die Antwort als ungenügsam ansah26, erklärte der Vielvölkerstaat am 28. Juli Serbien den Krieg. Russland antwortete am 29. Juli darauf mit einer Teilmobilmachung, jene sich aber nicht gegen das Deutsche Reich richten sollte, so Außenminister Sasanow. Christoph Clark interpretiert die russische Teilmobilmachung als Kriegsentschluss.27 Die französische Regierung bat Russland um ein bedachtes Handeln, um die deutsche Mobilmachung nicht zu provozieren. Das deutsche Militär sah sich jedoch in einer Zwangslage, denn man wollte die Mobilmachungszeit Russlands zur Niederwerfung Frankreichs nutzen, so wie es der alternativlose Schlieffen- Plan vorsah. Man übersandte St. Petersburg die Botschaft, dass eine russische Mobilmachung den Kriegseintritt des Deutschen Reiches zur Folge haben würde. Russland antwortete darauf hingegen mit der Mobilmachung seines gesamten Heeres.28 Deutschland verkündete den „Zustand drohender Kriegsgefahr“ und stellte am 31. Juli Russland ein Ultimatum von zwölf Stunden, was das Einstellen der Generalmobilmachung beinhaltete. Ebenfalls ging ein Ultimatum an Frankreich von achtzehn Stunden, dass ihre Neutralität im Falle eines deutsch- russischen Krieges absichern sollte. Nachdem eine russische Antwort ausblieb, erklärte Deutschland am 1. August 1914 Russland den Krieg. Am 3. August folgte eine Kriegserklärung an Frankreich, da dieses das neutralitätsfordernde Ultimatum ausweichend beantwortet hatte. Somit wurde aus dem österreich- serbischen Krieg, der große europäische Krieg.29

3. „Deutsches Heer und deutsches Volk sind eins“- Das Augusterlebnis

„An das deutsche Volk!

Seit der Reichsgründung ist es durch 43 Jahre Mein und Meiner Vorfahren heißes Bemühen gewesen, der Welt den Frieden zu erhalten und im Frieden unsere kraftvolle Entwickelung zu fördern. Aber die Gegner neiden uns den Erfolg unserer Arbeit. Alle offenkundige und heimliche Feindschaft von Ost und West, von jenseits der See haben wir bisher ertragen im Bewusstsein unserer Verantwortung und Kraft. Nun aber will man uns demütigen. Man verlangt, dass wir mit verschränkten Armen zusehen, wie unsere Feinde sich zu tückischem Überfall rüsten, man will nicht dulden, dass wir in entschlossener Treue zu unserem Bundesgenossen stehen, der um sein Ansehen als Großmacht kämpft und mit dessen Erniedrigung auch unsere Macht und Ehre verloren ist. So muss denn das Schwert entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf! zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Um Sein oder Nichtsein unseres Reiches handelt es sich, das unsere Väter sich neu gründeten. Um Sein oder Nichtsein deutscher Macht und deutschen Wesens. Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Ross. Und wir werden diesen Kampf bestehen auch gegen eine Welt von Feinden. Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war. Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war! […].“30

Mit diesen Worten richtete sich Kaiser Wilhelm II. an die Bevölkerung des Deutschen Reiches, nachdem Russland nicht auf das Ultimatum reagierte und es zur Kriegserklärung kam. Viele Einwohner nahmen die Meldung begeistert auf. Einige aufgrund von Nationalstolz, andere, so die Anhänger der SPD, konnten sich mit dem Kampf gegen den russischen Zarismus identifizieren. Es hatte den Anschein, als käme es zu einer Versöhnung von Parteien, Rassen und Klassen innerhalb der Gesellschaft. Als stünde das gesamte Deutsche Reich gemeinsam an der Front, um gegen den Feind zu kämpfen. Somit prägte sich der Begriff des „Augusterlebnis“, das eine allgemeine positive und bewegende Stimmung suggeriert, jedoch hat sich der Begriff in der Forschung bereits als kulturelle Inszenierung manifestiert. Dieser Forschungsmeinung schließt sich Tillmann Bendikowski an:

„Längst schon hat die historische Forschung die vermeintliche Kriegsbegeisterung infrage gestellt. In der historischen Wirklichkeit waren die Reaktionen auf die Kriegsgefahr und den Beginn des Krieges sehr viel komplexer und widersprüchlicher.“31

Im anschließenden Kapitel soll nun mehr der Fokus auf ebendiese differenzierte Wahrnehmung, bezüglich des Kriegsausbruchs, in der Gesellschaft gelegt werden.

3.1 Die ungleiche Wahrnehmung in der Gesellschaft

Nach der Rede des Kaisers vom Balkon seines Berliner Palastes32, hieß es kurz daraufhin in einem Zeitungsbericht: „An diese Worte des Kaisers, schloss sich ein Jubel an, wie er wohl noch niemals in Berlin erklungen ist.“33 Bendikowski widerlegt den Wahrheitsgehalt dieses Zeitungsartikels, indem er Tagebucheinträge diverser Personen anführt, welche die Verkündigung des Kriegsausbruchs nicht als bejubeltes Ereignis wiedergeben. So heißt es, dass nicht alle Berliner oder gar all jene die sich auf der Straße befanden, als der Kaiser seine Rede hielt, der Begeisterung verfielen. Diese Erkenntnis nimmt er unteranderem aus einem Tagebuch eines Berliners, der dazu schrieb: „Viele Frauen mit verweinten

Gesichtern. Ernst und Bedrücktheit. Kein Jubel, keine Begeisterung.“34 Des Weiteren berichtete der anonyme Tagebuchautor, dass trotz aller Hochrufe und Gesänge, die weiterwegstehenden Menschen passiv geblieben seien. Unterstützend wird auch ein Tagebucheintrag des Schriftstellers Gerhart Hauptmann, den er nach der Bekanntmachung der Mobilisierung verfasste, von Bendikowski angeführt:

„Ich hatte heut Morgen bei meinem Spaziergang in die Stadt Augenblicke, wo es mir Mühe kostete, nicht laut aufzuschluchzen angesichts des ungeheuren, nahendem Völkermords.“35

Gerhart Hauptmann gehört zu der Gesellschaftsschicht der Gelehrten und Intellektuellen, welche im Punktum Kriegsbegeisterung immer wieder als Befürworter dargestellt werden. Auch er verfällt im Laufe des Sommers der Kriegsbegeisterung. Ebenso wie der von Bendikowski in seinem Werk „Sommer 1914“ als Beispiel angeführte Alexander Cartellieri, ein Historiker der Universität Jena, der in erster Linie seinen ambitionierten Projekten nachgehen wollte, aber mit Bedauern feststellen musste, dass sich der Krieg auf das universitäre Leben auswirkte, später dann aber nach seinen Möglichkeiten zur Mobilisierung der Intellektuellen beitrug.36 Bendikowski spricht dabei von „Tagen und Wochen einer Selbstmobilisierung der Intellektuellen.“37 Trotz offizieller Erklärung seitens der Regierung, dass es nicht zu Universitätsschlüssen kommen wird, zeigte sich bereits in den ersten Augusttagen, wie der Krieg das universitäre Leben erkennbar veränderte: An der Jena Universität38 legten junge Männer Notprüfungen ab, um anschließend in den Krieg zu ziehen. Den meisten Professoren blieb es hingegen verwehrt sich selbst zu den Waffen melden zu können, dennoch herrschte bei einigen eine große Sympathie für die Mobilmachung, da sie davon überzeugt waren, dass Deutschland siegen werde.39 Die Studenten reagierten wie die meisten ihrer Professoren mit einem nach außen gekehrten Patriotismus, was der vermeintlichen Kriegsbegeisterung im Anbetracht der späteren

Wahrnehmung, ein junges, dynamisches und opferbereites Gesicht gab. Die sich freiwillig für den Krieg meldenden Studenten blieben offiziell an den Universitäten immatrikuliert.40 Wer hingegen als Student an der Universität blieb, musste sich anderen vaterländischen Diensten widmen:

„An die Studenten! Da von allen Seiten mit Recht auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen wird, die Ernste möglichst rasch zu bergen, ist es eine vaterländische Pflicht auch der Jenaischen Studenten die weder Dienst mit der Waffe tun noch sich in der Krankenpflege betätigen können, sich der der Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen.“41

Doch nicht alle Studenten waren vom Geist ihrer Zeit betroffen. So druckte man in der Zeitschrift des „Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen“:

„Gebt mir Waffen - Führt mich ins Feld, lasst mich werden ein deutscher Held. […] Heimat, Liebe - ich setze mein höchstes Gut - fließe, fließe mein junges Blut!“42

Im Großen in Ganzen sind es jedoch trotz gewisser Ausnahmen, die Intellektuellen, die im Kriegsverlauf weiterhin Hoffnung haben und im Sinne der Kriegspropaganda Verunglimpfungen über andere Völker treffen, wie es die Untersuchung Bendikowskis ergeben.43 Der Großteil von ihnen förderte kriegsbegeistert die Mobilmachung, wenn nicht direkt an der Front oder aus mitten des Universitätswesens, dann durch die Arbeit in der Krankenpflege und Landwirtschaft. Viele Menschen stellten sich auf Nahrungsengpässe ein. Besonders bei den Arbeitern und den Bauern herrschte große Verzweiflung und Not in Bezug auf die Nahrungsversorge, was dazu beitrug, dass es in dieser Gesellschaftsschicht weniger Vertreter des „Hurra-Patriotismus“ gab. Großstädter fuhren aufs Land und machten Hamsterkäufe. Für die Bauern brach eine Zeit des Verdrusses und der Not an, da es an Arbeitskräften fehlte, weil alle wehrtüchtigen Männer eingezogen wurden. Zurückblieben Alte, Kranke, Frauen und Kinder. Jochen Bölsche schrieb in seinem Werk dazu:

„Während das Großbürgertum feiert und junge Studenten sich kriegerisch Abenteuer in fremden Ländern erhoffen, herrscht in Arbeiterfamilien Zukunftsangst: Wer soll sie ernähren, wenn der Ernährer in den Krieg zieht? Im Berliner Arbeiterviertel Moabit hält ein Pfarrer fest: „Die eigentliche Begeisterung, ich möchte sagen die akademische Begeisterung, wie sie sich der Gebildete leisten kann, der keine Nahrungssorgen hat, scheint mir doch zu fehlen. Das Volk denkt sehr real und die Not liegt schwer auf den Menschen“.“44

Wenig Unterstützung hatte die Arbeiterklasse dabei von ihren sie und ihre Interessen vertretenden Parteien in der Politik, zu erwarten: Die sozialdemokratischen Parteien hatten beschlossen, bei Ausbruch eines Krieges, zwischen den imperialistischen Ländern für die Beendigung des Krieges einzutreten. Diese Vorsätze vergaß man aber und unterwarf sich der Burgfriedenspolitik, das heißt, die Absage an jeden Klassenkampf gegen die eigene Bourgeoisie, solange man das Vaterland verteidigte. Unter dem Vorwand, gegen das zaristische Russland zu kämpfen, bewilligte man im Reichstag die Kriegskredite. Man verabschiedete Notgesetze, so auch sämtliche Jugendschutzbestimmungen, für die Zeit des Krieges. Selbst der linke SPD- Anhänger Karl Liebknecht stimmte zunächst aus Parteidisziplin zu, wandelte jedoch später seine Meinung und wurde neben Rosa Luxemburg der entschiedenste linke Kriegsgegner in Deutschland. So führe Rosa Luxemburg an:

„Angesichts des Verrats der offiziellen Vertretungen der sozialistischen Parteien der führenden Länder an den Zielen und Interessen der Arbeiterklasse, angesichts ihrer Abschwenkung vom Boden der proletarischen Internationale auf den Boden der bürgerlich-imperialistischen Politik, ist es eine Lebensnotwendigkeit für den Sozialismus, eine neue Arbeiterinternationale zu schaffen, welche die Leitung und Zusammenfassung des revolutionären Klassenkampfes gegen den Imperialismus in allen Ländern übernimmt. […] Die Klassenaktion des Proletariats aller Länder muss im Frieden wie im Kriege auf die Bekämpfung des Imperialismus und Verhinderung der Kriege als auf ihr Hauptziel gerichtet werden. Die parlamentarische Aktion, die gewerkschaftliche Aktion, wie die gesamte Tätigkeit der Arbeiterbewegung muss dem Zweck untergeordnet werden, das Proletariat in jedem Lande aufs schärfste der nationalen Bourgeoisie entgegenzustellen, den politischen und geistigen Gegensatz zwischen beiden auf Schritt und Tritt hervorzukehren, sowie gleichzeitig die internationale Zusammengehörigkeit der Proletarier aller Länder in den Vordergrund zu schieben und zu bestätigen.“45

Doch wurzelte der Klassenverrat der SPD nicht in der Kriegsbegeisterung, sondern darin, dass mit den Erfolgen der Sozialdemokratie eine Arbeiterbürokratie entstand, welche die Funktionsträger und Abgeordneten der SPD waren. Ihre soziale Stellung erlaubte es ihnen auch innerhalb des kapitalistischen Systems einigermaßen gut zu leben. Gleichzeitig damit entwickelte sich innerhalb der SPD eine einflussreichere ideologische Strömung, die auf die Durchsetzung permanenter Reformen und somit die schrittweise Überführung des

Kapitalismus in den Sozialismus, hoffte. Doch gab es seit Beginn des Krieges innerhalb der Arbeiterjugendbewegung einzelne Gruppen, die ihrer Überzeugung treu blieben und gegen den Krieg eintraten, sie standen unter der Leitung Karl Liebknechts. Diesbezüglich veranstalteten sie Demonstrationen und Flugblattaktionen.46 Ergo gab es, wie auch im Großbürgertum und bei den Gelehrten eine klare Spaltung von Kriegsgegnern und seinen Befürwortern. Dabei ist in keiner Weise von einer einheitlichen Kriegsbegeisterung in den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten auszugehen. Besonders kriegskritisch verhielten sich die Arbeiter, die zu Millionen an die Front geschickt wurden und ihre Familien Zuhause ließen, ungewiss wie die Versorgung dieser von Statten gehen wird. Trotzdem meldeten sich einige Arbeiter freiwillig zum Kriegsdienst, in der Hoffnung durch die so mögliche freie Entscheidung über die Waffengattung, eine Position zu bekommen, die weniger Gefahr birgt. So auch der zu dem Zeitpunkt 23- jährige Schriftsteller Klabund47, der in einem Brief am 03. August 1914 schrieb:

„Ich melde mich als Kriegsfreiwilliger bei den bairischen leichten Reitern. Hoffentlich nehmen sie mich. Ich meine, untätig hinter der Front zu liegen, lässt einen verfaulen und reibt mehr auf, als noch so strapaziöser Dienst. Zum mindesten werden sie mir doch eine Waffe in die Hand drücken.“48

Klabund bezeugt gegenüber seiner Mutter, er habe sich selbst als Reservist gemeldet. Aus Pflichtgefühl angesichts des möglichen Krieges und weil er nicht als feige gelten möchte. Dabei betont er, dass er keineswegs irgendeine Anwandlung von Kriegsbegeisterung spüren würde, sondern sogar Unverständnis für jene empfinde, die das Geschehen euphorisch begrüßen.49 So wie Klabund empfanden die meisten Reservisten, die bei der Mobilmachung im August 1914 einberufen wurden, ihren Einsatz als Pflicht. Sie trösteten sich mit der Vorstellung, dass es ein kurzer Krieg sei und sie an Weihnachten oder mit Einbruch des Winters wieder Zuhause wären. Diese Vorstellung existierte vor allem in der Phantasie der Bauern und kleinen Angestellten.50 Die zurückgebliebenen Frauen wurden dazu ermutigt sich als Helferinnen zu melden und im „Bund Deutscher Frauenvereine“ beizutreten, der den „nationalen Frauendienst“ gründete, welcher für die staatlich anerkannte Organisation den Behörden als Hilfstruppe diente. Kinder und Frauen halfen mit, ganz pflichtbewusst im Sinne des Burgfriedens. Demnach schlossen sich auch der katholische Frauenbund und sozialdemokratische Frauenorganisationen an.51 Aber auch in den Schulen wurden die Schüler durch die Lehrbeauftragten dazu motiviert in den Krieg zu ziehen. Dabei sollte man aber von keiner reinen Freiwilligkeit ausgehen, denn, wie zum Beispiel bei den Kindern, welche verlängerte Ferien hatten, sorgten gewisse Motivatoren, wie unteranderem Pflichtbewusstsein oder gar eine naive Vorstellung vom Krieg, zum Antritt des Dienstes.52 Dennoch sei angemerkt, dass de facto rund 750.000 Menschen an Friedensdemonstrationen teilnahmen, was von der Zensur ausgeblendet wurde. Unter anderem waren es auch literarische Werke, die das patriotische Herz zum Schlagen brachten und die Menschen mobilisierten, aber auch vor antikriegerischer Haltung strotzen. Der Erste Weltkrieg tobte erst seit wenigen Wochen, als eine Woge von Gedichten und Propagandaversen auf Feldpostkarten, Flugblättern und in Tageszeitung erschienen. Doch bereits nach den ersten Verlusten verblasste die siegessichere Stimmung und es entstanden Gedichte, Tagebucheinträge, Briefe und Bücher, die den realen Alltag an der Front wiedergaben.

3.2 Literarische Reflexion - Der Krieg in zeitgenössischen Werken

Von der anfänglich existenten Kriegseuphorie, wurden auch Literaten und Literatinnen erfasst. Immer wieder finden wir in den Werken von zeitgenössischen Schriftstellern Zeugnisse über ihre Wahrnehmung der Mobilmachung. Doch nur wenige Autoren und Autorinnen, wie beispielsweise Johannes R. Becher, Leonhard Frank, Annette Kolbe oder Heinrich Mann erhoben bereits zu Kriegsbeginn ihre Stimme für den Frieden. Dieses folgende Kapitel soll also dazu beitragen, einen Einblick in die unterschiedliche Wahrnehmung von Autoren und Autorinnen zum Kriegsbeginn zu geben, um festzustellen inwieweit sie eine mögliche Kriegsbegeisterung der Bevölkerung, aber auch bei sich, vernahmen. Eine durchwachsene Sammlung an Kriegsimpressionen finden wir in Matthias Steinbachs literarischem Echolot „Mobilmachung 1914“.53

„Unaufhörlich donnerten schon Züge mit Truppen und Geschützen. Von den Bahngleisen schallte heiserer Gesang. Man trank, um sich zu betäuben. Man ließ die Kapellen patriotische Lieder spielen. Man versuchte, begeistert zu sein. Aber man war es nicht.“54

Diese Impression der Mobilmachung, schrieb Walter Hasenclever 1939 in sein Werk „Irrtum und Leidenschaft“. Hasenclever war deutscher Dramatiker und Schriftsteller, der 1914 als Kriegsfreiwilliger in Flandern und an der Ostfront stationiert war.55 Später wurde er zum entschiedenen Kriegsgegner, wie viele andere Schriftsteller, so auch Erich Kästner, Berthold Brecht und Gerhart Hauptmann. Immer wieder finden wir in den Werken von Autoren dieser Zeit, Impressionen zum Kriegsbeginn, sowohl in Gedichtform, in ihren Büchern oder posthum hervorgehend: aus ihren Tagebüchern oder Briefwechsel. Überwiegend schildern sie eine naive Wahrnehmung und Unterschätzung der Intensivität des Krieges, zu Beginn der Mobilmachung. Ein Urteil, was viele nach einigen Jahren revidierten. So hieß es von Walter Flex, ein deutscher Schriftsteller Lyriker, welcher unter anderem bei der Familie Bismarck als Hauslehrer arbeitete:

„Der Krieg scheint unvermeidlich, und wenn Ihr diese Zeilen lest, wird er wohl Tatsache sein. Der Geist, in dem wir aufwachsen durften und unter dem wir miteinander verwachsen sind, macht viele Worte unnötig. Jeder von uns wird seine Pflicht tun, wir sie ihm sein Gewissen und die Stunde vorschreibt. Was hinter uns liegt kann uns kein Russe nehmen, und das ist so viel Gutes und Schönes, dass wir nie dankbar genug sein könnten.“56

Später schrieb er dann ein Gedicht über den Krieg namens „Nachtposten im März. Mit Zeilen wie: „Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht! Die Welt ist voller Morde.“57 und „Rausch‘ zu fahr‘ zu du graues Heer! […] Was ist aus uns geworden!“58, zeigt er einen klaren Wechsel vom stolzen, pflichtbewussten Freiwilligen, zum kriegsmüden Soldaten, der die Realität des Krieges erkennt. Er fiel 1917. Weniger inbrünstig schildert Ernst Jünger den Tag der Kundgebung der Mobilmachung:

„Der Dachdecker hatte gerade seinen Hammer erhoben, um einen Schlag zu tu. Nun hielt er mitten in der Bewegung inne und legte ihn ganz sacht wieder hin. In diesem Augenblick trat ein anderer Kalender bei ihm in Gültigkeit. Er war ein gedienter Mann, der sich schon in den nächsten Tagen bei seinem Regiment zu stellen hatte. […] Ich fasste wie Hunderttausende in dieser Stunde den Entschluss, mich als Kriegsfreiwilliger zu beteiligen.“59

Jünger zeigt, dass die freiwillige Teilnahme am Krieg, durchaus auch dem motivierenden Massencharakter zu schulden war. Später schrieb er von singenden Soldaten, und Frauen und Mädchen, die sie mit Blumen beschmückten. Er spricht von einer spürbaren tiefen und mächtigen Begeisterung, die vorherrschte, als die Soldaten sich auf ihren Weg machten.60

Im Verlaufe seiner Schilderungen, gibt er einige Einblicke in die Zeit vor dem Aufbruch an die Front und beschreibt seine Gefühle nach den ersten Wochen des Krieges:

„Wir hatten die Hörsäle, die Schulbänke und die Werktische verlassen und waren in den kurzen Ausbildungswochen zu einem großen, begeisterten Körper zusammengeschmolzen. Aufgewachsen in einem Zeitalter der Sicherheit, wo in uns allen die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach der großen Gefahr. Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch. In einem Regen von Blumen waren wir hinausgezogen, in einer trunkenen Stimmung von Rosen und Blut. Der Krieg musste es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche. Er schien uns männliche Tat, ein fröhliches Schützengefecht auf blumigen, blutbetauten Wiesen.“61

Umso unerwarteter fuhr er fort:

„Ich hatte eigentlich nur einen Kummer, […]dass mich die Siegesnachrichten in den Zeitungen beängstigten. Deutsche Kavalleriestreifen hatten bereits die Türme von Paris gesehen; was sollte denn dann für uns noch übrig bleiben? Wir wollten doch auch noch Kugeln pfeifen hören und jene Augenblicke erleben, die man als die eigentliche Männertaufe bezeichnen kann.“62

Krieg als Eintritt in den Kreis der Männer - Eine Ansicht, die im Sommer 1914 durchaus einige begeisterte junge Männer mit Ernst Jünger teilten. Ernst Jünger wurde mehrfach im Krieg verwundet und sein Werk „In Stahlgewittern“ zählt noch heute zu den wirkmächtigsten Erinnerungsbüchern des Krieges. Auch Kriegsgegner Johannes Becher berichtet von positiven Reaktionen auf die Verkündigung des Kriegseintritts:

„Unerwartet wandte sich Mops gegen uns beide: „Jetzt ist er da, der große Zusammenschluss…. Jetzt werden wir alle ein Volk… Ich melde mich freiwillig...“ […] Auf einzelnen Gebäuden wehten schon die Fahnen. Menschen schlossen sich zusammen, riefen „Hoch!“ und „Hurra!“. […] Der Krieg schien alle einander näher zu bringen.“63

Ein weiteres Zeugnis für die nationalprägende Stimmung des Augusterlebnisses, ist das „Manifest der 93“, der Aufruf an die Kulturwelt vom September 1914. Ludwig Fulda verfasste das Schriftstück von 93 Künstlern, Wissenschaftlern und Schriftstellern Deutschlands, die sich gegen die Anschuldigungen wehrten, dass die deutsche Armee ein kulturzerstörender Haufen Barbaren sei. Begründet wird diese vor allem in angelsächsischen Bereich manifestierte Ansicht, durch die Geschehnisse in Belgien, bei denen tausende belgische Zivilisten ums Leben kamen. Durch die Zeitnot, die der Schlieffen- Plan in Bezug auf die militärische Niederwerfung Frankreichs hervorbrachte, reagierten deutsche Militärs hochsensibel auf die vermuteten oder tatsächlichen Sabotageakte belgischer Zivilpersonen. Aber auch die drastische Zerstörung der Universitätsstadt Löwen, sorgte für die hunnenartige Porträtierung der deutschen Armee. Mit dem Brand ihrer Universitätsbibliothek, verlor die Stadt Löwen einen unersetzbaren Bestandteil an mittelalterlichen Handschriften und Büchern. In dem Manifest wehren sich die Intellektuellen gegen die Vorwürfe. So steht geschrieben:

„An die Kulturwelt! Ein Aufruf

Wir als Vertreter deutscher Wissenschaft und Kultur erheben vor der gesamten Kulturwelt Protest gegen die Lügen und Verleumdungen, mit denen unsere Feinde Deutschlands reine Sache in dem ihm aufgezwungenen schweren Daseinskampfe zu beschmutzen trachten. Der eherne Mund der Ereignisse hat die Ausstreuung erdichteter deutscher Niederlagen widerlegt. Umso eifriger arbeitet man jetzt mit Entstellungen und Verdächtigungen. Gegen sie erheben wir laut unsere Stimme. Sie soll die Verkünderin der Wahrheit sein.

Es ist nicht wahr, dass Deutschland diesen Krieg verschuldet hat. Weder das Volk hat ihn gewollt noch die Regierung noch der Kaiser. Von deutscher Seite ist das Äußerste geschehen, ihn abzuwenden. Dafür liegen der Welt die urkundlichen Beweise vor. Oft genug hat Wilhelm II. in den 26 Jahren seiner Regierung sich als Schirmherr des Weltfriedens erwiesen; oft genug haben selbst unsere Gegner dies anerkannt. Ja, dieser nämliche Kaiser, den sie jetzt einen Attila zu nennen wagen, ist jahrzehntelang wegen seiner unerschütterlichen Friedensliebe von ihnen verspottet worden. Erst als eine schon lange an den Grenzen lauernde Übermacht von drei Seiten über unser Volk herfiel, hat es sich erhoben wie ein Mann.

Es ist nicht wahr, dass wir freventlich die Neutralität Belgiens verletzt haben. […] Es ist nicht wahr, dass eines einzigen belgischen Bürgers Leben und Eigentum von unseren Soldaten angetastet worden ist, ohne dass die bitterste Notwehr es gebot. […]Es ist nicht wahr, dass unsere Truppen brutal gegen Löwen gewütet haben. […]Es ist nicht wahr, dass unsere Kriegführung die Gesetze des Völkerrechts missachtet. Es ist nicht wahr, dass der Kampf gegen unseren sogenannten Militarismus kein Kampf gegen unsere Kultur ist, wie unsere Feinde heuchlerisch vorgeben. Ohne den deutschen Militarismus wäre die deutsche Kultur längst vom Erdboden getilgt. […]Wir können die vergifteten Waffen der Lüge unseren Feinden nicht entwinden. Wir können nur in alle Welt hinausrufen, dass sie falsches Zeugnis ablegen wider uns, […].“64

Der Entwurf des Textes mit den sechsmal betonen „Es ist nicht wahr“, erinnert an Luthers 95 Thesen im Jahre 1517. Dabei sei jedoch angemerkt, dass die Zahl 93 bei der Auswahl eher zufällig entstand, da einige geplante Unterzeichner nicht zurückschrieben. Eine wichtige Ergänzung dazu ist auch, dass die Meisten auf telegrafischer Aufforderung hin ihre Zusage zur Unterschrift gaben, ohne den Text zu kennen.65

Ein weiterer bekannter Literat der thematisierten Zeit, ist Thomas Mann, der mit seinen essayistischen „Gedanken im Kriege“66, welches er 1914 publizierte, kaum weniger euphorisch klingt, als seine patriotischen Kollegen. Seinen Bruder Heinrich hingegen sperrte man de facto aus den Redaktionen, denn dieser galt bereits zu Beginn der Mobilmachung als Kriegsgegner. Sein satirisches Werk „Der Untertan“67 erschien erst nach Kriegsende. Die unterschiedlichen Beiträge zum Kriegsbeginn zeigen, dass es durchaus scheinbar eine Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung gab, von der sich die erwähnten Autoren mehr oder weniger anstecken ließen. Aus der Motivation heraus, ein Mann zu werden, seine Pflicht für das Deutsche Reich und sein Volk zu erfüllen oder einfach aufgrund der Gruppendynamik, zogen Hunderttausende in den Krieg. Ihre Entscheidung wurde mit Hilfe von literarischer Kriegspropaganda bestärkt. Bereits im ersten Kriegsjahr entstand ein in der Geschichte der deutschen Literatur neues Phänomen: Die Selbstermächtigung von Schriftstellern, Publizisten und Gelehrten zur politischen Parolenausgabe. Es wirkten Gedichte wie „Gebet während der Schlacht“68 von Karl Theodor Körner, welche auf Flugblättern oder in Zeitungen gedruckt wurden, unterstützend in Bezug auf die Motivation und Begeisterung der Massen. Doch sollte dieses Kapitel der Untersuchung der literarischen Reflexion dienen und nicht die Wirkung von Flugblättern und anderer Propagandamittel auf die Bevölkerung analysieren. Wie Kunst und dazu gehören auch Fotografien, Karikaturen und Illustrationen, sich zur Verkündung der Mobilmachung veränderte und wie sie die mehr oder weniger vorhandene Kriegsbegeisterung thematisiert, wird zum Fokus des nächsten Kapitels.

3.3 Künstlerische Reflexion - Zwischen Propaganda und Furcht

Der erste Weltkrieg wurde nicht nur auf dem Schlachtfeld ausgetragen, sondern auch mittels des Mediums des Bildes. Künstler trugen zur Visualisierung der Kriegsgeschehnisse bei und waren an der Massenproduktion von bildlicher Propaganda beteiligt.

[...]


1 Bild im Anhang

2 Bild im Anhang

3 Siehe auch: Verhey Jeffrey: Der Geist von 1914 und die Erfindung der Volksgemeinschaft. Hamburg 2000.

4 Die per Gesetz garantierte und real bestehende Pressefreiheit wurde durch die Einführung einer strengen Zensur im Rahmen der Mobilmachung beseitigt.

5 Clark, Christopher: Die Schlafwandler. Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog. Deutsche Verlags- Anstalt: München 2013.

6 Eckert, Georg/ Geiss, Peter,/ Karsten, Arne (Hrsg.): Die Presse in der Julikrise 1914. Die internationale Berichterstattung und der Weg in den ersten Weltkrieg. Aschendorff Verlag GmbH& Co: Münster 2014.

7 Bendikowski, Tillmann: Sommer 1914. Zwischen Begeisterung und Angst- wie Deutsche den Kriegsbeginn erlebten. C. Bertelsmann Verlag: München 2014.

8 Unterseher, Lutz: Der Erste Weltkrieg. Springer: Wiesbaden 2014, S. 3-9.

9 Tenbrock, Robert-Hermann/ Kluxen, Kurt/ Goerlitz, Erich u. a. (Hrsg.): Zeiten und Menschen . Band 3: Das Werden der modernen Welt (1648-1918). Schöningh Schroedel: Paderborn 1977, S. 296.

10 Wehler, Hans-Ulrich: Elsaß-Lothringen von 1870 bis 1918. Das „Reichsland“ als politisch-staatsrechtliches Problem des zweiten deutschen Kaiserreichs. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Hrsg. von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Bd. 109/N.F. 70, Karlsruhe 1961, S. 133-199.

11 Schöllgen, Gregor: Imperialismus und Gleichgewicht. Deutschland, England und die orientalische Frage 1871-1914. Verlag Oldenbourg: München 2000, S.23.

12 Schmidt, Rainer: Die Balkankrise von 1875 bis 1878. Strategien der großen Mächte. In: Schmidt, Rainer (Hrsg.): Deutschland und Europa. Außenpolitische Grundlinien zwischen Reichsgründung und Erstem Weltkrieg. Stuttgart 2004, S. 36-96.

13 Förster, Stig: Der deutsche Generalstab und die Illusion des kurzen Krieges, 1871-1914. Metakritik eines Mythos. S. 61-95.

14 Geiss, Immanuel: Deutsche Außenpolitik 1871-1914. In: Das Deutsche Reich und die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs. Wien 1978, S. 53-75.

15 Fröhlich, Michael: Imperialismus. Deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880-1914. München 1994, S. 71.

16 Schultze-Rhonhof, Gerd: 1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte: Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg. 2005, S. 34-36.

17 Die zweite Marokkokrise: http://www.deutsche-schutzgebiete.de/marokkokrise1911.html (abgerufen am 03. November 2015)

18 Eigentlich wäre dem Reichskanzler Bernhard von Bülow diese Aufgabe zugekommen, dieser jedoch befand sich im Urlaub, somit leitete er das ihm zugeschickte Papier angeblich ungesehen weiter. Sein Pressechef Otto Hammann war jedoch ebenfalls im Urlaub, somit landete der Artikel auf dem Schreibtisch eines Beamten des Auswärtigen Amtes, der es unbedacht bestätigend unterzeichnete. In der Forschung ist allerdings umstritten, ob Bülow das Interview tatsächlich nicht gelesen hat. Siehe dazu: Winzen, Peter: Das Kaiserreich am Abgrund. Die Daily Telegraph-Affäre und das Hale-Interview von 1908. Darstellung und Dokumentation. Franz Steiner, Stuttgart 2002, S. 34.

19 Heise, Joachim: Für Firma, Gott und Vaterland: betriebliche Kriegszeitschriften im Ersten Weltkrieg: Das Beispiel Hannover. Bd. 9. Hahn 2000, S. 13.

20 Die Österreichisch-Ungarischen Dokumente zum Kriegsausbruch. Hrsg. vom Staatsamt für Äußeres in Wien. National- Verlag: Berlin 1923.

21 Pöppelmann, Christa: Juli 1914. Wie man einen Weltkrieg beginnt und die Saat für einen zweiten legt. Ein Lesebuch. Clemens Scheel Verlag: Berlin 2013, S. 37 f.

22 Bezeichnet man die Reise des k.u.k. Sondergesandten Legationsrat Alexander Graf von Hoyos nach Berlin am 5. und 6. Juli 1914 zu Beginn der Julikrise. Er ersuchte die Unterstützung des Deutschen Reichs für eine militärische Intervention Österreich-Ungarns gegen Serbien . Die Bedeutung des Vorgangs liegt darin, dass Hoyos dies gelang: Er erhielt den so genannten „Blankoscheck“. Siehe auch: Hoyos Alexander von: Meine Mission nach Berlin. In: Fellner Fritz, Maschl Heidrun, MazohlWallnig, Brigitte (Hrsg.): Vom Dreibund zum Völkerbund. Studien zur Geschichte der internationalen Beziehungen 1882-1919. Verlag für Geschichte und Politik: Wien 1994, S. 135-141.

23 Graf Leopold Berchthold, Führer der österreich- ungarischen Kriegspartei nach dem Attentat von Sarajevo und Außenminister.

24 Kautsky, Karl: Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914. Herausgegeben im Auftrag des Auswärtigen Amtes. Band 1, Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte: Berlin 1921, S. 32 f.

25 Haffner, Sebastian: Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg. Verlag Lübbe: Bergisch Gladbach 1981, S. 26.

26 „Die königliche Regierung hält es selbstverständlich für ihre Pflicht, gegen alle jene Personen eine Untersuchung einzuleiten, die an dem Komplotte vom 15./28. Juni beteiligt waren oder beteiligt gewesen sein sollen, und die sich auf ihrem Gebiete befinden. Was die Mitwirkung von hierzu speziell delegierten Organen der k.u.k. Regierung an dieser Untersuchung anbelangt, so kann sie eine solche nicht annehmen, da dies eine Verletzung der Verfassung und des Strafprozeßgesetzes wäre. Doch könnte den österreichisch- ungarischen Organen in einzelnen Fällen Mitteilung von dem Ergebnisse der Untersuchung gemacht werden.“ Siehe auch: http://wwi.lib.byu.edu/index.php/II,_47._Note_der_k%C3%B6niglich_serbischen_Regierung_vom_12./25._ Juli_1914,_25._Juli_1914 (angesehen am 15. November 2015) Die österreich- ungarische Reaktion: Österreichisch-ungarisches Rotbuch. Diplomatische Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges 1914. Volksausgabe. Manzsche k.u.k. Hof-Verlags- und Universitäts- Buchhandlung: Wien 1915, Dok. 19, S. 32-48.

27 Clark, Christopher: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. Deutsche Verlags- Anstalt: München 2013, S.89.

28 Krumeich, Gerd: Juli 1914. Eine Bilanz. Paderborn 1914, S. 151ff.

29 Poidevin, Raymond/ Bariéty, Jacques: Frankreich und Deutschland. Die Geschichte ihrer Beziehungen 1815-1975. Beck: München 1982, S. 288.

30 Neue Preußische Zeitung: Kaiser Wilhelm II: An das deutsche Volk. 7. August 1914, S. 1.

31 Bendikowski, Tillmann: Sommer 1914. Zwischen Begeisterung und Angst - wie Deutsche den Kriegsbeginn erlebten. C. Bertelsmann Verlag: München 2014. S. 8.

32 „In dem jetzt bevorstehenden Kampfe kenne Ich in Meinem Volk keine Parteien mehr. Es gibt unter uns nur noch Deutsche. Und welche von den Parteien auch im Laufe des Meinungskampfes sich gegen mich gewandt haben sollten, Ich verzeihe Ihnen alles.“ Johann, Ernst (Hg.): Reden des Kaisers. Ansprachen. Predigten und Trinksprüche Wilhelms II.. München 1966, S. 362f.

33 Nach einem Privatelegramm der Frankfurter Zeitung vom 1. August, in Johann, Ernst Hg.): Reden des Kaisers. Ansprachen. Predigten und Trinksprüche Wilhelms II.. München 1966, S. 125f.

34 Ulrich, Bernd/ Ziemann, Benjamin (Hg.): Frontalalltag im ersten Weltkrieg. Wahn und Wirklichkeit. Quellen und Dokumente. Frankfurt am Main 1994. S 163.

35 Walther, Peter (Hg.): Endzeit Europa. Ein kollektives Tagebuch deutschsprachiger Schriftsteller, Künstler, Gelehrter im Ersten Weltkrieg. Göttingen 2008 S.27.

36 Bendikowski, Tillmann: Sommer 1914. Zwischen Begeisterung und Angst - wie Deutsche den Kriegsbeginn erlebten. C. Bertelsmann Verlag: München 2014. S. 192.

37 Ebenda, S. 193.

38 Explizit wird durch Bendikowski die Universität Jena in den Fokus gerückt. Angemerkt sei dabei, dass es sich gleich dem, auch an anderen Universitäten des Deutschen Reichs dementsprechend bemerkbar machte.

39 Ebenda, S. 193ff.

40 Traditionen- Brüche- Wandlungen. Die Universität Jena 1850- 1995. Hg. Von der Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert. Köln/Weimer/Wien 2009.

41 Jena Volksblatt vom 6. August 1914, S. 2.

42 Fuchs, Stefan: Die katholischen Verbände im Ersten Weltkrieg. In: Zirlewagen, Marc (Hg.): Wir siegen oder fallen. Deutsche Studenten im Ersten Weltkrieg, Köln 2008. S. 205f.

43 Bendikowski, S. 204f.

44 Bölsche ,Jochen: Ein Hammerschlag auf Herz und Hirn. In: Burgdorff, Stephan, Wiegrefe, Klaus: Der Erste Weltkrieg. 2004, S. 54ff.

45 Luxemburg, Rosa: Die Aufgaben der internationalen Sozialdemokratie. In: Meyer, Ernst: Spartakus im Krieg: Die illegalen Flugblätter des Spartakusbundes im Krieg. Berlin 1927, S. 111-12.

46 Syrbe, Horst: Zur nationalen Bedeutung von Karl Liebknechts Schrift „Militarismus und Antimilitarismus“. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Band 2. Berlin 1961, S. 573-592.

47 Geboren als Alfred Georg Hermann Henschke in Crossen an der Oder.

48 Walter, Peter (Hg.): Endzeit Europa. Ein kollektives Tagebuch deutschsprachiger Schriftsteller, Künstler, Gelehrter im Ersten Weltkrieg - Mythos und Wahrheit. Bonn 2012, S. 30.

49 Bendikowski: Sommer 1914, S. 242.

50 Strachan, Hew: Der Erste Weltkrieg. Eine neue illustrierte Geschichte. München 2014, S. 90f.

51 Ebenda, S. 233.

52 Ebenda, S. 234.

53 Steinbach, Matthias (Hg.): Mobilmachung 1914. Ein literarisches Echolot. Stuttgart 2014.

54 Hasenclever, Walter: Irrtum und Leidenschaft. Berlin 1969, S. 72.

55 Steinbach, Matthias (Hg.): Mobilmachung 1914. Ein literarisches Echolot. Stuttgart 2014, S. 269.

56 Windegg, Walther (Hg.): Briefe von Walter Flex. Beck: München 1927, S. 17.

57 Flex, Walter: Im Felde zwischen Tag und Nacht. Beck: München 1918, S. 10.

58 Ebenda

59 Jünger, Ernst: In Stahlgewittern. In: Sämtliche Werke. Bd. 1: Der Erste Weltkrieg. Klett- Cotta: Stuttgart 1978, S. 541f.

60 Ebenda, S. 543.

61 Ebenda, S. 520.

62 Ebenda, S. 544.

63 Becher, Johannes R.:Abschied. Aufbau Verlag: Berlin/ Weimar 1975, S. 59f.

64 Ungern-Sternberg, Jürgen von/ Ungern-Sternberg, Wolfgang von: Der Aufruf "An die Kulturwelt!". Das Manifest der 93 und die Anfänge der Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg. Steiner: Stuttgart 1996, S. 247ff.

65 Ebenda, S. 9- 25.

66 Kurzke, Hermann/ Stachorski, Stephan (Hg.): Mann, Thomas: Gedanken im Kriege. In: Essays. Frühlingssturm 1893-1918. Frankfurt/Main 1993.

67 Mann, Heinrich: Der Untertan. Leipzig 1918.

68 Körner, Theodor: Leier und Schwert und Gedichte aus dem Nachlass. Wien und Leipzig 1893.

Details

Seiten
93
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668158986
ISBN (Buch)
9783668158993
Dateigröße
5.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v316786
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Philologische Fakultät
Note
1,4

Autor

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Titel: Kriegsbegeisterung 1914 in Deutschland. Zwischen Mythos und Realität