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Wie ernst nehmen Unternehmen ihr eigenes Compliance Management? Der VW-Abgasskandal

Seminararbeit 2016 16 Seiten

VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der VW - Abgasskandal im Überblick
a. Zeitlicher Überblick der Ereignisse
b. Auswirkungen auf die Automotive-Branche

3. Das Compliance Management bei VW 7
a. Verhaltensgrundsätze - Code of Conduct
b. Unternehmensphilosophie
c. Auswirkungen des Skandals bei VW
d. Konflikt- und Korruptionsbekämpfung

4. Fazit

Aus Übersichtlichkeitsgründen wurde die Form des direkten Fußnotenzitierens gewählt.

1. Einführung

„Wir, der Volkswagen Konzern, gehen mit der Einführung der nachstehenden Verhaltensgrundsätze einen weiteren konsequenten Schritt zur Wahrnehmung unserer globalen und lokalen Verantwortung.“1

Dieser einleitende Abschnitt gehört zur Präambel des Codes of Conduct des Volkswagen Konzerns. Verantwortung wahrnehmen und im konsequenten Schritt öffentlich zu artikulieren, ist ein wichtiger Schritt für unternehmerischen Erfolg. Schriftlich festgehaltene Verhaltens- und Zielsetzungsregeln auch umzusetzen und in ihrer Weiterführung zu fördern, bedarf allerdings einer entsprechend angepassten und funktionierenden Unternehmenskultur - durch alle Führungseben.

Genau diese Herausforderung gilt es für den Automobilhersteller VW zu meistern. Ungeachtet der Branche, Produktsparte, Dienstleistungsbereich, Wettbewerbssituation, Unternehmensform, etc. - Um auf dem (internationalen) Markt dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben und kontinuierliche Verbesserung anzustreben, muss eine Unternehmensstruktur im allgemein übergreifenden Sinne gelegt und gelebt werden. Mit wachsender Größe, Bedeutung und Einfluss eines Unternehmens auf dem Weltmarkt werden diese Aufgaben zunehmend komplexer und schwieriger umzusetzen. Selbstdisziplin und stringente Führungslinien scheinen zwar in dieser Problematik die offensichtliche Lösung darzustellen, allerdings zeigen - in der Öffentlichkeit ausgetragene - Skandale immer wieder, dass dieses Ziel der Einhaltung eigens aufgestellter Verhaltensrichtlinien jedes Unternehmen vor eine große Herausforderung stellt.

In den folgenden Kapiteln soll nun dargestellt werden, in welcher Weise Unternehmen mit ihren eigenen Richtlinien und Zielsetzungen umgehen und welche Folgen ein Scheitern in diesem Aspekt nach sich ziehen kann. Exemplarisch soll hierfür der wohl weltweit aktuellste Skandal des Volkswagen-Konzerns angebracht werden. Dabei wird zunächst der Vorgang und Verlauf der Unternehmenskrise geschildert und im Anschluss daran, das Compliance Management des Automobilherstellers analysiert. Daraus wird erkenntlich, welche Richtlinien und Verhaltensvorschriften der Konzern vorgibt beziehungsweise vorgeben möchte. Abschließend wird dargelegt, welches Ausmaß solch ein Misstrauensbruch für das Unternehmen in der Öffentlichkeit hat und welche Maßnahmen als Reaktion von VW propagiert werden. Dabei spielt der Begriff „Glaubwürdigkeit“ eine große Rolle, denn schnell wird diese zu „mehr Schein als Sein“͘

2. Der VW - Abgasskandal im Überblick

Im Zusammenhang mit dem Begriff Skandal lässt sich selten etwas Positives verbinden. Auch VW hat im Geschäftsjahr 2015 mit überraschenden Neuigkeiten das Unternehmen in eine große Schadenskurve gelenkt. Optimierungsversuche wurden zu Fehlern und Fehlern wurden zur gewöhnlichen Abläufen, bis diese Fehler nicht mehr als Fehler bezeichnet wurden. Die Folgen, welche nun durch die Aufdeckung dieses dauerhaften Betrugs auf das Unternehmen zukommen werden, sind in ihrem Ausmaß bisher nicht greifbar.

Der Norddeutsche Rundfunk bringt die Dramatik der Situation auf ihrer Website auf den Punkt: „Der Abgas-Skandal hat dem Volkswagen-Konzern die wohl schwerste Krise der Unternehmensgeschichte beschert͘“2 Der genaue Vorgang und Inhalt dieses Skandals soll nur erläutert werden.

Die immer weiter fortschreitenden Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt, drängen vor allem die Thematik rund um den CO2 - Ausstoß in engere Grenzen. Automobilhersteller, die Luftfahrtbranche aber auch viele kleinere oder indirekt damit verbundene Branchen versuchen den Anforderungen der Abgasnormen gerecht zu werden und im Sinne des Umweltschutzes, ihre Produkte zu verbessern. Auch VW versucht im Wettbewerb mit den weltweit größten Automobilisten an der Spitze mitzuhalten und ihre Produkte den Anforderungen entsprechend anzupassen. Die amerikanische Umweltpolitik ist entsprechend ihrer verschärften Abgas-Lage in ein strengeres System der Abgasnormen eingestiegen, welches auch in der Automobilindustrie strengere Grenzwerte in den Produkttests verlangt. Diese Herausforderung veranlasst den Volkswagen Konzern dazu, eine manipulierte Software in circa 11 Millionen Diesel- Fahrzeuge in der Software zu verankern. Diese Software zeigt auf dem Prüfstand die rechtlich erlaubten Werte an, da das Gerät den Testzustand erkennen und entsprechend die Werte anpassen kann. Im Straßenverkehr und der alltäglichen Nutzung allerdings, übersteigen die Fahrzeugwerte den Grenzwert um ein Vielfaches.3

So wurde bereits 2005 die Entscheidung getroffen, diese Software-Manipulation nutzen zu wollen. Auf diese Weise war es VW möglich, mit den sogenannten „Clean-Diesel“4 - Fahrzeugen ein konkurrenzfähiges Auto auf dem Markt zu präsentieren und als innovatives Unternehmen eine ökologische Vorreiterrolle aufzubauen. In der Motorenentwicklung in Wolfsburg wurde diese Entscheidung für die Software- Manipulationen getroffen und somit der Betrug zum Starten gebracht. Bereits 2007 wird ein Personalwechsel vorgenommen und der bisherige Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder vom bisherigen Audi-Vorsitzenden und VW-Konzernvorstandsmitglied Martin Winterkorn abgelöst. Der deutsche Hersteller der Technik zur bgasnachbehandlung, Bosch, soll laut „Bild am Sonntag“ auf die mögliche, illegale Nutzung des Produktes hingewiesen haben.5

Erstmal in das Visier der Behörden geraten ist der VW-Konzern durch eine Forschungsstudie der Universität West Virginia im Frühjahr 2014͘ Das zugehörige Forschungsinstitut „International Council on Clean Transport“ (ICCT) untersuchte im Rahmen von wissenschaftlichen Analysen stichprobenmäßig europäische Diesel-Modell für Umweltbehörden und stieß erstmals auf Differenzen. Bereits im Mai 2014 wurden erstmal Vorwürfe von VW zurückgewiesen, mit dem Argument von technischen Mängeln. Gleichzeitig erreichten die Ergebnisse die kalifornische- und die amerikanische Umweltbehörde, welche weitere Untersuchungen ansteuerten. 6

Ein großer Schritt des Volkswagenkonzerns erfolgte am Ende des Jahres 2014. Um weiteren Verdacht zu vermeiden, rief VW 500.000 Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten zurück. Der angegebene Grund hierfür sei nach eigenen Angaben ein Fehler, welcher durch ein Software-Update behoben werden kann. 7 Erneut veranlasste das Forschungsinstitut ICCT eine Analyse der Fahrzeuge und musste resümieren, dass sich die Abgaswerte keinesfalls geändert hatten. Zusätzlich wurde erkannt, dass das Software-Update in keinster Weise die betreffenden Punkte beheben hätte sollen. Mit zunehmendem Absatzsturz in den USA verlor der Automobil-Konzern ca. sieben Prozent der Marktanteile und kämpfte stark am eigenen Imageerhalt zu Beginn 2015. Der 3. September 2015 brachte die erste Bestätigung der Abgaswerte- Manipulation gegenüber der amerikanischen Umweltbehörde EPA hervor, welche jedoch noch nicht an die Öffentlichkeit gelangte. Erst eine offizielle Bekanntmachung durch EPA veranlasste Volkswagen das Bekenntnis zum Betrug. Welchen Umfang diese Software-Manipulation einnimmt, wird relativ schnell deutlich und verschärft die öffentliche Aufmerksamkeit.8 Nachdem eine verdeckte Aufklärung nicht mehr möglich ist, ergreift Volkswagenchef Martin Winterkorn die Initiative und garantiert Reue und eine umfassende Aufklärung dieser Fehler. Auch aus wirtschaftspolitischer Perspektive ist diese überraschende Neuigkeit zu spüren: der Wert der Volkswagen-aktie bricht am 21. September dramatisch zusammen.9 In nachfolgender Grafik aus dem Online-Finanz-Portal finanzen.net wird sehr deutlich, in welcher Geschwindigkeit sich dieser Verlust abzeichnet. Innerhalb eines Tages zeichnet sich ein Wertverlust von nahezu 40% ab und veranlasst den Volkswagen Aufsichtsrat am 22. September zu einer Krisensitzung.

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Der unumgängliche Rücktritt des Vorstandschefs Winterkorn stellt den Konzern vor die schwierige Herausforderung, in dieser schweren Krisenzeit eine neue Spitze der Verantwortlichkeit zu finden. Porsche-Chef Matthias Müller übernimmt in der schwersten Phase der Unternehmensgeschichte des Volkswagen Konzerns, die Führung zu einem Neuanfang. Zahlreiche Ermittlungen und Vorwürfe gegen Volkswagen, führen zu Verkaufstopps in der Schweiz und Belgien. Des Weiteren rechnen die Produktionsstädte mit erheblichen finanziellen Folgen des Skandals für die einzelnen Gemeinden. Zum Ende des Septembers 2015 wird das Ausmaß der Manipulation zunehmend greifbarer:

„Volkswagen räumt ein, dass die bisher zurückgestellten 6,5 Milliarden Euro voraussichtlich nicht genügen werden, um den finanziellen Schaden des Skandals zu beheben. In den USA rollt auf

Volkswagen eine regelrechte Klagewelle zu. Der neue VW-Chef Matthias Müller nennt die Abgas-Krise "die größte Bewährungsprobe" für das Wolfsburger Unternehmen.“11

Mit Beginn des vierten Quartals werden erste Handlungsschritte und Analysen der Volkswagen AG eingeleitet und vorgestellt. Eine eigens eingerichtete Internetseite für Kunden, soll die Möglichkeit bieten, die eigene Betroffenheit überprüfen zu können und eine direkte Lösungsfindung einzuleiten. Um das Ausmaß in reellen Zahlen deutlich zu machen veröffentlichte die Norddeutsche Landesbank eine ungefähre Schätzung der Kosten des Abgas-Skandals für VW. Dabei wird die Summe für umfassende Strafzahlungen, Produktrückrufaktionen, Entschädigungen und mögliche Schmerzensgeldforderungen auf ca. 30 Milliarden Euro geschätzt. Langfristige Schäden für den Unternehmensimage und Folgen für den Aktienwert müssen hierbei jedoch als nicht greifbare Zahl mithinzugerechnet werden.12 Dieser Reputationsschaden wird erst im folgenden Geschäftsjahr sichtbar werden und sich in den Gewinnzahlen deutlich niederschlagen. Zahlreiche Klagen und Ermittlungen, aus aller Welt und insbesondere aus den USA und später auch aus China, gegen den Konzern, werden es nicht einfacher machen, das Vertrauen der Kunden wieder zurückzugewinnen. Bereits am 4. Oktober werden in den Medien erste Eingeständnisse von VW-Ingenieuren zur Installation der manipulierenden Software im Jahr 2008, veröffentlicht. Wie im vorausgehenden Abschnitt bereits angemerkt, resümierte dieser Betrugsstart aus den wachsenden Anforderungen an die Automobilbranche.13 Der Monat Oktober wurde für Volkswagen ein äußerst belastender Zeitraum: Zahlreiche Anschuldigungen, Akten-Einzug, Personalwechsel und ein rasant wachsender Handlungsdruck von allen Seiten sind das Resümee, der aufgedeckten Fehler. Am 10. Dezember werden erstmals live Stellungnahmen der Führungskräfte aufgezeichnet und so spricht der Volkswagen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch über Ursachen und die weitere Zukunft für den Automobilkonzern und seinen 12 Marken:

„Niemand hätte sich vorstellen können, dass das Unternehmen in eine Situation geraten könnte, wie wir sie seit Ende September erleben", so Pötsch. Der Konzern sei in eine äußerst schwierige Lage gebracht worden. VW-Vorstandschef Matthias Müller sagte: "Wir werden nicht zulassen, dass uns diese Krise lähmt, wir nutzen sie als Katalysator für den Wandel, den Volkswagen braucht."14

Eine positive Nachricht im großen Abgas-skandal ist die Erkenntnis, dass sich Die Kohlenstoffdioxid (Co2)- Werte nicht verändert oder falsch angegeben wurden. Eine umfassende Prüfung ergab nahezu ausnahmslos gleiche CO2 Werte. Nichtsdestotrotz steht Volkswagen vor einer Milliardenschweren Anklage zum Verstoß des Umweltschutzgesetzes von amerikanischer Seite. Auch gegen die Tochtermarken des Konzerns, Audi und Porsche, gelte die Klage, welche mehr als 600.000 Fahrzeuge umfasst.15 Das Jahr 2016 ist in seiner Aufgabe vollständig dem Aufdecken und Beheben gewidmet. Jedoch ist der Automobilhersteller noch sehr zurückhaltend, in Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit und Imagewechsel. Welche Auswirkungen diese Krise auf den gesamten Automobilmarkt bringen wird bzw. bisher schon gebracht hat, wird zunehmend absehbar.

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1 http://www.volkswagenag.com/content/vwcorp/info_center/de/publications/2015/09/verhaltensgrundsaetze.bin. html/binarystorageitem/file/20150930_Verhaltensgrunds%C3%A4tze+-+aktualisierung_coc_deutsch_digital.pdf

2 http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Die-VW-Abgas-Affaere-eine- Chronologie,volkswagen892.html

3 http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/eine-chronik-des-abgasskandals-bei-volkswagen- 13832087.html

4 http://www.wiwo.de/technologie/auto/vw-abgasaffaere-was-hinter-dem-clean-diesel-betrug- steckt/12349856.html

5 http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Die-VW-Abgas-Affaere-eine- Chronologie,volkswagen892.html

6 http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/eine-chronik-des-abgasskandals-bei-volkswagen- 13832087.html

7 http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/eine-chronik-des-abgasskandals-bei-volkswagen- 13832087.html

8 http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Die-VW-Abgas-Affaere-eine- Chronologie,volkswagen892.html

9 http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Die-VW-Abgas-Affaere-eine- Chronologie,volkswagen892.html

10 http://www.finanzen.net/chart/Volkswagen_vz

11 http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Die-VW-Abgas-Affaere-eine- Chronologie,volkswagen892.html

12 http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Auf-VW-rollen-Klagen-und- Forderungen-zu,volkswagen904.html

13 http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-vw-manager-duerfen-im-firmenjet-nach-hause- fliegen-a-1057197.html

14 https://www.tagesschau.de/wirtschaft/volkswagen-aufklaerung-103.html#

15 http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Die-VW-Abgas-Affaere-eine- Chronologie,volkswagen892.html

Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668155343
ISBN (Buch)
9783668155350
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v316668
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
VW Abgasskandal Compliance Management Unternehmen Erfolg Betrug Skandal VWL Markt Wettbewerb

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