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Internationale Perspektiven des Social Entrepreneurship

Bachelorarbeit 2013 62 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Social Entrepreneurship
2.1. Geschichte
2.2. Merkmale und Abgrenzungen
2.3. Formen

3. Finanzierung
3.1. Anforderung und Charakteristik
3.1.1. Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft
3.1.2. Herausforderung bei der Finanzierung von Sozialunternehmen
3.2. Finanzierungsmöglichkeiten
3.2.1. Öffentliche Finanzierung und Spenden
3.2.2. Charity
3.2.3. Crowdfunding
3.2.4. Venture-Philanthropy
3.2.5. Social Impact Bonds

4. Erfolgsmessung und Kontrolle
4.1. Status quo der Erfolgsmessung im Social Entrepreneurship
4.2. Methoden/Kennzahlen
4.2.1. Social Reporting Standard
4.2.2. Social Return on Investment
4.2.3. Capacity Assessment Grid
4.2.4. Balance Scorecard für Non-Profit-Organisationen

5. Ausblick: Trends und Potentiale
5.1. Social Start-up am Beispiel der DEUTSCHLAND RUNDET AUF Gemeinnützige Stiftungs - GmbH
5.2. Social Franchising am Beispiel der Dialogue Social Enterprise GmbH
5.3. Das Modell der New Ethical eXchange and Technologies Social Stock Exchange

6. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis IV

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Einleitung - Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Abbildung 2: Einleitung - Zielsetzung u. Aufbau der Arbeit

Abbildung 3: Social Entrepreneurship - Geschichte

Abbildung 4: Social Entrepreneurship - Geschichte

Abbildung 5: Social Entrepreneurship - Merkmale

Abbildung 6: Social Entrepreneurship - Merkmale

Abbildung 7: Social Entrepreneurship - Formen

Abbildung 8: Finanzierung - Anforderung und Charakteristik

Abbildung 9: Finanzierung - Anforderung und Charakteristik

Abbildung 10: Finanzierung - öffentliche Hand

Abbildung 11: Finanzierung - Spenden

Abbildung 12: Finanzierung Fundraising

Abbildung 13: Finanzierung - Hypridformen

Abbildung 14: Finanzierung - Crowdfunding

Abbildung 15: Finanzierung - Crowdfunding Ablauf (Initiatorperspektive)

Abbildung 16: Finanzierung - Crowdfunding Ablauf (Unterstützerperspektive) .

Abbildung 17: Finanzierung - Venture-Philantropy-Gesellschaften

Abbildung 18: Finanzierung - Venture-Philantropy-Gesellschaft

Abbildung 19: Finanzierung - Social Impact Bonds

Abbildung 20: Erfolgsmessung und Kontrolle - Status quo

Abbildung 21: Erfolgsmessung und Kontrolle - Social Reporting Standard

Abbildung 22: Erfolgsmessung und Kontrolle - Social Return on Investment

Abbildung 23: Erfolgsmessung und Kontrolle - Social Return on Investment

Abbildung 24: Erfolgsmessung und Methode - Capacity Assesment Grid

Abbildung 25: Erfolgsmessung und Kontrolle - Balance Scorecard für NPU

Abbildung 26: Social Start Up - DEUTSCHLAND RUNDET AUF

Abbildung 27: Social Franchising - Dialogue Social Enterprise GmbH

Abbildung 28: Social Franchising - Dialogue Social Enterprise GmbH

Abbildung 29: Modell der NExT Social Stock Exchange

Abbildung 30: Modell der NExT Social Stock Exchange

Abbildung 31: Fazit - Zielsetzung / Erkentnisse

Abbildung 32: Fazit - Perspektiven

1. Einleitung

1.1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Eine Branche mit, allein in Europa, mehr als zehn Millionen Beschäftigten und das Mehrfache an Freiwilligen welche in Bereichen tätig ist die weder von kom- merziellen Unternehmen noch vom Staat versorgt werden,1 rückt immer mehr in den Fokus gesellschaftlicher Wahrnehmung. Nicht erst, aber verstärkt seit dem Muhammad Yunus und die von ihm gegründete Grameen Bank2 in gleichen Tei- len 2006 den Friedensnobelpreis für ihr soziales Engagement erhielt, erlebt sie einen Anlauf an Nachahmern und sieht sich mit Hürden konfrontiert die diese junge Branche erst noch bewältigen muss, um endgültig als ernst zu nehmender Wirtschaftssektor wahrgenommen zu werden.

Social Entrepreneurs versuchen mit Hilfe unternehmerischer Mittel soziale Ziele zu verwirklichen, die vom Wohlfahrtsstaat nicht mehr, oder ungenügend erledigt werden können. Neben der Deckung der Selbstkosten dienen erzielte Gewinne lediglich als Zweck des Handelns. Doch trotz der unternehmerischen Ausrichtung, der immer größer werdenden öffentlichen Wahrnehmung und einer erkennbaren Bereitschaft potenzieller Geldgeber in die Branche zu investieren, sind immer noch staatliche Subventionen und Spenden Haupteinnahmequelle für Social Ent- repreneurs. Denn der Kern des Handelns, einen gesellschaftlichen Mehrwert zu erzielen, stellt gleichzeitig eine der Schwierigkeiten der Branche dar, seine Wert- schöpfung ist kaum messbar.3 Und obwohl eine altruistische Denkweise bei In- vestoren erkennbar ist, sorgt die Intransparenz des Marktes bei ihnen für Unsi- cherheit und lässt konventionelle Finanzierungsquellen nur eingeschränkt bis gar nicht zu.

Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick und eine Auswahl über die momentanen Finanzierungsmöglichkeiten, ihren Schwierigkeiten und den aktuellen Stand der Messbarkeit und Kontrolle des Handelns von Social- Entrepreneurship-Organisationen zu erhalten, um abschließend eine Aussage über die Perspektiven solcher Organisationen und der Branche treffen zu können.

Desweitern soll diese Arbeit den Akteuren der Branche Hinweise geben, ihre jet- zigen Strategien mit den aktuellen Anforderungen an die Branche abzugleichen und sich gegebenenfalls neu auszurichten.

1.2. Aufbau der Arbeit

Um einen Überblick und eine Auswahl der momentan gebräuchlichsten Finanzie- rungsmöglichkeiten und Erfolgsmessungsmethoden von Social-Entrepreneurship- Organisationen zu erlangen und um aus den Erkenntnissen der Aufstellung eine Aussage bzgl. der Perspektiven solcher Organisationen treffen zu können war es unabdingbar, sich vorab mit der Begrifflichkeit des Entrepreneurs und im speziel- len, des Social Entrepreneurs auseinander zu setzen und die Charakteristik seines Handelns zu identifizieren.

Die Arbeit unterteilt sich in sechs Gliederungspunkte. Der erste Gliederungspunkt widmet sich der Problemstellung, Zielsetzung und der Vorgehensweise in dieser Arbeit.

Zum besseren Verständnis der Branche wird unter dem zweiten Gliederungspunkt die Herkunft und mögliche Formen von Social-Entrepreneurship-Organisationen betrachtet und eine Begriffsbestimmung der Bezeichnung vollzogen. Um einem Überblick über die momentane Finanzierungssituation und den Status Quo der Erfolgsmessung von Social-Entrepreneurship-Organisationen zu erhalten, wird unter dem dritten und vierten Gliederungspunkt die Anforderungen an die Bran- che bzgl. momentaner Finanzierungsmethoden und Kennzahlen betrachtet, welche in der Branche bereits eingesetzt oder in betracht gezogen werden könnten.

Im Schlussteil, bestehend aus den Gliederungspunkten fünf und sechs, werden die aktuellen Trends und Potenziale der Branche identifiziert um im abschließenden Fazit einen Überblick über die momentane Situation und die Aussichten von Sozial-Entrepreneurship-Organisationen und der Branche zu erhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einleitung - Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Einleitung - Zielsetzung u. Aufbau der Arbeit

2. Social Entrepreneurship

2.1. Geschichte

Mutter Teresa war ein Social Entreupreuer, Henri Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes ebenso und viele caritative Institutionen sind durch solche Persönlichkei- ten entstanden.4 Bereits im 19. Jahrhundert rief der Pastor und Theologe Friedrich von Bodelschwingh eine Mission ins Leben die nach wirtschaftlichen Grundsät- zen arbeitete und eigene Handwerksbetriebe, eigene Strom- und Wasserversor- gung sowie Schulen und Ausbildungsstätten betrieb.5 Als einer der Pioniere in der Sozialunternehmerischen Tätigkeit ist sicherlich der Unternehmer Alfred Krupp. Die Wirkung seiner betrieblichen Sozialpolitik waren für die "Kruppianer" weit über die Grenzen des Stahlwerkes hinaus spürbar. Er baute Grund- und Berufs- schulen und unterhielt Betriebskindergärten lange bevor diese institutionalisiert wurden. Krupps Engagement war wegweisend für die Arbeiterbewegung in Euro- pa, viele seiner Neuerungen übersteigen teilweise selbst heute noch gängige Stan- dards.6

Alle genannten Persönlichkeiten sind exemplarische Social Entrepreneurs, Akteu- re, die nachhaltige Lösungen für soziale Probleme erarbeitet haben und damit fundamentale Veränderung in der Gesellschaft bewirkten.7 Der Begriff ist zwar neu, das Phänomen selbst nicht. Und doch scheint der Social Entrepreneurship Sektor insbesondere in den letzten Jahren mehr an Bedeutung gewonnen zu ha- ben. Was daran liegen könnte, dass die öffentliche Auftritte und das Marketing von Social Entrepreneurs öffentlichkeitswirksamer geworden sind. Mitunter erin- nern ihr Vorgehen an das der New Economy-Unternehmen in den späten 90er Jahren.8 Die Wahrnehmung des Sektors erreichte jedoch ihren Höhepunkt als ei- ner der "shooting stars" der Szene, Muhammad Yunus, 2006 den Friedensnobel- preis erhielt. Er bekam den Preis für seine 1983 gegründete Grameen Bank, wel- che Mikrokredite an Menschen in Entwicklungsländern vergibt, damit diese ein kleines Business aufbauen, um sich somit selbst aus der Armut befreien zu kön- nen.9

Neben dem Unterschied in der öffentlichen Wahrnehmung eines Social Entrepreneurs zu einem Sozialunternehmer, wie es Alfred Krupp war, bestehen weitere Unterschiede im kulturellen Kontext:

- In den USA steht Social Entrepreneurship für philanthropisches Unternehmer- tum, bei gering ausgeprägten sozialstaatlichen Regulierungen, als zivilgesell- schaftliches Gegengewicht zur privatwirtschaftlichen Bereicherung. Nach des- sen Verständnis ist es die Aufgabe von privaten unternehmerischen Initiativen für die sozialen, ökologischen und kulturellen Belange einzutreten. Hierbei wer- den Teile der privatwirtschaftlichen Gewinne in Form von Spenden, Sponsoring oder Stiftungen an die Gesellschaft zurück gegeben. Über die Verwendung der Mittel herrscht private Verfügungsgewalt der Geldgeber. Nach diesem Ver- ständnis ist der Social Entrepreneur der wichtigste Akteur sozialen Wandels und Fortschritts.10

- Auch in Europa gibt es philanthropisches Unternehmertum, wenn allerdings auch in einem viel geringeren Umfang als in den USA. Im Gegensatz zu den USA traten die sozialen Bewegungen in Europa stets für eine sozialstaatliche Lösung und eine öffentliche Ökonomie ein. Soziale Unternehmen, die bspw. in der Wohlfahrtspflege tätig sind, verstehen sich eher als ergänzende Einrichtungen zum staatlichen Wohlfahrtssystem. Nach diesem Verständnis ist der Staat der wichtigste Garant sozialen Fortschritts.11

Folglich bestimmen die verschiedenen Wirtschaftssysteme die Motivationslage der Handelnden. Während sich die Einen mehr als Ergänzung zum staatlichen Wohlfahrtssystem sehen und Aufgaben wahrnehmen, die im öffentlichen Interesse liegen und vom öffentlichen Sektor nicht (oder nicht mehr ausreichend) erfüllt werden können, reagieren die Anderen auf Mängel oder Fehlentwicklungen im marktwirtschaftlichen System.12

Nach der geschichtlichen Einordung des Begriffs Social Entrepreneurship ist zu erkennen, dass es sich nicht um eine Besonderheit des 21. Jahrhunderts handelt und auch kein einzigartig auftretendes Konzept ist. Es gibt durchaus schon in den beiden Jahrhunderten davor unternehmerisch denkende Wohltäter aus unterschiedlichsten sozialen Schichten und Ländern, auch wenn diese zu ihrer Lebenszeit nicht als Social Entrepreneurs galten. Desweitern haben sich aus einem kulturellen Kontext heraus zwei unterschiedliche Motivationslagen des Handelns eines Entrepreneurs heraus kristallisiert:

- öffentlich / gemeinschaftlich / alternativ und
- privat / individuell / systemkonform (im marktwirtschaftlichem Sinne).

Im Rahmen der Globalisierung ist allerdings zu erkennen, dass sich die Unterschiede zu relativieren beginnen. Marktwirtschaftlich orientierte Konzepte bekommen Zugang zu der europäischen Diskussion und alternativökonomische halten Einzug in die US-Amerikanische.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Social Entrepreneurship - Geschichte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Social Entrepreneurship - Geschichte

2.2. Merkmale und Abgrenzungen

Nach dem österreichischem Politiker und Ökonomen Joseph Schumpeter, ist ein Entrepreneur jeder (einzeln oder gemeinschaftlich), der sich ungelösten Aufgaben und Problemen zuwendet und sich mit Hilfe von Produkten und Dienstleistungen der Lösung annimmt und Veränderungen vorantreibt.14 Dabei ist zu erkennen, dass in erster Linie der innovative Charakter im Vordergrund steht und nicht der wirtschaftliche Erfolg. Die Einordnung des Entrepreneurs nach Schumpeter macht deutlich, dass die Methoden und Ansätze mit denen Entrepreneurs, ob Business Entrepreneur oder Social Entrepreneur ihre Ziele verfolgen, sich im Grunde nicht unterscheiden.

Im Kern sind beide mit einem unternehmerischen und innovativen Ansatz auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und verfolgen die Umsetzung neuer Konzepte mit dem Ziel Werte zu schaffen, ungeachtet fehlender Ressourcen.15 Erst bei ei- nem eintretenden wirtschaftlichen Erfolg und der Verwendung der erzielten Über- schüsse werden Unterschiede deutlich. Wenn bei einem Business Entrepreneur vorrangig die Profitorientierung im Vordergrund steht und die Business Administ- ration an Bedeutung gewinnt, ist es beim Social Entrepreneur die Schaffung eines sozialen Mehrwertes. Überschüsse werden als Mittel für einen Zweck gesehen, nicht als Ziel.16 Und hier kommt es zum nächsten zentralen Unterschied, auch wenn beide Seiten Werte schaffen, ist er meist nur auf Seiten der Business Entre- preneurs messbar.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten18

Abbildung 5: Social Entrepreneurship - Merkmale

Ob im Vergleich zur Bewegungen sozial motivierter Privatpersonen oder zu staat- lich kontrollierten Sozialinstitutionen hat ein Social Entrepreneur den Vorteil, dass er mit seinem innovativen Charakter (Innovationsfähigkeit) unabhängig von Marktzwängen und politischen Bindungen schnell und innovativ agieren kann. Sozial motivierte Privat-Bewegungen könnten Philanthropen (Handlungsres- source Vermögen) oder sog. civil entrepreneurs / Celebrities (Handlungsressource Dieser Charakter ermöglicht es auch mit neuen Ansätzen zu arbeiten oder bestehende Verfahren zu verbessern und zu optimieren,19 um so Neuentwürfe zur Lösung sozialer Probleme entstehen zu lassen. Sie sehen ihre Arbeit als nützliche Ergänzung zu vielem, das bereits existiert. Exemplarisch ist an dieser Stelle die Arbeit von Muhammad Yunus und seiner Grameen Bank hervorzuheben. Mit seinem neuen Verständnis und der Vorgehensweise bei der Kreditvergabe für Mikro-Entrepreneurs, revolutionierte er das System und schuf eine Organisation, die sich sozial engagierte und größtenteils selbst finanziert.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Social Entrepreneurship - Merkmale

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Social Entrepreneurs ein ausgeprägtes Gefühl der Verantwortung für die Gesellschaft und für die gesellschaftlichen Fol- gen ihres Handelns zu haben scheinen. Ihre Motivation zu Handeln beziehen sie aus gesellschaftlichen Mängeln oder ungelösten Konflikten, hauptsächlich in der Versorgung von notwendigen Gütern oder Dienstleistungen. Sie agieren aus pri- vatrechtlich wirtschaftlichen Unternehmen heraus mit Organisationsstrukturen die auf gemeinschaftlichen und/oder kooperativen Prinzipien beruhen, meist in der Rechtsform eines e.v., einer gGmbH oder einer gAG. Ihr wirtschaftliches Handeln orientiert sich nicht an der Rentabilität des eingesetzten Kapitals und an der privaten Gewinnaneignung, sondern vielmehr am erzielten sozialen Mehrwert, der allerdings sehr schwierig zu messen ist.

2.3. Formen

Recherchiert man in der Literatur zum Thema Social Entrepreneurship, so begeg- net man der von Hackenberg und Empter in dem Sammelwerk: Social Entrepre- neurship und Social Business: Phänomen, Potentiale, Prototypen - Ein Überblick, erschienenen Thesis und sieht sich mit der dort angesprochenen Problematik der Vielfalt an Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Social Entrepreneurship kon- frontiert. Eine exakte Definitionen des Begriffes gibt es bisher nicht,21 was ver- deutlicht, wie interdisziplinär die Bewegung agiert und mit welcher multiplen Perspektive sich ihrer angenommen wird.

Unter Social-Enterprise wird in Großbritannien eine hybride Unternehmensform verstanden, die primär soziale Ziele verfolgen und die Renditen zum Erlangen des Ziels betrachten. Social-Impact-Business will auch ein soziales Problem lösen, gleichzeitig aber eine moderate finanzielle Rendite gewährleisten. Non-Profit- Unternehmen versuchen, je nach Sektor und Möglichkeit, sich diesen Modellen zu nähern und durch unternehmerische Tätigkeit, nicht komplett von Spenden ab- hängig zu sein.22

Im vorangegangenem Gliederungspunkt wurden die allgemein gängigen Merkma- le eines Social Entrepreneurs erläutert und, soweit möglich, eine Abgrenzung ge- genüber anderen sozial orientierten Bewegungen oder staatlichen Institutionen vorgenommen. Da die Unterschiede oft fließend sind und in der Literatur unter- schiedlich Begriffe für dasselbe Konzept genutzt werden, wird in Anlehnung an das Sammelwerk in der vorliegenden Arbeit, sofern im weitesten Sinne verwendet und verstanden, auf die verallgemeinernde Form der Social-Entrepreneurship- Organisation zurück gegriffen und diese mit SEO abgekürzt.

Neben der bereits beschriebenen klassischen Form einer SEO wird in der Literatur noch die Form des Social Franchising beschrieben, welche sich ebenfalls an Marktwirtschaftlich orientierten Konzepten bedient und sich dadurch eine Verbreiterung des Geschäftskonzeptes erhofft.23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Social Entrepreneurship - Formen

3. Finanzierung

3.1. Anforderung und Charakteristik

3.1.1. Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft

Bei ca. 650 Stiftungserrichtungen in Deutschland pro Jahr (Stand 2012)24 und einer ähnlich hohen Anzahl an Neugründungen sonstiger gemeinnütziger Organi- sationen und SEOs, ist es nicht verwunderlich, dass SEOs immer mehr Finanzie- rungsquellen für ihre Zwecke identifizieren. Insbesondere deshalb, da der finanzi- elle Spielraum bei den klassischen Finanzierungsquellen, den staatliche Subven- tionen und Spenden, seit Jahren konstant bleibt und nahezu ausgeschöpft ist. So entwickeln immer mehr SEOs unternehmerische Ansätze und versuchen mit kon- ventionellen Finanzierungsmodellen die von ihnen verfolgten Ziele zu lösen.25

Da jedoch der Zweck einer SEO, die Lösung sozialer Probleme, sowie das Schaffen eines gesellschaftlichen Mehrwertes und die Ziele der Wirtschaft viele Jahre lang so konträr waren, wurde lange versäumt, einen Weg einzuschlagen, bei dem gemeinsamen an einer Lösung von gesellschaftlichen Probleme gearbeitet werden konnte, ohne dass beide Seiten ihre wesentliche Ziele verfehlen.

Dieser Missstand führte dazu, dass auf dem noch jungen Markt der Finanzierung von SEOs die Möglichkeiten noch immer sehr beschränkt sind. Das mangelnde Interesse an gebräuchlichen Finanzierungsstrukturen auf Seiten der SEO und die Missachtung des Sozialen Sektors auf Seiten der Wirtschaft führte dazu, dass es bisher keine adäquate Wirkungsmessung, z.B. in Form quantitativer Studien oder Statistiken für SEOs gibt.26 Das die Tätigkeiten und Leistungen einer SEO bisher nicht ausreichend bis gar nicht dargestellt werden können, hat zur Folge, dass auf Seiten potenzieller Investoren eine Unsicherheit entstand. Erschwert wird die Si- tuation dadurch, dass einheitliche Standards gerade erst entwickelt werden und Dienstleister wie Regulierer, Ratingagenturen oder Versicherungen am Markt noch wenig bis gar nicht etabliert sind und zudem noch immer in ungenügender Anzahl vorhanden sind.27 Obwohl eine Bereitschaft von Investoren, Unternehme- rinnen und Unternehmer, sich sozialen Problemstellungen anzunehmen und Geld zu investieren durchaus erkennbar ist, sorgt die intransparente Situation des Mark- tes bei den Geldgebern für Irritation.28

Zusammenfassend ist zu erkennen, dass im Vergleich zu Branchen die in der Marktwirtschaft bedeutende Mengen an privatem Kapital anziehen können, wie Aktuell der Bereich der erneuerbaren Energien, dem Sozialen Sektor Kriterien wie ein einheitliches Fachvokabular oder standardisierte Buchhaltungspraxis feh- len und die damit verbundene Transparenz nicht oder ungenügend vorhanden ist. Weiterhin fehlt es bislang an Regulierungen durch Dritte, spezialisierte Ratingagenturen, Vergleichsdaten zu Fonds, Versicherungen oder Liquidität durch Sekundärmärkte wie Börsen.29 Der Wechsel von einer gemeinnützigen Organisation hin zu einer marktwirtschaftlichen Ausrichtung birgt eine zusätzliche Schwierigkeit. Ehemalige NGOs berichten über einen Mentalitätswechsel durch Leistungsdruck in der Organisation, man ist nun nicht mehr nur Empfänger von Subventionen und Spenden ohne Transparenz, sondern Anbieter von Dienstleistungen und / oder Produkten mit klaren Vertragsgrundlagen.30

3.1.2. Herausforderung bei der Finanzierung von Sozialunternehmen

Grundsätzlich bestehen für SEO die gleichen Finanzierungsmöglichkeiten wie für klassische Unternehmen. Allerdings sind aufgrund der Verfolgung sozialer Ziele, für Kapitalgeber nur geringe bis gar keine Renditen zu erwarten. Was zur Folge hat, dass klassische Finanzierungsinstrumente nur sehr eingeschränkt in Frage kommen. Auf der anderen Seite bieten öffentliche Finanzierungen, Subventionen oder Spenden Finanzierungsquellen, die den konventionellen Unternehmen ver- schlossen bleiben. Darüber hinaus werden, aufgrund der Ausrichtung der Branche, zinsreduzierte Finanzierungsinstrumente geschaffen bei denen sozial orientierte Kapitalgeber nicht nur finanzielle, sondern auch soziale Renditeaspekte in ihre Investitionsentscheidung einfließen lassen.31 Wie bei allen Investitionen in inno- vative Ansätze müssen sich potenzielle Investoren bewusst sein, dass die Investi- tion immer mit dem Risiko behaftet sein könnte, dass sie nicht funktioniert. Le- diglich im ältesten Bereich der Branche, der Mikrofinanzierung, ist in den letzten Jahrzenten ein Wachstum zu erkennen.32

[...]


1 Vgl. Birkhölzer, Inernationale Perspektiven sozialen Unternehmertums, 2011, S. 25, 26.

2 Vgl. Roder, Reporting im Social Entrepreneurship, 2011, S.97.

3 Vgl. Faltin, Social Entrepreneurship - Definition, Inhalte, Perspektiven, 2008, S. 31.

4 Vgl. Faltin, Social Entrepreneurship - Definition, Inhalte, Perspektiven, 2008, S. 26.

5 Vgl. Adam, Bodelschwingh, Friedrich Christian Carl, 1955, S. 352

6 Vgl. Hielscher u. Beckmann, Social Entrepreneurship und Ordnungspolitik: Zur Rolle gesellschaftlicher Change Agents am Beispiel des Kruppschen Wohlfahrtsprogramms, 2008, S. 10

7 Vgl. Birkhölzer, Internationale Perspektiven sozialen Unternehmertums, 2011, S. 24.

8 Vgl. Heckenberg / Empter, Social Entrepreneurship und Social Business: Phänomen, Potenziale, Prototypen - Ein Überblick, 2011, S. 12.

9 Vgl. Werdes, Weltretter unter sich, www.zeit.de/2013/01/netzwerk-soziale- unternehmer, o.S. (Abgerufen am 20.05.2013).

10 Vgl. Birkhölzer, Internationale Perspektiven sozialen Unternehmertums, 2011, S. 24

11 Vgl. Birkhölzer, Internationale Perspektiven sozialen Unternehmertums, 2011, S. 24

12 Vgl. Birkhölzer, Internationale Perspektiven sozialen Unternehmertums, 2011, S. 24

13 Vgl. Birkhölzer, Internationale Perspektiven sozialen Unternehmertums, 2011, S. 25.

14 Vgl. Malek / Ibach / Ahlers, Entrepreneurship - Prinzipien, Ideen und Geschäftsmodelle zur Unternehmensgründung im Informationszeitalter, 2004, S. 107.

15 Vgl. Faltin, Social Entrepreneurship - Definition, Inhalte, Perspektiven, 2008, S. 29.

16 Vgl. Faltin, Social Entrepreneurship - Definition, Inhalte, Perspektiven, 2008, S. 30.

17 Vgl. Faltin, Social Entrepreneurship - Definition, Inhalte, Perspektiven, 2008, S. 31. Berühmtheit) sein.

18 Vgl. Hackenberg / Empter, Social Entrepreneurship und Socoal Business: Phänomen, Potentiale, Prototypen - Ein Überblick, 2011, S. 15.

19 Vgl. Faltin, Social Entrepreneurship - Definition, Inhalte, Perspektiven, 2008, S. 31.

20 Vgl. Faltin, Social Entrepreneurship - Definition, Inhalte, Perspektiven, 2008, S. 32.

21 Vgl. Hackenberg / Empter, Social Entrepreneurship und Social Business: Phänomen, Potenziale, Prototypen - Ein Überblick, 2011, S.13

22 Vgl. Breidenbach, Sozialbörsen zur Finanzierung von Social Business - Das Modell der NExT SSE, 2011, S.302.

23 Vgl. Social Franchising - am Beispiel der Dialogue Social Enterprise GmbH, 5.2

24 Vgl.www.stiftungen.org/fileadmin/bvds/de/Presse/Grafiken__Zahlen__Daten/Stiftungsz ahlen_2012.pdf, o.S. (Abgerufen am 23.05.2013).

25 Vgl. Kuhlemann, Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft - Unterschiede, die Finanziers berücksichtigen müssen, 2011, S.255.

26 Vgl. Kuhlemann, Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft - Unterschiede, die Finanziers berücksichtigen müssen, 2011, S.261.

27 Vgl. Kuhlemann, Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft - Unterschiede, die Finanziers berücksichtigen müssen, 2011, S.256.

28 Vgl. Kuhlemann, Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft - Unterschiede, die Finanziers berücksichtigen müssen, 2011, S.255.

29 Vgl. Kuhlemann, Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft - Unterschiede, die Finanziers berücksichtigen müssen, 2011, S.256.

30 Vgl. Kuhlemann, Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft - Unterschiede, die Finanziers berücksichtigen müssen, 2011, S.256.

31 Vgl. Achleiner / Spiess-Krafl / Volk, Finanzierung von Social Enterprises - Neue Herausforderungen für die Finanzmärkte, 2011, S.269.

32 Vgl. Kuhlmann, Sozialwirtschaft vs. Marktwirtschaft - Unterschiede, die Finanziers berücksichtigen müssen, S. 264.

Details

Seiten
62
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668161795
ISBN (Buch)
9783668161801
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v316620
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main – Wirtschaft und Recht
Note
1,0
Schlagworte
Social Entrepreneurship Crowdfunding Sozialwirtschaft ; Social Franchising Social Reporting Standard Social Start-up

Autor

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Titel: Internationale Perspektiven des Social Entrepreneurship