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Psychosoziale Beratung von älteren Menschen aus theoretischer und praktischer Sicht

Diplomarbeit 2016 24 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Theoretischer Teil
1.1 Psychosoziale Beratung mit alten Menschen
1.2 Pflege demenzkranker und gerontopsychiatrisch veränderter Menschen
1.3 Depression und Angst im Alter
1.4 Kommunikation: Miteinander in Beziehung treten
1.5 Kommunikation im Beratungsgespräch
1.6 Biografie-geleitete, kultursensible Altenpflege
1.7 Biografiearbeit

2 Praktischer Teil
2.1 Beobachtung und Erfassung einzelner Aspekte
2.1.1 Frau A: Verantwortung übernehmen
2.1.2 Herr R: Glauben
2.1.3 Herr G: gepflegtes Äußeres
2.1.4 Herr R: Abgrenzung
2.1.5 Herr G: Unterordnung
2.1.6 Herr R: Vertrauen
2.1.7 Herr M: Sensibilität
2.1.8 Herr W: Abhängigkeit
2.1.9 Herr W: Beziehungsveränderung
2.1.10 Herr W: Erfolgserlebnisse
2.2 Impulse für die weitere Arbeit

3 Reflexion des Arbeitsprozesses
3.1 Wie war die Arbeit für Herrn W.?
3.2 Wie war die gemeinsame Arbeit für mich?
3.3 Diskussion der theoretischen und praktischen Erkenntnisse

Literaturverzeichnis

Vorwort

Mein erstes Praktikum im Rahmen der Ausbildung zur Psychotherapeutin habe ich im Altersheim in Gloggnitz absolviert. Zunächst wurden mir die bevorstehenden Aufgaben und Abläufe gezeigt und erklärt, so dass ich schnell die mir übertragenen Arbeitsaufträge selbstständig erledigen konnte. Dazu gehörten vor allem das Verfassen von Berichten und Konzepten für Einzelbetreuungen sowie Gerontologie-Seminare. Ich habe die Möglichkeit gehabt zu erlernen, wie theoretische Ansätze in der Praxis verwirklichen werden können. Die zahlreichen alten Menschen, welche ich kennenlernen konnte haben mir tiefere Einblicke in ihr Leben ermöglicht. Ich habe auch gelernt, wie eine Gruppe alter Menschen gemeinsam therapiert und geführt werden kann. Dabei konnte ich viele Kenntnisse über Krankheitsbilder alter Menschen erlangen und vertiefen. Darüber hinaus habe ich wertvolle Einblicke über psychische Krankheiten und Psychopathologie erlangt.

Sehr unterstützend und hilfreich bei meinem Praktikum waren auch die Interventionen und Teambesprechungen. Dabei konnten die Teammitglieder gegenseitig fachliche Informationen austauschen, sich verbessern und ihre Erfahrungen weitergeben. Ich möchte auf jeden Fall erwähnen, dass das AGPP Team immer nett und hilfsbereit war und jede meiner Fragen beantwortet hat, ohne mir das Gefühl zu geben, ich müsste dies schon wissen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass ich in diesem Praktikum sehr viel gelernt habe, was mir sowohl im Studium als auch später im Beruf von Nutzen sein wird. Ich habe einen guten Einblick in die Gerontologie erhalten und kann mir angesichts meines Tätigkeitsbereichs während des Praktikums gut vorstellen, mich später beruflich ebenso in diese Richtung zu orientieren.

1 Theoretischer Teil

Die Gerontologie ist eine Wissenschaft, welche sich mit den Fragen des Alters und des Alterns befasst. Bereits in den 1930er-Jahren entstand diese Forschungsrichtung in den USA sowie Europa. Haupttätigkeitsbereich ist die Grundlagenforschung hinsichtlich der Prozesse im Rahmen des Alterns. Kerngebiete der Gerontologie sind traditionell die Medizin, Soziologie und Psychologie. Aufgrund der zuletzt immer höheren Lebenserwartung der Menschen wird die Betrachtung der pflegerischen Aspekte alter Menschen zunehmend bedeutsam und ist mittlerweile Bestandteil der pflegerischen Ausbildungen. (Vgl. Steidl & Nigg 2008, S. 15)

Aufgrund der Interaktionen der einzelnen Teilgebiete kann die Gerontologie als mehrdimensionale Wissenschaft bezeichnet werden, bei der die Menschen und das jeweilige untersuchte Problem ganzheitlich betrachtet werden. Dabei ist auch zu beachten, dass die Alterungsprozesse stark individuelle verlaufen. (Vgl. Steidl & Nigg 2008, S. 15)

Im psychotherapeutischen Kontext interessant ist das Gebiet der Gerontopsychologie. Diese befasst sich mit Erklärungen und Beschreibungen von Veränderungen der Strukturen des menschlichen Erlebens und Verhaltens über die gesamt Lebensspanne bis ins extrem hohe Alter, wobei hier vor allem die damit einhergehenden Defizite, Verluste und Einschränkungen in Betracht stehen. (Vgl. Mike & Kliegel 2008, S. 24)

In den folgenden Abschnitten werden als theoretische Grundlage der Abschlussarbeit die psychosoziale Beratung mit alten Menschen, die Pflege von Demenzkranken und gerontopsychiatrisch veränderte Menschen, der Umgang mit Depression und Angst im Alter, die Kommunikation allgemein und Kommunikation und im Beratungsgespräch sowie die Biografie-geleitete kultursensible Altenpflege und Biografiearbeit dargestellt.

Die Erkenntnisse des Theorieteils werden abschließend im Rahmen der Reflexion mit den persönlichen Erfahrungen aus der Biografiearbeit mit den einzelnen Personen diskutiert.

1.1 Psychosoziale Beratung mit alten Menschen

Die psychosoziale Beratung älterer Menschen wird in der Wissenschaft überwiegend methodenoffen und personenzentriert beschrieben, sie orientiert sich vor allem an den sehr individuellen Belangen der zu beratenden Person. Dabei können sehr unterschiedliche therapeutische Ansätze in die Beratungstätigkeit einfließen und eine Kombination von Ansätzen erweist sich oftmals als erfolgsversprechend, wie etwa die Ressourcenaktivierung, die aus dem systemischen Ansatz stammt oder die Integration von Emotionen und Erlebnissen aus dem Bereich der Verhaltenstherapie. (Vgl. Peters 2006, S. 48) Aus dem Bereich der Tiefenpsychologie stammen Ansätze wie die Grundhaltung des Verstehens, weitere Methoden sind Rollenspiele, imaginative und Verfahren, über die KlientInnen hinaus sind dabei auch die Ziele der Intervention und die jeweilige Beratungssituation relevant. (Vgl. Brückner 2006, S. 17ff bzw. Al Akel 2006, S. 74ff)

Typische Beratungssituationen bei älteren Menschen sind

- Beziehungskonflikte
- depressive und suizidale Zustände
- Desorientierung sowie Verwirrtheit

Beziehungskonflikte älterer Menschen entstehen häufig aus Ehekonflikten und Trennungen (auch im Zuge des Todes von nahestehenden Personen), der Sorge um den erkrankten Partner sowie Einsamkeit und Schwierigkeiten bei der Kontaktpflege zu anderen Menschen. (Vgl. Al Akel & Brückner 2006, S. 101)

Bei suizidgefährdeten und stark Depressiven älteren Menschen lässt sich ein stark bedrohendes und einengendes Gefühl feststellen, das den Freitod als die einzige denkbare Alternative erscheinen lässt. (Vgl. Al Akel & Brückner 2006, S. 103)

Zu den schwierigsten Aufgaben gehört der professionelle Umgang mit verwirrten älteren Menschen, sie erfordert ein fundiertes Wissen über die zugrundeliegenden psychoorganischen Störungen und die daraus folgenden Defizite bzw. verbliebenen Fähigkeiten der betroffenen Personen. Oft resultieren daraus Krisensituationen, die einen einfühlsamen menschlichen Kontakt erfordern. (Vgl. Al Akel & Brückner 2006, S. 105)

1.2 Pflege demenzkranker und gerontopsychiatrisch veränderter Menschen

Die Pflege demenzkranker und gerontopsychiatrisch veränderter Menschen orientiert sich stark an den individuellen Erscheinungsformen dieser Erkrankungen. In den letzten Jahren wurde versucht, dafür verschiedene Pflegekonzepte zu entwickeln, was sich jedoch aufgrund der Komplexität dieser Erkrankungen und der starken individuellen Unterschiede der zu behandelnden Personen als sehr schwierig erwies bzw. nach wie vor erweist.

Bei Demenzkranken kann die zunehmende Verringerung der geistigen Kräfte grundsätzlich mit der Pflege kaum gemindert werden. Ziel der pflegerischen Maßnahmen ist vor allem, die persönliche Identität der Person bestmöglich aufrecht zu erhalten. Dafür wurde z.B. mit dem „Dementia Care Mapping“ ein umfangreiches Instrument entwickelt, das in diesem Kontext jedoch nicht im Detail vorgestellt werden kann. (Vgl. Thieme 2008, S. 470)

Eine wichtige Grundlage der Pflege ist das Verstehen der demenzkranker und gerontopsychiatrisch veränderten Menschen, auch wenn dies Pflegepersonen wie auch Angehörige oft mit annähernd unlösbaren Problemen konfrontiert. Jedoch haben sich dafür im alltäglichen Pflegehandeln folgende Grundsätze bewährt:

- Kontaktaufnahme mit Blickkontakt, Berührung, Rituale und Hinweisreize, Wertschätzung und eindeutige Gestaltung des kontaktendes
- Verstehen durch Wahrnehmen von Signalen, Biografiearbeit (dazu mehr unter Abschnitt 1.7) und nonverbale Kommunikation
- Vermitteln durch Signale, Umgangston und kurze Sätze (Vgl. Thieme 2008, S. 470)

Wie die Ausführungen zeigen, erfordert die Pflege demenzkranker und gerontopsychiatrisch veränderter Menschen neben hoher Empathie die Kenntnis vielfältiger Methoden.

1.3 Depression und Angst im Alter

Wie bereits in Abschnitt 1.1 dargelegt, handelt es sich bei alten Menschen bei Depression und Angst um eng verschränkte und häufige Phänomene. Die Differenzierung erweist sich dabei aus psychopathologischer Sicht zumeist als schwierig. Ängste älterer Menschen beziehen sich häufig auf lebensgeschichtlich relevante Themen wie z.B. den Tod von Angehörigen.

Zur Differenzierung der beiden Begriffe wurden verschiedene theoretische Ansätze entwickelt:

- das unitaristische Modell
- das pluralistische Modell

Das geht unitaristische Modell davon aus, dass Angst und Depression sich auf einem Kontinuum innerhalb einer einzigen psychopathologischen Dimension befinden. Grundgedanke ist, das Angst zu Stress führt, der auf Dauer eine Depression auslöst.

Das pluralistische Modell beruht auf der Überlegung, dass sich die Symptome der Angst und der Depression überlappen, das heißt sie können gleiche oder sehr ähnliche Symptome hervorrufen während ihr Verlauf sich jedoch voneinander unterscheidet. (Vgl. Wetterling 2001, S. 130)

Angst und Depression bewirken gemeinsam verstärkt Panikattacken. Die Schwere der Depression älterer Menschen korreliert stark mit jener der bestehenden kognitiven Störungen, umgekehrt bewirkt die Depression eine Beschleunigung des kognitiven Abfalls. (Vgl. Jellinger 1996, S. 209)

Inhaltlich handelt es sich bei Ängsten älterer Menschen eher um stärker ausgeprägte Alltagsängste als um gegenstandslose Ängste. So genanntes „Unwirklichkeitsempfinden“ nimmt im Alter ab, was die Sinnhaftigkeit der Biografiearbeit unterstreicht, die zum Verstehen der Ängste am real Erlebten anknüpft. (Vgl. Kuhs 2013, S. 174)

1.4 Kommunikation: Miteinander in Beziehung treten

Für den Beziehungsaufbau im Rahmen der Pflege älterer Menschen sind vor allem drei Gesichtspunkte von Bedeutung (vgl. Charlier 2007, S. 413):

- Einbeziehung der Sinne
- Bewegungselemente
- Die Interaktionsform

Die Einbeziehung der Sinne fördert die Beziehung zu den älteren Menschen, indem ihre Aktivitäten im Rahmen ihrer Hilfsbedürftigkeit so unterstützt werden, dass sie Tätigkeiten gezielt mit Hilfe ihres Sinnessystems steuern können.

Die Bewegungselemente Raum, Zeit und Anstrengung sind für den Beziehungsaufbau insoweit von Bedeutung, dass eine Aktivität je nach Raumangebot, zeitlichen Ressourcen und Kräfteverbrauch unterschiedlich ausfällt. Die drei Bewegungselemente stehen dabei zueinander in einer Wechselbeziehung, sie beeinflussen sich gegenseitig.

Bei der Wahl der Interaktionsform für eine bestimmte Aktivität müssen die Möglichkeiten der hilfsbedürftigen Person erkannt und einbezogen werden. (Vgl. Charlier 2007, S. 413)

Die Kommunikation beim Beziehungsaufbau profitiert stark von der Kenntnis biografischer Fakten, typischer Sprachelemente, Wörter, Anekdoten und dem Verweis auf bestimmte, für die Person wichtige Personen. (Vgl. Maercker 2014, S. 81)

Ein weiterer Aspekt des Beziehungsaufbaus ist die Schaffung einer Balance aus Nähe und Distanz: „ Die Beziehungsarbeit zum alten Menschen muss so aufgebaut werden, dass sie nicht zu distanzloser Gefühlsarbeit und gegenseitiger Abhängigkeit führt.“ (Klie & Brandenburg 2003, S. 217)

Die professionelle Gestaltung der Beziehung setzt voraus, dass sie zwar gefühlsneutral, aber dennoch von Empathie und Werten gekennzeichnet ist. (Vgl. Klie & Brandenburg 2003, S. 217)

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Details

Seiten
24
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668154865
ISBN (Buch)
9783668154872
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v316592
Institution / Hochschule
Sigmund Freud Privatuniversität Wien – ARGE Bildungsmanagement
Note
1
Schlagworte
psychosozial psychotherapie altenmenschen gerontologie

Autor

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Titel: Psychosoziale Beratung von älteren Menschen aus theoretischer und praktischer Sicht