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Wagnisfinanzierung am europäischen Kapitalmarkt

Doktorarbeit / Dissertation 2004 168 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil A
1. Die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens als kritische Größe
1. 1 Österreich
1. 2 Europäische Union
1. 3 International / Basel II
1. 4 Grafik: Eigenkapital in Prozent der Bilanzsumme
1. 5 Eigenkapital durch Beteiligungsgesellschaften
1. 6 Wagniskapital am Beispiel USA
2. Finanzierungsstruktur: Kapitalmarkt- versus Kreditmarktorientierung
2. 1 Österreichische Finanzierungskultur
2. 2 Kapitalmarktorientierung in Österreich
3. Einflussfaktoren auf die künftige Entwicklung d. Unternehmensfinanzierung
4. Vom Kredit zum Venture Capital
5. Risikokapital-Aktionsplan (RCAP) der EU
6. Europäische Investitionsbank und europäischer Investitionsfond
6. 1 Europäische Investitionsbank (EIB)
6. 2 Europäischer Investitionsfond (EIF)
7. Herkunft und Aufbringung von Risikokapital
7. 1 Aufbringung von Risikokapital in Europa
7. 2 Wie funktionieren Beteiligungskapitalfonds in der Praxis
7. 3 Wandelanleihen (Convertible Securities)
7. 4 Wer stellt Risikokapital zu Verfügung?
8. Der „Umgang“ mit Risikokapital
9. Definitionen
9. 1 Private Equity, Venture Capital
9. 2 Management Buy-out, Management Buy-in, Leveraged Buy out
9. 3 Mezzaninkapital
10. Finanzierungsphasen einer PE- bzw. einer VC- Finanzierung
10. 1. Early Stages
10. 2. Expansions/Later Stages
11. Desinvestition oder Exit (Ausstiegsphase)
11. 1 Die fünf Exitmöglichkeiten
11. 2 Pre-IPO-Finanzierungen
11. 3 Exitvorbereitung und Exitphase
11. 4 Der Gang an die Börse
11. 5 Exit-Phantasie versus Exit-Realität
11. 6 Aktuelle Situation für IPO`s
11. 7 Zu erfüllende Kriterien vor einem IPO
12. Die „neuen Märkte“ und Wachstumsbörsen
13. Business Angels als Partner in der „Early Stage”-Phase
14. Risikokapital in der Unternehmensnachfolge
14. 1 Unternehmensnachfolge in Österreich
14. 2 Unternehmensnachfolge in Deutschland
14. 3 Unternehmensnachfolge in der Schweiz
14. 4 Vergleich Unternehmensnachfolge und –gründung in Europa
15. Risikokapital und Unternehmensgründung
15. 1 Unternehmensgründung in Österreich
15. 2 Unternehmensgründung in Deutschland
16. Risikokapital in der Unternehmenssanierung
17. Idealtypischer Ablauf einer Venture Capital Finanzierung
18. Renditeerwartungen bei der Risikokapitalfinanzierung

Teil B
1. Risikokapital in Europa
1. 1 Die Anfänge von VC in Europa
1. 2 Wirtschaftliche Situation ab 1999
1. 3 Die 5 europäischen Länder mit dem größten VC-Volumen
1. 4 Private Equity-Investitionen in Europa
1. 5 Aufgebrachtes Private Equity-Kapital in Europa
1. 6 Private Equity-Investments in Prozent des BIP in Europa
1. 7 VC-Investments in Prozent des BIP je Finanzierungsphase
1. 8 Aufgebrachtes und investiertes Kapital in Europa (1995-2002)
1. 9 Aktuelle Situation der PE- und VC-Branche
1.10 Die volkswirtschaftliche Relevanz von Risikokapital
2. Aktuelle Situation des europäischen Risikokapitalmarktes
3. Der Markt für Risikokapital in Großbritannien
4. Der Markt für Risikokapital in Frankreich
5. Der Markt für Risikokapital in Italien
6. Der Markt für Risikokapital in Deutschland
7. Der Markt für Risikokapital in den Niederlanden
8. Der Markt für Risikokapital in Österreich
8. 1 Initiative zur Förderung der Kapitalmarktes
8. 2 Wichtige Kennzahlen des österreichischen Kapitalmarktes
8. 3 Tabelle der wesentlichen Aktienmarktindikatoren
8. 4 Zukunftsvorsorge-Modell
8. 5 Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft (MFG)
8. 6 Staatliche Fördermaßnahmen
a) Gewinnwertpapier
b) Technologiefinanzierungsprogramm
c) Double-Equity-Garantiefonds
d) Eigenkapitalgarantie
e) Gründungssparen
f) i2-die Börse für Businessangles
g) Kapitalgarantie
h) Preseed-Finanzierung
i) Seedfinancing
j) uni venture fonds
8. 7 Steuerliche Maßnahmen

Teil C
1. Maßnahmen zur Belebung des Risikokapitalmarktes in Österreich
2. Ergebnisse einer Befragung per E-Mail
3. EVCA Benchmark-Studie

Literaturangabe

Einleitung

Der bis Mitte des Jahres 2000 anhaltende Boom an den Börsen und Märkten endete mit dem Platzen der „New Economy“- Blase.

Viele Anleger hatten bis zu diesem Zeitpunkt von - eigentlich gegen jede Logik – stark ansteigenden Kursen profitiert und die großteils technologieorientierten Aktien in schwindende Höhen steigen sehen.

Wer aber den richtigen Zeitpunkt zur Gewinnmitnahme übersehen hat und nicht rechtzeitig verkaufte, der musste massive Verluste hinnehmen.

Die „New Economy“ wird mit innovativen Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Internet, Biotechnologie, Genforschung, usw. assoziiert.

Meist haben sie hohe F&E-Aufwendungen und wachsen schnell, was natürlich einen entsprechenden Kapitalbedarf mit sich bringt.

Diese in der Regel oft jungen Betriebe haben es oft schwer entsprechende Finanzmittel von Banken zu erhalten.

Vielfach sind daher derartige Unternehmen auch die Nachfrager für „Wagniskapital“.

Wagnisfinanzierungsgesellschaften spezialisieren sich auf die Finanzierung solcher junger Unternehmen.

Sie engagieren sich am ehesten in einer Branche, in der sie den Markt gut kennen, in dem ihnen die angewandte Technologie bekannt ist und in dem sie in der Lage sind die Konkurrenz einzuschätzen.

Die Wagniskapitalgesellschaft verfolgt die Entwicklung des Unternehmens intensiv und ist in wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden. Die Geschäftsführung des finanzierten Unternehmens hat regelmäßige Berichtspflicht an den Beteiligungskapitalgeber.

Die erste VC-Gesellschaft dürfte die 1946 von Georges Doriot, einem Harvard Professor, und Ralph E. Flanders, dem Präsidenten der Federal Reserve Bank in Boston, gegründete American Research and Development Corp. (ARD) gewesen sein, die Kapital für junge Technologieunternehmen im Raum Boston zur Verfügung stellte.

Ihren größten Erfolg hatte die ARD mit ihrer Beteiligung an der 1957 von vier Studenten des M.I.T. (Massachusetts Institute of Technology) gegründeten Digital Equipment Corp.; das Investment von US $ 70 000 war 1969 bereits stolze US $ 555 Mio. wert.

Die Urheberschaft am Begriff „Venture Capital“ beansprucht Arthur Rock für sich. Rock war es, der sich 1957 für eine Gruppe von Ingenieuren der Shockley Semiconductor Laboratoires in Palo Alto auf die Suche nach Kapitalgebern machte, um sich bei der Vermarktung ihrer „Idee“, des Silicon Transistor, zu unterstützen. Nachdem er vergeblich etwa 35 Unternehmen angesprochen hatte, stieß er schließlich auf Sherman Fairchild, der sich zur Bereitstellung von US $ 1,5 Mio. bereit erklärte.

Dies war der Beginn von Fairchild Semiconductor, dem ersten Semiconductor Unternehmen im Silicon Valley.

Arthur Rock wird nachgesagt, er habe im Silicon Valley eine Goldader gefunden: Denn anschließend beteiligte er sich mit US $ 300.000,-- an der Gründung der Intel Corp., einem Ableger wiederum von Fairchild Semiconductor.

Etwas weniger Kapital, nämlich US $ 57.000,-- investierte Arthur Rock in ein anderes junges Unternehmen, die von Steve Jobs und Steve Woznik gegründete Firma Apple.

In Europa hat sich Venture Capital so richtig erst in den 80er Jahren durchsetzen können.

Bis zum Jahr 2000 erlebte das Venture Capital einen stetigen Zuwachs – doch durch die herben Verluste des Internet-Einbruches Mitte 2000 stagnieren die Zahlen.[1]

Beteiligungskapital (Risiko- oder Wagniskapital) bezeichnet Kapitalbeteiligungen an vorwiegend jungen, technologisch innovativen, nicht an der Börse notierten KMU´s, denen trotz geringer laufender Ertragskraft ein hinreichend großes Wachstums-potential zugemessen wird.[2]

Die Finanzierung von Innovationen erfolgt über Risikokapitalgeber, den so genannten Venture Capitalists.

Diese stellen Kapital für die Unternehmensgründung oder Unternehmensexpansion und Beratungs- und Betreuungsleistungen[3] zur Verfügung und übernehmen im Gegenzug Anteile dieses Unternehmens.

Da das Risiko einer solchen Investition sehr hoch ist, begleiten der Venture Capitalist das Projekt intensiv und hilft bei der Unternehmensführung.

Beteiligungskapital hat auch eine wichtige volkswirtschaftliche Bedeutung.

So beschäftigten im Jahr 2002 die Portfoliounternehmen der im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) organisierten Beteiligungs-gesellschaften rund 430.000 Mitarbeiter.

Der Vergleich mit Europas größtem und wichtigstem Beteiligungsmarkt, Großbritannien, zeigt, dass der sonstige europäische Markt erheblichen Nachholbedarf hat und großes Wachstumspotenzial besitzt:

Nach Angaben der BVCA British Venture Capital Association beschäftigen mit Private Equity finanzierte Unternehmen in Großbritannien 2,7 Mio. Arbeitnehmer.

Studien des BVK und der BVCA kommen zu vergleichbaren Ergebnissen: Beteiligungskapital hat einen positiven Einfluss auf Unternehmenswachstum, Profitabilität, Kapitalstruktur sowie die Investitions- und Exporttätigkeit der finanzierten Unternehmen.

Weiterhin zeigte sich, dass viele innovative Produkte und Technologien ohne Beteiligungskapital den Markteintritt nie oder nicht mit Erfolg geschafft hätten.[4]

Dies dokumentiert auch eine Befragung, die die EVCA bei Firmen, die Venture Capital in Anspruch genommen haben durchgeführt hat:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fast 57 Prozent der befragten Firmen vertreten die Meinung, dass die erhaltene Beteiligungs-finanzierung die Existenz-grundlage für das Unternehmen war.

37,6 % glauben, dass sich ohne Beteiligungskapital zumindest die Unternehmensentwicklung wesentlich langsamer dargestellt hätte.

[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

94,5 % der befragten Unternehmer sind davon überzeugt, dass ohne

Venture Capital ihr Betrieb nicht existieren würde oder sich zumindest wesentlich langsamer entwickelt hätte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei 89,7 % der Unternehmen kam es durch die Inanspruchnahme von Beteiligungskapital zu einem Anstieg der Beschäftigtenanzahl[6]. [7]

Was kennzeichnet nun eine Wagnisfinanzierung, was unterscheidet sie von anderen Finanzierungsformen?

Unter vielen Definitionen, die man dazu finden kann, erscheint mir nachfolgende kurz und verständlich, so wie ich meine gesamte Arbeit abhandeln möchte:

Prinzipiell treten bei Wagnisfinanzierungen die in der Finanzierungstheorie bekannten Probleme mit einer besonderen Schärfe auf.

Wagnisse zeichnen sich typischerweise durch folgende Merkmale aus:

- Es ist ein hoher Grad an Unsicherheit gegeben, um so eher, je jünger das Unternehmen und je innovativer die Geschäftsidee ist.
- Insbesondere bei sehr jungen Unternehmen besteht das Vermögen im Wesentlichen aus immateriellen Werten (Ideen, Know-how). Das Humankapital des Innovators beeinflusst maßgeblich den Erfolg des Wagnisses.
- Informationsasymmetrien sind besonders stark ausgeprägt. Vor Vertragsab-schluss bestehen kaum Erfahrungswerte hinsichtlich der kaufmännischen und charakterlichen Eigenschaften des Innovators.
- Es besteht die Gefahr opportunistischen Verhaltens nach Vertragsabschluß. Interessenkonflikte können daraus resultieren, dass der Investor im Regelfall ausschließlich monetäre Ziele verfolgt, der Innovator häufig jedoch auch einen nicht-monetären Nutzen erfährt (z.B. Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, Prestige). Konflikte auf der monetären Ebene resultieren daraus, dass die Risiken aus dem Wagnis in asymmetrischer Weise verteilt sind. Der Investor bringt einen Großteil der Mittel auf, auch da der Innovator üblicherweise vermögensbeschränkt ist.

Besondere Merkmale der Wagnisfinanzierung sind:

- der relativ starke Einsatz beteiligungsähnlicher, hybrider Finanzierungs-instrumente,
- umfangreiche Kontrollrechte und Managementunterstützung durch spezialisierte Investoren,
- die Finanzierung des Wagnisses in mehreren Stufen (Phasenfinanzierung),
- die zeitliche Begrenzung des finanziellen Engagements.“[8]

Gliederung der Arbeit:

Diese Arbeit gliedert sich in einen Allgemeinen Teil (A), in dem einerseits Begriffe definiert, und andererseits die Einsatzmöglichkeiten für Wagnis- bzw. Risikokapital, sowie deren volkswirtschaftliche Bedeutung aufgezeigt werden.

Daran anschließend (B) werden neben dem europäischen Gesamtmarkt die wichtigen Teilmärkte Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Holland beschrieben, sowie der Markt für Risikokapital in Österreich betrachtet.

Im Schlussteil (C) wird versucht Ansatzpunkte aufzuzeigen, die eine Verbesserung der unbefriedigenden Situation in Österreich ermöglichen könnten, das Ergebnis einer per E-Mail durchgeführten Befragung dokumentiert und kurz auf die EVCA-Benchmark Studie eingegangen.

TEIL A

1. Die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens als kritische Größe

Eine gute, stabile Finanzierung ist die Grundlage für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung und ein wesentlicher Faktor ist dabei das Eigenkapital.

„Die Frage der Eigenkapitalausstattung stellt für jeden Unternehmer einen wichtigen Entscheidungsbereich dar.

So unterschiedlich auch die Auffassungen im Einzelfall und je nach Branche über die angemessene Höhe des erforderlichen Eigenkapitals sein kann, so unbestritten ist die grundsätzliche Bedeutung des Eigenkapitals für die Dynamik und das Wachstum von Unternehmen.

Nicht zuletzt sollte auch die Relevanz der Eigenkapitalbasis als Puffer in schwierigen Phasen gesehen werden.

Abgesehen vom Gang an die Börse, der für Unternehmen aber häufig nur ein Fernziel sein kann, ist die Eigenkapitalbeschaffung über Beteiligungsgesellschaften der nahe liegende und oft einzige Weg, sofern nicht beabsichtigt ist, das Unternehmen durch Aufnahme industrieller Partner ganz oder mehrheitlich abzugeben.“[9]

Die mangelhafte Eigenkapitalausstattung österreichischer Unternehmen ist eine der wesentlichen strukturellen Schwächen der österreichischen Wirtschaft und Hauptursache vieler Insolvenzen.

Eigenkapital ermöglicht Investitionstätigkeiten, hat Risikoträgerfunktion, ist ein wichtiger Punkt bei der Kreditwürdigkeitsprüfung und sollte daher im ausreichenden Maße vorhanden sein.

Mit unterschiedlichen Maßnahmen versucht man der mangelhaften Eigenkapitalausstattung bei den Unternehmen entgegenzuwirken; z.B.:

1.1 Österreich:

Nach dem Unternehmensreorganisationsgesetz (URG), das im Rahmen des Insolvenzrechtsänderungsgesetzes 1997 eingeführt wurde, haben Organe von prüfpflichtigen juristischen Personen nachdem sie vom Wirtschaftsprüfer in Kenntnis gesetzt werden, dass die Eigenkapitalquote ihres Unternehmens unter 8 % liegt und die Schuldentilgungsdauer mehr als 15 Jahre beträgt Handlungsbedarf. Werden die Organe nicht tätig und kommt es zum Konkurs, so haften sie bis zum Gegenwert von Euro 100.000,-- egal ob sie ein Verschulden trifft persönlich.

1.2 Im Rahmen der Steuerreform 2005 wird über die Reform der Unternehmens-besteuerung hinsichtlich steuerlicher Entlastung des Eigenkapitals diskutiert.

Europäische Union:

Im Rahmen der EU sollen Überlegungen angestellt werden, ob man Unternehmen eine Mindestkapitalisierung vorschreibt.

1.3 International / Basel II:

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht beschäftigt sich mit Vorschlägen zur Verbesserung der Eigenkapitalausstattung der Banken: Künftig soll die Eigenkapitalunterlegung für Kredite nicht wie bisher pauschal festgelegt werden, sondern von der Risikoeinstufung des Bankkunden abhängig sein.

Kreditkunden sind daher einem Ratingprozess zu unterziehen und die Eigenkapitalunterlegungspflicht der Bank ist von diesem Rating und der vorhandenen Besicherung abhängig. Für die Unternehmen resultiert aus dieser geplanten, voraussichtlich ab 2005/06 gültigen Regelung eine von der Bonität abhängige Konditionengestaltung durch das Bankinstitut und eine Erschwernis im Kreditent-scheidungsprozess bzw. möglicherweise eine restriktivere Kreditvergabe bei schlechter Bonität.

Über die Maßnahmen der Banken in Hinblick auf „Basel II“ werden daher Unternehmer veranlasst ihrer Bilanz mehr Augenmerk zu schenken und – unter anderem – auf eine Stärkung der Eigenkapitalausstattung mehr Wert zu legen.

Welche Erfolge erzielt werden, bleibt abzuwarten. Niedrige Eigenkapitalquoten bei Unternehmen sind aber nicht spezifisch für Österreich!

Nachfolgende Tabelle ermöglicht einen Überblick über einige europäische Länder als Beispiele:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[10]

Mit wachsender Unternehmensgröße nimmt auch die Eigenkapitalausstattung eines Betriebes zu-(ausgenommen Spanien).

Auch in anderen europäischen Ländern verfügen Unternehmen zum Beispiel im Vergleich zu US-Firmen über eine relativ geringere Eigenkapitalausstattung.

Dies gilt für Großbetriebe genauso wie für Kleinbetriebe und mittelständische Unternehmen.

„Die Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen lag in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch bei etwa 30 % und ist seitdem beständig gesunken. In den letzten 20 Jahren schwankte sie um die 18 %-Marke.

-laut Deutscher Bundesbank erreichen die Eigenkapitalquoten bei Kapitalgesellschaften im Durchschnitt 24,3 %, bei Personengesellschaften 11,4 % und bewegen sich bei Einzelunternehmen mit -10 % im negativen Bereich.

.Das bedeutet für Deutschland, dass die hohen Rückstellungen und stillen Reserven in den Bilanzen der Unternehmen, das Hausbankprinzip, das Steuersystem, das Insolvenzrecht und die Bilanzierungsvorschriften ein Finanzsystem etabliert haben, das die Aufnahme von Fremdkapital erleichtert und im Gegenzug die Notwendigkeit zur Stärkung der Eigenkapitalbasis der Unternehmen vermindert hat.

Das Ergebnis ist die von deutschen Unternehmen ausgewiesene niedrige Eigenkapitalquote.“[11]

Ich glaube, dass eine analoge Aussage auch für die Unternehmungen in Österreich zutreffen wird.

Welches Verhältnis nun zwischen Eigenkapital und Fremdkapital bestehen sollte soll nun nicht geklärt werden.

Sicher ist jedoch, dass mit steigendem Fremdkapital die finanzielle Stabilität eines Unternehmens sinkt und die Gefahr in Liquiditätsschwierigkeiten zu geraten zunimmt und somit auch das Insolvenzrisiko steigt.

„Als Gründe für den Eigenkapitalmangel werden rückläufige Unternehmensgewinne – unter anderem verursacht durch gestiegene Personalkosten und hohe, das Eigenkapital stärker als Fremdkapital- belastende Besteuerung – sowie eine in Deutschland (Anmerkung: und z.B. auch in Österreich) geringe Neigung zur privaten Geldanlage in Aktien gesehen.

Von den Kritikern der Theorie einer Eigenkapitallücke wird allerdings angeführt, dass die bewusste Nutzung des Leverage-Effektes der Fremdfinanzierung stärker als Mängel in der Eigenkapitalversorgung zum Rückgang der Eigenkapitalquote beigetragen hat.

…Zu den Auswirkungen einer knappen Eigenkapitalversorgung zählen einge-schränkte Investitionsmöglichkeiten und – auch bei einer, wie von den Kritikern unterstellten, bewussten Absenkung der Eigenkapitalquoten – erhöhte Insolvenz-risiken.

Dies gilt im besonderen Maße für nicht börsereife, also in der Regel junge, kleine und innovative Unternehmen, für die im Vergleich zu etablierten Großunternehmen besondere Hemmnisse bei der externen Eigenfinanzierung bestehen.“[12]

Die Tatsache der Eigenkapitalverstärkung wird auf Sicht – auch unter dem Gesichtspunkt der Globalisierung – entsprechende Maßnahmen fordern, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Betriebe zu gewährleisten.

Die Bereitschaft einer Bank einem Unternehmen Finanzierungsmittel zur Verfügung zu stellen schwindet mit zunehmendem Verschuldungsgrad und laufenden Bilanzverlusten. Die klassische Fremdfinanzierung über Bankkredite alleine wird in Zukunft kaum reichen um den Anforderungen der Unternehmungen zu entsprechen.

Dies gilt im Besonderen für junge, innovative und meist technologieorientierte Wachstumsunternehmen.

Nachfolgende Tabelle zeigt einen Vergleich der Eigenkapitalausstattung von Unternehmen des produzierenden Gewerbes, Handel und Verkehr in einigen Industrienationen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Tabelle enthält leider keine Werte für Österreich.[13]

Eine Möglichkeit die Kapitalausstattung eines Unternehmens zu verbessern liegt in der Nutzung von Beteiligungskapital:

„Der deutsche Begriff „Beteiligungskapital“ entspricht dem angelsächsischen „Private Equity“.

Private Equity ist eine Anlageklasse, die Produkte wie Venture Capital, LBO und Mezzanine umfasst.

Diese Produkte stellen im Kern Eigenkapital dar, kombiniert mit einer mehr oder weniger intensiven Managementberatung und Managementbetreuung. Ziel von Private Equity/Beteiligungskapital ist der Aufbau von Eigenkapitalpartnerschaften mit nicht börsennotierten kleinen und mittleren Unternehmen.

Beteiligungskapital wird dem Unternehmen ohne bankübliche Sicherheiten auf Zeit zur Verfügung gestellt. Die Beteiligungsgesellschaft wird ihren Anteil später veräußern.…...

1.5 Beteiligungsgesellschaften stellen Eigenkapital für das gesamte Spektrum unternehmerischer Finanzierungserfordernisse zur Verfügung, wie z. B. für

- die Ausreifung und Umsetzung einer innovativen Idee in verwertbare Resultate (bis hin zum Prototyp), auf deren Basis ein Geschäftskonzept erstellt wird (Seed-Finanzierung)
- die Gründungsphase, d. h., das betreffende Unternehmen befindet sich im Aufbau oder ist erst seit kurzem im Geschäft und hat seine Produkte noch nicht oder nicht in größerem Umfang vermarktet (Start up-Finanzierung)
- die Erweiterung von Produktionskapazitäten, die Produktdiversifikation oder die Erschließung neuer Märkte (Expansionsfinanzierung)
- die Finanzierung von Turnaround-Situationen
- die Finanzierung von Unternehmensübernahmen
- die Vorbereitung des Börsengangs, vor allem mit dem Ziel der Verbesserung der Eigenkapitalquote (Bridge-Finanzierung)
- die Durchführung von Management Buy out (MBO)/ Management Buy in (MBI), d. h. eine Unternehmensübernahme durch das vorhandene (MBO) oder ein externes Management (MBI), z. B. im Zuge von Nachfolgeregelungen in mittelständischen Unternehmen

Der klassische Weg ist der Eintritt einer Beteiligungsgesellschaft als Mitgesellschafter durch Übernahme von Kommandit- oder GmbH-Anteilen oder von Aktien nicht börsennotierter Gesellschaften.

Dies kann durch die Beteiligung an Gründungsfinanzierungen bzw. bei bestehenden Unternehmen durch Kauf von Gesellschafteranteilen oder Eintritt im Rahmen einer Kapitalerhöhung erfolgen.

Einzelheiten der Zusammenarbeit werden im Gesellschaftsvertrag geregelt. Sofern es sich um ein bestehendes Unternehmen handelt, erfolgt die Unternehmenswertermittlung in der Regel durch das in Theorie und Praxis anerkannte Ertragswertverfahren, d. h. in Abhängigkeit von der nachhaltigen Ertragskraft des Unternehmens.“[14]

Wenn also die eigenen Mittel des Unternehmens nicht ausreichen und die kreditgebende(n) Bank(en) bei einem Investment nicht weiter ins Risiko gehen kann (können) oder will (wollen), dann sind neue Finanzierungsmodelle gefragt bzw. müssen neue Finanzierungsquellen gefunden und/oder angeboten werden.

„In der Vergangenheit war es recht einfach:

Die österreichischen Banken sammelten bei ihren Kunden Spareinlagen und gaben diese in Form von Krediten an die Wirtschaft weiter.

Zum „Drüberstreuen“ gab es eine Vielzahl von Förderungen auf Bundes- oder Landesebene. Die Aufbringung von Risikokapital war lange ein Randthema der Wirtschaftspolitik….Doch spätestens mit dem Start des Euro entstand ein breiter, liquider europäischer Finanzmarkt.

Damit erhalten – so Wilfried Stadler, Vorstandsdirektor der Investkredit – auch europäische Unternehmen jene Finanzierungsmöglichkeiten, welche der US-Konkurrenz schon seit Jahren offen stehen.

Und der Bedarf an Eigenkapital wird in Zukunft eher noch steigen.

Ein Grund dafür ist der durch die Globalisierung wachsende Zwang, neue und ferne Märkte zu erschließen… 1998 belief sich die Eigenkapitalquote der heimischen Industrie laut Eurostat auf 30,2 Prozent, des Gewerbes auf 3,7 Prozent, der Beherbergungsunternehmen auf minus 19,1 Prozent, der Verpflegungsbetriebe gar auf minus 43,6 Prozent.“[15]

Unternehmen werden auch aus verschiedenen Gründen „alternative Finanzierungsformen“ suchen und die Banken werden sich auf den Veränderungsprozess, den sie teilweise mitgestalten entsprechend einstellen müssen.

Diesen Unternehmen Eigenkapital zuzuführen und damit für die nötige finanzielle Schubkraft zu sorgen ist Aufgabe der Risikofinanzierer und Beteiligungskapitalgeber.

Hier öffnet sich in Europa nun ein Markt, der in den Vereinigten Staaten schon eine langjährige Tradition hat.

Das Wirtschaftsblatt berichtet in einem Artikel am 23. Oktober 2001 unter dem Titel:

1.6 Beispiel USA: „Eine interessante Statistik aus den Staaten … rund um Venture Capital und den Einfluss auf die Ökonomie“, dass im Zeitraum von 1970 bis zum Jahr 2000 Firmen, die Venture Capital in Anspruch genommen haben – wie zum Beispiel Compaq, Cisco, FedEx, usw. – innerhalb dieser 30 Jahre

- 13,1 Prozent aller Güter und Dienstleistungen in den USA erstellt haben
- 7,6 Millionen Jobs generierten, und
- 273,2 Milliarden US-Dollar von Venture Kapital-Gesellschaften in diesem Zeitraum investiert wurden, was wieder einen Umsatz von
- 1,3 Trillionen US-Dollar generierten.

Das Beispiel der USA zeigt, welche Bedeutung ein gut funktionierender Wagniskapitalmarkt für eine Volkswirtschaft haben kann.

Nahezu alle großen Erfolgstories der amerikanischen Wirtschaft der letzten drei Jahrzehnte wurden in ihren frühen Tagen mit Wagniskapital finanziert und entfalten heute eine gewaltige Hebelwirkung bei der Durchsetzung neuer Technologien und der Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze.“[16]

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung des VC-Volumens in den USA von 2001 bis 2003:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[17]

Aus: PricewaterhouseCoopers; Money Tree Survey; National Aggregate Data; www.pwcmoneytree.com

Im Jahr 1998 wurden noch rund 54,4 Mrd. $ und im Jahr 2000 die Rekordsumme von rund 105,8 Mrd. $ investiert, wie man der nachfolgenden Grafik entnehmen kann.

Sie dokumentiert auch den massiven Einbruch von 2001 bis 2003:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[18]

Aus: PricewaterhouseCoopers; Money Tree Survey; National Aggregate Data; www.pwcmoneytree.com

Der rasante wirtschaftliche Aufschwung der Neunzigerjahre hatte Risikokapital zu einer interessanten Alternative zur herkömmlichen, klassischen Kreditfinanzierung werden lassen und einen wahren Boom ausgelöst.

Neue Beteiligungskapitalgesellschaften entstanden und fanden zahlreiche Abnehmer für die von Ihnen angebotenen Produkte und Dienstleistungen.

Mit den Kursstürzen an den Börsen und den verschlechterten Wirtschaftsprognosen in vielen wichtigen Industrieländern schlug das Klima um:

Euphorie wich Verzagtheit, statt Wachstum anzustreben sprach man von Konsolidierung. Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat diesen Trend noch verstärkt. Erst ab Mitte des Jahres 2003 zeigte sich wieder eine leichte Verbesserung am Markt. Die aktuelle weltpolitisch unsichere Situation ist für einen positiven Verlauf der Weltbörsen nicht gerade förderlich.

Die Sparer sammeln weiterhin ihr Vermögen in sicheren, konservativen Veranlagungsformen und dies, trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus.

Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung der Private Equity-Investitionen weltweit im Jahr 2002:

Amerika dominiert den Markt mit 63 % gefolgt von Europa mit 25 %.

Weltweit nimmt Großbritannien hinsichtlich investierten Kapitals den 2. Rang ein, gefolgt von Frankreich und Italien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Trotz allem dominieren die USA den Risikokapitalmarkt unangefochten.

Unter den 20 „Top-Nationen“ sind jedoch schon 9 europäische Staaten zu finden, die jedoch gemeinsam nur einen Bruchteil des Investitions- und Fondsvolumens der USA erreichen, wie man umseitiger Tabelle von Price-Waterhouse-Coopers entnehmen kann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den „Finanznachrichten“ vom 24.9.2001 kann man in einem Artikel von Dr. Stadler lesen:

„Zum aktuellen Zeitpunkt sind allerdings die Risikokapitalmärkte trotz hoher Summen investitionsbereiten Kapitals in wichtigen Teilbereichen bedrohlich ausgetrocknet. Hauptursache ist das Daniederliegen der mitten in der Vertrauenskrise steckenden Technologiebörsen und der fast vollständige Ausfall von neuen Börsenplatzierungen.

Wenn es keine Aussicht auf Börsengänge gibt, fehlt den Risikokapital-Fonds eine ihrer wichtigen Möglichkeiten, aus einer getätigten Beteiligung erfolgreich auszusteigen.

Die Zahl der Neuzugänge an den Technologiebörsen lässt sich im heurigen Jahr an einer Hand abzählen – sie liegt nicht einmal bei einem Zehntel der IPO´s in den vorangegangenen Jahren und jedenfalls deutlich unter der Zahl der schon in Insolvenz gegangenen oder von Insolvenz bedrohten, börsennotierten Unternehmen.

Die Venture Capital und Private-Equity-Fonds sehen sich deshalb gezwungen, viel Geld für zusätzliche, ursprünglich nicht geplante Finanzierungsrunden aufzubringen. Die Strecke bis zum geplanten Börsegang ist in vielen Fällen so lang geworden, dass sie durch Notverkäufe und Fusionen oft gleich schwacher Partner abgekürzt wird, um Insolvenzen zu vermeiden. Gleichzeitig haben es die Fonds-Manager schwer, neues Geld von Anlegern zu gewinnen, die von schlechten Nachrichten und von den in zahlreichen Fonds negativen Renditen abgeschreckt werden.

Börsegänge wird es natürlich auch in den kommenden Jahren geben – aber sie sind ein knapperes Gut geworden. IPO´s werden sich nur mehr auf besonders gut positionierte Unternehmen konzentrieren, die neben der Produkt- und Marktkompetenz in den Jahren des Aufbaus beweisen konnten, dass sie auch manageriell mit dem Wachstum umgehen können.“[19]

Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat diesen Trend noch verstärkt.

Erst am Anfang des Jahres 2004 zeigt sich wieder eine leichte Verbesserung.

Die aktuelle weltpolitisch unsichere Situation ist für einen positiven Verlauf der Weltbörsen nicht gerade förderlich. Die Sparer sammeln weiterhin ihr Vermögen in sicheren, konservativen Veranlagungsformen und dies, trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus. Betrachtet man das Wachstum, die Dynamik des Beteiligungs-kapitalmarktes von 1998 bis zum Jahr 2002 so zeigt sich folgendes Bild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Interessant erscheint hier vor allem, dass neben Schweden und Dänemark, die in Europa am meisten gewachsen sind, der asiatisch-pazifische Raum –angeführt von Indien- den größten Zuwachs in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte.

2. Finanzierungsstruktur:

Kapitalmarkt- versus Kreditmarktorientierung

Vergleicht man das Eurowährungsgebiet mit den Vereinigten Staaten und mit Japan hinsichtlich der Finanzierungsstruktur, so sieht man, dass große Unterschiede gegeben sind:

„Das Eurowährungsgebiet umfasst den weltgrößten Binnenmarkt mit über

291 Millionen Menschen. Der Anteil am Welthandel ist mit 19,6 Prozent ebenso führend. Haupthandelspartner sind GB, USA, Schweiz und Japan, die fast 43 Prozent des Außenhandels der Euroländer ausmachen.

Die Finanzierungsstruktur des Euro-Währungsgebietes ist im Gegensatz zum angelsächsischen Raum traditionell bankorientiert. Im Jahr 1999 hatten inländische Bankkredite noch immer einen höheren Anteil als die Finanzierungen durch die Emission inländischer Schuldverschreibungen. Der Kapitalmarkt Europas wird von inländischen Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand dominiert. Die Aktienmarktkapitalisierung von 71 Prozent des BIP ist deutlich geringer als in den USA und in Japan.

In den USA basieren die Finanzierungsstrukturen bereits historisch gesehen vorrangig auf Wertpapieremissionen.

Während im Jahr 1999 die Aktienmarktkapitalisierung gemessen am BIP 163,3 % betrug, hatten die Bankkredite nur einen Anteil von 48,4 Prozent.

Die Finanzierungsstruktur in Japan weist im folgenden Vergleich eine geringere Verbriefung aus als in den USA, allerdings stärker als im Euro-Währungsgebiet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Trend der Verbriefung von Gläubiger-Schuldner-Beziehung wird hier sehr deutlich. Europäische Kapitalmärkte stehen dabei – bei den Krediten wie bei den Einlagenpositionen – erst am Anfang …“[20]

Vergleicht man das Verhältnis Eigenkapital zu Bankverbindlichkeiten bei KMU´s und Großunternehmungen so zeigt sich folgendes Bild an den Beispielen: Deutschland, Italien, Frankreich, Holland und den USA:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wäre diese Grafik nicht auf Kapitalgesellschaften beschränkt, sondern wären auch Einzelunternehmen und Kleinstbetriebe enthalten, so würde sich eine massive Verlagerung zur Höhe der Bankverbindlichkeiten in Prozent der Bilanzsumme ergeben und der Eigenkapitalanteil wesentlich geringer ausfallen, wie die anhand einer Grafik für Deutschland gezeigt werden kann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Viele Unternehmen sehen den Zugang zu Finanzmitteln als langfristiges Wachstumshemmnis.

Die jüngste Befragung ergab, dass 18 % der KMU in Europa die Finanzierungs-kosten und 19 % die Verfügbarkeit von langfristigen Finanzierungsmöglichkeiten als Hindernis für ihr weiteres Wachstum betrachten.

Für Unternehmen in der Anlaufphase, die keine Sicherheit, Kreditvorgeschichte oder nachweisbare Erfolge vorweisen können, gestaltet sich die Lage noch schwieriger. Besonders deutlich zeigt sich die Problematik auch in Ländern, in denen bislang die Finanzierung über Kredite vorherrschend war.

Lediglich 2 % der britischen Unternehmen betrachten das Fehlen von Eigenkapital als ein größeres Hindernis für ihre langfristigen Expansionspläne, wohingegen dies bei 19 % der deutschen Unternehmen der Fall ist.“[21]

Die globalen internationalen Märkte und der EU-Binnenmarkt veranlassen aber immer mehr Unternehmungen die zusätzlichen Möglichkeiten des Kapitalmarktes zur Lösung anstehender Finanzierungsfragen mit in die Überlegungen einzubeziehen.

Jene Länder, die bei der Einführung des Euro teilgenommen haben bzw. aufgrund der Erfüllung der Maastricht-Kriterien teilnehmen konnten, verfügen nunmehr über einen großen europäischen Finanzmarkt und möglicherweise auch über einen Zugang zu Finanzierungsinstrumenten, die im eigenen Land bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt waren oder deren Nutzung zumindest schwieriger war als sich bei einem Bankinstitut eine Kreditlinie zu besorgen.

2.1 „Die österreichische Finanzierungskultur wird von folgenden Phänomenen geprägt, deren Wurzeln oft Jahrzehnte zurückliegen:

- einem ausgefeilten System von Förderungen für Sparen und Bankkredite;
- einem umfassenden Universalbankensystem, das erst spät und unzureichend zur Entwicklung von Märkten mit direkter Finanzierung führte und wenig Platz für innovative Finanzierungsformen gab;
- den eher restriktiven Veranlagungsvorschriften für Pensionskassen und Versicherungen;
- der Risikoaversion der österreichischen Anleger und Unternehmer;
- darüber hinaus wird oft auch die kleinbetriebliche Struktur der österreichischen Wirtschaft ins Treffen geführt.

Allerdings unterscheidet sich diese nicht wesentlich von jener in anderen

EU-Ländern, Österreich fehlen nur die großen internationalen Konzerne und deren günstiger Einfluss auf die Börsenkapitalisierung.

Angesichts des liberalisierten Kapitalverkehrs wird man für ein kleines Land, das wie Österreich Mitglied einer großen Währungsunion ist, davon ausgehen können, dass die Kapitalmarktschwäche nicht primär an den Investoren liegt.

Insbesondere beim außerbörslichen Risikokapital liegt es wohl eher an den traditionellen Unternehmensstrukturen (Familienbetriebe) sowie an der Unsicherheit der Unternehmen über die Folgen einer Beteiligung von außen.

Insofern ist es wohl auch ein Problem der Organisation des Marktes und der Informationen, die über den Markt geleitet werden können.“[22]

Das Thema „Kredit- oder Kapitalmarkt“ aus Österreichische Sicht zeigt ein Vergleich der ÖNB mit dem Euro-Raum und den USA in folgender Grafik:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[23]

Die starke Kreditorientierung der österreichischen Unternehmen wird damit nochmals dokumentiert.

Der europäische Binnenmarkt hat mit der Niederlassungsfreiheit einerseits internationalen Banken und Finanzierungsgesellschaften die Möglichkeit geschaffen neue Kunden in einem wesentlich vergrößerten Markt zu akquirieren, andererseits konnten Unternehmen auch leichter zu Kapital kommen, da weder Grenzen noch Devisenbestimmungen oder Währungsrisiken diesen Prozess behinderten.

Für junge, innovative, technologieorientierte und dynamische Unternehmen, die meist nicht in der Lage sind ihre Forschungsprojekte und Produktinnovationen zu finanzieren, Ideen in marktfähige Produkte umzusetzen und Prototypen der Serienfertigung zuzuführen, bietet Beteiligungskapital eine gute Chance für eine positive Weiterentwicklung.

In den USA hat man bald erkannt, dass jedes Risiko auch Chancen beinhaltet und begonnen eigenes Kapital, das damals wie heute, ausreichend vorhanden war, in anderen Unternehmen arbeiten zu lassen.

Die Notwendigkeit der privaten Vorsorge aufgrund des im Vergleich zu Europa weniger umfangreichen Sozialnetzes hat dies natürlich begünstigt.

Langsam orientiert man sich nun aber bereits auch in unseren Breiten an der erfolgreichen amerikanischen Kapitalmarktkultur, die - vor allem mit Risikokapital – vielen, heute namhaften innovativen und technologieorientierten Unternehmen entsprechendes Wachstum ermöglicht hat.

Emotionale Faktoren spielen bei der Betrachtung der Finanzierung mit Risikokapital eine besondere Rolle.

Es reicht daher nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu beleuchten, sondern es ist auch das kulturelle Umfeld zu betrachten.

In Kontinentaleuropa herrschen in vielen Ländern eine hohe Risikoaversion und ein starkes Streben nach Sicherheit, was sich auch im Anlageverhalten des Europäers mit einer Neigung zum Sparbuch und zur Anleihe manifestiert.

So werden finanzielle Risiken tendenziell stärker gewichtet als die mit ihnen verbundenen Chancen.

Ein verschuldeter Konkurs eines Unternehmens oder der Verlust einer Position hat negative Reputationsfolgen für den Verantwortlichen und wird nicht, wie in den USA, als wertvolle Erfahrung und neue Chance akzeptiert und anerkannt.

Nur langsam löst man sich in Europa von den traditionellen Möglichkeiten der Fremdfinanzierung und beginnt Risikokapital als echte Finanzierungsalternative zu akzeptieren.

Ein wirklich guter Boden für Venture Capital wie z. B. in England oder den USA hat sich bisher jedoch noch nicht entwickelt.

Mögliche Gründe dafür sollen im Rahmen dieser Arbeit später noch aufgezeigt werden.

Auch die Kultur zur Selbständigkeit (Entrepreneurship) und zu unternehmer-ischen Aktivitäten ist in Kontinentaleuropa im Vergleich zum angloamerikanischen Raum unterentwickelt.

Jeder Staat hat ein Interesse an einem reibungslos funktionierenden Finanzsystem und einem Kapitalmarkt, der die Finanzierung der Unternehmensinvestitionen so weit wie möglich erleichtert.

„Dabei ist der Blickwinkel, aus dem die öffentliche Hand den Kapitalmarkt betrachtet, naturgemäß ein anderer als etwa jener von Finanzinstituten, die auf dem Markt selbst tätig sind. Insbesondere hat die öffentliche Hand

(1) kein Interesse an bestimmten Organisationsformen oder Finanzierungsinstrumenten – das ist Sache des Marktes; der öffentlichen Hand kann nur am guten Ergebnis gelegen sein.

Sie muss aber:

(2) die Konsequenzen neuer technologischer und internationaler rechtlicher Entwicklungen beurteilen und darauf allenfalls mit flankierenden Maßnahmen reagieren können.

Eine dieser Entwicklungen sind die neuen Eigenmittelvorschriften nach

Basel II, die zweifellos der Stabilität des Finanzsystems dienen.

Sie bringen aber tendenziell auch eine Umschichtung von der Banken- zur Kapitalmarktfinanzierung und damit Anpassungsprobleme für Unternehmen, die allenfalls flankierende Maßnahmen erfordern.

Schließlich muss die Politik:

(3) weitere Ziele der Regierungsarbeit im Auge behalten – also beispielsweise die Budgetkonsolidierung.“[24]

Der soziale Wohlfahrts- und Versorgungsstaat weicht Liberalisierungsmaßnahmen und reduziert teilweise unter dem Druck der EU die staatlichen Förderungen und Subventionen, er führt Privatisierungen staatlicher Betriebe durch und muss zur Selbstverständlichkeit gewordene Transferleistungen neu überdenken, da diese mit der Zeit unfinanzierbar sind.

Der Strukturwandel von der Kreditfinanzierung zur Kapitalmarktfinanzierung bildet auch eine entsprechende Herausforderung für die Kreditinstitute, die den Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt ermöglichen und die nötigen Dienstleistungen zur Verfügung stellen müssen.

Unternehmen erwarten umfangreiches Wissen von ihren Bankberatern und wollen auf alle möglichen Finanzierungsformen hingewiesen werden.

Oft wird dann gemeinsam mit dem jeweiligen Steuerberater bzw. und unter Umständen auch mit dem Anwalt der Firma nach der zu diesem Zeitpunkt für die Firma optimalen Finanzierung gesucht.

Seit eh und je gilt in Österreich der Kapitalmarkt im internationalen Vergleich als unterentwickelt.

2.2 Zur Kapitalmarktorientierung in Österreich kann man einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit entnehmen:

„Österreich hat in den letzten Jahren bereits eine Reihe von kapitalmarktrelevanten Maßnahmen gesetzt.

Die mit 1.1.2001 in Kraft getretene "Kapitalmarktoffensive" gab positive Impulse z.B. durch Verdoppelung des Freibetrages für Mitarbeiterbeteiligungen und die steuerliche Begünstigung von "Stock Options".

Schon vorher (mit 1.10.2000) wurde die Börsenumsatzsteuer abgeschafft. Mittlerweile wurde die betriebliche Pensionsvorsorge gestärkt, indem den Pensionskassen die Veranlagung in Vermögenswerten, die im taxativen Veranlagungskatalog nicht genannt sind (z.B. Private Equity), bis zu 5% ermöglicht wird.… lässt sich empirisch zeigen, dass die Unternehmensdynamik an Standorten mit gut entwickelter Kapitalmarktkultur höher ist als sonst wo.

- Die traditionelle Orientierung der Unternehmensfinanzierung am Bankenmarkt wird allmählich von einer Kapitalmarktorientierung abgelöst.
- Die Voraussetzungen für die Teilnahme am Kapitalmarkt können nur durch ein umfassendes Konzept aufeinander abgestimmter Maßnahmen verbessert werden.
- Für die mittelständische Unternehmensfinanzierung ist es wichtig, über die gleichen Rahmenbedingungen zu verfügen wie die Nachbarländer. Daher müssen die sachlich nicht begründbaren Austriazismen und sprunghaften Veränderungen zugunsten einheitlicher europäischer Regeln aufgegeben werden. Nur so kann auch eine Sonderfunktion des österreichischen Kapitalmarktes gegenüber den zentraleuropäischen Nachbarstaaten entstehen.“[25]

3. Mögliche Einflussfaktoren auf die künftige Entwicklung der Unternehmensfinanzierung

Der Konzentrationsprozess in der Bankenbranche ist noch nicht abgeschlossen und führt für die Unternehmungen – unter anderem – zu einer Einengung des Anbietermarktes (siehe zum Beispiel in Österreich: Creditanstalt wird von der Bank Austria,-dem ehemaligen Zentralsparkasse/Länderbank-Fusionsergebnis – übernommen. Die Bank Austria wiederum von der deutschen Hypo-Vereinsbank – dem Fusionsergebnis aus der Bayern-Hypo und der Münchner Vereinsbank; weitere Beispiele sind: ÖCI + Girocredit fusioniert in die „Erste“; PSK und BAWAG, etc.)

Die möglichen Auswirkungen der „Baseler Richtlinien“ (Basel II), die die Banken voraussichtlich ab 2005 zur risikoadäquaten Eigenkapitalunterlegung ihrer Kredite zwingen, sind heute noch nicht im vollen Umfang absehbar, werden aber die Unternehmungen zumindest mit steigenden Finanzierungskosten belasten, da die Banken die ihnen entstehenden Mehrkosten an die Kunden weitergeben. Bereits heute zeigt sich eine verstärkte Differenzierung der Kreditmargen nach Kundenbonitäten bzw. nach bankinternen Bonitätsklassen, die anhand vorgelegter Bilanzen und nach bisher gesammelten Erfahrungen hinsichtlich bisheriger Geschäftsabwicklung und Zusammenarbeit ermittelt werden. Weiters wird natürlich verstärkt auch die Kreditbesicherung in die Gesamtbeurteilung einbezogen. (Eigenkapitalunterlegungsvorschrift) Basel II beeinflusst bereits heute den Markt massiv!

Die Venture Capital- und Private Equity-Branche kann von den neuen internationalen Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) profitieren. Eine zurückhaltende Kreditvergabepolitik der Geschäftsbanken an Unternehmen könnte diese veranlassen, sich bei Schwierigkeiten mit der Hausbank auch an Risikokapitalgesellschaften zu wenden.

Günstige, kurzfristige Finanzierungsmittel für Unternehmen können in Zukunft wahrscheinlich nur mit einem guten Rating einer internationalen Ratingagentur erlangt werden. (z.B.: Moody’s, Standard & Poors). Ein Ratingprozess ist aber langwierig und teuer und daher auch nur für größere Unternehmungen sinnvoll. KMU’s werden sich daher vorab mit höheren Finanzierungskosten abfinden müssen. Dies gilt natürlich ganz besonders auch für neu gegründete Unternehmungen, denen damit der Start zusätzlich erschwert wird, wie auch für junge Wachstumsunternehmen, die in einer Expansionsphase dringend günstige Finanzmittel benötigen. Gemäß § 22 BWG wird es künftig drei Kategorien von Kreditnehmern geben: einerseits die öffentlichen Hand (Bund, Land, Gemeinden, etc.) andererseits die Banken (im OECD-Raum) und drittens alle übrigen Kreditnehmer, wie zum Beispiel die Unternehmer.

Gerade die jüngste Vergangenheit (Börsenjahre 2000-2003) hat gezeigt, dass auch schlechte Börsenjahre eine Eigenkapitalschaffung durch Finanzierung über den Kapitalmarkt mittels Börsengang verhindern oder zumindest verzögern können. Ein Unternehmen muss daher zeitgerecht Alternativen zur Hand haben, um ein mögliches Liquiditätsproblem zu vermeiden, oder geplante Investitionen oder Akquisitionen durchführen zu können. Börsegänge sind langfristig geplant, Hausse und Baisse lassen sich nicht planen!

Unternehmenszusammenschlüsse, MBO’s, MBI’s, Firmenübernahmen, etc. werden einerseits erhöhten Kapitalbedarf hervorrufen, andererseits werden Unternehmensveräußerer (z.B.: mangels geeigneter bzw. williger Unternehmensnachfolger) entsprechende Geldmittel für „Investments“ zur Verfügung haben. Diese Tatsache wird den durch die Euro-Einführung wesentlich vergrößerten und vereinheitlichten Euro-Kapitalmarkt zusätzlich beleben. (Business Angels – Näheres dazu später!)

Alle bisher genannten Punkte haben natürlich nicht nur auf Großbetriebe Auswirkungen, sondern auch und ganz besonders auf KMU’s. Somit werden auf der Seite der „Nachfrager“ nach alternativen Finanzierungsformen und Risikokapital massive Zuwächse zu verzeichnen sein. Die rein kreditorientierte Finanzierung wird sich (gezwungenermaßen) teilweise zum Kapitalmarkt hinwenden. Hier haben jedoch ganz andere „Spielregeln“ Gültigkeit (als Beispiel nur ein Begriff, der manchen Finanzchef unter dem Aspekt des mit der Erstellung verbundenen Aufwands, wenn man am Risikokapitalmarkt bzw. am Kapitalmarkt allgemein Erfolge erzielen will: Due-Diligence-Erstellung)

Die Rolle der Bank als reiner Financier wird an Bedeutung verlieren. Banken werden vielmehr in Zukunft verstärkt den aktuellen Entwicklungen Rechnung tragen müssen und die Rolle des professionellen Finanzdienstleisters wahrzunehmen haben, da sie sonst Gefahr laufen, das Naheverhältnis zum Kunden zu verlieren und damit konkurrierenden Dienstleistern den „Einstieg“ erleichtern. Die Beratung eines Unternehmens über alternative Finanzierungsformen und die Vermittlung von Kapitalmarkttransaktionen, usw. wird eine ganz wesentliche Aufgabe sein um einen Kunden an ein Bankinstitut binden zu können.

4. Vom Kredit zum Venture Capital

Ein Unternehmen benötigt zur Aufrechterhaltung seines Geschäftsbetriebes entsprechende Finanzierungsmittel.

Hinsichtlich Fristigkeit des Kapitalbedarfs kann zwischen

- langfristig für das Anlagevermögen (Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge), und
- kurzfristig für das Umlaufvermögen (Material- und Warenlager)

unterschieden werden.

Laufender Kapitalbedarf, so genannter Betriebsmittelbedarf, dient zur Überbrückung der Zeitspanne zwischen Auftragseingang, Produktion der Ware (bzw. Erstellung der Dienstleistung) Auslieferung (Fakturierung) und Zahlungseingang. Weiters finanziert man damit die Personalkosten, Miete oder Pacht, Büro- oder Verwaltungskosten, Energie- und Fahrzeugkosten, Zinsen, notwendige Privatentnahmen etc.

Die nachfolgende Grafik stellt die Finanzierungsalternativen in einem Unternehmen dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Finanzierung kann von Außen oder[26] aus dem Unternehmen selbst, von Innen, erfolgen.

„Kredit und Venture Capital stellen unverzichtbare finanzielle Mittel dar, die dem Unternehmer zur Erreichung seiner kaufmännischen Ziele dienen. Sie repräsentieren allerdings gegensätzliche Ansätze in der Unternehmensfinanzierung:

Kredite sind rückzahlbares Fremdkapital, welches zinsenpflichtig ist und somit den Cash-Flow eines Unternehmens belastet. Kredite werden grundsätzlich auf besicherter Basis eingeräumt, d.h. bei geschäftlichem Misserfolg übernehmen die Sicherheiten die Verzinsungs- und Rückzahlungsverpflichtung.

Die Unternehmensfinanzierung durchlebt derzeit einen Wandlungsprozess, der vom traditionellen Bankkredit zu alternativen Finanzierungsinstrumenten tendiert.

- Venture Capital hingegen steht als klassisches Eigenkapital gegen Übernahme von Gesellschaftsanteilen zur Verfügung und belastet den Cash-Flow nicht.

Es ist auf Gedeih und Verderb mit der Erreichung des Unternehmenszwecks verbunden. Es wird nicht zurückgezahlt, vielmehr werden die Anteile an Industrie- oder Finanzinvestoren direkt oder über die Börse verkauft.

Die Ausschüttung von Gewinnanteilen oder Dividenden ist von der Ertragslage und der Beschlussfassung der Gesellschafter abhängig.

Venture Capital trägt alle Entwicklungen in guten wie in schlechten Zeiten gemeinsam mit dem Unternehmer, ohne-wie dies beim Kredit der Fall ist-eine Verbindlichkeit zu sein.

Dazu kommt, dass es sich bei Venture Capital nicht nur um Kapitalbereitstellung handelt, vielmehr wird auch eine Unterstützung der Geschäftsführung durch die bisherige Erfahrung sowie die Kontakte und Netzwerke geboten, über die der Venture Capitalist verfügt.

Venture Capital finanziert und beteiligt sich an Unternehmensideen und Unternehmenskonzepten, deren künftige Ertragspotentiale sich nachvollziehen und bewerten lassen.

Nur Projekte mit Businessplänen, die den Ertragserwartungen der Investoren entsprechen, können so auf die Beine gestellt und finanziert werden.

Die Finanzierung mit Venture Capital bietet zusätzlich die Möglichkeit, Manager, Mitarbeiter und Consultants aller Art mit Anwartschaften auf Geschäftsanteile für ihre Leistungen zu entlohnen, was wiederum den Cash-Flow des Unternehmens entsprechend entlastet und den so ins Unternehmerrisiko eingebundenen Partnern nach oben offene Erfolgsprämien (z. B. Stock Options) einräumt.

Dies gewinnt umso mehr an Bedeutung, als neben den drei traditionellen Produktionsfaktoren (Grund und Boden, Arbeit und Kapital) ein vierter Faktor verstärkt an Bedeutung gewinnt, nämlich „Know How und Technologie“, dessen Bewertung sich den üblichen Methoden weitgehend entzieht. Die zurzeit in aller Munde befindlichen Unternehmen der New Economy stützen sich hauptsächlich auf diesen „vierten“ Produktionsfaktor.

Alle am Unternehmensaufbau Beteiligten-Manager und Mitarbeiter, Kapitalgeber und externe Berater-sind ins Unternehmerrisiko eingebunden, ziehen an einem Strang und wollen am Unternehmenserfolg gemeinsam teilhaben.

Der alte Gegensatz Arbeitgeber-Arbeitnehmer hört auf zu existieren, da den traditionellen Interessensgegensätzen die Basis entzogen wird.

Des Weiteren kann von unechtem Venture Capital immer dann gesprochen werden, wenn bei Kapitalzuführungen, welche vom reinen Kredit bis zu mannigfachen Mischformen zwischen Fremd- und Eigenkapital (Stille Beteiligungen aller Art, Mezzaninfinanzierung, Partiarische (Gesellschafter) Darlehen, Wandel-, Optionsanleihen, etc.) bis zu reinen Beteiligungen gehen können, ein Dritter (z. B. öffentliche Stellen und Einrichtungen) das Kredit oder Beteiligungsrisiko durch Garantien abdeckt, ohne seinerseits Sicherheiten zu verlangen.“[27]

Die Einbettung der Risikofinanzierung (Venture Capital) und des Mezzaninkapitals in diesen Kontext zeigt dieses Schaubild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5. Risikokapital-Aktionsplan (RCAP) der EU

In einer Sondersitzung des Europäischen Rates[28] am 23. und 24. März 2001 in Lissabon hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, zur weltweit wettbewerbsfähigsten Wirtschaft zu werden, die zu einem nachhaltigen Wachstum mit mehr oder qualitativ höherwertigen Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhang befähigt ist.[29]

Um dieses Ziel zu erreichen wird die Europäische Union bzw. werden die Mitgliedsstaaten noch viele Maßnahmen in den unterschiedlichsten Bereichen setzen müssen.

Dieses Unterfangen wird im Rahmen der WWU zwar erleichtert, jedoch muss man – wie bei der Umsetzung der meisten EU-Maßnahmen – einfach die „Vielfalt“ und die besonderen Eigenschaften und wirtschaftlichen Situationen in den einzelnen Mitgliedsstaaten berücksichtigen und kann daher davon ausgehen, dass es sehr schwierig sein wird, hier schnell entsprechende Fortschritte zu erzielen.

Berücksichtigt man nun bei den Überlegungen auch die neuen EU-Mitglieder, so sind zusätzliche Erschwernisse zu kalkulieren.

„Die Erweiterung der EU bzw. des Euro-Clubs um die Länder Mittel- und Osteuropas ist ein politischer Wunsch, der richtig ist, aber Geld kostet.

Dafür gibt es zwei Zahlen, die als Eckwerte gelten.

Die Erweiterung bedeutet einen Zuwachs um rund 45 % Menschen, aber diese bringen derzeit nur 7 % mehr Bruttoinlandsprodukt oder ökonomische Wertschöpfung ein. Und dieses Missverhältnis ist die Preisfrage für alle, die diesen Weg für richtig halten.“[30]

Die Osterweiterung der Europäischen Union mit Mai 2004 bringt aber auch viele Chancen mit sich!

In der ersten Zeit werden möglicherweise die Probleme überwiegen.

Der Weg zur „weltweit wettbewerbsfähigsten Wirtschaft“ wird somit noch steiniger werden.

Bereits im Rahmen der eingangs erwähnten Sondertagung in Lissabon hat sich der Europäische Rat um günstige Rahmenbedingungen für den Risikokapitalmarkt in der EU bemüht, und die Absicht geäußert den so genannten „Risikokapital-Aktionsplan“ (RCAP), der im Juni 1998 im Rahmen des Gipfels von Cardiff beschlossen wurde,[31] bis Ende 2003 umzusetzen.

„Der unterentwickelte Risikokapitalmarkt in Europa hat zur Folge, dass Unternehmer und Unternehmen bei der Finanzierung der Frühphase in hohem Maße – und wesentlich stärker als in den USA – auf Bankkredite und Überziehungskredite angewiesen sind.

Die Finanzierung über Kredite ist in der Regel gegenüber dem Risikokapital die weniger flexible, teurere und unsicherere Alternative, die zudem häufig nur unter günstigen wirtschaftlichen Voraussetzungen in Anspruch genommen werden kann. Die Sicherheiten, die die Banken üblicherweise verlangen, stellen KMU vor Probleme, und ganz besonders ungeeignet erscheint die Kreditfinanzierung für

High-Tech-Unternehmen in der Anlaufphase, deren Cash-Flow zunächst entweder negativ oder aber sehr begrenzt ist.

Im Risikokapital-Aktionsplan (RCAP) werden sechs Hindernisse für die Entwicklung von Risikokapitalmärkten in Europa ermittelt:

1. Marktzersplitterung,
2. institutionelle und regelungsbedingte Hindernisse,
3. Besteuerung,
4. Mangel an hochtechnologieintensiven KMU,
5. Humanressourcen und
6. kulturelle Hemmnisse.

Mit dem RCAP wird das Ziel verfolgt, diese Hindernisse abzubauen und damit das Entstehen eines echten, europaweiten Risikokapitalmarktes zu ermöglichen.“[32]

Der „Risikokapital-Aktionsplan“ sieht vor:

1. Maßnahmen zur Förderung der Marktintegration in Europa
2. Maßnahmen zur Beschleunigung der erforderlichen Strukturreformen zur Beseitigung länderspezifischer Hemmnisse
3. Maßnahmen zur Förderung einer Kultur des Unternehmertums

Besondere Priorität haben dabei:

- der Abbau mengenmäßiger Beschränkungen für Anlagen institutioneller Anleger in Beteiligungskapital
- die EU-weite Anpassung der Konkursvorschriften (zweite Chance für den Unternehmer bei angemessenem Schutz der Gläubiger)
- Schaffung steuerlicher Rahmenbedingungen, die Investitionen und unternehmerische Initiativen begünstigen

In diesen Bereichen erwartet man ganz besonders intensives Engagement der EU-Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung.[33]

Die Europäische Kommission berichtet jährlich über den Stand dieser Umsetzungsmaßnahmen in den einzelnen Mitgliedsstaaten:

Risikokapitalmärkte, die für dynamische, kleine und mittlere Unternehmen Aktienkapital zur Verfügung stellen sind für den Auf- und Ausbau neuer Betriebe wichtig und sind auch eine wesentliche Grundlage für die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Stellt man einen Vergleich der Europäischen Union mit den USA in dieser Hinsicht an, so muss man zur Kenntnis nehmen, dass die EU noch massiven Nachholbedarf hat.[34]

„Auffällige Unterschiede bestehen auch im Hinblick auf den Umfang, in dem amerikanische Pensionsfonds zur Bereitstellung von Risikokapital beitragen, und die Dynamik, die in den USA dadurch entsteht, dass an der Unternehmensentwicklung interessierte Akteure (Risikokapitalgeber, Forscher, Unternehmer) geographisch gehäuft auftreten. Die europäischen Unternehmer haben keinen ausreichenden Zugang zu Risikokapital für die Gründung und Weiterentwicklung ihrer Unternehmen.

Auf der anderen Seite fehlt es Risikokapitalgebern an attraktiven Anlage-möglichkeiten. Diese mangelnde Dynamik wirkt sich negativ auf die Fähigkeit der Europäischen Union aus, ihre eigenen innovativen Ideen umzusetzen und ihr gesamtes Potential zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu nutzen.

In der Mitteilung werden sechs Kategorien von Hemmnissen genannt, die die Entwicklung von Risikokapitalmärkten auf europäischer Ebene behindern:

- Die nationalen Märkte sind noch immer stark voneinander abgeschottet, was Kapitalisierung und Liquidität der Märkte vermindert;
- institutionelle und ordnungspolitische Hemmnisse bestehen fort, da ein zufriedenstellender ordnungspolitischer Rahmen auf europäischer oder nationaler Ebene fehlt. Dies betrifft vor allem die Vorschriften für Risikokapitalfonds, institutionelle Anleger (Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds), Wertpapierdienstleistungen, grenzübergreifende Emissionen und Notierungen sowie die Rechnungslegung;
- die Steuersysteme der Mitgliedstaaten scheinen Risikokapitalanlagen zu benachteiligen. Erstens sind die Steuersätze für Einkünfte aus Direktbeteiligungen (Dividenden) generell höher als für Erträge aus risikofreien Anlagen in Obligationen und Bankeinlagen (Zinsen). Zweitens dürfen die Wertzuwachssteuern weder die Investitionstätigkeit noch die Ausübung von Aktienkaufoptionen als Ergänzung der Belegschaftsvergütung hemmen. Drittens sind die Steuerregelungen für Risikokapitalfonds generell nicht klar genug;
- im Hochtechnologiebereich ist der Mangel an neuen KMU und den entsprechenden Anlagemöglichkeiten besonders akut. Er wird dadurch verstärkt, dass eine Vernetzung oder geographische Häufung technologieintensiver KMU selten ist und der rechtliche und ordnungspolitische Rahmen (Vorschriften zum geistigen Eigentum und Verwaltungsvorschriften für Existenzgründungen) Innovationen und Unternehmensgründungen kaum fördert;
- die für Risikokapitalanlagen zur Verfügung stehenden Humanressourcen (qualifizierte Unternehmer und Fachleute) reichen nicht aus;
- „kulturelle" Faktoren wie das Risikoverhalten der Anleger und die fehlende Kultur der Selbständigkeit an Schulen und Universitäten behindern die Entstehung einer neuen Unternehmergeneration in Europa.

In der Mitteilung wird ein Aktionsplan vorgeschlagen, um diese Hindernisse zu beseitigen und damit die Voraussetzungen für die Entwicklung von Risikokapitalanlagen in der Europäischen Union zu verbessern.“…[35]

6. Europäische Investitionsbank (EIB) und Europäischer Investitionsfonds (EIF)

„Aufgabe der EIB-Gruppe ist die Unterstützung der prioritären Ziele der EU durch langfristige Finanzierungen wirtschaftlich tragfähiger Investitionsprojekte. Diese Ziele umfassen:

- eine regional ausgewogene Entwicklung der EU durch Förderung der wirtschaftlich schwächeren Regionen,
- den Ausbau der Infrastruktur, insbesondere der transeuropäischen Netze (TENs) für Verkehr, Telekommunikation und Energie,
- die rationelle Energieverwendung und die Sicherstellung der Energie-versorgung,
- den Schutz der Umwelt und die Verbesserung der Lebensqualität in den Ballungszentren,
- den Ausbau der Infrastruktur im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie die Stadterneuerung,
- die Entwicklung einer auf Wissen und Innovation basierenden Wirtschaft
- die Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen,
- die Förderung von innovativen Unternehmen durch Bereitstellung von Wagniskapital über spezialisierte Beteiligungsgesellschaften (durch den EIF).“[36]

„Zu diesem Zweck nimmt sie umfangreiche Mittel auf den Kapitalmärkten auf.

Diese stellt sie zu günstigsten Bedingungen für Investitionsvorhaben bereit, die der Verwirklichung der Ziele der Union dienen.

Außerhalb der Europäischen Union setzt die EIB die Finanzprotokolle zu den Abkommen um, die im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit der Union geschlossen werden.“[37]

6.1 „Die Europäische Investitionsbank (EIB), die Finanzierungsinstitution der Europäischen Union, wurde durch den Vertrag von Rom gegründet.

Ihre Mitglieder sind die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die das Kapital der Bank gemeinsam gezeichnet haben.

Die EIB besitzt eine eigene Rechtspersönlichkeit und ist innerhalb der Gemeinschaft finanziell autonom.

Die Aufgabe der EIB ist es, die Ziele der Europäischen Union zu fördern, indem sie im Einklang mit allgemein anerkannten Bankenpraktiken langfristige Finanzierungen für spezifische Investitionsvorhaben bereitstellt.

Dadurch fördert die EIB die Schaffung eines durch größere Homogenität geprägten Europas, insbesondere im Hinblick auf wirtschaftliche Integration und stärkeren wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt.

Als EU-Institution passt die EIB ihre Tätigkeit fortlaufend dem Wandel der politischen Ziele der Gemeinschaft an.

Als Bank arbeitet sie sowohl bei der Aufnahme der Mittel auf den Kapitalmärkten als auch bei der Finanzierung von Investitionsvorhaben eng mit dem Bankensektor zusammen.

Die EIB gewährt Darlehen in erster Linie aus den Erlösen ihrer Anleihen, die zusammen mit ihren "Eigenmitteln" (eingezahltes Kapital und Rücklagen) ihre "eigenen Mittel" bilden.

Außerhalb der Europäischen Union finanziert die EIB Vorhaben hauptsächlich aus ihren eigenen Mitteln sowie darüber hinaus - im Rahmen von Finanzierungs-mandaten - auch aus Haushaltsmitteln der Union oder der Mitgliedstaaten.“[38]

„Die EIB bietet zur Unterstützung von Vorhaben verschiedene Finanzierungs-produkte an, deren Einsatz von der Förderungswürdigkeit und der Art der Projekte abhängt.

- Darlehen für KMU, die über zwischengeschaltete Finanzinstitute bereitgestellt werden (Globaldarlehen)
- Risikokapital
- Direkte Darlehen (auch Einzeldarlehen genannt).

Bei Globaldarlehen handelt es sich um Kreditlinien, die Banken oder Finanzinstituten eingeräumt werden, die die bereitgestellten Mittel zur Finanzierung kleiner und mittlerer, den Förderungskriterien der Bank entsprechenden Investitionsvorhaben weiterleiten.

Das jeweilige zwischengeschaltete Institut ergänzt den EIB-Finanzierungsbeitrag, indem es selbst auch Mittel für das betreffende Projekt zur Verfügung stellt.“[39]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Seit 1997 stellt die EIB in der Europäischen[40] Union Risikokapital bereit, das der Stärkung der Kapitalbasis von KMU aus dem Hochtechnologiesektor sowie von KMU mit hohem Wachstumspotenzial dient.

Die in diesem Rahmen durchgeführten Operationen umfassen:

- Finanzierungen zugunsten von Risikokapitalfonds,
- Bereitstellung von Sicherheiten für solche Fonds,
- Bedingte und nachrangige Darlehen.

Die Risikokapitaloperationen werden in enger Zusammenarbeit mit den Banken und Finanzinstituten der Mitgliedstaaten durchgeführt.

Am 7. Dezember 2000 unterzeichneten die EIB und der Europäische Investitionsfonds (EIF) eine Rahmenvereinbarung, durch die die Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen gestärkt und ihre Zuständigkeiten für die einzelnen Finanzierungsarten neu festgelegt wurden.

Ein wichtiger Punkt dieser Vereinbarung betrifft die Übertragung der Zuständigkeit für sämtliche von der EIB gehaltenen Risikokapitalbeteiligungen auf den EIF.

Der EIF ist innerhalb der EIB-Gruppe alleiniger Ansprechpartner für sämtliche Risikokapital- und KMU-Garantieoperationen.“[41]

6.2 „Die Tätigkeit des EIF konzentriert sich auf die zwei Bereiche Risikokapitalfinanzierungen und Garantien:

- Die Risikokapitalinstrumente des EIF umfassen Beteiligungen an Risikokapitalfonds und Inkubatoren, die KMU´s - insbesondere technologie-orientierte Unternehmen in der Frühphase - unterstützen;
- Die Garantieinstrumente des EIF umfassen die Bereitstellung von Garantien für von Finanzinstituten an KMU vergebene Darlehen.

Durch den Hebeleffekt seiner Risikokapital- und Garantieinstrumente kann der EIF die Entwicklung von KMU in den EU-Mitgliedstaaten und in den Beitrittsländern unterstützen. Diese Unterstützung steht in Einklang mit den Schlussfolgerungen des ECOFIN-Rates vom 7. November 2000, in denen die neue Rolle des EIF als das auf KMU spezialisierte Finanzierungsinstitut der EU herausgestellt wurde.

Die beiden für KMU bestimmten Instrumente des EIF ergänzen die Globaldarlehen, die die Europäische Investitionsbank zwischengeschalteten Instituten für Finanzierungen zugunsten von KMU zur Verfügung stellt. Die Instrumente des EIF werden zu kommerziellen Bedingungen eingesetzt.“[42]

Der EIF operiert durch Venture Capital Beteiligungen und Garantien.

Er finanziert KMU´s nicht direkt, sondern über Finanzintermediäre.

Der EIF unterstützt Venture Capital Fonds, die innovative KMU´s finanzieren.

Er ist der bedeutendste Fonds dieser Art in Europa. Im Jahr 2003 wird sein Investitionspotential 3 Mrd. € erreichen. Seine Investitionsstrategie soll dazu beitragen, die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähig zu machen und hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.

Die EIF Garantieinstrumente erleichtern Fremdfinanzierungen für KMU durch die Zwischenschaltung eines weiten Kreises von Banken und Finanzinstitutionen.

Der EIF hat die Aufgabe, Gemeinschaftsziele (Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Innovation) zu verfolgen und soll aber auch Gewinne erzielen.

Der EIF arbeitet immer nach wirtschaftlichen Prinzipien.

„Österreich konnte beim Beitritt zur EU im Jahr 1995 bereits auf eine langjährige Präsenz der EIB mit zinsgünstigen Darlehen zurückblicken. Insgesamt hatte Österreich bereits Darlehen von 3,5 Mrd. Schilling erhalten und zwar zugunsten von Projekten im erklärten gemeinschaftlichen Interesse wie etwa Gasleitungen der TAG, einem Wasserkraftwerk in Tirol, einer Autobahnumfahrung bei Klagenfurt, grenzüberschreitenden Telekommunikationsverbindungen, sowie ein erstes Globaldarlehen zur Finanzierung von Klein- und Mittelbetrieben.

In den ersten sechs Jahren der EU-Mitgliedschaft Österreichs erreichten die EIB-Darlehen an österreichische Projektträger insgesamt rund 3 Mrd. Euro. Die Einzeldarlehen betrafen den Energiesektor (543 Mio. Euro), große Industrieprojekte (548 Mio. Euro), den Verkehrsbereich (321 Mio. Euro) und Telekommunikations-infrastruktur (379 Mio. Euro), sowie Umweltschutz und Stadterneuerung (207 Mio. Euro). Knapp 1 Mrd. Euro wurde in Form von Globaldarlehen (Kreditlinien) an österreichische Banken vergeben. Diese finanzierten daraus bisher rund 700 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und kleine Kommunalprojekte mit insgesamt

500 Mio. Euro.“[43]

7. Herkunft und Aufbringung von Risikokapital

Private Equity kommt in der Regel nur dort zum Einsatz, wo sich aufgrund der Unternehmensentwicklung eine dem Risiko entsprechende Ertragserwartung prognostizieren lässt.

Daher besteht von vornherein die Absicht zur Realisierung des dem Risiko entsprechenden Gewinnes die Beteiligung wieder zeitgerecht zu veräußern.

Steigt der Wert einer Unternehmensbeteiligung zum Beispiel auf das Fünffache des eingesetzten Kapitals und wird sie nach drei Jahren veräußert, ergibt sich daraus ein jährlicher Ertrag von 70%.

Wird sie bei gleichem Wert erst nach sieben Jahren verkauft, reduziert sich der jährliche Ertrag auf 26%, nach 15 Jahren beträgt er nur noch 11%.

„Den eigentlichen Motor der Risikokapitalbranche stellt die Rendite des in Portfolio-unternehmen investierten Kapitals dar.

Hohe Renditen rufen bei Risikokapitalgebern und ihren Investoren Euphorie hervor, was zu einem reichlichen Angebot an Kapital führt; bei niedrigen Renditen macht sich allerdings unter ihnen Pessimismus breit, und Finanzmittel werden zur Mangelware.“[44]

Mit einem Private-Equity-Volumen im Jahre 1999 in Höhe von US$ 99,4 Mrd.

(43% der weltweiten Investitionen) belegen die USA den ersten Platz in der Rangfolge.

Mit rund US$ 30 Mrd. folgt Europa an zweiter Stelle.

Das Volumen an Private Equity beläuft sich gemessen an der Bevölkerungszahl in den USA auf US$ 368 pro Kopf, in Europa auf US$ 80.[45]

Zu einer langsam positiven Entwicklung des europäischen Marktes trugen unter anderem die Gründung der neuen Börsesegmente für wachstumsstarke Unternehmen wie Neuer Markt, Nouveau Marché, Easdaq bei, die wiederum bei breiten Bevölkerungsschichten Interesse an der Aktienveranlagung hervorgerufen haben.

Der Börsencrash in den letzten Jahren und die hohen Kapitalverluste einzelner Anleger haben die aufkeimende Euphorie jedoch schnell gebremst und es wird einige Zeit dauern, bis Anleger wieder Vertrauen in Aktienveranlagungen zurückgewinnen.

Die Schwierigkeiten, in konventionellen Anlagekategorien noch ansprechende Renditen zu erwirtschaften, lassen jedoch darauf schließen, dass Private Equity auch in den nächsten Jahren eine höhere Gewichtung in den Portfolios finden wird.

[...]


[1] Vgl.: Weitnauer, Wolfgang (2001); sowie http://www.diegruender.at/vc/generals.php

[2] Deutsche Bundesbank, Hrsg. (2000) S.16

[3] Schuster (2000) S. 10 f.

[4] vgl.: Geschäftsbericht der Bayrischen Beteiligungsgesellschaft 2002/2003 – Seite 14 unter: http://baybg.dynweb.m-online.net/cms/bericht_s/bericht20040415052528.pdf

[5] EVCA – (Juni 2002)– Seite 6

[6] EVCA – (Juni 2002)– Seite 6

[7] EVCA – (Juni 2002)– Seite 18

[8] Bigus Jochen (2003)

[9] http://www.bvk-ev.de/bvk.php/cat/10/title/Leitfaden

[10] Creditreform (2001)

[11] Frommann u. Dahmann (2003), S 64

[12] Schefczyk Michael (2000), Seite 15

[13] eigene Grafik; Daten aus: Schefczyk Michael (2000), Seite 15

[14] http://www.bvk-ev.de/bvk.php/cat/10/title/Leitfaden

[15] Die Presse (1999)

[16] Wirtschaftsblatt vom 23.10.2001

[17] http://www.pwcmoneytree.com/exhibits/NationalAggregateData95Q1-04Q1.xls

[18] http://www.pwcmoneytree.com/exhibits/Q403MoneyTreeReport.pdf

[19] Stadler Wilfried (2001); Seite 29

[20] Daten aus: Hummel / Breuer (2001); Seite 73

[21] Europäische Kommission (2002) – Seite 9

[22] Vgl. Handler / Stadler (2002); Seite 2

[23] BA-CA (2004); Seite 10

[24] Vgl. Handler / Stadler (2002); Seite 2

[25] Handler / Stadler; (2002)

[26] aus:Leitinger/Strohbach/Schöfer/Hummel (2000): Seite 112

[27] Buchinger (2002)– Seite 14 ff

[28] Leitinger/Strohbach/Schöfer/Hummel (2000) – Seite 112

[29] Vgl. dazu: Europäischen Kommission (2001); Seite 5

[30] Bernecker (2002); Seite 228

[31] Europäischen Kommission (1998)

[32] Europäische Kommission (2002) – Seite 17ff http://europa.eu.int/comm/enterprise/entrepreneurship/financing/docs/benchmarking_ba_de.pdf

[33] Europäische Kommission (2000);

[34] vergleiche http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/I24195.htm

[35] http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/I24195.htm

[36] http://www.eib.org/Attachments/country/austria_de.pdf

[37] http://www.eib.org/about/

[38] http://www.eib.org/about/about.asp?cat=181

[39] http://www.eib.org/projects/policies/

[40] http://www.eib.org/Attachments/country/austria_de.pdf

[41] http://www.eib.org/projects/dynamic.asp?cat=39

[42] http://www.eif.org/about/

[43] http://www.eib.org/Attachments/country/austria_de.pdf

[44] Bygrave / Hay / Peeters (2000), S 358

[45] Bevölkerungszahlen basierend auf Zahlen von 1998, USA: 270,2Mio.; Europa (EU 15): 374,6 Mio.; Vgl. http://europa.eu.int/comm/dg10/publications/brochures/move/stat/chif2000/txt_de.pdf

Details

Seiten
168
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638325769
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31647
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
sehr gut
Schlagworte
Wagnisfinanzierung Kapitalmarkt

Autor

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Titel: Wagnisfinanzierung am europäischen Kapitalmarkt