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"Das längste Jahrhundert des Imperiums" von Ilber Ortayli. Eine kurze Zusammenfassung

Rezension / Literaturbericht 1998 10 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Beweggründe und Anfänge der Modernisierung

III. Die Bab-i ali-Bürokraten der Tanzimat-Periode

IV. Religion und Laizismus

V. Fazit

I. Einleitung

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht als Objekt der Analyse das Buch „Imparatorlugun En Uzun Yüzyili“ (Das längste Jahrhundert des Imperiums) von Ilber Ortayli, 1995.

Es wurde in der Arbeit versucht, einen zusammenfassenden Überblick verschiedener Phasen der osmanischen Modernisierung im letzten Jahrhundert des Imperiums, bzw. der politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse darzustellen.

Der Autor hat ein klares Ziel, dieses verborgene Kapitel der türkischen Geschichte, so wie er es nennt, unter einem objektiven Gesichtswinkel zu betrachten.

Die Struktur der vorliegenden Arbeit ist nach folgenden Prinziepien aufgebaut. Die Schwierigkeit dieser Untersuchung bestand darin, den türkischen Inhalt ins Deutsche zu übertragen. Daher wurden statt Fußnoten Übersetzungen mancher Begriffe in Klamern wiedergegeben.

Die Arbeit selber ist in fünf Kapiteln gegliedert. Das zweite Kapitel untersucht die Beweggründe und Anfänge der Modernisierung.

Im dritten Kapitel wird die Rolle der Bab-i ali-Bürokraten in der Modernisierung dargestellt.

Das vierte Kapitel berichtet über die Religion und den Laizismus. Im abschließenden fünften Kapitel folgen Schlußbemerkungen über das behandelte Thema.

II. Beweggründe und Anfänge der Modernisierung

Die osmanische Modernisierung darf nicht auf die Tanzimat-Periode (Reorganisierungsperiode) reduziert werden; sie ist ein Phänomen, was auf frühere Zeiten zurückzuführen ist. Das Modernisierungsphänomen hat bewirkt, daß innerhalb der osmanischen Welt die dominierende Religion zum Diskussionsgegenstand wurde und die ihm zugeschriebenen Institutionen und Regeln erschüttert, bzw. verändert wurden. Das Leben und die Gesinnung außerhalb der Religion, das aktive wirken europäischer Sprachen und der Wissenschaft, die Erschütterung traditioneller Formen sowohl im öffentlichen, als auch im familiärem Bereich, läßt sich, bevor dies in der Türkei zu spüren war, auch unter den Muslimen des zaristischen Rußland, zu erkennen. Die Modernisierung erfolgte im Osmanischen Reich nicht nur deshalb, weil es durch den Zwang der sich ändernden Außenwelt angetieben wurde. Das Zerbrechen vorhandener Lebensmuster ist nicht nur ein Werk der Industriealisierung.

Die Neuzeit bewirkte in Europa ein Bewußtsein über die Überlegenheit ihres Lebensstils. Besonders das 18. Jh. war ein Jahrhundert, in dem die Osmanen Europa und Rußland mal mit naiven, mal mit realistischen Ansätzen betrachteten.

Der Begriff „Verwestlichung“ (Batililasma), der Anfang der Tanzimat-Periode keine Verwendung hatte, jedoch im laufe dieser Zeit erwähnt wurde, beschäftigt seit fast einem Jahrhundert die historischen und politischen Gedanken der Türkei. Das Verwestlichungsphänomen und die Veränderungen im Osmanischen Reich können nicht begriffen werden, wenn nur die Bab-i ali (die Hohe Pforte) und die anatolische Halbinsel in betracht genommen wird. Es war öffensichtlich, daß die Militärreformen sich nicht auf die Kasernen begrenzen würden, sondern auch in jede Abteilung der Verwaltung und des Rechtswesens überspringen würden. Die osmanische Verwestlichung bevorzugte den Westen nicht aus Bewunderung, sondern aus Gründen der Zwangsläufigkeit. Sie war mehr ein Resultat einer internen Entscheidung, als eines externen Zwanges.

Die osmanische Modernisierung war eine autokratische Modernisierung. Interne und externe Entwicklungen haben das Imperium in seinen letzten 40 Jahren von einer autokratischen Modernisierung zu einer konstitutionellen Monarchie hingestürzt. Das Imperium hat der jungen Republik politische Organisationen und gesellschaftliche Institutionen als Erbe hinterlassen. Die revolutionären der Republik haben nicht mit einer mittelalterlichen Gesellschaft den Neuanfang gestartet, sondern mit einer Gesellschaft, welches ein Überbleibsel des Imperiums war, daß das letzte Jahrhundert mit Modernisierungswehen verbracht hat. Einer der Elemente, der den Radikalismus der Republik anpeitschte, war auch die unausreichende Radikalität der osmanischen Modernisierung. Die Stabilität und die Schwächen der politisch-sozialen Organisationen der heutigen Türkei zu begreifen, ist nur dann möglich, wenn die letzte Periode der osmanischen Modernisierungsgeschichte gut verstanden wird. Die wichtigsten Ereignisse und Organisationen, die die Zukunft vorbereitet haben stellen die Geschichte dieses Jahrhunderts dar.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638119160
ISBN (Buch)
9783638745871
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3164
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Orientalisches Seminar
Note
2
Schlagworte
Tanzimat-Reform

Autor

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