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Popularmusik als Ausdrucksmittel rechter Ideologie

Eine Bestandsaufnahme rechtsextremer Musik in Deutschland

Examensarbeit 2004 137 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsklärung
2.1 Rechtsextremismus und Neonazismus
2.2 Rechtsextreme Ideologie
2.3 „Rechtsextreme“ Musik?

3 Grundzüge der Geschichte des Rechtsrock
3.1 Wurzeln in Großbritannien: Skinheads und ihre Musik
3.1.1 Arbeiterklasse und Ska
3.1.2 Vom Punk zur Oi!-Musik
3.1.3 »Skrewdriver«: Beginn des Rechtsrock
3.2 Entwicklung des Rechtsrock in Deutschland
3.2.1 1979 bis 1989: Beginn des Rechtsrock in der BRD
3.2.2 1989 bis 1993: Radikalisierung
3.2.3 1994 bis heute: Zwischen Anpassung und Underground Exkurs: Staatliche Maßnahmen

4 Zu den Strukturen der rechten Musikszene
4.1 Konzerte und Fanzines
4.1.1 Konzerte und ihre Funktionen
4.1.2 Zur Bedeutung von Fanzines
4.2 Netzwerkorganisationen
4.2.1 »Blood & Honour«
4.2.2 »Hammerskins«
4.3 Ökonomische Vernetzungen: Bands, Labels, Vertriebe, Fanzines Fallbeispiel: Torsten Lemmer
4.4 Zur Bedeutung des Internet

5 Popularmusik als Ausdrucksmittel rechter Ideologie
5.1 Rechte Tendenzen in verschiedenen Musikgenres
5.1.1 Liedermacher
5.1.2 Dark Wave
5.1.3 Black Metal
5.1.4 HipHop
5.1.5 Techno
5.1.6 „Partymusik“: Schlager und NDW-Hits
5.2 Ideologische Fragmente in den Texten des Rechtsrock
5.2.1 „Liebe“
5.2.1.1 Zur Thematisierung von Frauen
5.2.1.2 Deutschland
5.2.2 Helden
5.2.2.1 Adolf Hitler, Rudolf Heß, Ian Stuart
5.2.2.2 Wehrmacht, SA, SS
5.2.2.3 Wikinger und nordische Götter
5.2.3 Feinde
5.2.3.1 „Ausländer“
5.2.3.2 Juden
5.2.3.3 „Linke“
5.2.3.4 Der Staat BRD und seine Vertreter

6 Zu Funktion und Wirkung rechtsextremer Musik
6.1 Rechtsextreme Musik als Mittel für Propaganda und Rekrutierung
6.2 Zur Wirkung rechtsextremer Musik
6.2.1 Wirkung durch Emotionen und einfache Strukturen
6.2.2 Rechtsrock als Ursache von Gewalttaten und aggressivem Verhalten?
6.2.3 Rezipienten von Rechtsrock
6.2.4 Zum Stellenwert von Kontext und individueller Disposition

7 Fazit und Ausblick

8 Literatur- und Quellenverzeichnis

„In diesen dunklen Zeiten ist unsere Musik das Licht.

Wir sind eine weiße Rockband und spielen weiße Musik.

Unsere Waffen sind die Instrumente und Melodien für den Sieg.“

(»Kraftschlag«: »Weiße Musik«, CD »Weiße Musik« 1997)

1 Einleitung

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Musik vorrangig als Ausdrucksmittel einer Ideologie genutzt. Über Lieder wurden nationalsozialistische Vorstellungen – formuliert in den Liedtexten – vermittelt. „Die Musik diente nicht dem Menschen, sondern der Staatsideologie und dem Führer.“[1] Christian Dornbusch und Jan Raabe urteilen über die Funktion von Musik in dieser Zeit: „Gemeinsames Musizieren, vor allem als kollektives Singen, wurde zu einem wichtigen Moment bei der Konstituierung nationalsozialistischer Volksgemeinschaft.“[2]

Längst beschränkt sich der Bereich „rechtsextreme“ Musik nicht mehr auf alte NS-Lieder, Märsche oder Liedgut, das dem der NS-Zeit in musikalischer Gestaltung nachempfunden wurde und wird – vor allem in der mittlerweile verbotenen »Wiking-Jugend«, rechtsextremen Parteien und neonazistischen Organisationen verbreitet.[3] Seit Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wird auch „moderne“ Popularmusik[4] zum Ausdrucksmittel rechter Ideologie; erst Anfang der neunziger Jahre wurde dieses Phänomen in Deutschland einerseits verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen und andererseits zu einem der wichtigsten Instrumente zur Rekrutierung rechtsextremer und neonazistischer Sympathisanten[5]. Im Zentrum steht auch heute noch eine rechtsextreme Skinhead-Szene, in deren Umfeld zahlreiche Bands entstanden sind. Dementsprechend halten Produktion und Verbreitung dieser Musik an.[6]

Die vorliegende Arbeit soll gleichermaßen Analyse wie auch Bestandaufnahme sein. Einerseits werden grundlegende Aspekte der Thematik „Rechtsextreme Popularmusik“ beleuchtet.[7] Da es sich bei dieser Musik sowohl um ein politisches Phänomen als auch ein jugendkulturell-kommerzielles Medium handelt, gilt es Zusammenhänge mit politisch-ideologischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten herzustellen und demnach das Thema interdisziplinär zu bearbeiten. Daraus ergibt sich, dass eine rein musikwissenschaftliche Betrachtung des Themas in Form einer reinen Werkbetrachtung und -analyse kaum zu einer quantitativ wie qualitativ erschöpfenden Bestandsaufnahme führen würde. Eine Bestandaufnahme „rechtsextremer“ Musik impliziert dennoch einen Fokus auf die Musik. Und so zielt diese Arbeit andererseits auf eine Differenzierung der verwendeten Musikgenres ab; zudem wird im Schwerpunkt der Betrachtung auf inhaltlicher Ebene darzustellen sein, auf welche Weise diese Musik zum Ausdrucksmittel rechter Ideologie wird. Denn vielmehr als die musikalische Substanz ist es der ideologische Charakter, der „rechtsextreme“ Popularmusik primär kennzeichnet.

Die Themenstellung erlaubt keinen konventionell musikwissenschaftlichen Zugang. Zudem hat sich die musikwissenschaftliche Forschung diesem Themengebiet bisher allenfalls marginal gewidmet.[8] Daher stützt sich diese Arbeit in erster Linie auf:

- fachjournalistische Texte
- Ergebnisse aus Nachbardisziplinen [Erziehungswissenschaft – Soziologie – Politikwissenschaft – (Musik-) Psychologie][9]
- Schriften des Verfassungsschutzes
- Informationen aus dem Internet
- verschiedene Tonträger[10]
- dokumentarisches Filmmaterial[11]

Nach einer grundlegenden Begriffsklärung (Kapitel 2) werden einzelne Etappen der historischen Entwicklung des Rechtsrock – als Ausgangspunkt und letztlich dominanter Strömung innerhalb des Gesamtspektrums „rechtsextremer“ Popularmusik – beleuchtet (Kapitel 3). Kapitel 4 setzt sich mit verschiedenen strukturellen und gesellschaftlich-ökonomischen Aspekten der rechtsextremen Musikszene auseinander und will neueren bedeutenden medialen Entwicklungen Rechnung tragen, indem eigens auf die Bedeutung des Internet Bezug genommen wird. In Kapitel 5 soll zunächst detaillierter ausgeführt werden, inwiefern nicht nur Rechtsrock als Ausdrucksmittel rechter Ideologie zu betrachten ist, sondern sich auch in anderen Musikgenres rechte Tendenzen entwickelt haben. Dabei sollen Aspekte der jeweiligen Entwicklung, der Musikstil, exemplarische Musiker beziehungsweise Bands und teilweise die Songtexte zur Sprache kommen. Ausführlich wird anschließend die Verarbeitung ideologischer Fragmente in den Texten der Rechtsrock-Songs aufgezeigt, um darzulegen, wie Popularmusik besonders in diesem Bereich als Ausdrucksmittel rechtsextremer Ideologie fungiert. Im Anschluss daran soll in Kapitel 6 untersucht werden, inwiefern „rechtsextreme“ Musik nicht nur jugendkulturelle Funktionen hat, sondern inwiefern organisierte Rechte „rechtsextreme“ Musik als politisches und ideologisches Instrument zur Rekrutierung ansehen. Schließlich gilt es Wirkungsaspekte „rechtsextremer“ Musik aufzugreifen und aus einer primär musikpsychologischen Perspektive zu betrachten.

Eine Verschränkung von diachroner und synchroner Betrachtungsweise kann also weder ausschließlich Bilanz noch Kritik sein, sondern soll jene vielfältigen Ansatzpunkte herausarbeiten, die eine moderne und interdisziplinär orientierte Musikwissenschaft bei der Beschäftigung mit dem Phänomen „rechtsextreme Musik“ zu berücksichtigen hat.

2 Begriffsklärung

Als Basis von Bestandsaufnahme und Analyse gilt es zunächst folgende Begrifflichkeiten zu präzisieren.

2.1 Rechtsextremismus und Neonazismus

Der Begriff des Rechtsextremismus „[…] gehört zu den amorphesten Begriffen der Sozialwissenschaft […].“[12] Da dieser Begriff in Forschung und Wissenschaft nicht einheitlich definiert und so auch zur Beschreibung unterschiedlicher Sachverhalte verwendet wird, ist es zunächst notwenig, aufzuzeigen, was unter dem Terminus zu verstehen ist.

Den amtlichen Extremismusbegriff, der dem Verfassungsschutz als Bewertungsgrundlage dient, gibt Richard Stöss wie folgt wieder:

„Als extremistisch gelten Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeinträchtigung der Amtsführung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben.“[13]

Stöss beschreibt diese amtliche Definition als einen „von der freiheitlichen demokratischen Grundordnung abgeleiteten internen Arbeitsbegriff von Verwaltungsbehörden“.[14] Kritisch zu bewerten ist die Definition vor allem deshalb, weil sie lediglich das Bedrohungspotential des Extremismus für die Verfassung beschreibt und die gesellschaftspolitischen Ursachen und Folgen vernachlässigt.[15] Rechtsextremismus wird so nicht als ein soziales Phänomen wahrgenommen.

Wilhelm Heitmeyer nimmt in seiner Definition den soziologischen Aspekt des Rechtsextremismus auf und beschreibt Rechtsextremismus als ein durch die Ideologie der Ungleichheit und die Gewaltakzeptanz gekennzeichnetes, vor allem jugendliches Protestsyndrom im Kontext von Individualisierung und Risikogesellschaft.[16] Bei der Berücksichtigung jugendlicher Lebenswelten vernachlässigt Heitmeyer allerdings die politische Dimension des Rechtsextremismus sowie den organisierten Rechtsextremismus überhaupt. Hans-Gerd Jaschke kritisiert, dass damit eine „weltanschaulich fundierte Ideologie“[17] ausgeklammert werde und zudem die Möglichkeit „[…] die Praxis staatlicher Institutionen sowohl im Bereich der inneren Sicherheit wie im Bereich der politischen Bildung angemessen zu kritisieren.“[18]

Die folgende politikwissenschaftliche Definition von Jaschke berücksichtigt sowohl ideologische Ansatzpunkte und Ziele sowie Einstellungs- und Verhaltensebenen und den Organisationsgrad des Rechtsextremismus:

„Unter ‚Rechtsextremismus‘ verstehen wir die Gesamtheit von Einstellungen, Verhaltensweisen und Aktionen, organisiert oder nicht, die von der rassisch oder ethnisch bedingten sozialen Ungleichheit der Menschen ausgehen, nach ethnischer Homogenität von Völkern verlangen und das Gleichheitsgebot der Menschenrechts-Deklarationen ablehnen, die den Vorrang der Gemeinschaft vor dem Individuum betonen, von der Unterordnung des Bürgers unter die Staatsräson ausgehen und die den Wertepluralismus einer liberalen Demokratie ablehnen und Demokratisierung rückgängig machen wollen. Unter ‚Rechtsextremismus‘ verstehen wir insbesondere Zielsetzungen, die den Individualismus aufheben wollen zugunsten einer völkischen, kollektivistischen, ethnisch homogenen Gemeinschaft in einem starken Nationalstaat und in Verbindung damit den Multikulturalismus ablehnen und entschieden bekämpfen. Rechtsextremismus ist eine antimodernistische, auf soziale Verwerfungen industriegesellschaftlicher Entwicklung reagierende, sich europaweit in Ansätzen zur sozialen Bewegung formierende Protestform.“[19]

Diese Definition soll im weiteren Verlauf Grundlage dieser Arbeit sein. Dabei wird der plausible Vorschlag von Martin Behringer, die Definition um die kulturelle und mediale Dimension zu ergänzen[20] – insbesondere in Hinblick auf den Bereich „rechtsextreme“ Musik – für äußerst sinnvoll gehalten und im Folgenden zu berücksichtigen sein.

Es ist ferner darauf hinzuweisen, dass die rechtsextreme Szene[21] ideologisch nicht homogen ist. So weichen auch die ideologischen Fundamente einzelner Parteien beziehungsweise Organisationen zum Teil stark von einander ab.

Zur weiteren begrifflichen Abgrenzung gilt es schließlich „Neonazismus“ zu erläutern. Nach Armin Pfahl-Traughber werden unter „Neonazismus“ Bestrebungen und Ideologien verstanden, die sich positiv auf die ideologischen Grundprinzipien des historischen Nationalsozialismus beziehen, wie sie im 25-Punkte-Programm der NSDAP (1920) und in Adolf Hitlers „Mein Kampf“ beschrieben sind. So liegen die Bestrebungen der Neonazis darin, ein „Viertes Reich“ und einen autoritären Führerstaat zu errichten sowie eine rassisch geprägte Volksgemeinschaft zu bilden.[22] Butterwegge folgert daraus, dass „[…] zwar jeder Neonazi ein Rechtsextremist, aber durchaus nicht jeder Rechtsextremist ein Neonazi [ist].“[23]

2.2 Rechtsextreme Ideologie

Neutral beschrieben meint der Begriff „Ideologie“ ein System aus weltanschaulichen Überzeugungen oder vielmehr die Gesamtheit der von einer Bewegung, einer Gesellschaftsgruppe oder Kultur hervorgebrachten Denksysteme, Wertungen und geistige Grundeinstellungen.[24] Dennoch lassen sich in der Literatur hauptsächlich Begriffsdefinitionen finden, die den Begriff negativ auslegen und Ideologie ihrer Funktion nach als „Lehre zur Rechtfertigung der eigenen Machtinteressen“[25] oder – allgemeiner formuliert – als gesellschaftliche Rechtfertigungslehren beschreiben.[26]

Wie schon erwähnt, ist die rechtsextreme Szene ideologisch heterogen. Daraus resultierend kann nicht von der rechtsextremen Ideologie gesprochen werden. Vielmehr kann von unterschiedlichen ideologischen Schwerpunkten beziehungsweise Varianten ausgegangen werden, wobei das gemeinsame Kernelement die Auffassung der Ungleichwertigkeit der Menschen bildet. Dieses Kernelement durchzieht nach Matthias von Hellfeld alle rechtsextremistischen Erscheinungsformen.[27] Als rechtsextreme, ideologische Fragmente können nachfolgende Paradigmen gelten, die oft, aber nicht unbedingt zwingend gemeinsam auftreten. Teilweise sind diese zudem nicht in aller Schärfe voneinander abzugrenzen.

Rassismus:

Um differenzieren zu können, erscheint es sinnvoll, zwei verschiedene Rassismusbegriffe in diese Arbeit aufzunehmen. Nach einem engen, „biologischen“ Rassismusbegriff wird die eigene „Rasse“, die „weiße Rasse“, als überlegen und höherwertig beurteilt, während andere „Rassen“ aufgrund ihrer „angeborenen“ Merkmale als minderwertig gelten. Körperliche Merkmale wie die Hautfarbe geben danach Rückschlüsse auf geistige und moralische Fähigkeiten. Die Ungleichwertigkeit wird mit der angeblichen Überlegenheit des eigenen „Erbgutes“ begründet.[28]

Nach einem weiter gefassten Rassismusbegriff ist Rassismus ein Denken, das nach körperlichen beziehungsweise kulturellen Merkmalen von Menschen unterscheidet. Bei dieser Unterscheidung werden Menschen anderer Hautfarbe oder Herkunft nicht als Persönlichkeiten mit unterschiedlichen individuellen Anlagen und Begabungen betrachtet, sondern sie werden aufgrund ihrer biologisch und/oder kulturell begründeten „Fremdheit“ diskriminiert und nur als Mitglieder ihrer „Rasse“ oder ihres „Kulturkreises“ mit Kollektiveigenschaften betrachtet.[29]

Diese Form von Diskriminierung wird im Folgenden als rassistisch beurteilt. Werden allerdings eindeutige Bezüge zu einer biologisch-rassistisch begründeten Überlegenheit der eigenen „Rasse“ oder Diskriminierung von Angehörigen einer vermeintlich minderwertigeren „Rasse“ deutlich, wird dies als biologisch-rassistisch beurteilt.[30]

Ausländerfeindlichkeit:

Während unter „Rassismus“ die Hierarchisierung und wertende Interpretation vermeintlicher Unterschiede mit dem Ziel der Herabsetzung anderer Nationen, Völker und Ethnien verstanden wird, bezieht sich der Begriff „Ausländerfeindlichkeit“ auf sämtliche Vorwürfe und Handlungen, die nicht rassistisch motiviert sind, sondern eher allgemeine gesellschaftliche Probleme – in Form von Vorurteilen und Stereotypen – mit dem Zuzug von Ausländern verknüpfen.[31]

Antisemitismus:

Unter Antisemitismus wird die Feindschaft gegenüber Juden, die als minderwertig betrachtet werden, verstanden.[32]

Revisionismus:

Mit revisionistischen Aussagen werden wissenschaftlich bewiesene historische Wahrheiten negiert und politisch motivierte Umdeutungen des Nationalsozialismus verfolgt. Als revisionistisch gelten nach Pfahl-Traughber Behauptungen, aus denen die Kriegsschuld-Leugnung, die Rechtfertigung des Antisemitismus und die Leugnung der Judenverfolgung und -vernichtung resultieren.[33]

Nationalismus:

Die Wahrung und Stärkung der eigenen Nation wird zum zentralen Prinzip des Denkens und Handelns. Gleichzeitig werden andere Nationen abgewertet.[34] Es erscheint wichtig, den Nationalismusbegriff von dem des Patriotismus abzugrenzen. Patriotismus meint die legitime Liebe zur eigenen Nation,[35] während Nationalismus als übersteigerte Liebe bezeichnet werden kann, einhergehend mit einem Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Nationen und der Glorifizierung der eigenen Nation. Nationalismus meint auch die Verabsolutierung nationaler, besonders territorialer Interessen und Wünsche und stellt die Verbindung eines Nationalbewusstseins mit Elite- und Sendungsbewusstsein oder Rassismus dar.[36]

Autoritarismus:

Nach Stöss bedeutet Autoritarismus „die Bereitschaft zur freiwilligen Unterwerfung unter Stärkere bzw. unter nicht legitimierte Herrschaft und die Neigung zur Beherrschung Schwächerer.“[37] Autoritarismus zeigt sich beispielsweise in einer Staatsauffassung, die gekennzeichnet ist durch den Wunsch nach einem starken, autoritären Staat und die Befürwortung des Führerprinzips, einhergehend mit der Ablehnung von Demokratie und Verfassung mit den darin festgeschriebenen Freiheits- und Gleichheitsrechten.[38]

Hinzuweisen ist an dieser Stelle auf die erhöhte Gewaltbereitschaft in der rechtsextremen Szene. Dabei besteht in der Literatur keine Einigkeit darüber, ob Gewaltakzeptanz als konstitutives Element des Rechtsextremismus gilt. Es soll im Folgenden der Argumentation von Marek Fuchs, Siegfried Lamnek und Ralf Wiederer gefolgt werden, die Gewaltakzeptanz nicht als Indikator für rechtsextreme Orientierungsmuster betrachten, jedoch auf den Zusammenhang von rechtsextremen Vorstellungen und erhöhter Gewaltbereitschaft verweisen.[39]

2.3 „Rechtsextreme“ Musik?

In der Literatur lassen sich unterschiedliche Begriffe zum Bereich der Popularmusik auffinden, der rechtsextreme Tendenzen aufweist. So liest man unter anderem bei Max Annas von „Nazi-Rock“[40], Christian Menhorn und andere erwähnen den Begriff „White-Power Rock“[41], der – so Sven Pötsch – vor allem im englischen Sprachraum und in Osteuropa verwendet wird.[42] Besonders in der neueren deutschen Fachliteratur hat sich der Begriff „Rechtsrock“[43] durchgesetzt. Um allerdings den irreleitenden Begriff des „Rock“ zu vermeiden – denn Rockmusik stellt nur einen begrenzten Bereich der Popularmusik dar – soll im Folgenden der Terminus „rechtsextreme“ Musik verwendet werden. Dieser Begriff bezieht sich auf rechtsextreme Tendenzen in verschiedenen Genres der Popularmusik wie in Liedern und Balladen von Liedermachern, in den Songs des Dark Wave, des Heavy Metal, des Techno etc., schließt also nicht die in der Einleitung genannten, an die NS-Lieder stilistisch angelehnten Lieder und Märsche mit ein. Wenn im Folgenden von „Rechtsrock“ die Rede ist, ist damit die „rechtsextreme“ Musik gemeint, die sich zwischen den Stilelementen des Punk und des Heavy Metal bewegt. Hinzugefügt werden sollte in diesem Zusammenhang, dass in so mancher Literatur der Begriff „Oi!-Musik“ bzw. „Oi!-Punk“ fälschlicherweise mit „rechtsextremer“ Musik gleichgesetzt wird.[44]

Es gilt zu betonen, dass Musik an sich nicht rechtsextrem oder überhaupt politisch sein kann.

„Musik ist eine Folge von Schallwellen und also ‚von Natur aus‘ selbstredend völlig ohne irgendeine politische Aussage. Sie erhält im Laufe ihrer Geschichte bzw. in ihrer individuellen Verarbeitung, gesellschaftlich-historisch bedingt oder auch mutwillig, eine politische Bedeutung zugeschrieben.“[45]

Nach Dollase erhält die Musik erst über ihren Kontext eine politische Bedeutung: „Favorisiert wird heute […] eine politische Kontexttheorie der Musik – der Kontext macht Musik rechtsextrem.“[46] Eine primäre Bedeutung kommt dabei dem Liedtext zu.[47] So lässt sich der Begriff „rechtsextreme“ Musik als Sammelbegriff für verschiedene Musikrichtungen bezeichnen, die rechtsextreme Tendenzen in ihren Songtexten aufweisen. Georg Seeßlen stellt folgende These auf:

„Die Musik der Rechtsradikalen wird zur rechtsradikalen Musik erst durch ihre Texte. Die hauptsächlich verwendeten musikalischen Genres […] dienen dabei vor allem als Transportmittel, ohne ihre Texte […] könnten sie auch andere Tribes der Jugendkultur betreffen.“[48]

Daher wäre ein präziserer Terminus, der eben die entscheidende Bedeutung des Songtextes aufzeigen würde – wie etwa „Popularmusik mit rechtsextremen Inhalten in den Songtexten“ – erstrebenswert. Jedoch wird aus Gründen der Vereinfachung zum einen der Begriff „rechtsextreme“ Musik beibehalten, wobei sich das Adjektiv „rechtsextrem“ auf die Songtexte bezieht. Zum anderen wird auf die entsprechende Hervorhebung durch die Kennzeichnung mit Anführungszeichen im Folgenden verzichtet.

3 Grundzüge der Geschichte des Rechtsrock

3.1 Wurzeln in Großbritannien: Skinheads und ihre Musik

3.1.1 Arbeiterklasse und Ska

Die ersten Skinheads zeigten sich Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in den britischen Arbeitervierteln. „1968 gab es in jeder Straße der innerstädtischen Viertel von Liverpool, Glasgow, Birmingham oder London eine Skinheadgang.“[49] Schnell wurden die Skinheads zur dominierenden Jugendkultur. Aus einem Teil der Jugendkultur der Mods – den Hard-Mods und den Boot-Boys – hervorgegangen,[50] orientierten sich die Skinheads kulturell an den Rude-Boys, den Söhnen westindischer Einwanderer. Die Musik der Rude-Boys, der Ska, entwickelte sich um 1960 auf Jamaika. Er besteht musikalisch aus Elementen des Rhythm & Blues und des Calypso und Mento. Stilprägend sind vor allem die Hervorhebung unbetonter Taktzeiten und die Verwendung von Blechbläsern in der Rhythmusgruppe.[51] Der Ska gelangte über die jamaikanischen Einwanderer nach Großbritannien und wurde in einigen wenigen Tanzclubs der Rude-Boys gespielt. Vielleicht war besonders das „schmutzige“, „unprofessionelle“ Image des Ska – der das breitere Publikum in Großbritannien nicht erreichte – für Rude-Boys und Skinheads interessant.[52] Menhorn sieht die Attraktivität dieser Musik dagegen in der Tanzbarkeit begründet.[53] Später wurden die Skinheads als treue Anhänger des Ska oft von Ska-Musikern wie Laurel Aitken besungen.[54]

Zumindest lässt sich daraus schließen, dass sich die Skinheads Ende der sechziger Jahre nicht unter dem Begriff „Rechtsextremismus“ subsumieren lassen. Mehr noch: Klaus Farin und Eberhard Seidel beschreiben den Skinhead-Kult jener Zeit als „[…] eine im besten Sinne des Wortes multikulturelle Synthese.“[55] Christian Dornbusch und Jan Raabe stellen fest, dass es „[…] zum subkulturellem Crossover [kam], Schwarze wurden Skinheads und weiße Arbeiterjugendliche kleideten sich wie Rude-Boys.“[56] Äußere Merkmale der Skinheads waren der extreme Kurzhaarschnitt, »Doc-Martens«-Stiefel, Jeans- oder Cordhosen sowie Polo-Hemden von »Fred Perry« und Hemden der Marke »Ben Sherman« sowie darüber getragene Hosenträger.[57] Die Skinheads verstanden sich als eine rebellische Jugendkultur der Arbeiterklasse und standen damit in starkem Kontrast zu Hippies und Linken. Die Rebellion war anachronistisch: Konservative Werte standen im Vordergrund.

„Working class reduzierte sich in der Wahrnehmung der Skinheads im wesentlichen [sic] auf die Heroisierung körperlicher Arbeit und die Pflege traditioneller Männlichkeitsrituale – inklusive entsprechender Rollenzuweisung für die Frauen.“[58]

Zudem zeigten die Skinheads eine hohe Gewaltbereitschaft. „Lust auf Gewalt war von Anfang an ein fester Bestandteil des Skinheadkults.“[59] Die Gewalt entlud sich bei Fußballspielen, richtete sich aber auch gegen Schwule (»queer-bashing«) und gegen Einwanderer aus Indien, Pakistan und Bangladesh (»paki-bashing«), die von den Skinheads im Gegensatz zu den jamaikanischen Einwanderern als „Fremde“ betrachtet wurden. Alexander Häusler urteilt: „Denn trotz der Adaption ‚schwarzer Musik‘ war die Skinhead-Bewegung schon in ihren Anfängen nicht frei von Nationalismus und auch gewalttätigem Rassismus.“[60]

In den Medien wurden die Skinheads zu „gewaltbereiten Rassisten“ erklärt, wobei Dornbusch/Raabe betonen, dass sich in der Gewalt der Skinheads gegenüber den genannten Einwanderern der gesellschaftliche Rassismus im Großbritannien der sechziger Jahre spiegelte.[61] Dornbusch/Raabe sehen in der darauf folgenden gesellschaftlichen Ausgrenzung der Skinheads sowie in den inhaltlichen Veränderungen der Texte des Ska und Reggae Gründe für die sich nahezu ganz auflösende Skinhead-Kultur Anfang der siebziger Jahre.[62] Reggae-Musiker wie Bob Marley machten in ihren Texten auf die Diskriminierung ihrer Landsleute aufgrund ihrer Hautfarbe aufmerksam.

„Der zum Reggae verlangsamte Ska hatte sich auf seine schwarzafrikanischen Wurzeln zurückgezogen und zudem noch die Religion entdeckt; die Hippiekinder waren begeistert, doch die weißen Arbeiterjugendlichen konnten damit nun wirklich nichts mehr anfangen. Auch der von Skins immer sehr geliebte Soul war zum Disco-Funk mutiert. Judge Dreads [ein bekannter weißer Ska-DJ] wehmütige Beschwörung ‚Bring Back The Skins‘ verhallte ungehört.“[63]

3.1.2 Vom Punk zur Oi!-Musik

In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre entstand in Großbritannien ein neuer Musikstil: Punk Rock, eine soziale und musikalische Erscheinungsform der Rockmusik, die aus einem von Jugendarbeitslosigkeit und sozialer Perspektivlosigkeit geprägten Milieu hervorging.[64] Es entstand eine rebellische Protestbewegung mit einem provokanten Outfit[65] und mit eigenem Musikstil, der besonders durch minimalistische Harmoniestrukturen („Drei-Akkord-Songs“), einfachste technische Ausstattung und mehr geschrienen als gesungenen Songtexten gekennzeichnet war. Punk-Rock-Bands rebellierten gegen die als kommerziell betrachtete Musikindustrie und den „ästhetischen und technischen Hochleistungsperfektionismus“[66] der aktuellen Rockmusikszene.[67] Provokative Songtexte, mit Hilfe derer die Gesellschaft und staatliche Strukturen kritisiert beziehungsweise angegriffen wurden – »Anarchy In The U.K.« von den »Sex Pistols« –, sorgten für Empörung in der Gesellschaft und Schlagzeilen in den Medien.[68] Nach Büsser wurden zum ersten Mal in der Geschichte der Popularmusik nationalsozialistische Symbole benutzt, wobei das Verwenden dieser Symbolik nichts mit einer ideologischen Identifikation gemein hatte.

„Haß (und also Häßliches, Tabuisiertes) wurde eingesetzt, um eine bessere, nichtfaschistische Gesellschaft ex negativo, also ohne Benennung von Idealen, zu proklamieren. […] Im Kontext des Punk war das Hakenkreuz 1976 ein äußerst wirksames Mittel der Verstörung, da es von Personen benutzt wurde, deren ganzer Habitus allem widersprach, was im Nationalsozialismus auch nur die geringste Überlebenschance gehabt hätte.“[69]

Mit zunehmender Kommerzialisierung des Punk durch die Musikindustrie und der damit einhergehenden Integration in die Gesellschaft entwickelten sich zwei verschiedene Stilrichtungen des Punk Rock: der Polit-Punk, die politisch links orientierte Variante der Rebellion, und der Street-Punk, „[…] eine mehr dem Alltag von Jugendlichen verhaftete musikalische Variante […], wie ihn die Bands Cock Sparrer, Sham 69 oder Angelic Upstarts präsentierten.“[70] Die Skinhead-Kultur erlebte eine Renaissance im Street-Punk:[71] „Reihenweise verwandelten sich Britanniens Schmuddelkinder in Skinheads und ermöglichten so der daniederliegenden Skinkultur ein gigantisches Comeback.“[72] Die Bezeichnung „Street-Punk“ wurde durch den Begriff „Oi!“[73] beziehungsweise „Oi!-Musik“ oder auch „Oi!-Punk“[74] abgelöst. Dieser Terminus geht auf die Band »Cockney Rejects« zurück, die ihre Songs anstatt mit der gängigen Taktvorgabe „One, two, three“ mittels „Oi! Oi! Oi!“ angaben.[75] In den Songtexten der Oi!-Bands wurde neben dem Stolz, zur Skinhead-Bewegung und zur Arbeiterklasse zu gehören, auch die Unabhängigkeit von politischen Ideologien besungen. Beispielhaftes Plädoyer für Toleranz und Zusammengehörigkeitsgefühl ist der Song »If The Kids Are United«[76] der Gruppe »Sham 69«. Dennoch kam es auf Konzerten der Oi!-Bands immer öfter zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Punks und Skinheads, die zunehmend unter dem Einfluss rechtsextremer Parteien, insbesondere der »National Front« (NF)[77] und des »British Movement« (BM), standen und von diesen politisiert wurden.[78] Konzerte von Oi!-Bands wie »Sham 69«, die bei der Konzertreihe »Rock Against Racism« (»RAR«) auftraten,[79] wurden immer öfter von rechtsextremen Skinheads gestürmt. Die Situation eskalierte 1981, als asiatische Jugendliche, von Skinheads provoziert, ein Konzert unter anderem mit der Band »The 4 Skins« im Londoner Stadtteil Southhall angriffen. Das Konzert mündete in einer Massenschlägerei mit über hundert Schwerverletzten.[80] Oi!-Musik und die Skinheads, ob unpolitisch oder rechtsextrem, wurden in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen in Southhall und der einseitigen Berichterstattung in den Medien zum Inbegriff von Rassismus und Gewalt. Dies bedeutete: „[d]as vorläufige Aus für Oi“[81] als unpolitische Strömung.[82] Da Konzertveranstalter und Plattenläden Oi!-Bands boykottierten, lösten sich viele Bands (unter anderem »Sham 69« und »Cock Sparrer«) auf.[83]

3.1.3 »Skrewdriver«: Beginn des Rechtsrock

Die Band »Skrewdriver« wurde 1977 von Ian Stuart Donaldson[84] in Großbritannien gegründet. Fraglich ist, ob »Skrewdriver« zunächst eine Street-Punk-Band oder eine Rock-Band war.[85] Zumindest geht aus der Literatur klar hervor, dass »Skrewdriver« mit dem Revival der Skinheads (s.o.) zur Skinhead-Band wurde, zunächst keine rechtsextremen Inhalte in ihren Songtexten transportierte und wenig erfolgreich war.[86] Grund dafür war, dass sich »Skrewdriver« nicht von ihrer rechtsextremen Anhängerschaft distanzierte – mehr noch: Ian Stuart trat 1979 der NF bei – und sich in Schlägereien mit anderen Bands verwickelte. Dies führte zu Auftrittsverboten und zum Boykott durch die einflussreiche Musikpresse und Konzertveranstalter. Zwischen 1978 und 1981 löste sich die Band dreimal auf.[87] Mittlerweile war »Skrewdriver« zu einer „Parteiband“ geworden: die Band betrieb für die NF Propaganda auf Konzerten und wurde im Gegenzug finanziell von der NF unterstützt.[88]

1982 intensivierte sich die Zusammenarbeit mit der NF: Gemeinsam mit Joseph Pearce, dem Herausgeber des Magazins »Bulldog«,[89] reanimierte Ian Stuart die Konzertreihe »Rock Against Communism« (»RAC«), die 1977 von der NF als Gegenbewegung zu »Rock Against Racism« recht erfolglos ins Leben gerufen wurde,[90] und gründete 1983 den »White Noise Club« als Vereinigung rechtsextremer Bands innerhalb der NF inklusive dem Label »White Noise Records«.[91] Auf den mittlerweile erfolgreichen und bekannten »RAC«-Konzerten spielten neben »Skrewdriver« rechtsextreme Bands wie »Die-Hards«, »Brutal Attack«, die ebenfalls dem »White Noise Club« angehörten.[92]

In den Songtexten spiegelt sich die nationalistische, rassistische und biologisch-rassistische Gesinnung von »Skrewdriver« wider:

Wir bekämpfen die Kommunisten, denn die Kommunisten sind Dummköpfe.

Sie versuchen uns unser Land wegzunehmen und es den Schwarzen zu geben.

Wir werden es nicht zulassen, wir holen uns unser Land zurück.

Nigger, Nigger, haut ab! Nigger, Nigger, raus, raus, raus![93]

(»Skrewdriver«: »When The Boat Comes In«)

I stand watch my country, going down the drain

We are all at fault, we are all to blame

We're letting them takeover, we just let them come

Once we had an Empire, and now we've got a slum

White Power! For England

White Power! Today

White Power! For Britain

Before it gets too late[94]

(»Skrewdriver«: »White Power«, Single 1983)

Innerhalb kurzer Zeit wurde Ian Stuart zur Kultfigur[95] der rechtsextremistischen Szene: „Mit seinem Engagement und seiner Öffentlichkeitswirkung, derer er sich bewußt war, verstand er es, die Skinhead-Bewegung für rechtsextremistische Neuzugänge attraktiv zu machen.“[96] 1984 erschien das Album »Hail The New Dawn« auf dem deutschen Label »Rock-O-Rama«.[97] »Skrewdriver« hatte den europäischen, vor allem aber den damals westdeutschen Musikmarkt entdeckt und sprach sich in den Songtexten jetzt vor allem für ein „weißes“ Europa aus.[98]

Nachdem sich »Skrewdriver« und auch andere Bands aufgrund einiger Ungereimtheiten in der NF vom »White Noise Club« und von der NF getrennt hatten,[99] gründete sich »Blood & Honour«.[100] Mit der Verbreitung von »Blood & Honour« in Europa hatten Ian Stuart und »Skrewdriver« insgesamt einen großen Einfluss auf die internationale rechte Musikszene. Vor allem war und ist »Skrewdriver« die international populärste Band, besonders auch in Deutschland. Dort trat sie Menhorn zu Folge teilweise öfter auf als in Großbritannien.[101] Ian Stuart war zu einem Star der gesamten internationalen Musikszene avanciert. 1993 kam er bei einem Autounfall ums Leben. Zu den Umständen seines Todes entstanden schnell Verschwörungstheorien in der Szene. Diese und Nachrufe auf Ian Stuart werden noch heute von anderen Bands auch in Deutschland in diversen Songtexten verarbeitet.[102] Bis heute hält die Idolwirkung Ian Stuarts an.[103]

3.2 Entwicklung des Rechtsrock in Deutschland

3.2.1 1979 bis 1989: Beginn des Rechtsrock in der BRD

Im Zuge der Punk-Bewegung, die Ende der siebziger Jahre von Großbritannien Einzug in die Bundesrepublik Deutschland hielt, entwickelten sich in einigen deutschen Großstädten wie in Hamburg und Berlin einzelne Skinhead-Szenen.[104] Die ersten deutschen Skinheads hörten zunächst Musik englischer Oi!-Bands wie »Cock Sparrer« und »Sham 69«[105] und erster deutscher Punk-Bands.[106] Dabei wechselten „nicht wenige Punks […] gegen Anfang der achtziger Jahre in die Skinhead-Szene, sei es, weil sich in Teilen der Punk-Bewegung ein Linkstrend abzuzeichnen begann, sei es, weil das Skinhead-Image ein härteres als das des Punks war.“[107]

Vergleichbar mit Großbritannien ist die Aufspaltung des Punk in Deutschland: Anfang der achtziger Jahre wurde der Punk einerseits politisch eindeutiger und zur „Begleitmusik linksradikaler Jugendlicher“[108], andererseits zeigt sich beispielsweise in den Texten des Albums »Jedem das Seine« der Punk-Band »Cotzbrocken« jegliche politische Gesinnung: „In der Tat bekommt auf dem disparaten Album nahezu jeder Punkstil seine klischeehaft stumpfe Hymne zugewiesen, der Sauf- und der Fun-Punk ebenso wie linker und rechter Gesinnungspunk.“[109] Schon kurz darauf gründeten sich die ersten deutschen Skinhead-Bands: so zum Beispiel »Endstufe« (1981) und »Kraft durch Froide« (1982), die neben den »Böhsen Onkelz« zu den bedeutenderen deutschen Bands in den achtziger Jahren gehörten.

Die Skinheads ignorierten zum großen Teil die britischen Wurzeln ihrer Subkultur und unterschieden sich zunehmend von den Punks durch nationalistische und rassistische Aussagen.[110] Die rechte Skinhead-Szene wurde wegen ihrer Gewaltbereitschaft und ihres Hangs zum Rassismus eine interessante Zielgruppe für Neonazis. So versuchte 1983 die »Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationaler Aktivisten« (ANS/NA) um den Neonazi Michael Kühnen ähnlich wie die »National Front« in Großbritannien jugendliche Anhänger in der Skinhead-Szene zu finden.[111] Während einige wenige Skinheads so in die organisierte Neonaziszene gelangten,[112] reagierte das Gros der Szene – unter anderem auch Bands wie »Kraft durch Froide« und die »Böhsen Onkelz« – ablehnend.[113] „Anders als die britische Szene versuchte die Deutsche [sic] von Beginn an, sich als politische Kraft jenseits klassischer Organisationen zu etablieren.“[114]

Aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrades, der sicherlich vor allem aus zahlreichen Medienberichten resultierte, soll im Folgenden die Gruppe »Böhse Onkelz« näher beschrieben werden: Die 1979 zunächst als Punk-Band in Frankfurt gegründeten »Böhsen Onkelz« sangen über linke Punk-Themen wie im Lied »Bullenschweine«[115], proklamierten „Punks und Skins für Zusammenhalt, gegen Euch und Eure Staatsgewalt. OiOiOi.“[116] und bezeichneten sich selbst als politisch uninteressiert.[117] Als rassistisch zu beurteilen ist das Lied »Türken raus«, erschienen auf einem Demo-Tape, das später oft als Beleg für die rechtsextremistische Gesinnung der Band herangezogen wurde:

Türken raus, Türken raus, Türken raus

Türken raus, Türken raus, Türken raus, alle Türken müssen raus

Türkenfotze nass rasiert, Türkenfotze glatt rasiert, Türkenfotze nass rasiert

Türken raus, Türken raus, Türken raus [118]

(»Böhse Onkelz: »Türken raus«, Demo-Tape 1982 o. 1983[119] )

Mit dem Wandel zur Skinhead-Band 1983 avancierten die »Böhsen Onkelz« zur Kultband und wurden in der Szene in einem Atemzug mit der in Deutschland zu diesem Zeitpunkt beliebten britischen Band »Skrewdriver« genannt.[120] Auf dem Label »Rock-O-Rama« erschien 1984 die erste LP der »Böhsen Onkelz«, »Der nette Mann«, das bis heute als eines der wichtigsten Alben der Rechtsrock-Geschichte gilt.[121] Inhaltlich präsentierten sich die »Böhsen Onkelz« jetzt und auch auf dem darauf folgenden Album »Böse Menschen – böse Lieder« deutsch-national, sangen über Fußball, Alkoholexzesse und den Skinhead-Kult, sexistische Männerfantasien; rassistische Elemente sind von da an in den Texten nicht mehr vorhanden.[122] Trotzdem wurde das Album »Der nette Mann« aufgrund des gleichnamigen Titelsongs als eines der ersten überhaupt 1986 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS)[123] indiziert.

Kleine Kinder hab ich gern, zerstückelt und in Scheiben

Warmes Fleisch, egal von wem, ich will's mit allem treiben

Ob Tiere oder Menschen, ich seh gern alles leiden

Blutbeschmiert und mit großer Lust wühl ich in Eingeweiden

Ich bin der nette Mann von nebenan

Und jeder könnt es sein

Schaut mich an, schaut mich an

Ich bin das perverse Schwein [124]

(»Böhse Onkelz«: »Der nette Mann«, LP »Der nette Mann« 1984, verboten)

Der bis heute anhaltende Erfolg des Albums ist sicherlich auch mit der durchaus werbewirksamen Indizierung zu erklären.[125] Auf die Indizierung folgte Ende 1986 ein gerichtliches Totalverbot der LP- und 1993 der CD-Version des Albums.[126]

Große Konzerte gab es in der Szene zunächst noch nicht. Eine Ausnahme war das erste deutsche »Rock gegen Links«-Festival bei Lübeck 1985,[127] auf dem die »Böhsen Onkelz« unter anderem neben der britischen Band »Die-Hards« und der noch unbekannten deutschen Band »Kahlkopf« spielten und an dem über 600 Skinheads teilnahmen. Ansonsten spielten die »Böhsen Onkelz« und auch die anderen Skinhead-Bands vor kleinem Publikum, hauptsächlich in Jugendclubs.[128]

Als es 1985 in Hamburg zu Überfällen von Skinheads kam, bei denen türkische Mitbürger ermordet wurden, wurde durch die Medien ein gewalttätiges, rassistisches Image der Skinheads in der Öffentlichkeit etabliert.[129] Während ein Teil der Skinheads daraufhin aus der Szene ausstieg,[130] setzte bei anderen eine politische Radikalisierung ein. Zunehmend kamen Jugendliche aus politischer Motivation in die Szene; für die organisierten Neonazis wurde es damit leichter, rechte Skinheads zu rekrutieren.[131] So stieg auch der Schlagzeuger von »Kraft durch Froide«, Andreas Pohl, mit seinem Eintritt 1985 in die Anfang der neunziger Jahre verbotene »Nationalistische Front« in die organisierte Neonazi-Szene ein.[132] Skinheads „[…] übernahmen bei Veranstaltungen der NPD, der Freiheitlich Deutschen Arbeiterpartei (FAP) und der Nationalistischen Front häufig den Saalschutz oder bildeten ein Mobilisierungspotential für Aktionen.“[133]

In der bis dahin eher kleinen rechten Musikszene gab es einen Generationswechsel. 1987 distanzierten sich die »Böhsen Onkelz« von der rechten Szene und begründeten dies mit dem zunehmenden Rechtsruck,[134] während sich die Band »Kraft durch Froide« ganz auflöste und Andreas Pohl sich nur noch der Kaderarbeit in der »Nationalistischen Front« widmete.[135] Nur »Endstufe« und »Kahlkopf« blieben in der rechten Musikszene. Ferner gab es ab 1987 zahlreiche Band-Neugründungen unter Namen wie »Commando Pernod«, »Kruppstahl«, »Störkraft« und »Sturmtrupp«. Die Bands orientierten sich musikalisch nur noch wenig an der Oi!-Musik, sondern vielmehr am Heavy Metal.[136]

„Prinzipiell schien Heavy Metal als Basissound für den Rechtsrock besser geeignet als der anarchisch-chaotische Oi!-Punk. Der Metal-Sound war klarer strukturiert, enthielt mehr bombastische Elemente und mehr Möglichkeiten der Integration von Midtempo-Stücken und sogar Balladen (im Oi!-Punk undenkbar), die wiederum die Textverständlichkeit erhöhten. Und darauf kam es schließlich an.“[137]

Waren die Songs inhaltlich anfangs größtenteils deutsch-national ausgerichtet[138] und vor allem durch Themen wie Alkohol, Gewalt und Fußball geprägt,[139] wurden sie nun mit politisch eindeutigen, d.h. offen rechtsextremen und neonazistischen Themen ergänzt.[140] Menhorn bilanziert: „Die ursprünglich rein provokative Haltung vieler früherer Bands war einer rechtsextremistischen Überzeugung bei den meisten neuen Musikgruppen gewichen.“[141]

Zur westdeutschen Ausgangslage der rechtsextremen Musikszene 1989 vor der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten schreiben Farin/Flad:

„Anfang 1989 existierten bereits rund 20 Bands, etwa gleich viele Fanzines, ein Dutzend (Cassetten-)Mailorder und mit Rock-O-Rama ein eigenes Rechtsrocklabel mit weltweitem Vertriebsnetz. Auch Konzerte gab es reichlich, allerdings in zumeist kleinem, privatem Rahmen, 30 bis 200 Leute, vom Verfassungsschutz nur selten registriert und von der Polizei allenfalls wegen der damit verbundenen Ruhestörung vorzeitig beendet.“[142]

Während es in der Bundesrepublik neben der dominierenden rechtsextremen Skinhead-Szene auch Skinheads, die sich als unpolitische und oft als Oi-Skins bezeichneten, und politisch linksorientierte Skinheads (SHARP-Skins) gab,[143] hatte sich im Laufe der achtziger Jahre in der DDR eine ausschließlich rechtsextreme Szene als Systemopposition entwickelt.[144] Die rechtsextreme Skinhead-Szene hatte in der DDR keine eigenen Bands[145] und damit keine Konzertkultur, verfügte auch nicht über eigene Fanzines. Teilweise wurden jedoch Tonträger, Fanzines sowie szenetypische Bekleidung aus der Bundesrepublik über die innerdeutsche Grenze geschmuggelt.[146]

3.2.2 1989 bis 1993: Radikalisierung

Mit der Öffnung der Berliner Mauer wurde von Medien und Politik die geeinte Nation mit der Forderung nach der nationalen Einheit popularisiert.[147] Währenddessen konnte sich die rechtsextreme Szene in Ostdeutschland ab 1989 weiterentwickeln und wurde zur Hoffnung westdeutscher Rechtsextremisten. Es wurden erste neonationalsozialistische Organisationen wie die »Nationale Alternative« (NA) gegründet und westliche Organisationen wie die FAP und die 1989 gegründete »Deutsche Alternative« (DA) bildeten in Ostdeutschland Ortsgruppen.[148]

Auch die Musikszene hatte Ostdeutschland als großes Potential erkannt:

„Die Maueröffnung schuf also unmittelbar einen neuen Markt für rechtsextreme Kulturprodukte […]. Die Folge: Dutzende von Bands und Vertriebsnetzen entstanden und fanden im Osten dankbare Abnehmer.“[149]

Bandneugründungen erfolgten ab 1989 sowohl in West- als auch in Ostdeutschland.[150] Während es in den achtziger Jahren eher wenige veröffentlichte LPs bzw. CDs gab und die Musik hauptsächlich über Demo-Tapes vertrieben wurde, stieg die Veröffentlichung rechtsextremer Tonträger Anfang der neunziger Jahre beständig an.[151] Hinsichtlich der Veröffentlichung rechtsextremer Musik hatte Herbert Egoldt in den achtziger Jahren eine Art Monopolstellung mit seinem szenefremden, rein kommerziellen Label »Rock-O-Rama«.[152] Anfang der neunziger Jahre erschienen auf weiteren, neu gegründeten szeneeigenen Labels wie »Walzwerk-Records«, »Skull Records« und »Dim Records« rechte Tonträger.[153] Weiterhin gab es aber auch semiprofessionelle Demo-Tapes, auf denen oft extremere inhaltliche Aussagen zu finden sind als auf den Label-Veröffentlichungen.[154] Ab 1990 stieg die Anzahl der Konzerte, die vorwiegend in Ostdeutschland stattfanden[155] und teilweise von politischen Organisationen wie der »Nationalen Front« und der FAP veranstaltet wurden. So organisierte beispielsweise die »Deutsche Alternative« ein Konzert in der Nähe von Cottbus, auf dem Bands wie »Störkraft«, »Radikahl« und auch »Skrewdriver« vor über 800 Skinheads spielten.[156]

Der schon Ende der achtziger Jahre aufkommende Trend zu politisch beziehungsweise ideologisch eindeutigeren Bandnamen setzte sich fort:[157] »Freikorps, »Oithanasie«, »Stuka«, »Radikahl«. Auch der Trend zu rechtsextremistischen, neonazistischen Songtexten verschärfte sich Anfang der neunziger Jahre. Flad schreibt dazu:

„In keiner anderen Phase in der Geschichte des Rechtsrock wurden, gemessen an der Gesamtmenge der erschienenen Produktionen, derart viele Texte mit offenen Mordaufrufen, eindeutiger Verherrlichung des Nationalsozialismus und übelster Hetze publiziert wie in der Phase zwischen 1989 und 1993.“[158]

Scheinbar galt es zu dieser Zeit möglichst radikale Songtexte zu schaffen, während das musikalische Können zumindest bei den zahlreichen unbedeutenderen Bands im Hintergrund stand. Über diese urteilt Menhorn: „Häufig waren es Gruppen, deren Bandmitglieder kaum ihre Instrumente in der Hand halten konnten, geschweige denn Talent zum Schreiben eingängiger Lieder besaßen.“[159]

Die folgenden Textausschnitte stammen aus Songs, die immer wieder in Presseberichten zitiert wurden und die Anfang der neunziger Jahre zu den meistgespielten, oft von anderen Bands gecoverten Songs bei rechten Konzerten wurden. Der Song der Gruppe »Tonstörung« ist eine Adaption eines alten SA-Lieds.[160]

Häng dem Adolf Hitler, häng dem Adolf Hitler

Häng dem Adolf Hitler den Nobelpreis um

Hiss die rote Fahne, hiss die rote Fahne

Hiss die rote Fahne mit dem Hakenkreuz[161]

(»Radikahl«: »Hakenkreuz«, Demo-Tape »Retter Deutschlands« 1991[162] )

Wetz dir deine Messer auf dem Bürgersteig

Lasst die Messer flutschen in den Judenleib

Blut muss fließen, knüppelhageldick

Und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik [163]

(»Tonstörung«: »Blut muß fließen«, Demo-Tape »Deutsche marschiert wider den undeutschen Geist« 1992)

Im Zuge des explosionsartigen Anstiegs von Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund[164] und der Angriffe und Brandanschläge auf Asylbewerberheime in Hoyerswerda (September 1991), Rostock (August 1992) und Mölln (November 1992), berief sich die Gruppe »Kraftschlag«, die zu einer der extremsten Bands dieser Zeit zählte, affirmativ auf diese Art von Angriffen.

Wir sind stolz, keiner kann uns leiden

Doch wir lieben nur unser Land

Darum haben wir aus Wut und Trotz

Das Asylantenheim unserer Stadt abgebrannt[165]

(»Kraftschlag«: »Du bist stolz«, LP/CD »Trotz Verbot nicht tot« 1992, verboten)

1992 geriet Rechtsrock zum ersten Mal in den Blick der Medien, der Politik und des Jugendschutzes und damit auch einer breiteren Öffentlichkeit. Anlass war die oben genannte Gewalteskalation.[166] Während man nach Auswertung der Daten über Tatverdächtige in Untersuchungen feststellte, dass der Mehrheit der Tatverdächtigen latente Affinitäten oder gar direkte Zugehörigkeiten zu Skinhead- und anderen Gruppen nachzuweisen war, der Großteil der Täter aber normale, „unauffällige“ Jugendliche waren,[167] brachte man in der Öffentlichkeit die Taten unreflektiert mit rechtsextremer Musik in Zusammenhang. „Gebehtsmühlenartig [sic] taucht in den Medien ab Frühjahr 1992 die Behauptung auf, im Anschluß an Konzerte einschlägiger Rockgruppen sei es zu ‚Ausschreitungen‘ und ‚Übergriffen‘ vor allem auf Flüchtlingsunterkünfte gekommen […].“[168] Dieser Kausalzusammenhang ist sicher nicht so eindeutig herzustellen, wohl aber ein Zusammenhang zwischen dem Erfolg der Band »Störkraft« und ihrer Präsenz in den Medien. So führte der »Spiegel« 1992 ein Interview mit der Gruppe und ihrem damaligen Manager Torsten Lemmer[169] und die Band trat im gleichen Jahr unter anderem in der »SAT1«-Sendung »Einspruch« als Diskussionsteilnehmer auf[170] – „[...] bis nun wirklich jeder Vierzehnjährige im ganzen Land wußte, was in war, und nicht wenige tatsächlich begannen, die Kaufhäuser zu stürmen, auf der Suche nach den ‚ultraharten Nazi-Bands‘.“[171] Sowohl der eigene Erfolg der Band als auch der allgemeine Boom des Rechtsrock zu dieser Zeit resultierten wohl zum großen Teil aus der Medienpräsenz der Gruppe »Störkraft«. Menhorn urteilt: „Besonders Störkraft hatten an der Massenwirkung des Rechtsrock einen gewichtigen Anteil, wurden sie doch von der Presse zur Vorzeige-Band der rechten Szene stilisiert.“[172] Die Anzahl der verkauften Tonträger von »Störkraft« und auch anderen Gruppen stieg merklich an, wobei die Verkaufszahlen sehr viel höher waren als die Anzahl rechtsextremer Skinheads in der Gesellschaft. Menhorn schließt daraus (wie Farin, s.o.), dass Rechtsrock nicht mehr nur von Skinheads gehört wurde, sondern auch von „Mainstream-Jugendlichen“.[173]

Ab Ende 1992 kam es zu Verboten neonazistischer Organisationen wie der »Nationalen Front« (NF) und der »Deutschen Alternative« (DA) durch das Bundesinnenministerium;[174] auch die rechte Skinhead-Szene geriet zunehmend in den Blick staatlicher Verfolgungsorgane. Parallel dazu machte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) ab Oktober 1992 erstmals Gebrauch von weitreichenden Indizierungsmaßnahmen hinsichtlich rechtsextremer Tonträger, so dass nach Angaben Menhorns bis 1994 über 100 Alben und Sampler und zusätzlich zahlreiche Demo-Tapes auf dem Index standen.[175] Schon kurz darauf – im Februar 1993 – fanden unter dem Decknamen »Aktion Notenschlüssel« bundesweit polizeiliche Haus- und Geschäftsdurchsuchungen bei Mitgliedern von zehn Rechtsrock-Bands und zwei Produktionsfirmen statt, bei denen 30.000 Tonträger beschlagnahmt wurden.[176] Aus der Aktion gewonnene Ergebnisse hatten im Folgenden Einfluss auf staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren,[177] die zum großen Teil gegen Bandmitglieder erhoben wurden und auf fast alle führenden Bands der Szene Auswirkungen hatten. In vielen Fällen kam es zu Bewährungs- und Geldstrafen. Im Zuge ihrer Verurteilungen lösten sich Bands wie »Tonstörung« und »Störkraft« auf,[178] einige wenige Mitglieder anderer Bands gingen zunächst ins Ausland, während andere eine Zwangspause einlegten, jedoch weiter – wie die Gruppen »Radikahl, »Kraftschlag«, »Noie Werte« und »Endstufe« – bestehen blieben.[179]

Außerdem kam es ab 1991, vor allem aber im Zuge der »Aktion Druckstock« 1993, zu Ermittlungsverfahren und damit zu Strafen für Herausgeber von Skinhead-Fanzines.[180]

Unterdessen gewann vor allem die unpolitische Skinhead-Szene Zulauf. Infolge dieser Entwicklung gab es einen regelrechten Boom neu gegründeter deutscher Oi!-Bands und auch der Ska erlebte ein Revival.[181]

3.2.3 1994 bis heute: Zwischen Anpassung und Underground

Zunächst war es dem Staat gelungen, die Rechtsrock-Szene durch Repressionen einzuschränken. Legale Tonträgerveröffentlichungen mit neonazistischen Songtexten wurden unmöglich und auch Konzerte wurden (und werden bis heute) nur noch unter strenger Abschirmung veranstaltet,[182] da sonst ein sofortiges Verbot und die Auflösung eines Konzertes droht. Dies bedeutet aber nicht, dass es dadurch weniger Konzerte gab. Im Gegenteil: ab 1995 stieg die Zahl solcher Veranstaltungen stetig an.[183] Und auch weitere Bandneugründungen folgten ab 1994.[184] Im Jahr 2003 wurden vom Verfassungsschutz 95 Bands gezählt, die bei Konzerten auftraten und/oder Tonträger veröffentlichten.[185]

Der Erfolg der staatlichen Maßnahmen hielt nicht lange an. Hatte die Szene zunächst einen tiefen Einschnitt zu verkraften, erholte sie sich doch recht schnell und wurde professioneller.[186] Die Tonträgerveröffentlichungen stiegen nach einem leichten Rückgang 1993 ab 1994 wieder an. 1997 und 1998 war die Anzahl rechtsextremer Tonträgerveröffentlichungen in Deutschland mit jeweils 114 Tonträgern fast viermal so hoch wie 1992.[187] Es ist festzustellen, dass seit 1997 zunehmend kleine Labels und Vertriebe existieren und nicht mehr nur große Labels wie »Rock-O-Rama« und »Funny Sounds« den Markt dominieren. Waren es bis 1997 nie mehr als zehn Labels und Vertriebe gleichzeitig gewesen, waren es nun mehr als 40.[188]

Ab etwa 1994 entstanden zweierlei Arten von Songtexten und damit Produktionen für den illegalen Markt und für den „offiziellen“ Markt. So passte der Großteil der Bands die Inhalte dem strafrechtlich erlaubten Rahmen an. Statt direkter Bezüge auf den Nationalsozialismus finden sich in diesen Texten Andeutungen und Kodifizierungen.[189] Die Redaktion von »RockNord« erklärt dazu in einem Interview mit der Band »Macht & Ehre«: „Man kann doch so viele ‚böse‘ Dinge mit ‚netten‘ Worten umschreiben und damit unterm Strich viel mehr sagen ...“.[190] Zu diesem Zweck kamen oft Rechtsanwälte zur Hilfe, die die Texte vor der Veröffentlichung zunächst auf ihre Legalität prüften, Hinweise auf strafbare Inhalte gaben und – so Farin – den Bands auch halfen, Anspielungen so zu formulieren, dass sie juristisch nicht mehr anfechtbar waren.[191] Der Einsatz von Rechtsanwälten wurde zumindest bei professionellen Labels wie »Funny Sounds« üblich.[192] Farin urteilt über die kodifizierten Texte: „Das mag weniger brutal klingen, ist aber auch politik- und mehrheitsfähiger und deutlich auf Wirkung bedacht.“[193]

Beispielhaft für Anspielungen auf rechtsextreme Vorstellungen ist folgender Textauszug eines nicht indizierten Albums:

[...]


[1] Funk-Hennigs, Erika/Jäger, Johannes: Rassismus, Musik und Gewalt. Ursachen – Entwicklungen – Folgerungen. 2. überarb. Aufl. Münster 1996. S. 42. [Im Folgenden als „Funk-Hennigs/Jäger: Rassismus.“ angegeben]

[2] Dornbusch, Christian/Raabe, Jan: Einleitung. In: Dornbusch, Christian/Raabe Jan (Hrsg.): RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002. S. 10. [Im Folgenden als „Dornbusch/Raabe: Einleitung.“] – Zur ausführlichen Beschreibung der Verwendung und Bedeutung von Liedern in unterschiedlichen Organisationen während der Zeit des Nationalsozialismus vgl. die folgende Aufsatzsammlung: Niedhart, Gottfried/Broderick, George (Hrsg.): Lieder in Politik und Alltag des Nationalsozialismus. Frankfurt a. M. 1999.

[3] Vgl. Funk-Hennigs/Jäger: Rassismus. S. 126-134.

[4] „Moderne“ Popularmusik wird hier abgrenzt gegen einen Popularmusikbegriff, der Volkslieder mit einbezieht. Zur ausführlichen Begriffsklärung des Terminus „Popularmusik“ vgl. Büsser, Martin: Wie klingt die Neue Mitte? Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popularmusik. Mainz 2001. S. 9-13. [Im Folgenden als „Büsser: Mitte.“]

[5] Aus Gründen der Lesbarkeit des Textes wird in der vorliegenden Arbeit durchgehend das maskuline Genus verwendet. Wo vereinzelt die feminine Form gewählt wird, ist dies ausdrücklich gewollt.

[6] Michael Weiß schätzt, dass in Deutschland zwischen 1991 und 2000 von etwa 100 Bands 500 verschiedene Tonträger produziert und in einer Gesamtauflage von 1,5 Millionen vertrieben wurden. Vgl. Weiß, Michael: Begleitmusik zu Mord und Totschlag. Rechtsrock in Deutschland. In: Searchlight. Antifaschistisches Infoblatt. Enough is enough. (Hrsg.): White Noise: Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour – Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene. 3. Aufl. Münster 2001. S. 67. [Im Folgenden als „Weiß: Begleitmusik.“]

[7] Hierbei kann für die einzeln aufgegriffenen Aspekte kein Anspruch auf Vollständigkeit bestehen; viele Einzelaspekte ließen sich nur im Rahmen einer ausführlicheren wissenschaftlichen Studie genauer betrachten.

[8] Beispielhaft zu erwähnen wären in diesem Zusammenhang lediglich folgende musikpädagogische Aufsätze: Funk-Hennigs, Erika: Über die Rolle der Musik in der Alltagskultur der Skinheads. In: Rösing, Helmut (Hrsg.): Musik der Skinheads und ein Gegenpart: Die „Heile Welt“ der volkstümlichen Musik. Beiträge zur Popularmusikforschung 13. Baden-Baden 1994. S. 46-78. [Im Folgenden als „Funk-Hennigs: Rolle.“], Müller, Renate: Oi!-Musik und fremdenfeindliche Gewalt. Zur kulturellen Identität von Skinheads. In: Musik und Bildung. Praxis Musikerziehung. Bd. 3/94. Mainz 1994. S. 46-50. [Im Folgenden als „Müller: Oi!-Musik.“] – Zudem ist auf die Aufsatzsammlung „Rechte Musik“ der Schriftenreihe »PopScriptum« des Forschungszentrum Populäre Musik der Humboldt-Universität zu Berlin zu verweisen, die allerdings hauptsächlich journalistische und sozialwissenschaftliche Texte enthält, einzusehen unter http://www2.rz.hu-berlin.de/fpm/popscrip/

themen/pst05/index.htm [letzter Zugriff am 1.05.2004], – Eine Nutzung „klassischer“ musikwissenschaftlicher Recherchemittel wie der Aufsatzdatenbank „MusicSearch“ und der Internationalen Bibliothek des Musikschrifttums erwies sich als unmöglich, da diese keine musikwissenschaftlichen Ergebnisse zum Thema „Rechtsextreme Musik“ liefern konnten.

[9] Als besonders umfassende und aktuelle Darstellungen „rechtsextremer“ Popularmusik sind hier folgende, sich ausschließlich auf diese Thematik beziehende Sammelbände mit wissenschaftlichen und journalistischen Beiträgen hervorzuheben. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich unter den Autoren der in diesen Sammelbänden enthaltenen Beiträge kein Musikwissenschaftler befindet. Archiv der Jugendkulturen (Hrsg.): Reaktionäre Rebellen. Rechtsextreme Musik in Deutschland. Berlin 2001.; Dornbusch, Christian/Raabe, Jan (Hrsg.): RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002.; Baacke, Dieter/Farin, Klaus/Lauffer, Jürgen (Hrsg.): Rock von Rechts II. Milieus, Hintergründe und Materialien. 2. Aufl. Bielefeld 2000. – Des Weiteren ist hier auf die Arbeit zum Themenbereich „Rechtsextreme Musik“ des »Archivs der Jugendkulturen e.V.« (Zusammenschluss von Journalisten und Wissenschaftlern) und seines Leiters, des Journalisten Klaus Farin, hinzuweisen. Farin ist renommierter Kenner vor allem der Skinhead-Szene und veröffentlichte zahlreiche Schriften zu den Themen „Rechtsrock“, „Skinhead-Kultur“ und „Jugendkulturen“ insgesamt. Mit dem Thema „rechtsextreme Musik“ setzt sich umfassend auch die Arbeitsstelle Neonazismus an der Fachhochschule Düsseldorf um den Mitarbeiter Christian Dornbusch auseinander.

[10] Es soll nicht verschwiegen werden, dass die meisten der verwendeten Tonträger nicht auf legalem Wege zu beziehen sind. Dementsprechend finden sich keine Einträge dieser Tonträger in der Nationalbibliothek, Reihe M.

[11] Das Filmmaterial ermöglicht vor allem einen Zugriff auf Originalwortlaute aus der Szene, die oft gute Einblicke in die Gedankenwelt und Meinungen Szeneangehöriger bieten.

[12] Winkler, Jürgen R.: Rechtsextremismus. Gegenstand – Erklärungsansätze – Grundprobleme. In: Schubarth, Winfried/Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz. Bonn 2000. S. 39.

[13] Stöss, Richard: Rechtsextremismus im vereinten Deutschland. Berlin 2000. S. 16. [Im Folgenden als „Stöss: Rechtsextremismus.“]

[14] Ebd. S. 17.

[15] Vgl. ebd. S. 20.

[16] Vgl. Heitmeyer, Wilhelm: Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen. Empirische Ergebnisse und Erklärungsmuster einer Untersuchung zur politischen Sozialisation. 4. ergänzte Aufl. Weinheim; München 1992. S. 16.

[17] Jaschke, Hans-Gerd: Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Begriffe – Positionen – Praxisfelder. 2. Aufl. Wiesbaden 2001. S. 29. [Im Folgenden als „Jaschke: Rechtsextremismus.“]

[18] Ebd. S. 30.

[19] Jaschke: Rechtsextremismus. S. 30. Eine ähnliche Definition findet sich auch bei Butterwegge. Vgl. Butterwegge, Christoph: Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt. Erklärungsmodelle in der Diskussion. Darmstadt 1996. S. 27. [Im Folgenden als „Butterwegge: Rechtsextremismus.“]

[20] Vgl. Behringer, Martin: Ansätze der politischen Bildungsarbeit zum Thema rechtsextreme Musik. Diplomarbeit Freie Universität Berlin 2002. [Standort: Archiv der Jugendkulturen e.V. Berlin] S. 11.

[21] Unter dem Begriff „Szene“ werden nach Hitzler/Bucher/Niederbacher „thematisch fokussierte kulturelle Netzwerke von Personen, welche bestimmt materiale und/oder mentale Formen der kollektiven Selbststilisierung teilen und Gemeinsamkeiten in Abständen an (mehr oder minder) typischen Orten und zu typischen Zeiten interaktiv aktualisieren, stabilisieren und weiterentwickeln“ verstanden. Vgl. Hitzler, Roland/Bucher, Thomas/Niederbacher, Arne: Leben in Szenen. Formen jugendlicher Vergemeinschaftung heute. Opladen 2001. S. 20. – Mit dem Begriff der „rechtsextremen Szene“ allgemein werden – die genannte Definition hier erweiternd – im Folgenden sowohl organisierte als auch unorganisierte rechtsextreme Gruppierungen (wie Parteien, freie Kameradschaften, die rechtsextreme Skinhead-Szene, Netzwerkorganisationen) verstanden.

[22] Vgl. Pfahl-Traughber, Armin: Der organisierte Rechtsextremismus nach 1945. Zur Entwicklung auf den Handlungsfeldern. Aktion – Gewalt – Kultur – Politik. In: Schubarth, Winfried/Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz. Bonn 2000. S. 78-79.

[23] Butterwegge: Rechtsextremismus. S. 30.

[24] Vgl. Brockhaus Enzyklopädie: Ideologie. In: Brockhaus Enzyklopädie. 19., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 10. Mannheim 1992. S. 374.

[25] Stöss, Richard: Ideologie und Strategie des Rechtsextremismus. In: Schubarth, Wilfried/Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz. Bonn 2000. S. 101.

[26] Vgl. Funk-Hennigs/Jäger: Rassismus. S. 31.

[27] Vgl. Hellfeld, Matthias von: Modell Vergangenheit. Rechtsextreme und neokonservative Ideologien in der Bundesrepublik. Köln 1987. S. 19.

[28] Vgl. dazu die Beschreibung der Rassenlehren von Gobineau und Chamberlain bei Funk-Hennigs/Jäger: Rassismus. S. 33-34. – Eine modernisierte Form des biologisch begründeten Rassismus ist das Konzept des Ethnopluralismus. Dabei werden die „Rassen“ als gleichwertig beschrieben. Jedoch wird eine Vermischung der „Rassen“ abgelehnt und die Selbstständigkeit und Eigenart der Ethnien gefordert. Vgl. dazu ausführlich Dietzsch, Martin: Zwischen Konkurrenz und Kooperation. Organisationen und Presse der Rechten in der Bundesrepublik. In: Jäger, Siegfried (Hrsg.): Rechtsdruck. Die Presse der Neuen Rechten. Berlin; Bonn 1988. S. 31-80.

[29] Vgl. Butterwegge: Rechtsextremismus. S. 123.

[30] Zur Abgrenzung von eng und weit gefasstem Rassismusbegriff vgl. auch Memmi, Albert: Rassismus. Frankfurt am Main 1987. Memmi entwickelte einen Rassismusbegriff, der auf beide Definitionsformen anwendbar ist. Seine Definition soll hier jedoch nicht als Grundlage verwendet werden.

[31] Vgl. Butterwegge, Christoph: Der Funktionswandel des Rassismus und die Erfolge des Rechtsextremismus. In: Butterwegge, Christoph/Jäger, Siegried: Rassismus in Europa. Köln 1992. S. 182.

[32] Vgl. Stöss: Rechtsextremismus. S. 26. Einzelne Aspekte und Ausformungen antisemitischer Vorstellungen werden direkt in der Betrachtung der Songtexte herausgestellt. Vgl. Kapitel 5.2.3.2.

[33] Vgl. zu den einzelnen Behauptungen ausführlich Pfahl-Traughber, Armin: Revisionistische Behauptungen und historische Wahrheit. Zur Kritik rechtsextremistischer Geschichtslegenden. http://www.hlz.hessen.de/inde

x.html?publikationen.html [letzter Zugriff am 1.05.2004]. [Die Angabe des Datums bezieht sich im Folgenden immer auf den letzten Zugriff auf die Online-Quelle.]

[34] Vgl. Stöss: Rechtsextremismus. S. 25.

[35] Patriotismus meint Vaterlandsliebe im Sinne einer Orientierung am Staatswesen und seiner politischen Tradition und die gefühlsbetonte Hingabe an das überpersönliche staatliche Gesetz. Vgl. Der große Brockhaus: Patriotismus. In: Der große Brockhaus. 18., völlig neubearb. Aufl. Bd. 8. Wiesbaden 1979. S. 581.

[36] Vgl. Der große Brockhaus: Nationalismus. In: Der große Brockhaus. 18., völlig neubearb. Aufl. Bd. 8. Wiesbaden 1979. S. 125.

[37] Stöss: Rechtsextremismus. S. 25.

[38] Vgl. Kleinert, Corinna/Rijke, Johann de: Rechtsextreme Orientierungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In: Schubarth, Wilfried/Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz. Bonn 2000. S. 177.

[39] Vgl. Fuchs, Marek/Lamnek, Siegfried/Wiederer, Ralf: Querschläger. Jugendliche zwischen rechter Ideologie und Gewalt. Opladen 2003. S. 31-33.

[40] Vgl. Annas, Max: Diktatur und Alltag. Bilder aus der Heimat. In: Annas, Max/Christoph, Ralf (Hrsg.): Neue Soundtracks für den Volksempfänger. Nazirock, Jugendkultur und rechter Mainstream. 3. Aufl. Berlin 1994. S. 71.

[41] Vgl. Menhorn, Christian: Skinheads: Portrait einer Subkultur. Baden-Baden 2001. S. 187. [Im Folgenden als „Menhorn: Skinheads.“]

[42] Vgl. Pötsch, Sven: Rechtsextreme Musik. In: Grumke, Thomas/ Wagner Bernd (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Opladen 2002. S. 117.

[43] Vgl. u.a. den Titel des Buches: Dornbusch, Christian/Raabe Jan (Hrsg.): RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002.

[44] Vgl. u.a. Kruse, Matthias: Oi-Musik. Rechtsradikales auf dem Schulhof. In: Musik und Bildung. Praxis Musikerziehung. Bd. 2/93. Mainz 1993. S. 53. – Zur Entstehung und Bedeutung des Begriffs „Oi!-Musik“ siehe Kapitel 3.1.2.

[45] Dollase, Rainer: Welche Wirkung hat der Rock von Rechts? In: Baacke, Dieter/Farin, Klaus/Lauffer, Jürgen (Hrsg.): Rock von Rechts II. Milieus, Hintergründe und Materialien. 2. Aufl. Bielefeld 2000. S. 107. [Im Folgenden als „Dollase: Wirkung.“]

[46] Ebd. S. 108.

[47] Zur Bedeutung anderer Aspekte des Kontextes vgl. ebd. S. 107/108.

[48] Seeßlen, Georg: Gesänge zwischen Glatze und Scheitel. Anmerkungen zu den musikalischen Idiomen der RechtsRock-Musik. In: Dornbusch, Christian/Raabe Jan (Hrsg.): RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002. S. 134. [Im Folgenden als „Seeßlen: Gesänge.“]

[49] Farin, Klaus/Seidel, Eberhard: Skinheads. 5., neubearb. u. erw. Aufl. München 2002. S. 26. [Im Folgenden als „Farin/Seidel: Skinheads.“] Die Bezeichnung „Skinhead“ kam erst 1969 auf. Vgl. Farin/Seidel: Skinheads. S. 32.

[50] Eine umfassende Beschreibung der jugendkulturellen Wurzeln der Skinheads befindet sich u.a. bei Menhorn: Skinheads. S. 12-20.

[51] Vgl. Ferchhoff, Wilfried: Musik- und Jugendkulturen in den 50er und 60er Jahren. Vom Rock 'n' Roll der „Halbstarken“ über den Beat zum Rock und Pop. In: Baacke, Dieter (Hrsg.): Handbuch Jugend und Musik. Opladen 1998. S. 238.

[52] Vgl. Farin/Seidel: Skinheads. S. 31.

[53] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 35.

[54] Vgl. Farin/Seidel: Skinheads. S. 32. Vgl. .

[55] Farin/Seidel: Skinheads. S. 32.

[56] Dornbusch, Christian/Raabe, Jan: RechtsRock. Vom Skinhead-Rock zur Alltagskultur. In: Dornbusch, Christian/Raabe Jan (Hrsg.): RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002. S. 20. [Im Folgenden als „Dornbusch/Raabe: RechtsRock.“]

[57] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 27-32 – Zur ausführlichen Darstellung aktueller, nicht sehr von den Ursprüngen abweichenden Bekleidungs-Codes vgl. Flad, Henning: Kleider machen Leute. Rechtsextremismus und Kleidungsstil. In: Archiv der Jugendkulturen (Hrsg.): Reaktionäre Rebellen. Rechtsextreme Musik in Deutschland. Berlin 2001. S. 99-116.

[58] Farin, Klaus: Urban Rebels. Die Geschichte der Skinheadbewegung. In: Farin, Klaus (Hrsg.): Die Skins. Mythos und Realität. Aktual. Neuaufl. Bad Tölz 2001. S. 24. [Im Folgenden als „Farin: Rebels.“]

[59] Farin/Seidel: Skinheads. S. 38.

[60] Häusler, Alexander: Szene, Stil, Subkultur oder Bewegung? In: Dornbusch, Christian/Raabe Jan (Hrsg.): RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002. S. 275. [Im Folgenden als „Häusler: Szene.“]

[61] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 21. Vgl. auch Farin/Seidel: Skinheads. S. 39-43.

[62] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 21.

[63] Farin: Rebels. S. 29.

[64] Vgl. Wicke, Peter/Ziegenrücker, Kai-Erik/Ziegenrücker, Wieland: Punk Rock. In: Wicke, Peter/Ziegenrücker, Kai-Erik/Ziegenrücker, Wieland: Handbuch der populären Musik. 3., überarb. u. erw. Aufl. Zürich 1997. S. 407. [Im Folgenden als „Wicke et al.: Punk Rock.“]

[65] Kennzeichnend waren bunt gefärbte Haare, Irokesenhaarschnitte, zerrissene Kleidung. Vgl. Farin/Seidel: Skinheads. S. 43.

[66] Wicke et al.: Punk Rock. S. 408.

[67] Zur Entstehung des Punk, zu den Bands und der Punk-Szene vgl. ausführlich Baacke, Dieter: Punk und Pop. Die siebziger und achtziger Jahre. In: Baacke, Dieter: Handbuch Jugend und Musik. Opladen 1998. S. 260-270.

[68] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 39-41.

[69] Büsser: Mitte. S. 22.

[70] Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 22.

[71] Parallel dazu gab es ein „Ska-Revival“ in Form des »Two-Tone-Reggae« (eine Mischung aus Ska- und Punkelementen). Bekanntere Bands als Vertreter dieses Stils waren »The Specials«, »Bad Manners«, »Madness«. Im Zuge dessen hatten auch Stars des Ska der sechziger Jahre wie Laurel Aitken ein Comeback. Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 68-71.

[72] Farin/Seidel: Skinheads. S. 45.

[73] Es sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass einige deutsche Bands in Anspielung auf diese Bezeichnung statt der Buchstabenfolge „eu“ „oi“ verwenden, sichtbar beispielsweise in Bandnamen wie »Kraft durch Froide«.

[74] Im Folgenden als Oi!-Musik bezeichnet.

[75] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 22 sowie Menhorn: Skinheads. S. 44.

[76] Vgl. Anlage 3.2 (CD-ROM).

[77] Die »National Front« propagierte einen ethnozentristischen Nationalismus und forderte eine Beendigung der farbigen Immigration. Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 23. Zudem orientierte sich die NF am Nationalsozialismus. Vgl. Farin/Seidel: Skinheads. S. 52.

[78] So widmete sich besonders die Jugendorganisation der NF, die »Young National Front«, den Jugendlichen. Zur Rekrutierung fanden Kampagnen in Fußballstadien, Jugendclubs und bei Rockkonzerten statt. Vgl. Nevill, Andrew: The Good, the Bad and the Skins. Die Geschichte der Skinhead-Bewegung in England. In: Annas, Max/Christoph, Ralf (Hrsg.): Neue Soundtracks für den Volksempfänger. Nazirock, Jugendkultur und rechter Mainstream. 3. Aufl. Berlin 1994. S. 53-54.

[79] Eine Initiative, die sich gegen den wachsenden Rechtsextremismus in Großbritannien wandte. Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 56-59.

[80] Vgl. Lowles, Nick/Silver, Steve: Vom Skinhead zum Bonehead. Die Wurzeln der Skinheadkultur. In: Searchlight. Antifaschistisches Infoblatt. Enough is enough. (Hrsg.): White Noise: Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour – Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene. 3. Aufl. Münster 2001. S. 24. Vgl. zu den näheren Umständen der Eskalation in Southhall auch Farin/Seidel: Skinheads. S. 56-58.

[81] Farin/Seidel: Skinheads. S. 58.

[82] Mit „Oi!“ wurde danach Anfang der achtziger Jahre vor allem rechte Skinhead-Musik bezeichnet. Erst seit Anfang der neunziger Jahre stand dieser Begriff hauptsächlich wieder für „unpolitische“ Skinhead-Musik. Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 72.

[83] Vgl. Mengert, Christoph: „Unsere Texte sind deutsch…“. Skinhead-Bands in der Bundesrepublik Deutschland. (Nachdruck der Ausgabe von 1994) Brühl 1996. S. 40. [Im Folgenden als „Mengert: Texte.“]

[84] Im Folgenden Ian Stuart genannt. In der Szene wird Ian Stuart Donaldson nur mit seinem Künstlernamen Ian Stuart bezeichnet. Vgl. ebd.

[85] Dornbusch/Raabe und Menhorn sprechen von Street-Punk-Band vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 23. und Menhorn: Skinheads. S. 73. Farin beurteilt »Skrewdriver« als Rock-Band. Vgl. Farin, Klaus: „In Walhalla sehen wir uns wieder…“. In: Farin, Klaus (Hrsg.): Die Skins. Mythos und Realität. Aktual. Neuaufl. Bad Tölz 2001. S. 218. [Im Folgenden als „Farin: Walhalla.“]

[86] Vgl. u.a. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 23.

[87] Zu den Gründen vgl. Menhorn: Skinheads. S. 73.

[88] Vgl. Farin: Walhalla. S. 211.

[89] »Bulldog« war das Magazin der »Young National Front«. Vgl. u.a. Mengert: Texte. S. 43.

[90] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 74.

[91] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 24.

[92] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 75.

[93] » Skrewdriver« zitiert nach und ins Deutsche übersetzt von Farin: Walhalla. S. 211. Dass es sich um einen frühen Song handelt, wird bei Farin deutlich. Allerdings war nicht zu ermitteln, auf welchem Album und wann er erschienen ist.

[94] Vgl. Anlage 3.2 (CD-ROM).

[95] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 76.

[96] Mengert: Texte. S. 41.

[97] Menhorn bezeichnet das Album als Meilenstein der »White Power Musik« und begründet den Erfolg vor allem mit der vergleichsweise hochwertigen Musik. Vgl. Menhorn: Skinheads S. 76.

[98] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 24.

[99] Zu den Gründen vgl. Menhorn: Skinheads. S. 77-78.

[100] Zur Netzwerkorganisation »Blood & Honour« siehe Kapitel 4.2.1.

[101] 1991. Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 213. Einen Beleg für seine Quelle gibt Menhorn nicht an.

[102] Vgl. dazu Kapitel 5.2.2.1.

[103] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 88-89.

[104] Zur Beschreibung der unterschiedlichen Entwicklung von Skinhead-Szenen in den Großstädten. Vgl. ausführlich Menhorn: Skinheads. S. 143-148.

[105] Vgl. Farin: Rebels. S. 44.

[106] Wie im britischen Punk handelten die Texte „[…] vom alltäglichen Frust, der Perspektivlosigkeit zwischen steigender Arbeitslosigkeit und gesättigter Wohlstandsgesellschaft, der Verweigerung gegenüber bürgerlichen Normen, der Abgrenzung gegen andere ‚konforme‘ Jugendliche sowie der Auseinandersetzung mit der Polizei.“Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 26.

[107] Menhorn: Skinheads. S. 137. Vgl. auch Farin: Rebels. S. 45-46.

[108] Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 26.

[109] Büsser: Mitte. S. 28.

[110] So sollten jetzt die neuen deutschen Bands eine größere Rolle als die englischen spielen. Das verlangte zumindest die deutsche Band »Body-Checks«. Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 27-28. Allerdings fühlten sich einige Teile der Szene Menhorn zu Folge noch den britischen Wurzeln verbunden. Dafür spricht u.a. die große Beliebtheit der britischen Bands »Skrewdriver« und »Brutal Attack«. Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 142.

[111] Vgl. Farin, Klaus: Reaktionäre Rebellen. Die Geschichte einer Provokation. In: Baacke, Dieter/Farin, Klaus/Lauffer, Jürgen (Hrsg.): Rock von Rechts II. Milieus, Hintergründe und Materialien. 2. Aufl. Bielefeld 2000. S. 15. [Im Folgenden als „Farin: Rebellen. 2000.“]

[112] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 29-30.

[113] »Kraft durch Froide« schrieb zu den teils gewalttätigen Begebenheiten zwischen Skinheads und der ANS/NA aus Spott das Lied »Soldat des Führers« und die »Böhsen Onkelz« urteilten: „Neonazis sind feige Schweine. Die wollen die Skinheads praktisch als Dreck sehen […].“ Zitiert nach Farin: Rebellen. 2000. S. 17.

[114] Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 30.

[115] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 188.

[116] »Böhse Onkelz« zitiert nach Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 26.

[117] Vgl. Farin, Klaus/Flad, Henning: Reaktionäre Rebellen. Rechtsextreme Musik in Deutschland. In: Archiv der Jugendkulturen (Hrsg.): Reaktionäre Rebellen. Rechtsextreme Musik in Deutschland. Berlin 2001. S. 15. [Im Folgenden als „Farin/Flad: Rebellen. 2001.“]

[118] Vgl. Anlage 3.2 (CD-ROM). Zur Entstehung des Songs erklärten die »Böhsen Onkelz«: „Durch unser Aussehen als Punker hatten wir Schwierigkeiten mit ausländischen Popper-Gangs auf der Straße […]. Wir haben ständig von ausländischen Jugendgangs aufs [sic] Maul bekommen, und irgendwo war's halt ein Ventil zum Rauslassen. Der Song hat eigentlich keinen politischen Hintergrund. Was da reininterpretiert wurde, ist was ganz anderes als ursprünglich gemeint war.“ Zitiert nach ebd.

[119] Über das Erscheinungsjahr des Demo-Tapes gibt es unterschiedliche Angaben in der Literatur.

[120] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 189. Farin nennt die »Böhsen Onkelz« neben »Skrewdriver« als stilprägende Band: die beiden Bands brachten Heavy-Metal-Elemente in die Szene, so dass es weniger reine Oi!-Bands (Ausnahme ist »Endstufe«) zum Ende der achtziger Jahre in der rechten Musikszene gab und sich ein spezifischer Rechtsrock-Stil in Form einer Symbiose aus Oi!-Punk und Heavy Metal entwickelte, wobei die komplexeren, im Heavy Metal üblichen Instrumentalsoli nicht übernommen wurden. Vgl. Farin: In Walhalla. S. 219.

[121] Vgl. Farin: Walhalla. S. 214.

[122] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 28-29.

[123] Seit 1. April 2003 und deshalb im weiteren Verlauf dieser Arbeit als „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) bezeichnet.

[124] Vgl. Anlage 3.2 (CD-ROM). Während die »Böhsen Onkelz« das Lied als Anklage an Kinderschänder bezeichneten, interpretierte es die BPjM als Verherrlichung von Kindesmisshandlungen und als Aufforderung zum Mord an kleinen Kindern. Vgl. Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 17.

[125] Farin/Flad resümieren: „Das Original wird heute noch zu Schwarzmarktpreisen von mehreren hundert Mark gehandelt. Verursacher dieser enormen Wertsteigerung ist die Bonner Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften […].“Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 16. Vgl. dazu auch Exkurs: Staatliche Maßnahmen.

[126] Vgl. Seim, Roland: Musikindizierungen und -verbote in Deutschland. In: Pieper, Werner (Hrsg.): Musik & Zensur in den diversen Deutschlands der letzten 500 Jahre. Löhrbach 2001. S. 194. [Im Folgenden als „Seim: Musikindizierungen.“]

[127] In Anlehnung an die britischen »RAC«-Konzerte. Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 29.

[128] Vgl. ebd.

[129] Offen neonazistische Kreise feierten die Täter und forderten ihre Freilassung. Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 29.

[130] Vgl. Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 18.

[131] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 30. Farin/Flad erklären, dass vor allem in ländlichen Regionen Jugendliche in die Szene kamen, weil ihnen das Image des rassistischen Gewalttäters gefiel. Vgl. Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 18.

[132] Vgl. Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 17-18.

[133] Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 30.

[134] Immer wieder wurde die Distanzierung der Band von einer rechten Gesinnung angezweifelt. Bis heute hat sie größtenteils ein rechtes Image, obwohl die nach dem Ausstieg erschienenen Songtexte keinerlei Hinweise auf eine anhaltende rechte Gesinnung bieten und die Band in zahlreichen Interviews ihre Abkehr von einer rechten Haltung betonte. Zu einer neutral gehaltenen Darstellung der Band und ihres Werdegangs vgl. Farin, Klaus: Buch der Erinnerungen. Die Fans der Böhsen Onkelz. Berlin 2000. (Vgl. vor allem S. 89-95). – Interessant ist auch die eigene Darstellung der Band auf ihrer Homepage. Hier können beispielsweise Originalbeiträge einer Dokumentation eingesehen werden, die für eine MTV-Sendung produziert wurde. MTV schnitt die Beiträge zusammen, nahm einige von namhaften Personen wie Alice Schwarzer oder Daniel Cohn-Bendit heraus und fügte andere Beiträge so hinzu, dass es in der Ausstrahlung zu einer verfälschten Darstellung der Band kam. Vgl. unter der Rubrik „Timeline“ das Jahr 2001. http://www.onkelz.de/mainfrm.html [8.04.2004]. Ein offener Brief der Band an MTV ist einsehbar in Anlage 3.1 (CD-ROM).

[135] Vgl. Mengert: Texte. 73-74.

[136] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 30.

[137] Farin: Walhalla. S. 219. Siehe dazu auch Anmerkung 121.

[138] Nach Mengert zu urteilen war allerdings die Gruppe »Kraft durch Froide« schon Anfang der achtziger Jahre die erste offen neonazistische Band. Vgl. Mengert: Texte. S. 69.

[139] Themen also, die den typischen Freizeitaktivitäten der Skinheads entsprachen. Vgl. Flad, Henning: Zur Analyse von Ideologiefragmenten in den Songtexten neonazistischer Musik. Diplomarbeit Freie Universität Berlin 2002. [Standort: Archiv der Jugendkulturen e.V. Berlin] S. 46. [Im Folgenden als „Flad: Analyse.“]

[140] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 30-31.

[141] Menhorn: Skinheads. S. 210.

[142] Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 20.

[143] Vgl. dazu vor allem Farin/Seidel: Skinheads. Sehr detailliert werden hier die verschiedenen Skinhead-Gruppierungen beschrieben. Die Bezeichnung „SHARP“ steht als Abkürzung für „Skinheads Against Racial Prejudice“.

[144] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 144. Eine kürzere, informative Beschreibung der Entwicklung der DDR-Skinhead-Szene findet sich auch bei Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 32-34.

[145] Ende der achtziger Jahre, genauer 1988, gründeten sich laut Dornbusch/Raabe allerdings zumindest zwei Rechtsrock-Bands in der DDR: »Brutale Haie« und »Pitbull«, letztere ab 1989 als »Bomber« bekannt. Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 47. Ob diese schon zu DDR-Zeiten Tonträger produzierten, wird nicht erwähnt. Zumindest befindet sich in der Auflistung „Die Bands und ihre Veröffentlichungen“ kein Tonträger dieser Bands aus der Zeit vor der Wiedervereinigung. Vgl. Dittmann, Arvid: Die Bands und ihre Veröffentlichungen. In: Archiv der Jugendkulturen (Hrsg.): Reaktionäre Rebellen. Rechtsextreme Musik in Deutschland. Münster 2001. S. 186-187. [Im Folgenden als „Dittmann: Bands.“]

[146] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 33.

[147] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 35.

[148] Vgl. Wagner, Bernd: Kulturelle Subversion von rechts in Ost- und Westdeutschland. In: Grumke, Thomas/ Wagner Bernd (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Opladen 2002. S. 17. [Im Folgenden als „Wagner: Subversion.“]

[149] Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 20.

[150] Vgl. Tabelle „Auswertung rechter Bands (Deutschland)“ mit Angaben zu den Gründungsdaten, einsehbar in Anlage 1.3, entnommen aus: Farin, Klaus: Materialien. In: Baacke, Dieter/Farin, Klaus/Lauffer, Jürgen (Hrsg.): Rock von Rechts II. Milieus, Hintergründe und Materialien. 2. Aufl. Bielefeld 2000. S. 176-178.

[151] Vgl. Diagramm „Tonträger-Veröffentlichungen rechtsextremer Musiker aus Deutschland 1984 – September 2001“, einsehbar in Anlage 1.1, entnommen aus : Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 91.

[152] Herbert Egoldt hatte ab Ende der siebziger Jahre zunächst Punk-Rock produziert. Der Erfolg mit den Gruppen »Skrewdriver« und »Böhse Onkelz« veranlasste ihn, nur noch Rechtsrock zu vertreiben. So gut wie alle Rechtsrock-Produktionen der achtziger Jahre wurden auf seinem Label veröffentlicht und machten ihn zum Millionär. „Ohne Herbert E. Gold lief in der rechtsradikalen Rockszene der 80er Jahre nichts.“Farin: Walhalla. S. 215. Vgl. dazu ausführlich Christoph, Ralph: Hitler’s back in the Charts again. Herbert Egoldt und »Rock-O-Rama«. In: Annas, Max/Christoph, Ralf (Hrsg.): Neue Soundtracks für den Volksempfänger. Nazirock, Jugendkultur und rechter Mainstream. 3. Aufl. Berlin 1994. S. 111-120.

[153] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 215.

[154] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 36.

[155] Dornbusch/Raabe erklären dies vor allem damit, dass in den neuen Bundesländern eine Art rechtsfreier Raum entstanden war. Viele Polizisten seien aufgrund der neuen Rechtslage verunsichert gewesen. Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 37.

[156] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 37.

[157] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 212.

[158] Flad: Zur Analyse. S. 71.

[159] Menhorn: Skinheads. S. 213.

[160] Vgl. ebd. S. 222.

[161] Vgl. Anlage 3.2 ( CD-ROM). Bei der Aufnahme handelt es sich um einen Live-Mitschnitt eines Konzerts. Dabei wird nicht deutlich, ob der Song von der Band »Radikahl« gesungen wird. Der gesungene Text stimmt zumindest mit dem Zitat des Songs bei Flad überein. Vgl. Flad: Analyse. S. 71.

[162] 1992 als LP und CD veröffentlicht und als solche 1994 verboten. Vgl. Dittmann: Bands. S. 201.

[163] Vgl. Anlage 3.2 ( CD-ROM).

[164] Vgl. dazu Pfahl-Traughber, Armin: Die Entwicklung des Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland im Vergleich. In: Grumke, Thomas/ Wagner Bernd (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Opladen 2002. S. 36. [Im Folgenden als „Pfahl-Traughber: Rechtsextremismus.“]

[165] Vgl. Anlage 3.2 (CD-ROM).

[166] Vgl. Farin, Klaus: ‚Rechtsrock’ – Eine Bestandsaufnahme. In: Forschungszentrum Populäre Musik der Humboldt-Universität zu Berlin (Hrsg.): PopScriptum 5 – Rechte Musik. Berlin 1995. http://www2.rz.hu-berli

n.de/fpm/popscrip/themen/pst05/pst05010.htm [1.05.2004] [Im Folgenden als „Farin: Rechtsrock.“], einsehbar in Anlage 3.1 (CD-ROM).

[167] Eine ausführliche Beschreibung des Täterkreises findet sich bei Pfahl-Traughber: Rechtsextremismus. S. 37.

[168] Farin: Rechtsrock. S. 1. Farin recherchierte die zweifelhaften Quellen der Journalisten. Näheres in Farin: Rechtsrock. S. 1-2.

[169] Das Interview befindet sich abgedruckt in: Kuhn-Schließ, Ortrud: „Kraft, die Deutschland sauber macht…“. Rechts-Rock als Stimulans und Medium für faschistoides Gedankengut – Werbung mit Musik für eine Ideologie. In: Musik und Unterricht. Bd. 29/94. Oldershausen 1994. S. 38-39. – Zur Person Torsten Lemmers und seiner Bedeutung in der rechten Musikszene siehe Kapitel 4.3.

[170] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 220.

[171] Farin: Rechtsrock. S. 2.

[172] Menhorn: Skinheads. S. 220.

[173] Vgl. ebd. S. 219.

[174] Zum Verbot neonazistischer Organisationen von 1992-2000 vgl. Stöss: Rechtsextremismus. S. 96-97.

[175] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 221. Zur Indizierung durch die BPjM und zur kritischen Auseinandersetzung mit der Wirkung, auch der Wirkung staatlicher Verbotsmaßnahmen, vgl. Exkurs: Staatliche Maßnahmen.

[176] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 39.

[177] Es wurde wegen des Verdachts auf Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenhass, Gewaltverherrlichung und Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen nach dem Strafgesetzbuch ermittelt. Vgl. Dornbusch/Raabe: Rechtsrock. S. 39.

[178] Zumindest nach Angaben Menhorns lösten sich die Bands auf. In anderer Literatur finden sich keine Angaben dazu. Es hat aber später noch CD-Veröffentlichungen gegeben, die laut Menhorn keine neuen Songs enthalten. Zur Auflistung der Veröffentlichungen vgl. Dittmann: Bands. S. 207-210.

[179] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 222-224.

[180] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 39.

[181] So gab es viele Oi!-Konzerte und beispielsweise das seither alljährlich stattfindende Ska-Festival in Potsdam. Vgl. Farin: Rebels. S. 58-61.

[182] Vgl. Farin: Walhalla. S. 225. Zur Bedeutung und Durchführung von Konzerten siehe Kapitel 4.1.1.

[183] Vgl. Diagramm „Die Entwicklung realisierter rechtsextremer Konzerte in Deutschland 1994-2000 laut Verfassungsschutz“, einsehbar in Anlage 1.2, entnommen aus : Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 21. – Im Verfassungsschutzbericht 2003 wird die Anzahl der Rechtsrock-Konzerte für das Jahr 2002 mit 112, für 2003 mit 119 beziffert. Vgl. Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2003. Bonn 2004. S. 45. [Im Folgenden als „Bundesministerium: Verfassungsschutzbericht 2003.“]

[184] Vgl. Tabelle „Auswertung rechter Bands (Deutschland)“ mit Angaben zu den Gründungsdaten (Anlage 1.3).

[185] Vgl. Bundesministerium: Verfassungsschutzbericht 2003. S. 45.

[186] Vgl. Menhorn: Skinheads. S. 225.

[187] Vgl. Diagramm „Tonträger-Veröffentlichungen rechtsextremer Musiker aus Deutschland 1984 – September 2001“ (Anlage 1.1).

[188] Vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz: Rechtsextremistische Skinhead-Musikvertriebe in Deutschland. Köln 2002. S. 4. [Im Folgenden als „Verfassungsschutz: Musikvertriebe.“] Für das Jahr 2003 beispielsweise zählte der Verfassungsschutz über 50 aktive Versandhändler. Vgl. Bundesministerium: Verfassungsschutzbericht 2003. S. 47.

[189] Vgl. Dornbusch/Raabe: RechtsRock. S. 40.

[190] http://www.rocknord.de/main.php?flow=includes_html/interview_machtundehre.html [1.05.2004], einsehbar in Anlage 3.1 (CD-ROM).

[191] Vgl. Farin: Rebellen. 2000. S. 27. In Farin/Flad ist beispielhaft ein Gutachten abgedruckt. Vgl. Farin/Flad: Rebellen. 2001. S. 23.

[192] »Funny Sounds« war das Label von Torsten Lemmer. Vgl. dazu Kapitel 4.3.

[193] Farin: Rebellen. 2000. S. 36.

Details

Seiten
137
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638325738
ISBN (Buch)
9783638952415
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31639
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
sehr gut
Schlagworte
Popularmusik Ausdrucksmittel Ideologie Bestandsaufnahme Musik Deutschland

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Titel: Popularmusik als Ausdrucksmittel rechter Ideologie