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Verständigungsprobleme zwischen den Kulturen in Alejandro González Iñárritus Episodenfilm-Drama "Babel"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 16 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interkulturalität – Grenzen und Schwellen am Beispiel von Heike Brohm

3. Probleme der Globalisierung am Beispiel von Néstor García Canclini und Laura Podalsky

4. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Diese Hausarbeit ist dem Thema Verständigungsprobleme zwischen den Kulturen in Alejandro González Iñárritu’s Episodenfilm-Drama Babel gewidmet. Babel, ein Episodenfilm-Drama aus dem Jahr 2006 des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu, befasst sich mit dem Leben dreier Familien in vier verschiedenen Ländern auf drei unterschiedlichen Kontinenten. Er thematisiert die Zeit der Globalisierung und die Trennung der Menschen aufgrund von Sprachbarrieren, Rasse, Kultur und Traditionen und die Idee einer idealen Gesellschaft, welche in den Köpfen vieler Menschen verankert ist. Dieses Ideal beinhaltet nicht selten Vorurteile gegenüber Fremden, Ausländern und Außenseitern beziehungsweise Randgruppen und schließt diese aus. (Brussat 2007:1).

Iñárritu möchte den Zuschauer durch seinen Film begreifen lassen, dass alle Menschen miteinander „verbunden“ sind, unabhängig davon auf welchem Teil der Erde sie sich befinden. Er zielt darauf ab, ein besseres Verständnis zwischen den verschiedenen Kulturen zu etablieren und macht deutlich, dass ein Ereignis in einem Land auf einem Kontinent das Leben unterschiedlichster Menschen auf den verschiedensten Erdteilen beeinflussen kann.

Babel zeichnet sich außerdem durch seine nicht-lineare Erzählstruktur aus, welche ihn so besonders und einzigartig macht. Der Zuschauer erlebt eine Reihe von „Cuts“ und wird vom stetigen abrupten Wechsel der Handlungsstränge überrascht. Die Geschichten der einzelnen Charaktere sind jedoch chronologisch angeordnet, so dass der Zuschauer die Orientierung nicht komplett verliert.

Ich möchte mich in dieser Hausarbeit mit Hilfe der Literatur von Laura Podalsky, Heike Brohm und Néstor García Canclini Themen wie der Grenzerfahrung und der Globalisierung in Bezug auf Alejandro González Iñárritu’s Film Babel widmen, um daraufhin im Fazit meiner Arbeit Fragen wie „Weshalb verstehen die Menschen einander nicht und was haben wir mit Leuten zu tun, die weit voneinander entfernt leben?“ und „Sind die wirklichen Grenzen, die Menschen voneinander trennen, nur in deren Köpfen verankert und nicht etwa durch die physischen Grenzen eines Landes?“ zu thematisieren und bestenfalls auch beantworten zu können. Hierzu werde ich auch ausgewählte Filmszenen heranziehen, die meine Analysen bildlich unterstützen sollen.

Schlussendlich möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich im Laufe meiner Arbeit, um keine Verwirrung zu verursachen, die Filmnamen der jeweiligen Personen verwenden werde und nicht deren Originalnamen.

2. Interkulturalität – Grenzen und Schwellen am Beispiel von Heike Brohm

Alejandro González Iñárritu’s Film Babel ist geprägt von einer Vielzahl an Begegnungsräumen und Grenzerfahrungen. Er befasst sich mit dem Leben dreier Familien in vier verschiedenen Ländern auf drei unterschiedlichen Kontinenten und deren individuellen Grenzerfahrungen. Bevor ich auf diese eingehe, möchte ich zunächst jedoch folgendes klären: Was genau ist eine Grenze?

Heike Brohm beschreibt die Grenze als „ein wichtiges kulturelles Medium [...] durch das Identitätsstiftung stattfindet. Sie trennt nicht nur, sondern sie konstruiert kulturelle Wirklichkeit, indem sie Identitäten im Kontakt mit anderen transformiert, aktualisiert und erneuert“ (Brohm 2004: 259). Des Weiteren führt sie einen Gedanken von Magris aus in dem es heißt:

Jede Abgrenzung hat mit Unsicherheit zu tun und mit dem Bedürfnis nach Sicherheit. Die Grenze ist eine Notwendigkeit, denn ohne sie, oder besser ohne begrenzende Unterscheidung, gibt es keine Identität, keine Form, keine Individualität, ja nicht einmal eine reale Existenzmöglichkeit, denn sie würde vom Gestalt- und Unterschiedslosen verschlungen. Die Grenze bedeutet Wirklichkeit, verleiht Umrisse und Gestalt, bestimmt die Besonderheit der Einzelperson wie des Kollektivs, der Existenz wie der Kultur. (Magris, 1993, 20). (Brohm 2004: 259).

Wenn demnach die Grenze auf der einen Seite ein wichtiges kulturelles Medium im Hinblick auf die eigene Identität ist, jedoch auf der anderen Seite zugleich auch ein Ort der Unsicherheit mit dem Bedürfnis nach Sicherheit, was genau geschieht beim Übertreten einer Grenze und dem Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen?

In Bezug auf Babel führt jenes Übertreten von Grenzen zu eben diesen bereits oben erwähnten Grenzerfahrungen, welche jedoch zwei unterschiedliche Dimensionen aufweisen. Einerseits erlebt der Zuschauer das wirkliche physische Überschreiten von Grenzen, wie beispielsweise an der Grenze von Mexiko/San Diego und andererseits das Überschreiten persönlicher Grenzen des eigenen Lebens, wie zum Beispiel in der kalifornischen Wüste in welcher das mexikanische Kindermädchen Amelia um ihr eigenes und das Überleben ihrer zwei Schützlinge, den beiden US-amerikanischen Kindern Mike und Debbie, kämpft. Darüber hinaus ist auch jene Situation, in welcher sich Susan, die sich schwer verletzt in der Hütte eines kleinen marokkanischen Dorfes befindet, auf eine ihr unbekannte marokkanische alte Frau verlassen muss, ohne sich mit dieser sprachlich verständigen zu können, eine dramatische Grenzerfahrung des eigenen Lebens.

In diesem Kapitel möchte ich mich mit der zweiten von mir genannten Dimension beschäftigen.

Amelia, das mexikanische Kindermädchen welches seit vielen Jahren illegal in den USA lebt und bei einer US-amerikanischen Familie beschäftigt ist, erlebt nach einem Ausflug in die mexikanische Heimat, den sie spontan mit ihrem Neffen Santiago und den beiden US-amerikanischen Kindern der Familie Jones, welche sie betreut, unternimmt, eine traumatisierende Grenzerfahrung des eigenen Lebens nachdem sie und die beiden Kinder von Santiago nach einem fehlgeschlagenen Versuch des Überquerens der Grenze von Mexiko nach San Diego und seiner darauffolgenden illegalen Überfahrt und Missachtung des Gesetzes auf der Flucht in der Wüste ausgesetzt werden.

Dort kämpfen Amelia und ihre beiden Schützlinge, welche bald von Amelia unter einem Baum zurückgelassen werden während diese weiter nach Hilfe sucht, ums Überleben in der gleißenden Sonne der Wüste – ohne Wasser, ohne Orientierung.

„Mein Schatz, ich muss jetzt Hilfe holen. Bleibt hier. Und rührt euch bitte nicht von der Stelle. [...] Du musst auf Debbie aufpassen. [...] Es wird nicht lange dauern, das verspreche ich“ (González Iñárritu 2006: 1:48:35).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(González Iñárritu 2006: 1:48:01) (González Iñárritu 2006: 1:50:12)

In diesen beiden Screenshots wird deutlich, wie ernst die Lage der in der kalifornischen Wüste Ausgesetzten ist und dass Amelia sich selbst in dieser Situation nicht als Flüchtling beziehungsweise illegale Einwanderin sieht, sondern als berechtigte Einwohnerin der USA auf der Suche nach Hilfe der eigenen Landsleute – in diesem Fall der US-amerikanischen Grenzpolizei, welche jedoch wenig Verständnis für ihre Situation zeigt:

¿Son ilegales?

Wir sind Amerikaner.

Wann sind Sie über die Grenze gekommen?

Ich bin nicht über die Grenze gekommen. Ich lebe hier. [...]

Ma’m, Sie sind festgenommen. Drehen Sie sich bitte um, legen Sie die Hände an den Kopf (González Iñárritu 2006: 1:51:01).

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668150973
ISBN (Buch)
9783668150980
Dateigröße
883 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v316371
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
verständigungsprobleme kulturen alejandro gonzález iñárritus episodenfilm-drama babel

Autor

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Titel: Verständigungsprobleme zwischen den Kulturen in Alejandro González Iñárritus Episodenfilm-Drama "Babel"