Lade Inhalt...

Das Ghetto kämpft. Aufstand und Widerstand im Warschauer Ghetto

Hausarbeit 2015 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ghettoisierung in Polen
2.1 Aufbau und Verwaltung des Warschauer Ghettos
2.2 Alltag im Ghetto

3. Deportation und Anfänge des Widerstands
3.1 Erste Aktion
3.2 Bildung der Widerstandsorganisation

4. Der Widerstand
4.1 Erste Zeichen des bewaffneten Widerstands
4.2. 28 Tage Aufstand

5. Zusammenfassung

6. Quellen - und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1. Einleitung

Der Begriff "Ghetto" stammt ursprünglich aus der Politik europäischer Städte im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit und bezeichnete die Isolierung der Juden innerhalb einer Stadt. Diese sollten innerhalb der Städte räumlich abgetrennt in bestimmten Vierteln, auch Judenviertel genannt, wohnen. Seit der Auflösung dieser Ghettos im Zuge der Emanzipation der Juden im 18. Jahrhundert wurden vor allem jüdische Viertel in osteuropäischen Städten als Ghettos tituliert, diese zeichneten sich durch ihre ärmlichen Verhältnisse aus.[1] Im Bezug auf die Ghettos in Polen, die während des zweiten Weltkriegs von der deutschen Besatzungsmacht errichtet wurden, lassen sich jedoch deutliche Unterschiede feststellen. Hier ging es in erster Linie darum, die Juden unter den schlechtesten Lebensbedingungen auf engstem Raum einzusperren. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Umständen im Warschauer Ghetto, welches nach der Deportation von über 300.000 Menschen in das Vernichtungslager Treblinka eine bedeutende Stellung in der Geschichte des Widerstands einnimmt. Zunächst wird die allgemeine Ghettoisierung in Polen thematisiert, um eine Einordnung in den historischen Kontext zu gewährleisten. Anschließend werde ich mich explizit mit dem Warschauer Ghetto auseinander setzen. Wie war dieses strukturiert und aufgebaut? Unter welchen Bedingungen lebten und starben die Menschen innerhalb der Mauern, bis es im Sommer 1942 zur ersten Deportation kam? Schlusspunkt dieser Arbeit bildet die Gründung der Widerstandsorganisation im Warschauer Ghetto, die sich in dem 28 Tage andauernden Warschauer Ghettoaufstand entlud. Besonders das Werk „Das Ghetto kämpft" von Marek Edelman, einem der wenigen Überlebenden des Aufstandes, liefert hierfür eine Grundlage. Aber auch „Gespräche mit dem Henker", von Kazimierz Moczarski, der nach dem Krieg einige Zeit lang mit SS-Gruppenführer Jürgen Stroop in einem Gefängnis saß und von diesem detaillierte Informationen über die geplante Liquidierung des Ghettos sowie der Zerschlagung des Aufstands erfuhr. Weitere wichtige Werke, auf die sich diese Hausarbeit stützt, bilden Samuel Kassows „Ringelblums Vermächtnis" und „Das Warschauer Getto: Alltag und Widerstand im Angesicht der Vernichtung" von Markus Roth und Andrea Löw, die eine Überblicksdarstellung geben. Desweiteren werden Zitate von ehemaligen Bewohnern des Ghettos verwendet, beispielsweise Auszüge aus Janusz Korczaks „Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto".

2. Ghettoisierung in Polen

Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen begann am 1.September 1939 der Zweite Weltkrieg.[2] Die Hauptstadt Warschau kapitulierte bereits am 28. September 1939 und gemäß der geheimen Zusatzprotokolle des Nichtangriffspaktes zwischen Deutschland und der Sowjetunion, dem sogenannten „Hitler-Stalin-Pakt", besetzten die Deutschen den westlichen Teil Polens. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 besetzten sie dann auch den östlichen Landesteil unter der Prämisse „Eroberung von Lebensraum im Osten" und unterdrückten die Bevölkerung mit enormer Brutalität, ganz im Sinne der „Überlegenheit der arischen Herrenmenschen".[3] Die Terrorherrschaft der Deutschen in Polen zeigte ihre Ausmaße bei der Ermordung der polnischen Intelligenz sowie der Vertreibung Hunderttausender aus ihren Gebieten im Zuge der „Germanisierung der angegliederten Gebiete", die zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden.[4] Viele starben aufgrund der unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen, doch die jüdische Bevölkerung Polens sollte ein weitaus grausameres Schicksal erleiden, als die polnische Zivilbevölkerung.[5]

Auch wenn die Nationalsozialisten zu diesem Zeitpunkt noch nicht an eine planmäßige Tötung der europäischen Jude dachten, sie konnten sich auch nicht damit zufrieden geben, das Reichsgebiet komplett „judenfrei" zu machen, indem sie die Juden in andere Gebiete abschoben. Hitlers Absicht, „im gesamten Herrschaftsbereich der Achse den jüdischen Einfluss zu verdrängen", zeigte deutlich die Tendenz, auf eine möglichst schnelle „Endlösung der Judenfrage" hin zu arbeiten. Zuerst ging es ihm aber darum, diese „Lösung" durch eine Abschiebung der Juden zu erreichen, während sich die Suche nach einem geeigneten Territorium dafür jedoch als schwierig erwies. Unter diesen Umständen stellte sich die Frage, wie mit den bereits unter deutscher Besatzung lebenden Juden weiter verfahren werden sollte.[6] Ende des Jahres wurde als Reaktion hierauf das erste geschlossene Ghetto in Lodz errichtet, wo die jüdische Stadtbevölkerung konzentriert werden sollte, um diese von der übrigen Bevölkerung zu trennen.[7]

Es wurde ein bestimmtes Viertel in der Stadt für die Bildung des Ghettos ausgewählt, in das sich die Juden innerhalb einer festgelegten Frist zu begeben hatten. Nach der Übersiedlung der Juden ins Ghetto wurde dieses durch eine Mauer und Stacheldraht von der Außenwelt komplett abgeschnitten und ständig bewacht.[8] Die Leitung des Ghettos wurde einer jüdischen Verwaltung übertragen, die den deutschen Behörden unterstellt war. Hierbei handelte es sich um ein Instrument der deutschen Verwaltungsbehörden. Diese sogenannten Judenräte wurden bereits vor der Errichtung der Ghettos von den deutschen Behörden ernannt und sollten die Umsetzung der deutschen Befehle verantworten.[9]

Die Ghettoisierung in Polen erfolgte jedoch nicht flächendeckend. In Warschau, wo die größte jüdische Gemeinde Europas beheimatet war, wurde das jüdische Ghetto erst im Oktober 1940, nach langem hin und her, errichtet. Vor der Errichtung der Ghettos häuften sich die Verbote und Einschränkungen für Juden, ähnlich denen in Deutschland. So blieben beispielsweise bestimmte Straßen und Plätze sowie alle Parkanlagen den Juden verwehrt, sie durften nicht mehr als 500 Zloty verdienen und das Tragen der weißen Armbinde mit dem blauen Davidstern war obligatorisch.[10] Die jüdische Bevölkerung befand sich in einer ständigen Angst vor den Deutschen, grundlos misshandelt zu werden war an der Tagesordnung. Willkürlich wurden Juden zur Zwangsarbeit herangezogen, verhaftet oder erschossen, auch wurde das Vermögen der Juden von den deutschen Besatzern eingezogen.[11]

In Warschau sollte es eine klare Trennung von Deutschen, Polen und Juden geben. Zu diesem Zweck mussten die Juden Warschaus ab November 1940 in den Ghettobezirk übersiedeln, den sie ab dem 15. November 1940 nicht mehr verlassen durften. Außer den Warschauer Juden mussten auch Juden des Umlands in dem abgeschlossenen Ghetto leben, die aus ihren Dörfern von den Deutschen vertrieben worden waren.[12] Wie auch die anderen Ghettos im besetzen Polen war das Warschauer Ghetto nach folgendem Muster konzipiert worden: Ein Maximum an Juden sollte auf einem Minimum an Fläche weniger als das Lebensnotwendigste erhalten.[13] Über 380.000 Menschen lebten eingeschlossen auf engstem Raum, die Zahl erhöhte sich in den Tagen nach der Ankunft auf knapp 500.000, da nach und nach weitere Juden in Warschau ausfindig gemacht und ins Ghetto gesperrt wurden.[14]

Im Zuge des Scheiterns aller Deportationspläne zur „Endlösung der Judenfrage", sollte die jüdische Bevölkerung Polens letztendlich komplett ausgerottet werden. So dienten die letzten Ghettos, die erst 1942 errichtet wurden, lediglich als Sammelstelle für Juden, bis diese in die Vernichtungslager deportiert werden sollten.[15]

2.1 Aufbau und Verwaltung des Warschauer Ghettos

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten rund 375.000 Juden in Warschau, diese Zahl entsprach 29,1 % der gesamten Stadtbevölkerung. Warschau war das bedeutendste Zentrum jüdischen Lebens in Polen, viele Intelektuelle lebten in der Stadt.[16] Folglich handelte es sich beim Warschauer Ghetto um das größte in Polen errichtete Ghetto für Juden. Bereits vor der Errichtung stand fest, dass es sich um ein geschlossenes Ghetto handeln sollte. Keiner durfte es nach seiner Ankunft ohne Passierschein wieder verlassen.[17] Aufgrund dessen wurde das Ghetto zu einer Grausamkeit, die die Gefängnisstrafe für die Insassen weit überstieg.[18] Das Warschauer Ghetto wurde auf dem Gebiet des jüdischen Viertels errichtet, welches auch als „Seuchensperrgebiet" bezeichnet wurde, da viele Menschen in diesem Gebiet bereits mit Fleckfieber oder Typhus infiziert waren. Diese Krankheiten wurden in erster Linie mit Juden in Verbindung gebracht und würden sich, so hoffte man, in einem engen und unzureichend versorgten Ghetto noch schneller ausbreiten.[19]

Die Errichtung des Ghettos wurde zum 02. Oktober 1940 angeordnet, die vollständige Abriegelung sollte am 15. November 1940 erfolgen. Nur 2,4 % der Stadtfläche standen knapp 500.000 Juden zur Verfügung.[20] In den Wochen nach der Anordnung prägten schwer beladene Menschen voller Panik und Angst auf dem Weg ins Ghetto die Straßen Warschaus. Auch jüdische Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Kinderheime mussten ins Ghetto umziehen.[21]

Wie bereits erwähnt wurde das Ghetto durch den Judenrat verwaltet. Hierbei handelte es sich um ein perfides System der Nationalsozialisten. Juden sollten selbst für die Diskriminierung und das Elend von Juden sorgen. Von Anfang an wurde erwartet, dass sich die Mitglieder des Judenrats den Anordnungen der Deutschen zu beugen hatten und hierfür mit ihrem eigenen Leben hafteten. Die jüdische Bevölkerung hingegen erhoffte sich vom Judenrat Schutz und Hilfe, so war es kein Wunder, dass sich der Judenrat und allen voran der Vorsitzende, Adam Czerniakow, in ständiger Kritik befand. Auch hatte besonders Czerniakow unter den Deutschen zu leiden, er ließ sich sogar freiwillig von ihnen bespucken in der Hoffnung, das Beste für die Juden herausholen zu können. Der Judenrat wurde zu einer zentralen Anlaufstelle für alle Probleme der Bevölkerung im Ghetto.[22] Insbesondere dem Problem der Lebensmittelversorgung im Ghetto musste sich der Judenrat mit seinen 2000 Personen stellen, da sich die deutsche Verwaltung diesem Problem entzog.[23]

Neben dem Judenrat gab es eine weitere umstrittene Institution im Warschauer Ghetto, den Jüdischen Ordnungsdienst (OD), auch als die jüdische Polizei bekannt, unter der Führung von Josef Andrzej Szerynski. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem die Bewachung der Grenzen, Verstöße gegen Anordnungen zu ahnden sowie die Bekämpfung des Schmuggels.[24] Das brutale Auftreten der OD-Männer sowie eine hohe Korruption und die Tatsache, dass sie den Deutschen zu Diensten waren, standen bei der Bevölkerung in hoher Kritik, häufig wurde man nur gegen Bestechung in die Reihen des Ordnungsdienstes aufgenommen.[25]

Anfangs bestand das Ghetto aus zwei Teilen, dem sogenannten Großen und dem Kleinen Ghetto, die durch eine Straße voneinander getrennt waren, welche zum „arischen Teil" der Stadt gehörte. Die beiden Teile des Ghettos waren durch eine Holzbrücke miteinander verbunden. Das Kleine Ghetto galt als der privilegierte Teil, hier verkehrten reiche Juden, die sich durch Korruption einen Namen gemacht hatten, meist Angehörige des Judenrats.[26]

Die völlige Absonderung des Ghettos von der Außenwelt und das damit verbundene Verbot Nachrichten von außen zu beziehen führte schon bald zu einer vollkommenen Abschottung der Juden im Ghetto. Alles außerhalb der Mauern rückte schnell in unendliche Ferne und nur das eigene Überleben war noch wichtig.[27] Der hoch angesehene Schriftsteller und Pädagoge, Janusz Korczak, der ein jüdisches Weißenhaus leitete und sich Zeit seines Lebens für Kinder einsetzte, notierte am 15. Mai 1942 in seinem Tagebuch:

„Warschau ist mein und ich bin sein. Ich gehe noch weiter: Ich bin Warschau. Mit dieser Stadt war ich fröhlich und traurig, ihre Heiterkeit war meine Heiterkeit. [...] Mit Warschau bin ich groß geworden. Aber in letzter Zeit sind wir einander ein wenig fremd geworden. [...]"[28]

Dies zeigt deutlich, dass sich die Juden Warschaus Zeit ihres Lebens als Teil dieser Stadt gesehen haben und entgegen der deutschen Behauptungen kein eigenständiger Teil des Landes, sondern, wie die nichtjüdischen Bewohner Polens auch Polen waren.

2.2 Alltag im Ghetto

Das Warschauer Ghetto war geprägt von tiefen sozialen Gegensätzen. So kamen Juden, die vor der Umsiedlung in wohlhabenden Stadtteilen Warschaus gelebt hatten vergleichsweise besser zurecht, als die vielen Flüchtlinge, die im Zuge der Vertreibungen ins Ghetto kamen. Die Warschauer Juden profitierten davon, dass sie sich in einer Stadt befanden, die sie kannten, in der sie Bekannte hatten, die ihnen helfen konnten, zu überleben.[29] Die knapp 90.000 vertriebenen Flüchtlinge hatten teils vollkommen überstürzt ihre Dörfer und Städte verlassen müssen und kamen ohne Besitz in Warschau an. Sie kannten niemanden in der Stadt, der ihnen das Leben halbwegs erleichtern konnte und landeten in den sogenannten „Punkten" des Lagers. Dies waren Sammelstellen, die aufgrund des Platzmangels in allen Gebäuden errichtet wurden, die irgendwie nutzbar waren.[30] Die Aufnahmelager des Ghettos galten als Seuchenquellen. Mangelnde Hygienezustände und eine große Anzahl von Menschen auf engstem Raum sorgten dafür, dass in den Punkten die höchste Sterberate im ganzen Ghetto herrschte.[31]

Trotz aller Armut im Ghetto gab es durchaus Menschen, die von der Lage profitierten und finanziell aufstiegen, hierzu zählten Bewohner, die einen Posten in der Verwaltung innehatten, oder schlicht durch Schmuggel und Korruption reich geworden waren. Ihr Lebensstil unterschied sich deutlich von der Mehrheit der Ghettobevölkerung, denn wer Geld hatte, konnte im Ghetto kaufen wovon durchschnittliche Bewohner nur träumen konnten. Außerdem verkehren die Reichen des Ghettos in Cafés und Restaurants, die es im Ghetto gab und in denen sich oftmals arme junge Mädchen prostituierten. Diese Cafés befanden sich meist im privilegierteren Teil, dem Kleinen Ghetto.[32]

Allgemein war die Enge im Warschauer Ghetto ein grundlegendes Problem. So schreibt Janina Bauman in ihrem 1986 veröffentlichten Überlebensbericht „Als Mädchen im Warschauer Ghetto": „Man kann nirgendwo hin, es ist unmöglich, allein zu sein. Die Straßen stöhnen und schreien mit tausend Stimmen, sie stinken nach faulenden Fischen und sterbenden Menschen. Wohin wir gehen, wohin wir blicken-überall hässliches Elend. [...]"[33]

Sieben bis acht Personen mussten sich durchschnittlich ein Zimmer teilen, eine Wohnung wurde von durchschnittlich 15 Menschen bewohnt.[34] In den Wohnungen, die bei weitem nicht für alle Menschen im Ghetto ausreichten, teilten sich völlig fremde Menschen den engen Raum zum Schlafen. Diese Enge trug maßgeblich dazu bei, dass sich Krankheiten wie Typhus oder das Fleckfieber sehr schnell ausbreiten konnten, denn vor allem auf den überfüllten Straßen drängten sich die Menschen, die obdachlos waren.[35] Nach und nach füllten sich die Straßen mit Leichen Verhungerter oder Erfrorener, bei denen es sich meist um Alte oder kleine Kinder handelte.[36] Dieser Anblick wurde, so makaber es auch klingen mag, zum Alltag der Ghettobewohner. Die Menschen gewöhnten sich an die Anblicke des Elends und stumpften zunehmend ab.[37]

Die Zustände im Ghetto waren katastrophal, zwischen 1940 und 1942 starb 10 % der Ghettobevölkerung durch Krankheiten, oder weil sie schlichtweg verhungerten. Die durchschnittliche Nahrungsmittelration für Juden war von den deutschen Behörden auf 184 Kalorien täglich festgelegt worden.[38] Im Vergleich zu den Deutschen, die pro Kopf 2310 Kalorien und den Polen, die 634 Kalorien erhalten sollten, drohte den Juden somit ein schleichender Hungertod. Dieser konnte nur verhindert werden, in dem Nahrungsmittel von außen ins Ghetto geschmuggelt wurden.[39] Das Überleben der Ghettobewohner war von den Schmugglern abhängig, nur wer gegen die deutschen Gesetzte und Verordnungen verstieß hatte überhaupt eine Chance zu überleben.[40] Besonders Kinder die hungerten zwängten sich durch enge Spalte in der Mauer, um auf der arischen Seite Essen aufzutreiben, meist für die gesamte Familie. Somit wurden die Familienstrukturen im Ghetto radikal verändert, die Kinder sorgten nun für das Überleben ihrer Eltern.[41] Neben einzelnen Personen, die kleine Mengen Lebensmittel ins Ghetto schmuggelten, war ein weiterer Weg die Bestechung der Wachen an den Ghettotoren.[42]

Angesichts der hungernden Menschen organisierte der Judenrat viele Suppenküchen im Ghetto. Auch wenn die Qualität der Mahlzeiten miserabel war, waren sie für viele Menschen das einzige an Nahrung, was sie bekommen konnten.[43]

[...]


[1] Pohl, Dieter: Ghettos. München 2009, S. 173.

[2] Benz, Wolfgang: Geschichte des Dritten Reiches. Bonn 2010, S. 168.

[3] Edelman, Marek: Das Ghetto kämpft: Warschau 1941-43. Berlin 1999, S. 12.

[4] Browning, Christopher R.: Der Weg zur „Endlösung": Entscheidungen und Täter. Bonn 1998, S. 127.

[5] Edelman, S. 12.

[6] Brakel, Alexander: Der Holocaust: Judenverfolgung und Völkermord. Berlin 2008, S. 54.

[7] Browning, S. 128.

[8] Brakel, S. 55.

[9] Benz; Graml; Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. München 2007, S. 866.

[10] Edelman, S. 30.

[11] Benz, Enzyklopädie, S. 866.

[12] Roth, Markus/ Löw, Andrea: Das Warschauer Ghetto. Alltag und Widerstand im Angesicht der Vernichtung. München 2013, S. 39.

[13] Benz, Enzyklopädie, S. 866.

[14] Roth/ Löw, S. 43.

[15] Brakel, S. 56.

[16] Lustiger, Arno: Zum Kampf auf Leben und Tod: Vom Widerstand der Juden 1933-1945. Köln 2002 S. 79.

[17] Kassow, Samuel: Ringelblums Vermächtnis: Das geheime Archiv des Warschauer Ghettos. Hamburg 2010,
S. 150.

[18] Surowska, Barbara: Wie war das Wunder des Überlebens möglich? In: Amsterdamer Beiträge zur neun Germanistik, Ausg. 1 (2001), Band 50, Amsterdam 2001, S. 336.

[19] Roth/ Löw, S. 39.

[20] Lustiger, S. 79.

[21] Roth/ Löw: S. 42.

[22] Roth/ Löw, S. 17.

[23] Seidel, Robert; Deutsche Besatzungspolitik in Polen. München 2006, S. 275.

[24] Roth/ Löw, S. 47.

[25] Edelman, S. 34.

[26] Roth/ Löw, S. 89.

[27] Edelmann, S. 31.

[28] Korczak, Janusz: Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto 1942. Göttingen 1996, S. 41.

[29] Kassow, S. 151

[30] Roth/ Löw, S. 125.

[31] Kassow, S. 173

[32] Roth/ Löw, S. 95.

[33] Bauman, Janina: Als Mädchen im Warschauer Ghetto: Ein Überlebensbericht. Ismaning bei München 1986,
S. 103.

[34] Szarota, Tomasz: Warschau unter dem Hakenkreuz. Paderborn 1985, S.44.

[35] Roth/ Löw, S. 73.

[36] Szarota, S. 45.

[37] Roth/ Löw, S. 81.

[38] Kassow, S. 173.

[39] Roth/ Löw, S. 75.

[40] Kassow, S. 174

[41] Edelman, S. 32.

[42] Roth/ Löw, S. 91.

[43] Roth/ Löw, S. 105-

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668148789
ISBN (Buch)
9783668148796
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315886
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
ghetto aufstand widerstand warschauer

Autor

Zurück

Titel: Das Ghetto kämpft. Aufstand und Widerstand im Warschauer Ghetto