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Repräsentationen und Konstruktionen von Männlichkeiten in Wirtschaft und Politik

Zum neuen Typus der Männlichkeit "Transnational Business Masculinity"

Seminararbeit 2008 14 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Einführung: Wirtschaft und Politik sind Männerdomänen

Zum Verhältnis von Wirtschaft und Politik

Das 20. Jahrhundert: Paternalismus in Unternehmen

Globalization and Business Masculinities

References

Vorwort

Im vorgetragenen Referat zum Thema Repräsentationen und Konstruktionen von Männlichkeiten in Wirtschaft und Politik wurde von mir versucht, einen kurzen historischen Abriss von Männlichkeitsentwürfen in Wirtschaftstheorien und "westlicher" politischer Philosophie unter Einbeziehung feministischer Genderkritik zu geben, und diesen einer Gegenwartsanalyse, wie sie R.W. Connell und Julian Wood in ihrem Beitrag Globalization and Business Masculinities vorstellen, gegenüberzustellen.

In Connell und Woods Beitrag wurden Identitäten und Männlichkeiten in gegenwärtigen globalisierten Manageretagen Australiens sowohl untereinander, als auch mit Symptomatiken älterer Modelle, also den Generationen davor verglichen. Connell geht davon aus, dass die neuen globalen Arbeitsbedingungen einen neuen Typus erfordert und erschaffen hätten, der sich vom "älteren, konservativeren" durch einige Merkmale deutlich unterscheide. Connell bezeichnete diesen neueren Typus als Transnational Business Masculinity.

In dieser Seminararbeit wird nun eine Zusammenfassung der im Referat vorgestellten Analysen und Interpretationen gegeben.

Wirtschaft und Politik sind Männerdomänen

"31 von 1000 Ökonomen sind weiblich, davon sind 5 vor 1930 geboren" (In: Mark Blaug: Who’s Who in economics)

Nicht nur Ökonomen sind (meist) männlich, auch Unternehmer, Wirtschaftstreibende, Grundbesitzer, Kapitaleigentümer und Politiker weltweit sind in der Mehrzahl Männer. Dies war/ist nicht nur durch die Bildungspolitik, die Männern in der Regel -nicht jedoch Frauen- eine fundierte Ausbildung zukommen ließ, traditionell gefestigt, sondern wurde über Jahrhunderte unter anderem durch die männliche Erbfolge rechtlich institutionalisiert. Auch die liberale westliche Politische Philosophie gibt Aufschluss darüber, wie wenig männliche Philosophen über die Sphäre der automatisch den Frauen zugeteilten Reproduktionsarbeit in ihre Staats- und Kontraktualismustheorien mit einfließen ließen. "The separative Self" ist als Begriff ein wesentlicher Bestandteil jeder politischen Philosophie- ob Hobbes, Locke, Rousseau, Kant oder Rawls- in jedem "Naturzustand" oder "Urzustand" ist es das freie, autonome Selbst, dass rational und freiwillig den Kontrakt eingeht, um den Urzustand zu beenden und den Staat zu begründen.

Die feministische Kritik seit dem 20. Jahrhundert kritisiert in vielen Disziplinen jene Annahmen eines unabhängigen, autonomen Selbst mit einfachen Argumenten: Beinahe alle Autoren solcher Theorien waren männlich und sahen Kindererziehung und Haushaltsangelegenheiten, ebenso wie die Erhaltung der Regenerationssphäre, emotionale und sexuelle Befriedigung des Mannes als ureigene weibliche Domäne an (vgl. Seyla Benhabib, 1987; Paula England, 1993), während besagte Autonomie, wozu diese auch immer genutzt werden konnte und kann, Frauen weitgehend vorenthalten oder verboten war. Die Mehrzahl der Autoren und Theoretiker zogen weder in Betracht, jene Arten von (unbezahlter) Arbeit ernsthaft selbst zu übernehmen, noch zogen sie in Erwägung, dass der Mensch, also in diesem Sinne der Mann (!) keineswegs völlig autonom war. Stets wurde Men -nicht etwa Human- von Nature differenziert, Frauen und Reproduktionsarbeit zählten jedoch zu Part of nature. Der von vielen Philosophen und Rechtsgelehrten gern diskutierte Begriff des Altruismus, so schwammig, widersprüchlich und redundant die Interpretationen dieses Begriffes auch sein mögen, wurde und wird als Regel innerhalb der Familie, nicht aber innerhalb des Marktes gesehen.

Auch Neoklassische Ökonomiemodelle inkludieren das "separative Selbst", was bedeutet, dass das Individuum stets als autonom, rational und egoistisch vorausgesetzt wird. Von feministischer Kritik betroffen waren/sind hier die grundlegenden Annahmen (1) dass interpersonelle Vergleiche von Nutzwert unmöglich seien; (2) dass Geschmack exogen und unveränderbar, also absolut sei; und (3) dass Akteure immer eigennützig handelten. Diese Prämissen werden gegenwärtig auch zur Erklärung juristischer Modelle und zur Verankerung der westlichen Rechtslehre verwendet. Solche Annahmen können jedoch nicht ohne weiteres als "objektiv" gegebene Prämissen behandelt werden, vielmehr sind sie selbst bereits ideologische oder besser, ideale Konstruktionen. Ob es sich- verallgemeinert gesehen- um eher "männliche" Ideale, denn "weibliche" Ideale bzw. Attribute handelt, möge der/die Leser/in selbst entscheiden.

Auch in der Wissenschaftstheorie wird das "separative Selbst" glorifiziert (vgl. Evelyn Fox Keller, 1985). Evelyn Fox Keller sieht es nicht als bloßen Zufall, dass Objektivität als Separierung von Subjekt (Wissenschafter) und Studienobjekt definiert ist, da, so ihre Argumentation, männliche Wissenschafter diese Methodologie mit kulturellen Implikationen konzipierten, die genau das beschrieben, was Männlichkeit über Jahrhunderte ausmachte: separierte Autonomie (engl.: separative autonomy). So wird eine emotionale Verbundenheit mit dem Studienobjekt als kontaminierende Randbedingung bewertet, die im Context of Discovery verschwindet, im Context of Justification jedoch unerwähnt bleibt, während Fox Keller auf eine wesentliche Relevanz der Empathie hinweist.

Soweit nun erst einmal diese Einführung als tendenzielle Zusammenschau und Kritik zum Begriff von Männlichkeit in (historischen) Wirtschaftstheorien und philosophischen Staatstheorien.

Zum Verhältnis von Wirtschaft und Politik

Ich werde einen Aufsatz Ann L. Jennings' heranziehen, um politische und wirtschaftliche Entwicklungen vor dem 20. Jahrhundert kurz zu umreißen. Ann L. Jennings beschreibt die Entwicklung von Wirtschaft und Politik im angloamerikanischen Raum des frühen 19. Jahrhunderts folgend:

"The writers and public figures in early nineteenth-century economic discussions took little notice of women, the familiy, or even consumption. (The main exceptions were Malthus, who discussed population growth, and J.S.Mill, who was concerned with women's rights.) Nor did the new economy/family split Nicholson discusses cause any social controversy. Gary Langer's The Coming of Age of Political Economy (1987) shows instead that the main target of the new "political economists" was state control over economic affairs. Polanyi also described the challenges launched in Britian to mercantilism, the poor laws, and the corn laws as part of an effort to separate the economy from the state. The state was to be limited to pursuits that private, self-interested entrepreneurs could not undertake themselves. "State" and "economy" did not share the public sphere, but were demarcated according to an altered form of the public/private distinction that assigned preeminence to the market economy."

Die bis jetzt besprochene feministische Kritik kann als Feministischer Institutionalismus bezeichnet werden. Feministischer Institutionalismus, der auf der Beobachtung von sozialen wie geistigen Gewohnheiten basiert, weist Dualismen, wie sie hier vorkommen zurück und kritisiert deren kulturelle Manifestationen in sozialer Abschottung und sozialen Rangordnungen. Jennings führt weiters fort:

"From a feminist institutionalist standpoint, pecuniary culture is clearly dualistic and gendered. A simple and revealing exercise lays out in the interconnected web of dualistic meanings in the public/private distinctions that emerged in the nineteenth century. On the economy/family side of the "double dualism" a partial list of social distinctions might read: public / private

(market) economy/ family

man/ women

rational / emotional

mind / body

historical / natural

objective / subjective

science / humanities

economics / sociology

competitive / nurturant

independent / dependent

individual / ?

No word is paired with "individual" since there is no good term for "non-public" persons, perhaps because such persons are "represented" by their public counterparts."

In einer zweiten Konstruktion, die etwas kürzer ausfällt, da sie nicht primär die Genderattribute trägt, zeigt Jennings, wie sich assoziierte "Doppeldualismen" innerhalb eines ideologischen Shifts zugunsten des "Privaten" veränderten:

" private / public

(market) economy / state

individual / social

amoral / moral

freedom / regulation

enterprise / constraint

efficiency / inefficiency

objective / subjective

science / politics

In these constructions private outranks public, as in the ideology of laissez-faire and homage to free private enterprise, displacing the seventeenth-century priorization of public political activity.

[...]

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Titel: Repräsentationen und Konstruktionen von Männlichkeiten in Wirtschaft und Politik