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Rationalität von Wirtschaftsakteuren. Rational Choice Theorie, Downs Paradox und Wahltheorien

von Timo Hirschauer (Autor)

Hausarbeit 2014 28 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Philosophische Wurzeln der Rationalität

3. Rational Choice im Theoretischen Dschungel

4. Das Downs Paradox oder Voting Paradox

5. Die Debatte und neue Erkenntnisse des Wählerverhalten und der Politischen Ökonomie
5.1. Altruisistische Theorie des Wahlverhalten von Edlin, Gelman und Kaplan
5.2. Modified Altruistic modell- Unequal altruism
5.3. Irrationnalität statt Ignoranz - “Rational Ignorance versus Rational Irrationality.”

6. Schluss

BIBLIOGRAFIE:

1. Einleitung

Die aus den USA kommende Weltwirtschaftskrise, mit den Immobilienmarkt Zusammenbruch (Suprime crisis) 2007 und dem Untergang der Bank Lehman Brothers 2008, hat die Welt erschüttert und wird noch länger Auswirkungen auf unsere Wirtschaft haben. Die ganze Weltwirtschaft wurde getroffen. Diesmal kam der Auslöser aus der Mitte der reichen Länder.

Eine ganze Wissenschaft, nämlich die Wirtschaftswissenschaften, wird seitdem stärker in Frage gestellt, da sie dieses Phänomenon nicht vorausgesehen hat.

Die philosophischen Wurzeln des dominierenden Wirtschaftsliberalismus seit Adam Smith verlieren an theoretischer Legitimation. Aber was ist der Grundstein dieses Standpunktes?

Es ist die angenommene Rationale Handlungsweise der Menschen, beziehungsweise der Wirtschaftsakteure, sei es ein Konsument, ein Investor oder ein Staat.

Aber wie wird Rationalität begründet, definiert, begrenzt und angewendet?

Das Ziel dieser Arbeit ist es einen Überblick des wissenschaftlichen Theoretischen Standpunktes bezüglich der Rationalität im Allgemeinen(I) und der Rational Choice Theorie (RC) insbesondere wiederzugeben (II). Darüber hinaus wird besonders auf der Anwendung in der Politikwissenschaft wert gelegt und das Downs Paradox erläutert (III) und diskutiert (IV).

2. Philosophische Wurzeln der Rationalität

Die Idee der Rationalität stammt hauptsächlich aus dem Antiken Griechenland mit der auf den Logos basierenden Philosophie und Philosophen wie Platon oder Aristoteles. Während der Renaissance würden die Antiken wiederentdeckt und Philosophen wie Descartes mit dem „Ich denke, also bin ich“ (cogito ergo sum) oder Leibnitz und Spinoza haben die rationale Vernunft geprägt. Dieser Philosophischen Einfluss muss berücksichtig werden als Vorstufe zur Entstehung der Moderne. Die moderne Wirtschaftswissenschaften insbesondere werden auf Adam Smith zurückdatiert und seinem Werk „ An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ von 1776. Er erklärt die Herkunft des Reichtums der Nationen wie England oder die Niederlande. Unter anderem stellt er die Arbeitsteilung, den Markt, die Währung, der Profit, das Einkommen in einer neuen Perspektive vor. Er vergleicht seine Sicht mit dem Merkantilismus und den Physiokratismus die bis dahin überwiegend waren. Er entwickelt die Idee einer natürlichen Ordnung, die mit der Individuellen Freiheit des Einzelnen zum Allgemeinwohl aller führt. Dies ist ermöglicht durch den freien Markt, freien Austausch, und freie Konkurrenz.

Max Weber hat eine Interpretation des sozialen Handelns dargelegt die vier „Idealtypen“ der Rationalität unterscheidet. Die Zweckrationalität oder instrumental rationality bezieht sich auf die erwarteten Verhalten der anderen Akteure. Die Einschätzung der Umwelt wird genutzt um die zu durchführenden Aktionen zu errechnen. Wertrationalität ist die absolute Handelsweise des Akteurs, seinen Werten bzw. seinen Gewissen nach zu handeln, egal wie die Erfolgschancen stehen. Schließlich die Affekt und Emotion geleitete Rationalität, mit teilweise irrationalen Zügen und die konventionelle Rationalität mit einen gewissen habitus, also einen Routine geleiteten Handelsweg.

Diese vier Interpretationen schließen sich nicht aus, sondern kombinieren sich meistens. Die zwei ersten sind dabei dominant. Das wichtigste in Webers Analyse ist das er keine verhalten aus der Rationalität ausschließt. Auch Religiose oder emotionale gründe können immer als Erklärung hervorgehoben werden, auch wenn es nicht Zweck- oder Wert rational ist.

Eztioni[1] hat die die begrenzte Rationalität (bounded rationality) mit Webers Wert und Affekt Rationalität kombiniert. Für ihn wird die instrumentale Logik von Weber einer normativen Reflexion sowie Affekte untergeordnet.

Die begrenzte Rationalität (bounded rationality) haben Herbert Simons und Hawkins 1949[2] erläutert und ist ein wichtig zu erwähnender Punkt. Diese wird heute nämlich durch Daniel Kahneman[3] vorangetrieben. Die Rationalität ist hier durch sowohl kognitive grenzen wie auch durch ein Mangel an Informationen begrenzt. Der Akteur begnügt sich somit mit der ersten ausreichenden Option und selten mit der optimalen Lösung für diese Situation denn ihm fehlen wichtige Informationen, deren Aneignung auch Zeitaufwändig ist.

3. Rational Choice im Theoretischen Dschungel

Während die Rational Choice (RC) Theorie in den Wirtschaftswissenschaften bis vor kurzem sehr weitgehend akzeptiert und verwendet wurde, ist sie in den Geistes- und Humanwissenschaften kontroverser behandelt.

In der Wahlforschung, bzw. die wissenschaftliche Analyse von Wahlen, wurde Rational Choice von Anthony Downs eingeführt mit seinem Hauptwerk “An Economic Theory of Democracy “ von 1957.

Wir haben gesehen das der theoretische Hintergrund des rationalen Handelns, sich in der Nationalen Ökonomie von Adam Smith befindet, und der Interpretativen Soziologie von Max Weber. Die Rational Choice Herangehensweise überträgt die neoklassische „ Agent theory“ und die Annahmen des homo oeconomicus in die politische Soziologie, was Raymond Boudon den « homo sociologicus » genannt hat.

Aber was sind die Bedingungen oder Annahmen des Individuellen Methodologischen Individualismus und damit des Rational Choice Models?

Erstens die Oberhand des Individuums über die sozialen Strukturen. Die Mikroebene des Individuums erklärt die sozialen Bewegungen. Es ist das Gegenteil des methodologischen Holismus von Emile Durkheim der sagte “Die erste und fundamentale Regel ist, soziale Fakten als Dinge zu sehen“. Seine Nachfolger Auguste Comte und Pierre Bourdieu legen Wert auf soziale Klassen oder Gruppen. Der Individualismus sieht die Freiheit und Autonomie jedes Individuums als stärker an als soziale Determinationen. Der freie Wille steht also wie erwartet im Mittelpunkt. So werden die Sozialen Ereignisse als Ergebnisse individueller Verhalten angesehen. Genau die Motivationen dieser Individuellen Verhalten müssen studiert werden. Die Summe der individuellen Entscheidungen führen also zu sozialen Fakten und nicht die Sozialen Determinationen zu Individuellen Entscheidungen.

Um den französischen Soziologen Raymond Boudon nochmal zu zitieren ” Der Grundsatz des methodologischen Individualismus postuliert, um sozialen Fakten zu erklären(…), das es unabdingbar ist, die Motivationen der betreffenden Leute wiederherzustellen, das Phänomen sollte als Ergebnis der Aggregation individueller verhalten die von Motivationen provoziert werden, gesehen werden „

Das Individuum ist also rational. Er strebt seine Eigenen Interessen nach und versucht seine Glückseligkeit oder Wohlergehen zu maximieren mit einer minimalen Anstrengung. In einer utilitaristischen Sicht macht er Entscheidungen um die verfügbaren Ressourcen am besten zu nutzen. Rationalität schaut das Endergebnis an sagt Max Weber. Entscheidungen werden theoretisch nur genommen wenn die marginalen kosten geringer sind als die Potenzielle gewinne.

So ist das Individuum durch seine Motivationen, persönlich Entscheidungen und beabsichtigte Aktionen geführt. Demzufolge sollte die Soziologie die Intention, die subjektive Bedeutung, das Denksystem das zu der aktiven Motivation führt studieren. Boudon spricht von „intentionalitäten“ weil die Information unvollkommen ist. Dieses Modell wird auch in den soziologischen Studien der Wahlentscheidungen übertagen.

Der Wählermarkt wäre nach dem Rational Choice Model ein Markt wie jeder anderer, mit rationale und egoistische, berechnende Leute. Auf der Seite des Angebot werden Unternehmer dargestellt die kollektive Güter produzieren, versprechen es zu tun oder symbolische Güter wie zum Beispiel „Die Große der Russischen Nation“. Die Anbieter adaptieren das Angebot um die Chance zu erhöhen gewählt zu werden. Auf der Seite der Anfrage stehen die Wähler, die eigentlich als Konsumenten angesehen werden die ihre Wohlergehen maximieren wollen, profitable Reformen anfragen und je nach kosten der Programme mit unteranderem Fiskalkosten. Eine relative Ignoranz oder Informationsmangel kann auch rational sein für die Wählerschaft. Weil die kosten der Informationsfindung hoch sind, in der investierten Zeit zum Beispiel, was die Kosten höher als den erwarteten Gewinn führen kann, der je nach Wahlprogramm von dem Wahlergebnis erhofft wird.

Neben der ökonomischen Erklärung gibt es zwei konkurrierenden Theorien die in der Wahlforschung angewendet werden. Es sind die Mikrosoziologie und die Sozialpsychologie.

Die Mikrosoziologie oder auch Columbia Schule genannt beruht auf das 1944 erschienene Arbeit „ The People´s choice “ von Paul Felix Lazarsfeld.. Vor dieser Publikation war von Politikwissenschaftlern angenommen das das Wahlverhalten nur auf Wahlthemen oder sogenannte „ issues “ beruhen (Borre, Ole. 2001)[4]. Basierend auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen von 1940 fand die Studie nur wenig Rechtfertigung eines „ Issue voting “. Aber das im Gegenteil die Themen eigentlich die Parteiloyalitäten stärken. Es wurde resultiert das die Wählermotivationen in drei Kategorien unterteilt werden könne: Die Partei Identifikation, die Kandidaten Orientierung und die Themen Orientierung.

Die weitere konkurrierende These der kommen aus der Sozialen Psychologie. Sie basiert auf den Klassiker „The American Voter“ 1960 durch Angus Campbell, Philip E, Converse, Warren E, Miller und Donald E, Stokes veröffentlicht. Hier wird die Partei Identifikation in den Vordergrund gestellt als primäre Kraft. Diese beeinflusst die zwei anderen Kategorien stark. Die drei Faktoren machen also auch die schule der, Michigan University in Ann Arbor aus (Donsbach 2008)[5]. Es ist ein persönlichkeitsbezogener Faktor der das Wahlverhalten grundlegen erklärt. Die Wahlberechtigten nehmen politische Informationen über Sachprogramme der Parteien und deren Kandidaten gefiltert wahr. Die individuelle Wahlentscheidung ist demnach ein Resultat aus dem Zusammenspiel vorgängiger Erfahrung des Individuums und dessen subjektiver Situationsdeutung. Die Information ist nicht perfekt sondern gefiltert. Die Stärke der sozialen Bindung des Wählers hat dabei einen großen Einfluss. Die vorherrschen Einstellungen der Umfelds gruppe (Arbeitsumfeld, Freundeskreis, Berufsverbände wie Gewerkschaften oder Kirchengemeinden) prägen die Person. Sie will oft nicht gegen die vorherrschende Meinung einer Gruppe verstoßen. So könnte sich zum Beispiel in der Nachkriegszeit die kommunistische Partei in Frankreich weitreichend in der Gesellschaft etablieren, über Gewerkschaften, Universitäten, Kulturszene oder sogar mit eigenem Fußballverband und diversen Sportvereine. Man ist von dem „Milieu“ langfristig beeinflusst, und Kontingente Einflüsse wirken schwacher als Familiäre Partei Bindung, was das wahlverhalten für die Soziologie berechenbarer macht. Selektion herrscht nicht nur in der Informationsaneignung sondern auch als (Auto)-Kenzur im Freundeskreis. Schlechter informierte Menschen orientieren sich bei ihrer Wahlentscheidung an Meinungsführern. Gustave Le Bons Hauptwerk „Psychologie der Massen“ („ Psychologie des foules[6] ) bezüglich des Herdentriebs könnte interessanterweise hervorgezogen werden.

4. Das Downs Paradox oder Voting Paradox

Anthony Downs (1957, 267-270)[7] wird als erster angesehen der die Idee des „ voting paradox” hervorgehoben hat. Er stellt drei Bedingungen die Wählen in der modernen Demokratie ausmachen.

[...]


[1] Etzioni, A. (1988), “Normative-Affective Factors: Towards a New Decision-Making Model”, Journal of Economic Psychology, Vol. 9, pp. 125–150

[2] Simons, H. and Hawkins, D. (1949), “Some Conditions in Macro-Economic Stability”, Econometrica, 1949.

[3] Kahneman, Daniel (2003). "Maps of bounded rationality: psychology for behavioral economics". The American Economic Review 93 (5): 1449–75

[4] Borre, Ole. Issue voting : an introduction. Aarhus ; Oakville, CT: Aarhus University Press. (2001)

[5] Donsbach, Wolfgang. The International Encyclopedia of Communication.2008.

[6] Gustave Le Bon, Psychologie des foules, Alcan, 1895

[7] Anthony Downs,An Economic Theory of Democracy, Prentice Hall, 1957

Details

Seiten
28
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668150409
ISBN (Buch)
9783668150416
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315672
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Seminar für Wissenschaftliche Politik
Note
1,7
Schlagworte
Rational Choice Wählerverhalten Downs Kahneman Lazarsfeld Bounded rationality Caplan Chiang

Autor

  • Timo Hirschauer (Autor)

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Titel: Rationalität von Wirtschaftsakteuren. Rational Choice Theorie, Downs Paradox und Wahltheorien