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Die Begriffe "Gut" und "Böse" im Leibniz’schen Weltbild

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Differenzierung der Begriffe ,,Gut’’ und ,,Böse’’

3. Leibniz Weltbild und seine Auffassung des Guten und des Böse
3.1. Der Satz vom Grunde
3.2. Das Konzept der Leibniz’schen Theodizee
3.3. Das Gute und das Böse

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was genau ist das Böse und ist es in jedem von uns von Geburt aus angelegt? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit das Böse zu einer menschlichen Lebensweise wird? Und strebt nicht jeder Mensch eigentlich von Natur aus nach dem Guten?

In unserem Sprachgebrauch wird der Begriff des Bösen meist dazu verwendet um etwas Negatives auszudrücken. Das Böse ist das dem Guten entgegengesetzte. Herkömmlich wird es als ,, privatio debiti boni, als Raub des geschuldeten Guten definiert und damit negativ auf das Gute bezogen.“[1] Im Gegensatz zu dem Bösen ist das Gute sowohl eine moralische, als auch gesellschaftliche Norm und gilt als erstrebenswert. Doch wer bestimmt darüber, was richtig oder falsch ist. Im Grunde genommen werden die Begriffe Gut und Böse zunächst einmal subjektiv gemessen und bedeuten für jeden etwas anderes. So kann es der Fall sein, dass etwas, das man selbst für schlecht und böse erachtet, für den anderen etwas sehr Gutes darstellt. Was richtig oder falsch ist liegt also im Auge des Betrachters. Eine Person, die davon überzeugt ist gut zu handeln, kann von außenstehenden Personen als gefährlich und böse eingeschätzt werden, wenn sie nach einer falschen Vorstellung der Mehrheit handelt. Wir Menschen distinguieren unsere Realität also oft selbst in Gut und Böse, Positiv und Negativ. Darüber hinaus existieren jedoch Situationen und Dinge in der Welt, über welche sich selbst Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen einig wären, dass sie schlecht, zerstörend und unbezweifelbar böse sind. Fernerhin verfügen wir alle über eine gleichartige Grundwahrnehmung auf gefühlsmäßiger Ebene, sobald wir mit etwas für uns Schlechten konfrontiert werden. Unsere Reaktion und die Physiognomie darüber was wir als angenehm oder unangenehm empfinden, ist gleich. So ist zum Beispiel das Lachen eine Körpersprache die auf der gesamten Welt gleich klingt und die jeder versteht.

Bereits damals haben Philosophen erkannt, dass das Böse nicht ohne das Gute bestehen kann und das Glück nur als genaues Gegenteil von Unglück als dieses erkannt werden kann. Beide Zustände gehen miteinander einher und sind meist nicht von Dauer. In folgender Arbeit soll das Leibniz’sche Weltbild und die Begriffe des Guten und des Bösen genauer definiert werden und untersucht werden ob und wieso es beide Komponenten geben muss. Es wird dazu die Leibniz´sche Theodizee betrachtet, welche eine Rechtfertigung hinsichtlich des von Gott zugelassenen Übels in der Welt ist. Sowohl das Prinzip der prästabilierten Harmonie, als auch die Idee der besten aller Welten werden über die Notwendigkeit des Bösen in der Welt aus dieser Perspektive Aufschluss geben.

2. Allgemeine Differenzierung der Begriffe ,,Gut’’ und ,,Böse’’

Wenn doch eigentlich das Gute das ist, was Menschen von Natur aus anstreben und das Schlechte etwas ist, das es zu vermeiden gilt; wie kann es dazu kommen, dass Krieg, Not und Leid auf der Welt an der Tagesordnung liegen. Jeder Mensch wird in seinem Leben sowohl mit dem Guten, als auch mit dem Schlechten konfrontiert und weiß genau um jenes Gefühl Bescheid. Zunächst einmal muss jedoch unterschieden werden in das, was gut und böse wirklich bedeuten und in das, was als gut oder schlecht beurteilt wird. So gibt es auf der einen Seite Normen und Werte die kulturabhängig sind und deren Bedeutung relativ ist und auf der anderen Seite Maßstäbe, die universell gelten.

Folgendermaßen werden Dankbarkeit und Großherzigkeit überall als ,,Gut“ angesehen, während der Geizige verachtet wird. Doch die kulturübergreifenden Gemeinsamkeiten auf der einen Seite und die gravierenden Unterschiede der verschiedenen Zivilisationen andererseits, wirft die Frage nach einem allgemein gültigen Maßstab auf.[2] Was eine gute Handlung ausmacht ist also keineswegs so leicht zu pauschalisieren, denn zunächst einmal bewerten die meisten Menschen sich und ihre eigenen Handlungen als gut. Dies ist eine starke Antriebsfeder. Dem psychologischen Egoismus zufolge sind ,,unser Streben und Handeln als Mensch, sogar das Unbewusste, darauf ausgerichtet (...), unsere Wünsche, Interessen und Ziele zu verwirklichen.’’[3] Platon behauptete, dass ausnahmelos sogar nur um des Guten Willens gehandelt werden könne. (Spaermann, S.86) Problematisch wird es, wenn der Glaube über einen selbst, oder das Bild, das jemand nach außen hin verkörpern möchte, von anderen infrage gestellt wird und außenstehende Personen einen plötzlich anklagen. Das Bild, welches man in diesem Fall über sich selbst hat kann nicht mehr aufrecht erhalten werden, da es mit dem Bild des Gegenübers kollidiert. In diesem Fall kommt es zu Konflikten und verschiedene Ansichten prallen aufeinander.

Sowohl das Böse als auch das Schlechte stellen nicht nur den genauen Unterschied zum Guten dar. Sie sind also nicht nur das Auslassen von Gutem, sondern wirken diesem sogar entgegen. Etwas Gutes zu unterlassen, bedeutet nicht zwangsläufig Böses zu tun. Jedoch ist böses Handeln immer mit dem Unterlassen von gutem Handeln verbunden.[4] Thomas von Aquin behauptete, dass ein Übel selbst niemals angestrebt werden kann, wenn es nicht in Verbindung mit dem Guten steht. Darüber hinaus muss es Dinge geben, welche versagen können, der göttlichen Ordnung wegen. Ein oberstes, vollkommenes Übel kann nicht existieren, denn es könnte das Gute niemals komplett zerstören. Das Gute fungiert als Träger des Bösen. Wenn das Böse alles vernichten würde, so würde es auch sich selbst vernichten und sich die Grundlage entziehen, da es aus dem Guten hervorgeht.[5] Das Böse kann als etwas verstanden werden, das gegen die göttliche Ordnung und das Prinzip des Schaffens und des Lebens handelt und allein nach sich selbst lebt, abgeschnitten von dem, aus dem es eigentlich hervorgeht, dem Guten. Böses allein kann nicht bestehen. Es kann aber der Gegenspieler des Guten sein, da es selbst aus diesem hervorgeht.

[...]


[1] Blume, UTB-Online-Wörterbuch

[2] Spaermann 1982, S.12-16

[3] Behrendt, 2015, S. 153

[4] Dalferth, 2006, S. 96ff.

[5] Kochanek, 2002, S. 60f

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668150171
ISBN (Buch)
9783668150188
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315651
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Schlagworte
Leibniz Philosophie Gut und Böse Norm Weltbild

Autor

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