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Der Nikolaus von Myra. Überblick zu Legenden und Bräuchen

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Sage/Legende

3. Definition Sitte/Brauch

4. Die Person Nikolaus von Myra

5. Wichtige Legenden und ihre Auswirkungen
5.1 Die Stratelatenlegende
5.2 Die Legende von den drei Jungfrauen
5.3 Die Stillung des Seesturms
5.4 Die Auferweckung der drei getöteten Schüler

6. Bräuche
6.1 Kinderbischofsspiel
6.2 Einlegebrauch
6.3 Einkehrbrauch

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein bulgarisches Sprichwort sagt: „Wenn Gott stirbt, dann wählen wir den heiligen Nikolaus zu seinem Nachfolger“. Die Person „Nikolaus“, genießt eine einzigartige Reputation. Kaum jemanden dürfte er kein Begriff sein. Wie erlangte er jedoch solch einen Status bei uns Menschen? Worauf beruht unser Wissen über den vorweihnachtlichen Gabenbringer? Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zum einem mit den bekanntesten Legenden über den Nikolaus, und zum anderen mit Bräuchen, welche daraus resultieren. Es wird sich auf die bekanntesten Legenden konzentriert, aus denen sich Bräuche entwickelt haben die heute von relevanter Bedeutung für uns sind. Der 6. Dezember stellt heute nicht nur für Kinder ein vorweihnachtliches Spektakel dar. Das Beschenken am Nikolaustag ist zur Tradition geworden. Mit den uns bekannten Bräuchen kommen jedoch auch zahlreiche Fragen auf. Welche Auswirkungen haben Nikolaus-Legenden auf unseren heutigen Alltag? Woraus sind die uns heute gängigsten Bräuche am Nikolaustag entstanden? Wo haben sie ihren Ursprung? Um Antworten auf diese Fragen zu finden wurden alle bekannten Nikolauslegenden analysiert um diejenigen mit der größten Bedeutung für die Brauchforschung wiedergegeben. Hierzu werden zunächst die Begrifflichkeiten „Brauch“ und „Legende“ definiert. Danach werden einige Daten über die Person Nikolaus zusammengefasst. Anschließend finden die Wichtigsten Legenden ihre Verankerung. Aus ihnen wurde ein umfassendes Bild vom Nikolaus kreiert. Der Nikolaus zählt heute zu einem der wichtigsten Heiligen seiner Zeit, und hat mittlerweile auch außerhalb des Christentums eine nichtmehr wegzudenkende Rolle eingenommen. Die Geschichte über ihn, ist teilweise nicht nachweisbar, die Legenden über ihn stützen sich größtenteils jedoch auf mehrere Quellen. Vielen Menschen ist nicht entgangen, dass es sich beim Nikolaus um einen Wohltäter und frommen Mann gehalten haben muss, die Wenigsten wissen hingegen, wie er zu seinem Status gelangt ist. Diese Arbeit hat nicht die Analyse der einzelnen Legenden zum Gegenstand. Sie will nicht im Einzelnen die Erzählungen untersuchen, sondern einen Überblick darüber geben welche von den zahlreichen Nikolauslegenden bis in die heutige Zeit von großer Relevanz sind. Die Legenden und Bräuche sollen hierbei ein einheitliches Bild darstellen und Zusammenhänge verdeutlichen. Als Hauptquellen hierzu diente Fachliteratur, die sich speziell auf die Heiligenperson Nikolaus konzentriert. Wichtig waren auch Grundlagenwerke der Volkskunde.

2. Definition Sage/Legende

Bei der Sage handelt es sich um eine mündliche Erzählung. Meist treffen hierbei Menschen auf übernatürliche Wesen, die Handlung spielt sich jedoch auf dieser Welt ab. Das Geschehnis findet an einem realen, bekannten Ort zu einem besagten Zeitpunkt statt. Die Legende ist hingegen nicht mündlich, sondern schriftlich überliefert. Der Name „Legende“ stammt aus dem griechischen und bedeutet „das Vorzulesende“. In der Volkskunde muss zunächst eine Legende existieren, damit sich ein Brauch ausprägen kann.1 Legenden haben eine hohe Affinität zu Religionen, wie am Beispiel Nikolaus das Christentum. Inhaltlich handelt es sich bei Legenden um fromme, sittliche oder heilige Personen. Überirdische Figuren, kommen in Legenden nicht vor, einzige Ausnahme ist der Teufel, da er im Gegenzug zu Gott steht und somit das Gegenteil zu dem Guten darstellt. Sage und Legende beinhalten also beide außergewöhnliche Handlungen und werden deshalb sehr oft gemeinsam verwendet, es gilt jedoch beide Begriffe zu unterscheiden. Ein großes Unterscheidungsmerkmal ist, dass die Sage in sich ein außergewöhnliches Phänomen oder Ereignis versucht zu erklären, während eine Legende eine Person im Fokus hat, welche sie versucht zu erklären. Die Person, wie z.B. Der heilige Nikolaus vollbringt hierbei freiwillig eine außergewöhnlich wunderbare Tat. „Legenden sind keine Reportagen. Oftmals sind sie auch gar nicht von einem einzelnen Verfasser geschrieben. Jemand macht einen Anfang; der Keim beginnt zu wachsen; später sammelt vielleicht ein Schriftsteller das Material und fügt es zu einer „vita“, einer Lebensbeschreibung, zusammen.“2 In der Sage geschieht dies meist unfreiwillig, die Person wiederfährt zufällig eine besondere Situation.3 Legenden umfassen zum einen, einen historischen Kern, zum anderen haben sie zum Ziel Freude zu verbreiten, sowie jene Person in der Legende. Die gelingt den Legendenerzählern, dadurch, dass sie die Gutmütigkeit des Menschen in den Vordergrund stellen, und so ein Bild kreieren welches für als Vorbild angesehen wird, da er soviel Gutes vollbringt. Dabei werden Realität und Idealvorstellungen geschickt vermischt. „Sie bringen die Widerfahrnisse unserer Welt, denen wir uns immer wieder ausgeliefert sehen, in Verbindung zu einem Menschen, aus dessen Taten die Überzeugung spricht, daß dieses irdische Geschick nicht das letzte Wort ist.“4

3. Definition Sitte/Brauch

Allgemein kann man sagen, dass ein Brauch weite Teile des sozialen Lebens in seinen kulturellen Ausprägungen abdeckt. Bräuche sind bestimmte Handlungen in einem bestimmten Moment. Es handelt sich also um keine spontan ablaufende Handlung sondern um eine regelmäßige Handlung, die wiederkehrend stattfindet. Ein Brauch bedarf außerdem einer Gruppe, welche die Handlung ausübt und für die, die Handlung von Bedeutung ist. Durch ihren sozialen Charakter ist die Brauchforschung auch für andere Wissenschaften interessant. In der Nachkriegskunde und verstärkt seit Mitte der 1960er Jahre haben sich einige besondere Schwerpunkte wie Feste und Familienbräuche in der Brauchforschung herausgebildet. Als Brauch bezeichnet man sich wiederholende Abläufe sozialen Handelns. Bräuche bilden grundlegende Bestandteile der alltäglichen Lebenswelt, jedoch fehlt ihnen die normative Kraft. Sie sind nichts geltendes, wenn man sie nicht befolgt kann wird dies nicht mit Sanktionen bestraft, also die Stabilität eines Brauches ist relativ offen.5 Brauch wird häufig in Verbindung mit „Sitte“ benutzt. Der Übergang vom Brauch zur Sitte ist fließend. Es handelt sich um Verhaltensweisen die in bestimmten begrenzten Gemeinschaften verankert sind. Mit dem Brauch als Kategorie der Volkskunde „entwickelt sich ein wesentlicher Teil des „Kanons“, der weite Bereiche des normierten sozialen Lebens in seinen mannigfaltigen kulturellen Ausprägungen umfasste.“6 Brauchforschung kann also weitreichend und vielseitig angelegt sein. Eine klare Definition von Brauch ist nicht so einfach, da der Begriff in der Volkskunde häufig diskutiert wird, und zwar nicht nur wissenschaftlich. Des Weiteren ist Brauch mit Sitte eng verwand und wurde lange als Synonym verwendet, also nicht klar unterschieden. Dies ist teilweise heute noch so. Oft wird „Sitte“ als Übergriff verwendet, da sie nichts Greifbares - keine Handlung - wie der Braucht ist. Eine klare Trennung zwischen Sitte und Brauch wurde nicht oft versucht. Als Brauch kann man jedoch das konkrete Handlungsmuster bezeichnen. Sitte war die moralische Ordnung, Brauch regelte den Ablauf der Zeremonien und die Rituale. Wurde die Sitte verletzt, bot der Brauch Sanktions- und Kompensationsmöglichkeiten.7 Z.B eine Braut, die nicht als Jungfrau in die Ehe ging musste statt eines weißen, ein schwarzes Kleid zur Hochzeit tragen. Damit war allen Beteiligten klar, dass die Regel verletzt wurde, aber die Regelverletzung somit auch gebüßt wurde. „Legenden sind Hoffnungsgeschichten“8

4. Die Person Nikolaus von Myra

Der Populärste Heilige des Advent, stellt für die Mehrheit keine Glaubensfrage mehr dar. Die meisten wissen jedoch wohl nicht, dass der Nikolaus, so wie wir ihn heute kennen niemals existierte. Über den Nikolaus können keine sicheren Aussagen getroffen werden.9 Sicher ist nur, dass es einen Bischof mit Namen „Nikolaus von Myra“ gegeben hat. Es handelt sich um eine Kompilation aus dem geschichtlichen Bischof Nikolaos von Myra im kleinasiatischen Lykien, der im 4. Jahrhundert gelebt hat,in Patara geboren ist später aber nach Myra ging. Die zweite Person war ein gleichnamiger Abt Sion, der Bischof von Pinora war und am 10. Dezember 564 in Lykien starb.10 Der Bischof von Myra starb der Überlieferung nach am 6. Dezember, weshalb jener Tag seither als Gedenktag an ihn gilt. Die Verschmelzung dieser beider Figuren, stellt heute den uns bekannten Nikolaus dar. Nikolaus hat beide großen Kirchenspaltungen miterlebt. Die Menschen hatten zu seinen Lebzeiten großes Vertrauen in den Bischof. Die Stadt Myra genießt heute noch die Auswirkungen von Nikolaus Wirken. Die Gebeine des Bischofs, wurden lange in Myra aufbewahrt, im Jahre 1087 brachte man diese nach Bari, wo sie bis heute in einer Basilika ruhen.11 Nikolaus stammt aus dem griechischen und bedeutet „Sieg des Volkes“. Dies erinnert an das Ende der römischen Christenverfolgung beziehungsweise den Beginn der Anerkennung des Christentums, wahrscheinlich waren seine Eltern Christen. Zu Nikolaus Lebzeiten wurde auf den Straßen von ihm gesprochen. Im Mittelalter galt er als Schutzpatron und Helfer für alle in Not - selbst Diebe. Nikolaus war ein sehr guter Diplomat und Vermittler und wurde so zu einer der bekanntesten Gestalten der Kirche und Kulturgeschichte. Erst mit der Reformation fand eine Abschwächung seiner Verehrung statt. Der Gabenbringer Nikolaus, wurde vom Christkind abgelöst. Er hat uns selbst nichts schriftliches hinterlassen, aus seinen Lebzeiten gibt es auch keine schriftlichen Dokumente. Der älteste Bericht über sein leben ist erst 200 Jahre nach seinem Tod entstanden.

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1 Mezger 1993, S. 59

2 Mensing 2001, S. 52

3 Vollmann 2001, S. 1ff.

4 Mensing 2001, S. 53

5 Lexikon

6 Bimmer 2001, S. 1

7 Kaschuba 2006, S. 167

8 Bimmer, S. 1. In: Grundriss der Volkskunde 2001

9 Moser 1993, S.37

10 Becker-Hubert 2005, S.34

11 Mensing 2001, S.8

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668150119
ISBN (Buch)
9783668150126
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315630
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Europäische Ethnologie
Note
2,7
Schlagworte
Nikolaus Legenden Heiliger Nikolaustag Nikolauslegende

Autor

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