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Tourismus in Entwicklungsländern am Fallbeispiel Bali

Hausarbeit 2000 20 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Tourismus in Entwicklungsländern
1. Begriffsklärung
2. Entwicklung und Geschichte
3. Wirtschaftliche Bedeutung

III. Fallbeispiel Bali
1. Zahlen und Fakten
2. Die Geschichte Balis
3. Entstehung des Tourismus auf Bali
3.1. Anziehungspunkte der Insel
3.2. Imageaufbau
3.3. Staatliche Unterstützung
3.4. Ökonomische Effekte
4. Kulturtourismus auf Bali
4.1. Kultur als Marker für Bali
4.2. Folgen und Probleme des Kulturtourismus
4.3. Lösungsansätze

IV. Zusammenfassung

V. Anhang (nicht enthalten)

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Fernreisen von den „Ländern der Reichen in die Länder der Armen“[1] haben seit einiger Zeit Hochkonjunktur.

1986 hat der Studienkreis für Tourismus in der BRD eine Reiseanalyse durchgeführt, die ergeben hat, daß das Interesse für Fernreisen als „modische Reiseart“ zugenommen hat und 46% der Befragten Fernreisen als „in“ betrachten[2].

Die Sehnsucht und die Vorstellung bald an einem Ort zu sein, der Exotik, Fremdartigkeit, unberührte Völker und Landschaften, vielleicht sogar das Paradies verspricht, ist die Haupttriebkraft der Fernreisenden.

Die Fragen, die sich stellen, und diese werden in der Geographie sehr kontrovers diskutiert, sind ob diese Tatsache einen Vorteil oder einen Nachteil des potentiellen Gastlandes darstellt, und wie sich der Tourismus auf die Wirtschaft, Gesellschaft, sowie das naturräumliche Potential auswirkt.

Angesichts der Tatsache, daß der internationale Tourismus zu den am schnellsten wachsenden Sektoren der Weltwirtschaft gehört und unumstritten ein wichtiger Devisenbringer für die Gastländer darstellt, läßt sich sagen, daß er sich ökonomisch betrachtet durchaus positiv auswirkt.

Die Frage, die sich aber stellt ist, ob der wirtschaftliche Vorteil auch den Schaden kompensiert, den er der Gesellschaft und der Kultur des Gastlandes zufügt.

Am Fallbeispiel Bali und dem dortigen Kulturtourismus wird im Folgenden näher auf diese Thematik eingegangen.

II. Tourismus in Entwicklungsländern

1. Begriffsklärung

Um den Tourismus in Entwicklungsländern zu erläutern, muß zunächst einmal geklärt werden, um welche Länder es sich bei diesen überhaupt handelt, was für Merkmale sie ausmachen und worum es bei dem Begriff „Entwicklung“ geht.

Eine mögliche Definition des Begriffes „Entwicklung“ ist folgende: „Entwicklung wird unter allgemeinen Gesichtspunkten als Fortschritt eines Prozesses verstanden, bei dem kulturelle, soziale, politische, ökonomische und technische Kriterien berücksichtigt werden“[3].

Der Begriff „Entwicklungsland“ wurde Anfang der 1950er Jahre geprägt. Er steht für eine nicht einheitlich definierte Gruppe von Ländern, deren Entwicklungsstand im Vergleich zu den Industriestaaten gering ist. Kriterien für die Zuordnung von Entwicklungsländern sind ökonomische, ökologische, demographische, sozio-kulturelle und politische.

Eine mögliche Gesamtgliederung aller Länder ist folgende:

1. Industrieländer (entwickelte Länder)
2. „Entwickeltere Länder“ (politisch und/oder geographisch isoliert)
3. Entwicklungsländer Typ I (mit großem Entwicklungsdefizit)
4. Schwellenländer (Länder im Übergang zu einer höheren Entwicklungsstufe)
5. Entwicklungsländer Typ II (geringfügig weiterentwickelt als Typ I)
6. Länder mit dominanten Rohstoffen (v.a. Erdöl, Nickel, Bauxit und Erdölverarbeitung)[4]

Auch innerhalb der Entwicklungsländer lassen sich anhand obengenannter Kriterien noch große Differenzen ausmachen; so muß auch hier noch mal unterteilt werden.

Der jährlich erscheinende „Weltentwicklungsbericht“ der Weltbank unterteilt die Entwicklungsländer in folgende Kategorien:

1. Länder mit niedrigem Einkommen (BSP pro Kopf 1997 bis 785$)
2. Länder mit mittlerem Einkommen (BSP pro Kopf 1997 zwischen 786 und 3125$)
3. Länder mit höherem Einkommen (BSP pro Kopf 1997 über 9655$)
4. Schwellenländer (Länder an der Schwelle zu den Industrieländern)[5]

Die UN entwickelte 1970 die Bezeichnungen LDC (Less developed countries), LLDC (Least developed countries) und MSAC (Most seriously affected countries). Hinzu kam die Bezeichnung für die Schwellenländer (NICS - Newly industrialized countries).

Es wird deutlich, daß verschiedene Gliederungsansätze möglich sind und nicht zu sagen ist, ob diese richtig oder falsch sind.

Da diese Arbeit den Tourismus in Entwicklungsländern betrifft, muß ebenfalls geklärt werden, wie Touristen zu definieren sind. Hierbei bietet die UN eine weitere Definition.

Demnach sind Touristen „...persons travelling for pleasure, domestic reasons, health, meetings, business, study etc. and stopping for a period of 24 hours or more in a country or area other than that in which they usually reside.“[6]

Als Ferntouristen sind dabei diejenigen zu bezeichnen, die in außereuropäische Länder reisen.

2. Entwicklung und Geschichte

Nachdem sich der Tourismus im 19. Jahrhundert zunächst von der Stadt aufs Land, an die See und ins Gebirge orientierte, erreichte er anschließend die weniger entwickelten Regionen am Rande Europas, vor allem den mediterranen Raum.

In den 50er Jahren wurden z.B. die Türkei, Nordafrika und der Nahe Osten zu beliebten Destinationen.

Besonders seit Mitte der 60er entwickelte sich der Tourismus in Entwicklungsländern und wurde anfangs noch sehr positiv bewertet.

Seitdem lassen sich verschiedene Phasen im Ferntourismus ausmachen[7]:

1. Euphoriephase

Als Euphoriephase wird die zweite Hälfte der 1960er Jahre bezeichnet, also die Zeit, in der sich der Entwicklungsland-Tourismus zu etablieren begann. Der Dritte-Welt-Tourismus wurde hier hauptsächlich unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, da er eine wichtige und positive wirtschaftliche Entwicklung darstellte. Ferner wurde die völkerverständigende Wirkung betont.

2. Ernüchterungsphase

Diese setzte Anfang der 1970er Jahre ein. Nach kontroversen Diskussionen standen nun die negativen Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Gastländer im Vordergrund.

Auch die Gastländer selber traten dem Tourismus mit zunehmender Skepsis entgegen, da erste Erfahrungen mit Massentourismus gemacht wurden, die die positiven ökonomischen Effekte in den Hintergrund treten ließen.

3. Aktionsphase

In dieser Phase versuchte man Informations- und Bildungsprojekte zu entwickeln, die die Informationsdefizite über die Gastländer bei den Fernreisenden abzubauen versuchten und ihnen Hinweise für ein angemessenes Reiseverhalten zu geben.

In dieser Phase entstand auch die Erkenntnis, daß ein Handlungsbedarf in bezug auf eine internationale Kooperation und Vernetzung besteht.

4. Organisationsphase

Merkmale dieser Phase (Anfang der 1980er einsetzend), sind die angestrebte zunehmende Organisation, Zusammenarbeit und Vernetzung von Ländern und deren Institutionen.

5. Widerstandsphase

Diese, ebenfalls Anfang der 1980er einsetzende Phase, war gekennzeichnet durch den „Aufstand der Bereisten“, der zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal durch die Medien ging. Nicht nur die Bereisten übten zunehmend Kritik aus, sondern auch Umwelt- und Naturschutzorganisationen, die die bisher verschwiegenen und schon sichtbaren ökologischen Probleme aufzeigten.

6. Umsetzungsphase

Seit Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre ist ein zunehmendes allgemeines Bemühen erkennbar, theoretische Lösungsansätze auch praktisch in die Tat umzusetzen. Es liegen Konzepte und Modellprojekte vor, die den Tourismus für Natur und Mensch ver- träglich gestalten wollen.

3. Wirtschaftliche Bedeutung

Wie schon oben erwähnt ist der Tourismus in den Entwicklungsländern eine relativ junge Form der Weltwirtschaftsentwicklung, die sehr kontrovers diskutiert wird.

Der internationale Tourismus ist allerdings einer der am schnellsten wachsenden Sektoren der Weltwirtschaft und unumstritten ein wichtiger Devisenbringer für die Gastländer.

Neben der Industrie wird bei der Förderung der Entwicklungsländer auch immer wieder der Tourismus erwähnt und „zunehmend mehr Länder der Dritten Welt sehen im Tourismus ein Instrument zur Überwindung ökonomischer Rückständigkeit“[8].

Durch die Tatsache, daß das Einkommen von großen Gruppen in den Industrieländern in der Vergangenheit anstieg und dies auch weiterhin tut, läßt sich sagen, daß die Dritte Welt durch den Tourismus die Möglichkeit hat, an dem zunehmenden Wohlstand in den Industrieländern teilzunehmen.

Ein Charakteristikum in den meisten Entwicklungsländern ist die Tatsache, daß einerseits Kapitalmangel besteht, diesem aber auch ein hohes Angebot an Arbeitskräften gegenübersteht.

Der Aufbau einer Tourismusindustrie ist insofern ein guter Ansatz, da er, vor allem im Vergleich zur Industrie, relativ wenig kapitalintensiv ist.

[...]


[1] Vorlaufer, Karl: Dritte-Welt-Tourismus - Vehikel der Entwicklung oder Weg in die Unterentwicklung? In: Geographische Rundschau, H.1 1990, S.4.

[2] ebd.

[3] nach Lüken, B.J. u.a., vgl. Mikus, Werner: Wirtschaftsgeographie der Entwicklungsländer. Stuttgart 1994. S.1.

[4] nach Vogel, F. u. Grünwald, W., In: Mikus, W.: a.a.O., S.7.

[5] nach Baratta, M. von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2000. Frankfurt am Main 1999.

[6] nach UN-Statistical Yearbook 1976, In: Radetzki-Stenner, Matthias: Internationaler Tourismus und Entwicklungsländer - Die Auswirkungen des Einfach-Tourismus auf eine ländliche Region der indonesischen Insel Bali. S.5.

[7] vgl.: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Hg.): Entwicklungspolitik Materialien Nr.88: Tourismus in Entwicklungsländern. Bonn 1993.

[8] Vorlaufer, Karl: Ferntourismus und Dritte Welt. Frankfurt am Main 1994. S.75.

Details

Seiten
20
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638119108
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3156
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Touristik
Schlagworte
Tourismus Entwicklungsländern Fallbeispiel Bali Freizeit Verhalten Touristen Freizeitmenschen

Autor

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Titel: Tourismus in Entwicklungsländern am Fallbeispiel Bali