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Politik und Religion. Zur Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Ideen von Jan Hus im Südwesten des Reiches

Eine Auseinandersetzung mit dem Wormser Bauernaufstand von 1431/1432

Examensarbeit 2015 208 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangslage: Die Krisenerscheinungen des 15. Jahrhunderts
1.1 Der Wormser Bauernaufstand von 1431/1432: Eine Ursachenforschung
1.2 Zur Zielsetzung dieser Arbeit und zum Forschungsstand

2. Der Wormser Bauernaufstand als historischer Sonderfall
2.1 Zur Geschichte der Reichs- und Bischofsstadt Worms
2.2 Der historische ,Pfaffenhass' in Worms
2.3 Kahal Kadosch Warmaisa- Über die antijüdischen Tendenzen in der Stadt Worms
2.4 Die Ereignisse um Worms im Jahre 1431/1432

3. Johannes Hus - Ein unfolgsamer Sohn der Kirche
3.1 Von Hussinetz nach Prag - Der Aufstieg eines kleinen Mannes
3.2 Die ,Lex Dei' als höchste Instanz - Über die theologischen Standpunkte des Johannes Hus
3.3 Das politische Weltbild des Frühreformators
3.4 Nieder mit der feudalen Ordnung!? Die Gesellschaftskritik des Johannes Hus

4. Zur Einordnung des Untersuchungsgegenstandes: Die Rezeptionsgeschichte zum Deutschen Bauernkrieg von 1525
4.1 Zu den Vorläufern des Bauernkriegs von 1525 - Eine Gesamtanalyse
4.2 „Reformatio Sigismundi“ - Die „Trompete des Bauernkriegs“
4.3 Der „Oberrheinische Revolutionär“ - Theoretiker eines revolutionären Schriftstücks?
4.4 Der hungernde Bauer? Zur sozialen Lage der oberrheinischen Bauern im15. Jahrhundert

5. Der Hussitismus im Sacrum Romanum Imperium - Die ,Quelle allen Übels'?
5.1 Der Hussitismus - Das trügerische Bild einer geschlossenen Bewegung?
5.2 Das Phänomen „Deutsche Hussiten“ - Missionare auf nährreichem Boden?...
5.3 Die Dresdner Schule in Prag - Die Keimzelle der hussitischen Lehre auf deutschem Boden
5.4 Der Inquisitionsprozess gegen Johannes Drändorf im Jahre 1425

6. Schlussbetrachtung: Der Wormser Bauernaufstand von 1431/ 1432 als

Symptom für die Reichskrise des 15. Jahrhunderts

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Ausgangslage: Die Krisenerscheinungen des 15. Jahrhunderts

„Summe expedit quod hoc concilium continuetur, nam modicum unte accessum meum supra Renum Rustici fere quator millia se Insurrexerunt contra duas ciuitates Wunnensem (Bonn?) et Spirensem nedum contra ecclesiasticos ymo eciam contra nobiles [...] Et alias si daretis michi duas prebendas non transirem per partes illas. Timendum est quod nisi concilium prouideat, omnes isti Rustici de Germania tenebunt partem istorum Bohemorum.”1

Der Auszug aus diesem uns überlieferten und erhaltenen Brief des Kanonikers des Domkapitels Arras und Notars des Basler Konzils (1431-1449) Peter Bruneti vom 9. Februar 1432 deutet auf eine - aus der Sicht des zeitgenössischen Klerikers - unheilvol­le Synergie hin, die innerhalb der Forschung bisher noch kaum aufgegriffen und unter­sucht wurde: Ausgehend von den Ereignissen um Worms 1431/1432, von denen der Autor berichtet, droht dem Notar zufolge ein mögliches Zusammengehen aller deut­schen Bauern mit dem sich - auch auf deutschem Boden - ausbreitenden Hussitismus. Bruneti, der in seinem Brief an das Domkapitel zu Arras nicht nur über seine Reise nach Basel und die Ereignisse und Zustände im und um das Konzil berichtet, erwähnt jenen Bauernaufstand in der Gegend um Worms, den er als die Ursache allen - möglichen - zukünftigen Übels prophezeit. Laut Bruneti richtet sich dieser Aufstand zwar in erster Linie gegen die beiden Machtpole des spätmittelalterlichen Reiches, dem Klerus und dem Adel. Interessanter erscheint mir jedoch die Tatsache, dass Bruneti dem Bauern­aufstand in Worms in erster Linie keinen ökonomischen, sondern vielmehr einen sozial­revolutionären und vor allem ideologischen Hintergrund zuschreibt.

Angesichts dieser zeitgenössischen Ansicht, in der die Furcht vor einer Ausbreitung des Hussitismus stark war und sich auch auf die Politik des Basler Konzils auswirkte, er­scheint es überaus überraschend, dass innerhalb der historischen Forschung die Akte um die Hintergründe dieses Wormser Bauernaufstandes, der sich 1431/1432 ereignet hat, oft mit dem Hinweis auf die sozioökonomische Not der Bauern in und um Worms ge­schlossen wird.2 Dass viele Historiker die ökonomische Misslage in den Mittelpunkt ihrer Ursachenforschung rücken, bietet zwar angesichts der Krise3 des Spätmittelalters4 einen sicheren Argumentationsanker, liefert jedoch nur einen Teilausschnitt der kom­plexeren Wahrheit. Deutlich wird diese Betrachtungsweise, wenn wir in Anlehnung an Ferdinand Seibt und Winfried Eberhard bei der Frage nach der tatsächlichen' Krise des Spätmittelalters nicht nur die wirtschaftlichen, sondern gleichfalls die politischen, sozia­len und geistlichen Kennzeichen des Lebens in Europa um das Jahr 1400 in Augen­schein nehmen.5

Für den wirtschaftlichen Sektor in Deutschland wird die Diskussionsgrundlage nach wie vor von der Theorie Wilhelm Abels beherrscht, der aufgrund der langfristigen Tendenz von Kosten- und Erlöspreisen eine allgemeine Agrarkrise bzw. Agrardepression fest­stellt. Deren Grundlage bildeten Bevölkerungsabnahme6 und Wüstungen, im Bereich von Handel und Gewerbe entsprachen sie einer städtischen Wirtschaftsblüte.7 8 Die Fol­geerscheinungen der Agrarkrise wurden auch systematisch in größeren Regionen unter- sucht, wobei sich einige auffällige Unterschiede herauskristallisierten. Für unsere spannende Frage im Hinblick auf die Lage der bäuerlichen Bevölkerung um das 15. Jahrhundert wird ersichtlich, dass sowohl die allgemeine Agrardepression als auch die angespannte Situation der Grundherren auf jene Bevölkerungsschicht gravierende Fol­gen hatte, wenngleich Rösener richtigerweise eine genauere Situationsanalyse - vor allem hinsichtlich der Landschaft, Schichtzugehörigkeit und spezifischer Reaktionswei­sen der Feudalherren -9 ausmacht. Durch die gesunkenen Erträge der Bauernwirtschaft und die unterschiedlichen Wirtschaftsbedingungen in Stadt und Land setzte eine enorme Landflucht ein. Diesen Prozess der bäuerlichen Abwanderung in die Städte oder in Ge­biete mit besseren Lebensverhältnissen suchten die Grundherren vor allem aus dem Südwesten des Heiligen Römischen Reiches durch Beschränkungen der Freizügigkeit und durch die Ausweitung der bäuerlichen Abhängigkeit zu verhindern.10 Die auffällige Zunahme von Bauernaufständen und bäuerlichen Widerstandsaktionen im 14. und 15. Jahrhundert steht offensichtlich ebenfalls in ursächlichen Zusammenhang mit den kri­senhaften Veränderungen dieser Zeit.11 Zur Beurteilung des krisenhaften Wandels der Gesellschaften wird deren Mobilität vor allem mit dem Blick auf Unruhen und Aufstän­den in Stadt und Land erforscht. Hergemöller stellt heraus, dass im Zeitraum zwischen 1360 und 1430, in der städtische Hochkonjunktur in Deutschland geherrscht hat, zahl­reiche Konflikte stattgefunden haben, in denen sich die Umstrukturierung städtischer Führungsschichten vollzog, neue Gruppen auftraten und eine neue hierarchische Grund­ausrichtung im sozialen Bereich entstand.12 Einen gewichtigen Katalysator für Unruhen macht Hergemöller bei den Führungsschichten aus. Bezüglich der inneren Strukturver­änderungen der führenden Geschlechter unterscheidet er nach drei Grundformen: 1. Die Auflösung oder Zurückdrängung alteingesessener Geschlechterverbände durch inner­städtische Kämpfe, 2. Neuorientierung und Verdichtung innerhalb traditioneller Füh­rungsgesellschaften und 3. Entstehung neuer Gesellschaften durch Offenheit gegenüber ,mittelständische[n]' 13 Kaufleuten und Gewerbetreibenden aller Art.14 Dies führte un­mittelbar zur Partizipation dieses neuen ,Mittelstandes' an der politischen Macht.15 An der Macht war seit Jahrhunderten die bedeutendste nichtbürgerliche Gruppe der Stadtbewohner, der Klerus, die jedoch besonders im frühen 15. Jahrhundert häufig im Zentrum heftiger Auseinandersetzungen stand. Die Kirche als Institution vermochte dem Abendland Sinn und Ordnung zu geben, daher war ihre Autorität - trotz der Ausei­nandersetzungen zwischen Kaiser und Papst um die Oberherrschaft im Reich - unange­fochten. Diese Ordnung war das ,Corpus christianum', in der jeder Getaufte sich in den Schoß der Kirche und des Reiches gesellte. Reich und Kirche waren zwar universale Institutionen, die jeweils auf Eigenständigkeit beharrten. Es blieb aber nicht aus, dass sich die Funktionen der geistlichen und weltlichen Gewalt miteinander vermischten. Diese Interdependenz mündete schließlich in die kirchliche Krise des Spätmittelalters16. Zwischen 1378 und 1415 kam es zum Schisma in der Christenheit. Drei Päpste machten sich die Tiara streitig, der monarchische Grundsatz der Kirche verlor deutlich an Über- zeugungskraft und das konziliare Prinzip17 wurde wiederentdeckt, um einen politischen Ausweg aus dieser Krisenzeit zu finden. 18 In dieses Bild kam noch die Beobachtung aus dem einfachen Volk vom seit langer Zeit zerstrittenen Klerus hinzu, der es mit seiner asketischen Lebensführung nicht sonderlich ernst nahm. Habsucht, Geiz, Trunksucht oder Völlerei waren die am häufigsten vorgebrachten Vorwürfe. 19 Das allgemeine Bild der Kirche war nur noch vom moralischen Verfall geprägt. Letztlich mündete die mora­lische Empörung insbesondere im Spätmittelalter in einen vehementen „Antiklerikalismus“ 20.

Überblickt man nun die Krisenerscheinungen des 15. Jahrhundert als Ganzes, so stellen wir fest, dass für die Zeitgenossen des 15. Jahrhunderts die sozialen Missstände letztlich sogar eine erhebliche politische Dimension besaßen. Dies wird umso ersichtlicher, wenn man die im Hinblick auf die gegenwärtige Verfassungsgeschichte ausgerichtete These des renommierten Historikers Peter Moraw mit einbezieht: Dieser sieht das Reich des späten Mittelalters gekennzeichnet durch zwei aufeinander folgende Aggregatzu­stände, nämlich von der „offenen Verfassung“ hin zur „gestalteten Verdichtung“. 21 Der Zustand der „offenen Verfassung“ als Erbe der Niederlage des schwäbischen Adelsge­schlechts, der Staufer, war gekennzeichnet durch die begrenzte Ausdifferenzierung von Institutionen, wodurch Spielraum für politische Einflussnahme bestand, die Teilhabe sehr weniger fürstlicher Personen am Kräftespiel des sacrum romanum Imperium und durch die nur wenigen Verpflichtungen der Reichsglieder gegenüber der nur schwach ausgebildeten königlichen Zentralgewalt. 22 Die „gestaltete Verdichtung“ als Ergebnis bisher fremder Herausforderungen im Spätmittelalter stellt das Bemühen des Königtums und der Landesfürsten dar, durch die Entfaltung einer effizienten Verwaltungsbehörde zu einer Herrschaftsverdichtung zu gelangen.

Nach dieser von Peter Moraw geprägten Sichtweise der spätmittelalterlichen Verfas­sungsgeschichte bildete die Regierungszeit des großen böhmischen Königs und rö­misch-deutschen Kaisers aus dem Geschlecht der Luxemburger, Karl IV., die „Blütezeit des hegemonialen Königtums“23. Ausgehend vom Jahr 1400, in der das bereits seit 22 Jahren währende Abendländische Schisma Gewohnheit zu werden begann, hatten die Kurfürsten den Wittelsbacher Pfalzgrafen Ruprecht zum Gegenkönig gewählt und den bis dato amtierenden, aber in vielen Augen unfähigen römisch-deutschen und gleichzei­tig böhmischen König Wenzel IV. vom Thron gestoßen. Zur kirchlichen kam dadurch auch eine weltliche Krise hinzu.24

Es wurde deutlich, dass die Krisenerscheinungen des 14. und 15. Jahrhunderts vielfälti­ger Natur waren. Übereinstimmung findet sich auch bei der Eingliederung der sich ver­dichtenden Kette von bäuerlicher Unzufriedenheit in die allgemeine Geschichte. Die Bauern stehen, so scheint es, nicht allein mit ihrer zunehmenden Unzufriedenheit. Die Verbitterung ist allgemein, sie wächst auf dem Land wie in der Stadt und macht sich in allen Gesellschaftsschichten breit. Es wäre daher zu einfach gedacht, wenn wir diese komplexen Krisenerscheinungen allein in einen sozio-ökonomische Missstand der Bau­ern münden lassen und darauf basierend die Ursache für den Wormser Bauernaufstand manifestieren. Um diese Tatsache anschaulicher gestalten zu können, müssen wir unse­ren Blick nun gezielter auf den Wormser Bauernaufstand legen und eine exaktere Ursa­chenforschung betreiben.

1.1 DerWormserBauernaufstandvon 1431/1432: Eine Ursachenforschung

Angesichts der Tatsache, dass Bruneti mit seiner zeitgenössischen Aussage über den Wormser Bauernaufstand auf direkte, auch wenn auf ganz und gar unliterarische Weise, ein für die Nachwelt ,scheinbaU klares Zeugnis dafür liefert,25 dass Unruhe oder Auf­standsbereitschaft, ja förmlich die Aufstandsfurcht in der Luft lag, erscheint es bei der Betrachtung der Forschungsliteratur unverständlich und überraschend, dass es bis zum heutigen Tage noch keine explizite und eigenständige Auseinandersetzung mit diesem Ereignis gibt. Die Geschehnisse in und um Worms der Jahre 1431/1432 sind in man­chen Abhandlungen keine Erwähnung wert, 26 werden übergangen bzw. vergessen27 oder erhalten nur eine flüchtige Beachtung. 28 Zwar wird seitens einiger weniger Historiker, die sich als Ganzes jedoch sehr spärlich mit diesem Teilausschnitt aus der oberrheini­schen Regionalgeschichte befassen, den Unruhen des Winters 1431/1432 in Worms bei der Vorgeschichte des Bauernkrieges von 1525 ein bevorzugter Platz zugeteilt, 29 jedoch in seiner - von Bruneti vermuteten - überregionalen Bedeutung schlichtweg unter­schätzt. Woran liegt das?

Boockmann hebt hervor, dass die bäuerlichen Aufstände oder Aufstandsversuche vor dem Bauernkrieg von 1525 häufig nicht aus Beschwerdeverzeichnissen bekannt werden, sondern vielmehr aus anderen Quellen. Bei diesen „anderen Quellen”, 30 die Boockmann zwar erwähnt, jedoch nicht beschreibt, handelt es sich bei dem Wormser Bauernauf- stand um Briefkorrespondenzen (so vor allem um interstädtische),31 um eine erhaltene Dorfordnung aus dem Umland (Bechtheim), 32 um überlieferte Akten und Urkunden 33 sowie um eine Wormser Chronik von Friedrich Zorn. 34 Eine bäuerliche Quelle fehlt vollständig und dennoch fällt auf, dass in den Quellen und einigen Berichten über den Quellen eine sehr weitgehende Aufstandsbereitschaft der Bauern angenommen wird. Wenn wir uns der Ursachenforschung für den Ausbruch dieses Aufstandes von 1431/1432 zuwenden, so fällt bei der Gesamtanalyse der Werke, in denen der Untersu­chungsgegenstand in jeglicher struktureller oder thematischer Zusammensetzung Er­wähnung findet, auf, dass die Historiker und ihre Ansichten bezüglich der Hintergründe für dieses rheinische Ereignis sich in quantitativ deutlich abnehmender Zahl ganz offen­sichtlich folgenden verkürzten und problematisierten Hypothesen zuordnen lassen:

1. Der Ausbruch des Wormser Bauernaufstandes ist eine unmittelbare Folge der wirtschaftlichen Verschuldung und der an schweren Hungersnöten leidenden Bauernschaft. 35
2. Zu den Hintergründen für den Ausbruch des Wormser Bauernaufstandes gehö­ren sowohl die starke Verschuldung der Bauern bei den seit Jahrhunderten in der Stadt Worms ansässigen Juden, womit dieses Ereignis nur ein weiteres Beispiel für antiwucherische Exzesse darstellt, als auch der aufgestaute und historisch nachweisbare „Pfaffenhass”. Antijüdische und antiklerikale Tendenzen leiteten die Wormser Bauernschaft bei ihrem Aufstandsversuch.36
3. In den Bauernunruhen der Umgebung von Worms 1431/1432 spielten die Lehre der Hussiten als auch das Beispiel der hussitischen Kämpfe im Reich eine be­deutende Rolle.37

Angesichts der spärlichen Quellenlage zum Wormser Bauernaufstand, die sicherlich einige Historiker vor einer tiefergründigen Beschäftigung abgeschreckt haben mag, müssen wir in der Tat alle Zeugnisse und Zeugnisgruppen zur Bearbeitung heranziehen, denn Überlieferungslücken provozieren Historiker bekanntlich zum spekulativen Füllen oder Überbrücken. Das bleibt durchaus legitim, solange man der Versuchung widerste­hen kann, Hypothesen als Brückenpfeiler für noch weitergehende Argumente zu nutzen. Ziel dieser Arbeit wird es daher sein, die Zeugnisse der Quellen und Ergebnisse der Forschungsliteratur nicht zusammenfließen zu lassen. Vielmehr wird es darum gehen, zwischen den literarischen Gattungen, den Standpunkten und Absichten von Urhebern zu unterscheiden und die Frage nach der möglichen Wirkung - soweit es sich rekonstru­ieren lässt - der Quellen in den Mittelpunkt zu stellen.

1.2 ZurZielsetzung dieser Arbeit und zum Forschungsstand

Im Rahmen dieser Arbeit wird der Wormser Bauernaufstand von 1431/1432 im Zent­rum der Ausführungen stehen (Gliederungsblock 2). Wie bereits ausgeführt, wurde sei­tens der historischen Forschung bis zum jetzigen Zeitpunkt weder eine klare Ursachen­forschung hinsichtlich des Untersuchungsgegenstandes betrieben, noch die im Raum stehende - vor allem zeitgenössische - Verknüpfung dieses Ereignisses mit dem Hussi­tismus beleuchtet. Dieses Forschungsdesiderat soll mit der vorliegenden Einzeluntersu­chung möglichst geschlossen werden.

Ausgehend von den drei Hypothesen bezüglich des Wormser Bauernaufstandes und deren Überprüfung auf dasjeweilige Gewicht ihres Einflusses gilt es im Rahmen dieser Arbeit primär vier thematische Schwerpunkte zu setzen. In einem ersten Schritt erfolgt eine umfassende Gesamtanalyse der Geschichte der Reichs- und Bischofsstadt Worms (Gliederungspunkt 2.1).38 Ereignisgeschichtlich betrachtet, soll uns jene Vorgehenswei­se einen breiten und zugleich tiefen Einblick in die frühere Bischofs- und Reichstadt geben, die besonders im mittelalterlichen Reich einer der bedeutendsten urbanen Zen­tren war 39. Die Quellen, auf denen die vorliegende Darstellung basiert, finden sich bei den von Heinrich Boos in den 1890er Jahren in drei Bänden edierten Quellen zur Stadt- geschichte Worms40 sowie der vierbändigen „Geschichte der rheinischen Städtekul­tur”41 und der Wormser Chronik des Stadtschreibers Friedrich Zorn bzw. deren Ab­schritten mit den Zusätzen Berthold von Flersheim aus dem 16. Jahrhundert . 42 Erwähnt sei in einem quellenkritischen Zusammenhang, dass der Chronist Zorn (1538-1610) mehr als ein Jahrhundert nach den Geschehnissen über jenen Verlauf berichtet.43 Darü­ber hinaus war er Rektor der Stadtschule und nach Arnold auch immer ein nützlicher Ratgeber der Stadtgemeinde.

Der tiefgreifende Einschnitt in die Historie der Stadt Worms und ihrer archivalischen Überlieferung durch die Stadtzerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg im Frühjahr 1689 muss ebenso betont werden.44 Das Stadtarchiv Worms in Verbund mit den umliegenden Archiven der Städte Heidelberg, Karlsruhe, Darmstadt und Speyer, bietet dennoch wei­terhin einen breiten und vielfältigen Quellenbestand. Zum Fortgang der Forschung über Worms im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit haben nach Heinrich Boos insbesonde­re Fritz Reuter,45 Gerold Bönnen46 und Burkard Keilmann47 beigetragen, deren Abhand­lungen und Studien in die vorliegende Arbeit mit einfließen und in den entsprechenden Kapiteln vorgestellt werden.

Die der vorliegenden Arbeit zugrundeliegende Fragestellung war ursprünglich die nach den Entwicklungsprozessen zum Wormser Bauernaufstand von 1431. Nach eingehender Recherche stellte sichjedoch schnell heraus, dass dieser Prozess vor allem von - bis tief in die Historie zurückreichenden - Streitigkeiten zwischen dem Klerus und dem Stadtrat und der Gemeinde geprägt ist, die sich anhand der Quellen unanfechtbar belegen lassen. Mit Blick auf die Ursachen des Wormser Bauernaufstands müssen auch die langfristi­gen Entwicklungen vor allem im Wormser Verhältnis von Klerus und Stadtgemeinde im Auge behalten werden (Gliederungspunkt 2.2). Die antiklerikalen Tendenzen, die vor allem für die Suche nach den Ursachen des Wormser Bauernaufstandes wichtig sein werden, erörtert explizit Sabine Todt in ihrer Dissertation.48 Im Fokus ihrer sehr um­fangreichen und detaillierten Arbeit steht die Frage nach den reformatorischen Durch­setzungsprozessen in Worms. Vom Mittelalter über das Spätmittelalter bis hin zur Re­formationszeit ausgehend, stellt sie in chronologischer Abfolge die städtischen und kle­rikalen Charakteristika des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Worms dar, wobei sie gekonnt und gezielt die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Struk­turen und Ereignisse einfließen lässt. Sie kommt zu dem überzeugenden Schluss, dass die Wirkung, die die lutherischen Schriften erzeugt haben, nur durch Kommunikations­prozesse, die den Autor, das Medium und den Rezipienten einschließen, erfolgen konn­te. Die Einbettung des Diskurses in ein soziales Handeln, so Todt, hat eine Eigendyna­mik erzeugt, die letztlich den enormen Rücklauf der lutherischen Ideen erklärt.49 Neben den antiklerikalen Tendenzen gilt es angesichts der zweiten Hypothese zur Ursa­chenforschung zugleich die ^möglichen' antijüdischen Tendenzen innerhalb der Stadt Worms zu erörtern (Gliederungspunkt 2.3). Es ist allgemein bekannt, dass diejüdischen Gemeinden der Bischofsstädte Mainz, Worms und Speyer, die neben der Kölner und Trierer Gemeinden als die ältesten des Rheinlandes gelten, die religiös- kulturelle Füh­rungsrolle inne hatten, die bis in das 13. Jahrhundert vom aschkenasischen Judentum im deutschsprachigen Mitteleuropa weitgehend anerkannt wurde.50 Über die Geschichte der europäischen Juden ist die historische Forschung sehr weit fortgeschritten. Hinge­wiesen sei unter anderem auf die Beiträge des internationalen Symposiums in Speyer, das vom 20. bis 25. Oktober 2002 stattgefunden hat und in einem Sammelband von Christoph Cluse herausgegeben wurde.51 Unter dem Mantel der jüdischen Geschichte und der Tradition erhält der Leser innerhalb der thematisch vielschichtig ausgelegten Beiträge nicht nur einen umfangreichen Einblick in die Wirtschafts-, Kultur- und Sozi- algeschichte,52 sondern zugleich detaillierte Informationen über das Leben und Wirken der Juden in Europa. 53 Desweiteren liefern unterschiedliche Autoren wertvolle Erkennt­nisse zu einzelnen Judengemeinden, 54 während andere Historiker die Beziehung der Juden zu den monotheistischen Religionsgemeinschaften, zu den Städten und Königen in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen legen.55 Angesichts unserer Leitfrage muss sich der Untersuchungsraum auf das mittlere Rheingebiet im Allgemeinen, und im Besonde­ren auf Worms beschränken. Neben dem Aufsatz von Gerold Bönnen im zitierten Sammelband,56 bieten vor allem die Abhandlungen von Ziwes, Reuter und Battenberg einen guten Überblick über das jüdische Leben im mittleren Rheingebiet. Während Toch in einer allgemeinen enzyklopädischen Darstellung die jüdische Geschichte unter den Aspekten der Sozial-, Wirtschafts- und Geistesgeschichte im mittelalterlichen Reich als Ganzes betrachtet und zugleich wertvolle Hinweise auf die Grundprobleme und Tendenzen der Forschung sowie auf die Quellen und aktuelle Literatur liefert, 57 hat Bat- tenberg durch die Herausgabe der Quellen zur Geschichte der Juden in zwei Bänden58 und insbesondere der fundamentalen zweibändigen Monografie unter dem Reihentitel ,,Das europäische Zeitalter der Juden”59 die Forschung zur jüdischen Geschichte in Eu­ropa enorm geprägt und vorangebracht.60 Battenberg ermöglicht in seiner zweibändigen Monografie zwar einen umfangreicheren Blick auf die Geschichte der Juden als Ziwes61 und Reuter62, in der gerade im Mittelalter das für unsere Arbeit so wichtige kirchliche Judenrecht (besonders im Hochmittelalter), das kaiserliche Privilegienrecht und die Kammerknechtschaft der Juden, die Ausformung der kaiserlichen und apostolischen Schutzherrschaft sowie die Entwicklung des Judenschutzes (speziell im Spätmittelalter) eine bedeutende Rolle gespielt haben.63 Im Hinblick auf unsere Forschungsfrage wird im Rahmen dieser Arbeit jedoch bewusst der Schwerpunkt auf die Werke letzterer Au­toren liegen.

Ziwes untersucht in seiner Arbeit über die Geschichte der Juden nicht nur den für uns relevanten Zeitraum vom Hoch- bis zum Spätmittelalter in Detail, vielmehr fokussiert er hierbei die mittelrheinischen Judensiedlungen in Mainz, Speyer und Worms.64 Dagegen richtet Reuter seinen Blick ganz umfassend auf die Kahal Kadosch Warmaisa (zu Deutsch: Heilige Gemeinde Worms). Dem ehemaligen Archivdirektor der Stadt Worms wurde die Ehre zuteil, nach einer Reihe von Einzeluntersuchungen die erste Monografie zur Bedeutung der Judengemeinde im Rahmen der Gesamtgeschichte Worms zu verfassen.65 Reuter legt seinen Schwerpunkt auf die ereignisgeschichtliche Betrachtung der Judengemeinde in Worms von ihren Anfängen bis zu ihrem tragischen Ende im nationalsozialistischen Deutschland. Einher geht mit dieser Arbeitsweise je­doch, dass sozial-, kultur-, religions- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte in Reuters Monografie kaum tangiert werden.

In Gliederungspunkt 2.4 stellen wir unseren Hauptuntersuchungsgegenstand in den Mit­telpunkt der Arbeit. Unter starker Berücksichtigung der Quellenaussagen und der spär­lich vorhandenen Forschungsliteratur werden die Vorkommnisse innerhalb der Stadt­mauern von Worms des Jahres 1431/1432 ausführlich geschildert. Hinsichtlich der For­schungsliteratur sei bemerkt, dass es einer genauen und zeitintensiven Recherche be­durfte, um auf jene Werke zu stoßen, die den Wormser Bauernaufstand erwähnen. Die­ser Akt der Detektivgeschichte ist nicht nur der Tatsache verschuldet, dass dem - aus dem Blickwinkel der Zeitgenossen hohe Wellen schlagende, jedoch innerhalb der Ge­schichtswissenschaft kaum nennenswerte - Ereignis bis heute keine genaue Einzelunter­suchung gewidmet wurde. Vielmehr spielt der Wormser Bauernaufstand in fast allen Forschungsarbeiten nicht einmal eine Nebenrolle, so dass dieser oftmals in wenigen Zeilen abgehandelt wird.66 Über den Verlauf des Bauernaufstandes in Worms, dessen Teilnehmer, Ursachen und Folgen werden wir aus den Urkundenbüchern der Stadt Worms, der Chronik von Zorn und Flersheim, der GRS und den Deutschen Reichstags- akten67 - mehr oder weniger detailliert - aufgeklärt. Es wird innerhalb der überlieferten Zeugnisse primär nach Indizien gesucht, die unsere Vermutung vom Einfluss der hussi- tischen Lehre auf das Handeln der Wormser Bauern bestärken könnten oder widerrufen lassen.

Da die Frage nach dem potenziellen Einfluss des Hussitismus nicht nur auf Worms be­schränkt ist, vielmehr die Zeitgenossen den Einfluss der ,böhmischen Ketzerei' im ge­samten spätmittelalterlichen Sacrum Romanum Imperium annahmen, so muss man sich zwangsläufig auch mit dem Namensvater der Bewegung auseinandersetzen. Bei der Beschäftigung mit den Lehren und Ideen des Johannes Hus (Gliederungsblock 3) fällt auf, dass der zu Beginn des 15. Jahrhunderts als Prediger in der Bethlehemkapelle der Prager Altstadt und als Magister an der Prager Universität unter starkem Rückbezug auf das Reformprogramm des gelehrten Kirchenreformers John Wyclif68 und in Fortsetzung des Reformprogramms der einheimischen Denker aus der zweiten Hälfte des 14. Jahr­hunderts in seinen Predigten und Traktaten schonungslos gegen Missstände in der Kir­che auftrat.69 Innerhalb weniger Jahre ist er durch die von seinen Widersachern in Be­wegung gesetzten Verfahren vor den kirchlichen Instanzen in seiner Heimatstadt, an der Kurie in Rom und vor dem Konstanzer Konzil (1414-1418), wo er letztlich als notori­scher Ketzer am 6. Juli 1415 zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde, in den Augen von Mit- und Nachwelt zum Verantwortlichen der im Sinn inquisitorischer Ter- minologie mit seinem Namen belegten Reformbewegung gewachsen. Vier Jahre nach seinem Tod mündete diese Reformbewegung in die hussitische Revolution.70

In den Mittelpunkt dieser Arbeit wird in Anlehnung am Wormser Hauptuntersuchungs­gegenstand die religiöse (Gliederungspunkt 3.2), die politische (3.3) und die soziale (3.4) Lehre Hussens gerückt. Ein kurzes einführendes Panorama über die Herkunft und den Werdegang des tschechischen Reformers (4.1) soll Einblicke in seine spätere Hand­lungsweise und Gedankenwelt ermöglichen, denn oftmals sind es die jeweiligen Le­bensumstände, die die Standpunkte eines Protagonisten formen und erklären.

Uber die bedeutende spätmittelalterlichen Gestalt der Kirchengeschichte 71 sind wir sei­tens der Historiografie gut unterrichtet. 72 Während in dem im Jahre 2002 erstmals in deutscher Sprache erschienenen monumentalen und fast 2300 Seiten umfassenden drei­bändigen Werk „Die hussitische Revolution“ 73 des „bedeutendsten Hussitenforschers der Gegenwart“ 74, Frantisek Smahel, die Person des Johannes Hus seinem Gesamtthema entsprechend relativ knapp behandelt wird, 75 so beinhalten die Darstellungen von No- votný, 76 Werner, 77 Hilsch, 78 Krzenck 79 und Fudge 80 ausführliche Skizzierungen der wichtigsten Lebensstationen des „Frühreformators“. Die nur in tschechischer Sprache erschienene und mittlerweile 95 Jahre alte zweibändige Monografie von Novotný gilt trotz seiner zum Teil stark nationalistisch verfärbten Standpunkte bis zum heutigen Ta­ge als ein monumentales Standardwerk. Erst 70 Jahre später sollte mit der Darstellung von Werner die erste deutschsprachige, auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhende Biografie des Johannes Hus erscheinen. Werner skizziert das Leben des „Frühreformers“ im Zeichen seiner Zeit bzw. Umwelt und verortet die hussche Ideen­lehre und Gedankenwelt zwischen der Tradition und der Innovation.81 Durch die Aus­wertung der ideologisch- geistesgeschichtlichen Ausführungen Hussens, die er in seinen zahlreichen erhaltenen Schriften niedergeschrieben hat, deutet der Verfasser Hus als Theologen der ,lex Dei' durchaus neu. Trotz des Hinweises auf die Bedeutung des Jo­hannes Hus für die Reformation des Martin Luthers 82 betont Werner ausdrücklich, dass ,,[d]ie historische Größe von Hus [...] nicht in der Schaffung einer Fundamentaltheolo­gie [kulminierte], sondern in der Individualisierung und Regionalisierung des Kirchen­verständnisses.“ 83 Auf den Darstellungen Novotnýs und Smahel fußend und der Intenti­on folgend, Johannes Hus von den Deutungen konfessioneller, nationaler und sozialer Richtungen zu befreien und einen Beitrag zu der von der tschechischen Forschung als Desiderat bezeichneten umfassenden Lebensbeschreibung Hussens zu ermöglichen, 84 erschien 1999 die Biografie von Peter Hilsch. 85 In 19 Kapiteln stellt der Autor zunächst die generellen Rahmenbedingungen der entstehenden Reformbewegung vor: das „Goldene Zeitalter“ in der Krise des Spätmittelalters, die traditionelle Kirchenkritik der waldensischen „Ketzer“ in Südböhmen, den moralischen Verfall der Kirche während des Abendländischen Schismas, die philosophie-geschichtliche und ideologische Um­welt des Johannes Hus und die kirchlichen Verhältnisse in Böhmen. 86 Durch die detail­lierte Heranziehung und Bewertung der husschen Schriften, die bis heute nicht vollstän- dig in kritischer Form ediert wurden,87 erscheint - anders als in den Untersuchungen von Novotny, Werner und Smahel - Hus in dieser Biografie in vielen Zusammenhängen weitaus ^menschlicher' 88. So wirkt es nicht überraschend, dass Hilsch Johannes Hus in erster Linie selbstverwirklichende Motive 89 zuschreibt und sein Todesurteil auf dem Konstanzer Konzil als „Justizmord“ diffamiert. 90

Besondere Berücksichtigung findet bei der Analyse der husschen Ideenlehre (Gliede­rungspunkt 3.2 bis 3.4) Smahels ,,Hussitische Revolution“.91 Da Smahel seine For­schungsaufgabe darin sah, den Hussitismus von seinen Wurzeln aus zu betrachten, so liefert er auch eine umfassende Systemuntersuchung zur böhmischen Gesellschaft, um eben jene verborgenen Ursachen der revolutionären Ereignisse in geistiger, religiöser und sozialpolitischer Hinsicht aufzuspüren. So weist Smahel nicht nur ausführlich auf den enormen Kirchenbesitz und der Häufung der Geistlichkeit in Prag hin 92, sondern ebenso auf die seit dem Waldensertum in Böhmen ausgeprägte Forderung nach der Rückkehr zu einer armen Kirche der lex Dei 93 und dem husschen Ideal einer gerechten Sozialordnung.94 Neben den zitierten Monografien von Hilsch95 und Werner96 ermögli­chen eine Reihe von Sammelbänden und Einzelbeiträgen der letzten Jahre, die im Rah­men dieser Arbeit ebenso Berücksichtigung wie kritische Anmerkungen finden, Einbli­cke injeweils verschiedene Facetten der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Hussens religiöser, politischer und sozialer Idealvorstellung.97 Besondere Erkenntnisse in das theologische, politische und soziale Weltbild Hussens ermöglichen hierbei vor allem seine Schriften und Briefe, die uns zahlreich erhalten geblieben sind. Abseits der Editi­on von Schamschula, der nur eine kleine Auswahl an Schriften zur Glaubensreform und Briefe der Jahre 1414 bis 1415 in die deutsche Sprache übersetzt hat, 98 zog die wissen­schaftliche Öffentlichkeit am stärksten die „Documenta Mag. Joannis Hus“ des „Vaters der tschechischen Geschichtsschreibung“, Frantisek Palacký, in ihren Bann. 99 " Darin protokolliert Palacký sowohl die Hus- Briefe und die Konstanzer Prozessakten als auch die die religiösen Auseinandersetzungen in Böhmen in den Jahren 1403 bis 1418 be­leuchtenden Dokumente in lateinischer Originalfassung.100 Es muss nachdrücklich be­tont werden, dass im Rahmen der anthologischen Übersetzung hussitischer Schriften von Kalivoda und Kolesnyk auch die theologischen Schriften des Johannes Hus ins Deutsche übersetzt wurden.101 Da jene Anthologie bei der Skizzierung der Gedanken von Hus besondere Verwendung gefunden hat, so war eine aufwendige Übersetzungs­arbeit der husschen Schriften nicht notwendig.

In einem sehr informativen Beitrag untersucht Töpfer die Frage nach den Einstellungen von John Wyclif und Johannes Hus zur staatlichen Ordnung sowie zur ständisch geglie- derten Gesellschaft.102 Bei der Analyse der Zusammenhänge und Unterschiede hinsicht­lich der Untersuchungsfrage zwischen den beiden Frühreformatoren kommt 103 Töpfer zu dem Ergebnis, dass die Ideen beider Protagonisten - aufgrund der Tatsache, dass sie durchaus viele Gesellschaftschichten in ihren Idealvorstellungen und Wünschen abge­holt haben - reformatorischen Charakter besessen haben. 104

Nach Gliederungspunkt 3.4, in der die gesellschaftliche Idealkonzeption Hussens auf dem Prüfstand stehen wird, werden wir zu der Erkenntnis gelangen, dass Hus mit seiner grundsätzlichen antiklerikalen und antipapalen Propaganda indirekt durchaus system­verändernd gewirkt haben könnte. Die mögliche Übertragbarkeit dieser These auf unse­ren Hauptuntersuchungsgegenstand macht zwei Vorbedingungen unabdingbar: Zum einen sollte die Lehre des Johannes Hus bis an den Oberrhein ,unverfalscht gelangt und der breiten Masse bekannt sein.105 Zum anderen muss sich um 1431 in der Umgebung von Worms eine autochthone Unzufriedenheit über die sozioökonomische Situation mit ebenjenen Gedanken des böhmischen Frühreformators verbunden haben.

Mit der Zielsetzung, letztere Vorbedingung zu klären, wird in Gliederungsblock vier der Wormser Bauernaufstand als Bestandteil der spätmittelalterlichen Revolten zunächst in die Rezeptionsgeschichte zum Deutschen Bauernkrieg von 1525 eingeordnet. In Anleh­nung an Blickle gehe ich von der in Gliederungspunkt 4 und 4.1 zu begründenden An­nahme aus, dass bäuerliche Aufstände nicht als Phänomene der agrarischen Gesellschaft allein begriffen und als solche isoliert betrachtet werden können, sie vielmehr in einem allumfassenden Gesamtkomplex mit politischen, ökonomischen, sozialen und ideellen Entwicklungen ihrer Zeit stehen.106

In Gliederungspunkt vier wird das ambivalente Verhältnis zwischen der Revolten- und Bauernkriegsforschung geschildert und zugleich werden die Gefahren erörtert, die mit dem systematischen Forschungskonstrukt, wonach die spätmittelalterlichen Revolten als Vorgeschichte des Bauernkriegs von 1525 zu bezeichnen sind, einhergehen. In Gliede- rungspunkt 4.1 hingegen werden die spätmittelalterlichen Revolten einer Gesamtanalyse unterzogen und dabei nach auffälligen Überschneidungen und Unterschieden zum Deut­schen Bauernkrieg untersucht.

Bezüglich der Bedeutung der Bauern für den Verlauf der Deutschen Geschichte und ihrer im Jahre 1525 ersten offenen und breiten Erscheinung im Licht der Geschichte spielen die Ausführungen des bedeutendsten Bauernforschers Günther Franz eine essen- tielle Rolle. Seine mittlerweile in zwölf Auflagen erschienene Habilitationsschrift107 gehört heute zum Gemeingut der Forscher und findet sich in fast allen Handbüchern. Abseits seiner sehr umstrittenen politischen Gesinnungsvergangenheit, auf die Wolf­gang Behringer zu Recht in aller Deutlichkeit hinweist,108 gehörte zum Konzept seiner Bauernkriegsinterpretation, dass die rebellischen Bauern von 1525 auf kommunaler Grundlage das Reich reformieren wollten. 109

Dass die Revoltenforschung, die vor allem die spätmittelalterlichen Aufstände im Zu­sammenhang mit der Frage nach den Ursachen der Ereignisse von 1525 untersucht, 110 eine Funktion als Analyseinstrumentarium für die „Vorläufer“ des Bauernkriegs ein­nehmen und damit Teil der Bauernkriegsforschung werden konnte, ist vor allem Franz zu verdanken.111 Bezugnehmend auf die Vorläufer112 stellt er fest, dass der Bauernkrieg „als letztes Glied in der Kette der revolutionären Erhebungen“ zu verstehen ist, dem zwei Jahrhunderte hindurch eine lange, ununterbrochene Reihe örtlicher Aufstände vo­rausging.113

Um die These von der umfassenden Notlage der Bauern im 15. Jahrhundert als Ursache für den Ausbruch des Wormser Aufstandes bejahen bzw. verneinen zu können (Hypo­these 1), müssen wir unseren Blick besonders auf die soziale Lage der Bauern - im spe­ziellen in Südwestdeutschland - richten (Gliederungspunkt 4.2 bis 4.4). Zwei Zeugnisse aus dem 15. Jahrhundert, die Einblicke in die Vorgeschichte des Bauernkriegs von 1525 ermöglichen, stehen erst einmal im Mittelpunkt des Interesses. Das eine ist die soge­nannte „Reformatio Sigismundi”,114 das andere ist die Schrift eines gleichfalls anony­men Autors, den sein Entdecker im Jahre 1893 auf den Namen „Oberrheinischer Revo­lutionär” getauft hat.115 Zunächst die Reformatio Sigismundi (Gliederungspunkt 4.2):

Sie ist eine umfassende Schrift zur Kirchen- und Reichreform, die in einem literarischen Mantel eingekleidet 1439 auf dem Basler Konzil von einem anonymen und bislang nicht identifizierten Verfassers in deutscher Sprache veröffentlicht wurde. Sie galt in der historischen Forschung lange als eine Art literarischer Richtungszeiger, der die Bauern über die Voraufstände hinaus in die Arme des allgemeinen Bauernkrieges 1525 geführt hat, als das, so Friedrich von Bezold 1879, ,,erste revolutionäre Schriftstück in deut­scher Sprache“, als „Trompete des Bauernkriegs“ 116. Zum anderen der Oberrheinische Revolutionär (Gliederungspunkt 4.3), der nach Waas ähnlich wie die Reformatio Sigis- mundi auf die Bauern und ihrern Führern im Bauernkrieg 1525 enorm gewirkt hat. 117 Unter Berücksichtigung der edierten Quellen und der umfangreichen Forschungslitera­tur sollen die wesentlichen Inhalte bzw. Aussagen der beiden Traktate über die Bauern und ihrer sozialen Lage - und die damit einhergehenden Forderungen - beschrieben werden. Darüber hinaus gilt es zugleich nach dem allgemeinen Urteil über die Bedeu­tung dieser Schriften zu fragen.

Wenn wir die literarische Ebene der Reformschriften verlassen und uns der Forschungs­literatur zuwenden, so kommt Franz in seiner Habilitation hinsichtlich der Suche nach den Gründen für den Ausbruch der spätmittelalterlichen Revolten und dem Deutschen Bauernkrieg 1525 zu dem prophezeienden Urteil, dass ,,[ü]ber die wirtschaftliche Lage der Bauern in früheren Jahrhunderten [...] sich nie klare und unwiderlegliche Feststel­lungen treffen lassen [werden]“118. Während er sich jeder eindeutigen Stellungnahme zur wirtschaftlichen Lage der Bauern im 15. und 16. Jahrhundert enthielt, 119 beantwor- ten Waas, 120 Blickle, 121 Smirin 122 und Abel 123 die Frage nach den materiellen Lebensbe- dingungen der Bauern sehr viel entschiedener und zugleich konträr. Adolf Waas, der in seinem Werk - wie Blickle hervorhebt 124 - über weite Passagen die Ergebnisse von Franz wiederholt, sprach ohne Einschränkung vom Bauern als einem „wohlhabenden, selbstbewußten und trotzigen Mann“, von einem insgesamt „kräftigen Bauernstand“ 125. Er gelangt schließlich zu der Schlussfolgerung, dass ,,der Bauernkrieg von 1525 [...] kein Verzweiflungsausbruch eines hungernden ländlichen Proletariats [.] [ist], sondern eine von ernsthaften Bauern und Bauerngemeinden getragene Auseinandersetzung im Rahmen der deutschen Gesamtentwicklung.“ 126 Diese These vom ökonomischen Reich­tum der Bauern um 1500 127 stützt Wilhelm Abel mit seinem wirtschaftsgeschichtlichen Werk, das die ökonomischen Theorien auf ihren Einklang mit den historischen Daten befragt. Verursacht durch den rapiden Bevölkerungsrückgang als Folge der Pest fielen die Preise für Grundnahrungsmittel, während Löhne und Preise für Gewerbeprodukte stiegen. 128 So stand das Jahrhundert von ca. 1370 bis ca. 1470 im Zeichen einer tiefge­henden Agrarkrise oder -depression. Auf diese Phase folgte ab ca. 1470jedoch ein neu­er „Aufschwung der Landwirtschaft“, der im 16. Jahrhundert in eine „Preisrevolution“ mündete. 129 Demgegenüber stellt Blicke klar, dass die Ursachen des Bauernkriegs eine wirtschaftliche, soziale, politische und religiös-rechtliche Dimension besitzen. Nach Blickle waren die Jahrzehnte vor 1525 von einer wirtschaftlichen Notlage geprägt, die letztlich in einem entschiedenen Gegensatz zwischen arm und reich mündeten. 130 Im Rahmen dieser Arbeit werden vor allem die Arbeiten von Blickle herangezogen. Er ver­knüpft die Einzelergebnisse der zitierten Autoren zu einer Gesamtinterpretation und betrachtet die Ursachen, Folgen und Ziele der spätmittelalterlichen Revolten und des Bauernkriegs in einem allumfassenden Gesamtzusammenhang.

Der Auffassung von Waas und Abel geht in einer regionalen Untersuchung auf den für uns so wichtigen Raum des Oberrheins Horst Buszello auf den Grund. 131 Seine Ergeb­nisse, die er in Form einer grafischen Darstellung skizziert und die Annahme einer gu­ten wirtschaftlichen Lage der Bauern um 1500 widerruft, werden hinsichtlich unserer Leitfrage von enormer Bedeutung sein (Gliederungspunkt 4.4). 132

Neben Günther Franz war es vor allem Moisej M. Smirin, der in zumeist konträrer Posi­tion zu seinem Widersacher auf die Ansätze des mittleren 19. Jahrhunderts zurückgriff und zugleich für die Einreihung und Erklärung des Bauernkriegs sowie seiner Vorge­schichte Bedeutendes geleistet hat. 133 Angedeutet sei jedoch die marxistisch­leninistische Geschichtsauffassung des renommierten Historikers, der den Bauernkrieg von 1525 in gänzlich konträrer Position zu seinem Widersacher Franz sah. 134 Smirin stützt sich auf die Thesen Friedrich Engels und sieht das 15. und 16. Jahrhundert als eine epochale Phase der Verstärkung der feudalen Unterdrückung der Bauern.135 Da man ständig auf die divergierenden Standpunkte der „bürgerlichen“ und der „marxistisch- leninistischen“ Geschichtsauffassung, die sich in den Arbeiten von Franz und Smirin niederschlugen, aufmerksam gemacht hat, ist der Historiografie unverständ­licherweise bis heute die Tatsache vergangen, dass beide in ihren Detailstudien über die Voraufstände im Reich die bäuerlichen Revolten, und ebenso den Wormser Bauernauf- stand von 1431/32, von wyclifitischen und hussitischen Gedankengut begleitet sehen. 136 Diese nur von wenigen geteilte Auffassung wird in Rahmen dieser Arbeit in einzelnen Aspekten untersucht (Gliederungsblock 5) und hilft uns zur Verifikation oder Falsifika­tion unserer dritten Hypothese.

Zum einen müssen wir uns dem Phänomen des Hussitismus zuwenden. Hierbei muss die Gefahr, die Bruneti im einleitenden Zitat ganz klar und sorgenvoll ausspricht, näher beleuchtet werden: Was war der Hussitismus? Welche Grundtendenzen machten diese Bewegung aus? Wie konnte die Hussitenfrage zu einem brennenden Problem der inter­nationalen Beziehungen werden, an dessen Regelung der auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) gewählte Papst Martin V. und König Sigismund von Luxemburg (seit 1387 ungarischer, seit 1410 römisch-deutscher König und seit 1420 auch formal böhmischer König) ebenso interessiert waren, wie die antihussitischen Kräfte im Land und die Nachbarn des böhmischen Königreiches? 137 Um all jene Fragen beantworten zu können gilt es vorerst den Hussitismus, den Smahel im Rahmen der großen europäischen Re­formbewegungen und Revolutionen als historische Abnormität betrachtet,138 in seinen Grundfesten zu analysieren. Angesichts der Zielsetzung und Forschungsfrage ist im Rahmen dieser Arbeit nicht der Platz, die Entstehung und Ereignisgeschichte der böh­mischen Reformbewegung zu schildern,139 deren erste Phase mit der am 6. Juli 1415 erfolgten Verurteilung und Verbrennung des Johannes Hus auf dem Konstanzer Konzil endete.140 Die Intention wird vielmehr sein, in einem ersten Schritt (Gliederungspunkt 5.1) die innerhalb der Hussiten sich bildenden Richtungen, die man ganz grob in eine gemäßigte der sogenannten Utraquisten und eine radikale Richtung der sogenannten Taboriten einteilen kann, hinsichtlich ihrer religiösen, politisch(nationalen) und sozialen Überzeugungen und Forderungen zu untersuchen.141 Die Bedingungen und Gründe für die Verankerung und Attraktivität der sozialreligiösen Bewegung des Hussitismus - vor allem in den bäuerlich- plebejischen Schichten - werden in diesem Zusammenhang erarbeitet und diskutiert.

Da die Historiografie Johannes Hus und den Hussitismus in einem Atemzug nennt, so werden beide Einzelphänomene doch in vielen Untersuchungen - so vor allem in Sam­melbänden - parallel beschrieben und erklärt.142 Abseits der bereits zitierten Darstellun­gen, die allesamt für eine ausholende und informative Erörterung des Hussitismus her­angezogen werden können,143 sei das von Franz Machilek herausgegebene Sammelband unter dem Titel ,,Die hussitische Revolution“ sowie der unter dem Arbeitstitel „Friedrich Reiser und die „waldensisch- hussitische Internationale“ im 15. Jahrhundert“ erschienene Band von de Lange und Utz Tremp144 hervorgehoben.

Bei der Analyse der Beiträge zur hussitischen Revolution145 fiel dem Verfasser unmit­telbar die breite regionale Rezeption der hussitischen Gedanken in weiten Teilen des Heiligen Römischen Reiches auf.146 Das ist der Tatsache verschuldet, dass in der Zeit der Hussitenkriege (1419 bis 1431), die von Seiten des Königs und der Kirche als spät­mittelalterliche Ketzerkriege geführt wurden,147 die Anhänger des Hussitentums sich anstrengten, ihren Macht- und Einflussbereich über die böhmischen Grenzen hinweg zu erweitern. Das hussitische Ziel des Exports revolutionärer Ideen und des hussitischen Programms schlug sich zum einen in zahlreichen überlieferten Manifesten nieder. Von besonderer Bedeutung für die Beantwortung unserer Leitfrage werden zwei hussitische Manifeste der Jahre 1430 und 1431 sein, die nachweislich Eingang im Gebiet des Oberrheins gefunden haben und von Hruza detailliert aufgearbeitet wurden.148 Unser Interesse wird sich in erster Linie auf die sozialen Verheißungen der hussitischen Aufru­fe und Programme richten und auf deren Widerhall im Reich. Zum anderen wirkten Missionare außerhalb des Landes und knüpften an ketzerische Sitten an. In welchem Maße und mit welchem Erfolg das geschah, lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen, da die Sorge vor Verfolgung und Verurteilung, welche die hussitischen Prediger immer leiten musste, ihre Wirksamkeit auch gegenüber uns Historikern verhüllt.149 Der mittelalterlichen Instanz, der Inquisition, ist es jedoch zu verdanken, dass wir heute je­nen Spuren der hussitischen Einflussgebiete - wenn auch nicht vollständig - nachspüren können.150

[...]


1 Bruneti, Peter, in: Palacky, Frantisek (Hg.): Urkundliche Beiträge zur Geschichte des Hussitenkrieges, Bd. 2, von den Jahren 1429-1436, Prag 1873, S. 268-270, hier: S. 269. Die lateinische Originalfassung dieses Briefes habe ich vollständig übersetzt (Anhang Nr. 1, S. 162-164). In einer Anmerkung übersetzt Palacky das „Wunnensem“ der Quelle mit „Bonn?“. Wahrscheinlicher ist, dass in der Originalquelle „Wurmensem“ - also Worms - stand.

2 In erster Linie sei hier der renommierte Historiker Günther Franz genannt, der die Agrargeschichte und die Geschichte des deutschen Bauernkrieges maßgeblich gefördert und beeinflusst hat. Ders. (Hg.): Der deutsche Bauernkrieg, Darmstadt 121984, S. 44. In der Wormser Chronik von Friedrich Zorn mit den Zusätzen Franz Bertholds von Flersheim, hg. von Wilhelm Arnold, Stuttgart 1857 (= Bibliothek des lite­rarischen Vereins in Stuttgart XLIII), S. 183 wird den Aufrührern nur eine antijüdische und antiklerikale Tendenz zugesprochen. Den gleichen Argumentationsstrang vertreten der Leiter des Wormser Stadtar­chivs Bönnen, Gerold: Zwischen Bischof, Reich und Kurpfalz: Worms im späten Mittelalter (1254-1521), in: Ders. (Hg.): Geschichte der Stadt Worms, Stuttgart 2005, S. 193-261, hier: S. 234 sowie Ziwes, Franz­Josef: Studien zur Geschichte der Juden im mittleren Rheingebiet während des hohen und späten Mittelal­ters, Hannover 1995 (= Forschungen zur Geschichte der Juden 1), S. 258-263 und Waas, Adolf: Die Bau­ern im Kampf um Gerechtigkeit (1300-1525), München 1964, S. 89, der sich jedoch nicht eindeutig fest­legt. Blickle, Peter: Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München 32012 (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte 1) misst dem Geschehen um Worms 1431/32 keinerlei historischen Wert bei, so dass er es gänzlich unerwähnt lässt. Bierbauers Anmerkung, dass der ökonomische Aspekt hinsichtlich der Suche nach den Ursachen für Bauernrevolten gerade in der älteren Bauernkriegsforschung überwiegt, sei hier erwähnenswert. Eingehend beleuchtet er die unterschiedlichsten Ursachen mit einem ständigen Blick auf die Forschung. Hierzu Bierbauer, Peter: Bäuerliche Revolten im Alten Reich. Ein Forschungs­bericht, in: Blickle, Peter [u.a.] (Hgg.): Aufruhr und Empörung? Studien zum bäuerlichen Widerstand im Alten Reich, München 1980, S. 1-68, hierbesonders S. 28-34.

3 Den Begriff der ,Krise' als geschichtlichen Grundbegriff erläutert Koselleck, Reinhart: Krise, in: Ders. / Brunner, Otto/ Conze, Werner (Hgg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch­sozialen Sprache in Deutschland, Band 3, Stuttgart 1982, S. 617-650.

4 Die These von der Krise des Spätmittelalters, die insbesondere im 21. Jahrhundert von vielen renom­mierten Historikern vertreten wurde (genannt sei hier nur eines der vielen Werke von Graus, Frantisek: Das Spätmittelalter als Krisenzeit. Ein Literaturbericht als Zwischenbilanz, in: Mediaevalia Bohemica, Supplementum 1 (1969), S. 3-55, Huizinga, Johan: Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden, Stuttgart 122006 [niederländ. Or. 1919], Genicot, Léopold: Crisis. From the Middle Ages to Modern Times, in: The Camb­ridge Economic History of Europe, Vol. 1: The Agrarian Life of the Middle Ages, Cambridge 1971, S. 660-741) und seither nicht nur ein fester Begriff innerhalb des Mediävistenkreises, sondern auch außer­halb der historischen Forschung (so zum Beispiel in Unterrichtsmaterialien) geworden ist, steht seit dem Ende des 20. Jahrhunderts auf dem Prüfstand. Siehe hierzu u.a. Schuster, Peter: Die Krise des Spätmittel­alters. Zur Evidenz eines sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Paradigmas in der Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts, in: HZ 269 (1999), S. 19-55, Meuthen, Erich: Gab es ein spätes Mittelalter?, in: Kunisch, Johannes (Hg.): Spätzeit. Studien zu den Problemen eines historischen Epochenbegriffs, Berlin 1990, S. 91-135, Müller, Heribert: Die kirchliche Krise des Spätmittelalters. Schisma, Konziliarismus und Konzilien, München 2012 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte 90). Kritisch mit beiden Positionen geht Seibt, Ferdinand: Zu einem neuen Begriff von der Krise des Spätmittelalters, in: Ders./ Eberhard, Winf­ried (Hgg.): Europa 1400. Die Krise des Spätmittelalters, Stuttgart 1984, S. 7-23 um, der jedoch letztlich zu dem Schluss kommt (Ebd., S. 9), dass „für die vielfältigen, politischen und sozialen, wirtschaftlichen und geistigen Erscheinungen des Lebens in Europa um 1400 [...] sehr wohl ein umfassender Krisenbe­griff am Platze [ist].“ Goertz (Hans-Jürgen: Pfaffenhaß und groß Geschrei. Die reformatorischen Bewe­gungen in Deutschland 1517-1529, München 1987, S. 49-51) sieht das Spätmittelalter zwar von Krisen und Reformen geprägt. Er spricht jedoch vier plausible Einwände aus, die gegen die These sprechen, wonach die Krisenerscheinungen des Spätmittelalters in eine gesamtgesellschaftliche Krise mündeten.

5 Bei der Forschungsanalyse zur Krise des Spätmittelalters in den europäischen Ländern Frankreich, Eng­land, den Niederlande, Tschechien (Böhmen), Polen und Italien sei auf die Aufsätze im Sammelband von Seibt/ Eberhard (Hgg.): Europa 1400 (siehe Anm. 4) hingewiesen. Im Folgenden wird nur in zusammen­fassender Form von den Krisenerscheinungen innerhalb der unterschiedlichen sozialen Systeme berichtet. Ausführlich wird darauf in Gliederungsblock vier eingegangen werden.

6 Im Gesamtgefüge seines Modells wies Abel dem demografischen Faktor eine bedeutende Rolle zu, denn nach Abel ist die Bevölkerungszahl eine Hauptschlagader der mittelalterlichen Wirtschaftsentwicklung. Sie löst durch die seit der Mitte des 14. Jahrhunderts auftretenden Pestepidemien und der dadurch um nahezu fast ein Drittel verminderten Bevölkerungszahl die Agrarkrise aus. Siehe Abel, Wilhelm: Art. „Agrarkrise“, in: LexMA I (1999), Sp. 218-220, hier Sp. 219.

7 Vgl. Abel: Art. „Agrarkrise“, Sp. 218-220 sowie Rösener, Werner: Krisen und Konjunkturen der Wirt­schaft im spätmittelalterlichen Deutschland, in: Seibt/ Eberhard (Hgg.): Krise, S. 24-38, hier: S. 26f.

8 Hinweise auf weiterführende Literatur hinsichtlich der Regionen um Franken, Brandenburg, dem Salz­burger sowie Nordschweizer Raum liefert Rösener: Konjunkturen, S. 31. Für den uns interessanten Süd­westen des Heiligen Römischen Reiches liefert Abel (Art. „Agrarkrise“, Sp. 218) den Hinweis, dass sich in jener Gegend Schaffarmen auf wüsten Äckern ausbreiteten.

9 Vgl. Rösener: Konjunkturen, S.31.

10 Hingewiesen sei auf die besonders aufschlussreichen Werke von Blickle, Peter [u.a.] (Hgg.): Aufruhr und Empörung? Studien zum bäuerlichen Widerstand im Alten Reich, München 1980, ders.: Agrarkrise und Leibeigenschaft im spätmittelalterlichen deutschen Südwesten, in: Kellenbenz, Hermann (Hg.): Agra­risches Nebengewerbe und Formen der Reagraisierung im Spätmittelalter und 19./ 20. Jahrhundert, Stutt­gart 1975, S. 39-55 sowie Ulbrich, Claudia: Leibherrschaft am Oberrhein im Spätmittelalter, Göttingen 1979. In ihren Beiträgen liefern beide Autoren sehr gute Hinweise zur Ursachenforschung der Bauernauf­stände und der allgemeinen Lage der Bauern im oberrheinischen Gebiet. Hierzu besonders in Gliede­rungspunkt 4.1 und 4.4.

11 Blickle kommt bei der Analyse der Unruhen in der ständischen Gesellschaft zu dem Schluss, dass gera­de die „epidemisch ausbrechenden Bauernunruhen“ charakteristisch für das Spätmittelalter waren. Nach eingehender Betrachtung der Forschungsliteratur beziffert er die Bauernunruhen für das Spätmittelalter auf ca. 60, wobei wichtiger als diese absolute Zahl die Erkenntnis erscheint, dass vom 14. Jahrhundert bis zur Reformationszeit der bäuerliche Protest erheblich wächst und die Forderungen laut Blickle einen „zunehmend prinzipiellen Charakter erhalten.“ Siehe hierzu Blickle, Peter: Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München 32012 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte 1), S. 13. Zu einem ähn­lichen Schluss kommen Bierbauer: Bäuerliche Revolten, S. 1-68, hier besonders S. 26-28, Boockmann, Hartmut: Zu den geistigen und religiösen Voraussetzungen des Bauernkrieges, in: Möller, Bernd: Bau­ernkriegs-Studien, Gütersloh 1975 (= Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte nr. 189, Jahrgang 82,2 und 83), S. 9-27, hier: S. 9 sowie Hergemöller, Bernd-Ulrich: Gesellschaftliche Veränderungen im engeren Reichsgebiet um 1400, in: Seibt/ Eberhard (Hgg.): Europa 1400, S. 39-52, hier: S. 39-41, der sogar von ca. 80 Konflikten ausgeht. Bei Letzerem findet sich im Anhang (S. 51f.) ein Überblick über die städtischen Unruhen im Zeitraum zwischen 1360 und 1432. Auffallend ist, dass der Wormser Bauernauf­stand von 1431/1432 keine Auflistung erfährt. Diese Lücke wird bei der genaueren Auflistung der Vorun­ruhen im Werk von Franz (Bauernkrieg, S. 301) geschlossen.

12 Vgl. Hergemöller: Veränderungen, S. 39-41.

13 Maschke, Erich zit. nach Hergemöller: Ebd., S. 42.

14 Vgl. Ebd., S. 41f.

15 Vgl. Eberhard, Winfried: Die Krise des Spätmittelalters: Versuch einer Zusammenfassung, in: Seibt/ Eberhard (Hgg.): Europa 1400, S. 303-319, hier: S. 308. Die beschriebenen Stratifikations- und Konsoli­dierungstendenzen im Rahmen dieser städtischen Hochkonjunktur betreffen in vollem Umfang auch die Zunft der Handwerker. Durch die Konsolidierung der zünftischen Organisation und der darin ausgearbei­teten Rechte behinderten sie in großem Maße die gesellschaftliche Stratifikationstendenz innerhalb ihrer Zünfte und schufen hierarchische Stufenfolgen. Die gleichsame Folge war neben der Verbreiterung von Randgruppen (hierzu zählen neben den Dirnen die Bettler, Juden, Ketzer, Hexen und Homosexuelle) vor allem die sich ausbreitende Kluft zwischen den einzelnen Gewerken, der Ausschluss bestimmter Hand­werker in den nichtzünftischen Bereich sowie zunehmende Konflikte zwischen Meistern und Gesellen (die sogenannten Gesellenaufstände). Siehe hierzu Hergemöller (Veränderungen, S. 42f.), der auf den Seiten 43-45 die „Randgruppen und Außenseiter“ beschreibt.

16 So der Titel der Monografie von Heribert Müller mit den Zusätzen „Schisma, Konziliarismus und Kon­zilien, München 2012 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte 90).“

17 Zum Konziliarismus siehe den lexikalischen Eintrag von Bäumer, Remigius: Art. „Konziliarismus“, in: LexMA V (1991), Sp. 1431f.

18 Zum Abendländischen Schisma ist die Forschungsliteratur kaum noch zu überblicken. Hingewiesen sei auf Müller, Heribert: Kirchliche Krise, S. 5-21 und auf die allgemeinen und zusammenfassenden Lexika­Artikel von Tüchle, Hermann: Art. „Abendländisches Schisma“, in: LexMA I (1980), Sp. 19-22, Müller, Heribert: Art. „Abendländisches Schisma“, in: Lexikon für Theologie und Kirche I (31993), Sp. 24-30. Über die Krise des kirchlichen Sozialsystems berichtet ausführlich Heimann, Heinz- Dieter: Akzente und Aspekte in der deutschen Forschungsdiskussion zu spätmittelalterlichen Krisenerscheinungen, insbeson­dere im Bereich des geistigen Lebens, in: Seibt/ Eberhard (Hgg.): Europa 1400, S. 53-64.

19 Vgl. Goertz: Pfaffenhaß, S. 43-48.

20 Zum Begriff des Antiklerikalismus, seiner Ursachen und Ausdrucksformen insbesondere Goertz: Pfaf­fenhaß, S. 52-59. Die Übertragbarkeit dieses Begriffes auf die Beziehungen zwischen dem Klerus und den Laien in Worms im Spätmittelalter überprüft und bestätigt Todt, Sabine: Kleruskritik, Frömmigkeit und Kommunikation in Worms im Mittelalter und in der Reformationszeit, Stuttgart 2005 (= Beiträge zur Wirtschafts-und Sozialgeschichte 103), S. 182-185.

21 Vgl. Moraw, Peter: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Das Reich im späten Mittelal­ter 1250-1490, Frankfurt am Main/ Berlin 1985 (= Propyläen Geschichte 3), S. 21.

22 Vgl. Moraw: Reichsverfassung, S. 203.

23 Moraw, Peter: Das „privilegium maius“ und die Reichsverfassung, in. [o.A.]: Fälschungen im Mittelal­ter. Internationaler Kongress der MGH München, 16.- 19. September 1986, Teil III: Diplomatische Fäl­schungen, Hannover 1988 (= MGH Schriften 33, III), S. 201-224, hier: S. 203.

24 Einen guten, jedoch nur oberflächlichen Einblick in den - nach der Regierungszeit des „hegemonialen Königtums“ unter Karl IV. (1346-1378) anbrechenden - machtpolitischen Verfall unter der Regierungs­zeit von Wenzel IV., Ruprecht und Sigismund von Luxemburg siehe Prietzel, Malte: Das Heilige Römi­sche Reich im Spätmittelalter, Darmstadt 220 1 0, S. 87-96 (Wenzel IV.), S. 97-102 (Ruprecht), S. 103-119 (Sigismund). Über das Wesen, die Probleme und Bewertung der Königsherrschaft im Spätmittelalter unter Berücksichtigung der Forschungsliteratur informiert explizit Krieger, Karl- Friedrich: König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter, München 1992 (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte 14), S. 62­101.

25 Gerade in der Schlussbetrachtung dieser Arbeit wird der Brief von Bruneti äußerst kritisch begutachtet und trägt dadurch zur differenzierten Betrachtung der Leitfrage bei. Siehe S. 121-142.

26 So bei Blickle, Peter: Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München 32012 (= Enzyklo­pädie Deutscher Geschichte 1), der dem Geschehen um Worms 1431/32 keinerlei historischen Wert bei­misst und ihn gänzlich unerwähnt lässt.

27 So bei Hergemöller: Gesellschaftliche Veränderungen, S. 52.

28 So bei Eckhardt, Albrecht: Die Bechtheimer Dorfordnung aus dem Jahr 1432 und der Bauernaufstand um Worms 1431/1432, in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde 33 (1975), S. 55-85, der zwar den Wormser Bauernaufstand erwähnt, jedoch anhand der bis dato unausgewerteten Dorfordnung für Bechtheim von 1432 die Folgen dieses Aufstandes in den Mittelpunkt seiner Untersuchung stellt. Zu Recht weist Eckhardt (Ebd., S. 57) daraufhin, dass die Weistümer und Dorfordnungen als örtliche Quel­len hinsichtlich der Frage nach der Wirkung und Folgen eines Untersuchungsgegenstandes sehr hilfreich sein können. Einen flüchtigen Blick auf das Ereignis richten Boockmann, Hartmut [u.a.]: Konzilien, Kir­chen- und Reichsreform (1410-1495), Stuttgart 2005 (= Handbuch der deutschen Geschichte 8), S. 77, Anm. 14, Todt: Kleruskritik, S. 108f., Bönnen: Worms im späten Mittelalter, S. 234f., Waas: Gerechtig­keit, S. 89, Ziwes: Studien, S. 259-264, Krzenck: Bamberger Aufstand, S. 135, Macek, Josef: Die böhmi­sche und die deutsche radikale Reformation bis zum Jahre 1525, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 2 (1974), S. 5-29, hier: S. 12, Keilmann: Bistum, S. 137f., Reuter, Fritz: Bischof, Stadt und Judengemeinde von Worms im Mittelalter (1349-1526), in: Neunhundert Jahre Geschichte der Juden in Hessen. Beiträge zum politischen, wirtschaftlichenundkulturellen Leben, Wiesbaden 1983, S. 41-81, hier: S. 48, Schilling, Konrad (Hg.): Monumenta Judaica. 2000 Jahre Geschichte und Kultur der Juden am Rhein, Köln 1963, S. 74 sowie Smahel, Frantisek: Die Hussitische Revolution, 3 Bde., Hannover 2002, hier: Bd. Ill, S. 1539.

29 So vor allem bei Bezold, Friedrich von: Der rheinische Bauernaufstand vom Jahr 1431, in: ZGO 27 (1875), S. 129-149, hier: S. 149, Boockmann: Voraussetzungen, S. 11, Franz: Bauernkrieg, S. 44 und Waas: Gerechtigkeit, S. 89.

30 Vgl. Boockmann: Voraussetzungen, S.11.

31 Hierzu werden vor allem die Deutschen Reichstagsakten der Älteren Reihe herangezogen.

32 Wie bereits angedeutet, schildern die Dorfordnung und das erhaltene Weistum aus Berchtheim die Folgen dieses Aufstandes für die Bauern. Siehe Eckhardt: Bechtheimer Dorfordnung.

33 Verwiesen sei auf die von Boos herausgegebenen Urkundenbücher der Stadt Worms und der funda­mentalen vierbändigen Ausgabe der Geschichte der rheinischen Städtekultur von ihren Anfängen bis zur Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung der Stadt Worms, Berlin 1897-1901 (Im Folgenden mit dem Kürzel „GRS“).

34 Vgl. Wormser Chronik von Friedrich Zorn mit den Zusätzen Franz Bertholds von Flersheim, hrsg. von Wilhelm Arnold, Stuttgart 1857.

35 In jene Ursachenrubrik lassen sich u.a. Bönnen: Worms im späten Mittelalter, S. 234, Todt: Kleruskritik, S. 108 und Reuter: Judengemeinde, S. 48 zuordnen.

36 Zu den Historikern mit jener These zählen u.a. Smahel: Hussitische Revolution, Bd. III, S. 1539, Boockmann: Voraussetzungen, S. 21, Eckhardt: Bechtheimer Dorfordnung, S. 56, Ziwes: Studien, S. 259f. und Keilmann: Bistum, S. 137f.

37 Befürworter dieser umstrittenen These ist vor allem Smirin, Moisej Mendelevic: Deutschland vor der Reformation. Abriß der Geschichte des politischen Kampfes in Deutschland vor der Reformation, Berlin West 1955, S. 106, der in einem sehr ausführlichen Kapitel (S. 102-157) den ,,revolutionäre[n] Wider­hall“ der Hussitenkriege und seiner Ideen in Deutschland analysiert. In seinen Äußerungen stützt sich Smirin vor allem auf Bezold: Der rheinische Bauernaufstand. Eine ähnliche, wenn auch weniger radikale Position haben Macek: Radikale Reformation, S. 12, Franz: Bauernkrieg, S. 44 und Waas: Gerechtigkeit, S. 89.

38 Der Schwerpunkt wird hierbei auf die Ereignisgeschichte vor dem einschneidenden Ereignis 1431/1432 liegen, wobei der Blick auf den weiteren historischen Fortgang der Stadt Worms gerade bis zur Reforma­tionszeit ebenso ausgerichtet wird. Siehe Seite 34-37.

39 Vgl. Grünewald, Mathilde: Worms von der vorgeschichtlichen Epoche bis in die Karolingerzeit, in: Bönnen, Gerold (Hg.): Geschichte der Stadt Worms, Stuttgart 2005, S. 44-101, hier: S, 44.

40 Vgl. Boos, Heinrich (Hg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Worms, Bd. 1-3, Berlin 1886-1893.

41 Vgl. Boos, Heinrich (Hg.): GRS.

42 Zorn: Wormser Chronik.

43 Arnold (Wormser Chronik, S. 2f.) nimmt an, dass Zorn die Chronik 1570 abgeschlossen hat.

44 Einen sehr guten Einblick in die Bestände des Stadtarchiv Worms liefert der Leiter dieser kulturellen Institution und des Jüdischen Museums in Worms Bönnen, Gerold: Das Stadtarchiv Worms und seine Bestände, Koblenz 1998 (= Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 79). Wäh­rend des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688-1697), auch genannt der Orléan'sche Krieg, konnten nur die wertvollsten Teile des Archivs, so vor allem die als Rechtstitel essentiellen Urkunden, in annähernder Vollständigkeit gerettet werden. Dies ist vor allem dem Wormser Stadtrat zu verdanken, der die Archiva­lien in ihr Frankfurter Exil, von wo sie die Stadt Worms verwalteten, mitgenommen hatte. Durch den Stadtbrand 1689 sind nahezu alle Rats- und Gerichtsprotokolle, umfangreiche Akten sowie sämtliche Unterlagen zur städtischen Finanzführung (Rechnungen) verloren gegangen. Zu den Hintergründen und Ereignissen im Pfälzischen Erbfolgekrieg in informativer, aber nicht detaillierter Form siehe die Kurzab­handlung bei Duchhardt, Heinz: Altes Reich und europäische Staatenwelt 1648-1806, München 1990 (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte 4), S. 53-62. Über das Schreckensjahr 1689 berichtet in einem kur­zen Beitrag Böcher, Otto: Worms im Schreckensjahre 1689, in: Der Wormsgau 10 (1972/73), S. 56-59. Nachweise in den Quellen zum Orléanschen Krieg bei Boos: GRS, Bd. IV, S. 454-474.

45 Vgl. Reuter: Judengemeinde, ders.: Worms und das Deutsche Reich des Mittelalters, in: Der Wormsgau 14 (1982/86), S. 8-14, ders.: Warmaisa. 1000 Jahre Juden in Worms, Worms 1984, ders.: Worms um 1521, in: Ders. (Hg.): Der Reichstag zu Worms von 1521. Reichspolitik und Luthersache, Köln/ Wien 21981, S. 13-58.

46 Angesichts der zahlreichen Abhandlungen, die von der intensiven Forschungsleistung des Historikers Zeugnis ablegen, seien vor allem jene erwähnt, die angesichts der Leitfrage der Arbeit von Bedeutung sind: Bönnen: Worms im späten Mittelalter, ders.: Stadtarchiv, ders.: Zur Entwicklung von Stadtverfas­sung und Stadtgemeinde im hochmittelalterlichen Worms, in: ZGO 150 (2002), S. 113-159.

47 Vgl. Keilmann: Bistum, ders: Der Kampf um die Stadtherrschaft in Worms während des 13. Jahrhun­derts, Darmstadt/ Marburg 1985.

48 Vgl. Todt: Kleruskritik.

49 Vgl. Ebd., S. 321-324. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf ihren Artikel „Auch wünschen die Wormser, die immer Feinde der Priester waren, nichts sehnlicher als die Ausrottung des Klerus“. Die Darstellung der frühen reformatorischen Durchsetzungsprozesse in Worms als Kommunikationsprozess, in: Der Wormsgau 23 (2004), S. 45-76.

50 Vgl. Ziwes: Studien, S. 67.

51 Vgl. Cluse, Christoph (Hg.): Europas Juden im Mittelalter: Beiträge des internationalen Symposiums in Speyer vom 20. bis 25. Oktober 2002, Trier 2004.

52 Siehe hierzu die Beiträge von Rami Reiner, Simcha Emanuel, Haym Soloveitchik, Annegret Holtmann, Martha Keil, Kay Peter Jankrift, Vivian B. Mann und Erika Timm in Kapitel IV. auf den Seiten 301 bis 390.

53 Zusammengefasst sind die einzelnen Beiträge unter dem Kapitel II. ,,Rund um das Mittelmeer“ und Kapitel III. „Das Judentum des Nordens: Zarfat, England, Aschkenas“, die hinsichtlich der jüdischen Geschichte ein europäischen Panoramablick bieten.

54 Hierzu das Kapitel V. auf den Seiten 391 bis 478, wobei der Schwerpunkt der Beiträge auf das Rhein­gebiet liegt.

55 Siehe hierzu die Beiträge unter dem Kapitel I. „Dimensionen des Themas“ (S. 33-108).

56 Vgl. Bönnen, Gerold: Worms: Die Juden zwischen Stadt, Bischof und Reich, in: Ebd., S. 432-442.

57 Vgl. Toch, Michael: Die Juden im mittelalterlichen Reich, München 1998 (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte 44). Zum Forschungsstand, den Problemen und Tendenzen der Forschung siehe die Seiten 69 bis 142. Zu den Quellen und der Literatur, die in klassifizierender Form unterteilt sind, hier vor allem die Seiten 143 bis 175.

58 Vgl. Battenberg, Friedrich (Hg.): Quellen zur Geschichte der Juden im Hessischen Staatsarchiv Dar­mstadt, Bd. 1 (1080-1650), Bd. 2 (1651-1806), Wiesbaden 2008 (= Quellen zur Geschichte der Juden in hessischen Archiven 2 (Bd. 1),4,1 und 4,2 (Bd. 2)).

59 Vgl. Battenberg, Friedrich (Hg.): Das europäische Zeitalter der Juden. Zur Entwicklung einer Minder­heit in der nichtjüdischen Umwelt Europas, Bd. 1 (Von den Anfängen bis 1650), Bd. 2 (Von 1650 bis 1945), Darmstadt 2000.

60 Insbesondere Kapitel 5 „Das urbane Judentum im Heiligen Römischen Reich bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts“ (S. 97- 122) und Kapitel 6 ,,Das spätmittelalterliche Judentum in Mittel- und Westeuropa“ (S. 123-165) aus dem ersten Band der battenbergischen Monografie werden im Zentrum dieser Arbeit stehen.

61 Vgl. Ziwes: Studien.

62 Vgl. Reuter, Fritz: Warmaisa. 1000 Jahre Juden in Worms, Worms 1984 (= Der Wormsgau, Beiheft 29).

63 Battenberg (Ebd., Bd. I, S. 123-126) erörtert explizit vor allem die Krisenzeit des Spätmittelalters und ihre Folgen auf die Juden in Mittel- und Westeuropa.

64 Darüber hinaus liegt der Fokus der Arbeit von Ziwes auf die Stadt Frankfurt am Main.

65 Vgl. Reuter: Warmaisa.

66 Siehe hierzu Seite 8 bis 10 dieser Arbeit.

67 Vgl. Deutsche Reichstagsakten, Bd. X, I. Vor allem die Korrespondenz zwischen den rheinischen Städ­ten im Zeitraum des Wormser Bauernaufstandes liefert zahlreiche Hinweise auf die angespannte Lage, Boockmann (Voraussetzungen, S. 21) spricht nicht zu Unrecht von klarer „Nervosität“, in der sich die herrschenden Personen der Stadtregimente befanden.

68 Erwähnt sei in diesem Zusammenhang die von Loserth (Johann: Hus und Wiclif. Zur Genesis der hus- sitischen Lehre, München/ Berlin 21925 (erste Ausgabe Prag/ Leipzig 1884), hier insb.: S. 96) anhand zahlreicher Belege in den jeweiligen Werken der beiden Reformer entwickelte These vom Epigonentum Hussens. Geteilt wird diese Ansicht unter anderem von Uhlirz, Mathilde: Die Genesis der vier Prager Artikel, Wien 1914, S. 98, Kalivoda, Robert: Revolution und Ideologie: Der Hussitismus, Köln 1976, S. 10 und Grundmann, Herbert: Ketzergeschichte des Mittelalters, Göttingen 1963 (= Die Kirche des Mittel­alters 2, Lieferung G, I), S. 62. Gerade seitens der tschechischen Historiografie wurde der Versuch unter­nommen, Hus von diesem Vorwurf der totalen Abhängigkeit von John Wyclif zu befreien. Die For­schungskontroverse aufgreifend und Stellung nehmend siehe Smahel, Frantisek: Hussitische Revolution, Bd. I, Hannover 2002, S. 552f., der zusätzlich auf weitere hussche Reformeinflüsse hinweist (S. 554f.). Zu einem ähnlichen Urteil kommen Gill, Joseph: Konstanz und Basel- Florenz, Mainz 1967 (= Geschich­te der ökumenischen Konzilien IX), S. 89, Dachsel, Joachim: Jan Hus. Leben und Briefe des tschechi­schen Reformators, der für die Sache des Evangeliums den Feuertod erlitt, Berlin 1964, S. 34f„ Herod, Vilém: How Wyclifite was the Bohemian Reformation?, in: The Bohemian Reformation and Religious Practice 2 (1996), S. 25-37, hier: S. 37, Hilsch, Peter: Jan Hus. Ein Reformator als Bedrohung von Kirche und Reich?, in: Machilek: Die Hussitische Revolution, S. 25-37, hier: S. 26f. und Benrath, Gustav A.: Wyclif und Hus, in: Zeitschrift für Theologie und Kirche 62 (1965), S. 196-216, hier: S. 213.

69 Vgl. Macek, Josef: Art. ,,Hus, Johannes“, in: LexMA V (1991), Sp. 230f.

70 Vgl. Machilek, Franz: Vorwort des Herausgebers, in: Ders. (Hg.): Die hussitische Revolution. Religiö­se, politische und regionale Aspekte, Köln [u.a.] 2012 (= Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands 44), S. 3-5, hier: S. 4.

71 Siehe hierzu der von Ferdinand Seibt verfasste Beitrag unter dem Titel ,,Jan Hus“, erschienen im Sam­melband von Greschat, Martin (Hg.): Mittelalter, Stuttgart [u.a.] 1983 (= Gestalten der Kirchengeschichte 4), S. 251-266.

72 Einen Uberblick bietet, wenn auch nur in kurzer Abhandlung, Hilsch, Peter: Das Hus- Bild in der ge­schichtlichen Erinnerung, in: Braun, Karl- Heinz [u.a.]: Das Konstanzer Konzil (1414-1418). Weltereig­nis des Mittelalters. Essays, Darmstadt 2013, S. 102-105.

73 Vgl. Smahel: Die hussitische Revolution, 3 Bde. Es handelt sich hierbei um die überarbeitete und er­gänzte Fassung der tschechischen Originalausgabe von 1993 bzw. 1995/1996.

74 So Hilsch, Peter: Frantisek Smahel und die neuere Hussitismus- Forschung, in: Historisches Jahrbuch 127 (2007), S. 395-413, hier: S. 395.

75 Smahels dreibändiges Werk wird im Rahmen der Forschungsanalyse zum Hussitismus im fünften Ka­pitel dieser Arbeit explizit beschrieben. Zu seinen biografischen Ausführungen über Johannes Hus siehe Smahel: Hussitische Revolution, Bd. I, S. 578-586.

76 Vgl. Novotný, Václav: Jan Hus. Život a dilo [Leben und Werk], 2 Bde., Prag 1919-1921. Das nur in tschechischer Sprache erschienene Werk konnte aufgrund der sprachlichen Barriere leider nicht bearbeitet werden. Da Novotnýs Werk jedoch bei Peter Hilsch (siehe Anm 78) eine enorme Berücksichtigung ge­funden hat, so werden mögliche Ausführungen und Zitationen auf Hilschs Biografie ruhen. Da das etwa 1000 Seiten umfassende Werk von Novotný für das Verständnis des Johannes Hus eine essentielle Rolle spielt, so hoffe ich, dass das zweibändige Werk in naher Zukunft in deutscher Sprache übersetzt wird.

77 Vgl. Werner, Ernst: Jan Hus. Welt und Umwelt eines Prager Frühreformers, Weimar 1991 (= For­schungen zur mittelalterlichen Geschichte 34). Eine kritische Bewertung des Werkes ermöglicht die Lek­türe des Beitrags von Seibt, Ferdinand: Rezension zu Werner: Welt und Umwelt. In: Bohemia 35 (1994), S. 503-505.

78 Vgl. Hilsch, Peter: Johannes Hus (um 1370- 1415). Prediger Gottes und Ketzer, Regensburg 1999.

79 Vgl. Krzenck, Thomas: Johannes Hus. Theologe, Kirchenreformer, Märtyrer, Gleichen/ Zürich 2011 (= Persönlichkeit und Geschichte 170).

80 Einen besonderen Blick widmet Fudge (Thomas A.: Jan Hus. Religious Reform and Social Revolution in Bohemia, London/ New York 2010 (Library of the Middle East history 18), hier besonders: S. 27-56) der Einbettung der Ideen des Johannes Hus in die Religionsgeschichte des Mittelalters in Europa. Einen kritischen und sehr ausführlichen Blick auf das Werk liefert Krzenck, Thomas: Rezension zu Fudge: Jan Hus. In: Bohemia 51 (2011), S. 477-480.

81 So sind nach Werner (Welt und Umwelt, S. 66-98) die Vorstellungen Hussens von Jakobellus von Mies, Nikolaus von Dresden, John Wyclif und Stanislaus von Znaim geprägt.

82 Vgl. Ebd., S. 239f. Die Parallelen zwischen den beiden Reformatoren erläutert Werner auf den Seiten 179-181.

83 Ebd., S. 238.

84 Auf die religiöse, ideologische und nationalistische Verfärbung Hussens seitens der Forschung weisen Seibt, Ferdinand: Jan Hus- Zwischen Zeiten, Völkern, Konfessionen, in: Ders. (Hg.): Jan Hus. Zwischen Zeiten, Völkern, Konfessionen. Vorträge des internationalen Symposions in Bayreuth vom 22. bis 26. September 1993 (= Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 85), S. 11-26, hier zusammenfassend: S. 25f., Hilsch: Hussitismus- Forschung, Werner: Welt und Umwelt, S. 7-20 sowie äußerst umfassend und empfehlenswert Smahel: Hussitische Revolution, Bd. I, S. 1-84 hin. Über die tschechische Mediävis­tik finden sich detaillierte Hinweise zur Forschungslage bei Smahel, Frantisek/ Zemlicka, Josef: Die tschechische Mediävistik 1990- 2002, in: Tschechische Mittelalterforschung, Prag 2003, S. 11-66. Die kommunistische Vereinnahmung Hussens seitens der Forschung analysiert ausführlich Morée, Peter: Not Preaching from the Pulpit, but Marching in the Streets: The communist use of Jan Hus, in: The Bohemian Reformation and Religious Practice 6 (2004), S. 283-296.

85 Siehe hierzu die kritische Wertung dieses Werkes in der Rezension von Kejr, Jiri: Rezension zu Hilsch: Johannes Hus. In: Bohemia 41 (2000), S. 213f

86 Vgl. Hilsch: Johannes Hus, Kapitel I. bis VII. auf den Seiten 9-102.

87 Vgl. Hilsch: Hussitismus- Forschung, S. 410, Anm. 22.

88 Vgl. Ebd., S. 84, S. 168-170, S. 209, S. 279.

89 Insbesondere von der Leidenschaft zur Predigt war Hus befallen. Siehe ebd., S. 178f. sowie Sebek, Jaroslav/ Hilsch, Peter: Johannes Hus, in: Samerski, Stefan (Hg.): Die Landespatrone der böhmischen Länder. Geschichte- Verehrung- Gegenwart, München [u.a.] 2009, S. 275-296, hier: S. 280. Über die Bedeutung der Predigt für die mittelalterliche Gesellschaft weist besonders nachvollziehbar und schlüssig Fudge, Thomas A.: ''Feel this!“ Jan Hus and the Preaching of Reformation, in: Bohemian Reformation and Religious Practice 4 (2000), S. 107-126, hier: S. 108f. hin. Durch die Analyse der Predigten des Jo­hannes Hus gelangt Fudge zu der Feststellung, dass Hus in erster Linie moralische und soziale Reform­wünsche predigte (Ebd., S. 109). Sein Hinweis, dass Hus in erster Linie Prediger Gottes war (Ebd., S. 126), deckt sich mit den Ausführungen der zitierten Autoren.

90 Vgl. Ebd., S. 280-283.

91 Eine Würdigung der enormen Arbeitsleistung Smahels, dessen Bibliographie der benutzten Quellen und Literatur etwa 4000 Titel umfasst (dazu kommen ein Register der Quellenautoren, ein Sach-, Perso­nen- und Ortsregister sowie 23 Tabellen und Schemata, 48 Abbildungen und eine Ortsnamenkonkordanz) liefert Hilsch: Hussitismus- Forschung, S. 395-407. Erwähnt sei, dass Hilsch in umfassender, aber zu­gleich analytisch zutreffender Weise die Struktur und Kerninhalte des dreibändigen Werkes rezipiert und dabei mit Kritik, wenn es angebracht erscheint (Vgl. Ebd., S. 407), nicht spart.

92 Vgl. Smahel: Hussitische Revolution, Bd. I, S. 154-167.

93 Vgl. Ebd. in Kapitel drei unter dem Titel ,,Die Rückkehr zu einer armen Kirche der Lex Dei“ auf den Seiten 544 bis 576.

94 Vgl. Ebd. in Kapitel vier unter der Überschrift „Hussens Ideal einer gerechten Gesellschaft“ auf den Seiten 577 bis 604.

95 Erwähnt sei auch dessen Artikel unter dem Titel ,,Die Theologie des Jan Hus“, in: Braun, Karl- Heinz [u.a.]: Das Konstanzer Konzil. 1414-1418. Weltereignis des Mittelalters. Essays, Darmstadt 2013, S. 87­91.

96 Die Untersuchung von Krzenck (Märtyrer), die hauptsächlich auf die Vorgehensweise von Peter Hilsch (Johannes Hus) anknüpft, liefert keine neuen Erkenntnisse. Seine Zitation im Rahmen dieser Arbeit dient hierbei nur als Beleg für die Vertretung von gewissen Ansichten oder Thesen seitens anderer Historiker.

97 Hingewiesen sei zum einen auf den Sammelband mit den Vorträgen eines internationalen Symposiums in Bayreuth im Jahre 1993, das 38 Beiträge renommierter Husforscher zu den Themenspektren der Krise des Spätmittelalters, der Handlungsweise der Menschen im Umfeld Hussens (explizit seiner Freunde, seiner Gegner und dem Adel), der husschen Theologielehre, seines Rechtsverständnisses sowie dem hus- sitischen Einfluss in den Nachbarländern Böhmens beinhaltet. Siehe hierzu Seibt (Hg.): Zwischen Zeiten. Insbesondere die Beiträge unter der Rubrik „Hussens Gedanken über Kirche und Theologie“ auf den Seiten 121 bis 202 erhalten im Gliederungspunkt 4.2 ein besonderes Augenmerk. Desweiteren beschäftig­te sich eine groß angelegte internationale Tagung im Vatikan im Dezember 1999 mit der Zentralgestalt Johannes Hus, die an die erstgenannte Tagung in Bayreuth anknüpfte und sich in erster Linie mit der Frage nach der Rehabilitierung des Reformators auseinandersetzte, wodurch der Schwerpunkt verständli­cherweise auf Hussens Kirchenbegriff gelegt wurde. 2001 sind die wissenschaftlichen Ergebnisse zwar erschienen, jedoch in einem weitgehend in tschechischer Sprache publizierten Sammelband, so dass eine Bearbeitung dieses Werkes für den Verfasser nicht möglich war. Bibliografische Hinweise liefern Hilsch: Hussitismus-Forschung, S. 412f„ Anm. 29 und 30 sowie Smahel/ Zemlicka: Die tschechische Mediävis­tik, S. 61f. Explizit über diese Tagung berichtet Seibt, Ferdinand: Jan Hus in Rom, in: Bohemia 40 (1999), S. 512-515.

98 Vgl. Schamschula, Walter (Hg.): Jan Hus. Schriften zur Glaubensreform und Briefe der Jahre 1414­1415, Frankfurt am Main 1969.

99 Documenta Mag. lohannis Hus vitam, doctrinam, causam in Constantiensi concilio actam et controversias de religione in Bohemia annis 1403-1418 motas illustrantia, ed. Frantisek Palacký, Prag 1869 (Osnabrück 1966). Über die Begründer der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung (namentlich Palacký, Tomek und Goll) berichtet in umfassender Weise Smahel: Hussitische Revolution, Bd. I, S. 11­19.

100 Die weiteren, zahlreichen Werke von Palacký, die hinsichtlich der Erforschung der tschechischen Nationalgeschichte und des Hussitismus gerade in der tschechischen Historiografie essentiell sind, be­schreibt Smahel: Hussitische Revolution, Bd. I, S. 11-16.

101 Siehe hierzu Kalivoda, Robert/ Kolesnyk, Alexander (Hgg.): Das hussitische Denken im Lichte seiner Quellen, Berlin 1969 (= Beiträge zur Geschichte des religiösen und wissenschaftlichen Denkens 8), S. 117-244.

102 Vgl. Töpfer, Bernhard: Die Wertung der weltlich-staatlichen Ordnung durch John Wyclif und Jan Hus, in: Smahel, Frantisek (Hg.): Häresie und vorzeitige Reformation im Spätmittelalter, München 1998 (= Schriften des Historischen Kollegs 39), S. 55-76.

103 Über die Rolle Wyclifs bei der „böhmischen Reformation“ (so Macek: Radikale Reformation) wird in fast allen Forschungswerken zu Hus und dem Hussitismus hingewiesen, die bereits in dieser Arbeit Er­wähnung gefunden haben. Eine genauere Analyse dieser Frage bietet darüber hinaus Herold, Vilém: Zum Prager philosophischen Wyclifismus, in: Smahel, Frantisek (Hg.): Häresie, S. 133-146.

104 Vgl. Töpfer: Wertung, S. 74f. Wyclifs Ideen beeinflussten in erheblichem Maße Johannes Hus und erreichten über ihn Martin Luther. So entstand von der frühreformatorischen Bewegung eine geistige Kontinuitätslinie, die bis zur frühbürgerlichen Revolution reicht. Diese geistigen Ideen werden auch Ge­genstand dieses Gliederungspunktes sein.

105 Inwiefern die Hussiten jene Lehre ihres Namensvetters übernahmen bzw. für ihre eigenen Ziele aus­weiteten oder veränderten, soll uns in Gliederungsblock fünf beschäftigen. Siehe Seite 92 bis 102.

106 Vgl. Blickle, Peter: Bäuerliche Erhebungen im spätmittelalterlichen deutschen Reich, in: ZAA 27 (1979), S. 208-231, hier: S. 212.

107 Vgl. Ebd. Vgl. Behringer, Wolfgang: Bauern-Franz und Rassen-Günther. Die politische Geschichte des Agrar­historikers Günther Franz (1902-1992), in: Schulz, Winfried/ Oexle, Otto G. (Hgg.): Deutsche Historiker im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main 1999, S. 114-141. Behringer schafft es erstmals unter explizi­ter Berücksichtigung der Akten, die politischen Aktivitäten Günther Franz während der NS-Zeit transpa­rent ins Licht zu rücken. Seine These, dass der hochgepriesene „spiritus rector der deutschen Agrarge­ schichte“ und sein allseits gelobtes Schrifttum (verwiesen sei hier auf die zahlreichen Festschriften auf Günther Franz von seinem 65. bis 90. Geburtsjahr, die bei Behringer auf Seite 132, Anm. 5 aufgeführt werden. Ergänzt werden sollte dieser Anmerkungsapparat mit dem Hinweis auf die Festschrift zu Franz' 80. Geburtstag von Blickle, Peter (Hg.): Bauer, Reich und Reformation. Festschrift für Günther Franz zum 80. Geburtstag am 23. Mai 1982, Stuttgart 1982 ) nur vor dem Hintergrund seiner politischen Aktivi­täten gedeutet und verstanden werden können, birgt insofern eine umstrittene Brisanz, weil Behringer den Büchern und Aufsätzen des renommierten Historikers einen hochpolitisch verfälschenden Charakter zu­ schreibt (S. 131). Bei der Lektüre seiner Werke und Aufsätze zur Bauerngeschichte lässt sich diese Be­hauptung nicht bestätigen. Dies gilt es insofern hervorzuheben, da es Franz' Verdienst war, den Bauer als politische Kerngröße im allgemeinen Bild der deutschen Geschichte eingeführt zu haben. Das sollte ge­würdigt werden.

108 Vgl. Franz: Bauernkrieg, S. 287 und S. 299.

109 insbesondere im deutschen Forschungsgebiet wurden die Bauernrevolten des Spätmittelalters und die des 15. Jahrhunderts bevorzugt untersucht. Diese Situation ist nicht zufällig entstanden und hängt auch nicht in direkter Form mit dem tatsächlich nachweisbaren Anstieg bäuerlicher Unruhebewegungen in der spätmittelalterlichen Krisenzeit zusammen. Vielmehr hat der Große Bauernkrieg von 1525 die entschei­dende Ausrichtung für die Historiografie gesetzt und die Aufmerksamkeit eben auf jene „Vorläufer“ gelenkt. Siehe hierzu Rösener, Werner: Bauern im Mittelalter, Darmstadt [u.a.] 1985, S. 240-254. Röse- ner richtet dabei auf den Seiten 245 bis 251 den Blick auf die seitens der Forschung vernachlässigten bäuerlichen Widerstandsbewegungen im Früh- und Hochmittelalter.

110 Über die Voraufstände berichteten bereits Jahrzehnte zuvor Vogt, Wilhelm: Die Vorgeschichte des Bauernkriegs, Halle 1887 (= Schriften d. Verf. f. Reformationsgeschichte 20) und Zimmermann, Wil­helm: Allgemeine Geschichte des großen Bauernkrieges. Nach handschriftlichen und gedruckten Quellen, 3 Bde., Stuttgart 1841-1843, hier besonders: Bd. i, S. 3-101.

111 Unterteilt in drei Kapiteln („Der Kampf um das alte Recht“, S. 1-41; ,,Der Kampf um das göttliche Recht“, S. 41-79; „Vor dem Sturm“, S. 80-91) erläutert Franz den in verschiedenen Regionen zunehmen­den und aufflackernden Aufstand der bäuerlichen Masse. Selbst zum Wormser Bauernaufstand nimmt Franz (S. 43-45) Stellung. Über die Stärken und Schwächen dieses Kapitels berichtet Bierbauer: Bäuerli­che Revolten, S. 22.

112 Franz: Bauernkrieg, S. IX.

113 Die von Franz vertretene und über Jahrzehnte von der deutschen Historiografie kritiklos übernommene These, dass mit der Niederlage der Bauern von 1525 das Zurücksinken des Bauernstandes in die politi­sche Bedeutungslosigkeit verbunden sei, lässt sich nach den Ergebnissen der neueren Forschung kaum noch aufrechterhalten und steht erneut zur Diskussion. Siehe hierzu Blickle, Peter: Die Revolution von 1525, München31993, S. 217-242 und S. 286f. und Bierbauer: Bäuerliche Revolten, S. 3-5.

114 Einen lexikalischen Einblick liefert Koller, Heinrich: Art. „Reformatio Sigismundi“, in: LexMA VII (1995), Sp. 550f. Über die Wirkungsweise der Reformschrift und mit neuen Erkenntnissen versehen berichtet ausführlich Boockmann, Hartmut: Zu den Wirkungen der „Reform Kaiser Siegmunds“, in: DA 35 (1979), S. 514-541. Hingewiesen sei vor allem auf die Edition von Koller, Heinrich: Reformation Kaiser Siegmunds, Stuttgart 1964 (= Staatsschriften des späteren Mittelalters 6) und Weinrich, Lorenz: Quellen zur Reichsreform im Spätmittelalter, Darmstadt 2001 (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 39), S. 226-247. Niederschlag fand die Reformatio Sigismundi, die seit dem 19. Jahrhundert zu einer der Lieblingslektüren der Bauernforscher zählt, in einer breiten Forschung. Einen guten Blick auf die Grundintentionen der Reformschrift liefert Struve, Tilman: Reform oder Revolution? Das Ringen um eine Neuordnung in Reich und Kirche im Lichte der Reformatio Sigismundi und ihrer Überlieferung, in: ZGO 126 (1978), S. 73-129. Der Intention folgend, die Reformschrift aus der als zu heuristisch empfundenen Fragestellung nach der Vorgeschichte von Reformation und Bauernkrieg loszu­lösen, unternahm Dohna, Lothar Graf zu: Reformatio Sigismundi. Beiträge zum Verständnis einer Re­formschrift des fünfzehnten Jahrhunderts, Göttingen 1960 (= Veröffentlichungen des Max- Planck- Insti­tuts für Geschichte 4) den Versuch (Ebd., S. 17), die Schrift „als Zeugnis ihrer eigenen Geschichte [...] zu verstehen. Desweiteren lesenswert Hiersemann, Martin: Der Konflikt Papst-Konzil und die Reformatio Sigismundi im Spiegel ihrer Überlieferung, in: ZHF 9 ( 1982), S. 1-14 sowie die Dissertation von Kraft, Erich: Reformschrift und Reichsreform. Studien zum Wirklichkeitsverhältnis der deutschen Reform­schriften im Spätmittelalter insbesondere des sogenannten “Oberrrheinischen Revolutionärs”, Darmstadt 1982, der auf den Seiten 27 bis 75 die Reformatio Sigismundi in ihrem Verhältnis zur politischen Reichs­reform überprüft, jedoch nur einen tristen Überblick über den Forschungsstand liefert.

115 Einen unverständlicherweise sehr kurz ausfallenden Artikel erhält der Leser bei Lauterbach, Klaus H.: Art. „Oberrheinischer Revolutionär“, in: LexMA VI (1993), Sp. 1333f„ der jedoch die Bedeutung der Quelle für die Modernisierungsansätze des Spätmittelalters hervorhebt. Zur Edition siehe ders. (Hg.): Der Oberrheinische Revolutionär (Das buchli der hundert capiteln mit xxxx statuten), Stuttgart 2009 (= Staatsschriften des späteren Mittelalters 7). Der Frage, inwiefern der Verfasser des „Oberrheinischen Revolutionärs“ als der Theoretiker aufständischer Bauern schlechthin gelten kann, analysiert Lauterbach in seinem Artikel (Der „Oberrheinische Revolutionär“ - der Theoretiker aufständischer Bauern? In: Blickle, Peter (Hg.): Bundschuh. Untergrombach 1502, das unruhige Reich und die Revolutionierbarkeit Europas, Stuttgart 2004, S. 140-179) und erörtert die Wirkungsgeschichte des zeitkritischen Werkes. Den Schwerpunkt auf diese Reformschrift legt Kraft in seiner Dissertation (Reformschrift) auf den Seiten 122 bis 283.

116 Bezold, Friedrich von: Aus Mittelalter und Renaissance, in: HZ 124 (1921), S. 85-89, hier: S. 87. Ebenso sei auf den Artikel von Bezold: Die „armen Leute“ und die deutsche Literatur des späteren Mit­telalters, in: HZ 41 (1879), S. 1-37 hingewiesen.

117 Nach Waas (Gerechtigkeit, S. 48) waren es fünf Schriften, die jene Wirkung erzeugt haben: Neben der Reformatio Sigismundi und dem Oberrheinischen Revolutionär waren es die angebliche „Reformation Kaiser Friedrichs III.“ von 1441, ,,Der neue Karsthans“ von 1521 und zuletzt Eberlin von Günzburg mit seiner Schrift „Die 15 Bundesgenossen“. Zusammenfassend über jene Schriften berichtet Waas (Vgl. Ebd., S, 48-54).

118 Ebd., S. IXf.

119 Franz (Ebd., S. 287) hebt zugleich jedoch hervor, dass die wirtschaftlichen Anliegen hinter den politi­schen Forderungen, die vor allem die Träger der Erhebungen, die wohlhabenderen Bauern propagierten, zu sehen sind. Ein weiterer Grund sich der Untersuchung des sozioökonomischen Sektors nicht anzu­schließen, war laut Franz die Tatsache, dass nicht die objektive Lage, sondern vielmehr das individuelle Bewusstsein das Handeln der Bauern prägte. Hierzu Franz: Ebd., S. X.

120 Vgl. Waas: Gerechtigkeit.

121 Vgl. Blickle: Die Revolution von 1525.

122 Vgl. Smirin: Deutschland vor der Reformation.

123 Vgl. Abel, Wilhelm: Agrarkrisen und Agrarkonjunktur. Eine Geschichte der Land- und Ernährungs­wirtschaft Mitteleuropas seit dem hohen Mittelalter, Hamburg [u.a.] 31978. Eine knappere, aber nicht minder wertvolle Zusammenfassung der doch sehr detaillierten Ausführungen beim demselben: Ge­schichte der deutschen Landwirtschaft vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, Stuttgart 31978 (= Deutsche Agrargeschichte 2), S. 112-207.

124 Vgl. Blickle: Die Revolution von 1525, S. 286.

125 Waas: Gerechtigkeit, S.35.

126 Ebd., S. 25. Ein identisches Urteil fällt Waas bereits auf Seite 24.

127 Die deutsche Historiografie hat sich dieser Bewertung von Adolf Waas über Jahrzehnte hinweg durch­gängig angeschlossen. Einen Überblick über jene - in Bezug auf Waas in Einvernehmen stehende - For­scher bietet Blickle: Die Revolution von 1525, S. 286, Anm. 42.

128 Vgl. Abel: Agrarkrisen, S. 51-61 sowie ders.: Geschichte, S. 112-156.

129 Vgl. Abel: Agrarkrisen, S. 104-121 und S. 122-129 sowie ders.: Geschichte, S. 157-207.

130 Vgl. Blickle: Die Revolution von 1525, S. 289f. Zu einem ganz ähnlichen, wenn auch jeweils nur in einer regional engen Untersuchung nachgewiesenen, Urteil kommen Sabean, David W.: Landbesitz und Gesellschaft am Vorabend des Bauernkriegs. Eine Studie der sozialen Verhältnisse im südlichen Ober­schwaben in den Jahren vor 1525, Stuttgart 1972 (= Quellen und Forschungen zur Geschichte zur Agrar­geschichte 26) und Buszello, Horst:,,Wohlfeile“ und „Teuerung“ am Oberrhein 1340-1525 im Spiegel zeitgenössischer erzählender Quellen, in: Blickle: Bauer, Reich und Reformation, S. 18-42, hier: S. 20.

131 Vgl. Buszello: Oberrhein.

132 In diesem Teilkapitel zur Wirtschaftslage der Bauern am Oberrhein werden im Rahmen dieser Arbeit ebenso die Beiträge von Ulbrich (Leibherrschaft am Oberrhein) und Blickle (Agrarkrise und Leibeigen­schaft) immer wieder rezipiert, da sie unseren oberrheinischen Untersuchungsraum stark beleuchten.

133 Die Forschungskontroverse im Horizont der ideologisch verfestigten Isolierung des Kalten Krieges, die sich besonders in den Arbeiten von Franz und Smirin niederschlugen, schildern ausführlich Blickle: Die Revolution von 1525, S. 280-288 sowie Bierbauer: Bäuerliche Revolten, S. 20-25.

134 Über die starke Abhängigkeit der westlichen Forschung vom Franzschen Ansatz sowie die For­schungskontroverse im Horizont der divergierenden Gesellschaftssysteme aufgreifend berichtet Blickle, Peter: Die Revolution von 1525, München 31993, S. 280-288.

135 Vgl. Smirin: Deutschland vor der Reformation, S. 47-101.

136 Siehe hierzu die Aufführungen bei Smirin unter dem dritten Kapitel ,,Der revolutionäre Widerhall der Hussitenkriege in Deutschland und die sogenannte Reformation des Kaiser Sigmund“ in seinem Werk „Deutschland vor der Reformation“ auf den Seiten 102-157. Demgegenüber widmet Franz (Bauernkrieg) zwar dem hussitischen Gedankengut kein eigenes Kapitel, jedoch stellt er hinsichtlich der Bundschuhbe­wegungen, die er auf den Seiten 56-79 detailliert vorstellt, fest (S. 64), dass sich in jenen Bewegungen ,,[d]ie soziale Unzufriedenheit, die politische Enttäuschung und die religiöse Erregung der Zeit [wieder­spiegelten].“ Das Schlagwort der Bundschuherhebungen von der „Göttlichen Gerechtigkeit“, auf dessen Basis man einen völligen Umsturz und Neubau der Volksordnung anstrebte, so Franz (S. 64), geht in seinen Ursprung zurück auf John Wyclif. Die hussitische Propaganda, die enormen Rücklauf in der deut­schen Bauernschaft fand, trugen demnach die Ideen dieses englischen Weltpriesters und die Ideen des Johannes Hus bis in weite Teile Deutschlands (S. 65). In dem von Blickle, Peter und Adam, Thomas herausgegebenen Sammelband „Bundschuh. Untergrombach 1502, das unruhige Reich und die Revolutionierbarkeit Europas, Stuttgart 2004“, wird in einzelnen Beiträgen sowohl der Reformlandschaft des Oberrheins (S. 31-179) als auch den Bauern in Oberdeutschland (S. 183-234) nachgegangen. Beiträge zum bäuerlichen Alltag und des bäuerlichen Rechts (S. 237-296) umrunden diesen sehr vielschichtigen und informativen Sammelband.

137 Vgl. Krzenck: Bamberger Aufstand, S. 121.

138 Siehe hierzu sein Vermerk: ,,[...] une réforme avant les réformes et une révolution avant les révolutions“'. Smahel, Frantisek zit. nach Machilek: Vorwort, S. 4. Kossok (Manfred: Revolutionen der Weltgeschichte. Von den Hussiten bis zur Pariser Commune, Stuttgart [u.a.] 1989, S. 23-27) zählt die hussitische Bewegung zu den bedeutendsten Revolutionen der Weltgeschichte.

139 Einen kurzen, aber sehr informativen Abriss der hussitischen Geschichte (sowie das Nachleben und die Selbstdarstellung dieser Bewegung in der außerböhmischen Welt) bietet Smahel, Frantisek: Die „große“ Geschichte kleiner Völker: die hussitische Revolution in drei Akten, in: Bahlcke, Joachim/ Lambrecht, Karen/ Maner, Hans-C. (Hgg.): Konfessionelle Pluralität als Herausforderung. Koexistenz und Konflikt im Spätmittelalter und früher Neuzeit. Winfried Eberhard zum 65. Geburtstag, Berlin 2006, S. 183-200.

140 In der Historiografie wird im Zusammenhang mit Johannes Hus immer wieder auf dessen Prozess im Konstanzer Konzil (1414-1418) hingewiesen. Dieser höchstspannende Prozess, der in den beiden Zeit­zeugenberichten von Peter von Mladoniowitz (Hus in Konstanz. Der Bericht des Peter von Mladoniowitz, übersetzt, eingeleitet und erklärt von Josef Bujnoch, Graz 1963 (= Slawische Geschichtsschreiber 3) und Ulrich Richental (Buck, Thomas M. (Hg.): Chronik des Konstanzer Konzils 1414-1418 von Ulrich Richental, Ostfildern 2010 (= Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen 41). Über die Überlieferung dieser Konstanzer Konzilschronik im Spiegel der Historie ders.: Zur Überlieferung der Konstanzer Kon­zilschronik, in: DA 66 (2010), S. 93-108) umfassend beschrieben wird, kann angesichts der Forschungs­frage der Arbeit nicht erörtert werden, da er nicht zur Sache beiträgt. Neben der zahlreich vorhandenen Literatur, die Kejr, Jiri: Die Causa Johannes Hus und das Prozessrecht der Kirche, Regensburg 2005, S. 10 und S. 15, Anm. 1 rezipiert, sei darüber hinaus auf die Ausführungen von Hilsch: Johannes Hus, S. 248-263 (Kapitel 17 „Das Konstanzer Konzil beginnt (1414)“) und S. 264-283 (Kapitel 18 „Die Audien­zen, das Urteil und die Hinrichtung des Johannes Hus“), Krzenck: Märtyrer, S. 150-183, Werner: Welt und Umwelt, S. 183-215 (Kapitel V. „Sieg im Untergang- Konstanz“), Hruza, Karel: Die Verbrennung von Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil 1415, in: Scheibelreiter, Georg (Hg.): Höhepunkte des Mittelal­ters, Darmstadt 2004, S. 202-220, Brandmüller, Walter: Hus vor dem Konzil, in: Ders./ Semeraro, Cosimo (Hgg.): Scripta maneant: raccolta di studi in occasione del suo 80. Genetliaco, Città del Vaticano 2009 (= Atti e documenti 30), S. 196-204 und Gill: Konstanz, S. 83-113 (Kapitel II. „Konstanz. Die Aus­rottung der Häresie“) hingewiesen. Die Antworten des Angeklagten auf die 45 Artikel von Wyclif gibt Molnár (Amedeo: Die Antworten von Johann Hus auf die fünfundvierzig Artikel, in: Bäumer, Remigius (Hg.): Das Konstanzer Konzil, Darmstadt 1977 (= Wege der Forschung 415), S. 275-284) wieder. Expli­zit erwähnt sei das Werk von Kejr: Prozessrecht. Der Autor schließt mit dieser Darstellung die seit lan­gem bestehende Forschungslücke hinsichtlich der Analyse des Prozesses aus der Sicht des kanonischen Rechts der damaligen Zeit. Kejr erweist sich als absoluter Kenner des zu damaliger Zeit geltenden Kir­chenrechts und erforscht diesbezüglich den juristischen Charakter der Verhandlungen auf den Bereich der Legitimität. Sein Urteil, nämlich dass trotz einer Reihe von falschen Anklagen der böhmischen Gegner Hussens das Gericht in Konstanz aus prozessualer Sicht korrekt gehandelt hat (Vgl. Ebd., S. 145, S. 185­196), war fundamental wie neu und wird seither von der Historiografie anerkannt. Siehe hierzu die sich besonders auf Kejr stützende und keine neuen Ergebnisse liefernde Arbeit von Fudge, Thomas A. The trial of Jan Hus. Medieval Heresy and Criminal Procedure, Oxford 2013, hier besonders: S. 238-295 und S. 342. Aus den identischen Gründen wie beim Hus-Prozess kann auf den Konstanzer Konzil nicht einge­gangen werden. Dieses Weltereignis, welches sich im Jahre 2014 zum 600. Jahrestag gejährt hat, ist seit Jahrhunderten Dreh- und Angelpunkt der Forschung und hat sich in zahlreichen Darstellungen und Unter­suchungen niedergeschlagen. Zitiert seien aus der Fülle der Beiträge insbesondere Brandmüller, Walter: Art. ,, Konstanz, Konzil von (1414-1418)“, in: LexMA V (1991), Sp. 1402-1405, ders.: Das Konzil von Konstanz 1414-1418, 2 Bde. (Bd. 1: Bis zur Abreise Sigismunds nach Narbonne, Bd. 2: Bis zum Kon­zilsende), Paderborn [u.a.] 1991 und 1997 (= Konziliengeschichte Reihe A, Darstellungen 8), Buck, Thomas M./ Kraume, Herbert (Hgg): Das Konstanzer Konzil (1414-1418). Kirchenpolitik- Weltgesche­hen- Alltagsleben, Ostfildern 2013, Miethke, Jürgen: Die Konzilien als Forum der öffentlichen Meinung im 15. Jahrhundert, in: DA 37 (1981), S. 736-773 sowie die aktuellsten Beiträge im Sammelband von Signori, Gabriela/ Studt, Birgit (Hgg.): Das Konstanzer Konzil als europäisches Ereignis. Begegnungen, Medien und Rituale, Ostfildern 2014 (= Vorträge und Forschungen/ Konstanzer Arbeitskreis für Mittelal­terliche Geschichte 79).

141 Insbesondere die Kapitel 6 ,,Das Reformprogramm der hussitischen Revolution“ (S. 636-674) und 7 ,,Die taboritische Vision einer Gesellschaft ohne Herren und Untertanen“ (S. 675-716) in Smahel: Hussi­tische Revolution, Bd. I werden im Mittelpunkt der Darstellung stehen. Zusammenfassend erläutert die Forderungen der Hussiten ders.: Die vier Prager Artikel. Das Programm der hussitischen Revolution, in: Machilek, Franz/ Eberhard, Winfried (Hgg.): Kirchliche Reformimpulse des 14./15. Jahrhunderts in Ost­mitteleuropa, Köln [u.a.] 2006 (= Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ost­deutschlands 36), S. 329-339.

142 Siehe hierzu unter anderem das von Ferdinand Seibt herausgegebene Sammelband „Zwischen Zeiten“.

143 In diesem Zusammenhang sei wieder auf die fundamentale Arbeit von Smahel: Hussitische Revoluti­on, 3. Bde, hingewiesen. Bei der Analyse des hussitischen Phänomens dient das dreibändige Werk als sicherer und zuverlässiger Argumentationsanker.

144 Vgl. Lange, Albert de/ Utz Tremp, Kathrin (Hgg.): Friedrich Reiser und die „waldensisch- hussitische Internationale“ im 15. Jahrhundert. Akten der Tagung Otisheim- Schönenberg vom 2. bis 4. Oktober 2003, Heidelberg/ Basel 2009 (= Waldenserstudien 3). Besonderer Dank sei an dieser Stelle Franz Machi- lek gewidmet, der mir in einer persönlichen Mitteilung jenes Werk ans Herz gelegt hat.

145 Unter Heranziehung der tschechischen Historiografie unterzieht Werner, Ernst: Die hussitische Revo­lution: Revolutionsbegriff und Revolutionsergebnis im Spiegel marxistischer, insonderheit tschechoslovakischer [sic!] Forschungen, Berlin 1989 (= Sitzungsberichte der sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig/ Philologisch- historische Klasse 129, Heft 1) die hussitische Revolution einer genauen Analyse hinsichtlich der Frage nach der Anwendbarkeit des marxistischen Revolutionsbegriffs auf die Hussitenbewegung.

146 Sieh hierzu die regionalen Aspekte des Hussitismus in den jeweiligen Beiträgen im Sammelband von Machilek: Die hussitische Revolution, S. 109-262.

147 Vgl. Hilsch, Peter: Die Hussitenkriege als spätmittelalterlicher Ketzerkrieg, in: Brendle, Franz/ Schindling, Anton (Hgg.): Religionskriege im alten Reich und in Alteuropa, Münster 2006, S. 59-69.

148 Vgl. Hruza, Karel: Schrift und Rebellion: Die hussitischen Manifeste von 1415-1431 aus Prag, in: Smahel, Frantisek (Hg.): Geist, Gesellschaft, Kirche im 13. - 16. Jahrhundert. Internationales Kolloquium in Prag vom 5. -10. Oktober 1998, Prag 1999 (= Colloquia Mediaevalia Pragensia 1), S. 81-108.

149 Vgl. Boockmann, Hartmut [u.a.]: Konzilien, S. 60-64.

150 Einen allgemeinen Einblick in die Inquisition im Mittelalter ermöglicht die Lektüre des Überblicks­werkes von Oberste, Jörg: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, Darmstadt 2007. Ebenso einführend Trusen, Winfried: Art. „Inquisitionsprozeß“, in: LexMA V (1991), Sp. 441f. Einen detaillierten Blick auf die Vorgeschichte, ihrer Entstehung, ihrer Arbeitsweise und Strukturen, der regionalen und nationalen Variationen, ihrer Verfahrensnormen und Inquisitionspraxis sowie ihrer Machtgrenzen liefern Schwerhoff (Gerd: Die Inquisition. Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit, München 2004, hier besonders: S. 7­57) und das bis heute fundamentale Werk von Lea (Henry Charles: Die Inquisition, Nördlingen 1985). Über die Forschungskontroverse hinsichtlich der zeitlichen Verortung des Beginns der Inquisition und der Definition, was unter „Inquisition“ zu verstehen ist, berichtet Segl, Peter: Einrichtung und Wirkungsweise der inquisitio haereticae pravitatis. Zur Einführung, in: Ders. (Hg.): Die Anfänge der Inquisition im Mittelalter. Mit einem Ausblick auf das 20. Jahrhundert und einem Beitrag über religiöse Intoleranz im nichtchristlichen Bereich, Köln [u.a.] 1993 (= Bayreuther Historische Kolloquien 7), S. 1-38, hier: S. 7-9.

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Titel: Politik und Religion. Zur Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Ideen von Jan Hus im Südwesten des Reiches