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Kriminalitätsvermeidung durch städtebauliche Eingriffe

Hausarbeit 2012 28 Seiten

Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung ...1

2. Ansätze für städtebauliche Eingriffe ...2
2.1 Defensible Space Theorie ...2
2.2 Broken Windows Theorie ...3
2.3 CPTED - Crime Prevention through Environmental Design ...4
2.4 ISIS – Modell der präventiven Stadtgestaltung ...5

3. Soziologische Theorien ...6
3.1 Rational Chioce Theorie ...6
3.2 Frustrations- Aggressions Theorie ...7
3.3 Stigmatisierung als Folge der Ausdifferenzierung der modernen Gesellschaft ...8
3.4 Individualisierungv9

4. Kritische Betrachtung ...10
4.1 Städtebauliche Ansätze ...10
4.2 Städtebauliche und sozialen Theorien ...12
4.3 Forschung und Praxisbeispiele ...14

5. Fazit ...16

6. Literatur ...23

1. Einleitung

Das Sicherheitsbedürfnis des Individuums in der Gesellschaft wächst ständig. Ein Versuch diesem Bedürfnis gerecht zu werden, ist die Reduzierung bzw. Vermeidung von Kriminalität in Städten. Dies wird mit Polizeipräsenz, mehr Sicherheitsdiensten und Videoüberwachung versucht. Ein weiterer Ansatz ist die Kriminalitätsvermeidung durch städtebauliche Eingriffe und die Anpassung in Planung befindlicher städtebaulicher Projekte.

In den 70er Jahren wurden Folgerungen aus den Beobachtungen von sozialen Prozessen in Großsiedlungsprojekten in den USA gezogen und folgend darauf geachtet, kriminalpräventive Aspekte bei der Bauplanung zu berücksichtigen und diese in der Neuplanung von Wohnsiedlungen umzusetzen.

Diese Arbeit soll die möglichen negativen Auswirkungen von städtebaulichen Eingriffen herausarbeiten und dabei den Fokus auf schwierige soziale Auswirkungen auf die betroffenen Bewohner und deren gesellschaftliches Umfeld beleuchten.

Welche Einflüsse haben städtebauliche Veränderungen auf die Kriminalität bzw. auf das Sozialgefüge im Umfeld der baulichen Veränderungen? Eine Hypothese ist, dass es aufgrund der baulichen Veränderungen auch zu negativen Veränderungen im sozialen Gefüge kommen kann und diese Veränderungen durch soziologische und psychosoziale Theorien gestützt werden können.

In den Kapiteln 3 und 4 werden die relevanten städtebaulichen Ansätze und psychosoziologischen Theorien beleuchtet und auf Gefahren, oder vorhersehbare schwierige Auswirkungen, untersucht. Sind Gefahren oder negative Veränderung in den Grundlagen zu erkennen, oder können solche hergeleitet werden?

Im vierten Kapitel werden, durch die Verknüpfung der städtebaulichen Ansätze mit soziologischen oder psychosozialen Theorien, mögliche problematische Auswirkungen abgeleitet, bzw. bestehende Kritik untermauert. Dabei werden an Beispielen aus Projektbeschreibungen und Forschungsergebnissen, soziale Widersprüche aufgezeigt.

In einem abschließenden Fazit werden mögliche Ursachen und Folgen aufgezeigt, eventuelle Lösungsansätze erörtert und Diskussionen aufgegriffen.

2. Ansätze für städtebauliche Eingriffe

2.1 Defensible Space Theorie

Der Architekt Oscar Newman entwickelte in den 70er Jahren aus Beobachtungen des Wohngebietes Pruitt-Igoes (USA) die Ansätze des Defensible Space, bei der die Baugestaltung und Stadtplanung im Mittelpunkt steht. Die Baugestaltung arbeitet auf eine Verstärkung des territorialen Verhaltens der Bewohner und die dadurch wachsende soziale Kontrolle hin.

“All Defensible Space programs have a common purpose: They restructure the physical layout of communities to allow residents to control the areas around their homes. This includes the streets and grounds outside their buildings and the lobbies and corridors within them. The programs help people preserve those areas in which they can realize their commonly held values and lifestyles ” (Newman 1996, 1).

Aus der Beobachtung einer steigenden Kriminalitätsrate, je höher ein Gebäude ist und je mehr Wohnungen den selben Eingang benutzen, entwickelte Newman die Prinzipien der Defensible Space. Die Möglichkeit der sozialen Kontrolle der Umgebung und die Verantwortlichkeit für Gemeinschaftsräume, sollten durch folgende baulichen Kriterien erreicht werden:

Überwachung durch bauliche Vorkehrungen, die die soziale Kontrolle ermöglichen:

- Fenster zur Straße.

- maximal Gebäude mit 6 Stockwerken.

- 6-9 Wohnung pro Hauseingang.

Territorialität durch:

- Unterscheidung von öffentlichem und privatem Raum durch unterschiedliche Pflasterung oder Treppenabsätze

- Abgrenzung der Grundstücke durch Zäune, Hecken

- Stärkung der Eigenverantwortung durch Gemeinschaftseinrichtungen (Trockenplätze, Sitzgelegenheiten, Spielplätze)

- Soziale Kontrolle durch Einsehbarkeit und Wohnraum zur Straße

(vgl. Newman 1996, 25)

2.2 Broken Windows Theorie

Wilson und Kelling beschreiben in ihrer Broken Windows Theorie einen Verlauf, bei dem ein zerstörtes Fenster das nicht repariert wird, zur Folge hat, dass bald alle Fenster zerstört sind. Die Theorie basiert auf der Aussage, dass eine Vernachlässigung eine Signalwirkung auf Menschen mit abweichendem Verhalten hat. Das nicht reparierte Fenster (“physicaly disorder“) zeigt die fehlende soziale Kontrolle, so dass ein weiteres kaputtes Fenster kein Risiko für den Täter birgt (vgl. Wilson/Kelling 1982, 31f). Die Unordnung, sozial wie physikalisch, wirkt also zum einen auf potenzielle Täter, zum anderen auf die Bewohner, die sich zurückziehen, ihre Umgebung nicht beobachten bzw. nicht eingreifen und somit einer weiteren Verwahrlosung und Kriminalität die Tür öffnen. Der Anstieg der Kriminalität bewirkt weitere Furcht und fordert die Abwärtsspirale der Kriminalität.

Bekannt wurde Broken Windows durch die New Yorker Polizei, die eine praktische Umsetzung der Theorie mit ihrer Zero-Tolerance Strategie vornahm. Dabei wurden unliebsame Verhaltensweisen und kleinste kriminelle Handlungen am unteren Rand der Strafverfolgungsmöglichkeit, rigoros verfolgt und sanktioniert (vgl. ebd., 34f). Dies erzielte zwar eine messbare Reduzierung der Kriminalitätsraten und somit einen Erfolg, rief aber auch massive Kritik hervor. Die Kritik bezog sich besonders auf die Verdrängung von Randgruppen aus dem städtischen Raum bzw. dem Quartier, in dem Broken Windows mit Zero Toleranz betrieben wurde.

2.3 CPTED - Crime Prevention through Environmental Design

CPTED und die europäische Form DOC (designing out crime) sind eine Weiterentwicklung der kriminalpräventiven Siedlungsgestaltung in Anlehnung an die Forderungen der Defensible Space Theorie. Die baulichen Ansätze dieser kriminalpräventiven Siedlungsgestaltung beruht auf vier Hauptelementen:

1. Überwachung

- durch die Schaffung von Möglichkeiten verdächtige Personen und Handlungen beobachten zu können

2. Zugangsbeschränkungen

- durch physikalische Barrieren, Sicherheitsvorrichtungen und einbruchshemmende Materialen

3. verstärkte Territorialität

- durch die Ermutigung der Bewohner die öffentlichen Räume zu nutzen

- durch die Förderung der Interaktion unter Nachbarn, um damit die Wachsamkeit und Kontrolle der Nachbarschaft zu verstärken

- durch das Trennen des privaten und öffentlichen Raumes mittels symbolischer oder realer Hindernisse, um so eine Eigentümeridentifikation zu erzeugen

4. Aufrechterhaltung der Umwelt

- durch das Sauberhalten und Pflegen eines Gebäudes oder des Umfeldes.

- durch örtliche architektonische Entscheidungen und dem Einbeziehen der Gegebenheiten der Umgebung, um die Raumnutzung von konfliktträchtigen Gruppen zu reduzieren

(vgl. Royal Canadian Mounted Police 2011, online)

Der Wunsch nach Sicherheit durch Kontrolle und die Hoffnung auf einen perfekten Schutzraum, wird in Gated Communitys angestrebt. Dabei handelt es sich um, an bestimmte Personengruppen angepasste Wohnsiedlungen, die, durch Tore kontrollierte Zugangsbeschränkungen und intensive Überwachung, als gesicherte Wohngebiete mit geminderter Kriminalitätsrate gelten.

Als ein frühes Beispiel der Gated Community gilt Five Oaks, dessen bauliche Veränderungen auf den Grundlagen der Defensible Space erfolgten. Eine der Veränderungen war, die Abgrenzung durch Tore und damit der Ausschluss von Durchgangsverkehr. Als neueres Beispiel ist Palm Dessert, mit meist integriertem Golfplatz, zu nennen.

2.4 ISIS – Modell der präventiven Stadtgestaltung

In Deutschland wurden Handlungsansätze auf verschiedenen Ebenen in ISIS (Integrationsmaßnahmen, Sozialmanagement, intermediäre Kooperation, städtebauliche Gestaltung) integriert, da die Inklusion verschiedener Maßnahmen auf unterschiedlichen Handlungsebenen zur Vermeidung von Kriminalität, sich als am Wirksamsten herauskristallisierte.

Eine Handlungsebene innerhalb ISIS ist die städtebauliche Gestaltung, bei der das Sicherheitsgefühl der Bewohner und die soziale Kontrolle der Umwelt, im Vordergrund stehen.

Die bauliche Umsetzung erfolgt durch folgende Maßnahmen:

Soziale Kontrolle

- moderate Belebung des Wohnumfeldes

- Sichtachsen zur Blickbeziehung

- Transparenz/ Übersichtlichkeit der Nahräume

- Zonierung und Grenzziehung zur Markierung sozialer Ansprüche

- gute Beleuchtung des öffentlichen Raumes

Sicherheitsgefühl

- Benutzung von Material, das Wert symbolisiert

- Imagefördernde Gestaltung

- Gewährleistung von Ordnung und Sauberkeit

- Signale der Identifikation

(vgl. Schubert/ Spieckermann / Veil 2007, online)

3. Soziologische Theorien

3.1 Rational Chioce Theorie

Der Rational Choice Ansatz setzt die kriminelle Handlung in Bezug zum materiellen, sozialen oder sexuellen Nutzen, die ein Täter durch eine Handlung erzielt. Die Entscheidung, für oder wider, einer kriminellen Handlung, wird durch eine Kosten-Nutzen-Rechnung des Täters entschieden. Es werden nachteilige Kriterien, wie Entdeckungsrisiko, Sanktionshöhe und Schamgefühle, den persönlichen Vorteilen bzw. Profits, also den Anreizen oder Gelegenheiten, gegenübergestellt. Der Rational Choice Ansatz geht weg von einem krankhaften Verhalten des Täters hin zu einer überlegten und abgewogenen Entscheidung, für oder wider einer kriminellen Handlung (vgl. Esser 1991, 220-235).

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