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Gesellschaftliche Rolle als Hindernis? Zur politischen Partizipation der Frau in der Bundesrepublik Deutschland

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Nur Einbildung oder doch Realität? - Zur Relevanz des Themas

2. Instrumentale Handlung oder politische Interaktion? - Definition Politische Partizipation

3. Immer noch eine Minderheit? - Zur politischen Beteiligung der Frau
3.1 Wahlverhalten
3.2 Frauen im Länderparlament und Bundestag
3.3 Frauen in alternativen Partizipationsformen

4. Hausfrau und Mutter oder doch gleichgestellt? - Das Frauenbild im 21. Jahrhundert

5. Biologisch bedingt oder durch soziale Faktoren gebremst?- Gründe für die geringe Politische Partizipation der Frau
5.1 Biologische Faktoren
5.1.1 „male bonding“ These der männlichen Bindung
5.1.2 These der angeborenen männlichen Aggressivität
5.2 Soziale Faktoren
5.2.1 Bildung
5.2.2 Politische Interesse
5.2.3 Erwerbstätigkeit
5.2.4 Situationelle Faktoren
5.2.5 Faktoren der politischen Umwelt

6. Und doch benachteiligt? - Fazit

Literaturverzeichnis

1. Nur Einbildung oder doch Realität?- Zur Relevanz des Themas

Gerade an Tagen, wie dem des Weltfrauentages, kommt stetig die Frage nach der Stellung der Frau in der Gesellschaft auf. Doch was macht dieses Thema so relevant, dass sogar in der Regierung darüber diskutiert wird, ob man für Führungspositionen eine Frauenquote nicht nur einführen sollte, sondern sogar einführen muss. Man sollte davon ausgehen, dass die Gleichberechtigung von Frau und Mann im 21.Jahrhundert keine Rolle mehr spielt und diese schon längst als selbstverständlich gelten sollte, dennoch sind trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten, die Frau in der Gesellschaft immer noch dem Mann benachteiligt. Dies ist nicht nur deutlich in der Wirtschaft durch ungleiche Bezahlung oder höhere Arbeitslosigkeit zuerkenne, sondern auch in der Politik. (Hoecker Beate: Frauen, Männer und die Politik, Bonn 1998, S.10) Nach aktuellen Zahlen sind nur 3 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer Frauen, nur 36,5% der Abgeordneten im Deutschen Bundestag weiblich und der Anteil an Frauen in der Bundesregierung liegt sogar nur bei einem Drittel aller Abgeordneten. (Deutscher Bundestag: Abgeordnete in Zahlen; Frauen und Männer, Stand: Juni 2014, http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete18/mdb_zahlen/frauen_maenner/260128, zuletzt aufgerufen am 15,03.2015) Doch nicht nur im Bundestag oder in der Bundesregierung sind Frauen in der Politik unterrepräsentiert. In verschiedenen Bereichen der politischen Partizipation sind deutlich mehr männliche Teilnehmer, als weibliche zu finden. Somit ist zwar die Wahlbeteiligung der Frauen fast gleich mit der der Männer, doch schon beim politischen Interesse, liegen die Frauen deutlich hinter den Männern. Auch in Bürgerinitiativen sind Männer mit 39,4% den Frauen mit 32% überlegen. Auch in den nicht institutionellen-Formen der politischen Partizipation, wie die der Demonstration, sind fast die Hälfte, nämlich 47,5% aller Beteiligten, Männer. Der Anteil an Frauen liegt bei 42,2%. Aus diesen Zahlen ist deutlich zu erkennen, dass Frauen sich weniger am Politischen beteiligen als Männer. (Bundeszentrale für Politische Bildung/ Steffen Schmidt/Sabrina Röser, Politische Partizipation von Frauen,10.06.2011, http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen- einheit/47471/politische-partizipation-von-frauen?p=all , zuletzt aufgerufen am 14.03.2015) Nun stellt sich die Frage: Welche Faktoren halten Frauen davon ab, aktiv zu partizipieren?

2. Instrumentale Handlung oder politische Interaktion? - Definition Politische Partizipation

Der Begriff Politische Partizipation erhält seinen individuellen Sinn aus dem zugrundeliegenden Demokratieverständnis. (Mörtel Gudrun, Entwicklung und Stand der politischen Partizipation der Frau in der Bundesrepublik Deutschland mit Hinweisen auf Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika, München 1984, S.9) Somit wird danach unterschieden, ob politische Partizipation als instrumentale Handlung oder als Interaktion angesehen wird. Als Definition für politische Partizipation als instrumentale Handlung kann die Definition von Verba/Nie/Kim herangezogen werden: „ Unter politischer Partizipation verstehen wir all die Tätigkeiten der Bürger, die mehr oder weniger darauf abzielen, die Auswahl von Politikern und/oder deren Entscheidungen zu beeinflussen.“ (Verba Sydney, Nie Norman, Kim Jea-on, A seven nation comparison, Participation and Political Equality, Camebrige ,1978, S.9) Die Politische Partizipation als Interaktion geht hingegen davon aus, dass die Bürger in Zusammenarbeit schöpferisch am politischen Entscheidungsprozess teilnehmen. (Pranger Robert, Bürgerschaft als Teilnahme, in: Zimpel, Gisela: Der beschäftigte Mensch. Beiträger zu sozialen und politischen Partizipation, München 1970, S. 234-240) Gudrun Mörtel führt in ihrem Buch „Entwicklung und Stand der politischen Partizipation der Frauen in der Bundesrepublik Deutschland“ eine Mischform dieser beiden Verständnisse auf und definiert politische Partizipation als „unmittelbare und mittelbare Teilnahme an der politischen Willensbildung und an dem politischen Entscheidungsprozess in Staat und Gesellschaft.“(Mörtel, Entwicklung und Stand der Politischen Partizipation der Frau, S.10)

3. Immer noch eine Minderheit? - Zur politischen Beteiligung der Frau

3.1 Wahlverhalten

Durch Wahlstatistiken liegen seit 1953 Daten über die Wahlbeteiligung und das Wahlverhalten von Frauen und Männern vor. Durch diese Statistiken ist ein folgender Wahlverlauf zu beobachten. Von 1953 bis 1972 stieg die Beteiligung von Frauen an der Bundestagswahl bis auf 90,2 Prozent wo sie ihren bisherigen Höhepunkt erreichte. Bis 1990 sank die Beteiligung wieder auf 75,7 Prozent. Nachdem die Wahlbeteiligung bis 1998 wieder zunahm (82,2 Prozent), folgte erneut eine Abnahme auf 70,8 Prozent womit im Jahre 2009 der bisherige Tiefstand erreicht wurde. Im Verlauf von 1953 bis 2009 ist deutlich zu erkennen, dass die Wahlbeteiligung der Männer bei jeder Bundestagswahl höher war als die der Frauen. Jedoch hat sich der Abstand von 3,1 Prozent im Jahre 1953 auf 0,8 Prozent verringert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

(Bundeszentrale für politische Bildung, Statistische Bundesamt: Repräsentative Wahlstatistiken, Wahlbeteiligung nach Geschlecht, In Prozent der Wahlberechtigten , Bundestagswahlen 1953 bis 2009,01.09.2009, http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/wahlen-in- deutschland/55597/nach-gechlecht, zuletzt aufgerufen am 14.03.2015) Ebenso kann man einen Unterschied bei der Wahlbeteiligung im Bezug zum Alter sehen. Mit steigenden Alter steigt auch die Wahlbeteiligung und erreicht ihren Höhepunkt bei Frauen im Alter von 45 bis 70 Jahren und bei Männern von 50 bis 70 Jahren. Bei Wählerinnen und Wählern die über 70 Jahre alt sind, sinkt die Wahlbeteiligung wieder. Gerade in dieser Altersklasse zeigen sich die größten Unterschiede. Denn ältere Männer beteiligen sich öfters an Wahlen wie ältere Frauen, obwohl Frauen Aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung in den höheren Altersklassen die Mehrheit der Wahlberechtigen bilden. (Hoeker, Frauen, Männer und die Politik, S.77-78) Auch die jüngeren Frauen die unter 25 Jahre sind gehen weniger zur Wahl als ihre männlichen Altersgenossen. Bei der Bundestagwahl 2009 betrug dieser Unterschied 4,3 Prozent. Bei einer Veröffentlichung der Stadt Neuss, die Daten der Bundestagswahl von 2009 aufzeigten sind folgende Unterschiede im Wahlverhalten von Mann und Frau, aufgefächert nach spezifischen Altersgruppen zu erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2

(Neuss.de, Bundestagswahl 2009- Ergebnisse nach Alter und Geschlecht, November 2009 http://www.neuss.de/wirtschaft/statistiken/downloads/wahlen/nzs-2009-10-bundestagswahl.pdf , S. 2, zuletzt eingesehen am 13.04.2015) Im Allgemeinen ist ein Sinken der Wahlbeteiligung der jungen Generation, sprich der 18-24 Jährigen zu erkennen. Betrug die Wahlbeteiligung in den 80er Jahren noch über 80 Prozent, liegt sie 2009 nur noch bei knapp 70 Prozent. Bei den männlichen Wählern zeichnet sich jedoch der gleiche Trend ab. Nun stellt sich auch hier die Frage was Frauen davon abhält sich mehr an Wahlen zu beteiligen.

3.2 Frauen in Länderparlamenten und Bundestag

Auch in den Länderparlamenten sind Frauen immer noch unterrepräsentiert. Erst Mitte 1980 betrug der Anteil der Frauen im Parlament 10 Prozent. 1990 brachten es Frauen schon durchschnittlich auf stattliche 20 Prozent in den Länderparlamenten. (Hoecker, Frauen, Männer und die Politik, S.136) Bis 2004 stieg der Anteil an Frauen weiter und erreicht einen Wert von 33 Prozent. Ebenso wuchs der Anteil an Frauen in den Regierungen der Länder. Somit übernahmen in Ländern wie Schleswig- Holstein, Thüringen, Nordrhein-Westfahle, Saarland und Rheinland-Pfalz Frauen das Amt der Ministerpräsidentin.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3

(Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Frauen in den Länderparlamenten, Oktober 2014, http://www.lpb-bw.de/frauenanteil_laenderparlamenten.html, zuletzt eingesehen,15.03.2015)Der Bundestag war von Beginn ein eher ein Parlament, dass von Männern dominiert wurde. Bis 1983 lag der Anteil der Frauen im Deutschen Bundestag unter 10 Prozent. Erst danach stieg der Anteil an Frauen stetig und sowohl 2002 als auch 2009 seinen Höhepunkt mit 32,8 Prozent.

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Abbildung 4

(Bundeszentrale für politische Bildung, Frauenanteil im deutschen Bundestag, 28.01.2011, http://www.bpb.de/themen/5PGOQF,0,0,Frauenanteil_im_Deutschen_Bundestag.html , zuletzt eingesehen 15.03.2015)Obwohl der Anteil an Frauen im Bundestag steigt, repräsentieren sie immer noch eine Minderheit. Denn die Männer dominieren mit einem Anteil von 67,2 Prozent.

3.3 Frauen in neuen Partizipationsformen

Neben den herkömmlichen und konventionellen politischen Partizipationsformen, haben sich neue Partizipationsformen entwickelt, die eher unkonventionell sind. Diese Formen scheinen für Frauen attraktiver als die konventionellen Formen zu sein. Sind Frauen in den konventionelle Partizipationsformen eher unterrepräsentier, beteiligen sich sowohl Männer und Frauen in den unkonventionellen Partizipationsformen fast gleich stark. (Hoecke, Frauen, Männer und die Politik, S. 195) Meist beteiligen sich jüngere Männer und Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen an den neuen Partizipationsformen.(Hoecker, Frauen, Männer und die Politik, S.196) Dabei wurde in einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) 1992 eine Umfrage durchgeführt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bi 29 Jahren. Dabei gaben rund 30 Prozent an, dass sie auch dazu neigten absichtlich nicht zu wählen. Sorger ein Fünftel aller Befragten konnten sich vorstellen eine extreme Partei zu wählen. Davon waren ein Viertel der westdeutschen Männer, aber nur 16 Prozent der westdeutschen Frauen bereit. Bei den ostdeutschen Befragten ist der Unterschied noch deutlicher zuerkennen. Hier gaben 30,7 Prozent der Männer und nur 14,1 Prozent der Frauen an ihre Stimme einer extremen Partei zu geben. Rund 77 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich an einer Unterschriftensammlung beteiligen würden. 62 Prozent würden an einer genehmigten Demonstration teilnehmen, ebenso können sich 53 Prozent vorstellen, an einem gewerkschaftlichen Streik zu beteiligen und 45 Prozent wären zur Mitarbeit in einer Bürgerinitiative bereit. Gerade Frauen aus den neuen Bundesländern zeigen eine größere Bereitschaft als Männer sich in einer Bürgerinitiative zu engagieren. Ebenso dominieren die Frauen bau der Unterschriftensammlung. Hier beteiligen sich rund 87 Prozent der Frauen und nur 79 Prozent der Männer.

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Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668136786
ISBN (Buch)
9783668136793
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315332
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
2.0
Schlagworte
Politische Partizipation Frau Geschlechterrolle Frauenbild Hindernis Rolle der Frau Partizipation der Frau Gender Unterschiede

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