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Preisvarianz im Europäischen Emissionshandelssystem. Wie erklärt sich der Preisverfall der CO2-Zertifikate?

Hausarbeit 2015 27 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Abgrenzung
1.4 Gliederung und Vorgehensweise

2 Markt
2.1 Marktcharakteristika
2.2 Marktgleichgewicht
2.3 Marktversagen aufgrund externer Effekte
2.4 Handelbare Verschmutzungsrechte

3 Kyoto-Protokoll
3.1 Emissionsobergrenze
3.2 Zertifikatsallokation
3.3 Flexible Emissionsmechanismen

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

1 Marktgleichgewicht

2 Marktversagen aufgrund negativer Externalität

3 Optimaler Schädigungsumfang

4 Zertifikatspreis an EEX von 2005-2011

5 Veränderung der Emissionsprognose durch die Wirtschaftskrise

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Aufgrund der wissenschaftlich nachgewiesenen negativen Auswirkung von vom Men- schen ausgestoßenen Treibhausgasen auf das Klima,1 wurde 1997 das Kyoto-Protokoll verabschiedet.2 Es sieht die Schaffung eines künstlichen Marktes für Verschmutzungs- rechte vor, um das Ziel der Emissionsreduktion bzw. -begrenzung mit den geringsten volkswirtschaftlichen Kosten zu erreichen.3 Der Preis für ein Zertifikat schwankt seit der Einführung sehr stark zwischen 5 und 30 Euro.4 Diese Preisvarianz gefährdet u.a. die Planungssicherheit von Schadstoffemittenten, vermindert die Anreizwirkung zur Investition bzw. Forschung für neue schadstoffarme Technologien und stellt somit die Erreichung des Gesamtziels des Kyoto-Protokolls in Frage.

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Abhandlung ist es, die Faktoren bzw. Rahmenbedingungen zu identifizieren, die in der Vergangenheit maßgeblich zu dem starken Preisverfall der CO2-Zertifikate beigetragen haben.

1.3 Abgrenzung

In dieser Arbeit wird nicht auf aktuelle Marktentwicklungen, rechtliche Rahmen-bedingungen oder politische Entscheidungen eingegangen. Es werden vornehmlich Daten aus den vergangenen Handelsperioden analysiert.

1.4 Gliederung und Vorgehensweise

Die Seminararbeit wurde mittels einer Literaturrecherche erstellt und ist zweige-teilt. Im ersten Abschnitt werden die Grundlagen erläutert. Im Speziellen wird auf den technologischen externen Effekt sowie die für dieses Themengebiet relevante Gegenmaßnahme eingegangen. Daran schließt sich der Hauptteil an, in dem die einzelnen Problemfelder bei der Preisbildung bei Emissionsrechten analysiert werden.

Abschließend werden die Hauptursachen für die Preisvarianz zusammengefasst.

2 Markt

2.1 Marktcharakteristika

Nachfolgend wird der Begriff Markt sowie dessen wesentliche Charakteristika be-schrieben.

Der Markt nimmt in den Wirtschaftstheorien einen zentralen Stellenwert ein. Er ist gekennzeichnet durch eigenständig handelnde Marktakteure, repräsentiert durch An-bieter und Nachfrager, die mittels des Marktes begrenzte Güter und Dienstleistungen austauschen. Dabei muss der Markt nicht zwangsläufig physischer Natur sein, wie z.B. ein Wochenmarkt, auf dem Gemüse gehandelt wird. Auch abstrakte Formen wie der Versand- oder Aktienhandel, bei dem sich die Akteure nicht physisch gegenüber- stehen, sind dem Markt zuzurechnen. Bei den Markttransaktionen, im Folgenden nur Transaktionen genannt, werden im eigentlichen Sinne die Verfügungsrechte (Property Rights) an dem Gut transferiert. Diese unterteilen sich in das Recht zur:

- Nutzung des Gutes.
- Veräußerung des Gutes (Verkauf, Vermietung, Verpachtung).
- Fruchtziehung - Aneignung von Gewinn und Verlust aus dem Gut.
- Veränderung - formal oder materiell.

Dabei kann auch eine Kombination der vorgenannten Rechte, beispielsweise bei einem Pachtvertrag (Fruchtziehung, Nutzung), zur Anwendung kommen. Beschränkt werden die Property Rights durch die Rechtsordnung. Verfügungsrechte sind nur wirksam, wenn ihre Durchsetzung sichergestellt ist. Dies geschieht durch die Rah- menbedingungen bzw. das Rechtssystem, das der jeweilige Staat schafft. Ebenso muss sichergestellt sein, dass die Rechte Dritten übertragen werden können und somit handelbar werden. Der Preis eines Gutes spiegelt den individuellen Nutzen wider. Dieser resultiert aus den Verfügungsrechten und den damit verbundenen legalen Möglichkeiten die der Käufer hat. Im Allgemeinen gilt, je umfangreicher die Handlungsmöglichkeiten, desto höher der Preis den ein Nachfrager bereit zu zahlen ist.5

Bei der Nutzung eines Marktes entstehen zusätzliche Aufwendungen, die als Trans-aktionskosten zusammengefasst werden. Dazu zählen z.B. Anbahnungskosten wie die Suche nach einem Transaktionspartner. Die Kosten sinken, je geringer das Risiko ist bzw. je detaillierter die Rahmenbedingungen des Marktes definiert sind.6

Dem Mechanismus Markt kann keine Moral zugeschrieben werden. Die Akteure auf dem Markt handeln nach den Rahmenbedingungen des Marktes sowie ihren eigenen gewinnmaximierenden Zielen. Dabei spielt z.B. soziales oder umweltfreund-liches Verhalten nur eine untergeordnete Rolle. Ein rational handelnder Marktakteur wird sich aufgrund eines gesellschaftlich gewünschten Verhaltens nicht schlechter als andere Akteure stellen, denn dann würde er aus dem Markt gedrängt. Statt dessen müssen die Rahmenbedingungen so angepasst werden, dass Anreize für dieses Verhalten geschaffen werden, sprich das moralisch gewünschtes Verhalten belohnt und verwerfliches Verhalten sanktioniert wird. Der Markt als Mechanismus ist dazu nicht in der Lage.7

Zusammenfassend finden auf einem Markt Tauschprozesse statt, die mit Transaktions-kosten verbunden sind. Diese sind umso geringer, je detaillierter die Rahmenbedin-gungen des Marktes ausgestaltet sind. Der Preis eines Gutes resultiert aus den legalen Handlungsmöglichkeiten bzw. den Verfügungsrechten am Gut. Der Markt an sich hat keine Moral, da die Akteure rational und gewinnmaximierend handeln.

2.2 Marktgleichgewicht

Im folgenden Abschnitt wird auf das Marktgleichgewicht eingegangen. Es ist von entscheidender Bedeutung bei der Analyse und Bewertung von Märkten.

Das Marktgleichgewicht, das in Abbildung 1 am Beispiel des Aluminiumpreises dargestellt ist, beschreibt ein Verhältnis von angebotener und nachgefragter Menge auf einem freien Markt, das durch nachfolgende Eigenschaften klassifiziert wird:8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entnommen aus: Mankiw u. a. 2012

Abbildung 1: Marktgleichgewicht

1. Bei dem Marktgleichgewicht ist das Verhältnis von angebotenen und nachge- fragten Gütern optimal, d.h. die Menge der angebotenen entspricht der Menge der nachgefragten Güter.
2. Das Marktgleichgewicht führt zu einer effizienten Allokation von Produktions- ressourcen. Der Markt teilt denjenigen Verkäufern Ressourcen zu, die zu den niedrigsten Kosten produzieren.
3. Das Güterangebot wird den Käufern zugeteilt, die es gemessen an der Zah- lungsbereitschaft, am höchsten schätzen.
4. Der Wohlfahrtsgewinn bestehend aus der Konsumenten- und Produzentenrente ist maximiert. Die Konsumentenrente, beschreibt die Differenz aus der Zah- lungsbereitschaft, dem Nutzen den ein Nachfrager in dem Gut sieht und dem tatsächlichen Preis am Markt. Die Produzentenrente entspricht der Differenz aus dem Verkaufspreis und den Kosten für die Produktion des Gutes.

Dieses, aus ökonomischer Sicht, wünschenswerte Marktgleichgewicht wird in der Realität selten erreicht. Die beeinflussenden Variablen sind komplex, vielfältig und schwer vorhersagbar. Beispielsweise müssten alle Akteure zu jeder Zeit über alle Informationen zur Preisbildung verfügen und es dürfte keine Qualitätsunterschiede bei dem gehandelten Gut geben (Homogenität des Gutes). Diesen Anforderungen wird das Modell der vollständigen Konkurrenz gerecht. Es legt extreme, selten am Markt vorkommende Determinanten wie z.B. die unbegrenzte Teilbarkeit und Mobilität von Gütern, eine unendliche Reaktionsgeschwindigkeit der Marktakteure oder die vollständige und kostenlose Information fest, um das Marktverhalten nachvollziehen zu können. Nach diesem Model herrscht auf jedem Markt ein Marktgleichgewicht.9

Konstatierend ist das Marktgleichgewicht ein aus ökonomischer Sicht wünschenswerter Zustand, der einen maximalen Wohlfahrtsgewinn erzeugt, aber in der Praxis selten erreicht wird. Es ist eine Abstraktion, um die Preisbildung am Markt nachvollziehen zu können.

2.3 Marktversagen aufgrund externer Effekte

Das wesentliche Kennzeichen bei einem Marktversagen ist, dass die Preisbildung durch Dritte beeinflusst und damit das Marktgleichgewicht verschoben wird. Das war einer der Gründe für die Einführung von Emissionszertifikaten und wird im Folgenden erläutert.

Einen idealen Markt auf dem automatisch ein Marktgleichgewicht herrscht, kenn- zeichnet, dass die Kosten oder auch der Nutzen von einem Gut individuell einem Akteur A zuzuordnen sind. Wenn Dritte Kosten von Akteur A zum Teil oder voll-ständig mittragen, liegen negative externe Effekte bzw. Externalitäten vor. Sind die Auswirkungen positiv, d.h. Dritte partizipieren an dem Gut von Akteur A, handelt es sich um positive Externalitäten. In beiden Fällen ist die Preisbildung gestört.

Es gibt mehrere Arten von externen Effekten, wobei für diesen Themenkomplex die technologische Externalität relevant ist. Sie charakterisiert, dass ein direkter Zusammenhang zwischen den Gewinn- und Nutzenfunktionen der einzelnen betroffe-nen Akteuren am Markt besteht und diese Divergenz nicht vom Marktmechanismus erfasst wird.10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entnommen aus: Mankiw u. a. 2012

Abbildung 2: Marktversagen aufgrund negativer Externalität

Die Auswirkung einer negativen technischen Externalität ist am Beispiel eines Alu-miniumwerkes, das die Luft verschmutzt, in Abbildung 2 illustriert.

[...]


1 Vgl. Oberthür und Ott 2000, S.27-30.

2 Vgl. Müller und Wagner 2009, S.257.

3 Vgl. Rudolph 2005, S.27.

4 Vgl. European Environment Agency 2012, S.257.

5 Vgl. Fritsch 2014, S.6-13.

6 Vgl. ebd., S.10-12.

7 Vgl. Fritsch 2014, S.17-18.

8 Vgl. Mankiw u. a. 2012, S.173,179,188-189,193.

9 Vgl. Fritsch 2014, S.25-27.

10 Vgl. Fritsch 2014, S.80-82.

Details

Seiten
27
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668151253
ISBN (Buch)
9783668151260
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315262
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Bonn früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
EEX Emissionshandelssystem Europäischen Emissionshandelssystem Kyoto-Protokoll CO2-Zertifikate Verschmutzungsrechte Emissionsreduktion Marktgleichgewicht Marktversagen aufgrund externer Effekte externe Effekte Emissionsrechte Kohlenstoffdioxid EU-Emissionshandelssystem EU-EHS European Trading System ETS Nationalen Allokationspläne European European Energy Exchange Zertifikatsallokation Marktversagen Flexible Emissionsmechanismen Certified Emission Reduction

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Titel: Preisvarianz im Europäischen Emissionshandelssystem. Wie erklärt sich der Preisverfall der CO2-Zertifikate?