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Das Management invasiver Pflanzen. Die Beweidung als Methode zur Bekämpfung nicht-heimischer Arten

Bachelorarbeit 2015 41 Seiten

Biologie - Geobiologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Ziel der Arbeit

3 Neophyten: Bereicherung und Bedrohung einheimischer Arten
3.1 Ausbreitungswege von Neophyten
3.2 Rechtliche Grundlagen des Managements von invasiven Arten durch Beweidung und andere Maßnahmen
3.3 Neophyten in Deutschland: Vorstellung einiger Arten
3.3.1 Japanischer Staudenknöterich ( Fallopia japonica, reynoutria spp .)
3.3.2 Robinie ( Robinia pseudoaccacia )
3.3.3 Späte Traubenkirsche ( Prunus serotina )
3.3.4 Staudenlupine ( Lupinus polyphyllus )
3.3.5 Topinambur ( Helianthus tuberosus )
3.3.6 Riesenbärenklau ( Heracleum mantegazzianum )
3.3.7 Beifuß-Ambrosie ( Ambrosia artemisiifolia )

4 Beweidung als Methode des LandschaftsSchutzes
4.1 Weideverfahren
4.2 Effekte der Beweidung auf die Vegetation und den Boden
4.3 Tierarten
4.3.1 Schafe
4.3.2 Ziegen
4.3.3 Esel
4.3.4 Schweine
4.3.5 Rind

5 Das Management von invasiven arten durch Beweidung und andere Methoden
5.1 Neophyten als Nahrungsquelle für Weidevieh
5.2 Einfluss des Standortes auf die Wahl der Beweidung
5.3 Vergleichende Studien von Beweidung und anderen Managementmethoden zur Bekämpfung von Neophyten
5.3.1 Die Bekämpfung des Riesenbärenklaus durch Beweidung
5.3.2 Die Beweidung des japanischen Staudenknöterichs
5.3.3 Topinamburbekämpfung durch Schweine
5.3.4 Beweidung der Staudenlupine durch Schafe, Ziegen, Pferde und Esel
5.3.5 Gehölzverbiss durch Ziegen, Rinder und Pferde beim Management der späten Traubenkirsche

6 Abschliessende Bewertung der Beweidung als Managementmethode für Neophyten

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl von Topinamburknollen im Boden

Abbildung 2: Verbiss der spätblühenden Traubenkirsche durch Heckrinder

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Belege der Eignung invasiver und potenziell invasiver Neophyten als Nahrungsquelle für Weidetierarten

Tabelle 2: Empfohlene Kontrollmaßnahmen

Tabelle 3: Jahreszeit und Verbissintensität von Ziegen und Pferden an naturschutzfachlich relevanten Arten im Tennenloher Forst

Tabelle 4: Beurteilung des Fraßverhaltens von Eseln an ausgewählten naturschutzfachrechtlich relevanten Pflanzenarten

1 Einleitung

Die Invasion von nichteinheimischen Arten infolge menschlicher Aktivitäten wie Handel, Transport und Verkehr gilt weltweit als zweitwichtigste Ursache für den Verlust biologischer Vielfalt (Hubo et al. 2007). Die Bekämpfung invasiver Arten stellt daher eine wichtige Herausforderung für den Naturschutz dar und mündete in der internationalen Konvention über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity CBD) (United Nations 1992), die im Rahmen von Forschungsprojekten zu nationalen Handlungsanweisungen und Ratgebern weiterentwickelt wurde (Secretariat of the Convention on Biological Diversity 2005; Zentralverband Gartenbau e.V. et al. 2008).

Trotz aller Bemühungen der letzten Jahrzehnte herrscht unter vielen Wissenschaftlern die Meinung, dass das Management invasiver Arten unzureichend sei. Lediglich 17 % aller erfassten Projekte werden als erfolgreich eingestuft (Holzmann et al. 2014; Riecken 2004). Es stellt sich daher die Frage, warum so ein geringer Prozentsatz der Projekte als Erfolg bewertet wird, wie die einzelnen Managementmethoden zu bewerten sind und welche Parameter geändert werden müssten, um ihnen im Rahmen der Bekämpfung von invasiven Neophyten zum Erfolg zu verhelfen.

Im Zusammenhang mit den verschiedenen chemischen und mechanischen Methoden des Managements wurde in den letzten Jahren auch Beweidung als mögliche Alternative zu klassischen Methoden der Bekämpfung diskutiert. Die Beweidung gilt als älteste bekannte Form der Landschaftsnutzung (Klingenstein 2015) mit einer weitreichenden Bedeutung für die Herausbildung der heutigen Kulturlandschaften (Riecken 2004). In diesem Zusammenhang wird insbesondere die extensive (geringer Viehbesatz/Fläche) (Feddersen 1999) Beweidung heutzutage als Methode zur Erhaltung und Wiederherstellung bedrohter Ökosysteme erfolgreich eingesetzt (Zehm et al. 2004). Auch für das gezielte Management von invasiven Neophyten ist Beweidung interessant und wurde bereits in verschiedenen Projekten verwendet (Bollens 2005). Dabei konnte gezeigt werden, dass sich Weidevieharten aufgrund ihrer spezifischen Verhaltensmuster und Nahrungspräferenzen zur Reduktion bestimmter Pflanzen oder Pflanzenfamilien eignen. Inwieweit die Beweidung daher als Alternative zu klassischen Methoden des Neophytenmanagements bestehen kann, soll in der vorliegenden Arbeit genauer analysiert werden.

2 Ziel der Arbeit

In der vorliegenden Arbeit werden einige in Deutschland vorkommende invasive Neophyten vorgestellt und es wird diskutiert, inwieweit sich die Beweidung zur effektiven Bekämpfung von invasiven Arten eignet. In diesem Zusammenhang werden folgende Fragstellungen näher betrachtet:

I. Inwieweit können invasive Arten als Nahrung für ausgewählte Tierarten dienen?

Am Beispiel einzelner Leguminosen, Gehölze und anderer Pflanzen wie der Topinambur soll geklärt werden, inwieweit Tiere zur Beweidung dieser Pflanzen geeignet sind. Dahin gehend wird beantwortet, ob die vorgestellten Pflanzen für die entsprechenden Tierarten toxisch oder ungenießbar sind, oder ob die Pflanzen im Vergleich zu anderen Pflanzen präferiert werden und so eine Reduktion dieser Zielpflanzen möglich ist.

II. Für welche Standorte ist die Beweidung als Managementmaßnahme zur Neophytenreduktion geeignet?

Die in Deutschland im Rahmen des Naturschutzes eingesetzten Tierarten weisen ein weites Spektrum von Ansprüchen an ihre Umgebung auf. Daher soll diskutiert werden, welche Standorte sich für die Beweidung im Rahmen des Neophytenmanagements eignen und ob bei bestimmten Landschaftsformen die Durchführung von Beweidung gegenüber anderen Methoden einen Vorteil verspricht.

III. Wie effektiv ist die Beweidung im Vergleich mit anderen Managementmethoden zur Bekämpfung von Neophyten?

Für einige der vorgestellten Neophyten liegen vergleichende Studien (beispielsweise Wünsch et al. 2011, Bollens 2005 und Nielsen et al. 2005) zu verschiedenen Managementmethoden bzw. Studien zur Reduktion durch Beweidung vor. Anhand dieser und weiterer Studien zur Bekämpfung spezifischer invasiver Arten wird diskutiert, inwieweit Beweidung als Managementmethode Vorteile bietet und ob Beweidung in puncto Effektivität und Aufwand eine attraktive Alternative zu klassischen Methoden darstellen kann.

3 Neophyten: Bereicherung und Bedrohung einheimischer Arten

Die Ausbreitung von Organismen und ihre Einwanderung in neue Lebensräume sind natürliche Prozesse, bei denen Menschen und Tiere eine wichtige Rolle als Träger spielen (Klingenstein 2015; Chabrerie et al. 2010). Bekannt ist, dass mit der Entdeckung des amerikanischen Kontinents die Ausbreitung neuer Pflanzen- und Tierarten eine neue Dynamik gewann, die mit dem Aufkommen der Gartenkultur sowie dem Anlegen wissenschaftlicher Sammlungen in botanischen Gärten zu weitreichenden Folgen für die Vegetation des europäischen Kontinents und im näheren Sinn Deutschlands führte.

Neophyten, Pflanzen, die nach 1492 neu in Europa angesiedelt wurden, machen zurzeit rund 13 % der Gesamtflora in Deutschland aus (Klingenstein 2015). Dabei handelt es sich überwiegend um Arten, die absichtlich als Nutz- oder Zierpflanzen in Deutschland eingeführt wurden (Nehring et al. 2013) und in ihrer Verbreitung auf die Hilfe des Menschen angewiesen sind, da ihnen entsprechende Kooperationspartner für die Verbreitung aus der Fauna in einheimischen Arten fehlen (Neobiota o. J.). Diese stellen durchaus eine Bereicherung der einheimischen Flora dar, insbesondere im Rahmen des Gartenbaus (Nehring et al. 2013).

Der Anteil an Neophyten, die als invasiv angesehen werden, also durch ihr aggressives Verhalten eine Bedrohung einheimischer Arten und damit des ökologischen Gleichgewichts darstellen, liegt in Deutschland mit 38 Arten bei rund 4 % (Nehring et al. 2013; Neobiota o. J.), deren überwiegender Teil (48 %) dem nordamerikanischen Kontinent entstammt (Nehring et al. 2013). Diese Pflanzen sind in der Lage, sich durch beispielsweise fehlende Fraßfeinde, aber auch bedingt durch ihre Genügsamkeit, den Lebensraum gegenüber einheimischen Arten durchzusetzen und diese zu verdrängen. Dabei spielen Parameter wie Beschattung des Bodens, aggressive Ausbreitung durch Wurzeln und die Veränderung des Stoffhaushalts des Bodens eine entscheidende Rolle. Die Verdrängung einheimischer Arten (interspezifische Konkurrenz) (Nehring et al. 2013) geht mit negativen ökosystemarischen Auswirkungen und dem Verlust der Biodiversität einher (Nehring et al. 2013). Zudem haben einige Arten, wie der Riesenbärenklau und die Beifuß-Ambrosie, gesundheitsgefährdendes Potenzial (Bruelisauer 2008; Nawrath und Alberternst 2013). Aus diesem Grund ist es notwendig, Maßnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung dieser Arten zu ergreifen.

3.1 Ausbreitungswege von Neophyten

Bei der Verbreitung von Neophyten spielt insbesondere das Eingreifen des Menschen durch Handel und Verkehr eine wichtige Rolle, da er zu einer Dynamisierung der natürlichen Verbreitung von Pflanzen über Versamung, Diasporen oder Pflanzenteile bzw. Wurzeln führt (Volz 2003). Hinzu kommt, dass einige Neophyten gezielt als Nutzpflanzen angesiedelt wurden bzw. werden, um zum Beispiel als Futterpflanze (Staudenknöterich) oder Bienenweide (Staudenlupine) zu dienen (siehe unten). Gleichzeitig führt eine Änderung der Nutzung bestimmter Landschaften ebenfalls zu einer Erhöhung der Dynamik, beispielsweise im Rahmen von Ruderalisierungsprozessen, also der Vergrasung bzw. Verbuschung ehemals landwirtschaftlich oder industriell genutzter Flächen. Eine erhöhte Dynamik kommt aber auch natürlicherweise beispielsweise in Flussauen vor. Diese Gebiete erhöhter Dynamik gelten als besonders bevorzugt für die Ausbreitung von Neophyten (Volz 2003), da hier kontinuierlich Konkurrenzzonen geschaffen werden, die von Pionierpflanzen neu besiedelt werden können (Volz 2003).

3.2 Rechtliche Grundlagen des Managements von invasiven Arten durch Beweidung und andere Maßnahmen

Bereits 1992 wurde von den UN eine Konvention verabschiedet, die 1993 in Kraft trat, von der Europäischen Union unterzeichnet wurde (United Nations o. J.) und zum nachhaltigen Schutz der biologischen Vielfalt in den unterzeichnenden Staaten beitragen sollte (United Nations 1992). In diesem wird unter anderem als Grundvoraussetzung für den Erhalt der Biodiversität die in situ (am Standort) Erhaltung von Ökosystemen und natürlichen Lebensräumen festgeschrieben. Diese Konservierung bzw. Rekonstitution bedingt eine Bewahrung und Erhaltung lebensfähiger Arten (Pflanzen und Tiere) in ihrer natürlichen Umgebung (United Nations 1992). In diesem Zusammenhang wird in Artikel 8 (In-situ-Conservation) Absatz h auf die Notwendigkeit eingegangen, die Einbringung nichteinheimischer Arten (Neophyten), die Ökosysteme, Lebensräume oder Arten gefährden, zu verhindern, die Arten zu erfassen, zu kontrollieren bzw. zu beseitigen (United Nations 1992, S. 6).

Im Handbuch der Konvention (Secretariat of the Convention on Biological Diversity 2005) werden in Bezug auf eine Ratifizierung des Übereinkommens unter anderem eine stärkere Koordinierung der nationalen zuständigen Institutionen („focal points“) sowie die Schaffung eines gemeinsamen Netzwerks zur Bekämpfung nichteinheimischer Arten gefordert. In Deutschland liegt dies in der Verantwortung des Bundesamts für Naturschutz (BfN), welches über das Webportal neobiota.de (Bundesamt für Naturschutz, o. J.) der Öffentlichkeit Informationen und Publikationen zur Erfassung, Charakteristik und Bekämpfung von Neophyten zur Verfügung stellt.

Im Rahmen der Forschungstätigkeit des Bundesamts für Naturschutz (BfN) wurden in den letzten Jahren Grundlagen für die Entwicklung einer nationalen Strategie gegen invasive gebietsfremde Arten (Hubo et al. 2007) entwickelt, die 2008 zu einer Empfehlung zum Umgang mit invasiven Arten für Gärtner, Planer und Verwender erweitert wurden (Zentralverband Gartenbau e.V. 2008). Im Zuge der rechtlichen Monitoringpflicht nach dem CBD wurden Listenkriterien aufgestellt, aus denen sich die Invasivität der Neophyten beurteilen lässt und daraus für den Naturschutz erforderliche Handlungen und Prioritäten ableiten lassen (Nehring et al. 2013). In diesem Zusammenhang lassen sich nichteinheimische Pflanzen einer grauen (potenziell invasive Pflanzen) und einer schwarzen (invasive Pflanzen) Liste zuordnen, die 42 bzw. 38 Arten enthalten. Darüber hinaus sind hier Handlungsanweisungen sowie Verweise zu wissenschaftlichen Publikationen über die Bekämpfung der entsprechenden Pflanzenarten verzeichnet. Darunter finden sich für 6 invasive Arten (Riesenbärenklau, Staudenlupine, späte Traubenkirsche, Robinie, späte Goldrute und kanadische Goldrute) ausdrücklich auch Empfehlungen zum Management mittels Beweidung (Nehring et al. 2013).

3.3 Neophyten in Deutschland: Vorstellung einiger Arten

Im Folgenden werden ausgewählte Beispiele der invasiven Pflanzenarten vorgestellt. Da in den nachfolgenden Kapiteln ein mögliches Management im Rahmen der Beweidung diskutiert wird, beschränkt sich die hier vorgestellte Liste auf Pflanzen mit terrestrischem Lebensraum (27 Arten der 38 invasiven sind im terrestrischen Lebensraum zu finden) (Nehring et al. 2013). Es wurden zudem Pflanzen ausgewählt, für die es Dokumentationen über Beweidungen gibt (Nehring et al. 2013; Bollens 2005; Marabini 2014; Volz 2003; Holzmann et al. 2014; Tischew et al. 2011) bzw. die eine gesundheitliche Gefährdung für den Menschen darstellen (Nawrath und Alberternst 2013).

3.3.1 Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica, reynoutria spp.)

Der japanische Knöterich ist eine ausdauernde (mehrjährige) Pflanze, die 1825 als Zier- und Futterpflanze für Rinder und Pferde in Deutschland gezielt angesiedelt wurde (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland o. J.; Amt der Vorarlberger Landesregierung 2015; Bollens 2005). Ursprünglich entlang von Flusstälern verbreitet, wurde in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Ausdehnung der Besiedlung auf Ruderalstandorte (nicht bewirtschaftete Kulturlandschaften) wie Bahngleise und Straßenböschungen beobachtet (Bollens 2005). Die Pflanze ist in der Lage, lange Ausläufer zu bilden (Bollens 2005). Außerdem zeichnet sie sich durch eine hohe Regenerationsfähigkeit aus, die ein Wiederaustreiben von Rhizomen und Sprossstücken erlaubt. Dadurch ist die Pflanze in der Lage, sich effektiv klonal zu verbreiten (Bollens 2005) und Dominanzbestände auszubilden (Zentralverband Gartenbau e.V. et al. 2008). Ihr hochinvasives Potenzial sowie ihre hohe Robustheit gegenüber durchgeführten Maßnahmen macht ihre effektive Bekämpfung sehr schwierig und mitunter sehr kostenintensiv (Bollens 2005).

3.3.2 Robinie (Robinia pseudoaccacia)

Die Robinie wurde bereits im 17. Jh. als Nutzpflanze in Europa eingeführt und kommt seit dem 19. Jh. frei lebend in Deutschland vor (Nehring et al. 2013). Im Rahmen der Forstwirtschaft ist sie zum Teil von Bedeutung, da ihr Holz über einen hohen Brennwert verfügt und sehr wetterfest ist, was die Robinie zu einer attraktiven Variante gegenüber Tropenhölzern für den Verbau im Außenbereich macht (Stroh et al. 2014). Des Weiteren eignet sich die Robinie als Trachtpflanze für Bienen und ist insbesondere in Brandenburg von hoher Bedeutung, da hier bis zu 60 % des Honigs aus Robinien gewonnen werden (Stroh et al. 2014). Als invasive Art wird der Robinie allerdings das höchste Verdrängungspotenzial einheimischer Arten zugesprochen (Stroh et al. 2014; Bundesamt für Umwelt und Naturschutz Deutschland o. J).

Sie ist eine sehr anspruchslose Pionierpflanze und als Leguminose in der Lage, über die Symbiose mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Atmosphäre zu binden und langfristig den Boden anzureichern (Nehring et al. 2013). Dies führt zu einer Veränderung des Stoffgehalts im Boden, die insbesondere auf Magerböden (Magerrasen, Halbtrockenrasen) einheimische Arten zurückdrängt (Bundesamt für Umwelt und Naturschutz Deutschland o. J.). Hinzu kommt das massive klonale Wachstum über Ausschlagen und Wurzeln, das langfristig zur Beschattung von Rasenflächen und so ebenfalls zu einer Verdrängung insbesondere kleinwüchsiger einheimische Pflanzenarten führt (Nehring et al. 2013).

3.3.3 Späte Traubenkirsche (Prunus serotina)

Die späte Traubenkirsche kam im 18. Jh. zunächst al Zierpflanze nach Europa (Nehring et al. 2013), wurde aber bald auch im Rahmen der Forstwirtschaft bis in die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wegen ihrer brandhemmenden Wirkung und zur Waldrandgestaltung angepflanzt (Marabini 2014; Nehring et al. 2013; Zentralverband Gartenbau e.V. et al. 2008). Durch ihren hohen Samenausstoß (Nehring et al. 2013) breitet sie sich sehr schnell auf Rodungen von Jungkieferbeständen aus (Marabini 2014; Nehring et al. 2013; Chabrerie et al. 2010) und bilden schnell flächendeckende Bestände kleiner Bäume, die andere Pflanzen beschatten und effektiv verdrängen (Chabrerie et al. 2010). Zudem fördert sie die Bodenversauerung (Nehring et al. 2013) und erschwert durch eine hohe Regenerationsfähigkeit nach mechanischer Beschädigung (Nehring et al. 2013; Chabrerie et al. 2010; Zentralverband Gartenbau e.V. et al. 2008) die Renaturierung befallener Standorte (Nehring et al. 2013).

3.3.4 Staudenlupine (Lupinus polyphyllus)

Die Staudenlupine oder vielblättrige Lupine aus der Familie der Leguminosen wurde im 19. Jh. als Zierpflanze eingeführt, aber ähnlich wie die späte Traubenkirsche auch bald als Nutzpflanze verwendet. So eignet sie sich als Leguminose zur Stickstoffanreicherung im Boden und wurde daher sowohl in der Forstwirtschaft als auch in der Landwirtschaft zur Bodendüngung eingesetzt (Volz 2003). Außerdem findet sie als Bienenweide Verwendung (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland o. J.) und wird als Deckungspflanze für Wild noch immer zur Ansaat empfohlen (Volz 2003). Durch ihre intensive Nutzung ist die Staudenlupine zu einem der am weitesten verbreiteten Neophyten Deutschlands aufgestiegen (Volz 2003), was aber für den Landschaftsschutz von Nachteil ist. Die Staudenlupine stellt durch ihre Fähigkeit zur Stickstofffixierung eine große Gefahr für magere Standorte dar, da sie zu einer nachhaltigen Eutrophierung (Nährstoffeintrag) in den Boden führt und dadurch angepasste einheimische Arten verdrängt. Durch ihre starke Fruchtbarkeit (Zentralverband Gartenbau e.V. 2008) ist sie in der Lage, sich effektiv zu verbreiten und Dominanzbestände auszubilden, die aufgrund der Pfahlwurzeln der Pflanze nur schwer zu bekämpfen sind (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland o. J.).

3.3.5 Topinambur (Helianthus tuberosus)

Die Topinambur wurde im 17. Jh. zunächst als Alternative zur Kartoffel in Europa eingeführt, konnte sich aber als Nahrungsmittel für den Menschen nicht durchsetzen (Wünsch et al. 2011). In den letzten Jahrhunderten wurde die Topinambur aber immer noch als Futterpflanze angebaut (Wünsch et al. 2011). Derzeit erlebt die Topinambur eine Renaissance als Speisepflanze, da ihre Inhaltsstoffe sie zu einer geeigneten Nahrung für Diabetiker machen (Wünsch et al. 2011). Zudem kann sie als nachwachsender Rohstoff zur Biogasherstellung Verwendung finden (Gunnarson et al. 1985). Allerdings ist problematisch, dass durch die maschinelle Ernte bis zu einem Drittel der Knollen im Boden verbleibt. Diese Knollen können Durchbruchspflanzen bilden, die die nachfolgenden Kulturen stören (Wünsch et al. 2011). Topinambur kommt als Vertreter der potenziell invasiven Arten (graue Liste) (vgl. Nehring et al. 2013) auch wild wachsend an gewässernahen Standorten, vor allem in Uferbereichen, vor (Nehring et al. 2013). Dort führen das Absterben der Pflanzen und der Befraß durch Tiere zu einer Erhöhung der Erosion (Wünsch et al. 2011). Des Weiteren konnte nachgewiesen werden, dass Topinambur zur Bildung von Dominanzbeständen neigt, die mit einer verminderten Biodiversität einhergehen (Nehring et al. 2013; Zentralverband Gartenbau e.V. 2008).

3.3.6 Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum)

Der Riesenbärenklau wurde im 19. Jh. als Zierpflanze in Deutschland und gehört zu den am weitesten verbreiteten und am stärksten bekämpften Neophyten (Zentralverband Gartenbau e.V. 2008; Holzmann et al. 2014). Sie zeigt durch ihr rasches Wachstum und ihren hohen Wuchs ein deutliches Verdrängungspotenzial kleinwüchsiger und langsamer wachsender einheimischer Pflanzen, die aufgrund des hohen Raumanspruches und der großen Blätter beschattet werden (Nehring et al. 2013). Des Weiteren gehört sie aufgrund ihrer immensen Samenbildung mit bis zu 100.000 Samen pro Pflanze (Nehrbass und Winkler 2007; Nehring et al. 2013) zu den Pflanzen, die sich am effektivsten durch Samenbildung vermehren und dadurch auch Dominanzbestände ausbilden können (Nehring et al. 2013; Bruelisauer 2008).

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Details

Seiten
41
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668145481
ISBN (Buch)
9783668145498
Dateigröße
967 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315230
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Geographisches
Note
2,7
Schlagworte
Vegetation Beweidung; Arten Invasive Bachelorarbeit Geographie Management Methode Abschlussarbeit

Autor

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Titel: Das Management invasiver Pflanzen. Die Beweidung als Methode zur Bekämpfung nicht-heimischer Arten