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Einwanderungsland Deutschland. Die Integration von Spätaussiedlern und italienischen Migranten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 18 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bedingungen der Integration

3 Überblick der Migrantengruppen in Deutschland

4 Probleme der Integration
4.1 Fallsituation: Spätaussiedler
4.1.1 Strukturelle Probleme
4.1.2 Soziokulturelle Probleme
4.2 Fallsituation: Italienische Migranten
4.2.1 Strukturelle Probleme
4.2.2 Soziokulturelle Probleme

5 Lösungsansätze

6 Fazit

II. Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Im Laufe der Historie Deutschlands haben sich viele Migranten und Ausländer hier zu Lande ein neues Leben aufgebaut. Rund 20 Prozent aller Einwohner haben einen Migrationshintergrund. Bei den Migranten finden sich Gruppen mit jeweils unterschiedlichen Beweggründen, Herkunftsländern, Bildungsressourcen und beruflichen Kompetenzen. Ebenso zeichnen sich die Gruppen durch die jeweilige Familienkonstellation, Wertstellung, Sprache sowie Religion aus. Hochmotiviert kamen sie mit den Erwartungen auf einen höheren Wohlstand, eine bessere Bildung, eine sichere Arbeitsstelle, berufliche Aufstiegschancen, eine Möglichkeit ihren Kindern mehr Perspektiven zu bieten, mussten flüchten oder wurden sogar vertrieben. Bei der Eingliederung in das fremde Land gibt es zahlreiche Herausforderungen und Probleme die jede Migrantengruppe zunächst gegenübersteht, wie u.a. das Erlernen der neuen Sprache oder den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Am Anfang sind die Barrieren besonders hoch, jedoch abhängig von den Startbedingungen, welche die jeweiligen Migrantengruppen vorzuweisen haben. Mit der Zeit und Abfolge der Generationen sollten die Barrieren überwunden und eine Annäherung an die Aufnahmegesellschaft in allen Aspekten fortgeschritten sein. Seit vielen Jahren bekennt sich die Bundesrepublik nun als Einwanderungsland und unterstützt aktiv die Integration der Migranten. Trotz vieler Bemühungen der Regierung sowie dem Willen der Migranten eine gleichwertige Position mit den Einheimischen einzunehmen, belegen Untersuchungen, dass Migranten und Ausländer die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, schlechter gebildet und häufiger arbeitslos sind, folglich sozial und beruflich benachteiligt werden, übermäßig soziale Leistungen beziehen, Diskriminierung zum Opfer fallen, sich an Politik als auch gesellschaftlichen Leben nicht beteiligen oder sich den Regeln widersetzen.[1] Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen folgende Fragestellungen untersucht werden: Wie erfolgreich verläuft die Integration bei den einzelnen Gruppen tatsächlich oder entsprechen die negativen Bilder der Realität? In welchen Bereichen liegen Probleme vor und wer ist dafür mitverantwortlich? Welche Maßnahmen können wir vornehmen, die eine vielversprechende Perspektive bieten?

2 Bedingungen der Integration

Um abwägen zu können, ob und wie Zuwanderer in Deutschland integriert sind, ist vorab der Begriff „Integration“ zu klären. Das Bundesministerium des Innern beschreibt Integration wie folgt: „Integration ist ein langfristiger Prozess, der zum Ziel hat, alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben, in die Gesellschaft einzubeziehen. Ziel der staatlichen Integrationspolitik ist, den Zuwanderern die gleichen Chancen auf Teilhabe in wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich wie der einheimischen Bevölkerung zu ermöglichen. Zuwanderer haben die Pflicht, die deutsche Sprache zu erlernen sowie die Verfassung und die Gesetze zu kennen, zu respektieren und zu befolgen. Gleichzeitig muss den Zuwanderern ein gleichberechtigter Zugang möglichst zu allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht werden.“[2] Darüber hinaus beinhaltet Integration das Recht auf Einbürgerung sowie die Annahme der Staatsangehörigkeit. Integration kann auf verschiedenen Formen verlaufen die oft ineinander greifen.[3] In der folgenden Ausarbeitung beziehe ich mich auf die strukturelle Integration mit ihren formalen und wirtschaftlichen Problemen als auch auf die soziokulturelle Integration, welche Sprache, Bildung, familiären Hintergrund als auch die Stellung in der Aufnahmegesellschaft umfasst.

3 Überblick der Migrantengruppen in Deutschland

Veranschaulichen wir zunächst die einzelnen Migrantengruppen in Deutschland. Mit den Berechnungen des Mikrozensus 2011 zählt das statistische Bundesamt die Bevölkerung mit insgesamt 81,8 Mio. Menschen.[4] Davon zählen rund 16 Mio. zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund, dies entspricht 19,5 Prozent. Mit 7,2 Mio. oder 8,8 Prozent sind die Ausländer vertreten. Über 6 Mio. Zuwanderer kommen aus dem sonstigen Europa u.a. vertreten mit Migranten aus der Türkei mit knapp 3 Mio. und russischen Föderation mit ca. 1,2 Mio. Personen. Rund 5 Mio. Personen stammen aus den Ländern der EU-27. Als die größeren Gruppen fallen darunter Migranten aus Polen mit etwas weniger als 1,5 Mio. und Italien mit knapp 780 Tausend Personen. (Spät-)Aussiedler, die überwiegend aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion stammen, bilden mit 3,2 Mio. Personen eine der größten Zuwanderergruppen. Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien messen eine Zahl von 1,5 Mio. Zur Bevölkerung mit Herkunft aus Asien, Australien und Ozeanien zählen 2,5 Mio. Aus Afrika und Amerika Stämmige bilden mit unter 600- und 400 Tausend die Minderheiten. Im Mikrozensus werden sonstige Herkunftsländer erfasst, die allerdings in der Hausarbeit nicht weiter aufgenommen werden. Jede der genannten Migrantengruppen weist auf gruppenspezifische Probleme sowie eine misslungene Integration in unterschiedlichen Bereichen hin.[5] So ist bei Spätaussiedlern die Arbeitsmarktlage in höheren Berufsgruppen und bei türkischen Migranten neben Bildung, Religion zu einem größeren Teil problematisch. Würden wir Südeuropäer wie italienische mit spanischen Migranten vergleichen, wäre es offensichtlich, dass bei Italienern im Gegensatz zu den Spaniern die schulische Bildung der Schwachpunkt ist. Bei afrikanisch Stämmigen wäre das ungenutzte hohe Potential das größere Problemfeld. In der folgenden Hausarbeit setze ich mich mit Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion und den Italienern auseinander.

4 Probleme der Integration

4.1 Fallsituation: Spätaussiedler

Werden alle (Spät-)Aussiedler berücksichtigt, die bereits seit 1950 zuwandern, so machen sie insgesamt einen Viertel der Migrantengruppen aus. Aussiedler werden als deutschstämmige Rückwanderer oder auch „Volksdeutsche“ aus osteuropäischen Ländern und den GUS-Staaten definiert, die den Folgen der Nachkriegszeit unterlagen. Vom Beginn an wurden Aussiedlern sämtliche Eingliederungshilfen gewährt, die im Vergleich zu anderen Migranten eine privilegierte Sonderstellung genießen durften.[6] Laut dem Bundesvertriebenengesetz ändert sich der Tatbestand für diejenigen, die seit 1.1.1993 zuwandern zu „Spätaussiedler“. Mit der Anerkennung als Spätaussiedler ist weiterhin die deutsche Staatsbürgerschaft gegeben. Dies gilt auch für deren Familienangehörige.[7] Während bei Aussiedlern aus den ersten Zuwanderungswellen erfolgreiche Integrationsfortschritte, sogar Assimilationsprozesse festzuhalten sind, weisen Spätaussiedler[8] deutlich schlechtere Eingliederungsvoraussetzungen und Defizite bei der Gleichstellung mit Einheimischen auf. In Folge neuer Regelungen der Aufnahmevoraussetzungen seit 1993 erschwerte sich der Weg zur Integration. Unter anderem wurde die Dauer der Sprachkurse gekürzt, vom Arbeitslosengeld auf ein pauschaliertes Eingliederungsgeld herabgesetzt, Schul- und Berufsabschlüsse nicht anerkannt, im sozialen Umfeld der Status als „Fremde“ verfestigt.[9] Die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion wurde mit der Rückführung Volksdeutscher „verschönert“, womit sich die Probleme stillschweigend ausbreiteten. Allein die Tatsache, dass die Migrationsbewegung der Spätaussiedler in vielen Studien nicht berücksichtigt wird, da sie gesetzlich zu deutschen Staatsangehörigen zählen, spiegelt die Problematik wider.

4.1.1 Strukturelle Probleme

Der Transfer der Qualifikationen erwies sich im beruflichen Werdegang als ein Hindernis, da sämtliche im Herkunftsland erworbene Bildungsabschlüsse bei Spätaussiedlern teilweise mit langen Verzögerungen oder überhaupt nicht anerkannt wurden. Deutsche Maßstäbe und strukturelle Bedingungen konnten nicht mit denen der ehemaligen Sowjetunion gleichgestellt werden. Die formalen Hemmnisse führten zu geringen Chancen auf den (Aus-) Bildungs- und Arbeitsplätzen. In der UdSSR erlernte Berufe wurden nicht entsprechend gefordert. Umschulungen wurden vorgenommen, die dennoch nicht dem gleichwertigen Status entsprachen, niedrigere Löhne mussten hingenommen werden, viele sahen sich gezwungen schwierige Arbeitsstellen aufzunehmen, um der Arbeitslosigkeit zu entkommen und nicht unter die Armutsgrenze zu fallen.[10] Größtenteils hemmten fehlende Sprachkenntnisse die Kommunikation und den nötigen Austausch um auf dem Arbeitsmarkt einer Beschäftigung nachzugehen. Als Ursache lassen sich die Einreisebedingungen heranziehen, die nur Spätaussiedler selbst zum Deutschtest verpflichteten, wobei Familienangehörige und sonstige Verwandte keinem Sprachnachweis unterlagen. Somit kamen viele Familienangehörige ohne jegliche Deutschkenntnisse. Ebenso mitverantwortlich waren Wissenslücken in vorausgesetzten PC-/EDV-Kenntnissen.[11] Die geringeren Qualifikationen erschwerten die strukturelle Integration auf dem industriell höher entwickelten Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Elterngeneration ist gekennzeichnet mit den historisch bedingten Folgen und unterliegt weiterhin diesen Herausforderungen, ohne dass aktuelle Maßnahmen dagegen unternommen werden. Zum beruflichen Abstieg kommt der Anspruch auf einen geminderten Rentenbetrag hinzu, welches die finanzielle Problematik umso stärker hervorhebt.[12] Die strukturellen Probleme werden unterschätzt oder nicht mehr zur Debatte gestellt, oft aufgrund des Selbstverständnisses, dass „Volksdeutsche in ihrer Heimat“ keine Eingliederungshilfen benötigen. Obwohl die Folgegeneration der Spätaussiedler aus den Folgestaaten der Sowjetunion mittlerweile auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt im Vergleich zu anderen Migrantengruppen bessere Werte aufweisen, kommen sie dennoch nicht an die „Messlatte“ der Einheimischen heran.[13] Mit einem Hochschulabschluss und längerer Aufenthaltsdauer ist es für Spätaussiedler schwierig eine Beschäftigung in höheren Führungspositionen oder öffentlichen Dienst zu finden bzw. dominiert unterwertige Beschäftigung.[14] Ausschlaggebend könnten auch negative Erfahrungen durch Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund sein, als auch eine Bevorzugung Angestellter, die Deutsch als Muttersprache haben. Oft unterschätzen Arbeitgeber das Potential und die fachliche Kompetenz der Spätaussiedler, welches dann ungenutzt bleibt oder geringwertig entlohnt wird.[15]

[...]


[1] Vgl. (Engels, et al. 2011, URL:)

[2] (Bundesministerium des Innern 2012, URL:)

[3] Vgl. (Bade, Bommes und Münz 2004, S.204-206.)

[4] Vgl. (Statistisches Bundesamt 2012, URL:, S.7-8.)

[5] Vgl. (Woellert, et al. 2009, URL:, S.43ff.)

[6] Vgl. (Bade 2002, S.415.)

[7] Vgl. (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2012, URL:)

[8] (Spät-) Aussiedler werden oft auch „Russlanddeutsche“ genannt.

[9] Vgl. (Schneider 2005, URL:)

[10] Vgl. (Bade 2002, S.416.)

[11] Vgl. (Friedrich-Ebert-Stiftung 2003, URL:, S.32.)

[12] Vgl. (Münz, Seifert und Ulrich 1999, S. 197-198.)

[13] Vgl. (Münz, Seifert und Ulrich 1999, S. 141-144.)

[14] Vgl. (Bergner und Weber 2009, S. 73.), (Luft und Schimany 2010, S. 263-266.)

[15] Vgl. (Friedrich-Ebert-Stiftung 2003, URL:, S. 26-27.)

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668141766
ISBN (Buch)
9783668141773
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v315164
Institution / Hochschule
Hochschule Pforzheim
Note
2,3
Schlagworte
Einwanderung Migration Integration Spätaussiedler Italienische Migranten Ethnische Segration

Autor

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Titel: Einwanderungsland Deutschland. Die Integration von Spätaussiedlern und italienischen Migranten