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Der Einfluss von Persönlichkeitsvariablen auf die Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken

Entwicklung und empirische Prüfung eines Modells

Bachelorarbeit 2015 136 Seiten

Psychologie - Medienpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 SozialeNetzwerke
2.1 Definition und Begriffsentstehung: Soziale Netzwerke
2.2 Der Wandel vom Web 1.0 zum Web 2.0
2.3 Soziale und gesellschaftliche Bedeutung von sozialen Netzwerken
2.4 Motivationale Nutzungsfaktoren von sozialen Netzwerken
2.5 Praxisbeispiel: Instagram
2.5.1 Instagram als soziales Netzwerk
2.5.2 Entstehung und Entwicklung von Instagram

3 TheoretischerBezugsrahmen
3.1 Selbstdarstellung
3.1.1 DasSelbstdes Menschen
3.1.2 Definition des Konstrukts Selbstdarstellung
3.1.3 Soziale Bedeutung der Selbstdarstellung
3.1.4 Motivationale Faktoren der Selbstdarstellung
3.1.5 Die Impression-Management-Theorie von Erving Goffman
3.1.6 Strategien der Selbstdarstellung
3.1.7 Merkmale der Selbstdarstellung
3.2 Persönlichkeit
3.2.1 Definition des Konstrukts Persönlichkeit
3.2.2 Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit
3.2.3 Die Dimensionen des Fünf-Faktoren-Modells
3.2.4 Narzissmus als Persönlichkeitsvariable
3.3 Empirische Hinweise auf den Einfluss der Persönlichkeit auf Selbstdarstellungstendenzen in sozialen Netzwerken
3.4 Entwicklung des integrativen Modells für die Arbeit
3.5 Formulierung der Forschungshypothesen

4 Methodik
4.1 Auswahl der Untersuchungsart
4.2 Konstruktion der Stichprobe
4.3 Auswahl und Beschreibung der Skalen zur Messung der Persönlichkeit
4.4 Auswahl und Beschreibung der Skalen zur Messung der Selbstdarstellung..
4.5 Konstruktion des Fragebogens
4.5.1 Frageninhalte
4.5.2 StrukturtypderFragen
4.5.3 Antwortformat
4.5.4 Aufbau des Fragebogens
4.5.5 Formulierung der Fragen
4.5.6 Visuelle Gestaltung
4.5.7 Pretest
4.6 Reflexion der Erhebung
4.7 Durchführung der Erhebung
4.8 Auswertung der Erhebung

5 Ergebnisse
5.1 Darstellung der Ergebnisse
5.1.1 Soziodemographie der Befragten
5.1.2 Nutzungsverhalten der Befragten
5.1.3 Itemanalyse
5.1.4 Hypothesentestung
5.1.5 Hypothesenexploration

6 Diskussion
6.1 Diskussion der methodischen Vorgehensweise
6.2 Diskussion der Itemanalyse
6.3 Diskussion der Hypothesentestung
6.4 Diskussion der Hypothesenexploration

7 Fazit und Ausblick

Anhangsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

Danksagung

Eingangs möchte ich bei all denjenigen bedanken, die zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben.

An erster Stelle möchte ich mich bei meiner Familie bedanken. Ich danke meinen Eltern für die große Unterstützung, die es mir ermöglicht hat, diesen Weg zu gehen.

Ich danke Herrn Prof. Dr. XY für die Unterstützung seitens der Rheinischen Fachhochschule Köln.

Ein besonderer Dank gilt all den Menschen, die durch ihre Teilnahme diese Studie ermöglicht haben.

Mein Dank gebührt auch nachfolgenden Wissenschaftlern. Sie gaben ihr Einverständnis dafür, dass ich ihre Testskalen für meine Untersuchung verwenden konnte:

William H. Turnley und Mark C. Bolino,

Frieder R. Lang, Oliver Lüdtke und Jens B. Asendorpf Gernot von Collani

Vielen Dank!

Mirco Engelhardt,

Köln, im Dezember2015

Abstract

Die vorliegende Bachelor Thesis beschäftigt sich mit den Konstrukten der Persönlichkeit und der Selbstdarstellung sowie der Thematik der sozialen Netzwerke. Der Fokus liegt auf dem sozialen Netzwerk Instagram. Anhand von Hinweisen aus der Literatur wurden Hypothesen gebildet, welche die Grundlage für die Entwicklung des integrativen Modells für diese Arbeit bilden. Das Ziel dieser Untersuchung ist, eine Antwort auf die Forschungsfrage zu finden, inwieweit die Persönlichkeitsvariablen (Extraversión, Neurotizismus, Narzissmus) einen Einfluss auf Selbstdarstellungsstrategien

(Eigenwerbung, Beispielhaftigkeit, Einschmeicheln, Einschüchtern, Anbiedern) in sozialen Netzwerken haben. Ferner wurde ein etwaiger Einfluss des Geschlechts und der Nutzungsintensität geprüft. Das Forschungsvorhaben wird im Zuge einer empirischen Erhebung mittels eines elektronischen Online-Fragebogens durchgeführt. Die Grundgesamtheit bilden alle Instagram-Nutzeraus dem deutschen Sprachraum. Im Zuge der Rekrutierung der Probanden wurde eine einfache Zufallsstichprobe gezogen. Es konnten insgesamt 140 Datensätze für die Auswertung einbezogen werden. Dabei zeigte sich ein heterogenes Geschlechterverhältnis zugunsten weiblicher Probanden. Im Ergebnis wird deutlich, dass die Persönlichkeitsvariablen teilweise einen Einfluss auf die Selbstdarstellungstendenzen innerhalb sozialer Netzwerke ausüben. Im Besonderen konnte diese Arbeit einen sehr schwachen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitseigenschaft Narzissmus und den Selbstdarstellungs-Strategien Eigenwerbung und Einschmeicheln aufzeigen. Des Weiteren wurden verschiedene Handlungsempfehlungen, wie eine Vergrößerung des Stichprobenumfangs, eine Verbesserung der Stichprobenqualität (in Hinblick auf ein homogenes Geschlechterverhältnis) sowie eine Anpassung diverser Skalen für künftige Untersuchungen ausgesprochen.

1 Einleitung

Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag - das ist der Titel einer Publikation des Soziologen Erving Goffman aus dem Jahr 1959. Gleichwohl ist diese Kopfzeile indes auch als provokante These zu verstehen, die sich ohne weiteres auf die gesellschaftlichen Gegebenheiten im Jahr 2015 übertragen lässt. Es ist anzunehmen, dass diese Ansicht gegenwärtig zutreffender ist, als dies noch vor mehr als 50 Jahren der Fall war. Stützen lässt sich dies nicht zuletzt durch eine große Anzahl an Artikeln in Fachzeitschriften, Illustrierten und Zeitungen, die die Aktualität der menschlichen Sehnsucht nach Selbstdarstellung thematisieren (Panek, Nardis, & Konrath, 2013; Pfersdorf, 2015; Knöfel, 2015; Mühl, 2015; Naughton, 2015)

Die Psychologieprofessorin Jean Twenge von der San Diego State University geht sogar so weit, dass sie postuliert, dass die heutige Generation, im Vergleich zu früheren Jahrgängen, an Narzissmus kaum zu überbieten ist (Pfersdorf, 2015).

In einem Artikel der US-amerikanischen Fachzeitschrift Human Behavior, veröffentlicht im September 2013, wird der Gegenstand der Selbstdarstellung in eine direkte Verbindung mit den sozialen Online-Netzwerken gesetzt. Diese Netzwerke bieten den Menschen, so heißt es dort, eine optimale Plattform, das eigene Selbst zu inszenieren (Panek et al., 2013).

Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden gesellschaftlichen Bedeutung der virtuellen sozialen Netzwerke, ist die Thematik derzeit omnipräsent. Der IT- Branchenverband BITKOM konnte im Zuge einer jüngst durchgeführten Untersuchung aufzeigen, dass mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Internetnutzer in mindestens einem sozialen Netzwerk aktiv sind (Bitkom, 2013).

Im Zuge diverser Studien wird ferner eine Beziehung zwischen dem Motiv der Selbstpräsentation und verschiedener Persönlichkeitsvariablen untersucht. So liegen Ergebnisse vor, die darauf hinweisen, dass bestimmte Merkmale der Persönlichkeit, einen erhöhten Selbstdarstellungsdrang innerhalb von sozialen Netzwerken zur Folge haben (Haferkamp 2010; Saum-Aldehoff, 2015; Cunningham, 2014; Zhang, 2015; Schwartz et al., 2015).

Im Rahmen dieser Arbeit soll ein integratives Modell erarbeitet werden. Dieses soll die Forschungsfrage beantworten, inwieweit die Persönlichkeitsvariablen einen Einfluss auf die Selbstdarstellungstendenzen in sozialen Netzwerken haben.

Zur Beantwortung dieser Frage, erfolgt in Kapitel 2 eine ausführliche Erörterung der Thematik der sozialen Netzwerke. Im weiteren theoretischen Teil dieser Arbeit werden in Kapitel 3 die theoretischen Grundlagen sowie darüber hinaus, der gegenwärtige Stand der Forschung zum Thema dieser Arbeit wiedergegeben: Kapitel 3.1 konzentriert sich dabei primär auf das Konstrukt der Selbstdarstellung, wohingegen in Kapitel 3.2 eine Darlegung des Persönlichkeitskonstrukts erfolgt. Anschließend gilt es zu prüfen, inwieweit empirische Hinweise existieren, die auf einen Einfluss der Persönlichkeit auf Selbstdarstellungstendenzen innerhalb sozialer Netzwerke hindeuten (Kapitel 3.3). Im Rahmen von Kapitel 3.4 erfolgt die Skizzierung eines integrativen Modells, dass den bisherigen Stand der Forschung zusammenfasst. Abschließend werden in Kapitel 3.5 die Forschungshypothesen, die auf Basis der in der Literatur aufgefundenen Hinweise abgeleitet werden, formuliert. Diese sollen im empirischen Teil der Arbeit geprüft werden.

Hierzu wird in Kapitel 4 die methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung dargestellt. Die, im Zuge der durchgeführten Studie, erhobenen Ergebnisse, werden in Kapitel 5 aufgeführt. Schließlich erfolgt in Kapitel 6 eine kritische Darstellung des methodischen Vorgehens, der durchgeführten Itemanalyse sowie der Hypothesentestung und Hypothesenexploration.

Kapitel 7 beinhaltet das Fazit der vorliegenden Arbeit in dem die Untersuchungsergebnisse zusammengefasst werden. Im abschließenden achten Kapitel werden Handlungsempfehlungen für künftige Arbeiten mit demselben bzw. einem sich stark ähnelnden Untersuchungsgegenstand thematisiert.

2 Soziale Netzwerke

Zur Hinführung der Thematik dieser Arbeit, wird im folgenden Kapitel der Begriff Soziale Netzwerke mitsamt seiner Entstehungsgeschichte erläutert. Zu Beginn erfolgt in Kapitel

2.1 eine Spezifizierung des Begriffs der sozialen Netzwerke. Des Weiteren werden die Merkmale sozialer Netzwerke erörtert sowie ein Einblick in die Entstehungsthematik der Netzwerke gegeben. Im weiteren Verlauf soll in Kapitel 2.2 der Wandel vom Web 1.0 zum Web 2.0 erläutert werden. Kapitel 2.3 offeriert einen Einblick in die soziale und gesellschaftliche Relevanz sozialer Netzwerke. Daraufhin gilt es in Kapitel 2.4 dem Leser die motivationalen Nutzungsfaktoren sozialer Netzwerke zu erläutern. Abschließend erfolgt die Thematisierung des für diese Arbeit relevanten sozialen Netzwerkes Instagram (Kapitel 2.5).

2.1 Definition und Begriffsentstehung: Soziale Netzwerke

Eine erstmalige Definition des Begriffs der sozialen Netzwerke wurde bereits vor mehr als 60 Jahren durch John Barnes getroffen. Er gilt hiermit als der Pionier der Begriffsdeutung (Stegbauer, 2010):

Each person is, as it were, in touch with a number of people, some ofwhom are directly in touch with each other and some ofwhom are not. Similary each person has a number of friends, and these friends have their own friends; some of any one person’s friends know each other, others do not. I find it convenient to talk of a social field of this kind as a network. The image I have is of a set of points some of which are joined by lines. The points of the image are people, or sometimes groups, and the lines indicate which people interact with each other. (Flanagan, 2010, S. 110).

Demgegenüber definieren Christakis und Fowler (2009) soziale Netzwerke als Netzwerke, bestehend aus einer organisierten Gruppe von Menschen. Die Menschen, als Mitglieder des Netzwerks sowie deren Beziehungen untereinander, bilden dabei das grundliegende Merkmal. Die Beziehungen können dabei in ihrer Intensität stark variieren. Eine Verbindung aller Mitglieder des jeweiligen Netzwerks miteinander ist dabei keine grundlegende Voraussetzung, d.h. die Mitglieder können sich mitunter partiell auch fremd sein. Als Beispiele für soziale Netzwerke nennen die Autoren eine Großfamilie, ein Studentenwohnheim oder im Allgemeinen auch das „weltumspannende Netzwerk der gesamten Menschheit“ (S. 29 f.).

Die vorliegende Arbeit befasst sich im Konkreten mit sozialen Netzwerken innerhalb des Web 2.01. Diese werden auch als Social-Network-Dienste, Online Social Networks bzw. soziale Onlinenetzwerke bezeichnet (Ebersbach et al., 2011). Gerade diese haben zu einer Mehrung der Größe verfügbarer Netzwerke und zu einer Vergrößerung der Reichweite (in Anbetracht der Mitgliederzahlen) sowie der Geschwindigkeit (in Bezug auf Kommunikationsaustausch) geführt (Christakis & Fowler, 2009).

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit sind unter den sozialen Netzwerken ausschließlich, die zuvor beschriebenen, sozialen Online-Netzwerke zu verstehen.

Nach Ebersbach, Glaser und Heigl (2011) werden soziale Netzwerke durch Menschen geformt, die über ähnliche Interessen verfügen und mitunter auch dieselben Visionen verfolgen. Um zu klären, ob die Voraussetzungen eines sozialen Netzwerkes vorliegen, haben die Autoren eine Übersicht diverser Merkmale, die erfüllt sein müssen, erstellt. Im Folgenden werden diese dargestellt.

Merkmale sozialer Netzwerke (Ebersbach et al., 2011):

- eine erstmalige Registrierung ist Nutzungsvoraussetzung
- die Nutzerprofile beinhalten persönliche Informationen der Nutzer
- die Daten sind überwiegend in strukturierter Form existent
- die Beziehungen und Bekanntschaften unter den Mitgliedern werden nachvollziehbar dargestellt
- eine signifikante Beziehung zu den reellen Sozialbindungen liegt vor

Die Entstehung sozialer Netzwerke:

Bei der Entwicklung sozialer Netzwerke wird eine gewisse Analogie, in Form eines Schneeballsystems, ersichtlich. Es beginnt stets mit einem ersten Netzwerkteilnehmer und der damit verbundenen Profilerstellung. Daraufhin wird ein Prozess in Gang gestoßen, beginnend mit den Erstmitgliedern, die um weitere Mitglieder werben. Die angeworbenen Mitglieder können dabei sowohl aus dem Freundes- und Bekanntenkreis stammen, je nach Art des Netzwerks aber auch mitunter geschäftliche Kontakte sein. Diese akquirieren im weiteren Verlauf wiederum weitere Neumitglieder. Im Grunde setzt sich dieser Prozess immer weiter fort (Ebersbach et al., 2011).

Als das erste soziale Netzwerk im Web 2.0 gilt Sixdegrees. Es wurde im Jahre 1997 gegründet, existiert heute allerdings nicht mehr. StudiVZ gilt als der Pionier unter den deutschen Netzwerken. Ursprünglich als Netzwerk für Studenten im Jahr 2005 gestartet, wurde die Plattform später unter den Namen meinVZ und SchülerVZ auch Nichtstudenten zugänglich gemacht. Zum heutigen Zeitpunkt spielen die VZ-Netzwerke allerdings keine entscheidende Rolle mehr. Ursache für die verminderte Relevanz ist die Plattform Facebook (Gründerszene.de, 2015). Gegenwärtig ist Facebookdas populärste „privat-freundschaftliche“ soziale Netzwerk. Weitere Netzwerke mit gewichtigem Einfluss sind Linkedln sowie Xing (Ebersbach et al., 2011, S. 96 ff.). Diese beiden Portale, die als US- bzw. europäisches Pendant fungieren, bieten die Möglichkeit, geschäftliche Kontakte zu pflegen. Maßgebliche Relevanz ist auch dem Netzwerk, Instagram, zuzuschreiben (GlobalWeblndex, 2015; Duggan et al., 2014). Instagram ist eine Foto­Community, in der die Mitglieder untereinander Fotos und Videos teilen (Instagram, 2015b). Instagram gilt mit einer seit 2012 konstant wachsenden Mitgliederanzahl augenblicklich als das soziale Netzwerk mit dem größten Zuwachs. Weitere wichtige populäre Netzwerke sind Twitter (ein sozialer Nachrichtendienst) und YouTube (eine soziale Video-Plattform) (Duggan et al., 2014).

2.2 Der Wandel vom Web 1.0 zum Web 2.0

Der grundlegende Unterschied vom Web 1.0 zum Web 2.0 ist die Möglichkeit, dass jeder Internetnutzer eigenständig online Informationen publizieren kann und diese infolgedessen weiteren Nutzern zur Verfügung stellt. Dies war im Web 1.0 auf Grund der Voraussetzung technischer Fertigkeiten, wie z.B. der Fähigkeit des Programmierens, nur einem eingeschränkten Personenkreis (u.a. Internet-Provider, öffentliche Institutionen und Unternehmen) möglich (Hass, Walsh & Kilian, 2008). Schließlich lässt sich festhalten, dass innerhalb des Web 2.0 die Nutzung im Vergleich zum Web 1.0 „interaktiver, individueller, sozial- und medienintensiver“ ist (Hass et al., 2008, S. 11).

Nach einer These des Internet-Erfinders, Tim Berners-Lee, wird gerade erst durch das Web 2.0 die ursprüngliche Kernidee des Internets, die globale Vernetzung der Weltbevölkerung, ermöglicht (Hass et al., 2008, zit. nach IBM, 2006).

Als die treibende Kraft für die Entstehung des Web 2.0 sind die technologischen Fortschritte - insbesondere die zunehmende Verbreitung fortschrittlicher Breitband­Internetzugänge ohne Zeit- bzw. Datenbeschränkung - in den Jahren nach der Jahrtausendwende anzuführen (Hass et al., 2008). Dies ist damit zu erklären, dass der Konsum großer Datenmengen, beispielsweise von Bildern und Videos (YouTube), einen schnellen Internetzugang voraussetzt (Hass et al., 2008).

Allgemein lässt sich konstatieren, dass innerhalb des Web 2.0 die verschiedenen Anbieter im Wesentlichen eine weitgehend inhaltlose Plattform bereitstellen. Ferner werden die Funktionalität sowie die Nutzungsregeln und -voraussetzungen durch die Dienste festgelegt. Die Inhalte werden dabei vorwiegend durch die Nutzer generiert (Hass et al., 2008).

2.3 Soziale und gesellschaftliche Bedeutung von sozialen Netzwerken

Soziale Kontakte und die Verbindung zu anderen Menschen sind für den Menschen, gemäß des Menschenbilds des homo sociologicus, ein wesenhafter Trieb (Kneidinger, 2010, zit. nach Dahrendorf, 1958).

Bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert postulierte Maslow (2010), der als einer der Vordenker in der humanistischen Psychologie gilt, mit seiner Bedürfnispyramide den hohen Stellenwert sozialer Bedürfnisse (vgl. Abbildung 2-1). Dieses Modell, das die Motivation menschlicher Individuen veranschaulichen soll, folgt einer bestimmten Rangordnung. Das heißt, erst wenn das unterste Bedürfnis hinreichend erfüllt ist, erlangt das darüber liegende an Relevanz. Die ersten zwei Stufen bilden dabei die menschlichen Grundbedürfnisse sowie das Bedürfnis nach Sicherheit. Dann folgen auf der dritten Stufe die sozialen Bedürfnisse. Stufe vier und fünf formen die Bedürfnisse nach sozialer Anerkennung und Selbstverwirklichung. Im Zuge der sozialen Bedürfnisse empfindet der Mensch ein enormes Verlangen nach behutsamen Beziehungen zu anderen Menschen. Nach Maslow gelten die untersten drei bis vier Stufen als Defizitbedürfnisse, soll heißen, dass diese essentiell für die individuelle Erfüllung der Bedürfnisse sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-1: Eigene Darstellung der Bedürfnispyramide nach Maslow (Maslow, 2010)

Im heutigen Zusammenleben spielen die sozialen Netzwerke eine grundlegende Rolle, sprich, die Vernetzung der Menschen mit- und untereinander. Diese Netzwerke ermöglichen den partizipierenden Individuen eine globale Verbindung zu einer enormen Anzahl von Personen (Christakis & Fowler, 2011). Im Grundsatz geben die sozialen Netzwerke die reellen, nicht virtuellen Beziehungen ihrer Nutzer wieder.

Die Personen können hier mit Freunden und Bekannten kommunizieren, die ihnen bereits aus dem realen Leben bekannt sind. Etwaige Entfernungen zwischen den Menschen lassen sich durch die Netzwerke überbrücken. In der Folge ist so beispielsweise der Kontakterhalt nach einem Wohnortwechsel einfacher zu realisieren (Christakis & Fowler, 2011). Nach Kneidinger (2010) belegen mehrere Studien hingegen, dass die Plattformen durchaus auch zur Beziehungsschließung (Freundschaft, Partnerschaft), Anwendung finden. Piskorski (2014) weist ferner darauf hin, dass vor allem Menschen mit sozialen Problemen, die beispielsweise Probleme bei der Kontaktaufnahme mit fremden Menschen haben, von dem offenen Charakter sozialer Netzwerke profitieren. Eine ähnliche Aussage tätigen Scharlott und Christ (1995), die das Internet als einen sicheren Raum für Personen erachten, deren reelle Kommunikationssituationen durch soziale Ängste geprägt sind (Renner, Schütz & Machilek, 2005). Ferner werden die Netzwerke von den Mitgliedern zur Informationsbeschaffung genutzt (Kneidinger, 2010).

Im Rahmen der freien Profilgestaltung bietet sich den Nutzern die Gelegenheit, Interessen, Stärken etc. für andere Nutzer zur Ansicht freizugeben (Ebersbach et al., 2011). Kapitel 4.2 befasst sich im Detail mit dem für die vorliegende Untersuchung essentiellen Gegenstand der Selbstdarstellung.

Auch in Bezug auf politische Gegenstände üben die Netzwerke mittlerweile einen nicht zu verachtenden Einfluss aus. Über die verschiedenen Netzwerke werden gezielt Kampagnen zur Mobilisierung der Wähler geführt. Bezogen auf die Aktivität in den Netzwerken ist der US-amerikanische Präsident Barack Obama, als einer der einflussreichsten Politiker, aufzuführen. Ein Video, das von Obama im Zusammenhang mitdem Vorwahlkampf der Demokraten auf YouTube veröffentlicht wurde, erreichte insgesamt 6,7 Mio. Aufrufe (Christakis & Fowler, 2011).

2.4 Motivationale Nutzungsfaktoren von sozialen Netzwerken

Die Motivation, soziale Netzwerke zu nutzen, wurde bereits in zahlreichen Studien untersucht. Die Studien von Boyd und Ellison (2008) sowie Kim, Choi und Sohn (2008) zeigen auf, dass vor allem die virtuelle Verbindung zu anderen Mitgliedern des Netzwerkes eines der Hauptmotive der Nutzung darstellt (Wagenführer, 2010).

Renner et al. (2005) sowie Krämer und Winter (2008) zeigen im Rahmen ihrer Untersuchungen, dass die Möglichkeit der Selbstdarstellung eines der bedeutendsten Motive ist, das Menschen dazu veranlasst, Profile in sozialen Netzwerken anzulegen und zu gestalten (Wagenführer, 2010). Ähnliches - in Bezug auf Selbstdarstellung als Nutzermotiv - konnten auch die Studien von Huang & M.-H. (2001) und Bolar (2009) zeigen. Darüber hinaus ergeben ihre Studien, dass das Informationsbedürfnis von Nutzern ein Motiv für die Verwendung sozialer Netzwerke darstellt (Wagenführer, 2010).

Taddicken (2011) geht mit seiner These sogar so weit, dass soziale Netzwerke ihre Nutzer regelrecht dazu ermutigen, im Zuge der Bereitstellung persönlicher Informationen, Selbstpräsentation zu betreiben (Machill, Beiler& Krüger, 2013).

Als zentraler Bestandteil der vorliegenden Arbeit, erfolgt im weiteren Verlauf eine nähere Betrachtung der Thematik der Selbstdarstellung (vgl. Kapitel 3.1).

2.5 Praxisbeispiel: Instagram

In der vorliegenden Arbeit wird der Fokus auf das soziale Netzwerk Instagram gelegt. Grund für diese Wahl ist die gegenwärtige Relevanz des Netzwerkes. Instagram ist das Netzwerk mit dem stetig höchsten jährlichen Wachstum seit 2012. Im Zeitraum der Jahre 2012 bis 2014 konnte das Netzwerk die Anzahl US-amerikanischen Nutzer von 13 % auf 26 % (bezogen auf die Gesamtheit aller in den USA heimischen volljährigen Internetnutzer) steigern (Duggan et al., 2014). Facebook, das derzeit populärste soziale Netzwerk, verzeichnete in der selben Zeitspanne ein Wachstum von lediglich 4 Prozentpunkten (Duggan et al., 2014). Eingangs soll geklärt werden, ob es sich bei Instagram de facto um ein soziales Netzwerk handelt (Kapitel 2.5.1). Anschließend gibt Kapitel 2.5.2 einen Einblick in die Entwicklung der Plattform.

2.5.1 Instagram als soziales Netzwerk

Es gilt es zu klären, ob es sich bei Instagram um ein soziales Netzwerk handelt. In Bezug auf die In Kapitel 2.1 aufgeführten Merkmale sozialer Netzwerke nach Ebersbach et al. (2011) lässt sich feststellen, dass Instagram, eine Registrierung zur Nutzung der Plattform voraussetzt. Auch bestehen die Profile der Mitglieder vorwiegend aus persönlichen Informationen. Ferner werden im Rahmen der Profile, Verbindungen unter den Mitgliedern plausibel dargestellt. Die Daten innerhalb des Netzwerkes liegen dabei in einer strukturierten Form vor(Kobilke, 2014). Inwiefern eine signifikante Beziehung zu reellen Sozialbindungen außerhalb der sozialen Netzwerke vorliegt, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Aller Voraussicht nach ist eine Korrelation allerdings existent.

Demzufolge handelt es sich bei Instagram um ein soziales Netzwerk.

2.5.2 Entstehung und Entwicklung von Instagram

Instagram wurde im Oktober 2010 von Kevin Systrom und Mike Krieger in den USA gegründet (Kobilke, 2014). Instagram ist eine Foto-Applikation (App), die sowohl für Smartphones mit dem mobilen Apple-Betriebssystem (iOS) als auch dem mobilen System von Google (Android), in den jeweiligen Appstores kostenfrei zum Download zur Verfügung steht. Mithilfe der App können die Nutzer Fotos sowie Videos erstellen und diese im Anschluss in die Instagram Community hochladen und in der Folge mit anderen Nutzern des Netzwerkes teilen (Hu, Manikonda & Kambhampati (2014).

Nur wenige Stunden nach Einführung erreichte die App den obersten Platz der Charts für kostenfreie Foto-Apps (Kobilke, 2014). Bereits zwei Monate nach Markteinführung erreichte Instagram die 1 Millionen Nutzergrenze. Rund ein Jahr später, im September 2011, steigt die Anzahl der Nutzer von Instagram auf 10 Mio. an (Instagram, 2015b).

Im April 2012 wird Instagram von Mark Zuckerberg, dem Inhaber und Gründer des sozialen Netzwerks Facebook, für eine Gesamtsumme von 1 Milliarde US-Dollar erworben. Ungeachtet der Übernahme sollten beide Netzwerke in ihrer Funktionalität eigenständig bleiben (Kobilke, 2014).

Auch heute sind Facebook und Instagram weiterhin zwei voneinander unabhängige Netzwerke, die jeweiligen Apps wurden nicht zusammengelegt. Sie existieren nach wie vor als eigenständige Version in den Appstores.

Mit dem Bekanntwerden des Zusammenschlusses wurde - als Ergänzung zur iOS-App - gleichzeitig auch eine Version der Instagram App für das Android-System von Google angekündigt und auch im dortigen Appstore veröffentlicht. Mit der Möglichkeit, die Instagram Nutzerprofile nun auch extern, also online mit Hilfe eines Internet­Browsers, aufrufen zu können, erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt, die Reichweite des Netzwerkes auszuweiten (Kobilke, 2014).

Innerhalb von etwa zwei Jahren nach Einführung konnte Instagram seine Nutzeranzahl auf 80 Mio. weltweite Nutzersteigern (Instagram, 2015b).

Mit der Ergänzung der App um eine Video-Funktion und der Möglichkeit für die Nutzer, ihren Newsfeed extern online aufzurufen, erfolgten im Jahr 2013 eine Erweiterung der Funktionalität. Von nun an war es den derweil rund 150 Mio. Nutzern möglich, neben Fotos auch Videos mit der App anzufertigen und im Anschluss mit der Community zu teilen (Kobilke, 2014). Mit der externen Erreichbarkeit des Newsfeeds über einen Internet-Browser, wurde die ursprüngliche Beschränkung Instagrams, den Zugriff auf das Netzwerk nur über die App zu ermöglichen, gelockert (Instagram, 2015b).

Seit Gründung von Instagram im Oktober 2010 wurden inzwischen 30 Bio. Fotos im Netzwerk geteilt. 70 Mio. Fotos werden dabei pro Tag durchschnittlich von den Nutzern hochgeladen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird das Netzwerk von 400 Mio. aktiven Mitgliedern weltweit genutzt (Instagram, 2015b). Instagram ist das soziale Netzwerk mit dem niedrigsten Altersdurchschnitt der Nutzer. Rund 40 % der aktiven Nutzer sind im Alterzwischen 16 und 24 Jahren. Des Weiteren ist Instagram eines der wenigen Netzwerke mit einer mehrheitlich weiblichen Nutzeranzahl (GlobalWebIndex, 2015). Instagram ist - neben Facebook - das Netzwerk mit der höchsten Frequenz täglicher Nutzung. Gut die Hälfte (49 %) aller Instagram Nutzer ist täglich aktiv im Netzwerk. Rund jeder Vierte loggt sich mindestens einmal pro Woche ein (Duggan et al., 2014). Anhand von Abbildung 2-2, wird das rapide Wachstum der Mitgliederzahlen, seit der Gründung von Instagram, veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-2: Entwicklung der Mitgliederzahlen von Instagram (Instagram, 2015b)

Bezogen auf den deutschen Markt, konnte die im Oktober 2013 vom IT- Branchenverband BITKOM durchgeführte Studie aufzeigen, dass 6 % der deutschen Internetnutzer auf Instagram aktiv sind (Bitkom, 2013).

Im Anhang der vorliegenden Arbeit wird die Funktionalität von Instagram anhand von Screenshots thematisiert.

3 Theoretischer Bezugsrahmen

Im nachfolgenden Teil dieser Arbeit wird auf den theoretischen Bezugsrahmen dieser Arbeit eingegangen. Zu diesem Zweck erfolgt eingangs eine Erörterung der relevanten Theorien und Modelle der Selbstdarstellung (Kapitel 3.1) sowie der Persönlichkeit (3.2). Anschließend bietet Kapitel 3.3 eine Auseinandersetzung mit empirischen Hinweisen hinsichtlich eines etwaigen Einflusses der Persönlichkeit auf die Selbstdarstellung. Im Zuge von Kapitel 3.4 erfolgt die Entwicklung und Darstellung des integrativen Modells, als Grundlage für die vorliegende Untersuchung. In Kapitel 3.5 werden die relevanten Forschungshypothesen anhand der zuvor aufgeführten Theorien und der empirischen Hinweise abgeleitet.

3.1 Selbstdarstellung

Das folgende Kapitel hat das Ziel, das Konstrukt der Selbstdarstellung zu konkretisieren. Anfangs erfolgt ein Einblick darüber, wie Menschen das Selbst konstruieren. Hier gilt es, das Selbstkonzept, das einen zentralen Einfluss auf die Selbstdarstellung ausübt, eingehend zu erläutern (3.1.1). In Kapitel 3.1.2 soll der Begriff der Selbstdarstellung definiert werden. Daraufhin wird in Kapitel 3.1.3 die soziale Wichtigkeit der Selbstdarstellung herausgearbeitet. Kapitel 3.1.4 hat das Ziel, die motivationalen Faktoren, die eine Inszenierung des Selbst begünstigen, aufzudecken. Im Anschluss daran erfolgt die Darlegung der Impression-Management-Theorie von Erving Goffman (Kapitel 3.1.5), woraufhin in Kapitel 3.1.6 die Selbstpräsentations-Strategien und in Kapitel 3.1.7 die Merkmale der Selbstdarstellung eingängig behandelt werden.

3.1.1 Das Selbst des Menschen

Das Selbst beschreibt „die Ganzheit derjenigen Merkmale, die das Individuum als zu sich gehörig auffasst“ (Faktum Lexikoninstitut, 2000, S. 438) bzw. „die auf die eigene Person bezogenen Einschätzungen einschließlich beschriebener und bewertender Merkmale“ (Misoch, 2004, S. 20, zit. nach Rustemeyer, 1993, S. 5). Folglich hat das Selbst seinen Ursprung in den subjektiven Überzeugungen eines Individuums (Mummendey, 1995). Das Selbst existiert wiederum nur als Begriff von sich selbst. Die Gesamtheit der Merkmale und Beurteilungen, die eine Person sich selber zuschreibt, werden wiederum als das individuelle Selbstkonzept bezeichnet (Mummendey, 1995). Die Literatur umschließt eine große Anzahl an Versuchen diverser Autoren, das Selbstkonzept zu deuten. Eine allgemeine Definition stammt von Epstein (1979). Er begreift das Selbstkonzept als eine Theorie über die eigene Person, die sich mithilfe einer Umwelttheorie zu einer eingehenden Realitätstheorie komplettiert. Mithilfe dieser Selbsttheorie wird eine Struktur von Erfahrungen sowie die Etablierung eines ausgeglichenen Verhältnisses zwischen Lust- und Unlusterlebnissen ermöglicht. Darüber hinaus erfolgt die Herstellung einer befriedigenden Größe an Selbstwertschätzung (Mummendey, 2006).

Das Selbstkonzept ist dabei sehr weit gefasst. Im Prinzip kann es neben physischen und psychischen Überzeugungen auch Merkmalszuschreibungen sowie individuelle Erfahrungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart umfassen. Des Weiteren können zukünftig erwünschte Eigenschaften Bestandteil sein (Mummendey, 2006).

Schlenker (1980) postuliert eine enge Verbindung des Selbstkonzepts mit der Selbstdarstellung und den interpersonalen Beziehungen. Hierbei wird, wie die nachfolgende Darstellung (vgl. Abbildung 3-1) zeigt, eine gegenseitige Wechselwirkung unter den drei Faktoren angenommen, wobei das Selbstkonzept als die verhaltensbestimmende Größe angesehen wird (Haferkamp, 2010).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-1 : Selbstdarstellung nach Schlenker (1980) in eigener Darstellung

Im Allgemeinen lässt sich abschließend festhalten, dass das Selbstkonzept unterstützend wirkt bei der Beantwortung existentieller Fragen eines jeden Individuen (Schuppener, 2005, S. 65):

-„Wer bin ich?“
-„Was bin ich?“
-„Wie bin ich?“

3.1.2 Definition des Konstrukts Selbstdarstellung

Bereits Anthropologen wie Joseph Campbell (1949) und Ernest Becker (1973) kamen im Zuge ihrer Arbeiten zu der Erkenntnis, dass Menschen seit jeher nach dem Gefühlserleben eines positiven Selbstwertes streben. Hieraus lässt sich folgern, dass Selbstaufwertungsmotive eine Begründung dafür liefern können, dass Menschen sich zumeist entsprechend der gesellschaftlich Normen und Werte verhalten, indem sie bestimmte Verhaltensweisen annehmen, einen speziellen Bekleidungsstil wählen etc., um so in der Folge, Anerkennung in der Gesellschaft zu erhalten (Jonas, Stroebe & Hewstone, 2014).

Der Begriff der Selbstdarstellung wurde im Besonderen geprägt durch die Veröffentlichung Die Psychologie der Selbstdarstellung aus dem Jahr 1990 von Hans Dieter Mummendey. Er beschreibt die Selbstdarstellung, als eine Theorie, die charakterisiert ist durch Individuen, die in sozialen Interaktionen mittels Beeinflussungen, Manipulationen etc., den Eindruck kontrollieren, den sie auf andere Personen auslösen (Mummendey, 1995).

Im Rahmen der Veröffentlichung Sozialpsychologie, erschienen im Jahr 2014, begreifen die Autoren Jonas et al. (2014) Selbstdarstellung, ähnlich wie Mummendey (1995), als eine Zusammenstellung diverser Strategien, die Menschen anwenden, um Einfluss zu nehmen auf die Urteile anderer Menschen, die die eigene Person betreffen. Nach Jones und Pittman ist die Selbstpräsentation dadurch gekennzeichnet, dass sie stets gegenüber anderen Personen erfolgt (Asendorpf & Neyer, 2012). Sie kann dabei sowohl durch unbewusst und mitunter ungewollt gesendete Zeichen (cues given off), als auch durch bewusst kommunizierte Inhalte (cues given) erfolgen. Auch eine Kombination bewusster sowie unbewusster Bestandteile ist möglich (Misoch, 2004). Auf der nachfolgenden Seite zeigt eine Abbildung den Prozess der Selbstdarstellung, bestehend aus Individuum 1 (als Sender), Individuum 2 (als Empfänger) sowie die Selbstdarstellung, bestehend aus Strategien und Taktiken (vgl. Abbildung 3-2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-2: Selbstdarstellungsprozess in eigener Darstellung nach Misoch (2004)

Die Begriffe Selbstdarstellung und Impression Management werden dabei in der Literatur vornehmlich synonym verwendet (Haferkamp, 2010). Infolgedessen erfolgt in dieser Arbeit ebenfalls keine Unterscheidung. Gleichermaßen sinngleich werden in dieser Arbeit die Begriffe Selbstpräsentation, Selbstinszenierung, Präsentation des Selbst und Darstellung des Selbst verwendet.

3.1.3 Soziale Bedeutung der Selbstdarstellung

Die Inszenierung des Selbst nimmt eine zentrale Bedeutung im alltäglichen Umgang zwischen den Individuen ein, so dass diese in so gut wie jeder sozialen Situation Anwendung findet (Mummendey, 2005). Goffman (2014) geht mit seiner These sogar so weit, dass er postuliert, alle menschlichen Interaktionen würden Elemente der Selbstdarstellung einschließen. Wohingegen die Selbstinszenierung in vergangener Zeit vornehmlich durch mustergültige „deutsche Sekundärtugenden“ wie Angepasstheit charakterisiert war, ist diese in der heutigen Zeit konträr durch Originalität und Extravaganz gekennzeichnet (Keupp et al., 2013, S. 72).

3.1.4 Motivationale Faktoren derSelbstdarstellung

In Anlehnung an verschiedene motivationspsychologische Ansätze ist zu konstatieren, dass die Darstellung des Selbst zumeist in Folge des Strebens nach einer Aufrechterhaltung, Rechtfertigung und Steigerung des Selbstwertes geschieht (Bierhoff & Frey, 2006). Die Ermittlung des individuellen Selbstwerts erfolgt auf Basis von interindividuellen Vergleichen (soziale Vergleiche; d.h. mit anderen Menschen) und intraindividuellen Vergleichen (z.B. anhand eigener Vorsätze, Ziele und Wünsche) Renner et al., 2005, zit. nach Wicklund, 1975). Empfindet eine Person nun in Folge von Vergleichen ein Defizit zwischen Ist-Selbst und Soll-Selbst, entsteht hierdurch eine potentielle Motivation, das Selbstdarstellungstendenzen hervorrufen kann.

3.1.5 Die Impression-Management-Theorie von Erving Goffman

Mit seiner Publikation aus dem Jahr 1959 Die Selbstdarstellung im Alltag (Goffman, 2014), legte Goffman nebst den Überlegungen von Mead (1934) einen bedeutenden Grundstein hinsichtlich der Erforschung des Impression-Managements (Mummendey, 1995). Im Rahmen seiner Analyse des Alltagslebens legte der US-amerikanische Soziologe den Fokus darauf, wie „in normalen Arbeitssituationen der Einzelne sich selbst und seine Tätigkeit anderen darstellt, mit welchen Mitteln er den Eindruck, den er auf jene macht, kontrolliert und lenkt, welche Dinge er tun oder nicht tun darf, wenn er sich in seiner Selbstdarstellung vor ihnen behaupten will.“ (Goffman, 2014, S. 3). Er vergleicht dabei das soziale Verhalten mit dem Verhalten von Schauspielern, die in Erfüllung bestimmter Verhaltenserwartungen ein bestimmtes Rollenspiel ausführen. Dabei beschreibt er verschiedene Praktiken der Imagepflege, die auch ein Schauspieler im Alltagsleben einsetzt (Haferkamp, 2010).

Nach Goffman ist soziales Verhalten maßgeblich verbunden mit Aspekten der Selbstdarstellung (Goffman, 2014). Sobald Menschen sich in soziale Situationen begeben - d.h. die Anwesenheit ihrer Mitmenschen wahrnehmen - empfinden sie Goffmans Erkenntnissen nach, „fundamentale soziale Zwänge“, die „habituelle Mechanismen“ zur Folge haben. Infolgedessen beschränkt sich ihr Agieren nicht einzig auf das Interagieren und Handeln, sondern sie beginnen zudem, ihr Selbst zu inszenieren (Willems & Jurga, 1998, S. 26).

Überträgt man Goffmans Theorie nun auf die Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken, zeigt sich, dass Profilbesitzer demnach darum bemüht sind, die Besucher ihres Profils zu unterhalten und ihnen ein bestimmtes Bild zu vermitteln. Vorausgesetzt, sie haben das Bedürfnis nach einem Auditorium (Renner et al., 2005).

3.1.6 Strategien derSelbstdarstellung

Selbstdarstellung kann sowohl positiv charakterisiert sein, als auch auf negative Weise erfolgen. Bei der Strategie des self-promotion (hierbei weist der darstellende Akteur auf die eigenen Vorzüge hin) wird beispielsweise von positiver Selbstdarstellung gesprochen (Bierhoff & Frey, 2011; Mummendey, 1995). Weitere Strategien positiver Selbstpräsentation sind u.a. self-enhancement (Erhöhung des Selbstwerts), entitlements (durch positive Selbstzuschreibungen wird der Anspruch gehobener Ambitionen kommuniziert) und boosting (der Darstellende versucht, durch positive Beurteilungen anderer, eine Aufwertung des eigenen Selbst zu erwirken). Im Zuge der Strategie des ingratiation, wird vom Akteur der Versuch unternommen, sich durch seine Handlung bei anderen beliebt zu machen, sich einzuschmeicheln. Mittels exemplication zielt der Darsteller darauf ab, gegenüber seinem Publikum - ethisch, moralisch -, vorbildlich zu erscheinen (Bierhoff & Frey, 2006; Mummendey, 1995). Die Strategie des self-handicapping, d.h. die eigenen Vorzüge und Leistungen abwerten, gilt neben supplication (Hilfsbedürftigkeit vermitteln) und intimidation (das Publikum durch Selbstinszenierung einschüchtern) als eine der Formen negativer Selbstdarstellung. (Bierhoff & Frey, 2011).

3.1.7 Merkmale der Selbstdarstellung

Nachfolgend erfolgt eine Abgrenzung der alltäglichen reellen Selbstdarstellung von der - für diese Arbeit relevanten - virtuellen Inszenierung des Selbst innerhalb sozialer Netzwerke.

Selbstdarstellung im Alltag

Im Alltag ist Selbstdarstellung vornehmlich durch körperliche Erscheinung gekennzeichnet. Das Selbst des darstellenden Akteurs (Sender) wird dem Adressaten hier durch physische, akustische, olfaktorische etc. Attribute kommuniziert. In gewisser Hinsicht kann die Selbstdarstellung sogar durch ein Telefonat oder einen Brief erfolgen, also unabhängig von körperlicher Präsenz (Misoch, 2004). Die Selbstpräsentation erfolgt im alltäglichen Umgang auf folgenden Ebenen (Misoch, 2004):

1. Körperebene
Der Körper lässt sich im unmittelbaren Kontakt kaum bzw. nur mit bedeutendem Aufwand ausblenden. Daher gilt dieser bei der Selbstdarstellung als das großflächigste Feld. Die Körperebene beinhaltet den Körper mit seinen Merkmalen: Geschlecht, Hautfarbe, Körperzeichen, Konstitution, Körperhaltung, Gesicht, Stimme und Geruch.
2. Inhaltsebene
Diese Ebene besteht aus sprachlich kommunizierten Inhalten des sendenden Individuums. Die Inhalte bestehen hierbei aus Informationen, die der Sender von und über sich dem Empfänger bewusst mitteilt.
3. Attributebene
Hierzu zählen Attribute, die außerhalb des eigenen Körpers sowie der Körper- und Sprachzeichen des Senders liegen: Bekleidung, Schmuck, Auto, Wohnung etc.

Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken

Wie bereits Kapitel 2.4 aufzeigen konnte, handelt es sich bei der Möglichkeit, das eigene Selbst zu inszenieren, um eines der bedeutendsten Motive, das Menschen veranlasst, Profile in sozialen Netzwerken anzulegen und darüber hinaus aktiv, aufwertend zu gestalten. Die Möglichkeit, das eigene Selbst mit einfachen Mitteln und ohne großen Aufwand gleichzeitig einem weltweiten Publikum zur Verfügung zu stellen, scheint für die Nutzer sozialer Netzwerke ein besonders verführerischer Aspekt zu sein (Renner et al., 2005; Krämer & Winter, 2008).

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf Selbstdarstellungstendenzen in sozialen Netzwerken, folglich im virtuellen und nicht alltäglichen Kontext. Demgemäß sind für diese Untersuchung, die konkreten Möglichkeiten virtueller Selbstdarstellung relevant.

Im Zuge der elektronisch vermittelten Kommunikation ist es nicht möglich, personale Sinnesdaten unvermittelt zu übertragen. Der Sender muss infolgedessen alle Zeichen bewusst-z.B. in Text - transformieren, eingegeben und versenden. Nur so sind sie vom Rezipienten, mittels Computer, zu empfangen (Misoch, 2004).

Allgemein lässt sich die virtuelle Selbstdarstellung innerhalb sozialer Netzwerken anhand von vier Kennzeichen charakterisieren (Misoch, 2004, S. 130 ff.):

- „Körperlosigkeit der Selbstdarstellungsprozesse“
Die fehlende körperliche Präsenz ist eines der grundlegenden Charakteristika virtueller Selbstdarstellung. Demgemäß erfolgt die Präsentation des Körpers, des Gesichts, der Mimik und Gestik, der Bekleidung, Körperhaltung etc. anders, als wie sie im Rahmen der alltäglichen Selbstdarstellung üblich ist, hier anhand von Medien wie beispielsweise Text und Bild.
- Textuelle und bildliche Selbstpräsentation
Im Rahmen der computervermittelten Kommunikation erfolgt die Präsentation des Selbst mithilfe von textuellen und bildlichen Kennzeichen.
- Bewusste Präsentation des konstruierten Selbst
Angesichts der Körperlosigkeit obliegt der Selbstpräsentation im virtuellen Kontext ein entscheidender Kontrollvorteil. Im Zuge der virtuellen Selbstdarstellung senden Individuen nicht automatisch Signale, die möglicherweise unerwünscht sind. Anders bei der alltäglichen Selbstpräsentation, wo dies aufgrund einer unvermeidbaren körperliche Präsenz, mitunter der Fall ist.
- „Simulationspotenzial computervermittelterZeichen“
Die Synergie des Kontrollvorteils sowie der medialen Vermittlung offenbart dem aktiven Individuum (Sender) einen freien Konstruktionsraum innerhalb der virtuellen Selbstdarstellung. Folglich eröffnet sich dem Darsteller die Möglichkeit, sein Selbst selektiv darzustellen (Misoch, 2004, S. 130 ff.). Ferner ist auch die Schaffung von Pseudo-Identitäten leicht realisierbar, so ist es beispielsweise mühelos möglich, sich online als sportlich und muskulös zu beschreiben, obwohl dies nicht der Realität entspricht. Die Gefahr, dass die Dissonanz zwischen wahrem Selbst und virtuell konstruiertem Selbst erkenntlich wird, ist im Zuge der virtuellen Selbstpräsentation deutlich geringer als bei der alltäglichen Selbstdarstellung (Haferkamp, 2010).

Selbstdarstellung auf Instagram:

Die zuvor dargestellten Möglichkeiten der Selbstdarstellung sind auch auf Instagram zu realisieren: Innerhalb des Profils kann jeder Instagram-Nutzer beliebige Bilder und Videos hochladen und in der Folge mit anderen Nutzern des Netzwerks teilen. Darüber hinaus können die Bilder und Videos im Vorfeld über die App bearbeitet und mit verschiedenen Filtern und Effekten optisch aufgewertet werden. Des Weiteren kann der Nutzer die geteilten Medien mit Informationen (Titel bzw. Beschreibung sowie Hashtags2 ) versehen. Weitere Wege, Selbstdarstellung zu vollziehen, offenbart beispielsweise die Option, Medien anderer Nutzer zu kommentieren und zu liken (d.h. über einen Button die eigene Wertschätzung mitzuteilen) (Kobilke, 2014; Gruber, 2014).

3.2 Persönlichkeit

Die Persönlichkeit hat für diese Arbeit einen primären Stellenwert. Folglich soll im Rahmen dieses Kapitels auf diese Thematik eingegangen werden. Einleitend wird der Begriff der Persönlichkeit näher definiert (Kapitel 3.2.1). Daraufhin folgt in Kapitel 3.2.2 ein Einblick in das für diese Untersuchung relevante Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit. Schließlich erfolgt eine Erörterung der Persönlichkeitsdimensionen dieses Modells (Kapitel 3.2.3). Hierauf folgt in Kapitel 3.2.4 eine Darlegung der für die Studie ebenfalls relevanten Variable Narzissmus.

3.2.1 Definition des Konstrukts Persönlichkeit

Das Konstrukt der Persönlichkeit stößt seit jeher auf ein reges Interesse in der Wissenschaft. Ungeachtet dessen, existiert keine einheitliche Definition. Gleichwohl ähneln sich die Begriffsdeutungen stark in ihrem Ansatz; die Konzepte der Einzigartigkeit und der charakterlichen Verhaltensmuster nehmen dabei stets eine entscheidende Bedeutung ein (Gerrig & Zimbardo, 2008).

Der Begriff Persönlichkeit hat seinen historischen Ursprung im Lateinischen. Dort wurde er von persona, zu Deutsch: die Maske, abgeleitet. Im wissenschaftlichen Kontext erlangte der Begriff erstmals im Jahre 1937 durch die Arbeiten des US-amerikanischen Persönlichkeitsforscher Gordon Allport an Bedeutung. Fortan wurde Persönlichkeit innerhalb der Psychologie zunehmend dazu verwendet, individuelle Differenzen begreiflich zu machen (Maltby, Day & Macaskill, 2011).

Im Rahmen einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2012 von Asendorpf und Neyer (2012) wird die menschliche Persönlichkeit von den Autoren als die gesamten Persönlichkeitsmerkmale einer Person, d.h. die individuellen Eigenheiten in Bezug auf die physische Erscheinung sowie den Ausprägungen des Verhaltens und Erlebens einer Person, verstanden.

Anwendung findet die Persönlichkeit in der Forschung der empirischen Persönlichkeitspsychologie (Jonas et al., 2014). Ursprünglich wurde diese zum besseren Verständnis von psychischen Störungen sowie von der Norm abweichenden Verhaltensweisen entwickelt (Maltby et al., 2011). Um konkrete Aussagen in Bezug auf die Persönlichkeit eines Individuums zu treffen, ist es unabdingbar, dass die Persönlichkeitsmerkmale messbar sind. Zudem verlangt die Disziplin, die empirische Prüfbarkeit der persönlichkeitspsychologischen Aussagen (Asendorpf & Meyer, 2012).

Das Interesse von Persönlichkeitspsychologen gilt folglich den individuellen Eigenschaften und deren Einfluss auf das Verhalten einer Person, die zu einem abweichenden Verhalten in einer vergleichbaren sozialen Situation führen. Die Frage nach der Entwicklung der verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale stellt ein zentrales Interessengebiet der Forscher dar (Jonas et al., 2014).

3.2.2 Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit

Das Fünf-Faktoren-Modell, informell auch als Big Five bezeichnet (Gerrig & Zimbardo, 2008, zit. nach McCrae & Costa, 1999), gilt heutzutage als eines der meist angewendeten Modelle der Persönlichkeitsforschung. Es gilt als Konsens unter den Wissenschaftlern, dass fünf Persönlichkeitsmerkmale hinreichend sind, um die Persönlichkeit eines Individuums zu beschreiben (Maltby et al., 2011).

Das Konzept basiert auf dem lexikalischen Ansatz von Allport und Odbert, im Rahmen dessen, die Forscher das gesamte Lexikon nach Merkmalszuschreibungen durchsuchten und diese anschließend auf eine limitierte Anzahl reduzierten (Asendorpf & Neyer, 2012). In nachfolgenden Arbeiten, u.a. von Eyseneck und Catell, wurde die Liste von Allport und Odbert immer weiter strukturiert. Mithilfe der daraus resultierenden Eigenschaften, wurden bipolare Eigenschaftsdimensionen entwickelt, d.h. „Dimensionen, die zwischen einem hohen und einem geringen Ausprägungspol variieren, wie beispielsweise verantwortungsbewusst vs. verantwortungslos.“ Mittels dieser Faktoren sollten im nächsten Schritt Personen, Selbst- und Fremdbeurteilungen, vornehmen. Anschließend erfolgte eine Prüfung dieser Bewertungen durch diverse statistische Verfahren. Hiermit sollte geklärt werden, inwiefern die jeweiligen Eigenschaften zusammenhängen. In Folge dieses Vorgehens konkludierten voneinander unabhängige Forscher, dass lediglich fünf grundlegende Dimensionen existieren, die aus den Merkmalsbezeichnungen entspringen, mithilfe derer, Individuen sich selber sowie andere wiedergeben (Gerrig & Zimbardo, 2008, S. 508 f.).

Nach und nach wurde das - ursprünglich auf englischsprachigen Bezeichnungen basierende - Fünf-Faktoren-Modell auch in weitere Sprachen u.a. Deutsch, Hebräisch, Chinesisch und Japanisch übertragen. Von der Universalität des Konzepts ist auszugehen (Gerrig & Zimbardo, 2008, zit. nach McCrae & Costa, 1997).

3.2.3 Die Dimensionen des Fünf-Faktoren-Modells

Die Grundlage des Fünf-Faktoren-Modells bilden die fünf unabhängigen Dimensionen Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Offenheit für Erfahrungen. Dabei integriert jede Dimension eine große Anzahl verschiedener Persönlichkeitsmerkmale (Gerrig & Zimbardo, 2008). Die fünf Faktoren verändern sich über den gesamten Verlauf des Erwachsenenlebens nur marginal (Lang, 2009). Nachfolgend werden in Tabelle 3-1 die einzelnen Faktoren mit ihren jeweiligen bipolaren Definitionen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3-1: Bipolare Definitionen der Dimensionen des Fünf-Faktoren-Modells(Gerrig & Zimbardo, 2008; Brailovskaia & Bierhoff, 2014)

Extraversion gibt an, wie gesellig, heiter, energisch und kommunikativ ein Mensch nach außen hin ist. Mit der Verträglichkeit wird der Umgang mit anderen Menschen, das Einfühlungsvermögen sowie das Verständnis und Vertrauen eines Individuums gemessen. Gewissenhaftigkeit beschreibt die Organisationsfähigkeit und Zuverlässigkeit einer Person. Das individuelle Management mit negativen Erfahrungen sowie die emotionale Labilität wird anhand des Neurotizismus gemessen. Die Offenheit für Erfahrungen benennt das Maß an Interesse für Neues und Unbekanntes eines Menschen (Machill et al., 2013).

3.2.4 Narzissmus als Persönlichkeitsvariable

Im Rahmen der empirischen Untersuchung wird neben verschiedenen Dimensionen des Fünf-Faktoren-Modells auch die Variable Narzissmus getestet. Narzissmus wird als ein erhöhter Egozentrismus und Selbstbezug eines Individuums begriffen. Menschen mit ausgeprägten Narzissmus tendieren u.a. zu einer überhöhten Ich-Bezogenheit, Selbsteinschätzung, Mangel an Empathie, verstärktes Interesse an der eigenen Person sowie Betonung von Erfolg und Macht (Brailovskaia & Bierhoff, 2014, zit. nach Bierhoff & Herner, 2009; Herner, 2008; Paulhus, 2001). Narzissmus wird in der Literatur auch als Persönlichkeitsstörung (F60.8 nach ICD-10) verstanden (Asendorpf, 2015; Kernberg & Hartman, 2006). Die vorliegende Untersuchung wird sich hingegen auf eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur, sprich narzisstische Wesenszüge eines Individuums, beschränken.

3.3 Empirische Hinweise auf den Einfluss der Persönlichkeit aufSelbstdarstellungstendenzen in sozialen Netzwerken

Im Folgenden werden Untersuchungen vorgestellt, die Erkenntnisse bzgl. eines möglichen Einflusses der Persönlichkeitsvariablen auf Selbstdarstellungstendenzen in sozialen Netzwerken untersucht haben.

Sowohl Krämer und Winter (2008) als auch Banczyk, Krämer und Senokozlieva (2008) kommen im Zuge ihrer Studien zu der Erkenntnis, dass insbesondere Personen mit einer ausgeprägten Extraversion dazu tendieren, einen besonderen Aufwand, einer aufwertenden Profilgestaltung, zu betreiben (Haferkamp, 2010).

Pavica Sheldon von der University of Alabama postuliert infolge ihrer Untersuchung aus dem Jahr 2013, dass Introvertierte die sozialen Netzwerke in Hinblick auf die verbrachte Online-Zeit (Nutzungsdauer) besonders intensiv nutzen. Die Aktivitäten der Introvertierten sind allerdings gegenüber den Extravertierten bedeutend geringer: Extravertierte beteiligen sich demnach, trotz einem geringeren Zeitaufwand, aktiver an der Community (Saum-Aldehoff, 2015).

In Bezug auf etwaige Geschlechtsunterschiede konnte die Studie von Petersen und Macafee (2008) konstatieren, dass weibliche Nutzer angesichts ihrer sozialen online Aktivitäten einen erhöhten Aufwand in die aufwertende Formgebung ihres Profils investieren (Haferkamp, 2010). Ähnliches können auch Cunningham (2014) und Gruber (2014) darlegen. Ferner konnte Zhang (2015) jüngst aufzeigen, dass im Besonderen Frauen mittels ihrer sozialen online Aktivitäten, in Hinblick auf Geschlechterrollenbilder, verstärkt dazu tendieren, ein beispielhaftes Exempel im Sinne von Weiblichkeit zu statuieren.

In einer weiteren Untersuchung der Nutzerpersönlichkeit sozialer Netzwerke können Buffardi und Campbell (2008) den Beleg erbringen, dass im Besonderen Personen mit hohen Narzissmus-Werten, aufwertende Informationen (self-promoting- content) innerhalb ihrer Profile kommunizieren (Haferkamp, 2010). Narzissmus als Persönlichkeitsvariable ist gekennzeichnet durch ein eingeschränktes Einfühlungsvermögen (Empathie), Stimmungsschwankungen, Selbstüberschätzung sowie Überempfindlichkeit hinsichtlich Kritik (Asendorpf& Neyer, 2012).

Vor dem Hintergrund möglicher Zusammenhänge zwischen Neurotizismus und Selbstdarstellung kann die Untersuchung von Banczyk et al. (2008) darlegen, dass Menschen mit hohen Neurotizismus-Werten, einen marginalen Aufwand hinsichtlich ihrer Profilgestaltung betreiben. Sie tendieren verstärkt dazu konservative Profile, mit gering individualisierten Elementen, zu verwenden (Haferkamp, 2010).

Anhand einer breit angelegten Untersuchung der textuellen Sprachgewohnheiten (im Zuge sozialer online Aktivitäten) von 7500 Probanden, kommen Schwarz et al. zu der Einsicht, dass insbesondere Menschen mit geringen Neurotizismus-Werten, anhand ihrer sozialen online Aktivitäten vermitteln, dass sie ihr Leben im Griff haben. Weiterhin können die Autoren aufzeigen, dass die Probanden mit einem ausgeprägten Neurotizismus, zu einer vermehrten Nutzung des Wortes warum neigen. Nach Ansicht der Forscher wird dadurch eine gewisse Hilf- sowie Hoffnungslosigkeit ausgedrückt (Schwartz et al., 2013).

Fazit:

Insgesamt lässt sich in Hinblick auf die empirischen Untersuchungsergebnisse aus der Vergangenheit schlussfolgern, dass die Persönlichkeitsvariablen - zumindest partiell - einen Einfluss auf die Selbstdarstellungstendenzen von Individuen innerhalb sozialer Netzwerke haben (Banczyk et al., 2008; Haferkamp, 2010, zit. nach Buffardi & Campbell, 2008; Krämer & Winter, 2008).

3.4 Entwicklung des integrativen Modells für die Arbeit

Im Rahmen dieser Untersuchungen sollen die Auswirkungen der unabhängigen Variablen der Persönlichkeit Extraversion, Neurotizismus und Narzissmus sowie der soziodemografischen Variable Geschlecht, auf die abhängigen Variablen der Selbstdarstellung Eigenwerbung, Einschmeicheln, Beispielhaftigkeit, Einschüchtern und Anbiedern sowie der Nutzungsverhalten Variable Nutzungsintensität überprüft werden.

Auf Grundlage der in Kapitel 3.3 dargelegten empirischen Erkenntnisse bisheriger relevanter Studien ergibt sich ein integratives Modell für das vorliegende Forschungsvorhaben, das in der nachfolgenden Darstellung visualisiert wird (vgl. Abbildung 3-3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-3: Integratives Modell fürdiese Untersuchung

Eine Operationalisierung der Variablen erfolgt im Rahmen von Kapitel 4.5.1 dieser Arbeit.

3.5 Formulierung der Forschungshypothesen

Im Folgenden werden die Forschungshypothesen aufgestellt, die für die abschließende Beantwortung der Forschungsfrage dieser Untersuchung, inwieweit die Persönlichkeitsvariablen einen Einfluss auf die Selbstdarstellungstendenzen in sozialen Netzwerken haben, relevant sind. Die Forschungshypothesen basieren auf dem zuvor in Kapitel 3.4 entwickelten integrativen Modell des vorliegenden Forschungsvorhabens.

Hypothese 1 (Hi): Es wird angenommen, dass die unabhängige Variable Extraversión positiv korreliert mit der abhängigen Variable Eigenwerbung.

Die erste Hypothese (H1) leitet sich aus den Erkenntnissen von Krämer und Winter (2008); Banczyk et al. (2008) sowie Sheldon (2013) ab. Diese Untersuchungen können zeigen, dass vor allem Personen mit einer ausgeprägten Extraversion dazu neigen, einem verstärkten Aufwand im Zuge der aufwertenden Profilgestaltung zu betreiben (vgl. Kapitel 3.3).

Hypothese 2 (H2): Es wird angenommen, dass die unabhängige Variable Extraversión negativ korreliert mit der abhängigen Variable Nutzungsintensität.

Hypothese 2 wird abgeleitet aus den Ergebnissen der Studie von Sheldon (2013), die besagen, das Introvertierte mehr Zeit in ihre sozialen online Aktivitäten investieren als es bei Extravertierten der Fall ist (vgl. Kapitel 3.3).

Hypothese 3 (H3): Es wird angenommen, dass bei Frauen die abhängige Variable Eigenwerbung höher ist als es bei Männern.

Auf Grund der Erkenntnisse von Petersen und Macafee (2014), Cunningham (2014) sowie Gruber (2014), dass Frauen verstärkt aufwertende Profilgestaltung praktizieren, erfolgte die Ableitung der Forschungshypothese 3 (vgl. Kapitel 3.3).

Hypothese 4 (H4): Es wird angenommen, dass die unabhängige Variable Narzissmus positiv korreliert mit der abhängigen Variable Eigenwerbung.

Unter Verwendung der Erkenntnisse von Buffardi und Campbell (2008), die konstatieren, dass vornehmlich Personen mit hohen Narzissmus-Werten, selbst-aufwertende Informationen in ihren Online Profile kommunizieren, wird Hypothese 4 aufgestellt (vgl. Kapitel 3.3).

Hypothese 5 (H5): Es wird angenommen, dass die unabhängige Variable Neurotizismus negativ korreliert mit der abhängigen Variable Eigenwerbung.

Hypothese 5 wird aus den Untersuchungsergebnissen von Banczyk et al. (2008) abgeleitet, die aufzeigen, dass Menschen mit hohen Neurotizismus-Werten, zu konservativen Profile mit gering individualisierten Elementen tendieren (vgl. Kapitel 3.3).

Hypothese 6 (H6): Es wird angenommen, dass die unabhängige Variable Neurotizismus positiv korreliert mit der abhängigen Variable Einschüchtern.

Hypothese 7 (H7): Es wird angenommen, dass die unabhängige Variable Neurotizismus positiv korreliert mit der abhängigen Variable Anbiedern.

Emotional wenig belastbare Menschen neigen zu hohen Werten im Neurotizismus. Sie gelten allgemein als ängstlich, instabil und launisch (vgl. Kapitel 3.2.3). Die Ableitung von H6 und H7 resultiert unter anderem aus den Ergebnissen der Studie von Schwartz et al. (2013), die darlegen, dass Menschen mit erhöhtem Neurotizismus im Zuge ihrer sozialen online Aktivitäten kommunizieren, sie hätten ihr Leben im Griff (vgl. Kapitel 3.3). Ein weiter Aspekt bei der Formulierung dieser Hypothesen ist die Annahme, dass diese Menschen tendenziell zu einem instabilen Sozialverhalten neigen.

Hypothese 8 (H8): Es wird angenommen, dass bei Frauen die abhängige Variable Beispielhaftigkeit höher ist als es bei Männern.

Hypothese 8 basiert auf den Erkenntnissen von Zhang (2015), die postulieren, dass insbesondere Frauen soziale Netzwerke dazu nutzen, um eine musterhafte Weiblichkeit, im Sinne derGeschlechterrollenbilder, zu statuieren (vgl. Kapitel 3.3).

Hypothese 9 (H9): Es wird angenommen, dass die unabhängige Variable Narzissmus positiv korreliert mit der abhängigen Variable Einschmeicheln.

H9 wird nicht direkt von den Untersuchungsergebnissen abgeleitet. Sie wird rein hypothetisch, unter Anwendung der Kenntnis, dass Narzissten über ein erhöhtes Interesse an der eigenen Person verfügen (vgl. Kapitel 3.2.4), aufgestellt. Es wird angenommen, dass narzisstische Personen durch ein Einschmeicheln bei anderen, die eigene Beliebtheit erhöhen und somit das Fremdbild zum Positiven verändern wollen. Des Weiteren erfahren sie in der Folge ein positiveres Selbstbild.

4 Methodik

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt in der Exploration, inwieweit Persönlichkeitsvariablen einen Einfluss auf die Selbstdarstellungstendenzen in sozialen Netzwerken haben.

Um diese Fragestellung zu beantworten, erfolgt im Zuge der vorliegenden Arbeit, die Durchführung einer empirischen Untersuchung. Im folgenden Kapitel wird das gesamte methodische Vorgehen bei der empirischen Datenerhebung beschrieben.

Das gesamte Vorgehen, eingeschlossen Planung, Vorbereitung, Durchführung sowie Auswertung der Untersuchung, erstreckte sich über einen Zeitraum von Mitte Oktober bis Ende November 2015.

4.1 Auswahl der Untersuchungsart

Aufgrund der Tatsache, dass das vorliegende Forschungsvorhaben durch eine hohe Anzahl bereits durchgeführter Studien gestützt werden kann, wird bei der vorliegenden Studie explanativ vorgegangen (Raab-Steiner & Benesch, 2008), da empirisch begründete Hypothesen aufgestellt werden können.

Diese Hypothesen werden im Rahmen einer einmaligen Querschnittanalyse mittels der quantitativen Methode der Befragung (elektronischer Fragebogen) getestet. Die Wahl des elektronischen Fragebogens lässt sich auf der einen Seite durch ökonomische Aspekte begründen, andererseits, auf die untersuchte Thematik zurückführen.

Der elektronische Fragebogen wird unter Verwendung des Tools oFb - der onlineFragebogen der Fa. SoSci Survey GmbH bereitgestellt und veröffentlicht. Dabei wurde auf verschiedene etablierte Skalen aus der Wissenschaft zurückgegriffen (vgl. Kapitel 4.3 und 4.4). Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten wurde der Fragebogen elektronisch veröffentlicht. Um die fehlende Anwesenheit des Untersuchungsleiters zu kompensieren und folglich mögliche Komplikationen bei der Fragebogen-Beantwortung durch die Probanden zu verhindern, wurde der Fragebogen mithilfe von einheitlich definierten Anweisungen und Instruktionen standardisiert. Des Weiteren wurde im Vorfeld der Haupt-Untersuchung ein Pretest durchgeführt (vgl. Kapitel 4.5.7). Mit der Veröffentlichung des Fragebogens war dieser jederzeit unter der Internet-Adresse https://www.soscisurvey.de/instagram112015/ zugänglich. Im Zuge der Rekrutierung wurde dieser Link in Verbindung mit dem Anschreiben verbreitet (vgl. Kapitel 4.2) Die Befragung wird verbunden mit einem Gewinnspiel beworben.

[...]


1 Web 2.0 bezeichnet den Wandel des Internets seit der so genannten New Economy, die auf die Dotcom-Blase im Jahr 2000 folgte. Seither wird der Begriff als Überbegriff für verschiedenste Weiterentwicklungen im Internet verwendet (Ebersbach et al., 2011).

2 Der Duden (2015) definiert Hashtag als „mit einem vorangestellten Raute Zeichen markiertes Schlüssel- oder Schlagwort in einem [elektronischen] Text“. Die Nutzer können auf Instagram ihre Fotos und Videos mit Hashtags versehen, um sie als Folge dessen, im Netzwerk anderen Nutzern überdie Suchfunktion, zugänglich zu machen (Instagram, 2015c)

Details

Seiten
136
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668144248
ISBN (Buch)
9783668144255
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314882
Institution / Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
2,1
Schlagworte
persönlichkeit persönlichkeitsvariablen persönlichkeitseigenschaften selbstdarstellung selbstdarstellungsstrategien impression management soziale netzwerke social networks instagram quantitative erhebung fragebogen empirische untersuchung selbstpräsentation selbstinszenierung persönlichkeitsmerkmale testentwicklung diagnostik

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Titel: Der Einfluss von Persönlichkeitsvariablen auf die Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken