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Der Sportunterricht in heterogenen Lerngruppen. Nutzen des fachdidaktischen Konzepts der Mehrperspektivität nach Kurz

Hausarbeit 2015 21 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung heterogene Lerngruppen

3. Das fachdidaktische Konzept von Kurz
3.1 Grundgedanken des mehrperspektivischen Vermittlungsansatzes von Kurz:
3.2 Pädagogische Perspektiven bezogen auf den Sport in heterogenen Lerngruppen
3.2.1 Leistung
3.2.2 Miteinander
3.2.3 Wagnis
3.2.4 Gesundheit
3.2.5 Eindruck
3.2.6 Ausdruck

4. Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungs und Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Kurzdarstellung der Inhalte des mehrperspektivischen Ansatzes nach Kurz (Kuhn, S.15)

Abbildung 1: Pädagogische Perspektiven (Eigenentwurf)

Abbildung 2: Pädagogische Perspektiven auf den Sport in der Schule (Balz 2003, S.155)

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Sport in heterogenen Lerngruppen“ soll innerhalb der vorliegenden Arbeit folgender Fragestellung nachgegangen werden: „Inwiefern bietet das fachdidaktische Konzept von Kurz eine Orientierung für den Sportunterricht in heterogenen Lerngruppen?“ Es gibt zahlreiche unterschiedliche didaktische Konzepte für den Sportunterricht, die alle einen anderen Fokus und teilweise kontroverse Leitgedanken haben. Das Konzept von Kurz beschäftigt sich mit der Mehrperspektivität des Sportunterrichtes. Dazu wurden sechs Perspektiven herausgearbeitet: Leistung, Miteinander, Eindruck, Ausdruck, Wagnis Gesundheit. Diese Sinnrichtungen scheinen nicht vereinbar miteinander zu sein, jedoch können diese miteinander kombiniert und in derselben Sportart realisiert werden. So können je nach Unterrichtsgestaltung unterschiedliche Perspektiven im Vordergrund stehen. Gerade für den Sport in heterogenen Lerngruppen kann diese große Bandbreite hilfreich sein. Denn in jeder Lerngruppe sind Individuen, die völlig unterschiedlich sind, auch wenn beispielsweise alle das gleiche Ziel haben. Es können Unterschiede in der Leistung, Gesundheit, Interessen, Körperbau, etc. vorhanden sein, auf die die Lehrkraft eingehen sollte. Zumindest sieht es das mehrperspektivische Konzept so vor, im Gegensatz zu dem Sportartenkonzept von Söll, welches lediglich die Leistung betrachtet. Daher ist es sinnvoll, wenn von heterogenen Lerngruppen die Rede ist, auf die Mehrperspektivität einzugehen. Ob dieses Konzept allerding eine Orientierung für den Sportunterricht in heterogenen Lerngruppen bieten kann, wird im Folgenden erläutert. Dazu wird zunächst der Begriff Heterogenität beziehungsweise heterogene Lerngruppen erläutert, weil dieser gerade in dem schulischen Kontext sehr komplex ist. Anschließend wird das fachdidaktische Konzept von Kurz ausführlich beschrieben, indem der Grundgedanke und die einzelnen Perspektiven enthalten sind. Abschließend wird ein Ausblick dargelegt, in dem eine Zusammenfassung der Inhalte einbegriffen und die Fragestellung beantwortet wird.

2. Begriffserklärung heterogene Lerngruppen

Das Wort heterogen kommt aus dem Griechischen und bedeutet von verschiedener Abstammung, Art oder Gattung zu sein. Im schulischen Kontext wird Heterogenität auf die Unterschiedlichkeit von Mädchen und Jungen beziehungsweise Jugendlichen bezogen. Hier sind folgende Spezifizierungen hervorzuheben (vgl. Trautmann, Wischer, 2011, S. 37 f):

- Heterogenität wird nicht nur auf ein einzelnes Subjekt bezogen, sondern auf eine Gruppe. In diesem Fall ist das eine Gruppe von SchülerInnen beziehungsweise eine Schulklasse.
- Der Ausdruck bezeichnet Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten. Denn alle Gruppenmitglieder lassen sich nach gemeinsamen Merkmalen, wie Alter oder Geschlecht beschreiben. Diese Ausprägungen können aber bei den Einzelnen sehr verschieden sein. Denn es gibt jüngere oder älter und männliche oder weibliche SchülerInnen.
- Heterogenität ist also nicht als Faktum gegeben, sondern nur als ein Konstrukt, welches von außen zugeschrieben wird. Ausschlaggebend ist, welches Kriterium für den Vergleich von Gruppenmitgliedern gewählt wird. Denn Schülerinnen einer Mädchenschul- Klasse sind im Hinblick auf die Geschlechtszugehörigkeit homogen, trotzdem in Bezug auf andere Merkmale heterogen. Ob ein Lehrer eine Lerngruppe als leistungshomogen oder - heterogen einstuft, hängt eng mit seinen Normalitätsvorstellungen, aber auch vom jeweiligen Kontext ab. So kann das Auftauchen eines Schülers mit besonderem Förderbedarf in einer homogenen Gymnasialklasse zu einer irritierenden Heterogenitätswahrnehmung führen, in einer integrativen Grundschulklasse jedoch nicht.

Es lassen sich noch weitere exemplarische Beispiele nennen, die die Heterogenität näher beschreiben. Der Begriff beinhaltet nicht nur unterschiedliche Potenziale sondern auch Unterschiede in der emotionalen und sozialen Persönlichkeitsentwicklung. Des Weiteren können auch Ungleichheiten in der Körperlichen und gesundheitlichen Entwicklung vorhanden sein. In einer heterogenen Lerngruppe im Sport fallen besonders Differenzen bei den Fähigkeiten der SchülerInnen auf, sodass auch Beeinträchtigungen in den Vordergrund gelangen. Weiterhin von Bedeutung für den Sportunterricht sind unterschiedliche Erfahrungen und Interessen, die bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden sollten. Doch auf diesen Aspekt wird in den nächsten Abschnitten eingegangen (vgl. Weber, 2011, S. 13).

Heterogenität lässt sich in zwei Dimensionen klassifizieren. Das ist zum einen die vertikale und zum anderen die horizontale Heterogenität. Erstere umfasst Unterschiede in dem Leistungsvermögen, welche sich in vielen Arbeitsbereichen des Unterrichts zeigen, sobald die Quantität und Komplexität der Anforderungen gesteigert wird.

Die horizontale Heterogenität beschreibt die unterschiedlichen Interessen, Lernwege und Zugangsweisen der SchülerInnen zu einem Thema oder einer Aufgabenstellung (vgl. Scholz, 2012, S. 9).

Somit beschreibt die vertikale Heterogenität die Unterschiede in den Leistungsniveaus und die horizontale Heterogenität die verschiedenartigen Vorgehensweisen der SchülerInnen um eine Aufgabe zu lösen.

In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff der Heterogenität weit gefasst und bezieht alle Unterschiede mit ein, sodass ein breites Spektrum der Zielgruppe erfasst werden kann.

3. Das fachdidaktische Konzept von Kurz

3.1 Grundgedanken des mehrperspektivischen Vermittlungsansatzes von Kurz:

Zunächst erfolgt eine Begriffsdefinition des fachdidaktischen Konzepts nach Balz (2009, S.25): „Ein fachdidaktisches Konzept ist ein durchdachter schriftlich ausformulierter Entwurf zur Gestaltung des Schulsports“. Es antwortet auf die Fragen Nach dem Auftrag des Schulsports (Warum?), Nach seinen Zielen (Wozu?), Nach seinen Inhaltsbereichen (Was?) und Nach seinen Vermittlungsansätzen (Wie?) Das fachdidaktische Konzept von Kurz findet sowohl in fachdidaktischen Diskussionen zur pädagogischen Gestaltung des Schulsports als auch (oder gerade) in aktuellen Richtlinien und Lehrplänen des Sports seine Verbreitung.

Die Inhalte des Konzepts sollen mit Hilfe der eben genannten Fragen anhand einer Tabelle übersichtlich dargestellt werden, bevor näher auf die Sinnperspektiven eingegangen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Kurzdarstellung der Inhalte des mehrperspektivischen Ansatzes nach Kurz (Kuhn, S.15).

Das Konzept von Kurz wird auch als intermediäres Konzept bezeichnet und erschließt sich aus den pädagogischen Perspektiven und dem Doppelauftrag des Sports: „Erziehung zum und durch Sport“. Durch den mehrperspektivischen Sportunterricht sollen die SchülerInnen zunehmend an handlungs- und Entscheidungsfähigkeit gewinnen, indem sie in ihrer Selbstständigkeit, Urteilskraft und in ihrem Verantwortungsbewusstsein gefördert werden.

Der Sport erschließt sich nach Kurz aus verschiedenen Sinnangeboten, welche die Menschen motivieren, an sportlichen Aktivitäten festzuhalten. Der Sinn des Sports wird von den Aktiven darin gesehen, dass er:

- Gesundheit und Fitness fördert,
- Kontakte zu anderen Menschen aufbaut und vertieft,
- Herausforderungen bietet, sich in Leistungssituationen zu erproben,
- Ein Medium ästhetischer Botschaften und Erfahrungen ist,
- Neuartige und aufregende Bewegungserfahrungen erschließt,
- Spannung und den Reiz des ungewissen Ausgangs bereithält (vgl. Kurz, 1986,in Neumann, 2003, S.62).

Um einen besseren Überblick zu bekommen, wurden die sechs Sinnperspektiven nach Kurz von den Autorinnen in folgender Abbildung dargestellt und werden in Punkt 3.1.1 bis 3.1.6 genauer beschrieben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1:Pädagogische Perspektiven (Eigenentwurf)

Gemäß dem intermediären Konzept geht es vor allem darum, das sportliche Handeln unter verschiedenen Perspektiven heraus zu betrachten, um aus Einsicht und Erfahrung zu lernen, welche sportliche Aktivität in welcher perspektivischen Auslegung persönlich befriedigend verwirklicht werden kann. Dies gilt für alle Inhaltsbereiche vom leichtathletischen Laufen/Springen/Werfen über die Sportspiele bis zum Trendsport (vgl. Balz 2009, S.29-30).Unter bestimmten perspektiven lässt sich demnach mehr lernen, als die bloße motorische Fertigkeit. Kurz schreibt dazu: „Nicht der sportliche Leistungsfortschritt allein ist bedeutsam, sondern der gesamte Erfahrungs- und Entwicklungsprozess, den Schüler in der Auseinandersetzung mit Aufgaben aus dem Sport durchlaufen“ (Kurz in: Balz 2009, S.29).Weiterhin steht das selbstständige Handeln der SchülerInnen beim mehrperspektivischen Sportunterricht im Vordergrund, welches von den Sportlehrkräften durch freie Handlungsspielräume initiiert wird (vgl. Balz 2009, S.29).

Die sechs pädagogischen Perspektiven finden sich unter anderem in den Richtlinien und Schulsportlehrplänen des Bundeslands Nordrhein Westfalen wieder (Siehe Abbildung 2). Laut Neumann gehört Mehrperspektivität zu einem wesentlichen Bestandteil eines zeitgemäßen Sportunterrichts in der Sekundarstufe 1. Allerdings kann bislang nicht von einer einheitlichen Interpretation eines „mehrperspektivischen Sportunterrichts“ gesprochen werden, da die Schulsportlehrpläne zwar Begriffe wie „Sinnkonzept“ oder „pädagogische Perspektiven“ beinhalten, die methodische Ausführung zur Umsetzung jedoch rar und allgemein gehalten ist (vgl. Neumann 2004, S.81). Aus diesem Grund fordert Neumann: „ Lehrpläne müssen, wenn sie überhaupt Auswirkungen auf die Schulsportpraxis haben wollen, das mehrperspektivische Unterrichtskonzept auf allen curricularen Ebenen konsequent und widerspruchsfrei durchzeichnen. Dabei sollte vor allem auf ausführliche methodische Hinweise und Beispiele für die mehrperspektivische didaktische Thematisierung von Unterrichtsinhalten Wert gelegt werden“ (Neumann 2004, S.82). Weiterhin wäre eine Erarbeitung lehrplanergänzender Unterrichtsmaterialien notwendig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Pädagogische Perspektiven auf den Sport in der Schule (Balz 2003, S.155).

Im Folgenden Punkt sollen nun die sechs pädagogischen Perspektiven in Bezug zum Schulsport mit heterogenen Lerngruppen gesetzt werden. Es werden mit Hilfe praktischer Beispiele Realisierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie die jeweiligen Perspektiven im Schulunterricht unter Berücksichtigung einer heterogenen Lerngruppe umgesetzt werden können.

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Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668144170
ISBN (Buch)
9783668144187
Dateigröße
774 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314656
Note
2,0
Schlagworte
Sportunterricht Mehrperspektivität Lerngruppen Kurz fachdidaktisches Konzept Heterogenität heterogene Lerngruppen
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Titel: Der Sportunterricht in heterogenen Lerngruppen. Nutzen des fachdidaktischen Konzepts der Mehrperspektivität nach Kurz