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Sexueller Fetischismus in Sexualpädagogik und Gesellschaft

Seminararbeit 2015 15 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1 Sexualität
2.2 Sexualpädagogik
2.2.1 Politisch-emanzipatorische Sexualpädagogik
2.2.2 individuell-emanzipatorische Sexualpädagogik
2.3 Fetisch und Fetischismus

3. Vertiefung: sexueller Fetischismus
3.1 Erfahrungsbericht Schuhfetisch
3.2 Diagnostik
3.3 Psychoanalytische Entwicklungshypothese
3.4 Verbreitung

4. Erklärungsversuche und kritische Auseinandersetzung
4.1 Bewusstsein für Fetischismus in der Gesellschaft
4.2 Fetischismus als Teil der Sexualpädagogik

5. Schluss mit Fazit

6. Quellenverzeichnis
6.1 Literaturquellen
6.2 Internetquellen

7. Anhang

1. Einleitung

"Es ist normal, verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein.“ [1]

Dieses Zitat von Weizsäckers möchte ich einleitend für meine Hausarbeit zum Thema 'Sexueller Fetischismus als Teil der Sexualpädagogik sowie sein gesellschaftliches Verständnis kritisch betrachtet', verwenden. Denn so verschieden wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch unsere zugehörigen Sexualitäten, wie wir sie besitzen und meist ausleben. Genauso wie es viele verschiedene Geschlechterrollen und Sexualitäten innerhalb unserer Gesellschaft und Kultur gibt, so haben die Menschen, die diese ausleben zahlreiche verschiedene sexuelle Vorlieben. Diese richten sich auch häufig an „sexuelle Handlungen mit einem leblosen Objekt“[2], was als sexueller Fetischismus bezeichnet wird. Darunter fällt beispielsweise auch der Schuh- und Fußfetischismus, mit dem ich als Jugendliche über das Verkaufsforum Kleiderkreisel.de erste Berührungspunkte zu Fetischismen hatte. Ein Fetischist hatte Interesse am Kauf gebrauchter Schuhen oder Strümpfe von mir. Vorher hatte ich noch nie Informationen oder Anhaltspunkte (außer)schulisch über diese Sexualform erhalten, weshalb mir alles zunächst fremd und abschreckend erschien. Aber auch Heranwachsende bzw. Erwachsene wissen diese Vorliebe möglicherweise nicht einzuordnen. Deshalb gehe ich im Folgenden auf die gesellschaftliche Akzeptanz des Fetischismus sowie seine Rolle in der Sexualpädagogik unter kritischer Betrachtung ein. Hierzu stelle ich zunächst relevante Begrifflichkeiten dar, und erläutere die Diagnostik, Verbreitung und Entwicklungshypothesen bezüglich des sexuellen Fetischismus.

2. Begriffsbestimmung

2.1 Sexualität

Zum heutigen Verständnis von Sexualität zählt nicht nur die Fortpflanzung und Lust; auch die Identitätsbildung und die Sozialfunktion - also die Kommunikation und der Bezug zum Partner bzw. die Liebe - stehen im Fokus diesen Begriffes. Neben diesen Aspekten, welche sich alle wechselseitig bedingen, sind mögliche negative Seiten, wie Macht und Last, ebenfalls Teil der Sexualität. Trotz des persönlichen Eigenwertes dieser Funktionen ist die individuelle Sexualität eines jeden Menschen immer auch gesellschaftlich geprägt.[3]

2.2 Sexualpädagogik

Das Sexualitätsverständnis innerhalb der deutschsprachigen Pädagogik lässt sich seit 1950 in vier unterschiedliche sexualpädagogische Positionen unterteilen: traditionellrepressiv, affirmativ-liberal, skeptisch und emanzipatorisch.4 In Bezug auf den sexuellen Fetischismus beschränke ich mich auf letztere Hauptrichtung.

2.2.1 Politisch-emanzipatorische Sexualpädagogik

Diese Konzeption der Sexualpädagogik bestrebt die Befreiung des Individuums aus der gesellschaftlichen Norm und Struktur und fordert somit das freie Entwickeln und selbstbestimmte Ausleben der eigenen individuellen Sexualtität. Für die Förderung sexueller Emanzipation ist die Beeinflussung der Sexualität durch die Gesellschaft zu akzeptieren, nur so kann u. a. eine Entstigmatisierung sexueller Randgruppen sowie eine Bestärkung autonomer Handlungsweisen außerhalb traditioneller Geschlechterrollen geschehen.[4]

2.2.2 individuell-emanzipatorische Sexualpädagogik

Die Entwicklung sexueller Emanzipation, also Selbstbestimmung, -verwirklichung und -sicherheit des Individuums und ebenfalls die Achtung der PartnerInnen und ihre individuelle Sexualität erhält bei der individuell-emanzipatorischen Sexualpädagogik Beachtung. Von besonderer Bedeutung ist daher auch eine Auseinandersetzung gesellschaftlich-politischer Sexualerziehung einschließlich tradierter Geschlechterrollen und Wertezwänge, sowie negative Erfahrungen sexueller Ambivalenz wie Verlust und Leid. Somit geschieht die Förderung eigener Werte und Vorstellungen, die Bejahung des eigenen Körpers, als auch die Findung befriedigender Sexualität.[5]

2.3 Fetisch und Fetischismus

Das sexuelle Hauptinteresse beim Fetischismus beinhaltet den Gebrauch von mindestens einem unbelebten Objekt: einem 'Fetisch'“[6], also nicht menschliche Objekte, Körperteile oder individuelle Eigenarten auf die SexualpartnerInnen bezogen.

Ursprünglich stammt der Begriff aus dem portugiesischen Wort 'fetico' für 'Zauberei', das für geschnitzte Steine und Holzfiguren westafrikanischer Eingeborenen verwendet wurde.[7] Laut Kraft-Ebing war ein Fetich ein deutlich sichtbares auf Stimmung und Persönlichkeit einfließendes (Teil-)Objekt, während ein Fetisch bei sexuellen Perversionen sowie sexuellem Verlangen einschränkend auf das Denken einwirkte. Daraus entstand der Begriff 'Fetischismus' für ein sexuell motivierendes Verhalten.[8]

Zur sexuellen Stimulierung werden die Fetischobjekte zur Masturbation oder während des Geschlechtsverkehrs benutzt, indem sie beispielsweise berührt, berochen oder getragen werden. Hier können diese zur eigenen Nutzung eingesetzt werden oder der Betroffene bevorzugt das Tragen bzw. Benutzen des Objektes beim Sexualpartner. Ohne diese Fetischismen wie z. B. Strümpfe, Schuhe, BHs oder Gerüche, fällt es FetischistInnen sehr schwer, ihre Sexualfunktionen zu initialisieren.[9]

3. Vertiefung: sexueller Fetischismus

3.1 Erfahrungsbericht Schuhfetisch

Beispielhaft zitiere ich nun zur Veranschaulichung den Kommentar eines Schuhfetischisten, welchen ich in dem Forum 'fetish-board.com' las:

„Die letzten Jahre konnte man ja fast alle Frauen im Sommer nur noch mit Sneakersöckchen sehen, wenn sie Sneaker oder Sportschuhe getragen haben. Aber ich weiß nicht, ob es nur mir auffällt, ich finde einige neue Schuhmodelle scheinen die Damenwelt zu animieren, sie wieder barfuß zu tragen. Einmal diese Stoffsneaker, die es überall gibt, vor allem bei H und M. Die tragen hier total viele Mädels und fast alle barfuß. Die finde ich echt klasse. Die sehen nicht nur sexy aus, die sind auch noch superschnell abgelatscht und riechen fast immer ziemlich stark. Aber noch viel besser finde ich Nike Free. Ständig sieht man Mädels barfuß in diesen Schuhen rumlaufen und auch in meinem Bekanntenkreis haben die schon viele. Fast alle von meinen Freundinnen die diese Schuhe haben, tragen sie nur barfuß.“[10]

[...]


[1] von Weizsäcker (1993).

[2] Fiedler, P. (2004), S. 47.

[3] vgl. Raithel, J. et al. (2009), S. 281 f. 4 vgl. Raithel, J. et al. (2009), S. 284.

[4] vgl. Raithel, J. et al (2009), S. 284 ff.

[5] Vgl. Raithel, J. Et al (2009), S. 289 ff.

[6] Fiedler, P. (2004), S. 196.

[7] Vgl. Pfau, Dr. G. (2010).

[8] Vgl. Fiedler, P. (2004), S. 196.

[9] Vgl. Pfau, Dr. G. (2010).

[10] Puma_Liebhaber [Username] (2014).

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668146563
ISBN (Buch)
9783668146570
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314646
Note
2,0
Schlagworte
Sexuelle Bildung Fetischismus Fetischismen Sexualpädagogik Soziale Arbeit Mädchenarbeit Jungenarbeit gesellschaftliches Verständnis Emanzipation Fetisch Schuhfetisch kritisch Teil der Sexualpädagogik politisch-empanzipatorisch individuell-emanzipatorisch Aufklärung Integration

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