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Zivilreligion in den USA - Entstehung - wissenschaftliche Debatte

Aktualität in den Reden von George Walker Bush nach dem 11. September 2001

Diplomarbeit 2002 140 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1. Die Anfänge der Vereinigten Staaten als Nährboden für die Zivilreligion
1.1. Das 17. und 18. Jahrhundert
1.1.1. Die Entstehung des Puritanismus
1.1.2. Die Pilgrims – Die Pilgerväter
1.1.2.1. Der Mayflower Compact – Der Mayflower-Pakt
1.1.3. Die Massachusetts Bay Kolonie
1.1.3.1. John Winthrop
1.1.3.1.1. A Modell of Christian Charity – Ein Modell christlicher Nächstenliebe
1.1.3.2. Demokratie in der Massachusetts Bay Kolonie
1.1.3.3. Die Puritaner und religiöse Toleranz
1.1.3.4. Das Erbe der Puritaner
1.1.4. Weitere Kolonien
1.1.4.1. Rhode Island
1.1.4.2. Maryland
1.1.5. Die weitere Entwicklung
1.1.5.1. Das First Great Awakening – Das Erste Große Erwachen
1.1.5.1.1. Der Predigstil
1.1.5.1.2. Der Puritanismus und sein Beitrag zur religiösen und politischen Freiheit
1.1.5.1.3. Die Religion im Dienst der Freiheit
1.1.5.2. Das Second Great Awakening – Das Zweite Große Erwachen
1.1.5.2.1. Freiheit und Freiwilligkeit
1.1.5.2.2. Der Aufschwung religiöser Gruppen
1.1.5.3. Eine Zusammenfassung der Tendenzen
1.2. Eine Nation erblickt das Licht der Welt
1.2.1. Thomas Jefferson (1743-1826)
1.2.2. James Madison (1751-1836)
1.2.3. Der freie Wille
1.2.4. The Declaration of Independence – Die Unabhängigkeitserklärung
1.2.5. Das Thema Religionsfreiheit in Virginia
1.2.5.1. Memorial and Remonstrance – Mahnmal und Protest
1.2.5.2. Statut über die Religionsfreiheit
1.2.6. The Constitution – Die Verfassung
1.2.6.1. The First Amendment – Der Erste Zusatzartikel zur Bundesverfassung
1.2.7. Thomas Jeffersons Briefwechsel
1.2.7.1. Thomas Jefferson an Benjamin Rush, Washington, 21. April 1803
1.2.7.2. Thomas Jefferson an James Madison, Monticello, 11. April 1823
1.3. Zusammenfassung und Überleitung

2. Die Theorie der Zivilreligion
2.1. Zur Person Robert Bellahs
2.2. Civil Religion in America
2.3. Die Zivilreligion in der Geschichte
2.3.1. Die Ursprünge in der Antike
2.3.2. Die Zivilreligion in der neueren Zeit
2.3.2.1. Jean-Jacques Rousseau als Begründer der Zivilreligion
2.4. Weitere Befürworter der Zivilreligion
2.4.1. Sidney E. Mead
2.4.2. Andrew Greeley
2.4.3. Alfred Balitzer
2.4.4. Weitere Meinungen
2.5. Die Kritik an der Zivilreligion
2.5.1. Die politische Theologie bei Jürgen Moltmann
2.5.2. Weitere Kritikpunkte
2.6. Martin E. Marty
2.6.1. Zwei Arten zweier Arten von Zivilreligion
2.6.1.1. Der priesterliche Aspekt einer Nation unter Gott
2.6.1.2. Der prophetische Aspekt einer Nation unter Gott
2.6.1.3. Der priesterliche Aspekt der selbsttranszendenten Nation
2.6.1.4. Der prophetische Aspekt der selbsttranszendenten Nation
2.7. Bellahs eigene Beurteilung
2.8. Weitere Aspekte der Zivilreligion Bellahs
2.9. Bellahs eigene Weiterentwicklung
2.10. Zusammenfassung und Überleitung

3. Religiöse Rhetorik
3.1. Abraham Lincoln
3.1.1. Gettysburg Address
3.1.2. Zweite Antrittsrede Lincolns am 04. März 1865
3.2. Exkurs – Rhetorik
3.3. George Walker Bush: Die Person
3.3.1. A Charge to Keep
3.3.1.1. Bush und die Rolle Amerikas in der Welt
3.3.1.2. Bushs religiöse Einstellung
3.4. Der 11. September und die amerikanische Zivilreligion
3.4.1. Analyse der Reden
3.4.1.1. Die ersten Reaktionen von Präsident Bush
3.4.1.2. Amerika als Licht der Freiheit in der Welt
3.4.1.3. Die Symbolik des Blutes
3.4.1.4. Der Gottesknecht
3.4.1.5. Der Heilige Krieg
3.4.1.6. Der apokalyptische Kampf
3.4.1.7. Das Gebet
3.4.1.8. Gerechtigkeit
3.4.1.9. Die Einheit Amerikas
3.4.1.10. Amerika als Retter und als messianische Gestalt
3.4.1.11. Die Flagge
3.5. Zusammenfassung

4. Abschliessende Zusammenfassung und Resümee

Anhang
1. The Mayflower Compact, 1620
2. John Winthrop, A Modell of Christian Charity, 1630
3. Jefferson, Thomas, Originalentwurf der Grabinschrift
4. The Declaration of Independence, 04. Juli 1776
5. The Declaration of Independence, Jeffersons Entwurf
6. Madison, James, Memorial and Remonstrance (Mahnmal und Protest), 20. Juni 1785
7. Jefferson, Thomas, Statute for Establishing Religious Freedom (Statut über die Errichtung der Religionsfreiheit), 16. Jänner 1786
8. Virginia, Constitution, überarbeitete Version aus dem Jahr 1971
9. Maryland, Declaration of Rights, letztgültige Fassung aus dem Jahr 1867
10. Verfassung der USA, Erster Zusatzartikel
11. Massachusetts, Bill of Rights
12. Jefferson, Thomas, An Benjamin Rush, Washington, 21. April 1803
13. Jefferson, Thomas, An John Adams, Monticello, 11. April 1823
14. Lincoln, Abraham, Gettysburg Address, 19. November 1863
15. Lincoln, Abraham, Second Inaugural Address, 4. März 1865
16. A Charge to Keep
17. Bush, George W., President’s Remarks at National Day of Prayer and Remembrance, 14.09.2002

Bibliographie

Webliographie

Abbildungen

Interviews

Vorwort

Die Idee, eine Diplomarbeit über die USA zu verfassen, stammt eigentlich aus der Zeit meines einjährigen Studienaufenthaltes an der jesuitischen Seattle University (Seattle, Washington) im Studienjahr 1998/99. Konkretere Formen nahm das Vorhaben Diplomarbeit im vergangenen Sommer und nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 an.

Im Zuge der Literatursuche für diese Arbeit und um amerikanische Theologen, Soziologen und Politwissenschafter zum Thema Zivilreligion befragen zu können, flog ich im Jänner 2002 für sechs Wochen wieder nach Seattle.

Die Bibliotheken der Seattle University und der staatlichen University of Washington boten mir mehr als genug Literatur. Die Gespräche, die ich mit den verschiedenen Professoren an der Seattle University führte, waren ein wesentlicher Teil meines Arbeitsvorhabens während der Dauer meines Aufenthaltes. Der persönliche Zugang der einzelnen Professoren zum Thema Zivilreligion hat wesentlich zu meinem eigenen Verständnis beigetragen.

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle meinem Betreuer Herrn Dr. Kurt Remele, der mir mit seiner wissenschaftlichen Kompetenz und seiner Kenntnis der religiösen, gesellschaftlichen und politischen Situation der USA hilfreich zur Seite gestanden ist, und dem Büro für Auslandsbeziehungen der Karl-Franzens-Universität Graz, welches mir den Auslandsaufenthalt ermöglichte.

Danken möchte ich auch den Professoren der Seattle University, allen voran Fr. Peter Ely, SJ, der mit half, die Kontakte zu den einzelnen Professoren herzustellen und mir auch sonst so manche Tür an der Universität öffnete, und Dr. Mark L. Taylor, der mich während der sechs Wochen wissenschaftlich betreute.

Das Korrekturlesen übernahmen Frau Mag.a Karin Petter, Herr Peter Waltersdorfer und Herr Bernd Zwattendorfer. Ich möchte mich bei ihnen bedanken, daß sie sich trotz der anstehenden Prüfungen die Zeit nahmen, meine Rechtschreibfehler aufzuspüren.

Da ich zur Erstellung dieser Arbeit hauptsächlich englische Literatur verwendete, mußte ich die Zitate selbst übersetzten. Ich habe mir dabei Mühe gegeben und glaube, daß ich ihren Sinn gut wiedergegeben habe. Ein Dank an dieser Stelle noch an Frau Martina Rück, die meine Übersetzungen Korrektur gelesen hat.

Zum Schluß möchte ich noch eine kurze Anmerkung zum Thema political correctness hinzufügen. Ich dachte lang darüber nach, wie ich der inclusive language gerecht werden kann, fand aber keine Form, die mich persönlich zufrieden gestellt hätte. Ich möchte daher festhalten, daß ich die weibliche Form immer miteinbeziehe, auch wenn ich in meiner Arbeit nur die grammatikalisch männlichen Formen verwende.

Einleitung

In den Vereinigten Staaten ist ja der Souverän religiös, und deshalb wird die Heuchelei verbreitet sein; dennoch ist Amerika in der Welt der Ort, wo die christliche Religion am meisten wirkliche Macht über die Seelen bewahrt; und wie nützlich und natürlich sie den Menschen ist, zeigt sich am besten darin, daß das Land, wo sie heute die größte Macht ausübt, zugleich das aufgeklärteste und das freieste ist.[1]

So beurteilte Alexis de Tocqueville, ein französischer Historiker und politischer Schriftsteller, nach seinem Besuch der Vereinigten Staaten in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts das dortige Verhältnis zwischen Religion und Staat. Ihren besonderen Ausdruck findet dieses Verhältnis in der Zivilreligion. Sie und ihren Einfluß auf die Reden von Präsident George W. Bush bilden das Thema dieser Arbeit.

Das erste Kapitel gewährt einen Überblick über die Faktoren, die zur Entstehung der Zivilreligion beigetragen haben. Viele ihrer Symbole haben sich noch aus der Zeit der ersten Siedler gehalten. Zur Sprache kommen die ersten Siedler, die religiöse Einstellung der Puritaner und der Gründerväter der Vereinigten Staaten.

Im zweiten Kapitel wird die Theorie der Zivilreligion untersucht. Den Beginn bildet Robert Bellah, der mit seinem Artikel Civil Religion in Amerika im Jahre 1967 eine regelrechte Debatte über die religiösen und gesellschaftlichen Verhältnisse in den USA einleitete. Sein Beitrag fand zahlreiche Befürworter und Kritiker. Einige von ihnen werden exemplarisch behandelt. Den Abschluß des zweiten Kapitels bildet ein Blick auf Bellahs eigene Weiterentwicklung.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 erschütterten das amerikanische Selbstverständnis und riefen eine Rhetorik ins Leben, die apokalyptische Ausmaße annahm. Gegenstand der Untersuchungen des dritten Kapitels bilden – nach einem kurzen allgemeinen rhetorischen Teil – der Sprachgebrauch von Präsident Bush und seine Verwendung der zivilreligiösen Symbolik.

Den Abschluß dieser Arbeit bilden eine kurze Zusammenfassung sowie meine eigene Beurteilung.

1. Die Anfänge der Vereinigten Staaten als Nährboden für die Zivilreligion

Religion und Politik waren in Amerika[2] schon vor der Gründung der USA eng miteinander verbunden. Um das Phänomen der Zivilreligion im heutigen Amerika verstehen zu können, ist es notwendig, ins England der zweiten Hälfte der 16. Jahrhunderts zurückzugehen. Dort liegen die Ursprünge des Puritanismus, der in der Entstehung der USA und der Zivilreligion eine entscheidende Rolle gespielt hat. Da die Entstehung des Puritanismus selbst nicht Inhalt dieser Arbeit ist, soll nur kurz auf die Puritaner des 16. Jahrhunderts eingegangen werden, um dann den Blick auf die ersten puritanischen Siedler in Amerika zu werfen.

1.1. Das 17. und 18. Jahrhundert

1.1.1. Die Entstehung des Puritanismus

Der Puritanismus ist eine Reformbewegung innerhalb der Kirche von England, die in der zweiten Hälfte des 16[3]. Jahrhunderts entstand. Unter der Herrschaft der katholischen Maria Tudor (1553-1558), die versuchte, England mit aller Härte zu rekatholisieren, flohen viele Protestanten aus Angst um ihr Leben in die benachbarten Länder, wie die Schweiz und Deutschland.

Mit der Machtübernahme der konservativ protestantischen Elisabeth I. 1558 kehrten diese mit der Hoffnung auf tiefgreifende Reformen wieder nach England zurück. Zwar verordnete die Königin einige Neuerungen, doch waren diese für einige nicht weitgehend genug. Zu viele alte Lasten, wie die liturgische Kleidung, an die katholische Kirche erinnernde liturgische Ordnungen und nicht zuletzt eine Kirchenstruktur, die nicht den reformatorischen Ideen entsprach, wurden beibehalten. Die Bewegung, die sich für gründlichere Reformen aussprach, wurde bald Puritanismus genannt.

Elisabeth aber war wenig gesprächsbereit und wollte auch keinen weiteren Reformen zustimmen. Die Puritaner drängten immer heftiger auf weitere Veränderungen, bis sich Elisabeth Anfang der 80er Jahre entschloß, gegen die Nonkonformisten, wie einige Puritaner zuweilen genannt wurden, mit ähnlicher Härte vorzugehen wie gegen die Katholiken. Daraufhin spalteten sich die Puritaner in zwei Gruppen, die sogenannten Separatisten und die Nonseparatisten.

Die Separatisten hatten die Hoffnung auf eine Reform der Kirche von England aufgegeben und brachen ihre Verbindung mit ihr ab, was meist damit endete, daß sie England verlassen mußten und zunächst noch auf den Kontinent flohen. Die Nonseparatisten hingegen glaubten weiterhin, daß eine Reform innerhalb der anglikanischen Kirche möglich wäre. Da sich aber auch unter Jakob I. (1603-1625) die Situation nicht veränderte und unter Karl I. (1625-1649) einige Reformen sogar rückgängig gemacht wurden, entschloß sich eine Gruppe von Puritanern, nach Amerika auszuwandern.

1.1.2. Die Pilgrims – Die Pilgerväter

Eine kleine Gruppe von Separatisten brach im Jahr 1620 nach Amerika auf und siedelte sich in Plymouth im heutigen Massachusetts an. Sie hielten ihrem König die Treue, trennten sich aber völlig von der Kirche von England. In Amerika wollten sie, frei von Unterdrückung, ein gesellschaftliches System nach ihren Vorstellungen aufbauen. Ihre Ziele formulierten sie im sogenannten Mayflower-Pakt.

1.1.2.1. Der Mayflower Compact – Der Mayflower-Pakt

Der Mayflower-Pakt, der noch an Bord der Mayflower unterzeichnet wurde, bildete das Fundament für eine politische Organisation und sah das ganze Unterfangen als eine Mission zur Ehre Gottes. Im Folgenden sollen Teile des Textes kurz vorgestellt werden[4].

(1) Im Namen Gottes. Amen. […] (5) Wir haben diese Reise, um die erste Kolonie im nördlichen Teil Virginias zu errichten, zum Ruhm Gottes, zur Verbreitung des christlichen Glaubens und zur Ehre unseres Königs und unseres Landes unternommen. (8) Feierlich geloben wir und vereinen wir uns zu einem zivilen Sozialkörper für eine bessere […] Unterstützung der obengenannten Ziele.

Zwar kommt hier der Bundesgedanke noch nicht so deutlich zum Vorschein wie zehn Jahre später bei John Winthrop, der die Massachusetts Bay Kolonie gründete, dafür aber ist der Sendungsgedanke deutlich erkennbar. Die Pilger sind aufgebrochen, um eine Mission zu erfüllen. Ihre Aufgabe ist es, Gott zu verherrlichen und den Glauben zu verbreiten. Dieser Missionsgedanke hat sich, wenn auch in etwas anderer Form, bis ins heutige Amerika gehalten. Amerika ist berufen, der Welt Freiheit und Frieden zu bringen, wie damals die Pilgerväter die Verbreitung des christlichen Glaubens als ihre Aufgabe erachtet haben.

1.1.3. Die Massachusetts Bay Kolonie

Zehn Jahre nachdem die Pilgerväter Plymouth besiedelt hatten, brach eine weitere Gruppe von Puritanern nach Amerika auf. Unter der Leitung von John Winthrop, einem englischen Richter, gründeten sie 1630 die Massachusetts Bay Kolonie.

Im Unterschied zu den Pilgervätern zählten die Puritaner der Massachusetts Bay Kolonie zu den Nonseparatisten. Sie wollten sich nicht von der Kirche von England trennen, erkannten aber, daß eine Reform dieser im England der damaligen Zeit nicht möglich war. Um trotzdem in einem gesellschaftlichen System ihrer Vorstellung leben zu können, machten sie sich auf den Weg nach Amerika.

Die Ideen der Puritaner der Bay Kolonie prägten das Land nachhaltig und waren der Grundstein für den Bund zwischen Amerika und Gott. Im Folgenden sollen John Winthrop, ihr Anführer, und ihre Ideen vorgestellt werden.

1.1.3.1. John Winthrop

John Winthrop war einer der wichtigsten Persönlichkeiten in der Besiedelung Amerikas durch die Puritaner. Geboren 1588 in Edwardstone, Suffolk, England, als Sohn einer wohlhabenden Familie, studierte er Rechtswissenschaften, war anschließend als Beamter tätig und später als Richter. Winthrop war ein tiefgläubiger Mensch und ein überzeugter Puritaner. Nachdem er aufgrund der anti-puritanischen Politik Karls I. seinen Posten als Richter verloren hatte, schloß er sich einer Gruppe von Puritanern an, die nach Amerika auswandern wollte. Er übernahm die Leitung und wurde von ihnen noch vor der Abreise zum Gouverneur gewählt. Im Frühling 1630 brachen sie schließlich mit dem Schiff Arabella in die Neue Welt auf. Bei den jährlichen Gouverneurswahlen in der Massachusetts Bay Kolonie wurde Winthrop zwischen 1631-1648 zwölf mal wiedergewählt und verstarb schließlich im Jahr 1649 in der Stadt Boston, die von ihm gegründet wurde.

1.1.3.1.1. A Modell of Christian Charity – Ein Modell christlicher Nächstenliebe

Noch auf dem Weg von Großbritannien nach Amerika hielt Winthrop die berühmt gewordene Predigt A Modell of Christian Charity (Ein Modell christlicher Nächstenliebe)[5]. Hauptsächlich geht es darin um die Liebe Gottes zu den Menschen, die Vorbild und Auftrag für die Nächstenliebe sei. Mit „Einer trage des anderen Last“ (Gal 6,2) beschwört er gleichsam seine Zuhörer, wie wichtig eine in der Liebe zu Gott begründete gegenseitige Liebe ist. Immer wieder bezieht er sich in seinen Ausführungen auf die Bibel und zitiert aus ihr. Eine wichtige Rolle spielt das Bild des eines Leibes aus 1 Kor 12, das für Winthrop ein Beispiel für die Einheit untereinander und mit Gott ist. Ebenso macht er auf die Strafe aufmerksam, die alle jene trifft, die sich nicht an die Gebote Gottes halten. Dann proklamiert er feierlich den Bundesschluß zwischen den Puritanern und Gott, der den Höhepunkt der Predigt darstellt.

(1f.) „Somit steht die Sache zwischen uns und Gott. Wir sind in dieser Sache einen Bund mit ihm eingegangen.“Diese Sache meint den Aufbruch von Großbritannien nach Amerika, um dort eine Gesellschaft aufzubauen, deren Gesetze und Institutionen sich nach den Geboten Gottes richten. Für die Siedler waren das Verlassen der Heimat und der Aufbruch in eine ungewisse Zukunft sicher ein gewagtes Unterfangen. Es war aber auch mehr als das, denn sie fühlten sich einer Mission verpflichtet. Gott selbst hatte sie in die Neue Welt gesandt, um sein Reich zu errichten. Der Gedanke der Sendung kommt einige Zeilen später noch deutlicher zum Ausdruck.

(4ff.) Wenn es nun dem Herrn gefällt uns zu hören, und uns in Sicherheit an den Platz zu führen, den wir ersehnen, dann hat er diesen Bund unterschrieben und erwartet sich eine strikte Erfüllung der Satzungen, die in diesem Bund enthalten sind; aber sollten wir die Einhaltung dieser Satzungen vernachlässigen [… und] die irdische Welt umklammern […], dann wird sich der Herr im Zorn gegen uns wenden.

Hier kommt die alttestamentliche Theologie vom Tun-Ergehen-Zusammenhang zum Vorschein. Befolge ich den Willen Gottes, wird es mir gut ergehen, andernfalls wird er sich in Zorn gegen mich wenden. Da die Puritaner ihre neue Heimat sicher erreichten, war das für sie ein Zeichen, daß ihr Vorhaben unter Gottes Schutz stand. In diesem Erlebnis ist schon die American Experience grundgelegt, die bis heute im Bewußtsein des amerikanischen Volkes verankert ist.

In den folgenden Jahrzehnten florierte die Kolonie, und der wirtschaftliche Erfolg wurde als Ausdruck des Segens Gottes gesehen. Zwar kam es auch in der Geschichte der USA zu dramatischen Ereignissen, wie zum Beispiel dem Bürgerkrieg, aber der allgemeinen Auffassung, ein auserwähltes Volk und damit etwas Besonderes zu sein, konnten diese Ereignisse jedoch nur wenig anhaben. Sogar Bill Clinton spielte in seiner Inauguraladresse von 1997 auf die puritanische Vision vom gelobten Land an.

Der Bundesgedanke bringt aber auch mit sich, daß negative Erfahrungen als Strafe Gottes für das Brechen seines Bundes gedeutet werden. Dies erfuhr gerade im letzten Jahr wieder neue Aktualität, als einige Prediger der christlichen Rechten die Terroranschläge vom 11. September 2002 auf das World Trade Center als Strafe Gottes für Amerikas Verstoß gegen seine Gebote interpretierten. Jerry Falwell, ein baptistischer Prediger und einer der Anführer der christlichen Rechten, zählt Homosexualität, Feminismus, Säkularisierung und Abtreibung zu den Sünden der Vereinigten Staaten.[6]

Hält sich das Volk an die Gesetze Gottes, dann wird der Herr (22f.) „unser Gott sein und es wird ihm eine Freude sein, unter uns zu wohnen.“

Der Schluß der Predigt läßt sich am besten mit Händels Hallelujah vergleichen. Musikalisch gesprochen erlebten wir bis jetzt das Vorspiel, das auf die feierlichen „King of Kings“-Rufe, die sich bis in schwindelerregende Höhen emporschwingen, vorbereitet. In (24; siehe unten) würden dann die Frauenstimmen mit den imposanten Rufen beginnen, um in (27f.) den musikalischen Höhepunkt zu erreichen, an dem dann auch die Männerstimmen einsetzen.

(24) Wir werden erkennen, daß der Gott Israels unter uns ist, wenn zehn von uns tausenden unserer Feinde widerstehen können; wenn er uns zu seinem Lob und seinem Ruhm macht, sodaß die Völker über uns nachfolgende Ansiedelungen sagen sollen: ‚Der Herr mache sie wie die von Neu England.’ Denn wir müssen bedenken, daß wir eine Stadt, die auf einem Berg liegt, sein sollen. Die Augen aller Völker blicken auf uns.

Der Bund, der damit feierlich geschlossen wurde, hat für alle verpflichtenden Charakter. Deshalb mahnt auch John Winthrop, daß der Ungehorsam gegenüber dem Willen Gottes Konsequenzen mit sich bringt. Gott würde den Segen von ihnen nehmen, die Frevler würden Gott lästern und Schande würde über sie und alle, die sich zu Gott bekennen, kommen.[7]

Wie einst Mose in Dtn. 30, so läßt Winthrop seinen Zuhörern nun noch die Wahl zwischen Leben und Tod und beendet seine Predigt mit dem Appell (45-50): „Deshalb laßt uns das Leben wählen, damit wir und unsere Nachkommen leben mögen, seiner Stimme gehorchend und ihm treu bleibend, denn er ist unser Leben und unser Glück.“

1.1.3.2. Demokratie in der Massachusetts Bay Kolonie

Eine Besonderheit der Massachusetts Bay Kolonie war ihre ansatzweise verwirklichte Demokratie. Die politische Struktur trennte zwar schon klar zwischen Staat und Kirche, beide hatten sich aber gegenseitig zu unterstützen. „Der Kirchenbesuch war für jeden verpflichtend und alle trugen zur finanziellen Unterstützung der Kirche bei.“[8]

Die kirchliche Struktur der Massachusetts Bay Kolonie baute auf dem Modell des Kongregationalismus auf. Die einzelnen Kirchengemeinden standen miteinander in einem engen Kontakt und bildeten in Fragen der Lehre eine Einheit. Viele Entscheidungen aber, wie zum Beispiel die Wahl des Pfarrers, wurden demokratisch vor Ort und unabhängig von den anderen Gemeinden getroffen. In diesem Prozeß spielte die Kirchenmitgliedschaft, die auf der calvinistischen Erwählungstheologie beruhte, eine bedeutende Rolle.

Der Calvinismus[9] geht von der grundsätzlichen Verderbtheit des Menschen aus und die Gnade der Erlösung wird nur den Menschen, die von Gott auserwählt sind, zuteil. Der Glaube und die Reue des einzelnen sind dabei nicht der Grund der Erwählung, sondern deren Folge. Die Entscheidung ist vom Menschen nicht beeinflußbar, denn wer erlöst wird liegt allein in Gottes Hand. Die Erwählten werden von der Unfreiheit der Sünde in die Freiheit, den Willen Gottes zu tun, geführt. Sie bilden eine Gemeinschaft von lebenden Heiligen, ihr Lebensstil orientierte sich am Willen Gottes und ihre moralische Integrität ist für alle offensichtlich.

Zu den Kirchenmitgliedern zählten nur die Erwählten im oben genannten Sinn. Sie allein waren bevollmächtigt, die politischen Vertreter, wiederum nur Mitglieder, zu wählen.

Aus heutiger Sicht würde man diese Struktur kaum mehr als Demokratie beurteilen, denn passiv und aktiv wahlberechtigt war maximal ein Fünftel der Bevölkerung der Massachusetts Bay Kolonie.[10] Alle anderen galten wegen der Verderbtheit des Menschen und seinem Hang zur Sünde nicht als Mitglieder und konnten somit im politischen Leben kaum mitbestimmen.

1.1.3.3. Die Puritaner und religiöse Toleranz

Die Puritaner in England hatten genaue Vorstellungen vom Aufbau und Ablauf des religiösen und politischen Lebens. Sie unterschieden sich von der anglikanischen Kirche durch einen starken Reformwillen. Aufgrund ihrer Radikalität wurden sie aber aus dem öffentlichen Leben gedrängt, und es blieben ihnen eigentlich nur zwei Möglichkeiten, sich der anglikanischen Hierarchie zu fügen oder das Land zu verlassen. Viele entschlossen sich für letzteres.

Die Puritaner haben religiöse Intoleranz am eigenen Leib erfahren. Man würde sich deshalb erwarten, daß sie anderen religiösen Überzeugungen gegenüber tolerant gewesen wären. Aber gerade das war nicht der Fall.

Die Puritaner glaubten nicht an religiöse Toleranz; im Gegenteil, sie lehnten die Idee der religiösen Toleranz ab. […] Die Puritaner kamen nicht in die Neue Welt, um religiöse Toleranz zu üben; sie kamen, um nach ihren eigenen religiösen Vorstellungen zu leben. Religiöse Freiheit bedeutete in den Augen der Puritaner die Freiheit von Nicht-Puritanern, sich von ihnen fernzuhalten.[11]

Den Nicht-Puritaner, die diesen Rat nicht ernst nahmen, drohten harte Strafen. Einige Quäker wurden von ihnen sogar hingerichtet. Die Puritaner flohen also vor religiöser Intoleranz und Unterdrückung, bauten aber selbst ein intolerantes System auf.

1.1.3.4. Das Erbe der Puritaner

Der politische und gesellschaftliche Einfluß der Puritaner wurde zwar mit der Zeit immer geringer, ihre Ideen wurden aber beibehalten und weiterentwickelt. Die Ordnung in der Massachusetts Bay Kolonie beruhte auf der Idee des Bundes zwischen Gott und den Puritanern. Mit schwindendem Einfluß der Puritaner und zunehmender Rationalisierung entwickelte sich die Bundestheologie hin zur Idee eines sozialen Vertrages unter den Bürgern und zwischen dem Volk und der Regierung.

Die Theorie des sozialen Vertrages stammt eigentlich von John Locke (1632-1704) und war verschieden vom Bundesgedanken der puritanischen Siedler. Michael Corbett hebt aber hervor, daß die Puritaner dem sozialen Vertrag in zweifacher Hinsicht den Weg bereitet hatten.

Erstens ging die Theologie des Bundes John Lockes Werken voraus und beeinflußte wahrscheinlich sein Denken über den sozialen Vertrag zwischen den Bürgern und der Regierung. Zweitens hatte die Bundestheologie die Bevölkerung darauf vorbereitet, die Gesellschaft im Sinne eines sozialen Vertrages zu sehen. Die Bundestheologie half der Bevölkerung, sich auf Verpflichtungen gegenüber Gott und der Gemeinschaft einzulassen als Gegenleistung für verschiedene Begünstigungen für alle in der Gemeinschaft.[12]

1.1.4. Weitere Kolonien

1.1.4.1. Rhode Island

Roger Williams war einer der Siedler der Massachusetts Bay Kolonie. Seine Ansichten waren aber im Vergleich zu den Nonseparatisten in der Bay Kolonie um einiges radikaler. Er kritisierte den Mangel an Reformbereitschaft, dessen Ursache er in der engen Verbindung von Staat und Kirche sah. Williams wollte die Kirche vor dem Einfluß des Staates beschützen und setzte sich deshalb für eine strenge Trennung von Staat und Kirche ein. Er war ebenfalls ein Verfechter der vollständigen Abnabelung von der Kirche von England. 1635 wurde Williams schließlich aus der Kolonie verbannt, verhaftet und sollte nach England zurückgebracht werden. Er floh jedoch und gründete 1636 die Kolonie Rhode Island.

Theologisch war Roger Williams genausowenig kompromißbereit wie seine Glaubensbrüder in der Bay Kolonie, politisch wurde er und seine Kolonie jedoch zu einem Vorreiter für religiöse Toleranz und friedliche Koexistenz verschiedener religiöser Richtungen. In Rhode Island gab es keine etablierte Kirche und Roger Williams war es, nicht Thomas Jefferson, der Vater der Unabhängigkeitserklärung, der erstmals von einer Wand der Trennung zwischen Kirche und Staat sprach.[13]

Seiner Ansicht nach sei es für eine Gesellschaft notwendig, grundlegenden moralischen Normen zuzustimmen. Trotz seiner streng puritanischen Theologie war er der Meinung, daß der Mensch von Natur aus befähigt sei, diese grundlegenden moralischen Werte, die er civility nannte, zu erkennen und einzuhalten.[14] Williams war seiner Zeit insofern voraus, als er fest davon überzeugt war, daß „jemand keine religiöse Person sein mußte, um ein guter und moralischer Bürger zu sein. […] Auf jeden Fall ist Religion nicht wesentlich für die Sache der Moral [for the cause of civility]“[15].

1.1.4.2. Maryland

Die Kolonie Maryland wurde 1634 von Cecil Calvert gegründet. Er wurde auch Lord Baltimore II. genannt und war der Sohn von George Calvert, einem Katholiken und englischem Adeligen. Die Kolonie sollte vor allem ein sicherer Zufluchtsort für seine Glaubensbrüder sein. Lord Baltimore II. selbst blieb zwar in England, stattete aber zwei Schiffe, die Arche und die Taube, aus, mit denen die ersten Siedler nach Maryland reisten.[16]

Cecil Calverts Devise war: „Eine religiöse Minderheit [die Katholiken], vor allem eine politisch suspekte religiöse Minderheit, darf in einer mächtigen Nation, die mit einer mächtigen Kirche alliiert ist, kein Ärgernis erregen.“[17] Seine liberale Haltung ließ auch sehr viele Protestanten nach Maryland kommen, die den Katholiken zahlenmäßig bald überlegen waren. 1649 wurde die Toleranzakte von Maryland beschlossen, die allen, die wenigstens an Jesus Christus glaubten, religiöse Freiheit gewährte. Das schloß natürlich die Juden, von denen es in Maryland allerdings nur wenige gab, implizit von dieser religiösen Freiheit aus. Trotzdem war der „überragende Erfolg in Calverts Karriere […] ‚das Faktum, daß er der erste Mensch in der Geschichte war, der eine Regierungsform aufbaute, in der alle religiöse Gruppen vor dem Gesetz gleich waren. Allein dafür gebührt ihm unsterblicher Ruhm“[18].

Schließlich jedoch übernahmen die Protestanten die Kontrolle und verbaten den Katholiken, öffentliche Ämter auszuüben. 1688 wurde Maryland königliche Kolonie und die Kirche von England als Staatskirche etabliert.[19] Bis zur Unabhängigkeitserklärung herrschte von da an auch in dem vormals liberalen Maryland religiöse Intoleranz.

1.1.5. Die weitere Entwicklung

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verlor der strenge Puritanismus immer mehr an Einfluß und Unterstützung. Zwei Gründe waren unter anderen dafür verantwortlich. Zum einen wurde die Massachusetts Bay Kolonie unter die direkte Kontrolle der britischen Regierung gestellt und dadurch der Einfluß der Puritaner verringert. Zum anderen wurde 1689 das Toleranzgesetz erlassen. Es gewährte den Puritanern eine eingeschränkte Religionsfreiheit und erlaubte ihnen, eigene Gottesdienste zu feiern, verbot ihnen aber wie in England, politische Ämter auszuüben. Obwohl das Gesetz nicht für alle religiöse Gruppen galt, den Katholiken zum Beispiel wurden diese minimalen Freiheiten nicht gewährt, war sie ein erster Schritt in Richtung mehr Toleranz auch insofern, als sich diejenigen, die von ihr nicht berücksichtigt wurden, stärker für ihre Rechte einzusetzen begannen.

Wegen der nunmehr ähnlichen Verhältnisse in Großbritannien und Amerika entschlossen sich Ende des 17. Jahrhunderts immer weniger Puritaner nach Amerika auszuwandern. Letztendlich wurde auch die Voraussetzung, ein Kirchenmitglied zu sein, um an den Wahlen teilnehmen zu können, aufgehoben.

1.1.5.1. Das First Great Awakening – Das Erste Große Erwachen

Nachdem gegen Ende des 17. Jahrhunderts das religiöse Leben zurückging, kam es zu Beginn des 18. Jahrhunderts, vor allem in den 30er und 40er Jahren, wieder zu einer religiösen Erneuerung. Federführend dabei war vor allem Jonathan Edwards (1703-1758), ein puritanischer Theologe.

Das sogenannte First Great Awakening war eine religiöse Erneuerungsbewegung, die der zunehmenden Verweltlichung entgegentreten wollte. Wie schon oben erwähnt, mußte man zu Zeiten der alten Puritaner (z.B. in der Massachusetts Bay Kolonie) strengen moralischen Maßstäben gerecht werden, um als Kirchenmitglied aufgenommen zu werden. Das Great Awakening zielte nun gerade auf jene ab, die zwar Mitglieder werden wollten, aber die Voraussetzungen, nämlich Bekehrungserlebnis und tadelloser Lebensstil, nicht erfüllten. Diese Strategie zeigte einen vollen Erfolg. Die Zahl der Kirchenmitglieder und der Kirchenbesuche stieg, und in den Kolonien erwachte wieder ein religiöser Eifer.

1.1.5.1.1. Der Predigstil

Trotz des an und für sich positiven Anliegen, das Volk wieder für das Evangelium zu begeistern, erinnern die Mittel, deren sich die Prediger wie Jonathan Edwards bedienten, eher an die Höllenpredigten aus den finsteren Zeiten der katholischen Kirchengeschichte. Bekehrung spielte sich hauptsächlich auf emotionaler Ebene ab. Den Gläubigen wurde eingeschärft, daß sie Sünder wären und als solche den Zorn Gottes zu fürchten hätten. Ganz in diesem Geist trug eine der bekanntesten Predigten Edwards’ den Titel Sinners in the Hands of An Angry God (Sünder in der Hand eines zornigen Gottes)[20].

Trotz seiner Überzeugung von der Sündhaftigkeit der Gesellschaft glaubte Edwards, daß das Reich Gottes in der zivilen Gesellschaft verwirklichbar ist und daß das Great Awakening Werk Gottes war. „Es offenbarte den Anbruch eines neuen Zeitalters in Amerika […] Edwards war überzeugt, daß Christen mit Hilfe von solchen Erneuerungsbewegungen Gottes Reich auf Erden errichten würden; in der Gesellschaft würden Gottes Wahrheit und Gerechtigkeit erkennbar werden.“[21]

1.1.5.1.2. Der Puritanismus und sein Beitrag zur religiösen und politischen Freiheit

In der Literatur werden häufig drei Auswirkungen des First Great Awakening erwähnt:[22] viele bekehrten sich zum Protestantismus, in vielen Kirchen entwickelte sich ein aktives Gemeindeleben und das kulturelle Leben der Kolonien (religiöse und weltliche Bildung erhielten einen höheren Stellenwert) lebte auf. Den religiösen Erfahrungen des einzelnen wurde ein hoher Stellenwert eingeräumt. Dem Individuum kam immer mehr Bedeutung zu, und die Tendenz in Richtung religiöse und politische Freiheit wurde immer stärker. Somit unterstütze der „protestantische Pietismus (die personalisierte, innere emotionale Erfahrung religiöser Kraft) […] eine demokratischere Verteilung der politischen Macht“[23].

1.1.5.1.3. Die Religion im Dienst der Freiheit

Im Amerika des 18. Jahrhundert fanden sich grundsätzlich zwei konträre religiöse Bewegungen. Die einen fühlten sich dem Protestantismus (in all seiner Vielfalt, wie Puritanern, Quäker, Methodisten, …) verpflichtet. Sie waren in der Mehrheit und kamen zum größten Teil aus den einfacheren Bevölkerungsschichten.

Die anderen waren Deisten[24] und Unitarier[25] und stützten ihre religiösen Prinzipien auf die Ideen der Aufklärung, die unter anderen von John Locke (1632-1704) eingeläutet wurde. Ein großer Teil der gebildeten Bevölkerung bekannte sich, wenn auch nicht immer in aller Öffentlichkeit, zum Deismus bzw. Unitarianismus, der von der protestantischen Mehrheit als satanische Ideologie verurteilt wurde. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Thomas Jefferson, der Vater der Unabhängigkeitserklärung, dessen Glaube am besten als Mischung zwischen Deismus und Unitarianismus beschreibbar ist.

Im Jahr 1774 gewährte König Georg III. den französischen Katholiken im kanadischen Territorium die Religionsfreiheit. Von den Protestanten wurde er deshalb zum Antichristen erklärt, der für all das Böse stand, das sie mit Europa assoziierten, und der bekämpft werden mußte.

Hinzu kamen noch andere politische, wirtschaftliche und religiöse Faktoren, wie ein Steuersystem, das sehr zu Lasten der amerikanischen Bevölkerung ging. Mit dem Fortschreiten des 18. Jahrhunderts wuchs der Unmut gegen England und endete schließlich im Unabhängigkeitskrieg, dessen Ziel ein eigenständiges und unabhängiges Amerika war.

Protestanten und Deisten hatten zwar unterschiedliche Vorstellungen wie ein solches aussehen sollte, aber zumindest in der Frage der Unabhängigkeit herrschte Einigkeit. „Es wurde schwierig, den religiösen und politischen Diskurs auseinanderzuhalten. Säkulare und religiöse Ideologie vermengten sich in einem kreativen Prozeß und ermöglichten den Kolonisten, die stark divergierende Hoffnungen für die Zukunft Amerikas hatten, sich gegen die englische Imperialmacht zusammenzuschließen.“[26]

„Der Unabhängigkeitskrieg wurde zu einem Teil von Gottes vorhergesehenen Plan zur Vernichtung des päpstlichen Antichristen“[27] und die Unabhängigkeitserklärung, auf die später noch eingegangen wird, zu einem Meilenstein der amerikanischen Geschichte.

Aber die Mehrheit der Kolonisten war von den Mythen christlicher Prophetie mehr inspiriert als von John Locke. Sie mußten sich der modernen politischen Autonomie in Gestalt einer ihnen vertrauten mythologischen Verpackung, die ihren tiefen Glauben ansprach, ihnen die psychologische Kraft gab und es ihnen ermöglichte, diesen schwierigen Übergang zu meistern, annähern.[28]

Deshalb, so argumentiert Karen Armstrong, eine britische Religionshistorikerin, „verchristlichten die Geistlichen der verschiedenen Hauptkirchen (sogar die Anglikaner) die revolutionäre Rhetorik”[29] verschiedener populistischer Politiker. Der Begriff der Freiheit allgemein, aber auch im Sinne von Freiheit von der englischen Krone, bekam eine religiöse Bedeutung und wurde als Geschenk Gottes gedeutet. Ähnlich wie die Puritaner der Massachusetts Bay Kolonie, stand Freiheit in Zusammenhang mit der Gewißheit, ein von Gott auserwähltes Volk zu sein. Timothy Dwight (1725-1817), Präsident der Yale University und Enkel des vorhin erwähnten Jonathan Edwards, war zum Beispiel überzeugt, daß Amerika „zum Hauptsitz dieses neuen und besonderen Königreichs wird, das den Heiligen des Allerhöchsten übergeben wird“[30]. Europa wurde von Korruption und Ungläubigkeit beherrscht. Den Siedlern wurde die Aufgabe zuteil, Gottes Reich, geprägt von Freiheit und (der christlichen) Religion, in Amerika aufzubauen.

Aber nicht nur die die Geistlichen trugen dazu bei, daß die politische Sprache mit religiöser Bedeutung belegt wurde, auch die Politiker selbst benutzten die christliche Symbolik. „Der Enthusiasmus, die Symbolik und die Mythologie der christlichen Eschatologie gaben dem revolutionären Kampf einen Sinn und halfen den Freidenkern genauso wie den Calvinisten, diesen maßgeblichen und folgenreichen Bruch mit der Tradition zu begehen.“[31]

1.1.5.2. Das Second Great Awakening – Das Zweite Große Erwachen

War das First Great Awakening ein Höhepunkt im religiösen Leben Amerikas, so bezeichnet William Miller, ein 2001 verstorbener Ethiker der University of Virginia, die Zeit vor bzw. um die Staatsgründung als die Zeit, in der die Religion in der gesamten Geschichte der USA am wenigsten Einfluß ausübte.[32] Es dauerte aber nicht lange, bis sich das Blatt wieder wendete und das Land 1795 wieder von einer religiösen Erneuerungsbewegung, dem Second Great Awakening, überzogen wurde. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können, denn „das Selbstverständnis der [neuen] Nation wurde immer noch geformt; ihre Institutionen und ihr nationales Ethos nahmen gerade Gestalt an. Das Aufleben des evangelikalen Protestantismus half bei dieser Formgebung“[33]. Dieser evangelikale Protestantismus ist nicht mit dem Puritanismus des 17. Jahrhundert gleichzusetzen. Er trat zwar dessen Erbe an, hat sich aber weiterentwickelt und verändert. So setzte der neue Protestantismus auf Freiwilligkeit, Freiheit und war evangelikal geprägt. Eines verband jedoch die beiden: das Thema der Auserwählung.

Einen wichtigen Beitrag zum Second Awakening leistete Timothy Dwight. In seinem Werk The Conquest of Canaan (Die Eroberung Kanaans) aus dem Jahr 1795 zieht er Parallelen zwischen der biblischen Landnahme Kanaans und der Landnahme Connecticuts gegen die Britische Herrschaft.

Die Erneuerungsbewegung wurde zwar Second Great Awakening genannt, dies sollte aber nicht vergessen lassen, das der historische Kontext, in dem das First Awakening stattfand, ein völlig anderer war. Die erste Bewegung stellte eine Art Bund zwischen den verschiedenen Kolonien dar, während die zweite Erneuerung in der neu geformten Nation stattfand. Miller betont daher, daß das Second Awakening, trotz der Namensgleichheit, nicht als Nachfolger des First Great Awakening zu sehen ist.[34]

1.1.5.2.1. Freiheit und Freiwilligkeit

Es stellt sich die Frage, wie dieser Protestantismus, der sich in Amerika entfaltete und mit dem europäischen Mutterland und der europäischen Tradition gebrochen hatte, die Aufgabe der Sinngebung erfüllen konnte.

Zugute kam dem Protestantismus seine Betonung der Freiwilligkeit. Sie wurde schon im First Great Awakening hervorgehoben und gewann durch den ersten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung[35], der dem Staatskirchentum ein Ende setzte und die Wahl des Religionsbekenntnisses der Gewissensentscheidung des einzelnen überließ, noch mehr an Bedeutung. Es entstand eine Atmosphäre, die sich bis in die heutige Zeit gehalten hat und die man als Marktplatz der Religion(en) bezeichnen kann. Für (fast) jeden Geschmack war und ist etwas vorhanden.

Anfänglich waren die Kirchenführer von der Trennung zwischen Staat und Kirche überhaupt nicht begeistert, sie entdeckten aber bald das gewaltige Potential, das darin steckte. Jeder hatte die freie Wahl, ob und welcher Kirche er zugehören wollte. Pointiert ausgedrückt hatte jeder die Wahl, erlöst zu werden oder nicht. Am meisten profitierten die freikirchlichen Gemeinden von der Wand der Trennung und der Betonung der Freiwilligkeit.

Der aristokratisch angehauchte Deismus eines Thomas Jefferson und eines Benjamin Franklin sandte keine Rundläufer in den Westen um Lagerversammlungen abzuhalten, auf denen die Leute enthusiastisch herumhüpften um zu tausenden bekehrt wurden – gegen diese Dinge war der Deismus – und genausowenig taten dies die alteingesessenen orthodoxen Kirchen mit ihren formellen Lehren und Ritualen und ihren ausgebildeten Geistlichen.[36]

Die Trennung von Staat und Kirche war bis zu den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts vollständig abgeschlossen. „Aber bis dahin hatten die Umstände der Freiwilligkeit, in dem sie die Idee der Glaubensfreiheit weit über das, wovon Jefferson oder Madison geträumt hatten, hinaustrugen, eine Art Staatskirche geschaffen, eine Durchdringung der Kultur (auf eine neue Art und Weise), der nur wenige der einst etablierten Kirchen entsprachen.“[37]

Moralische Werte und humanitäre Hilfe wurden immer wichtiger. Der Perfektionismus aus der puritanischen Zeit wurde von den Veränderungen nicht verschont und präsentierte sich neu in der Idee des rechtschaffenen Volkes.

Freiwilligkeit und Freiheit hieß aber nicht nur, daß Staat und Kirche getrennt waren, sondern auch, daß es keine Unterstützung der Kirchen aus Steuermitteln gab. Sie waren also auf freiwillige Spenden und damit auf den Erfolg ihrer Missionierung angewiesen.

1.1.5.2.2. Der Aufschwung religiöser Gruppen

Das Amerika des 19. Jahrhunderts bildete einen hervorragenden Nährboden für das Entstehen und das Aufleben christlicher Gruppierungen. Den größten Aufschwung erlebten der Baptismus und der Methodismus, die heute die größten protestantischen Konfessionen in Amerika sind.[38]

Der Baptismus entstand eigentlich in Europa, dennoch erhielt er seinen wahrscheinlich größten Zuwachs in den USA. Trat jemand der Gemeinschaft bei, wurde großen Wert auf ein persönliches Bekehrungserlebnis gelegt. Die Betonung der individuellen Erfahrung und des eigenen Willens trug zur Entwicklung des Individualismus in den USA bei.

Der Methodismus, der ebenfalls eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Individualismus spielte, war arminisch angehaucht. Das heißt, er räumte dem freien menschlichen Willen einen größeren Stellenwert im Erlösungswerk Gottes ein als es die calvinistischen Prädestinationslehre tat. Zurückgehend auf den Puritanismus vertritt der Methodismus eine Art Perfektionismus.[39]

Die Theologie des Baptismus und des Methodismus spielte in der Entwicklung der amerikanischen Werte und Ideale eine nicht unbedeutende Rolle. Sie war europäischen Ursprungs und kam mit den Emigranten, die ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen führen wollten, nach Amerika.

Eine genuin amerikanische Konfession, der zum Beispiel Ronald Reagan angehörte, sind die Jünger Christi (Disciples of Christ oder Church of Christ). Sie entstanden erst nach der Gründung der Vereinigten Staaten und zählen heute zu den größten protestantischen Konfessionen des Landes.

In ihrer Anschauung und ihrem abrupten Aufstieg symbolisieren die Jünger Christi die Charakteristik der amerikanischen Konfessionen: Sie tendieren dazu, aus der Zeit des Neuen Testamentes direkt ins Amerika des 19. Jahrhunderts zu springen und alles, was dazwischen liegt, mehr oder weniger als einen Fehler zu betrachten. Das religiöse Empfinden einer Verbindung, die sich auch in der Idee der apostolischen Sukzession ausdrückt, der Idee einer authentischen Überlieferung von Person zu Person die bis zum Ursprung zurückreicht, ist verschwunden. […] Da ist das eine Heilige Land um den Jordan und das andere um das Missouri-Mississippi Tal und dazwischen, geographisch und historisch, der europäische Fehler, die europäische Mißgeburt.[40]

1.1.5.3. Eine Zusammenfassung der Tendenzen

Die einzelnen protestantischen Konfessionen waren zwar durch den freien Wettbewerb durchaus in Konkurrenz miteinander, ging es aber um das Ziel eines christlichen Amerikas, hielten sie zusammen und tun dies auch heute noch. Es ist allerdings zu bemerken, daß unter christlich meist protestantisch verstanden wurde. Konfessionen, die nicht den protestantischen Hauptkirchen (zum Beispiel Baptisten, Methodisten, Presbyterianer) angehörten, vor allem Katholiken, stand man lange Zeit skeptisch gegenüber. Bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein wurden Mitglieder bestimmter Konfessionen in einigen bundesstaatlichen Verfassungen von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Miller formulierte prägnant, daß der Enthusiasmus in den jungen Jahren Amerikas zu einer „seminationalen Religion und einem semireligiösen Nationalismus führte, mit deren Ergebnissen wir heute noch leben und die die Welt noch bewältigen muß“[41]. Dieses Phänomen bezeichnete Robert Bellah, einamerikanischer Soziologe, Ende der 60er Jahre als Zivilreligion.

1.2. Eine Nation erblickt das Licht der Welt

In Europa war die Aufklärung, vor allem zur Zeit der Französischen Revolution, nicht nur gegen eine autoritäre Politik, sondern auch gegen die Kirche, das Christentum und die Religion im allgemeinen gerichtet. Diese Anliegen wurden vom Volk größtenteils unterstützt.

In Amerika kam es im Zuge der Aufklärung aber nie bzw. nicht in diesem Ausmaß zu antichristlichen und antireligiösen Tendenzen. Die gebildete Schicht bestand zwar zum größten Teil aus Anhängern der Aufklärung und der Ideen der Revolution, blieb aber der Religion zumindest in Form des Deismus oder Unitarianismus verbunden.

Viele der Gründerväter waren überzeugt, daß ein Staat nach amerikanischem Modell nur funktionieren kann, wenn eine öffentliche Tugend vorhanden ist. Das Fundament dafür sahen sie im (protestantischen) Christentum. Dies ist ein weiterer Mosaikstein in der Entstehung der Zivilreligion in Amerika.

Zwei Männer, die bei der Entstehung der Vereinigten Staaten mitwirkten und sie durch ihr Denken prägten, waren Thomas Jefferson und James Madison. Ihr Leben und ihr Werk sind Inhalt dieses Abschnittes.

1.2.1. Thomas Jefferson (1743-1826)

Thomas Jefferson wurde am 13. April 1743 in Shadwell, Virginia, als Sohn einer angesehenen Familie geboren. Bald nach seinem Studium am College of William and Mary wurde er Mitglied im Parlament von Virginia. Er setzte sich für die Unabhängigkeit der Kolonien ein und verfaßte 1776 die Unabhängigkeitserklärung.

Von 1779 bis 1781 war Jefferson Gouverneur von Virginia, von 1785-1789 war er als Abgesandter in Frankreich tätig. Er galt als Freund der Revolution und schrieb so seinem Freund und späteren Nachfolger als Präsident der Vereinigten Staaten, James Madison: „Ich glaube, daß ab und zu ein kleiner Aufstand sein Gutes hat, er ist in der Politik genauso nötig wie ein Gewitter in der Natur.“[42]

Nach seiner Rückkehr aus Frankreich wurde er von Präsident Washington zum Secretery of State (Außenminister) ernannt. Da es aber oft zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten kam, schied er 1793 aus dem Amt aus und kümmerte sich vermehrt um seinen Landbesitz in Monticello, Virginia.

Obwohl er prinzipiell ein Gegner der Sklaverei war, wie in seinem Entwurf zur Unabhängigkeitserklärung erkennbar ist, beschäftigte er auf seinem Gut über 100 Sklaven. Um diese Tatsache mit seinen negativen Äußerungen über die Sklaverei in Einklang zu bringen, versuchte er, sich als der väterliche Besitzer in Szene zu setzen, der für seine Sklaven wie für seine Familie sorgt. Trotzdem wurde ihm, dem Apostel der Freiheit und Gleichheit, immer wieder Heuchlerei vorgeworfen.

Im Jahr 1796 kandidierte Jefferson bei den Präsidentschaftswahlen, unterlag aber John Adams und mußte sich mit dem Amt des Vizepräsidenten begnügen. Im Jahr 1800 kandidierte Jefferson erneut und gewann nur knapp, durch den Entscheid des Repräsentantenhauses, die Wahlen. Die Angelobung fand nach seinem Wunsch in schlichter Weise am 4. März statt. Seine Inauguraladresse zählt bis heute zu den wichtigsten Reden in der amerikanischen Geschichte.

Unter Jeffersons Präsidentschaft florierte die Wirtschaft, er kürzte die Ausgaben für das Militär und reduzierte die Größe der Armee. 1803 erwarb er von Frankreich das Gebiet von Louisiana um 15 Millionen Dollar. Im Jahr 1807 verbot er per Gesetz die Einfuhr von Sklaven in die USA, der Schmuggel von Sklaven konnte aber trotzdem nicht verhindert werden.

Jeffersons zweite Amtsperiode war von einer für die amerikanische Wirtschaft fatalen Fehlentscheidung überschattet. Als Reaktion auf Englands und Frankreichs Behinderung von amerikanischen Handelsschiffen, die nach Europa unterwegs waren, und um England und Frankreich zur Respektierung der amerikanischen Neutralität zu bewegen, verhängte er 1807 ein internationales Handelsembargo. Damit stoppte er alle Exporte und verhängte scharfe Restriktionen auf Importe, vor allem aus Großbritannien. Diese Entscheidung hatte allerdings nicht den von Jefferson gewünschten Effekt. Statt dessen legte sie den amerikanischen Handel lahm. Noch zwei Tage vor Ende seiner Amtszeit, am 1. März 1809, mußte er den Non-Intercourse Act unterzeichnen, der das Handelsembargo faktisch aufhob und den Handel zwischen Amerika und anderen Ländern, mit Ausnahme von Frankreich und Großbritannien, wieder ermöglichte.

Nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Präsidenten zog er sich auf seinen Landsitz zurück und widmete sich seiner Farm und der Literatur. Er verstarb am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag des Jahres 1826. Noch vor seinem Tod legte er die Grabinschrift fest. Sie enthält in schlichter Form all das, wofür er Zeit seines Lebens gekämpft hat. „Hier wurde Thomas Jefferson, Autor der Unabhängigkeitserklärung, Autor des Statuts über Religionsfreiheit in Virginia und Vater der University of Virginia begraben.“[43]

1.2.2. James Madison (1751-1836)

James Madison wurde am 16. März 1751 in Port Conway, Virginia, als Sohn eines vermögenden Plantagenbesitzers geboren. 1769 begann er sein Studium der Philosophie, Geschichte und alten Sprachen. Nach seinem Abschluß 1771 studierte er noch ein halbes Jahr Hebräisch und Theologie, bevor er sich der Rechtswissenschaften zuwandte. Früh schon setzte sich Madison für die Unabhängigkeit Amerikas und für die Verwirklichung der Religionsfreiheit ein. Die gemeinsamen Anliegen brachten ihn mit Jefferson zusammen, und bis zu dessen Tode verband die beiden eine enge Freundschaft.

Unter Präsident Thomas Jefferson übte Madison das Amt des Außenministers aus. Bei den Präsidentschaftswahlen 1808 kandidierte er selbst und wurde schließlich am 4. März als neuer Präsident der USA vereidigt. 1817 schied er aus dem Amt aus und zog sich auf sein Landgut in Virginia zurück. 1826 wurde er Rektor der von Jefferson gegründeten University of Virginia. Am 28. Juni 1836 verstarb Madison schließlich in Montpelier, wo er auch begraben wurde.

Seine Bedeutung für das Thema Zivilreligion ergibt sich in erster Linie aus seiner religiösen Einstellung und seiner Bedeutung als Staatsmann. Madison gehörte zwar nie einer kirchlichen Gemeinschaft an, aus seinen Schriften geht aber hervor, daß er sich sehr dem Unitarianismus verbunden fühlte.[44]

1.2.3. Der freie Wille

Thomas Jefferson war Zeit seines Lebens ein Kämpfer für die politische und geistige Freiheit. Man könnte fast sagen, daß die Freiheit des Geistes und des Verstandes einer der höchsten Werte in Jeffersons Leben darstellte. Sie war Zentrum seines Denkens und Fundament in seiner Argumentation für ein freies Land und für eine freie Gewissensentscheidung, welchem Glauben jeder einzelne folgen will. Vor allem in der ersten Hälfte seines Lebens war diese Freiheit sein politisches Programm, das er vor allem in der Unabhängigkeitserklärung und im Statut über die Religionsfreiheit umsetzte.

Wie wichtig für Jefferson die Verwirklichung des freien Willens ist, sieht man in einem seiner Briefe an Benjamin Rush, einem amerikanischen Physiker und Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung. Ein Satz aus diesem Brief ist als Inschrift im Thomas Jefferson Memorial in Washington, D.C., zu lesen. „Denn ich habe beim Altar Gottes ewige Feindseligkeit gegen jegliche Art der Tyrannei über den Verstand des Menschen geschworen.“[45]

Jefferson wandte sich gegen jegliche Art der Tyrannei, sah er doch den Grund für die blutige Geschichte Europas in einem despotischen Religionssystem.[46] „Der Allmächtige Gott hat den Verstand frei geschaffen; im Namen Gottes muß er frei bleiben.“[47] Er trat als Verfechter der Religionsfreiheit auf und vertrat damit die Abschaffung des Staatskirchentums. Das berühmte Zitat von der „Wand der Trennung zwischen Staat und Kirche“ wird zwar immer wieder auf Jefferson zurückgeführt und von diesem tatsächlich zitiert, die eigentlich Idee geht aber, wie im vorigen Abschnitt erwähnt, auf Roger Williams zurück.

Mit Euch bin ich der Überzeugung, daß Religion eine Angelegenheit ist, die ausschließlich zwischen dem Menschen und seinem Gott liegt, daß er keinem anderen Rechenschaft über seinen Glauben und seine Verehrung schuldig ist […] betrachte ich mit feierlicher Verehrung jenen Entschluß des ganzen amerikanischen Volkes der besagt, daß ihre Legislative ‚kein Gesetz zur Etablierung einer Religion oder ein Verbot zur freien Religionsausübung’ beschließen darf, und der eine Mauer der Trennung zwischen Staat und Kirche aufbaut.“[48]

Allerdings wurden Jefferson für seinen Einsatz für Religionsfreiheit und die Betonung des freien Willens immer wieder Ungläubigkeit vorgeworfen. So zum Beispiel im Wahlkampf des Jahres 1800, als in der Gazette of the United States zu lesen war: „DIE GROSSE FRAGE LAUTET: Zur jetzigen feierlichen und folgenschweren Epoche lautet die einzige Frage, die sich jeder Amerikaner mit der Hand auf dem Herzen liegend stellen muß: „Soll ich meine Stimme abgeben in Treue zu GOTT – UND EINEM RELIGIÖSEN PRÄSIDENTEN [John Adams, Anm. im Text] oder mich gottlos entscheiden für JEFFERSON – UND KEINEN GOTT!!!“[49]

1.2.4. The Declaration of Independence – Die Unabhängigkeitserklärung

1769 wurde Jefferson in das Abgeordneten-Haus von Virginia gewählt. 1774 veröffentlichte Jefferson A Summary View of the Rights of British America (Eine zusammenfassende Schau der Rechte Britisch-Amerikas). Darin betont er, daß die Siedler freie Menschen wären und die Verbindung mit England nur auf freiwilliger Basis bestehe. Sie könne daher jederzeit abgebrochen und neu definiert werden.

Jeffersons Ansehen wuchs und schließlich wurde er als Vertreter Virginias zum Zweiten Kontinentalkongreß im Jahr 1775 gesandt. Dieser beauftragte ihn auch mit der Verfassung der Unabhängigkeitserklärung, welche am 4. Juli 1776 vom Kongreß verabschiedet wurde.

Die Unabhängigkeitserklärung stellt eines der zentralsten Dokumente in der amerikanischen Geschichte dar. In der Theorie der Zivilreligion nimmt sie zusammen mit der Verfassung den Platz der heiligen Schriften ein. Ganz im Sinne des puritanischen Denkens kann man beide als die Bundesurkunde der Vereinigten Staaten bezeichnen. Die Unabhängigkeitserklärung spricht zwar nicht so offensichtlich wie John Winthrop vom Bund zwischen dem amerikanischen Volk und Gott, dieser Bund ist meiner Meinung nach aber dennoch in ihr enthalten.

Thomas Jefferson beruft sich bei seinen Ausführungen und in seiner Rechtfertigung für die Proklamation der Unabhängigkeit gleich zu Beginn auf die Gesetze der Natur und die Gesetze Gottes. Der Unabhängigkeitserklärung ist ein langer Streit zwischen den Kolonien und Großbritannien vorausgegangen. Die Bevölkerung in Amerika hatte dabei den Eindruck, von der englischen Krone ausgebeutet und unterdrückt zu werden. In der Unabhängigkeitserklärung kommt nach meinem Verständnis die Auffassung der Gründerväter zum Ausdruck, daß Gott mit der Menschheit einen Bund geschlossen hat. Dieser Bund besteht in der Gnade der Gleichheit und Freiheit für alle Menschen. Da der englische König diesen Bund nicht beachtete, den Bund mit Gott damit eigentlich brach, blieb den Siedlern keine andere Wahl als ihrerseits die Verbindung mit Großbritannien abzubrechen. Sie beriefen sich dabei auf eben erwähnten Bund Gottes mit den Menschen und schlossen mit Gott einen neuen Bund, der mit der Unabhängigkeitserklärung besiegelt wurde.

Noch heute werden einige offizielle Dokumente und Proklamation des Präsidenten mit im Jahre des Herrn xxxx und der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika das xxx Jahr datiert.[50]

Einstimmige Erklärung der dreizehn Vereinigten Staaten von Amerika,[51]

(3ff.) Wenn im Gange menschlicher Ereignisse es für ein Volk notwendig wird, die politischen Bande zu lösen, die sie mit einem anderen Volk verknüpft haben, und unter den Mächten der Erde den selbstständigen und gleichen Rang einzunehmen, zu dem die Gesetze der Natur und ihres Schöpfers es berechtigen, so erfordert eine geziemende Rücksicht auf die Meinung der Menschheit, daß es die Gründe darlegt, die es zu der Trennung veranlassen.

(9ff.) Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingerichtet werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten; daß, wenn irgendeine Regierungsform sich für diese Zwecke als schädlich erweist, es das Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen und sie auf solchen Grundsätzen aufzubauen und ihre Gewalten in der Form zu organisieren, wie es zur Gewährleistung ihrer Sicherheit und ihres Glücks geboten zu sein scheint.

(127ff.) Daher tun wir, […] an den Obersten Richter der Welt betreffs der Rechtlichkeit unserer Absichten appellierend, […] feierlich kund und erklären, daß diese Vereinigten Kolonien freie und unabhängige Staaten sind und es von Rechts wegen sein sollen.

(135ff.) Und zur Stütze dieser Erklärung verpfänden wir alle untereinander in festem Vertrauen auf den Schutz der Göttlichen Vorsehung unser Leben, unser Gut und unsere heilige Ehre.

Die vier Paragraphen stammen aus der letztendlich beschlossenen Version der Erklärung, die aufgrund von einigen Änderungen und Korrekturen nicht zu hundert Prozent mit Jeffersons Originalentwurf[52] übereinstimmt. So wurde zum Beispiel ein Paragraph in Jeffersons Entwurf, der gegen die Sklaverei gerichtet war, vor allem auf Druck der Südstaaten ersatzlos gestrichen. Der Originaltext lautete für (9): „Folgende Wahrheiten erachten wir heilig und unleugbar: daß alle Menschen gleich und unabhängig geschaffen sind; daß sich von dieser Gleichgeschaffenheit angeborene und unveräußerliche Rechte ableiten.“[53]

Wie schon oben erwähnt, spielten die Freiheit und die Gleichheit der Menschen so eine zentrale Rolle bei Jefferson, daß er diese Wahrheiten als heilig bezeichnete. Auf der anderen Seite wird der Schöpfer in Jeffersons Originalvorlage nicht erwähnt. Dies läßt vielleicht vermuten, daß Jefferson doch nicht so religiös gewesen sein könnte. Dem ist aber entgegenzuhalten, daß der Begriff heilig selbst einen religiösen, transzendenten Bezug hat. Ich bin überzeugt, Jefferson war sich der Bedeutung dieses Begriffes bewußt und hat die Formulierung ganz bewußt getroffen. Freiheit und Gleichheit sind nicht eine Erfindung des Menschen, sondern leiten sich aus dessen Natur ab, die von Gott geschaffen wurde. Mit dem Begriff heilig wollte Jefferson vielleicht auch die Rechte, die ihm so wichtig waren, dem Zugriff der Menschen entziehen.

Insgesamt finden sich in der Unabhängigkeitserklärung vier Hinweise auf Gott, in Zeilen 3ff., 9ff., 127ff. und 135ff. Vor allem in den letzten beiden Anrufungen Gottes meint Robert Bellah, ein amerikanischer Soziologe, „einen biblischen Gott der Geschichte, der über die Erde Gericht hält“[54] zu sehen.

1.2.5. Das Thema Religionsfreiheit in Virginia

Ende der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts wollte Jefferson die Religionsfreiheit in Virginia durchsetzen. Das Statut über die Religionsfreiheit, das Jefferson 1777 verfaßte und 1779 erstmalig vorlegte, wurde aber mehrheitlich abgelehnt.

Patrick Henry, ein Verfechter des Staatskirchentums und Gouverneur von Virginia 1784-1786, wollte 1785 eine neue Steuer einführen, die den Lehrern der christlichen Konfessionen zukommen sollte. „‚Deshalb’ schlagen wir vor, das Christentum selbst zur ‚etablierten Religion dieser Gemeinschaft zu machen; alle christlichen Konfessionen, die sich friedlich und glaubenstreu verhalten, sollen die gleichen Privilegien erhalten.’“[55]

James Madison, wie Jefferson ein Verfechter religiöser Freiheit und Gegner jeglicher Form eines Staatskirchentums, verfaßte einen Einwand gegen das von Henry vorgelegte Gesetz und sammelte in ganz Virginia Unterschriften. Er wurde 1785 veröffentlicht und mit Memorial and Remonstrance (Mahnmal und Protest) betitelt. Das Schreiben setzte sich dafür ein, „alle die Religion betreffenden Gesetze der einzigen wirklichen qualifizierten Autorität, nämlich ‚dem obersten Gesetzgeber des Universums’, zu überlassen“[56]. Keine Religion dürfe bevorzugt werden, denn niemand könne garantieren, daß der Staat nicht einmal eine gefährliche Religion etabliere.

[...]


[1] Tocqueville, A., Demokratie, S. 336.

[2] Die Begriffe Amerika und USA haben nicht dieselbe Bedeutung, da Amerika auch Kanada und die lateinamerikanischen Länder mit einschließt. Vor allem in der heutigen Umgangssprache und in der Rhetorik des Präsidenten der Vereinigten Staaten werden mit Amerika aber meistens die USA gemeint. Der erste Teil des ersten Kapitels meiner Arbeit behandelt die Zeit vor der Gründung der Vereinigten Staaten. In ihm verbinde ich Amerika mit dem Kontinent. Ab der Staatsgründung der USA im 18. Jahrhundert schließe ich mich der allgemein gebräuchlichen, also gleichwertigen, Verwendung der beiden Begriffe an.

[3] Für diesen Abschnitt vgl. vor allem: Armstrong, K., The Battle for God; Corbett, M., Religion and Politics in the U.S.; Gaustad, E., Neither King nor Prelate; Miller, W., The First Liberty; Schützeichel, Antelapsarier; „Dwight, Timothy“, Encyclopædia Britannica; „Great Awakening“, Encyclopædia Britannica; „Nonconformist“, Encyclopædia Britannica; „revivalism“, Encyclopædia Britannica; „Rhode Island“, Encyclopædia Britannica; „Toleration Act“, Encyclopædia Britannica; „Williams, Roger“, Encyclopædia Britannica; „Winthrop, John“, Encyclopædia Britannica.

[4] Für den Originaltext siehe Anhang 1. Die Nummern in den runden Klammern beziehen sich auf die Zeilennummern des am Schluß zu findenden Textes.

[5] Vgl. Winthrop, J., A Modell, Anhang 2; im Folgenden sollen Teile dieses Textes kurz besprochen werden. Die Nummern in den runden Klammern beziehen sich dabei wieder auf die Zeilennummern im Anhang.

[6] Vgl. Churches Call for Justice, S. 1344.

[7] Vgl. Winthrop, J., A Modell of Christian Charity, Anhang 2, Zeilennummer 28ff.

[8] Corbett, M., Religion and Politics in the U.S., S. 33.

[9] Vgl. Freudenberg, M., Calvinismus, S. 900-905.

[10] Vgl. Corbett, M., Religion and Politics in the U.S., S. 34.

[11] Corbett, M., Religion and Politics in the U.S., S. 35.

[12] Corbett, M., Religion and Politics in the U.S., S. 33.

[13] Vgl. Corbett, M., Religion and Politics in the U.S., S. 40.

[14] Vgl. Davis, J., A Return to Civility. S. 692f.

[15] Davis, J., A Return to Civility, S. 694.

[16] Vgl. Lasson, K., Free Exercise in the Free State, S. 424.

[17] Gaustad, E., Neither King nor Prelate, S. 29:

[18] Lasson, K., Free Exercise in the Free State, S. 433.

[19] Vgl. Corbett, M., Religion and Politics in the U.S., S. 42.

[20] Vgl. Edwards, J., Sinners, (Internet).

[21] Armstrong, K., Battle for God, S. 79.

[22] Vgl. Corbett, M., Religion and Politics in the U.S., S. 45.

[23] Corbett, M., Religion and Politics in the U.S., S. 45.

[24] Der Deismus im allgemeinen bezeichnet eine Weltanschauung, die von der Existenz eines persönlichen Gottes überzeugt ist, da dieser in der Natur und durch die Vernunft erkennbar sei. Im speziellen bezeichnet er eine Bewegung, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Teilen des vom Calvinismus reformierten Gebietes entstand. Typisch für den Deismus sind dessen Zurückweisung des Absolutheitsanspruches einer religiösen Gruppe und damit die Forderung nach Religions- und Gewissensfreiheit. Die übernatürliche Offenbarung wird zurückgewiesen, biblische Wunderberichte und Weissagungen werden auf deren naturwissenschaftliche Haltbarkeit geprüft. Oft finden sich für Gott Bezeichnungen wie Architekt oder Uhrmacher, die zum Ausdruck bringen sollen, daß er zwar Schöpfer ist, sich aber nicht aktiv in die Geschichte seiner Schöpfung einmischt. Der Deismus, der zwar ein hohes moralisches und ethisches Ideal anstrebt, bewirkt aber Entkirchlichung oder setzt diese schon voraus, was zu Spannungen mit den christlichen Kirchen führte. Vgl. Kessler, M., Deismus, S. 60-62; Gestrich, Ch., Deismus, S. 392-406.

[25] Der Unitarismus entstand im 16. Jahrhundert und geht auf den Antitrinitarismus zurück, der seinerseits, wie der Name schon sagt, das Trinitätsdogma zurückweist. Darüberhinaus weist der Unitarismus die Lehre von der Erbsünde und der ewigen Verdammnis und die Zwei-Naturen-Christologie zurück. Er tritt für ein vernunftbetontes und undogmatisches Christentum ein. Eine wichtige Rolle spielt die soziale Dimension der Lehre und des Wirkens Jesu. Vgl. Ullrich, Lothar, Unitarier, S. 414-415; Ullrich, Lothar, Antitrinitarier, S. 776-777.

[26] Armstrong, K., Battle for God, S. 82.

[27] Armstrong, K., Battle for God, S. 84.

[28] Armstrong, K., Battle for God, S. 83.

[29] Armstrong, K., Battle for God, S. 83.

[30] Armstrong, K., Battle for God, S. 83.

[31] Armstrong, K., Battle for God, S. 84.

[32] Vgl. Miller, W., The First Liberty, S. 250.

[33] Miller, W., The First Liberty, S. 250.

[34] Vgl. Miller, W., The First Liberty, S. 250.

[35] Siehe dazu auch 1.2.6.1.

[36] Miller, W., The First Liberty, S. 252.

[37] Miller, W., The First Liberty, S. 253.

[38] Vgl. Miller, W., The First Liberty, S. 255.

[39] Vgl. „Methodism”, Encyclopædia Britannica.

[40] Miller, W., The First Liberty, S. 258.

[41] Miller, W., The First Liberty, S. 259.

[42] Schäfer, P., Die Präsidenten, S. 48.

[43] Jeffersons Originalentwurf der Grabinschrift befindet sich als Abbildung in Anhang 3.

[44] „Madison, James“, Encyclopædia Britannica.

[45] Gaustad, E., Neither King nor Prelate, S. 50f.; vgl. auch Jefferson Memorial, Inscriptions, (Internet).

[46] Vgl. Gaustad, E., Neither King nor Prelate, S. 37

[47] Gaustad, E., Neither King nor Prelate, S. 50.

[48] Gaustad, E., Neither King Nor Prelate, S. 46.

[49] Dreisbach, D., Mr. Jefferson, S. 735: „THE GRAND QUESTION STATED. At the present solemn and momentous epoch, the only question to be asked by every American, laying his hand on his heart, is, ‘Shall I continue in allegiance to GOD – AND A RELIGIOUS PRESIDENT [John Adams, Anm. im Text]; or impiously declare for JEFFERSON – AND NO GOD!!!”

[50] Vgl. z.B. Bush, G., Mother’s Day 2002, 09.05.2002, (Internet).

[51] Deutsche Übersetzung: Unabhängigkeitserklärung, (Internet); für die englische Version, auf die sich die Zeilennummern beziehen, siehe Anhang 4.

[52] Vgl. Jefferson, Th., Declaration, Originalentwurf, Anhang 5.

[53] Jefferson, Th., Declaration, Originalentwurf, Anhang 5.

[54] Bellah, R., Civil Religion in America, S. 6.

[55] Gaustad, E., Neither King nor Prelate, S. 39.

[56] Gaustad, E., Neither King nor Prelate, S. 40.

Details

Seiten
140
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638324663
ISBN (Buch)
9783656073925
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31463
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Institut für Ethik und Gesellschaftslehre
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Zivilreligion Entstehung Debatte Aktualität Reden George Walker Bush September

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Titel: Zivilreligion in den USA - Entstehung - wissenschaftliche Debatte