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Das Verfahren der Unternehmensbewertung in Theorie und Praxis

Bachelorarbeit 2015 46 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Formelverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation/Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Fragestellungen
1.2.1 Forschungsfrage
1.3 Methodische Vorgehensweise
1.4 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1 Begriffsdefinitionen Wert und Preis
2.2 Bewertungsanlässe
2.3 Bewertungszweck
2.4 Kapitalkosten
2.4.1 Capital Asset Pricing Modell (CAPM)
2.4.2 Weighted Average Cost of Capital (WACC)
2.5 Anforderung an die Planung

3 Verfahren der Unternehmensbewertung
3.1 Substanzwertverfahren
3.2 Ertragswertverfahren
3.3 Residualgewinnverfahren
3.3.1 Economic Value Added (EVA) Verfahren
3.3.2 Residualgewinn aus Sicht der Eigenkapitalgeber
3.4 Discounted-Cashflow Methoden
3.4.1 WACC-Verfahren
3.4.2 Adjusted Present Value Verfahren (APV)
3.4.3 Nettoverfahren
3.4.4 Kritik an den DCF Verfahren
3.5 Dividenden-basierte Bewertungsmethoden
3.5.1 Constant-Growth Modell
3.5.2 Zero-Growth Modell
3.6 Multiplikatorverfahren
3.6.1 Kritik und Würdigung
3.7 Sonstige Verfahren
3.7.1 Realoptionen
3.7.2 Mischverfahren
3.7.2.1 Mittelwertverfahren
3.7.2.2 Übergewinnverfahren
3.7.3 Wiener Verfahren

4 Conclusio
4.1 Beantwortung der Forschungsfrage
4.2 Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bewertungszwecke

Abbildung 2: Ausgangsdaten der Vergangenheitsanalyse

Abbildung 3: Planungsphasen

Abbildung 4: Unternehmensbewertungsmethoden

Abbildung 5: Einsatzhäufigkeiten der DCF Verfahren

Abbildung 6: Verfahren der Unternehmensbewertung in der Praxis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Anlässe für Unternehmensbewertungen

Tabelle 2: Free Cashflow

Tabelle 3: Adjusted Presen Value Verfahren

Tabelle 4: Flows to Equity

Tabelle 5: Input/Output Multiplikatorverfahren

Formelverzeichnis

Formel 1: CAPM

Formel 2: WACC

Formel 3: Tax Shield

Formel 4: Ertragswertverfahren

Formel 5: EVA

Formel 6: Residualgewinn aus Sicht der EK-Geber

Formel 7: WACC-Verfahren

Formel 8: Nettoverfahren

Formel 9: Constant-Growth Modell

Formel 10: Zero-Growth Modell

Formel 11: Multiplikatorverfahren

Formel 12: Kurs-Gewinn-Verhältnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation/Problemstellung

„Megafusion in Energiebranche - Shell kauft BG für 64 Mrd“

(vgl. Holton 2015)

„In der Praxis existieren die unterschiedlichsten Anlässe, bei denen die finanzwirtschaftliche Bewertung von Unternehmen relevant wird. Die Unternehmensbewertung wird längst nicht mehr nur für die Ermittlung von Kauf- bzw. Verkaufspreisen eingesetzt, sondern auch im Rahmen der internationalen Rechnungslegung durchgeführt.

Der allein gültige Unternehmenswert ist weder in Theorie noch Praxis gegeben und muss stets in Abhängigkeit vom Bewertungszweck ermittelt werden. Dafür stehen verschiedene Bewertungsverfahren zur Verfügung.“ (Nadvornik/Sylle 2012, S11). Auch nach Mandl et. al. (1997) herrscht in Theorie und Praxis Einigkeit darüber, dass vor jeder Unternehmensbewertung der Zweck der Bewertung festzulegen ist. Denn unterschiedliche Bewertungszwecke führen in der Regel zu unterschiedlichen Unternehmenswerten. Der jeweilige Bewertungszweck ist aus dem konkreten Bewertungsanlass abzuleiten.

Coenenberg et.al. (2002) beschreibt das Themenfeld der Unternehmensbewertung als ein seit langem zentrales Aufgabenfeld der Betriebswirtschaftslehre. Traditionell waren hier die klassischen Fragestellungen des Bewertungsgutachtens im Vordergrund, wie die Ermittlung eines Preises für den Erwerb eines ganzen Unternehmens oder von angemessenen Abfindungen bei Ausscheiden von Gesellschaftern. Doch sie halten auch fest, dass in den letzten Jahren Unternehmensbewertungsfragen in das Zentrum vieler anderer betriebswirtschaftlicher Teildisziplinen gerückt sind. Sie listen hier die strategische Unternehmensführung, das Controlling, Finanzierung und die Rechnungslegung auf. Als primären Grund für die breitere Relevanz dieses Themas nennen Sie die zunehmende Kapitalmarktorientierung der Unternehmen (vgl. Coenenberg et.al. 2002, S. 598).

Der aktuelle Stand in Forschung und wissenschaftlichen Publikationen ist der Folgende. Facheinschlägige Literatur spricht von einer langsamen Veränderung in der Unternehmensbewertung, laut Mandl (2000) treten Ertragswertverfahren sowohl in der theoretischen Diskussion als auch in der Praxis zugunsten der DCF-Verfahren immer mehr in den Hintergrund (vgl. Mandl 2000, o.S.). Die verschieden Verfahren der Unternehmensbewertung werden im Zuge der Arbeit erklärt und detailliert beschrieben.

Die Praxis orientiert sich in Österreich meist an dem KFS BW1. Das Fachgutachten zur Unternehmensbewertung KFS BW1 enthält die in Theorie und Praxis entwickelten Standpunkte und Grundsätze für die Bewertung von Unternehmen durch Wirtschaftstreuhänder. Um den Entwicklungen der vergangenen Jahre Rechnung zu tragen, wurde im Frühjahr 2014 eine Neufassung des Fachgutachtens beschlossen (vgl. Khinast-Sittenthaler 2014, S.1). „Dieses Fachgutachten legt vor dem Hintergrund der in Theorie, Praxis und Rechtsprechung entwickelten Standpunkte die Grundsätze dar, nach denen Wirtschaftstreuhänder Unternehmen bewerten.“ (KFS BW1 Tz (2)) Im Laufe der Arbeit wird laufend der Bezug zu diesem – für die Praxis - essentiellen Gutachten hergestellt.

1.2 Zielsetzung und Fragestellungen

Am Beginn der Arbeit wird ein einführender Überblick über die Grundlagen der Unternehmensbewertung gegeben. Darauf folgt der Hauptteil, in dem diverse Verfahren der Unternehmensbewertung in Theorie und Praxis gegenübergestellt werden. Hier liegt der Fokus an der Erarbeitung neuer Erkenntnisse mit möglichst hoher Relevanz für die Praxis. Die konkrete Beantwortung der Forschungsfrage folgt im letzten Teil der Arbeit. Das Ziel ist nach der Diskussion sämtlicher Verfahren, Hilfestellungen für Praktikerinnen und Praktiker zu gewinnen.

1.2.1 Forschungsfrage

Aus dem breiten Thema „Verfahren der Unternehmensbewertung in Theorie und Praxis“ entsprangen diverse Teilfragen. „Welche Verfahren gibt es?“ „Welche Verfahren werden in der theoretischen Diskussion mehrheitlich bevorzugt?“ „Welche Verfahren bevorzugen Praktikerinnen und Praktiker?“ „Was sind konkrete Unterschiede?“ „Woran orientieren sich Praktikerinnen und Praktiker?“ „ Warum werden einzelne Verfahren in der Praxis nicht eingesetzt?“ Diese Teilfragen bilden den Leitfaden der Arbeit und spiegeln sich in Struktur sowie Aufbau wieder. Ziel der Arbeit ist es, konkrete Unterschiede herauszuarbeiten und eventuelle Handlungsempfehlungen für Praktikerinnen und Praktiker zu erarbeiten. Die Forschungsfrage lässt sich somit folgendermaßen formulieren:

Welche Unterschiede gibt es bei der Anwendung diverser Verfahren der Unternehmensbewertung zwischen Theorie und Praxis?

1.3 Methodische Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit stützt sich auf eine strukturierte Literaturaufarbeitung. Für diese Vorgehensweise spricht, dass zu vielen zu bearbeitenden Bereichen bereits eine Fülle an Literatur vorhanden ist, die – richtig strukturiert – zu einem Erkenntnisgewinn führen kann. Unter anderem existieren zum Beispiel eine große Zahl an Kommentaren betreffend das aktuelle Gutachten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, die es gegeneinander abzuwiegen gilt. So kann ein vollständigeres Bild der Situation geschaffen werden und Handlungsempfehlungen lassen sich besser begründen. Die Literatur wurde mit Hilfe des Schneeballsystems und der SQR Methode recherchiert.

Das vorliegende Material setzt sich vor allem aus Fachzeitschriftenartikeln zusammen, zusätzlich wurden Fach und Lehrbücher als Grundlagenwerke verwendet. Bedeutende Quellen sind die Fachgutachten IDW und KFS BW1. Ein Grundlagenwerk auf das sowohl in der wissenschaftlichen Diskussion, in der vorliegenden Arbeit als auch in der Praxis laufend eingegangen wird ist: Copeland et. al. (2005) „ Valuation: Measuring and Managing the Value of Companies“. Aufgrund der Aktualität des Themas werden zur Beschreibung aktuelle wissenschaftliche Artikel und wirtschaftliche Studien zu Hilfe gezogen. Aufgrund der Fülle an Informationen der aufgegriffenen Thematik konzentriert sich die Literaturrecherche vor allem auf die Suche in Datenbanken. Es wurden hauptsächlich Datenbanken, die wirtschaftswissenschaftliche Literatur indexieren verwendet. Darunter fallen EBSCO Business Source Premier, Emerald sowie wiso Wirtschaftswissenschaften.

1.4 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit beginnt mit einer Erläuterung der Themenstellung, der Problemstellung und deren Relevanz, ebenfalls wird der derzeitige Stand der Literatur dargelegt. Anschließend wird das Thema durch die Zielsetzung und der Formulierung der Forschungsfrage weiter eingegrenzt. Auf die Methodische Vorgehensweise folgt eine komprimierte Beschreibung des Aufbaus die schließlich zum Hauptteil der Arbeit und der Bearbeitung der Forschungsfrage überleitet.

Bevor auf die einzelnen Verfahren der Unternehmensbewertung eingegangen wird, werden im vorhergehenden Kapitel die Grundlagen der Unternehmensbewertung dargestellt und diskutiert. Hier wird ein starker Bezug zum „Fachgutachten des Fachsenats für Betriebswirtschaft und Organisation der Kammer der Wirtschafts-treuhänder zur Unternehmensbewertung“ hergestellt. Bewertungszweck, Bewertungsanlässe sowie Bewertungsverfahren sind zentrale Themen die diskutiert werden. Das Kapitel versteht sich als Einführung in die Arbeit die der Leserin und dem Leser eine wertvolle Hilfestellung sein soll.

Im nächsten Kapitel wird der Blickwinkel auf sämtliche Verfahren der Unternehmensbewertung gelenkt. Hier liegt das Augenmerk bereits auf der Beantwortung der Fragestellung indem die Theorie mit der Praxis verglichen wird. Es wird beschrieben welche Verfahren, mit welcher Begründung, in der Praxis verwendet werden und wieso andere nicht angewandt werden. Speziell werden Substanzwertverfahren, Discounted-Cashflow (DCF) Verfahren, Residualgewinnverfahren, Ertragswertverfahren und das Multiplikatorverfahren einer näheren Betrachtung unterzogen. Kapitel 3 kann als der Hauptteil angesehen werden da hier die Beantwortung der impliziten Fragestellung des Themas erarbeitet wird.

Schlussendlich wird in der Conclusio die Forschungsfrage ausführlich beantwortet sowie ein kompakter Ausblick gegeben.

2 Grundlagen der Unternehmensbewertung

Um die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren der Unternehmensbewertung zu verstehen, müssen zu Beginn einige grundlegende Begriffe und Fakten definiert werden.

2.1 Begriffsdefinitionen Wert und Preis

Der Unternehmenswert ist als Gesamtwert des Unternehmens auf alle Unternehmenseigner definiert, während der Wert eines Unternehmensanteils dem jeweiligen Anteil eines Unternehmenseigners am Unternehmen angerechnet wird. Dabei kann der Wert direkt über die Abzinsung von Zahlungsströmen, oder indirekt über eine Ableitung vom Gesamtwert des Unternehmens berechnet werden.

Der objektive Wert eines Unternehmensanteils entspricht dem prozentualen Anteil an einem objektiv bewerteten Gesamtwert eines Unternehmens. Der subjektive Wert beinhaltet persönliche Einschätzungen über den Wert des Anteils. Bewertungsparameter die dabei in Betracht gezogen werden sind der Einfluss auf die Unternehmenspolitik sowie mögliche Synergieeffekte (vgl. IDW Rz(13)).

Auf der anderen Seite bildet sich der Preis für Unternehmensanteile aus Angebot und Nachfrage (vgl. IDW Rz(13)). Er ist ein zweiseitiges, in Geldeinheiten ausgedrücktes Urteil über den wirtschaftlichen Wert eines Gutes und bildet sich in Verhandlungen oder auf freien Kapitalmärkten aus Angebot und Nachfrage(vgl. Jaensch 1966, S. 7.).

„ Er wird wesentlich von der Nutzenschätzung (Grenznutzen) der jeweiligen Käufer und Verkäufer bestimmt und kann je nach dem mengenmäßigen Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage sowie den Einfluss-möglichkeiten der Unternehmenseigner auf die Unternehmenspolitik (Alleineigentum, qualifizierte oder einfache Mehrheit, Sperrminorität oder Streubesitz) mehr oder weniger stark von dem Wert des gesamten Unternehmens oder dem quotalen Anteil am Unternehmensgesamtwert abweichen.“ (IDW Rz(13)) Der Preis resultiert somit aus dem Zusammentreffen der jeweiligen subjektiven Einschätzungen über Kosten und Nutzen der Marktteilnehmer (vgl. Busse von Colbe 1957a, S. 9.).

Der in der Unternehmensbewertung ermittelte Wert ist ein Bestandteil der in die Preisbildung einfließt, jedoch ist er nicht identisch mit dem Kauf- bzw. Verkaufspreis eines Unternehmens (vgl. Barthel 1995, S. 343.).

2.2 Bewertungsanlässe

„In der Praxis existieren die unterschiedlichsten Anlässe, bei denen die finanzwirtschaftliche Bewertung von Unternehmen relevant wird. Die Unternehmensbewertung wird längst nicht mehr nur für die Ermittlung von Kauf- bzw. Verkaufspreisen eingesetzt, sondern z.B.: auch im Rahmen der internationalen Rechnungslegung durchgeführt.“ (Nadvornik/Sylle 2012, S11).

Tabelle 1: Anlässe für Unternehmensbewertungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: vgl. Mandl/Rabel 1997a, S. 14

Wie aus Tabelle 1 ersichtlich können Unternehmensbewertungen unter anderen bei Ausscheiden eines Gesellschafters oder Gesellschafterin, aus Gründen der Bonitätsprüfung, für eine wertorientierte Unternehmenssteuerung, für die Ermittlung von Steuerbemessungsgrundlagen oder aus reinen Informationszweck erfolgen (vgl. Mandl/Rabel 1997a, S. 14).

Diese Aufzählung ist nicht vollständig und könnte um einige Punkte erweitert werden, jedoch sind die wichtigsten Anlässe angeführt worden.

2.3 Bewertungszweck

Quelle: Coenenberg/Schultze 2002, S.599

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bewertungszwecke

Coenenberg et.al. (2002) postulieren, dass kein einzig richtiger Unternehmenswert existiert sondern sollte der Unternehmenswert vielmehr in Abhängigkeit zu dem Zweck, dem er dient, ermittelt werden. Abbildung 1 soll dies verdeutlichen. Nach der Kammer der Wirtschaftstreuhänder gibt es 3 verschiedene Zwecke ein Unternehmen zu bewerten:

- Ermittlung eines objektivierten Unternehmenswerts
- Ermittlung eines subjektivierten Unternehmenswerts
- Ermittlung eines Schiedswerts

Der objektivierte Wert sollte dabei durch ein Diskontierungsverfahren und realistische Zukunftsdaten berechnet und durch Multiplikatoren auf seine Plausibilität geprüft werden. Beim subjektiven Wert sollten dagegen subjektive Vorstellungen in die Planung einfließen und als Preisunter- bzw. Preisobergrenze dienen. Aufgrund einer Konfliktsituation und unterschiedlicher Ansichten diverser Parteien kann ein Schiedswert ermittelt werden.

2.4 Kapitalkosten

2.4.1 Capital Asset Pricing Modell (CAPM)

Für die Berechnung der von den Eigenkapitalgebern geforderten Rendite, kommt in der Praxis des Öfteren das Capital Asset Pricing Model (CAPM) zur Anwendung. Dieses setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen: Dem risikolosen Basiszinsfuß und der Risikoprämie für das übernommene Risiko (vgl. Britzelmaier 2009, O.S.). Im Zuge des CAPM wird ein Vergleich zu einer Anlage im Marktportfolio angestellt, dabei sollte das Unternehmen mindestens die Rendite erzielen, die eine hinsichtlich des Risikos vergleichbare Investition am Kapitalmarkt erbringen würde (vgl. Timmreck 2004, S.61-75).

Formel 1: CAPM

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Eigenkapitalkosten werden durch drei Faktoren bestimmt: dem risikolosen Zinssatz rf, die Marktrisikoprämie (die erwartete Rendite des Marktportfolios rm abzüglich dem risikolosen Zinssatz rf) und eine Risikoadjustierung, die ein Verhältnis zu vergleichbaren Unternehmen herstellt. Das CAPM nutzt für diese Adjustierung den Faktor Beta β, welcher die Sensibilität der Aktienrendite gegenüber allgemeinen Marktbewegungen misst (vgl. Copeland/Koller/Murrin/McKinsey & Company 2002, S.237). Nach Wala et.al (2014) berechnet sich der Betafaktor β aus dem Quotienten der Kovarianz der historischen Aktienrendite und den im gleichen Zeitraum erzielten Renditen des Marktportfolios einerseits sowie der Renditevarianz des Marktportfolios andererseits. Der Betafaktor kann nach Hager (2014) entweder über eine Börsennotierung, über Vergleichsgruppen oder über Branchenbetas ermittelt werden. Die Betas von börsennotierten Unternehmen werden in der Praxis entweder selbst berechnet oder über Finanzdienstleister abgerufen. Branchenbetas wurden beispielsweise von Aschauer et.al. (2014) nach der Österreichischen Branchenklassifizierung ÖNACE abgeleitet.

Durch die Marktrisikoprämie wird das mit der Investition in ein Unternehmen im Vergleich zu risikolosen Wertpapieren verbundene höhere Risiko neutralisiert. Diese entspricht dem Unterschied der erwarteten Rendite des Marktportfolios rm und des risikolosen Zinssatzes rf (vgl. Kranebitter 2007, S. 139).

Zur Bemessung des risikolosen Zinssatzes rf wird laut KFS BW1 entweder eine Staatsanleihe oder eine Vergleichsveranlagung in festverzinslichen Anleihen von Schuldnern erster Bonität mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Jahren empfohlen. Das Problem in der Praxis: Oft sind die zu bewertenden Unternehmen/ Geschäftsbereiche nicht börsennotiert. Daher müssen Vergleichsunternehmen mit ähnlichen Eigenschaften herangezogen werden, die im Gegensatz zum bewertenden Unternehmen an der Börse notiert sind. Trotz neuer Ergebnisse der Finanzmarktforschung, die Schwächen des CAPM aufzeigen, gilt es heute als Best Practice Modell. Besonders vorteilhaft ist diese Methode, wenn die angestrebte Verschuldungsquote bekannt ist (vgl. Gantenbein /Gehrig 2007, S.606). Ernst et.al. (2008) stellen wesentliche Schwachstellen des Modells fest: Erstens geht es von einem vollkommenen Markt aus und berücksichtigt daher keine Steuern. Des Weiteren werden sowohl für den Beta Faktor als auch für die Risikoprämie historische Daten verwendet. Ebenso existiert ein vollständig risikofreier Zinssatz in der Realität nicht, da selbst Staatsanleihen der Inflation und dem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt sind. Doch trotz all der Kritik ist festzuhalten, dass das CAPM das wohl wichtigste Tool zur Berechnung der Renditeforderung der Eigenkapitalgeber ist.

2.4.2 Weighted Average Cost of Capital (WACC)

Um die Gesamtkapitalkosten zu ermitteln bedienen sich Praktiker und Praktikerinnen eines anderen Modells, dem weigted average cost of capital (=WACC). Der WACC ist ein gewichteter Kapitalkostensatz aus der Renditeforderung der Eigenkapitalgeber die zum Beispiel mit Hilfe des CAPM berechnet wird und aus der Renditeforderung der Fremdkapitalgeber. Die Gewichtung erfolgt im selben Verhältnis der Marktwerte des gebunden Kapitals in einem Unternehmen das sich aus Fremd- und Eigenkapital zusammensetzt. In diesem Kapitalkostensatz wird die steuerliche Abzugsfähigkeit der Fremdkapitalzinsen gezeigt (Wala/Haslehner/Szauer 2006, S.10). Die Steuerersparnis der Kapitalkosten der Fremdfinanzierung, wird unter anderen gezeigt, weil die beim Bruttoverfahren verwendeten Free Cashflows keine Steuerersparnis abbilden (vgl. KFS BW1 Rz (39)). Der WACC errechnet sich nach Wala et.al. (2006) damit wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formel 2: WACC

Formel 3: Tax Shield

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5 Anforderung an die Planung

Das zentrale Element jeder Bewertung ist eine gründliche Planung der zukünftigen finanziellen Überschüsse. In einem ersten Schritt müssen sämtliche Informationen, die für die Planung relevant sind, erhoben werden. Dazu gehören insbesondere interne Plandaten sowie detaillierte Analysen über Stärken und Schwächen des Unternehmens, aber auch externe Analysen betreffend Branche und Konkurrenz. Vergangenheitsanalysen dürfen jedoch auch nicht fehlen, diese werden als Orientierungsgrundlage genutzt. Dabei werden Daten des externen Rechnungswesens, insbesondere Geldflussrechnungen, Gewinn und Verlust Rechnungen und Bilanzen betrachtet (KFS BW1 Rz(51-55)).

Copeland et.al (2002) sieht Porters Five Forces als wichtigstes Instrument der Branchenanalyse. Hier gilt es herauszufinden, ob trotz externer Kräfte (Ersatzprodukte, Verhandlungsmacht der Zulieferer, Verhandlungsmacht der Kunden und Kundinnen sowie Eintritts- und Austrittsbarrieren) mehr als die Kapitalkosten verdient werden kann.

Nach Nadvornik et. al. (2012) stützen sich Praktiker und Praktikerinnen mehrheitlich auf folgende Unterlagen:

Abbildung 2: Ausgangsdaten der Vergangenheitsanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Nadvornik/Sylle 2012, S.15

Es ist deutlich erkennbar, dass sich der Großteil der Anwender und Anwenderinnen bei der Vergangenheitsanalyse auf den Jahresabschluss stützt. So verwenden 98,98% die Gewinn und Verlustrechnung und 92,39% die Bilanz als Grundlage.

Kern jeder zukunftsorientierten Unternehmensbewertung bildet die Prognose der künftigen finanziellen Überschüsse. Diese Prognosen können umso leichter erstellt werden, je näher sich die Planungsperioden zum Bewertungsstichtag befinden (vgl. Mandel/Rabel 2009, S.59).

Generell ist die Planung in mehrerer Phasen zu unterteilen, beginnend mit einer Detailplanungsphase von 3-5 Jahren. Danach wird unterstellt, dass sich das Unternehmen in einem Gleichgewichtszustand einpendelt, welcher sich durch den Term der ewigen Rente ausdrückt. Bei jenen Unternehmen, bei denen die Annahme, das Unternehmen gehe nach der Detailplanungsphase in einen Gleichgewichtszustand (ewige Rente) über, nicht plausibel erscheint, muss eine Grobplanungsphase eingeschoben werden. Ursachen dafür sind noch nicht abgeschlossene Investitionszyklen, längerfristige Produktlebenszyklen, überdurchschnittliche Wachstumsraten, Steuer- oder andere Sondereffekte. All diese Gründe können eine Grobplanungsphase erfordern. Die Planung der Grobplanungsphase kann sich auf die Entwicklung der unternehmensspezifischen Werttreiber (z.B.: Umsatz, EBITDA-Marge) fokussieren. Alternativ dazu können Sondereffekte auch in einer Einzelbewertung ermittelt und im Anschluss in die Planrechnung aufgenommen werden, jedoch greifen diese separaten Rechnungen meist zu kurz. Abbildung 3 zeigt die beschriebenen Phasen im Zeitablauf, wobei die Grobplanungsphase nicht verpflichtend ist (vgl. Purtscher 2014, S.167).

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Details

Seiten
46
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668134676
ISBN (Buch)
9783668134683
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314229
Institution / Hochschule
FHWien der WKW – Unternehmensführung
Note
1
Schlagworte
Unternehmensbewertung CAPM EVA DCF

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Titel: Das Verfahren der Unternehmensbewertung in Theorie und Praxis