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Idealvorstellung von Schönheit in der klassischen Bildhauerkunst am Beispiel des Apollo von Belvedere

Inwieweit stellt diese Statue einen Maßstab ästhetischer Perfektion dar?

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung antiker Schönheit in der klassischen Bildhauerkunst
2.1 Beschreibung des Apollo von Belvedere
2.2 „Das höchste Ideal der Kunst“ nach Johann Joachim Winckelmann

3. Exkurs in die Prinzipien antiker Schönheit
3.1 Der Begriff der Schönheit
3.2 Vorstellung und Ideale der menschlichen Gestalt

4. Schluss

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

In der Antike gibt es kaum ein weiteres Werk, welches solch eine Wirkung auf Künstler der Neuzeit ausübt, wie es die Statue des Apollo von Belvedere tut. Seit der Wiederentdeckung dieser Plastik Ende des 15. Jahrhunderts, beschäftigen sich verschiedene Künstler, Literaten und Archäologen für eigene Arbeiten mit der Figur des Apollo. Die größte Bedeutung jedoch trägt der deutsche Archäologe und Kunstschriftsteller Johann Joachim Winckelmann, dessen Beschreibungen des Werkes wesentlich das Ästhetikverständnis des Klassizismus prägten.

In der vorliegenden Arbeit wird nun die Idealvorstellung von Schönheit in der klassischen Kunst am Beispiel der Statue des Apollo von Belvedere untersucht. Das Ziel der Arbeit besteht darin, Antworten auf die Fragen zu geben, inwieweit die Statue einen Maßstab ästhetischer Perfektion darstellt, indem der Apollo an den damals vorherrschenden Idealen gemessen wird.

Im ersten Kapitel untersucht der Autor die Darstellung der antiken Schönheit in der klassischen Bildhauerkunst und beginnt mit einer Analyse und Beschreibung der Statue des Apollo von Belvedere anhand eines exemplarischen Bildes. Unter Einbeziehung seiner Schriften über den Apollo von Belvedere, wird im an- schließenden Verlauf mithilfe dieser Beschreibung der Stellenwert der männlichen Schönheit in Winckelmanns Ästhetik verdeutlicht. Im zweiten Kapitel schließt ein Exkurs in die Prinzipien antiker Schönheit an. Dabei folgt nach einem kurzen Einstieg in die Begrifflichkeit der Schönheit, ein Überblick über die Vorstellungen und die Ideale der menschlichen Gestalt, insbesondere der des Mannes, die in der griechischen und römischen Antike herrschten. Im abschließenden Fazit wird zusammenfassend versucht, die Wertigkeit der Statue als Maßstab ästhetischer Perfektion zu definieren.

2. Darstellung antiker Schönheit in der klassischen Bildhauerkunst

In der heutigen Zeit misst man vieles, ob in der Architektur oder in der Natur, an den Idealen antiker Zeiten. Kaum ein anderes Volk beschäftigte sich so intensiv mit den Maßen der perfekten Proportion und Schönheit, wie die alten Griechen und Römer. Die antiken Vorstellungen von Schönheit zeigen sich auch heute noch eindrucksvoll in den Überresten alter Tempel, Fresken oder in der klassischen Bildhauerkunst mit ihren Statuen und Plastiken.

Dieses Kapitel beschäftigt sich nun mit der Darstellung der antiken Schönheits- vorstellung in der Höchstdisziplin der antiken Kunst, der klassischen Bildhauererei, mit besonderem Augenmerk auf der Statue des Apollo von Belvedere. Nach einer kurzen Beschreibung der Statue folgt eine subjektive Analyse der Plastik, unter Einbeziehung der Werke und Schriften Johann Joachim Winckelmanns, der, wie kaum ein Zweiter in der Kunstgeschichte, dieser Plastik und der antiken Kunst im Allgemeinen so viel Bewunderung und Wertschätzung zuschrieb. Dabei bezieht sich der Autor überwiegend auf zwei wichtige Schriften Winckelmanns. Zum einen „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“1, zum anderen der Abschnitt über den Apollo in „Die Geschichte der Kunst des Altertums“2.

2.1 Beschreibung des Apollo von Belvedere

Die Statue des Apollo von Belvedere (s. Abb. 1) galt damals wie auch heute als Sinnbild antiker Idealvorstellungen. Viele Historiker und Wissenschaftler sehen in ihm die vollkommenste Darstellung der ästhetischen Schönheit des Altertums.

Bei der Mamorplastik handelt es sich um kein Original aus griechischen Zeiten, sondern viel-mehr um eine römische Kopie einer Bronzestatue aus der Zeit um 350 bis 325 vor Christus3. Als möglicher Erzeuger dieses Werkes wird oft der griechische Bildhauer Leochares genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Apollo von Belvedere4

Benannt nach seinem Ausstellungsort, dem Belvedere-Hof im Vatikan, stellt die Statue den griechisch-römischen Gott Apollo dar, den Gott des Lichtes und der Künste. Ebenso gilt ihm eine überhöhte Darstellung als Gott der Reinheit und Jugendlichkeit.

Die Plastik ist nicht mehr vollständig erhalten, denn sein rechter Unterarm und die linke Hand fehlen. In der linken Hand hielt er einst, als Gott des Bogenschießens, sein wichtigstes Attribut, den Bogen. Der Baumstamm zu seiner rechten Seite, um den sich eine Schlange windet, diente dem Kopisten als Stütze und zur Festigkeit seiner Statue und war im Original vermutlich nicht vorhanden5.

Die Statue zeigt Apollo, der gerade das Ungeheuer Python mit Pfeil und Bogen erlegt hat, eine Begebenheit der antiken Mythologie6. Er präsentiert sich hierbei fast gänzlich nackt und ist nur mit Sandalen und einem typischen Mantel der Antike bekleidet, der sogenannten Chlamys, die er sich über die linke Schulter geworfen hat und die auf der anderen Seite mit einer Spange zusammengehalten wird. An einem Brustband befestigt und über die rechte Schulter geworfen, trägt der Apollo an seinem Rücken noch einen Köcher mit Pfeilen.

Sein Stand wirkt leichtfüßig, fast schreitend. Das aus der Tiefe hervortretende linke Bein befindet sich noch in der Schwebe und berührt nur leicht mit den Zehenspitzen den Boden. Sein rechtes Bein scheint seine Körperlast zu tragen, auch wenn der Körper in sich ruhend und ausgeglichen wirkt. Sein Oberkörper ist ganz leicht zur linken Seiten geneigt, viel mehr jedoch sein Kopf, der über seinen weit ausgestreckten linken Arm, über den er den unteren Teil der Chlamys gelegt hat, in die Ferne blickt. Entspannt, fast vollkommen regungslos wirken die Gesichtszüge des göttlichen Hauptes. Seine unnahbaren Augen sind weit geöffnet, seine Lippen liegen ruhend aufeinander und dennoch wirkt sein Blick entschlossen und stark. Mit dem in Wellen gelegten, kurzen Haar, welches über der Stirn, so scheint es, zusammen- gebunden ist, dem bartlosen Gesicht und den weichen Zügen wirkt das Haupt makellos. Ebenso verhält es sich bei dem restlichen Körper, der nicht überaus muskulös, dennoch definiert und stark erscheint, denn die weich gezeichneten Ansätze seiner Brust- und Bauchmuskulatur verleihen ihm eine jugendliche Kraft.

Die sich zu beiden Seiten öffnenden Arme und das leichte Ausschreiten seiner Beine vermitteln einen Ausdruck der Offenheit und Bestimmtheit, die angesichts des gerade stattgefundenen Kampfes mit der Schlange Python sehr ausgeglichen wirken.

2.2 „Das höchste Ideal der Kunst“ nach Johann Joachim Winckelmann

Johann Joachim Winckelmann gilt als einer der führenden Schönheitsfanatiker der Kunst- und Geisteswissenschaften. Als einer der ersten deutschen Archäologen erfasste er die „... edle Einfalt, und eine stille Größe...“7 in der Kunst des Altertums und entwickelte, wenn heute auch überholt, als einer der ersten den Versuch einer Entwicklungsgeschichte der antiken Kunst nach dem Schema von Aufstieg, Blüte und Fall. Sein größtes Interesse galt jedoch der Statue des Apollo von Belvedere und so bereiste er mehrere Male den Vatikan, Begegnungen, die durch erhaltene Niederschriften das Werk in einzigartiger Lebendigkeit und Detailverliebtheit vor Augen führen.

Die frühsten Beschreibungen datieren aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und erfassen eine fast protokollarische Genauigkeit und Gründlichkeit der einzelnen Schönheiten von Kopf bis Fuß. Mit einer fast ekstatischen Begeisterung und Hingabe, was sich in dem Stil seiner Sprache ausdrückt und der fast einer Hymne gleichenden Beschreibung, setzte er sich mit dem Kunstwerk auseinander. Wie stark das Erlebnis der sinnlichen Betrachtung für ihn war und wie sehr ihn dieses reifen ließ, zeigen die mehrfach überarbeiteten Beschreibungen des Apollo vom Belvedere. Für Winckelmann war die Statue nicht nur ein bloßes Kunstwerk, sondern vielmehr ein Bildnis des Wiederauflebens der antiken Kunst. Mit diesem für seine Ästhetik maßgebenden Satz: „Die Statue des Apollo ist das höchste Ideal der Kunst unter allen Werken des Altertums, welche der Zerstörung derselben entgangen sind“8, verleiht er der Statue seine vollkommene Hochachtung. Er richtet seinen Blick zunächst auf das Ganze und führt die göttliche Erhabenheit auf den Stand und das Gewächs der Statue zurück.

[...]


1 Johann Joachim Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst, Ludwig Uhlig (Hg.), Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1969.

2 Johann Joachim Winckelmann: Geschichte der Kunst des Altertums, Weimar: Hermann Böhlaus 1964.

3 Unbekannt: Apollo von Belvedere, römische Kopie nach einem Original des 4. Jahrhunders v. Chr., 350-325 v. Chr., Plastik aus Mamor, 224 cm, Vatikanische Museen Abb. aus: Eco, Umberto (Hg.): Die Geschichte der Schönheit, München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2006, S. 52.

4 Vgl. Umberto Eco (Hg.): Die Geschichte der Schönheit, München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2006, S.53.

5 Ute W. Gotschall: „Skulptur des Monats“, http://www.skulpturhalle.ch/sammlung/highlights/2004/05/ apoll.html (Stand: 21.05.2012).

6 Vgl. Winckelmann: Geschichte der Kunst des Altertums, S. 145.

7 Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst, S. 20.

8 Winckelmann: Geschichte der Kunst des Altertums, S. 309.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668132344
ISBN (Buch)
9783668132351
Dateigröße
4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314164
Institution / Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH
Note
1,1
Schlagworte
Apollo von Belvedere Ästhetik Ideal Schönheit klassische Bildhauerkunst Johann Joachim Winkelmann antike Schönheit

Autor

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