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Bildung und Erziehung im alten Rom. Griechische Einflüsse und zeitgenössische Kommentare

Facharbeit (Schule) 2010 16 Seiten

Latein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Die altrömische Erziehung
2.1) Voraussetzungen
2.2) Erziehung und Bildung

3) Griechischer Einfluss
3.1) Erziehung
3.2) Die Schulen
3.2.1) Die Elementarschule
3.2.2) Die Grammatikschule
3.2.3) Die Hochschule

4) Kommentare einiger Zeitgenossen zu Erziehung und Bildung

5) Fazit

Quellen

Deckblatt

Printmedien

Internet

1) Einleitung

Im täglichen Lateinunterricht übersetzt man beständig lateinische Quellen und analysiert ihren Gehalt. Der Inhalt der Texte scheint zuweilen ziemlich modern, von Senatssitzungen oder der Wahl neuer Volksvertreter ist die Rede, auch philosophische Gedanken werden geäußert, sodass man kaum glauben mag, dass die Schriften teilweise mehr als 2000 Jahre alt sind.

Im Geschichtsunterricht lernen wir, dass es schwierig ist, Details über das Leben im Mittelalter zu erfahren, da es keine Textquellen gibt. Über das alte Rom, das zeitgeschichtlich viel weiter zurückliegt, haben wir dank zahlreicher Schriftstücke jedoch detaillierte Kenntnisse.

Wie kommt es also, dass vor 2000 Jahren so viel niedergeschrieben wurde? Ist die Fülle der Schriftwerke auf umfassende Schriftkenntnisse in der Bevölkerung zurückzuführen?

Aus heutiger Sichtweise verbirgt sich das größte Potential einer Gesellschaft in den Kindern, sie tragen den Staat fort. Wie wurde ein junger Römer also damals erzogen, welche Bildung erhielt er, um auf die Aufgaben des täglichen Lebens in der Republik oder im Kaiserreich vorbereitet zu sein?

Mit diesen Fragen möchte ich mich in dieser Facharbeit näher befassen.

Dabei werde ich die altrömische Erziehung betrachten, die griechischen Einflüsse auf das Erziehungs- und Bildungssystem schildern und außerdem die Ansichten einiger Zeitgenossen zum Thema Bildung und Erziehung darstellen.

2) Die altrömische Erziehung

2.1) Voraussetzungen

Der römische Staat und das römische Volk sind geprägt von ihrer Geschichte und Vergangenheit. Die Berufung auf die mores maiorum als Grundwerte der Erziehung sind von großer Bedeutung, da diese Tugenden als die Grundpfeiler der Vormachtstellung Roms galten.

Die mores maiorum werden benannt als gravitas, constantia, magnitudo animi, probitas, fides und virtus[1] (Würde, Standhaftigkeit, Geistesgröße, Tüchtigkeit, Verlässlichkeit, Tugendhaftigkeit). Eine Erziehung entsprechend dieses Wertekanons sollte einen guten Staatsbürger hervorbringen, der seinen Platz in der Gesellschaft aufs Beste ausfüllt.

Gewissenhafte Staatsbürger (cives) waren eine Grundvoraussetzung für die Erhaltung und Vergrößerung des Imperiums.

Die Abstammung der Römer von einem agrarisch geprägten Volk bewirkte die Praxisnähe der Erziehung.

Die Zeit der altrömischen Erziehung dauerte von der Mitte des 7. Jhs. v. Chr. bis etwa zur Mitte des 2. Jhs. v. Chr.[2].

Im 3. und 2. Jh. v. Chr. begannen die griechischen Erziehungsansichten die römische Lebensweise zu beeinflussen, sodass sich die altrömische Erziehung langsam weiterentwickelte. Dazu aber erst später mehr.

2.2) Erziehung und Bildung

Ein Kind galt im alten Rom als ungeformtes Lebewesen, das durch psychische und physische Maßnahmen geformt werden musste. Dabei verstand man unter psychischer Formung die Vermittlung gesellschaftlicher Werte, unter physischer Formung den Einsatz von körperlicher Züchtigung als Erziehungsmittel.

Die Erziehung oblag der Familie: bis zum 7. Lebensjahr der Mutter, danach bei Jungen auch dem Vater.

Die Ausbildung von Jungen und Mädchen unterschied sich jedoch stark. Das Erziehungsziel für Mädchen, war das Heranziehen einer fähigen zukünftigen Ehefrau. Haushaltsführung, Nähen und Stricken waren Fähigkeiten, die ein Mädchen von ihrer Mutter erlernte. Mit 12 bis 13 Jahren war die Ausbildung abgeschlossen. Das Mädchen war nun im heiratsfähigen Alter. Die Erziehung der Mädchen, wie auch die der Jungen, basierte auf dem Prinzip „ durch die Praxis für die Praxis“[3].

Die Verinnerlichung der mores maiorum sowie die Vermittlung praktisch anwendbaren Wissens standen im Vordergrund der Jungenerziehung. Bis zum 7. Lebensjahr wurden die Knaben von der Mutter erzogen, danach wurde die Entwicklung des Sohnes vom Vater beaufsichtigt. Der Vater lehrte, was der entsprechende Beruf erforderte, ebenso, was die Gesellschaft von einem Mann erwartete. Für den Beruf konnten handwerkliche Tätigkeiten Lerninhalt sein, aber auch Schreiben, Lesen, Rechnen und Buchführung. Der intellektuelle Anteil der Erziehung war jedoch insgesamt sehr gering. Selbst in gehobeneren Kreisen fanden Wissenschaft und Künste noch keinerlei Anerkennung.

Zur gesellschaftlichen Ausbildung zählte auch die Unterweisung im Sport. Dabei galt Sport jedoch nicht als Zeitvertreib, vielmehr wurden Disziplinen gefördert, die militärischen Charakter hatten und später für den Militärdienst nützlich sein würden.

Mit ungefähr 16 Jahren sollte die elterliche Erziehung des jungen Mannes abgeschlossen sein. Die Vorbereitung für sein Leben als pater familias mit der Verantwortung politische und militärische Aufgaben als Staatsbürger wahrzunehmen war beendet.

In diesem Alter wurden die jungen Römer in die Bürgerlisten eingeschrieben und begangen feierlich das Anlegen der toga virilis, dem Kleidungsstück der Männer.

Bei besser gestellten Römern folgte nun für die Jungen ein praktisches Lehrjahr, das tirocinium fori. Es kennzeichnete den Beginn des Lebens in der Öffentlichkeit.

Der junge Mann begleitete für ein Jahr einen angesehenen Redner, Politiker oder Juristen[4] und wurde so in das gesellschaftliche Leben eingeführt.

Interessant zu erwähnen ist, dass bereits zu dieser Zeit, die Frage nach der richtigen Erziehungsform auftritt. Die Leitbilder „ patria potestas “ und „liebevoller Vater“ standen stets im Konflikt. Bereits Terentius behandelt in seiner Komödie „Adelphoe“, wie verschiedene Erziehungskonzepte verschiedene Menschen hervorbringen. So verhält sich der liberal erzogene Junge letztlich maßvoll und zurückhaltend, während sich der autoritär erzogene Sohn zügellos gehen lässt. Dennoch konnte sich ein liberales Erziehungskonzept im alten Rom nicht durchsetzen.

3) Griechischer Einfluss

Im Laufe des 3. und 2. Jhs. v. Chr. nahm der griechische Einfluss im römischen Reich zu. Durch Bündnisse und Eroberungskriege war Rom zu einem Weltreich aufgestiegen, dem auch die griechischen Stadtstaaten als Kolonien angehörten. Das hellenistische Gedankengut und das fortschrittliche Bildungswesen beeindruckten auch die Römer und führten zu einer intellektuelleren Erziehung der Jugend[5].

Die Veränderung vollzog sich jedoch nur langsam. Neuerungen und Anpassungen wurden stets am Leitgedanken „utilitas“ und „ usus“ (Nutzen und Praxis)[6] geprüft.

Daher konnte sich das Ideal des kultivierten Menschen mit Fähigkeiten in allen Bereichen in Rom nicht ganzheitlich durchsetzen. Insbesondere die Kunst der Rhetorik fand im alten Rom Anerkennung, Kunst, Musik und Athletik wurden hingegen vernachlässigt.

3.1) Erziehung

Die kindliche Erziehung blieb auch in der Spätantike und Kaiserzeit Privatsache.

Weiterhin fand die Erziehung des Kindes in der Familie statt, dies beinhaltete jedoch bei wohlhabenderen Familien die Unterstützung durch Hausangestellte.

Die Jungen sollten zu aufrechten Staatsbürgern, die Gehorsam ebenso wie Entscheidungsfreude beherrschen, ausgebildet werden.

Die Mädchen erhielten Unterricht in Spinnen, Weben und Sticken, graziöser Bewegung und Musik. Diese Unterweisungen sollten sie auf ihre spätere Rolle als Haushälterin und Unterhalterin des Gatten vorbereiten.

In vermögenden Familien wurden bereits die Säuglinge oft einer Amme anvertraut, die bis zum Schulbesuch die hauptsächliche Bezugsperson für den Nachwuchs darstellte, und ihm als einzige menschliche Nähe gewährte.

Eine emotionale Bindung an die Eltern, wie wir es heute in Familien finden, war damals eher verpönt, da die Zöglinge durch Härte zu aufrechten Menschen erzogen werden sollten.

Allgemein galt das Kindesalter als ein Zustand der Unvollkommenheit, der schnellstmöglich überwunden werden sollte. Der „ puer senex[7], der über sein Alter gereifte Junge, war daher ein Ideal.

[...]


[1] Vgl. Christes, Johannes; Klein, Richard; Lüth, Christoph: Handbuch der Erziehung und Bildung in der Antike, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006, S.44

[2] Vgl. Steck, Christian: Die Erziehung und die Schulen der Römer, Passau, 1996/1997, http://www.christian-steck.de/erziehung.htm, Zugriff: 13.12.2009

[3] Christes, Klein, Lüth, 2006, S.44

[4] Vgl. Christes, Klein, Lüth, 2006, S.74

[5] Vgl. Tempel, Sylke: Das alte Rom, Berlin, Rowohlt, 2001, S.36

[6] Vgl. Christes, Klein, Lüth, 2006, S.18

[7] Vgl. Christes, Klein, Lüth, 2006, S.48

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668130074
ISBN (Buch)
9783668130081
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314057
Note
14
Schlagworte
Altes Rom Bildung Erziehung Erziehungswesen Bildungswesen Schule

Autor

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