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Die Ermordung des Lorenzo il Magnifico und die Verschwörung der Pazzi gegen die Medici Familie

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Allgemeines / Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Florenz der Medici

III. Die Verschworer und ihre Motive
Die Pazzi
PapstSixtusIV
Die ersten Feindseligkeiten

IV. Der Tag der Abrechnung
Das Scheitern der Verschworung
Folgen dergescheiterten Verschworung

V. Konklusion

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Lorenzo il Magnifico ist wohl der bekannteste Anhanger seiner Familie, der Medici. Schon sein Grofivater Cosimo machte die Familie ab 1434 zur einer der einflussreichsten in Florenz, deren Macht bis zu Lorenzos Tod 1492 bestand halten sollte. Als humanistisch gelehrter Vertreter der Kunst und Kultur holte Lorenzo de' Medici viele bekannte Kunstler und Humanisten an seinen Hof und machte Florenz zur Geburtsstadt der italienischen Renaissance.

Immer wieder Thema im Zusammenhang mit Lorenzo de' Medicis Herrschaft ist die Verschworung und das ausgefuhrte Attentat an ihm und seinem Bruder Giuliano de' Medici.

Im Verlauf dieser Ausarbeitung sollen die grundlegenden politischen Einflusse und Konfliktpunkte der inneren und aufieren Politik Lorenzo de' Medicis hervorgehoben werden, die Voraussetzung waren fur die Verschworung an ihm, durch die Familie Pazzi und anderer. Wie verlief der Tathergang und wieso scheiterte der Versuch der Verschworer den machtigsten Mann von Florenz zu sturzen? Was waren die Folgen dieses Ausbruchs dieses innen- wie aufienpolitischen Konflikts?

Zunachst muss das grundlegende Herrschaftsverhaltnis der Medici erklart werden, da sie den Ausgangspunkt fur die Zwistigkeiten und grofieren Konflikte darstellte. Die Verschworer und ihre Motive werden vorgestellt, um die Hintergrunde der Tat besser zu verstehen. Folgend soll der Tathergang beschrieben und die Grunde des Scheiterns hervorgehoben und anschliefiend die Folgen des Umsturzversuches thematisiert werden, um zum Schluss die vorangegangen Fragen dieser Ausarbeitung in einer Konklusion beantworten zu konnen.

Der aktuelle Forschungsstand bietet dabei ein breites Spektrum an Literatur, die sich an einigen wenigen Quellen und Uberresten in Bezug auf den Aspekt der Verschworung orientiert.

II. Das Florenz der Medici

Nach dem Tode Giovanni de' Medici 1429, hinterliefi dieser seinem Sohn Cosimo de' Medici - Lorenzos Grofivater - einen unermesslichen Reichtum. Auf diesem Reichtum, aufgebaut durch das Medici Bankwesen und dem Tuchgewerbe, schaffte Cosimo die Basis fur sein politisches Machtstreben.1

Um politischen Einfluss in Florenz zu erlangen, sicherte sich Cosimo die Gunst des Volkes, indem er seinen Reichtum geheim hielt und nie versuchte ein offentliches Amt zu bekleiden. Stattdessen verlagerte er sein politisches Engagement hinter die Kulissen. Nach einer kurzen Zeit im Exil wurde er 1434 zum Stadtregenten von Florenz erhoben.2

In Cosimos monarchischer Herrschaft in einem republikanischen System, gestand er dem Volk keinerlei Rechte zu3. Sein Einfluss basierte auf den vielen verzweigten Klientelbeziehungen, die sich durch alle Gesellschaftsschichten zogen.4 Nach seinem Tod 1464 herrschte noch kurze Zeit sein Sohn Piero, genannt der Gichtige, von 1464 bis 1469, bis dann Lorenzo de' Medici selbst bis zu seinem Tod 1492 herrschen sollte.5

Schon wahrend seiner Jugend wurde Lorenzo von seinem Vater auf das politische Geschehen vorbereitet.6 Bei seiner Machtubernahme war er gerade einmal 20 Jahre alt7 und fuhrte die Klientelbeziehungen seiner Vorganger fort, da im Florenz der Renaissance die gesellschaftliche Positionjeder Person abhangig von seinen sozialen Beziehungen war.8 Aufgrund Lorenzos Position als Patron, richteten seine Klienten unzahlige Bitten um Unterstutzung an ihn. Durch sein Wirken konnte ihnen zu Amt und Wurden verholfen, Beziehungen geknupft, Streitfalle geschlichtet oder unter den oberen Familien Hochzeiten arrangiert werden.9 Seine Grofizugigkeit gegenuber dem Volk sowie sein verschwenderischer Lebensstil brachten ihm seinen Beinamen il Magnifico ein - zu deutsch der Prachtige.10 Die ersten Jahre seiner Herrschaft verliefen grofitenteils friedlich und ohne nennenswerten innenpolitischen Konflikte.11 Mit Hilfe einer Balia - ein vielkopfiges Gremium mit Sondervollmachten12 - traf er seine politischen Entscheidungen. Dabei verfugten seine Anhanger immer eine feste Mehrheit an Sitzen.13

Nach Jan Dressler ist das System der Medici widerspruchlich bestimmt:

„Einerseits stellten sich die Medici in die Tradition derRepublik, andererseits verstiefien sie gegen das republikanische Prinzip der inneraristokratischen Aufteilung der Macht.“14

Die Moglichkeiten des sozialen Aufstiegs und die Widerspieglung des sozialen Status in offentlichen Amtern blieb erhalten, jedoch unterlag dies nun der Fuhrungsrolle der Medici, die diesen auch vereiteln konnten.15

Weiter sagt er, dass es nach Niccolo Machiavelli nur noch zwei Moglichkeiten gabe, ,,das [sich] die Mifivergnugten entweder in diese Verhaltnisse ruhigfugen oder, wollten sie eine Anderung herbeifuhren, dies heimlich und mittels Verschworung versuchen mussten.“16

III. Die Verschworer und ihre Motive

Die Pazzi

Seitjeher hatte die Familie Medici gegen Verschworungen anzukampfen.17 Lorenzo musste es im Jahre 1478 mit der bisher schwersten aufnehmen, der Auflehnung durch die Pazzi.18

Die Familie Pazzi war eine alte, einflussreiche, florentinische Adelsfamilie, deren Stammbaum sogar weiter zuruckreichte als der der Medici.

Das Familienoberhaupt war zujener Zeit Jacopo de' Pazzi, welcher zwar selbst keine Sohne hatte, dafur aber mehrere Neffen. Spater sollte er sich zusammen mit einem seiner Neffen, Francesco de' Pazzi, und Papst Sixtus IV. gegen Lorenzo de' Medici und seinen Bruder Giuliano verschworen.19

Aufgrund ihres unabhangigen Einflusses in der Stadt, ihrer guten Beziehungen zum franzosischen Konigshaus und zur romischen Kurie20, nutzte Lorenzo seine politische Vormachtstellung um seine potenziellen Konkurrenten von den wichtigen offentlichen Amtern fernzuhalten.21 Besonders deutlich wurde dies 1472 bei der Verlosung um das Amt des Gonfaloniere di Giustizia, dem hochsten Amt der florentinischen Regierung, bei der die Pazzi unbedeutend vertreten waren. Familien mit guten Beziehungen zu den Medici warenjedoch deutlich besser vertreten.22 Durch diese offensichtliche Benachteiligung beleidigt und in ihrem politischen Wirken verhindert, wartete Francesco de' Pazzi den gunstigsten Moment ab, um Verbundete fur seine Rache zu finden.23

Papst Sixtus IV.

Diesen Verbundeten fand er in Papst Sixtus IV.. Dieser stammte aus einfachen Verhaltnissen und war ein zielstrebiger Mensch. Des weiteren versuchte er seine sechs Neffen in hohen Positionen der Kirche unterzubringen.24 Bei seinem Vorhaben seinen vierten Neffen, Girolama Riario, als Herr von Forli und Imola einzusetzen, uberschnitten sich seine Ambitionen mit den aufienpolitischen Interessen von Florenz.25

Die Stadt Imola in der Romagna, lag im Norden an der Grenze zum florentinischen Herrschaftsgebiet. In fruherer Zeit hatten feindliche Truppen diesen Weg genommen, um nach Florenz zu gelangen. Daher hatte Florenz ein Schutzbundnis mit dem damaligen Herrn von Imola, Taddeo Manfredi, abgeschlossen, welches noch bis Ende Marz 1473 bestehen sollte. Manfredi ubergabjedoch im Jahre 1471 dem Herzog von Mailand heimlich die Stadt. Unter florentinischem Protest, war der Herzogjedoch bereit gewesen, die Stadt gegen eine hohe Zahlung an Florenz abzutreten.26

Papst Sixtus IV., der die Stadt selbst fur sich und seinen Neffen wollte, drohte mit den hochsten geistlichen und weltlichen Strafen, als ihn die Nachricht des florentinischen Vorhabens im Mai 1473 ereilte. Er schickte daraufhin einen Legaten nach Mailand, um Imola selbst fur die Summe von 40.000 Dukaten zu erstehen. Das Geld sollte als Kredit von den Banken der Medici sowie der Pazzi erstanden werden. Naturlich lehnte es Lorenzo de' Medici ab diesen Kredit zu gewahren, wodurch er sich die Feindschaft des papstlichen Neffen Girolama Riario einhandelte sowie die Beziehungen zu Papst Sixtus IV. deutlich verschlechterte.27 Der Kauf wurde trotzdem ermoglicht durch einige kleinere Geldgeber, aber zum grofiten Teil durch die Pazzi.28

[...]


1 Vgl. De' Medici, Lorenzo: Die Medici. Die Geschichte meiner Familie, Bergisch Gladbach 2006,

2 Vgl. De' Medici, Lorenzo: Die Medici. Die Geschichte meiner Familie, Bergisch Gladbach 2006, S.31

3 Vgl. De' Medici, Lorenzo: Die Medici. Die Geschichte meiner Familie, Bergisch Gladbach 2006, S.31

4 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.4.

5 Vgl. De' Medici, Lorenzo: Die Medici. Die Geschichte meiner Familie, Bergisch Gladbach 2006,

6 _ Vgl. De' Medici, Lorenzo: Die Medici. Die Geschichte meiner Familie, Bergisch Gladbach 2006, S.33

7 Vgl. De' Medici, Lorenzo: Die Medici. Die Geschichte meiner Familie, Bergisch Gladbach 2006, S.34

8 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.4.

9 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.4.

10 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.145.

11 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.148

12 Vgl. Walter, Ingeborg: Der Prachtige. Lorenzo de' Medici und seine Zeit, Munchen 2003, S.62

13 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.145.

14 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.9.

15 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.9.

16 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.9.

17 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.149.

18 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.149.

19 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.149.

20 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.11.

21 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.149.

22 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.11.

23 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.149.

24 Vgl. Roeder, Ralph: Lorenzo de' Medici., in: Das grofie Knaur-Buch der Renaissance. hrsg. v. J.H. Plumb, 1962, S.149.

25 Vgl. Drefiler, Jan: Die Pazzi-Verschworung und die Grundlagen der Medici Herrschaft. Seminararbeit, Technische Universitat Berlin 2007, S.11-12.

26 Vgl. Walter, Ingeborg: Der Prachtige. Lorenzo de' Medici und seine Zeit, Munchen 2003, S.129- 130.

27 Vgl. Walter, Ingeborg: Der Prachtige. Lorenzo de' Medici und seine Zeit, Munchen 2003, S.130.

28 Vgl. Walter, Ingeborg: Der Prachtige. Lorenzo de' Medici und seine Zeit, Munchen 2003, S.130.

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668673977
ISBN (Buch)
9783668673984
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v314025
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,7
Schlagworte
Lorenzo de Medici Renessaince Spätes Mittelalter Italien Florenz

Autor

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