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Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Therapeutische Maßnahmen und Kritik in der sozialen Arbeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 15 Seiten

Biologie - Krankheiten, Gesundheit, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begrifflichkeiten
2.1 Definition Adipositas
2.2 Formen von Adipositas

3.Ursachen von Adipositas
3.1 Geschichte
3.2 Soziokulturelle Faktoren und soziale Konstellation in Bezug auf die Ernährung
3.3 Ernährung

4. Konsequenzen von Adipositas
4.1 Physische Folgeerkrankungen
4.2 Gesellschaftliche Auswirkungen

5. Therapie- und Behandlungsformen
5.1 Bewegungs- und Verhaltenstherapie
5.2 Ernährung

6. Kritik (Relevanz für die soziale Arbeit)

7. Verbreitung von Adipositas

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Adipositas und Übergewicht sind in allen westlichen Industriestaaten, wie England, Frankreich, Deutschland, USA sowie Japan weit verkündete Probleme. Jedes Jahr steigen die Zahlen der Neuerkrankungen an. Besonders die steigende Prävalenz genannt, von Adipositas im Kindes- und Jugendalter ist besorgniserregend. „Wir leben in einer Umwelt, die das Entstehen von Übergewicht und Adipositas begünstigt“ (Laessle, o.S., 2000). Vor einigen Jahren stellte Adipositas ein Problem dar, dass überwiegend Erwachsene betraf, jedoch leiden inzwischen immer mehr Kinder unter Adipositas und den physischen und psychischen Folgen. Für die Kinder steigt das Risiko ernsthafter Erkrankungen mit zunehmendem Alter und Gewicht.

Dem Thema Adipositas wird im Bereich der sozialen Arbeit noch nicht ausreichend Relevanz beigemessen. Dies gab mir Anlass, mich in Form einer Hausarbeit ausführlicher mit dem Thema Adipositas auseinanderzusetzen. Mich interessiert es, wie Adipositas-Patienten behandelt werden. Was sind die Ursachen von Adipositas? Wie müssen sie ihr Leben verändern, damit sie in der Zukunft „gesund“ leben können? Warum essen Menschen zu viel?

Mithilfe dieser Hausarbeit möchte ich ebenfalls der Frage nachgehen, was eine „gesunde Ernährung“ im Hinblick auf Adipositas bedeutet, da unser Biologiekurs den Titel „Zwischen Essen und Ernährung können Welten liegen“, trägt. Um einen Einblick in das Thema zu geben wird zunächst Adipositas definiert. Anschließend werden die Formen von Adipositas beschrieben. Danach werden die Ursachen von Adipositas erläutert und der Frage nachgegangen, warum Menschen zu viel essen. Darauf aufbauend wird Bezug auf die sozialen Faktoren genommen. Des Weiteren werden die Konsequenzen von Adipositas behandelt. Dabei werden die physischen Folgeerkrankungen und die gesellschaftlichen Auswirkungen näher betrachtet. Im Schlussteil meiner Hausarbeit will ich die Therapie- und Behandlungsformen von Adipositas detailliert vorstellen. Im Fazit werden die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.

2. Begrifflichkeiten

2.1 Definition Adipositas

Adipositas (Synonym: Fettleibigkeit) bezeichnet eine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit mit starkem Übergewicht, bei dem sich im Körper mehr Fettgewebe ansammelt als normal, wodurch das Körpergewicht erhöht wird. Übergewicht ist durch einen Körpermasseindex (BMI) oberhalb von 25 kg/m², Adipositas durch einen BMI oberhalb von 30 kg/m² charakterisiert. Der Body-Maß-Index (BMI) ist eine Messzahl des Körpergewichtes und setzt die Masse des Körpers mit dem Quadrat der Körpergröße in Verhältnis. Man berechnet den BMI-Wert, indem man das Körpergewicht durch die Körpergröße zum Quadrat teilt. „Dabei ist zu beachten, dass der BMI-Wert jedoch nicht den Körperbau (Statur) und das Geschlecht berücksichtigt, sondern nur als ein grober Maßstab angenommen werden darf“ (Ruff, 2000, S. 507-517). Menschen, die regelmäßig Bodybuilding betreiben, werden wahrscheinlich von der BMI-Tabelle als übergewichtet eingestuft, obwohl er/sie wenig Fettgewebe hat. Die Unter- und Obergrenzen bei den Wertklassen der Männer sind höher als bei den Frauen, da Männer einen höheren Anteil von Muskelmasse als Frauen haben. Die unten abgebildete BMI- Tabelle fasst die Einteilung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) im Jahre 2008 zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: BMI-Tabelle zeigt die unterschiedliche Schweregrade der Adipositas und dazugehörige BMI-Werte, Arlt, 2010

Eine Auswertung von fünf US-amerikanischen Kohortenstudien berechnete den durchschnittlichen Verlust an Lebensjahren in Abhängigkeit von BMI und Alter. (vgl., Fontaine 2003, S. 289) Es wird deutlich, dass ein früher Beginn von Übergewicht oder Adipositas und ein steigender BMI mit einer wachsenden Verkürzung an Lebenszeit verbunden sind.

Wie in Kapitel 2 ausführlich Adipositas definiert wurde, stellt sich nun die Frage, welche Formen es von Adipositas gibt.

2.2 Formen von Adipositas

Man unterscheidet zwischen zwei Fettverteilungsmuster. Abdominale (android, „upper body obesity“) und periphere (gynoide, lower body obesity) Adipositas. Bei der abdominalen Adipositas setzt das Fett im Bauchraum selbst (visceral) und der Begriff androide (männliche) Adipositas kommt daher, da diese Form bei etwa 80% der übergewichtigen Männer, aber nur bei 15 % der Frauen anzutreffen sind. Man bezeichnet diese Form auch als „apple type“. Einige Gesundheitsstörungen dieser typischen Form des Übergewichts, die auftreten können, sind Gelenkprobleme wie Hüftarthrose oder Kniearthrose.

Bei der peripheren Adipositas, setzt die Fettvermehrung überwiegend im Bereich der Hüften und der Oberschenkel an. „Das weibliche (gynoide) Fettgewebe wird als Energiereserve für die Stillperiode nach der Geburt angesehen und steht offenbar unter einer anderen hormonellen Regulation als das viszerale Fettgewebe (Östrogene, Prolactin)“. (Bubenzer, 2001, o.S.) Hingegen kommt diese Form häufig bei übergewichtigen Frauen vor und die Prävalenz beträgt 85%, wobei bei den Männern ca. 20% von dieser Form betroffen sind. Bezeichnungen wie „pear type“ sind gebräuchlich. Wie beim abdominalen Übergewicht sind Gelenkprobleme genauso häufig zu beobachten.

Als Fazit ist zu sagen, dass bei den zwei Fettverteilungstypen von Adipositas Gesundheitsstörungen begünstigt werden. Doch wie wird Adipositas verursacht? Zunächst wird in dem folgenden Kapitel allgemein erklärt, warum Menschen zu viel essen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Dargestellt ist die androide und gynoide Fettverteilung, Bubenzer, 2001, o.S.

3. Ursachen von Adipositas

3.1 Geschichte

Die Hauptursache von Adipositas beruht auf der Geschichte der Ernährung. Heute haben die Menschen viel höhere Erwartungen an die Nahrung als frühere Generationen. Das Essen heutzutage soll Appetit anregen und schmecken. Vor ca. 1.5 Millionen Jahren begannen die Menschen zu jagen. Durch das Jagen bereicherten größere Mengen an Fleisch das knappe Nahrungsangebot. Milch- oder Getreideprodukte gab es zu dieser Zeit noch nicht. Bauern nahmen an der Entwicklung von Milchprodukten teil. Das Grundnahrungsmittel war das Brot, welches aus unterschiedlichen Getreidesorten gebacken wurde. Zu trinken gab es nicht nur Wasser, sondern auch Wein. (vgl., Stiglmair 1988, S.20-25)

Im 15. Jahrhundert fanden europäische Seefahrer den Seeweg nach Indien und Amerika und brachten viele Pflanzen, darunter auch die Kartoffeln, mit nach Europa. Tomaten wurden zu einem wichtigen Bestandteil der Ernährung. Genussvoll bzw. beliebt waren die Zitrusfrüchte, Kaffee, Zucker und Kakao.

Das 18. Jahrhundert war die Zeit der Industrialisierung und die Bevölkerungszahlen stiegen an. Die Ressourcen wurden knapp und Fleisch wurde selten verzehrt; Hunger breitete sich aus. So bekamen die Menschen nur noch neben Brot, Mais, Reis und Kartoffel, um satt zu werden.

Im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Entwicklung der neuen Technologie, war es möglich, Lebensmittel luftdicht zu verpacken, sie zu kühlen und zu gefrieren. Die Dampfmaschine konnte Lebensmitten in größeren Mengen mit der Eisenbahn transportieren. Jedoch waren die Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den beiden Weltkriegen und damit von den Hungersnöten geprägt.

Ab der Postmoderne, also der Zeit nach 1980, wurde Essen in Europa im Überfluss verzehrt. Durch das Überangebot an Nahrung haben die Menschen mit Übergewicht und anderen Folgeerkrankungen zu kämpfen. Die „moderne“ Lebensmittelindustrie versorgt die Menschen mit vielfältigen Lebensmitteln für jeden Bedarf. Die Menschen lernen durch neue Kommunikationstechniken Speisen anderer Länder kennen. Das traditionelle Essen z.B. aus der Türkei bietet den Menschen in Europa viel Genuss und Freude. Die Lebensmittel in Europa sind preiswert und viele Menschen können sich diese leisten. Diese Vielfalt an Lebensmitteln, darunter hauptsächlich fettreiches Fleisch, Getreideprodukte etc. begünstigen das Übergewicht, wenn man mit der Fülle nicht richtig umgehen kann.

Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelwerbung sagt: „Kinder sind die Zielscheibe der perfidesten Webestrategien von Lebensmittelherstellern“. Ich stimme Oliver Huizinga zu und möchte meine Meinung bezogen auf das 3.1 Kapitel begründet äußern. Mit zuckrigen Snacks verdient die Lebensmittelindustrie viel Geld. Das Problem ist ja, dass die Kinder auf die beworbenen Produkte stehen und sich damit auf Dauer schlecht ernähren. Schlechte Ernährung führt zu Übergewicht. Da es einigen Eltern nichts ausmacht, kaufen die Kinder immer mehr von den Süßigkeiten anstatt sich mit Obst und Gemüse zu ernähren. So wird der übermäßige alltägliche Genuss bestimmter Nährstoffen wie Zucker, Fett oder Salz vermehrt im Körper aufgenommen. Die Prävalenz der Adipositas steigt, wenn man mit der Vielfalt der Lebensmittel (gemeint sind hier die fettreichen und zuckerhaltigen Lebensmittel) nicht verantwortungsvoll umgehen kann. Wenn man als Kind eine bestimmte Süßigkeit lecker findet, kauft man sie auch als Erwachsener. Im Kindesalter kann der Verzehr von ungesunden Lebensmitteln, darunter verpacktes Fleisch oder Pizza, süchtig machen, denn in Fertigprodukten ist Glutamat enthalten. Dieser intensive, würzig-süße Geschmack wird in Lebensmitteln beigemengt, um geschmacklich Mängel auszugleichen.

Eltern tragen selbstverständlich die Verantwortung für ihre Kinder; dennoch muss auch die Lebensmittelindustrie besonders für die Kinder auf die verlockende Werbung verzichten, damit unsere Kinder in der kommenden Generation von einer gesunden Ernährung profitieren können und die Süßigkeiten oder zuckrige Getränke nicht für alltägliches „Lebensmittel“ halten. Ich kann aber auch verstehen, dass die Kinder auf Süßigkeiten stehen. Hier sollte man aber darauf achten, dass Kinder nur in mäßigen Mengen Süßigkeiten verzehren und ausreichender Sport treiben.

Die soziokulturellen Faktoren werden in Kapitel 3.2 näher beleuchtet. Wie hängt das mit der sozialen Konstellation zusammen?

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Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668129924
ISBN (Buch)
9783668129931
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313897
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2.0
Schlagworte
adipositas kindes- jugendalter therapeutische maßnahmen kritik arbeit

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