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Strategische Unternehmensausrichtung von KMU (kleine und mittlere Unternehmen) in der Europäischen Union

Herausforderungen und Chancen für deutsche KMU

Diplomarbeit 2015 87 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhalt

I. Abbildungsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1.Einleitung

2.Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
2.1 Verschiedene Definitionen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)
2.1.1 Defintion von KMU der Institution für Mittelstandsforschung (IfM)
2.1.2 Definition von KMU in der Europäischen Union
2 .1.3 Unabhängige und abhängige KMU
2.2 Relevanz einer einheitlichen KMU-Definition in der Europäischen Union
2.3 Wirtschaftliche Bedeutung von KMU
2.3.1 KMU in Deutschland
2.3.2 KMU in der Europäischen Union
2.3.3 Einflussmöglichkeiten auf EU-Entscheidungen von KMU
2.4 Schwächen von KMU
2.4.1 Fehlende strategische Ausrichtung bei KMU

3.Strategische Unternehmensausrichtung
3.1 Was ist eine Strategie?
3.2 Anforderungen an die Unternehmen
3.3 Entwicklungsphasen des Strategischen Managementes
3.4 Eingrenzung der Begrifflichkeiten
3.5 Aufgaben und Prozesse des Strategischen Managementes
3.5.1 Strategische Zielbildung
3.5.2 Umweltanalyse
3.5.3 Unternehmensanalyse
3.5.4 Zusammenführung der Analysen mittels der SWOT-Analyse
3.5.5 Strategiewahl
3.5.6 Strategieimplementierung

4.Herausforderungen und Chancen für deutsche KMU
4.1 Strategische Unternehmensausrichtung - Eine Herausforderung für deutsche KMU?..
4.1.1 Unternehmertypen und Mitarbeiter
4.1.2 Innovationsfähigkeit
4.1.3 Optmierung der Strategiearbeit am Beispiel der Horvath-Studie
4.1.4 Relevante Handlungsfelder für KMU.
4.2 Strategische Unternehmensausrichtung - Chancen durch Strategie für KMU?
4.2.1 Chancen durch Strategien am Beispiel der Internationalisierung
4.2.2 Machen Strategien Unternehmen erfolgreicher?

5.Zusammenfassung und Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Ehrenwörtliche Erklärung

I. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Abhängige kleine und mittlere Unternehmen nach Größenklasse der Unternehmen 2011 in %. Statistisches Bundesamt, Die wirtschaftliche Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland, Söllner, 2014, Schaubild 4. 8

Abb. 2: Hidden Champions im Ländervergleich. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 2014, Factbook German Mittelstand, S.8 11

Abb. 3: SME Performance Review. Europäische Kommission. 2014. Annual Report on European SMEs 2013/2014, Ergänzungsblatt S.3 15

Abb. 4: Strategische Entscheidungen. Johnson, G. 2011, Strategisches Management- Eine Einführung, S.27 19

Abb. 5: Abgrenzung Strategie zu Tagesgeschäft, Mussnig., 2013, Strategien entwickeln und umsetzen- Speziell für kleine und mittelständische Unternehmen, S.30 20

Abb. 6: Strategisches Management. Eigene Erstellung basierend auf der Darstellung von Bea und Haas. Strategisches Management. 2013. S.1 25

Abb. 7: Einheitliche Fragestellung strategischer Modelle. Eigene Erstellung basierend auf der Darstellung von Reisinger. 2013.Strategisches Management. S.14 26

Abb. 8: Komponenten des strategischen Planungsprozesses. Bea und Hass. 2013. Strategisches Management. S.59 27

Abb. 9: Zielhierarchie im Strategischen Management. Bea und Haas. 2013. Strategisches Management S.74 29

Abb.10: Gegenstromverfahren. Quelle aus dem Internet: http://stefan-lenz.ch/bit-glossar/237.php. 12.10.2015. 14:39 Uhr 31

Abb.11: Du Pont-Kennzahlensystem. Quelle aus dem Internet. www.Sistrix.de. Kennzahlensystem. 13.10.2015. 21:30 Uhr. http://www.sistrix.de/frag-sistrix/seo-kpi/was-ist-ein-kennzahlensystem/ 34

Abb.12: SMART-Konzept. Eigene Erstellung, basierend auf der Abbildung von Mussnig/Mödritscher. Strategien entwicklen und umsetzen. 2013. S.305 36

Abb.13: Externe Analysefelder. Quelle: Reisinger. Strategisches Management. 2013. S.55 38

Abb.14: PESTEL-Framework. Quelle: Reisinger. Strategisches Management 2013. S.57 40

Abb.15: Branchenstruktur- Modell nach Porter: Five-Forces. Strategisches Management in Unternehmen, 3. Auflage, Wiesbaden, 2004, S. 99 43

Abb.16: Stakeholder. Quelle: Sitzler. Unternehmensethik- So denken die zukünftigen Führungskräfte. 2012. 47

Abb.17: Modell der Wertkette nach Porter. Quelle aus dem Internet: Wirtschaftslexikon Gabler. 20.10.2015, 14:50 Uhr. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wertschoepfungskette.html 49

Abb.18: SWOT- Analyse. Quelle aus dem Internet: http://www.marketing-buch.com/swot-analyse/ 22.10.2015. 19:05 Uhr 50

Abb.19: Produkt-Markt-Matrix von Ansoff. Quelle: Reisinger. Strategisches Management. 2013. S.107 52

Abb.20: Balanced Scorecard. Quelle aus dem Internet. Wirtschaftslexikon Gabler. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/balanced-scorecard.html 22.10.2015, 21:05 Uhr 56

Abb.21: Relevante Handlungsfelder für den Mittelstand. IfM Bonn 2014. Das Zukunftspanel Mittelstand- Eine Expertenbefragung zu den Herausforderungen des Mittelstands. IfM-Materialien Nr. 229. S.3 65

Abb.22: Die fünf Schlüsselfaktoren des RoI nach PIMS. Quelle: Bea und Haas. Strategisches Management.2013. S.137 69

II. Tabellenverzeichnis

Tab. 1: KMU-Definition des IfM Bonn im Überblick. Eigene Erstellung basierend auf den Angaben vom IfM Bonn 5

Tab. 2: Was ist ein KMU? Definition der Europäischen Kommission. Eigene Erstellung basierend auf den Angaben von der Europäischen Kommission 6

Tab. 3: Anteile kleiner und mittlerer Unternehmen an ausgewählten Merkmalen 2012. Eigene Erstellung basierend auf den Angaben des Statistischen Bundesamtes 10

Tab. 4: KMU in der Europäischen Union 2013. Eigene Erstellung basierend auf den Angaben der Europäischen Kommission im SME Performance Review 2013/2014. S.15 13

Tab. 5: Veränderungen der Unternehmenswelt. Eigene Erstellung basierend auf Bea und Haas. Strategisches Management. 2013. S. 8 21

Tab. 6: Ansatzpunkte für Wachstumsstrategien. Eigene Erstellung. Inhaltich basierend auf Reisinger.Strategisches Management. 2013. S.108 ff. 53

Tab. 7: Arten von Strategien. Eigene Erstellung. Inhaltich basierend auf Bea undHaas. Strategisches Management. 2013. S.179 54

Tab. 8: Beispiel einer Balanced Scorecard. Reisinger. Strategisches Management. 2013. S.219 56

Tab. 9: Innovationswiderstand. Eigene Erstellung basierend auf Schewe und Becker.Innovationen für den Mittelstand. 2009. S.6 62

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben einen großen Anteil an der wirtschaftlichen Stärke von Deutschland und übernehmen auch in Europa eine führende Rolle. Mit über 99 Prozent am Gesamtanteil aller Unternehmen und über 60 Prozent aller Beschäftigten nehmen sie eine beachtliche Stellung am Wirtschaftsstandort Deutschland ein. Sie sind innovativ, flexibel, kundenorientiert und oftmals sogar Marktführer in ihrer Branche. Kurze Entscheidungswege und daraus resultierende kurze Reaktionszeiten machen sie zu einer attraktiven und erfolgsversprechenden Unternehmung. Die Europäische Union hat die Bedeutung und ihre wichtige Rolle für den wirtschaftlichen Beitrag erkannt und unterstützt die KMU durch Förderungen und Maßnahmenpakete. Allerdings sind KMU oftmals im Bereich des längerfristigen und strategischen Agierens überfordert und arbeiten meist eher „operativ“. Hierbei können erhebliche Gefahren für die Sicherung des Unternehmens lauern, da die Unternehmensumwelt immer dynamischer und komplexer wird. Eine „Strategische Unternehmensausrichtung“ kann den Weg für die Zukunft ebnen und eine große Hilfestellung für die Unternehmensleitung sein. Durch einen strategischen Planungsprozess kann ein Unternehmen von der Vision bis hin zur Implementierung der Strategie einen wichtigen und richtigen Schritt in Richtung Zukunftsgestaltung gehen. Bei einem solchen strategischen Prozess gilt es KMU-spezifische Herausforderungen zu meistern, doch sind es in erster Linie die Chancen, die ein Unternehmen durch eine Strategie erhält.

In Kapitel 2 werden die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) unter die Lupe genommen. Hierbei stellt sich die Besonderheit heraus, dass der Begriff der KMU unterschiedlich definiert ist und auf europäischer Ebene von der ursprünglichen deutschen Bezeichnung des Institutes für Mittelstandsforschung (IfM) variiert. Die Begrifflichkeiten der KMU werden aufgezeigt und die unterschiedlich herrschenden Definitionen. Zudem die qualitativen und quantitativen Merkmale der KMU und ihre Unterschiede. Die wirtschaftliche Bedeutung der KMU wird auf nationaler und europäischer Ebene erläutert. Die Europäische Union hat die Förderung der KMU ins Visier genommen und deren Bedeutung für den Wohlstand in Europa erkannt. Zahlreiche Subventionen und individuelle Förderungen stehen für die KMU bereit und sollen auch weiterhin ausgebaut werden. Ein kleiner Exkurs zur Europäischen Union darf nicht fehlen und die Einflussnahme von EU-Entscheidungen auf deutsche Unternehmen ist nicht zu missachten. Es stellt sich die Frage, welche grundsätzlichen Probleme die KMU zu meistern haben und welche Schwächen die KMU aufweisen. Hierbei wird ersichtlich, dass viele KMU Schwächen im Bereich der strategischen Ausrichtung haben. Es wird mehr operativ gearbeitet, anstatt sich für die Zukunft zu rüsten und ein Unternehmen strategisch zu führen. „Das Management von Unternehmen ist heute, im 21. Jahrhundert, mit einer neuen Dimension von Unsicherheit und Komplexität konfrontiert…die stetig weiter fortschreitet.“ (Prodoehl.2014. S.1) Aus diesen und weiteren Gründen ist es gerade für KMU wichtig, Strategien zu entwickeln und den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Doch hier stellt sich u.a. auch anhand von Studien heraus, dass Strategien bei KMU oftmals Mangelware sind.

Kapitel 3 beschreibt eine mögliche strategische Ausrichtung eines Unternehmens anhand des „Strategischen Planungsprozesses“ nach Bea und Haas und zeigt gängige Modelle und Analysen der strategischen Arbeit auf, die auch für KMU umsetzbar sind. Grundsätzlich wird der Ursprung von Strategie, die Entwicklungsphasen des strategischen Arbeitens und die Bedeutung für die Wirtschaftswissenschaft erklärt. Hierbei stößt man auch auf die Komplexität der Begrifflichkeiten, denn es herrscht keine einheitliche Definition von „Strategischem Arbeiten“. In seiner Gesamtheit wird häufig der Begriff „Strategisches Management“ oder „Strategische Unternehmensführung“ verwendet, die teilweise und je nach Literatur und Autor korrespondieren und dann wieder differenziert beschrieben werden. Es gibt unzählige Literatur zu der Thematik „Strategie“, doch werden Inhalt und Umfang selten exakt betitelt. Trotzdem ist es gerade für KMU wichtig sich mit „Strategie“ auseinander zu setzen, um eigene Schwächen zu erkennen und sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Durch Zunahme der Komplexität der Unternehmensumwelt, u.a. durch Globalisierung, staatliche Regulierungen, Digitalisierung, demografischer Wandel u.v.w. Megatrends ist es unabdingbar, ein Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten und rechtzeitig die „Weichen zu stellen“, da sich die Anforderungen an die Unternehmen enorm verändert haben.

Das Kapitel 4 soll die grundsätzlichen Herausforderungen und Chancen für die KMU beschreiben, die durch eine „Strategische Ausrichtung“ entstehen. Es werden für KMU typische Herausforderungen behandelt und Ansätze vorgestellt, wie man generell die Strategiearbeit in der Umsetzung erfolgreicher gestalten kann. Relevante Handlungsfelder für KMU werden aufgezeigt, die zugleich Herausforderung als auch Chance sein können. Hierbei gibt es typische KMU-spezifische Herausforderungen von der Abneigung gegenüber der strategischen Arbeit bis hin zu Aussagen wie: „Wir haben keine Zeit für Strategien“. Solche KMU-spezifischen Herausforderungen erinnern oft stark an die bekannte Metapher des sich abmühenden Holzhackers mit der stumpfen Axt, der keine Zeit hat die Axt zu schärfen, da er Holz hacken muss. Es stellt sich aber auch die Frage, ob Strategien Unternehmen überhaupt erfolgreicher machen und welche Chancen sich durch eine „Strategische Ausrichtung“ für die KMU ergeben. Empirische Studien zur Strategie und deren messbaren Erfolg sollen ebenfalls aufgezeigt und behandelt werden. Kapitel 4 endet mit einem Zwischenfazit zu den Herausforderungen und Chancen.

Kapitel 5 ist letztlich die Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse aus dieser Arbeit und beinhaltet auch das Fazit.

2. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

In der Theorie als auch in der Praxis werden die Stärken von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit der Flexibilität, der Kundennähe, dem Innovationspotential, sowohl den Mitarbeitern und dem Unternehmer als wesentliche Erfolgsfaktoren betitelt.

Kleine und mittlere Unternehmen haben durch kürzere Informationswege einen großen zeitlichen Vorteil beim Treffen von Entscheidungen gegenüber Großunternehmen und können somit schneller auf Anforderungen des Marktes reagieren. Die Hierarchien sind meist flacher, die Organisationsstrukturen überschaubarer und einfacher aufgebaut als in Großunternehmen. KMU besitzen eine große Anpassungsfähigkeit an interne und externe Forderungen und benennen diese Flexibilität als eine ihrer großen Stärken. Gerade durch die enge Kundennähe (geographisch und mental) und dem Wissen, was der Kunde will, stellt sich die Flexibilität als großer Vorteil heraus. Durch die kurzen Informations- und Entscheidungswege können KMU ihren Fokus schnell auf neue Innovationsvorhaben richten und sich Vorteile am Markt verschaffen. Meist stammen die Mitarbeiter aus der Region und sind dort eng verwurzelt. Die Mitarbeiter in einem KMU haben in der Regel eine stärkere emotionale Beziehung zu dem Unternehmen und sind motivierter als in Großunternehmen, denn die Wahrscheinlichkeit ist größer eigene Vorstellungen in die Arbeit miteinzubeziehen. Allerdings werden die wichtigsten Entscheidungen in einem KMU in vielen Fällen direkt vom Unternehmer getroffen. Somit wird maßgeblich durch den Unternehmer das Unternehmen geprägt und seine Entscheidungen haben unmittelbaren Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens. (vgl. Gaubinger. 2000. S.19-23)

2.1 Verschiedene Definitionen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)

Umgangssprachlich werden oftmals in der Praxis die Begriffe der kleinen und mittleren Unternehmen verwendet und ebenso häufig unterschiedlich interpretiert. Gerade in Deutschland spricht man gerne von den erfolgreichen Mittelständlern oder Familien- unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft bilden und den daraus resultierenden Wohlstand erzielen und sichern. Im internationalen, bzw. europäischen Rahmen hingegen spricht man von den KMU. Schaut man sich die Definition von KMU genauer an, stellt man schnell fest, dass es die eine einheitliche Definition nicht gibt. „Mittelstand und KMU sind unterschiedlich definiert. Der Mittelstandsbegriff orientiert sich an Eigentumsverhältnissen und Führungsstrukturen, der KMU-Begriff richtet sich nach Schwellenwerten.“ (IfM Bonn. 2014. S.17)

Im Hinblick auf die Bezeichnung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland, gibt es eine Verschiedenheit zwischen den Definitionen des Institutes für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn und der Europäischen Union. Zudem unterscheidet auch noch das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) laut § 267 in kleine, mittelgroße und große Kapitalgesellschaften.

Das Statistische Bundesamt bezieht sich beispielsweise bei seiner Studie „Die wirtschaftliche Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland“ von Januar 2014 weitgehend an der Definition der Europäischen Kommission. (vgl. Statistisches Bundesamt. Wirtschaft und Statistik. 2014) „Die Qualität der Analysen zur wirtschaftlichen Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen hängt entscheidend von der statistischen Datenbasis ab.“ (Statistisches Bundesamt. 2006. S.40) Daher ist es wichtig auf die jeweiligen Zahlen, Daten und Analysen der KMU exakt zu achten, um diese auch entsprechend ihrer Definition richtig zu deuten.

„Bei der Interpretation statistischer Analysen muss demnach die jeweils angewandte KMU-Definition berücksichtigt werden.“ (Statistisches Bundesamt. 2014. S.41)

Im Rahmen dieser Diplomarbeit werden die wesentlichen Unterschiede zur Definition von KMU des Institutes für Mittelstandsforschung (IfM) und der Europäischen Kommission vorgestellt.

2.1.1 Definition von KMU der Institution für Mittelstandsforschung (IfM)

Generell unterscheidet das Institut für Mittelstandsforschung die qualitative und die quantitative Mittelstandsdefinition.

Qualitative Mittelstandsdefinition: Der Begriff des Mittelstandes ist ausschließlich in Deutschland gängig und bezeichnet ein Unternehmen, welches durch den Inhaber geleitet wird, hierbei werden keine Größenbeschränkungen berücksichtigt.

„Die sogenannte qualitative Mittelstandsdefinition grenzt mittelständische Unternehmen mittels Eigentums- und Leitungsstrukturen ein und kommt ohne Größenbeschränkungen aus.“ (IfM Bonn. 2014. S.4) Ebenso ist die qualitative Mittelstandsdefinition identisch mit dem Begriff des Familienunternehmens. „Das IfM Bonn definiert Familienunternehmen als diejenigen Unternehmen, bei denen die Eigentums- und Leitungsrechte in der Person des Unternehmers …bzw. deren Familie vereint sind.“ (vgl. IfM-Bonn, Familienunternehmen-Definition des IfM Bonn) Somit müssen laut dieser Definition bis zu zwei natürliche Personen oder Familienangehörigen mindestens 50% der Anteile des Unternehmens halten und als natürliche Personen der Geschäftsführung angehören. „Die Unabhängigkeit ist ein wesentliches Charakteristikum des Mittelstands. Wird ein Unternehmen von einem anderen Unternehmen beherrscht, ist die Einheit von Eigentum und Leitung nicht mehr gegeben.“ (IfM Bonn. 2015. S.25)

Die qualitative Mittelstandsdefinition hat allerdings den Nachteil, dass in der amtlichen Statistik die Merkmale der Geschäftsführung und Eigentumsverhältnisse unvollständig dargestellt sind. (vgl. IfM Bonn. 2014. S.4) Damit dieses statistische Defizit bereinigt werden konnte, wurde neben der qualitativen Mittelstandsdefinition noch die quantitative Mittelstandsdefinition aufgesetzt.

Quantitative Mittelstandsdefinition: „Die sogenannte quantitative Mittelstandsdefinition beinhaltet Größenkriterien und ist zur national allgemein anerkannten Definition der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU-Definition) geworden…“ (IfM-Bonn. 2014. S.4)

Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) bezeichnet Unternehmen mit weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz und weniger als 500 Beschäftigten als KMU.

„Aufgrund der Besonderheiten des deutschen Mittelstands verwendet das IfM Bonn eine andere Definition als die Europäische Union. So definiert es seit 01.01.2002 Unternehmen mit bis zu 9 Beschäftigten und weniger als 1 Million € Jahresumsatz als kleine Unternehmen, 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von unter 50 Millionen € als mittlere Unternehmen.“ (IfM Bonn. KMU-Definition des IfM Bonn)

Tabelle 1: KMU-Definition des IfM Bonn im Überblick. Eigene Erstellung basierend auf den Angaben vom IfM Bonn

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*und kein kleines Unternehmen

Interessant ist hierbei, dass die KMU-Definition des IfM-Bonns durch die Europäische Kommissions-Empfehlung vom 06. Mai 2003 ergänzt und modifiziert wurde.

Betrachtet man die beiden Definitionen des IfM kommt man zur Schlussfolgerung, dass die KMU fast immer zum Mittelstand gehören. Der Mittelstand, zu welchem auch familiengeführte Unternehmen gehören, allerdings nicht auf KMU beschränkt sind, da es keine Eingrenzung der Größen gibt. Unkritisch ist eine Gleichsetzung von KMU und Mittelstand, solange es eine überwiegende Mehrheit der Teilpopulationen aus der Gesamtheit aller Unternehmen gibt. (vgl. IfM-Bonn. 2014. S.17) Das IfM Bonn analysierte in 2006 den Anteil der Mittelständler an den KMU und kam zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Mittelständler an den KMU bei über 95% lag.

2.1.2 Definition von KMU in der Europäischen Union

Die Europäische Kommission hat am 06.Mai 2003 eine Empfehlung abgegeben, in welcher die Definition für Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen aufgesetzt wurde. „Für die Mitgliedstaaten ist die Verwendung der Definition freiwillig; die Kommission fordert sie jedoch gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) und dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) dazu auf, die Definition auf möglichst breiter Basis anzuwenden.“ (Europäische Kommission. 2006)

Am 01. Januar 2005 trat diese neue KMU-Definition in Kraft.

Quantitative Merkmale: „Die Größenklasse der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) setzt sich aus Unternehmen zusammen, die weniger als 250 Personen beschäftigen und die entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. EUR erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 43 Mio. EUR beläuft.“ (Europäische Kommission. Auszug aus Artikel 2 zur Empfehlung 2003/361/EG)

Tabelle 2: Was ist ein KMU? Definition der Europäischen Kommission. Eigene Erstellung basierend auf den Angaben von der Europäischen Kommission

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Qualitative Merkmale: Neben den quantitativen Merkmalen berücksichtigt die EU-Empfehlung auch qualitative Merkmale bei der Definition der KMU. Hierbei nehmen u.a. die Beziehungen zu anderen Unternehmen Einfluss. (vgl. Statistisches Bundesamt. 2014. S.45) Somit soll sichergestellt werden, dass auch nur „echte“ KMU die entsprechenden Förderungen erhalten.

Nach Empfehlung der EU wird zwischen eigenständigen Unternehmen, Partnerunternehmen und verbundenen Unternehmen unterschieden. Für diese verschiedenen Unternehmenstypen sind jeweils unterschiedliche Berechnungen erforderlich, die darüber Auskunft geben, ob ein Unternehmen dem in der KMU-Definition festgelegtem Schwellenwert entspricht. (vgl. Europäische Kommission, 2006, S.16)

Eigenständige Unternehmen (vgl.: Europäische Kommission, Empfehlung 2003/361/EG, Artikel 3.1):

- Eigenständige Unternehmen sind völlig unabhängig, d.h. sie sind nicht an anderen Unternehmen beteiligt, und es gibt keine Beteiligung anderer Unternehmen an ihrem Unternehmen.
- Sie halten weniger als 25% des Kapitals oder der Stimmrechte an einem oder mehreren anderen Unternehmen, und/oder Außenstehende halten weniger als 25% des Kapitals oder der Stimmrechte an ihrem Unternehmen.

Partnerunternehmen (vgl.: Europäische Kommission, Empfehlung 2003/361/EG, Artikel 3.2):

- Partnerunternehmen halten mindestens 25% des Kapitals oder der Stimmrechte an einem anderen Unternehmen, und/oder ein anderes Unternehmen hält einen Anteil von mindestens 25% an Ihrem Unternehmen.
- Sie sind nicht mit einem anderen Unternehmen verbunden. Das bedeutet unter anderem, dass Ihr Anteil an den Stimmrechten in dem anderen Unternehmen höchstens 50% beträgt.

Verbundenes Unternehmen (vgl.: Europäische Kommission, Empfehlung 2003/361/EG, Artikel 3.3):

Zwei oder mehrere Unternehmen sind miteinander verbunden, wenn Sie eine der folgenden Beziehungen eingehen:

- Ein Unternehmen hält die Mehrheit der Stimmrechte der Aktionäre oder Gesellschafter eines anderen Unternehmens.
- Ein Unternehmen ist berechtigt, die Mehrheit der Mitglieder des Verwaltungs-Leitungs- oder Aufsichtsgremiums eines anderen Unternehmens zu bestellen oder abzuberufen.
- Ein Unternehmen kann aufgrund eines zwischen den Unternehmen geschlossenen Vertrags oder durch eine Klausel in der Satzung einen beherrschenden Einfluss auf das andere Unternehmen ausüben.
- Ein Unternehmen kann kraft einer Vereinbarung die alleinige Kontrolle über die Mehrheit der Stimmrechte der Aktionäre oder Gesellschafter in einem anderen Unternehmen ausüben.

„Ein typisches Beispiel für ein verbundenes Unternehmen ist die zu 100% im Besitz der Muttergesellschaft befindliche Tochtergesellschaft“. (Europäische Kommission, 2006, S.23)

Damit die verbundenen Unternehmen und Partnerunternehmen entsprechend erkannt werden, sind genaue Angaben zu den Unternehmensverknüpfungen notwendig, die allerdings nicht vollständig im Unternehmensregister zur Verfügung stehen. Durch die Angaben zu den Unternehmensverflechtungen im statistischen Unternehmensregister können Unternehmen ausgemacht werden, welche eigentlich laut ihren quantitativen Merkmalen wie Umsatz und Mitarbeiter als KMU gelten, wobei sie dennoch unter Einfluss und der Kontrolle eines anderen Unternehmens tätig sind. Diese Unternehmen stellen eine Teilmenge von verbundenen Unternehmen dar und werden als „abhängige KMU“ bezeichnet. (vgl. Statistisches Bundesamt, 2014, S. 45)

Das statistische Unternehmensregister ist ein Datenbanksystem des Bundesamtes, welche alle relevanten Informationen eines Unternehmens wie die Anzahl der Mitarbeiter, weitere Standorte und der Steuerpflicht beinhaltet. Das statistische Unternehmensregister wird für die Erstellung von Statistiken genutzt.

2.1.3 Unabhängige und abhängige KMU

Unabhängige KMU:

Wie bereits unter 2.1.2 erläutert, sind die eigenständigen Unternehmen unabhängig, d.h. Sie sind nicht an anderen Unternehmen beteiligt und andere Unternehmen haben keine Beteiligung an Ihrem Unternehmen. Es gibt keine weiteren Unternehmen, außer Kunden und Lieferanten, die Einfluss auf die Entscheidungen der unabhängigen KMU nehmen.

Abbhängige KMU:

Abhängige KMU haben Beziehungen zu anderen Unternehmen und sind meist nicht eigenständig (siehe unter 2.1.2 Partnerunternehmen und verbundene Unternehmen). In der EU-Empfehlung sollen nach Artikel 6 die Partnerunternehmen den Umsatz und die Mitarbeiterzahl, entsprechend dem gehaltenen Anteil des anderen Unternehmens, hinzurechnen. Die verbundenen Unternehmen sollen die Daten des anderen Unternehmens zu 100% hinzurechen.

Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil der abhängigen KMU an allen KMU im Jahr 2011 bei 7%. Auffällig war der Anteil der abhängigen mittleren Unternehmen, hierbei wurden 47% aller KMU von einem anderen Unternehmen kontrolliert. (vgl. Statistisches Bundesamt, 2014, S. 45)

Abbildung 1: Abhängige kleine und mittlere Unternehmen nach Größenklasse der Unternehmen 2011 in %. Quelle: Statistisches Bundesamt. 2014. S.46

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch den hohen Anteil der abhängigen mittleren Unternehmen können sich Verfälschungen bei den statistischen Auswertungen von KMU ergeben. Bei einer Hinzurechnung von Mitarbeiterzahl und Umsatz der kontrollierenden Unternehmen ist es sehr wahrscheinlich, dass die KMU-Schwellenwerte aus der EU-Definition überschritten und viele mittlere Unternehmen somit in die Gruppe der Großunternehmen zugeordnet werden müssten. (vgl. Statistisches Bundesamt. 2014. S. 46)

2.2 Relevanz einer einheitlichen KMU-Definition in der Europäischen Union

Die Europäische Union hat die wirtschaftliche Bedeutung und das Innovationspotential der kleinen und mittleren Unternehmen erkannt und möchte die zentrale Rolle der KMU weiter ausbauen. Gerade junge Unternehmen oder neugegründete Unternehmen sollen es durch die einheitliche KMU-Definition einfacher haben, den Zugang zu den Förderprogrammen zu erhalten. Somit soll sichergestellt werden, dass auch nur wirklich bedürftige KMU entsprechende Förderungen erhalten. Mit der einheitlichen EU-Definition sollen somit die „echten“ KMU, die eigenständig und unabhängig sind, gezielt gefördert werden. Gerade in den ersten Jahren fehlt es bei den KMU häufig an entsprechenden finanziellen Mitteln und partnerschaftlichen Netzwerken.

Durch die gemeinsame KMU-Definition der Europäischen Kommission soll die Innovationsförderung und Entwicklung von Partnerschaften gesteigert, sowie die öffentlichen Förderprogramme zielgerichtet auf die bedürftigen Unternehmen ausgerichtet werden. (vgl. Europäische Kommission. 2006) Somit kann man die EU-Definition als relevante Maßnahme für eine zielgerichtete Umsetzung der Fördermaßnahmen und angebotenen Programme für die KMU ansehen. „In einem gemeinsamen Markt ohne Binnengrenzen kommt es darauf an, dass Maßnahmen zugunsten von KMU im Interesse einer höheren Kohärenz und Effizienz…auf einer gemeinsamen Definition basieren. Diese Aufgabe stellt sich umso dringlicher, als die einzelstaatlichen und die EU-Fördermaßnahmen für KMU auf vielfältige Weise miteinander verknüpft sind…“(Europäische Kommission. 2006. S. 6. Die neue KMU-Definition)

Laut der Europäischen Kommission kann die EU-Definition durchaus in den kommenden Jahren angepasst oder erweitert werden, um aus jetzigen Erfahrungen zu lernen und wirtschaftliche Entwicklungen entsprechend zu berücksichtigen.

2.3 Wirtschaftliche Bedeutung von KMU

Deutsche KMU leisten einen wesentlichen Beitrag zur deutschen Gesamtwirtschaft und der Europäischen Union. Sie nehmen eine leistungsführende Position, im Vergleich zu kleinen und mittleren Unternehmen, anderer Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein und gelten als Jobmotor der deutschen Wirtschaft. Prozentual gesehen machen KMU, egal ob in Deutschland oder der gesamtem Europäischen Union, den mit Abstand größten Anteil an der Gesamtmenge aller Unternehmen aus. Die kleinen und mittleren Unternehmen spielen in vielen volkswirtschaftlich relevanten Bereichen eine führende und zentrale Rolle, unabhängig ob man sich bei den Zahlenangaben auf die KMU-Definition der Europäischen Kommission oder der des IfM-Bonns bezieht. Wichtig ist hierbei die jeweilige Bezugsgröße zu beachten, um die Daten und Zahlen ihrer jeweiligen KMU-Interpretation richtig zu deuten.

2.3.1 KMU in Deutschland

Das Statistische Bundesamt hat in der Auswertung aus dem Jahr 2012, nach Empfehlung und Definition der Europäischen Kommission, die „Anteile kleiner und mittlerer Unternehmen an ausgewählten Merkmalen erfasst. In 2012 stellten die KMU 99,3% aller Unternehmen in Deutschland, wobei 60,3% aller beschäftigten Personen in KMU tätig waren und einen prozentualen Umsatz von 32,2% am Gesamtumsatz erwirtschafteten. 41,5% der Bruttoinvestitionen und 46,9% der Bruttowertschöpfung zu Faktorkosten wurden ebenfalls von den KMU getätigt. Auffällig ist der große Anteil der Kleinstunternehmen, die mit 80,8 % den Hauptanteil aller Unternehmen ausmachen, aber auch mit 18,4% den geringsten Umsatz aller Größenklassen erzielten.

Tabelle 3: Anteile kleiner und mittlerer Unternehmen an ausgewählten Merkmalen 2012. Eigene Erstellung basierend auf den Angaben des Statistischen Bundesamtes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Factbook 2014 „German Mittelstand“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, welche sich auf beiden Definitionen bezieht, nämlich die KMU-Definition der EU oder der deutschen KMU-Definition des IfM-Bonn, sind relevante Daten und Fakten aufgeführt. Die jeweiligen KMU- Bezugsgrößen werden für die Transparenz und Interpretation der Ergebnisse immer beschrieben. Grundsätzlich werden die hohe Beschäftigung und Produktivität der KMU im Vergleich zu anderen Ländern positiv erwähnt. Somit zeichnen sich die meisten deutschen Mittelständler durch eine langfristig orientierte Geschäftspolitik aus und setzen überwiegend auf solide Finanzierungsmodelle durch Eigenkapital (53%) und Bankkredite (28%). In 2012 wurden 14% der Investitionen durch Fördermittel finanziert. Erfreulich ist die seit 2005 kontinuierlich gestiegene Eigenkapitalquote, welche in 2012 bei 21% lag. Hierdurch sind behutsame Expansionsstrategien möglich, welche auch in Krisenzeiten mittel- und langfristige Investitionen sichern. Die Unternehmen haben eine starke Bindung zur Region, verfolgen eine konstante Personalpolitik und eine enge Kundenbeziehung. 84,2% der Auszubildenden in Deutschland sind bei Unternehmen des „German Mittelstand“ beschäftigt. Dadurch ist die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im europäischen Vergleich sehr niedrig. Zudem zählen die Unternehmen des „German Mittelstand“ zu den innovativsten in Europa, da 57% der deutschen Unternehmen von 2008-2010 eine Produkt-oder Prozessinnovation auf den Markt brachten. Im EU-Mittel waren es durchschnittlich nur 38,4% (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Factbook 2014. „German Mittelstand“ S.4-ff.)

Besonders erwähnenswert sind die vielen deutschen mittelständischen Unternehmen, welche sich in vielen Bereichen als Weltmarktführer etabliert haben. „Untersuchungen zeigen, dass es in keinem anderen Land so viele Hidden Champions“ gibt wie in Deutschland: Rund 1.300 mittelständische Weltmarktführer haben mit ihren Produkten erfolgreich Nischen besetzt. Besonders stark sind deutsche „Hidden Champions“ im Maschinenbau sowie in den Bereichen Elektroindustrie und Industrieprodukte.“ (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. 2014. Factbook German Mittelstand S.8)

Abbildung 2: „Hidden Champions“ im Ländervergleich 2012. Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. 2014. Factbook German Mittelstand S.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach der EU-Definition sind die deutschen KMU im direkten Vergleich mit anderen größeren EU-Ländern deutlich größer. In Deutschland liegt die durchschnittliche KMU-Größe mit ca. 7,4 Beschäftigten doppelt so hoch wie in Spanien, Italien oder Frankreich. Ähnlich verhält es sich mit dem Umsatz deutscher KMU, dieser liegt nach EU-Angaben mit 1,3 Mio. EUR deutlich höher als in Frankreich (0,9 Mio. EUR), Spanien oder Italien (je 0,5 Mio. EUR). (vgl. KfW Economic Research. Fokus Volkswirtschaft Nr. 24. Juli 2013. S.1)

Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ist die Zahl der KMU-Insolvenzen in Deutschland stark rückläufig. So haben im Jahr 2013 insgesamt 26.300 Unternehmen Insolvenz angemeldet, verglichen mit 2012 war das ein Rückgang von 8,4 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit 1999. In den nächsten Jahren sind viele Familienbetriebe auf der Suche nach einem Nachfolger. Bis 2018 müssen jedes Jahr durchschnittlich knapp 27.000 Übernehmer bzw. Nachfolger gefunden werden. (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Wirtschaftsmotor Mittelstand. 2014. S.3)

Deutsche KMU leisten einen erheblichen volkswirtschaftlichen Beitrag zum Wohlstand in Deutschland und der Europäischen Union. Gerade im direkten Vergleich mit KMU anderer großer europäischer Länder fällt auf, wie erfolgreich und wertvoll die deutschen KMU sind.

Durch zahlreiche Fördermaßnahmen auf Landes-, Bundes-, und EU-Ebene für kleine und mittlere Unternehmen, soll auch weiterhin der Erfolg der KMU gesichert und ausgebaut werden.

2.3.2 KMU in der Europäischen Union

Die wirtschaftliche Bedeutung von KMU in der Europäischen Union wird im „SME Performance Review“ deutlich. SME steht für „small and medium-sized enterprises“, folglich übersetzt heißt dies „kleine und mittlere Unternehmen (KMU)“.

Einmal jährlich wird im Auftrag der Europäischen Kommission der „SME Performance Review“ herausgebracht, der durch ein internationales Konsortium erstellt wird. „Eine periodische Evaluierung und Berichterstattung durch die EU-Kommission soll schließlich über einen Erfahrungsaustausch von „best practices“ unterstützt durch veröffentlichte Empfehlungen… zu einem wechselseitigen Lernen führen.“(Edling. 2010. S.275) Inhaltlich werden hierbei die Entwicklungen und Verhältnisse kleiner und mittlerer Unternehmen in der Europäischen Union analysiert. So gibt die Europäische Kommission im SME Performance Review, nach KMU-Definition der EU, die wirtschaftliche Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen wie folgt an: “Small and Medium‐sized Enterprises (SMEs) form the backbone of a country’s economy. Across the EU28, there were 21.2 million SMEs in the non‐financial business sector1 in 2013. SMEs account for 99.8% of all enterprises in this particular sector, 66.8% of total employment and 57.9% of total value added generated by the non‐financial business sector.” (Europäische Kommission. 2014. S.10)

Nicht nur in Deutschland gelten die KMU als Jobmotor, auch in den EU-Mitgliedstaaten sind fast 58% der Beschäftigten, laut EU-Definition, in kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt. Somit waren 2013 in den bis dato 28 EU-Mitgliedsstaaten insgesamt 88,8 Millionen Menschen in KMU beschäftigt.

Tabelle 4: KMU in der Europäischen Union 2013. Eigene Erstellung basierend auf den Angaben der Europäischen Kommission im SME Performance Review 2013/2014, S.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Europäische Union unterstützt die kleinen und mittleren Unternehmen durch vielfältige Maßnahmen. „Die EU-Förderprogramme reichen von themenspezifischen Programmen, Ausschreibungen, Strukturförderungsmaßnahmen, der Förderung des erleichterten Zugangs zu Krediten für KMU bis hin zu nichtfinanzieller Unterstützung.“ (Zippel. 2006. S. 21) Wichtig ist die Auseinandersetzung mit der Europäischen Union für Unternehmer und Betriebswirte, da die EU den unternehmerischen Alltag nachhaltig bestimmt. (vgl. Kuhn. 2010. S.145) Mittlerweile sind in Deutschland über achtzig Prozent der Rechtsvorschriften direkt von der EU, wie eine Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages ergab. (vgl. Kuhn. 2010. S.15) „Wichtigstes Ziel der aktuellen EU-Politik ist die Förderung der europäischen KMU als Schlüsselfaktor für ein stärkeres Wachstum und mehr und bessere Arbeitsplätze.“ (Zippel. 2006. S.13) Erwähnenswert ist hier u.a. die Initiative der Europäischen Kommission „Small Business Act (SBA)“ für KMU, die einen politischen Rahmen für das Wachstums- und Innovationspotentials von KMU schaffen soll. Hierbei hat die Kommission folgende aktuelle Schwerpunkte für den SBA im Fokus: Reduzierung der Verwaltungslast, verbesserter Zugang zu Finanzierungen, Förderung des Marktzuganges von KMU, Förderung von Innovation, Stärkung von Kompetenzentwicklung von Mitarbeitern. (vgl. BDI. 2015. S.4) Die KMU nehmen sowohl in der Europäischen Union als auch in Deutschland eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Stabilität, die Beschäftigung und die Innovationskraft ein.

Exkurs Europäische Union:

2013 erwirtschafteten die 28 EU-Staaten zusammen ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 13 Billionen Euro. Zu den größten Volkswirtschaften der EU zählen die Mitgliedsländer Deutschland (2,65 Billionen EUR), Frankreich (2 Billionen EUR) und Großbritannien (1,9 Billionen EUR). Das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf hatten in 2011 Luxemburg (82.100 EUR), Dänemark (43.200 EUR) und Schweden (41.100 EUR). Am Ende der Rangliste des BIP pro Kopf befinden sich Bulgarien (5.200 EUR), Rumänien (5.800 EUR) und Polen (9.600 EUR). Durch die Euro-Schuldenkrise schrumpfte die Wirtschaft in 2012 in der EU um 0,2 Prozent, wobei Griechenland (-6 Prozent), Portugal (-3 Prozent) und Italien (-2,3 Prozent) die größten Rückgänge beim BIP zu verzeichnen hatten. Lettland (4,5 Prozent), Litauen (2,7 Prozent) und die Slowakei (2,6 Prozent) konnten hingegen beim BIP wachsen. In 2012 gab es in der EU im Jahresdurchschnitt knapp 25,3 Millionen Arbeitslose. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag somit in der EU bei 10,5 Prozent, hierbei hatten Griechenland und Spanien die höchste Arbeitslosenquote von über 25 Prozent, die geringste Quote hatten Österreich, Deutschland und Luxemburg mit 4 bis 5 Prozent. Erschreckend ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der EU, die in 2012 bei ca. 23 Prozent lag (5,6 Millionen jugendliche Arbeitslose). Griechenland und Spanien kamen auf über 50 Prozent. Die Schuldenquote der EU ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Während in 2007 die Schuldenquote noch unter 60 Prozent des BIP war, wurde sie in 2012 mit 87,2 Prozent gemessen. (vgl. Statista. Europäische Union. Statistiken zur Europäischen Union)

2.3.3 Einflussmöglichkeiten auf EU-Entscheidungen von KMU

Die Europäische Union nimmt für die deutsche Wirtschaftspolitik eine immer größere Bedeutung an, denn nach „…Art. 120 AEUV sollen die Mitgliedsstaaten ihre Wirtschaftspolitik als Angelegenheit von gemeinsamen Interesse betrachten und koordinieren.“ (Edling. 2012. S.274) Man geht davon aus, dass am Hauptsitz der EU-Kommission in Brüssel ca. 15.000 Lobbyisten sitzen. Angefangen von Interessensvertretern der Automobilindustrie bis hin zu Verbindungsbüros von Kirchen oder Gewerkschaften. (vgl. Edling. 2010. S.274) „Diese Berater, Anwälte, Verbände, Unternehmen und Nicht- Regierungsorganisationen bemühen sich darum, die Arbeit der Kommission und des Europäischen Parlaments zu beeinflussen.“ (Kuhn. 2010. S.127) Das oberste Ziel ist hierbei den Gesetzgebungsprozess zum Zwecke eigener Interessen zu beeinflussen, um die wirtschaftspolitischen Ziele zu erreichen. Von gut 2.000 Ausschüssen der Europäischen Kommission haben ca. 80.000 externe „Experten“ an der Entwicklung der Gesetze der EU mitgewirkt. Für kleinere und mittlere Unternehmen, die bis dato noch keine Erfahrung mit der Arbeit der EU hatten, bieten sich folgende Kontaktmöglichkeiten an: Durch ein Verbindungsbüro in Brüssel oder einen externen Dienstleister, können Unternehmen Einfluss auf die europäische Politik ausüben. Zudem gibt es in Brüssel branchenbezogene und branchenunabhängige Verbände, die die allgemeinen Interessen ihrer Mitglieder vertreten. Verbände sind in der Regel günstiger als ein Verbindungsbüro oder ein externer Dienstleister, dafür können die Verbände nicht auf die individuellen Bedürfnisse des „einzelnen“ eingehen. Man muss nicht immer über Brüssel gehen, die Europäische Kommission und das EU-Parlament unterhalten auch in Deutschland (und allen anderen EU-Mitgliedsländern) Vertretungen. In Deutschland befinden sich diese Vertretungen in Bonn, München und Berlin. Außerdem kann man den Kontakt zur Europäischen Union über das Internet (www.europa.eu) aufbauen, hier findet man Informationen zu allen Institutionen und Politikbereichen, die sich bis auf die unterste Detailebene herunterladen lassen. (vgl. Kuhn. 2010. S.127 ff.)

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Details

Seiten
87
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668125926
ISBN (Buch)
9783668125933
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313774
Institution / Hochschule
Hochschule Wismar
Note
1,7
Schlagworte
strategische unternehmensausrichtung unternehmen europäischen union herausforderungen chancen

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Titel: Strategische Unternehmensausrichtung von KMU (kleine und mittlere Unternehmen) in der Europäischen Union