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Die Sinti und Roma in der Bundesrepublik Deutschland. Diskriminierung einer nationalen Minderheit?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 15 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sinti und Roma

3. Der lange Weg nach Deutschland

4. Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland
4.1 Diskriminierungsebenen nach Philipp, Meier, Starl und Kreimer
4.1.1 Diskursive Diskriminierung
4.1.2 Institutionelle Diskriminierung
4.2 Ausgrenzungsdimensionen nach Häußermann, Kronauer und Siebel
4.2.1 Ökonomische Ausgrenzung
4.2.2 Soziale Ausgrenzung
4.2.3 Kulturelle Ausgrenzung

5. Assimilation als Lösung sozialer Segregation von Sinti und Roma
5.1 Race-Relations-Cycle

6. Fazit - Race-Relations-Cycle in Bezug auf Sinti und Roma in Deutschland

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, sei- ner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. ( … ) “ 1 . Obwohl die deutsche Verfassung jede Form von Diskriminierung aufgrund von Sprache, Heimat und Herkunft verbietet, sind heutzutage immer noch massive, tief verwurzelte Vorurteile gegenüber einigen Bevölkerungsgruppen präsent.

Die folgende Hausarbeit thematisiert die Diskriminierung von nationalen Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland anhand des Beispiels der Sinti und Roma. Die Ungleichbehandlung von Sinti und Roma wird heutzutage als eins der dringendsten Menschenrechtsprobleme Europas gesehen (Koch 2010: 255). Deren Situation ist von Segregation, eine um ein Vielfaches höhere Arbeitslosigkeit als die der deutschen Durchschnittsbevölkerung und eine deutliche Abhängigkeit vom Sozialsystem gekennzeichnet (Bachmann 2007: 18).

Zunächst werden wesentliche Informationen zur Volksgruppe der Sinti und Roma dargelegt. Im Anschluss an die kurze Einführung in die Geschichte der Sinti und Roma wird ihr langer Weg nach Deutschland in wenigen Worten nachgezeichnet. Darauf aufbauend werde ich in Anlehnung an den sozialwissenschaftlichen Dis- kriminierungsdiskurs näher auf die Ausgrenzung der nationalen Minderheit einge- hen. Herangezogen habe ich für diese Passage die Diskriminierungsebenen nach Philipp, Meier, Starl, und Kreimer2 und die Ausgrenzungsdimensionen nach Häu- ßermann, Kronauer und Siebel3.

Anschließend wird die Assimilationstheorie nach Park und Burgess4 ausführlich vorgestellt, um sie schlussendlich auf die Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma zu beziehen. Das Ziel dieser Arbeit ist in erster Linie, der schwerwiegenden Dis- kriminierung von Sinti und Roma auf sozialwissenschaftlichen Ebenen Aufmerksamkeit zu schenken und dabei ihren Integrationsprozess anhand der zuletzt genannten Assimilationstheorie zu verstehen.

Zur Vereinfachung wurde bei der Nennung von Personen stets die männliche Form verwendet, wobei sich selbstverständlich alle Formulierungen stets auf beide Geschlechter beziehen.

2. Die Sinti und Roma

Durch das am 1. Februar 1998 in Kraft tretende Rahmenabkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland, wurden vier nationale Minderheiten anerkannt. Zu diesen zählen die friesische Volksgruppe, das sorbische Volk, die dänische Minderheit und die für diese Arbeit relevante Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma5.

Sinti und Roma sind ein Volk mit eigener Sprache, Geschichte und Kultur zu denen einerseits die als nationale Minderheit anerkannten deutschen Sinti , die auf eine lange Vergangenheit im deutschsprachigen Raum zurückblicken können, und an- dererseits die anerkannte nationale Minderheit der Roma, die erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aus den östlichen Teilen der Habsburger Monarchie nach Deutsch- land kamen, zählen. Außerdem finden sich nach 1945 zahlreiche Roma unter den Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem postjugoslawischen Raum und den Zuwanderern aus Ost- und Südeuropäischen Ländern. (Bachmann 2007: 16) Der Zentralrat deutscher Sinti und Roma (2015) konstatiert, dass die überwiegende Mehrheit dieser von der Abschiebung bedrohten Flüchtlinge nur eine begrenzte oder gar keine Aufenthaltsgenehmigung erhält. Da viele dieser Personen nicht über die Anerkennung als nationale Minderheit verfügen, lassen sich keine zuverlässi- gen Zahlen über die in Deutschland lebenden Sinti und Roma finden6. Der Landes- verband deutscher Sinti und Roma von Berlin-Brandenburg (2015) schätzt die Ge- samtzahl der Sinti und Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit auf etwa 80.000, von denen etwa 50.000 Sinti und 30.000 Roma sind. Die Mehrheit der Volksgruppe lebt heutzutage in den alten Bundesländern (Bachmann: 2007: 16). Mehreren Un- tersuchungen zufolge gehört die Bevölkerungsgruppe zu den am meisten von Armut, Arbeitslosigkeit und Analphabetismus betroffenen Gruppen in Europa (Koch 2010: 270).

Die Besonderheit und Eigenständigkeit der Volksgruppe drücken sich insbesondere in ihrer gemeinsamen Sprache aus - dem Romanes. Trotz weltweiter Zerstreuung der Gruppe bestehen nur geringfügige Unterschiede im Sprachgebrauch (Marten- Gotthold 1998: 35). Romanes wird als Muttersprache bezeichnet, die in der Familie erlernt wird, wodurch die jeweilige Landessprache nur eine sekundäre Rolle spielt. Deren Sprache gilt als die älteste, lebendige indoeuropäische und neuarabische unserer Zeit .(Marten-Gotthold 1998: 36)

3. Der lange Weg nach Deutschland

Laut Sprachforschern verließen die Vorfahren der Sinti sowie die der Roma vor etwa 1000 Jahren ihre Ursprungsheimat, die in dem heutigen nordwestlichen Indi- en und östlichen Pakistan liegt. Weder der genaue Zeitpunkt noch die Gründe für die Migration aus Indien sind bekannt. Feststeht allerdings, dass sie sich zunächst über das Gebiet der heutigen Staaten Pakistan, Afghanistan und Iran verbreiteten. Die meisten von ihnen litten zu dieser Zeit unter Sklaverei und Gefangenschaft. Mit Ende der Leibeigenschaft in der Moldau 1855 und der Walachei 1856 gefolgt von dem Übergang zur Marktwirtschaft verloren die im Durchschnitt schlechter ausgebildeten Roma als Erste ihre Arbeitsplätze in der Industrie und Landwirt- schaft und suchten somit ihr Glück im Westen. Diese Entwicklung verstärkte sich im Zuge des Ersten und Zweiten Weltkrieges aufgrund des Arbeitskräftemangels und dem Glauben an Einkommen und Erfolg des Westens. Insgesamt leben in den 28 EU-Staaten schätzungsweise 10-12 Millionen Sinti und Roma - die Mehrheit in Südosteuropa. (Koch 2010: 262 ff.) Durch die EU-Osterweiterung im Jahre 2004 und die mit einhergehenden Grenzöffnungen sind Millionen Roma Bürger der EU geworden und genießen seitdem - wenn auch in Deutschland eingeschränkt - Freizügigkeit (Marten-Gotthold 1998: 20).

[...]


1 Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 Grundgesetz

2 Philipp, Simone/Meier, Isabella/Starl, Klaus/Kreimer, Margareta (2014): Auswirkungen von mehrfachen Diskriminierungen auf Berufsbiografien. Eine empirische Erhebung. Wiesbaden: Springer Fachmedien VS Verlag für Sozialwissenschaften

3 Häußermann, Hartmut /Kronauer, Martin/Siebel, Walter (Hrsg.) (2004): An den Rändern der Städte.Armut und Ausgrenzung. Frankfurt: edition Suhrkamp

4 Park, Robert E./Burgess, Ernest W. (1972): Introduction to the science of sociology : including the original index to basic sociological concepts. Chicago: University of Chicago Press

5 Bundesministerium des Innern (2014): Vierter Bericht der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 25 Abs. 2 des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten.

6 Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2014): Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung-Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668124882
ISBN (Buch)
9783668124899
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313707
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
sinti roma bundesrepublik deutschland diskriminierung minderheit

Autor

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