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Der Sprachtod und bedrohte Schriftsysteme. Definition, Ursachen und Auswirkungen

von Else Gallert (Autor)

Hausarbeit 2008 12 Seiten

Didaktik - Deutsch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Sprachtod
2.1. Sprachselbstmord
2.2. Sprachmord

3. Klassifikation gefährdeter Sprachen
3.1. Dreiteilung nach Krauss
3.2. Fünfteilung nach Wurm und Crystal

4. Fallbeispiele
4.1. Bilaterale Sprachbedrohung im anglophonen Afrika
4.2. Sorbisch

5. Bedrohte Schriftsysteme
5.1. Bedeutung der Schrift
5.2. Ursachen für die Gefährdung eines Schriftsystems
5.3. Auswirkungen des „Schrifttodes“
5.4. Beispiele
5.4.1. Mongolisch
5.4.2. Klassisches Maya

6. Sprachrettung und Sprachwiederbelebung
6.1. Institutionen der Sprachrettung

1. Einleitung

„Wenn nicht die Sprache- was sonst wäre es, wodurch allein der Mensch sich äußert?

Doch, kaum des öftern Atmens achtend, fragt nicht jedermann sich auch schon staunend, was er an ihr besitzt, ja nicht einmal, ob er ererbt sie oder sie erwarb.- Was über all den Herrlichkeiten der Welt besitze ich denn Größeres als meine Sprache, die lebendige!“

( „Die drei tüchtigen Posaunen“ )

Ungefähr 4000 – 7000 Sprachen gibt es auf der Welt[1], doch viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht. Eine beunruhigende Aussage, die Anlass zur Frage nach den Ursachen für die Bedrohung der Sprachen gibt. Die Gründe, die tatsächlich zum Aussterben führen, sind vielfältig.

Meine Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen „Sprachtod“.

Im ersten Teil meiner Arbeit

2. Definition Sprachtod

Es gibt verschiedene Ansichten, wann eine Sprache als tot eingestuft wird.

Crystal verwendet zwei Definitionen:

1.Eine Sprache ist tot, wenn es keine Sprecher mehr gibt.“
„2.Eine Sprache ist tot- gesehen als ein Werkzeug der Kommunikation- wenn es nur noch einen Sprecher gibt und für ihn keine Möglichkeit mehr zur Konversation in dieser Sprache besteht.“ [2]

Der Autor Schmidt definiert den Sprachtod folgendermaßen:

„1.Eine Sprache ist tot, wenn alle Sprecher tot sind.“
„2.Eine Sprache stirbt, wenn sie (Stück für Stück ) durch eine prestigebesetztere Sprache ersetzt wird.“[3]

Bei beiden Definitionen stellt man fest, dass sie sich nur geringfügig voneinander unterscheiden.

2.1. Sprachselbstmord

Außer dem Begriff des Sprachtodes verwenden einige Autoren auch den Ausdruck „Sprachselbstmord“. Hierbei werden Wörter gebraucht, die einer prestigebesetzteren Sprache angehören, die jedoch vom Sprecher freiwillig übernommen werden.[4].

2.2. Sprachmord

Dieser Ausdruck wird als eine Steigerung des Sprachselbstmordes gewählt. Die Sprecher haben im Gegensatz zum Sprachselbstmord keinen Einfluss auf das Verschwinden der Sprache.

„Die rezessive Sprache wird durch die dominante förmlich abgeschlachtet.“ [5]

3. Klassifikation gefährdeter Sprachen

Bestrebungen der Kategorisierung gefährdeter Sprachen gibt es seit ca. 30 Jahren. In verschiedenen Modellen wird versucht, herauszufinden, welche Ursachen eine Sprache gefährden, um anschließend Voraussagen über den Erhalt oder Verlust einer Sprache machen zu können.

Es gibt jedoch auch Probleme bei der Einschätzung der Überlebenschancen einer Sprache, wenn beispielsweise die Sprechergemeinschaft groß und komplex ist.

Ich gehe nun auf zwei Modelle ein.Das erste beschreibt die Dreiteilung nach Krauss und das zweite die Fünfteilung nach Wurm und Crystal.

3.1. Dreiteilung nach Krauss

Krauss teilt die Sprachen der Welt in drei Kategorien auf. Die erste Kategorie beinhaltet den Begriff „ moribund“.[6] Diese Definition benutzt er für Sprachen, die nicht mehr auf traditionellem Weg weitergegeben werden.

In der zweiten Kategorie verwendet er den Ausdruck „safe“. Dieser Begriff beschreibt, dass eine Sprache regionale oder nationale Unterstützung hat und weiterhin auf traditionellem Weg als Muttersprache weitergegeben wird. Dies vollzieht sich voraussichtlich bis zum Jahr 2100. Diese Zahl verwendet er als Grenze und begründet dies damit, dass Sprecher, die heute eine Muttersprache erlernen, diese noch bis ins Jahr 2100 erhalten und weitergeben.[7]

Die dritte Kategorie umfasst den Begriff „endangered“. Damit sind alle Sprachen gemeint, die nach dieser Definition weder safe noch moribund sind. Es handelt sich um Sprachen, die weder regionale noch nationale Unterstützung haben und die Weitergabe auf traditionellem Weg stark gefährdet ist.[8]

3.2. Fünfteilung nach Wurm und Crystal

Die erste Kategorie spricht von den „ potentially endangered languages“.

Diese Sprachen sind sozioökonomisch benachteiligt und beginnen ihre kindlichen Leser zu verlieren.

Die zweite Kategorie beinhaltet die „ endangered languages“.

Diese Sprachen haben wenige oder keine Kinder, die die Sprache erlernen und die jüngsten guten Sprecher sind junge Erwachsene.

Die dritte Kategorie stellt die „ seriously endangered languages“ dar.

Hierbei sind die jüngsten guten Sprecher fünfzig Jahre und älter.

Die vierte Kategorie verwendet den Begriff der „ moribund languages“.

Es gibt nur noch eine Handvoll gute Sprecher und die meisten sind sehr alt.

Die fünfte Kategorie spricht von den ausgestorbenen Sprachen, und zwar den „ extinct languages“.[9]

Die Klassifikation von Wurm bedient sich einer nützlichen Unterteilung der bedrohten Sprachen und ist gut anwendbar. Einige Schwierigkeiten bieten die undefinierten Begriffe „eine Handvoll“, „gute Sprecher“, da sie einen viel zu großen Interpretationsspielraum lassen.

4. Fallbeispiele

Im Nachfolgenden habe ich mich für zwei Fallbeispiele entschieden. Ich stelle die Sprachbedrohung im anglophonen Afrika und das gefährdete Sorbische dar.

4.1. Bilaterale Sprachbedrohung im anglophonen Afrika

Der Zeitpunkt, wann Englisch das erste Mal in Afrika gehört wurde, ist nicht bekannt, aber bereits im 16. Jahrhundert nutzten die Briten die englische Sprache, um ihre kolonialen Ziele durchzusetzen.

Bereits im 17. Jahrhundert waren manche Afrikaner in der Lage, zwischen indigenen Sprachen und dem Englischen zu übersetzen.

Im 19. Jahrhundert zielte die missionarische Schulbildung im anglophonen Afrika auf religiöse Bekehrung durch das Lesen der Bibel. In den Schulen wurde jedoch nur der Grundwortschatz gelehrt und so beschlossen die Missionare, die biblischen Texte in die Muttersprachen zu übersetzen.

Die anfänglich positive Einstellung der Missioanre gegenüber den indigenen Sprachen änderte sich, da es unmöglich war, alle Lehrmaterialien in die verschiedenen Muttersprachen der afrikanischen Schüler zu übersetzen.

Wenn ein Kind in der Lage war auch nur wenige Sätze in der englischen Sprache zu formulieren, wurde zugunsten der Förderung des Englischen auf weitere Unterweisung in der Muttersprache unmittelbar verzichtet.[10]

Die Vielfalt der afrikanischen Sprachen und Dialekte wurde in dem Schulsystem als Problem angesehen, doch die Regierung vertrat die Sicht, dass „... jeder Mensch ein Recht auf seine Sprache hat.“[11]

Die Regierung beschloss, dass Englisch als erste Fremdsprache gelehrt werden sollte.

Es traten jedoch Probleme auf und so wurde deutlich, dass die Verwendung der englischen Sprache im Bildungssystem notwendig war.

Diese Probleme waren:

- einige indigene Sprachen konnten die Last der Bildung über ein bestimmtes Stadium hinaus nicht tragen.
- Die Vielzahl der afrikanischen Sprachen machten die Einführung von einigen allgemein üblichen Medien ab einem bestimmten Punkt in der Bildung notwendig und
- die Afrikaner selbst forderten nun die Sprachausbildung in Englisch, da sie deren Nutzen erkannt hatten.[12]

[...]


[1] Sprachtod und Sprachgeburt,S.229

[2] Bedrohte Vielfalt,S.96

[3] Bedrohte Vielfalt,S.97

[4] Bedrohte Vielfalt,S.97

[5] Bedrohte Vielfalt,S.97

[6] Bedrohte Vielfalt,S.40

[7] Bedrohte Vielfalt,S.41

[8] Bedrohte Vielfalt,S.41

[9] Bedrohte Vielfalt,S.42

[10] Bedrohte Vielfalt,S.130

[11] Bedrohte Vielfalt,S.131

[12] Bedrohte Vielfalt,S.132

Details

Seiten
12
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668123892
ISBN (Buch)
9783668123908
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313507
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Neuere Philologien
Note
1
Schlagworte
sprachtod schriftsysteme definition ursachen auswirkungen

Autor

  • Else Gallert (Autor)

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Titel: Der Sprachtod und bedrohte Schriftsysteme. Definition, Ursachen und Auswirkungen