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Die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen

Bachelorarbeit 2015 64 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise

2. Die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen in der Literatur
2.1 Definition des Begriffs „Sozialunternehmen“
2.2 Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung von Sozialunternehmen
2.2.1 Eigenkapital
2.2.2 Fremdkapital
2.2.3 Mezzaninkapital
2.2.4 Spenden
2.2.5 Hybridkapital
2.3 Finanzierungsquellen von Sozialunternehmen
2.3.1 Leistungsempfänger und öffentliche Hand
2.3.2 Philanthropen
2.3.3 Sozial motivierte Investoren
2.3.4 Kommerziell motivierte Investoren
2.4 Das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen
2.4.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie als Grundlage des Kapitalgeber-Managements
2.4.2 Herausforderungen im Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen
2.4.3 Lösungsansätze für die Herausforderungen im Kapitalgeber-Management
2.5 Zwischenfazit

3. Beschreibung der Methodik und der Durchführung

4. Evaluation
4.1 Diskussion der Thesen
4.1.1 These 1: Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung
4.1.2 These 2: Finanzierungsquellen
4.1.3 These 3: Konflikte zwischen Kapitalgebern und Sozialunternehmern
4.1.4 These 4: Konflikte unter den Kapitalgebern
4.1.5 These 5: Lösungsansätze im Unternehmen
4.1.6 These 6: Lösungsansätze auf Systemebene
4.2 Abschließende Bewertung der Diskussionsergebnisse

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 - Finanzierung von Sozialunternehmen nach Finanzierungsquelle und Ausgestaltungsmerkmalen, eigene Abbildung

Tabelle 2 - Konflikte zwischen den Kapitalgebern, nach Achleitner et al. 2014, S. 89

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Die fünf Arten der Finanzierung, Brown und Swersky 2012, S. 24

Abbildung 2 - Soziale und finanzielle Rendite in Trade Off-Beziehung, Spiess-Knafl und Achleitner 2012, S. 160

Abbildung 3 – Wirkungsmechanismus von social impact bonds, Weber 2012, S. 11

Abbildung 4 - Kategoriesystem

Zusammenfassung

Das Ziel dieser Arbeit ist herauszuarbeiten, wie Sozialunternehmen ihre Kapitalgeber managen sollten. Dafür wird die Frage beantwortet, wie Sozialunternehmen sich finanzieren. Dann werden Herausforderungen in der Finanzierung von Sozialunternehmen geprüft und untersucht, wie sich diese Probleme im Unternehmen und auf Systemebene lösen lassen.

Für diese Arbeit wurde zunächst eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt. Aus den Ergebnissen der Literaturarbeit werden Thesen aufgestellt, die im empirischen Teil anhand von Experteninterviews diskutiert werden. Mithilfe dieser Diskussion werden die Thesen erweitert.

Ein Ergebnis der Arbeit ist, dass Mezzaninkapital sowohl für Sozialunternehmer als auch für Investoren das attraktivste Ausgestaltungsmerkmal der Finanzierung zu sein scheint. Die Auswahl der Finanzierungsquelle ist von der Regelmäßigkeit der Einkünfte durch Leistungsempfänger oder die öffentliche Hand abhängig. Sozial motivierte Investoren scheinen für Sozialunternehmen die passendste Finanzierungsquelle zu sein. Eine Herausforderung in der Finanzierung von Sozialunternehmen sind Konflikte zwischen den Sozialunternehmen und ihren Kapitalgebern. Des Weiteren gibt es verschiedene Konflikte zwischen den einzelnen Finanzierungsquellen, wenn diese unterschiedliche Erwartungen an die soziale und finanzielle Rendite stellen. Im Unternehmen lassen sich diese Konflikte vorrangig durch eine gute und transparente Kommunikation mit den Kapitalgebern und unter den Kapitalgebern mindern. Auf Systemebene scheint es vor allem nötig den Impact Investing-Markt in Deutschland auf Angebots- und Nachfrageseite weiterzuentwickeln.

Summary

The goal of this thesis is to show how social enterprises should manage their capital providers. I will answer the question of how social enterprises are financed. Then I will identify challenges in the financing of social enterprises and examine how these problems can be solved.

I conducted an extensive literature research. Its results are used to state assumptions that are discussed in the empirical section via expert interviews. This discussion is used to review the assumptions.

A result is that mezzanine capital seems to be attractive both for social entrepreneurs and investors. The choice of a financing source depends on the regularity of capital inflows by beneficiaries or public authorities. Socially motivated investors seem to be the most fitting financing source for social enterprises. A challenge in the financing of social enterprises are conflicts between social entrepreneurs and their capital providers. Moreover, different conflicts exist between particular financing sources, if they have different social and financial returns expectations. At the company level, these conflicts can primarily be solved by open communication with the capital providers. At the system level it seems to be especially important to develop the impact investing-market in Germany on the supply and demand side.

1. Einleitung

Social entrepreneurship, oder Sozialunternehmertum, erfährt insbesondere seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Wirtschaftswissenschaftler und Sozialunternehmer Muhammad Yunus 2006 wachsendes wissenschaftliches Interesse. Sozialunternehmertum ist ein weltweites Phänomen, aber keine neue Entwicklung. Bereits im 19. Jahrhundert handelte beispielsweise Friedrich Wilhelm Raiffeisen sozialunternehmerisch, indem er die genossenschaftliche Bewegung in Deutschland mitbegründete. Heute wird Sozialunternehmertum auch durch sinkende Budgets der öffentlichen Hand und den demographischen Wandel als Möglichkeit zur Vermeidung und Bekämpfung sozialer und ökologischer Probleme angesehen (vgl. Scheuerle et al. 2013, S. 7). Dabei ist die Finanzierung von Sozialunternehmen ein besonders interessantes Forschungsfeld, da sie die Grundlage jedes sozialunternehmerischen Handelns darstellt. Sozialunternehmen sind ein spannendes Phänomen, weil sie ein soziales oder ökologisches Problem mit unternehmerischen Mitteln lösen möchten (siehe 2.1). Dadurch haben sie Zugriff auf Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung und Finanzierungsquellen, die sich für Non-Profit-Organisationen und kommerzielle Unternehmen in der Regel gegenseitig ausschließen. Außerdem entwickelt sich derzeit ein Impact Investing-Markt, an dem sozial motivierte Investoren wirkungsorientiert investieren.

Die Arbeit verfolgt durch ihren explorativen Charakter die Zielsetzung, Thesen bezüglich der Finanzierung und des Kapitalgeber-Managements von Sozialunternehmen aufzustellen, die im Rahmen weiterer Forschung überprüft werden können. Diese Thesen sollten sich eng an der in 1.1 definierten Problemstellung orientieren. Die Arbeit befasst sich nicht mit Investitionen in rein kommerziell motivierte Unternehmen. Bei den betrachteten Finanzierungsquellen werden außerdem Akteure wie Wohlfahrtsverbände, Non-Profit-Organisationen, private Philanthropen, Business Angels, Pensionsfonds, Investmentfonds und Hedgefonds nicht detailliert behandelt, da sie bisher nur eine marginale Rolle zu spielen scheinen. Bei den betrachteten theoretischen Grundlagen wird sich auf die Prinzipal-Agent-Theorie fokussiert und die Stewardship-Theorie sowie psychologische Theorien nicht genau behandelt, da die Prinzipal-Agent-Theorie im Rahmen dieser Arbeit die besten Analysemöglichkeiten anbietet. Darüber hinaus werden lediglich Konflikte zwischen Sozialunternehmern und Kapitalgebern und unter den Kapitalgebern als Herausforderungen behandelt, da sie die größten Probleme einzuschließen scheinen. Dabei kann es durchaus weitere Hemmnisse in der Finanzierung von Sozialunternehmen geben, wie den Wettbewerb um Finanzierungsmittel mit traditionellen Non-Profit-Organisationen oder kommerziellen Unternehmen, beispielsweise im Bereich der Pflege. Außerdem sind die vorgestellten Lösungsansätze nicht erschöpfend, sondern es werden diejenigen diskutiert, die in der Literatur und den in dieser Arbeit erhobenen empirischen Daten die größte Rolle spielen. Soziale Investmentbanken als Idee werden beispielsweise nicht näher besprochen.

1.1 Problemstellung

Die Arbeit befasst sich mit der grundlegenden Problemstellung, wie Sozialunternehmen ihre Kapitalgeber managen sollten. Dafür soll zunächst die Frage beantwortet werden, wie Sozialunternehmen sich finanzieren, also welche Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung sich für sie anbieten und welche Finanzierungsquellen es für sie gibt. Daraufhin sollen Herausforderungen in der Finanzierung von Sozialunternehmen geprüft werden, zu denen Konflikte zwischen den Sozialunternehmern und ihren Kapitalgebern und Konflikte zwischen den Kapitalgebern gehören. Dann soll untersucht werden, wie sich diese Probleme im Unternehmen und darüber hinausgehend auf Systemebene lösen lassen.

Diese Forschungsfragen sind relevant, weil die Finanzierung von Sozialunternehmen in Deutschland ein noch nicht tief erforschtes Feld ist und bisherige Erkenntnisse anhand dieser Forschungsfragen zusammengetragen und erweitert werden können. Durch empirische Forschung anhand von qualitativen Primärdaten können im Rahmen dieser Arbeit neue Schlüsse gezogen werden.

1.2 Vorgehensweise

Für diese Arbeit wurde zunächst eine umfangreiche Literaturrecherche nach aktueller sowie Grundlagenliteratur zur vorgestellten Problemstellung durchgeführt. In der Arbeit werden Studien aus den klassischen Wirtschaftswissenschaften mit der Non-Profit-Forschung und der aktuellen sozialunternehmerischen Forschung kombiniert. Der Stand der Forschung wird mithilfe der Literatur zusammengetragen, Beziehungen aufgezeigt und neue Zusammenhänge hergestellt. Aus den Ergebnissen der Literaturarbeit werden Thesen aufgestellt, die im empirischen Teil anhand von Experteninterviews diskutiert werden. Mithilfe dieser Diskussion werden die Thesen erweitert.

Die Arbeit gliedert sich in fünf Hauptteile. Nach der Einleitung folgt eine Übersicht über die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen in der Literatur. Zunächst wird dabei der Begriff „Sozialunternehmen“ definiert. Dann werden die verschiedenen Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung besprochen, die Sozialunternehmen offen stehen. Im nächsten Schritt werden die Finanzierungsquellen von Sozialunternehmen diskutiert. Nun wird das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen erläutert. Dafür wird die Prinzipal-Agent-Theorie herangezogen und auf Herausforderungen im Kapitalgeber-Management für die Sozialunternehmen angewendet und Lösungsansätze entwickelt. Nach einem Zwischenfazit, in dem die vorläufigen Thesen abgeleitet werden, folgt im dritten Kapitel die Beschreibung der Methodik und der Durchführung des empirischen Teils. Daraufhin werden die vorläufigen Thesen mithilfe der durchgeführten Experteninterviews diskutiert und erweitert. Abschließend werden die Diskussionen kurz bewertet. Im fünften Kapitel folgt das Fazit.

2. Die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen in der Literatur

Im folgenden Teil wird ein Literaturüberblick über die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen gegeben. Dabei ist das Kapitel wie in 1.2 vorgestellt aufgebaut. Als erstes wird der Begriff „Sozialunternehmen“ definiert.

2.1 Definition des Begriffs „Sozialunternehmen“

Bis heute gibt es keine klare Definition von Sozialunternehmen (vgl. Zahra et al. 2009, S. 520). Klar ist lediglich, dass sie sich zwischen kommerziellen Unternehmen und NGOs bewegen. Der Unterschied zwischen kommerziellen Unternehmern[1] und Sozialunternehmern liegt dabei mehr im Wertversprechen des Unternehmens als in ihrer Motivation. Kommerzielle Unternehmer werden wegen des hohen Risikos, das Unternehmertum mit sich bringt, ebenfalls selten von der Aussicht auf finanziellen Gewinn motiviert. Sie möchten jedoch einen Markt bedienen, der sich ihr Produkt leisten kann und der darauf ausgelegt ist, Profit zu generieren. Sozialunternehmer bedienen einen Markt, der eine benachteiligte Zielgruppe hat und der keinen Profit, sondern Wert in Form von gesellschaftlichen Veränderungen generieren soll. Sie möchten ein soziales oder ökologisches Problem lösen (vgl. Martin und Osberg 2007, S. 34–35). Da Sozialunternehmen an solchen Märkten arbeiten, zeichnen sie sich auch dadurch aus, dass ihre Erfolgsmessung problematisch ist. Der Mehrwert vieler Produkte oder Dienstleistungen, die von Sozialunternehmen angeboten werden, ist nicht quantifizierbar (vgl. Zahra et al. 2009, S. 522). Die Abgrenzung von Sozialunternehmen von NGOs ist ebenfalls nicht trennscharf zu beschreiben. Generell werden NGOs, die die wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Tätigkeiten ignorieren, außerhalb des Bereichs des Sozialunternehmertums gesehen (vgl. Zahra et al. 2009, S. 521). Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass die Manager von NGOs eher spendenfinanzierte Aktivitäten bevorzugen und marktliche Einkommensströme meiden, während diese bei Sozialunternehmen erwünscht sind (vgl. Breidenbach 2011, S. 303). Definierende Elemente einer „unternehmerischen“ Persönlichkeit sind nach moderne Theorien zu Unternehmertum (z.B. von Say, Schumpeter, Drucker, Stevenson) außerdem Innovation und Einfallsreichtum (vgl. Dees 1998, S. 2–3).

Sozialunternehmen können nicht kostendeckend, kostendeckend oder mehr als kostendeckend arbeiten (vgl. Yunus 2008, S. 40). Das heißt, dass sie reine Non-Profit-, reine For-Profit- oder hybride Organisationen sein können. Sie produzieren eine soziale und in den meisten Fällen auch eine finanzielle Rendite und schütten diese teilweise aus (vgl. Breidenbach 2011, S. 301–302). Soziale Rendite beschreibt die positiven Auswirkungen einer Investition auf das Sozialwesen oder die Umwelt (vgl. Alberg-Seberich und Wolf 2011, S. 290–291). In der Literatur wird umfassend diskutiert, wie sich soziale und ökonomische Ziele in Sozialunternehmen zueinander verhalten. Einige Wissenschaftler sprechen von einer double bottom line, was bedeutet, dass Sozialunternehmen ökonomische und soziale Ziele auf der gleichen Ebene sehen. Andere legen den Fokus rein auf die Schaffung von sozialen Wohlstand (vgl. Zahra et al. 2009, S. 520–522).

In dieser Arbeit wird ein Sozialunternehmen zusammenfassend wie folgt definiert: Sozialunternehmen können Non-Profit-, For-Profit- oder hybride Organisationen sein, die ein soziales oder ökologisches Problem auf unternehmerische Art lösen möchten.

2.2 Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung von Sozialunternehmen

In diesem Kapitel werden die verschiedenen Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung für Sozialunternehmen beschrieben. Sozialunternehmen haben Zugriff auf eine weite Bandbreite an Finanzierungsinstrumenten. So sind Spenden bei Non-Profit-Organisationen üblich, stehen aber auch Sozialunternehmen zur Verfügung. Eigen-, Fremd- und Mezzaninkapital sind auf der anderen Seite typisch für kommerzielle Unternehmen, stehen aber auch Sozialunternehmen offen. Außerdem kombiniert Hybridkapital Elemente des Eigen- oder Fremdkapitals mit Spenden (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2013, S. 16).

2.2.1 Eigenkapital

Eigenkapital ist nachranging und permanent, das heißt es wird ohne Rückzahlungsanspruch vergeben. Der Investor kann sich nur aus dem Unternehmen zurückziehen, indem er seinen Anteil an einen anderen Investor übergibt. Der Investor trägt bei dieser Form der Finanzierung das höchste Risiko (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 280). Im Gegenzug für das Risiko erhält er einen Anteil am Unternehmen. Dadurch hat er eine gewisse Kontrolle über das Unternehmen, da er Miteigentümer wird und in der Regel Stimmrechte erhält. Diese werden in den vertraglichen Vereinbarungen geregelt und sind von der Rechtsform des Unternehmens sowie der Höhe der Anteile abhängig (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 76). Normalerweise verlangen Investoren als Gegenleistung zur Überlassung des Eigenkapitals eine Beteiligung an zukünftigen Gewinnen.

Im Fall von Sozialunternehmen wird der Gewinn jedoch meistens nicht ausgeschüttet, eine Vollausschüttung gibt es nie. Durch die Reinvestition der Gewinne in das Sozialunternehmen entsteht dafür ein vermehrter sozialer Gewinn (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 280).

Eigenkapital hat den Vorteil, dass es unbegrenzt zur Verfügung steht. Mitspracherechte sind jedoch ein zentrales Thema. Für Unternehmer, die sich für eine Eigenkapitalfinanzierung entscheiden, verringert sich durch sie der Einfluss auf ihr Unternehmen (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 280). Klassische Eigenkapitalbeteiligungen an Sozialunternehmen sind selten, weil die Ausschüttungen in der Regel geringer sein werden als bei profitorientierten Unternehmen und klassische Exit-Strategien schwierig zu realisieren sind, da sie die sozialen Ziele der Sozialunternehmer untergraben können (vgl. Bank of England (Hg.) 2003, S. 47–49).

2.2.2 Fremdkapital

Im Gegensatz zum Eigenkapital steht Fremdkapital zeitlich begrenzt zur Verfügung, in der Regel zwischen drei und sieben Jahren (vgl. Achleitner et al. 2011a, S. 10). Gegenüber Eigenkapital ist Fremdkapital im Falle einer Insolvenz vorrangig. Fremdkapitalgeber haben keine Mitspracherechte und werden nicht am unternehmerischen Erfolg beteiligt, sondern erhalten Zinszahlungen (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 281). Diese werden vertraglich festgelegt und die Sicherheiten bestimmt, auf die der Fremdkapitalgeber bei Zahlungsausfall zurückgreifen kann (vgl. Grunow und Figgener 2006, S. 138–139). Das Risiko für Fremdkapitalgeber ist geringer als das von Eigenkapitalgebern, weshalb die Renditeerwartungen von Fremdkapitalgebern in der Regel niedriger sind.

Für Sozialunternehmer gibt es verschiedene zinsvergünstigte oder gar zinsfreie Instrumente (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 281). Der Zins liegt somit zwischen 0% und marktüblichen Raten (vgl. Spiess-Knafl und Achleitner 2012, S. 164). Diese Zinszahlungen können regelmäßig erfolgen, sehen aber im Fall von Sozialunternehmen oftmals eine besonders lange Zeit bis zur ersten Tilgung bis hin zur Endfälligkeit vor (vgl. Kuhlemann 2011, S. 265).

Für den Unternehmer bedeutet Fremdkapital, dass sein Einfluss auf das Unternehmen nicht vermindert wird und das Kapital sehr flexibel eingesetzt werden kann. Allerdings setzen marktübliche Zinszahlungen ein risikoarmes Geschäftsmodell sowie vorhersehbare Cashflows voraus, was nicht jedes Sozialunternehmen leisten kann. Bei Zahlungsverzug hat der Fremdkapitalgeber weitreichende Rechte (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 70). Mögliche Liquiditätsengpässe werden im vereinbarten Zahlungsstrom nicht berücksichtigt, was im Extremfall zum Zusammenbruch des Unternehmens führen kann (vgl. Grunow und Figgener 2006, S. 188–189). Zinsvergünstigte, zinsfreie oder endfällige Kredite sind für Sozialunternehmen also eine gute Finanzierungsmöglichkeit.

2.2.3 Mezzaninkapital

Mezzaninkapital ist eine Kombination aus Eigen- und Fremdkapital. Ähnlich dem Eigenkapital wird es in der Regel nachrangig behandelt (vgl. Kuhlemann 2011, S. 266). Ans Fremdkapital angelehnt steht es zeitlich begrenzt zur Verfügung und muss zum Ende der Laufzeit zurückgezahlt werden. Alternativ ist eine Umwandlung in Eigenkapital möglich (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 282; Achleitner et al. 2011a, S. 11). Allerdings ist die Laufzeit meist länger als bei Fremdkapital (vgl. Unser 2007, S. 100). Mezzaninkapital beinhaltet in der Regel festgelegte Zinsen sowie einen leistungsabhängigen Teil. Im Falle von finanziellem Erfolg wird der Investor somit an den Profiten beteiligt, was als equity kicker bezeichnet wird (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 79; Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 71). Eine zweite Möglichkeit ist eine gewinnabhängige Zinskomponente, bei der der Zinssatz proportional zur Gewinnentwicklung steigt (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 80).

Die Spezifika für Sozialunternehmen, die in 2.2.1 und 2.2.2 genannt wurden, wie eine niedrigere Gewinnausschüttung oder zinsvergünstigte Elemente, können auch auf Mezzaninkapital zutreffen.

Mezzaninkapital kann sehr flexibel ausgestaltet werden, was es für Sozialunternehmen grundlegend interessant macht. Für Unternehmer bedeutet Mezzaninkapital, dass ihr Einfluss auf das Unternehmen nicht unbedingt verändert wird. Allerdings sind sie der Rückzahlung des Kapitals verpflichtet (vgl. Achleitner et al. 2011a, S. 10). Somit werden vorhersehbare Cashflows und ein risikoarmes Geschäftsmodell benötigt (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 71). Außerdem kann eine Umsatzbeteiligung des Investors unter Umständen nicht im Sinne des Unternehmers sein (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2013, S. 17).

2.2.4 Spenden

Spenden sind die gängige Form der Finanzierung im sozialen Sektor und können monetär und nicht-monetär (z.B. in Form von Freiwilligenarbeit) bereitgestellt werden (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 282; Spiess-Knafl 2012, S. 80). Sie sind mit keiner Rückzahlungspflicht verbunden. Allerdings sind sie oftmals zweckgebunden und deshalb nicht sehr flexibel. Spenden haben insofern eine begrenzte Laufzeit, dass sie oftmals innerhalb eines bestimmten Zeitraumes verbraucht werden müssen. Mit ihnen sind keine Kontroll- oder Stimmrechte verbunden. Im Falle von regelmäßigen Spenden ist es jedoch trotzdem wichtig, die Erwartungen der Spender zu erfüllen, damit die Spenden nicht ausgesetzt werden. Im Insolvenzfall muss das Kapital aus Spenden einer anderen sozial tätigen Organisation zur Verfügung gestellt werden.

Damit Spenden effektiv eingeworben werden können, ist die Freistellungsbescheinigung der Steuerbehörde, die den Spendern eine steuerliche Absetzbarkeit der Spende garantiert, für Sozialunternehmen sehr wichtig (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 80–82).

Für den Sozialunternehmer gehen mit der Spendenfinanzierung hohe und nicht gut planbare Fundraising-Kosten einher (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 80). Durch die Zweckbindung beziehungsweise den Fokus auf Projektfinanzierung eignen sich Spenden nicht um Kosten der Organisationsentwicklung zu decken (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 282). Schließlich ist die Spendenfinanzierung für Sozialunternehmen teilweise nötig und hilfreich, Spenden können jedoch nicht als das für Sozialunternehmen ideale Ausgestaltungsmerkmal der Finanzierung angesehen werden.

2.2.5 Hybridkapital

Hybridkapital beschreibt im Kontext von Sozialunternehmen spezielle Finanzierungsinstrumente, die Spenden mit Eigen- und Fremdkapital kombinieren. Es zeichnet sich durch eine lange Laufzeit und individuell zu vereinbarende Rückzahlungen aus (vgl. Achleitner et al. 2011a, S. 11).

Zu den Finanzierungsinstrumenten gehören rückzahlbare Spenden, wandelbare Darlehen, wandelbare Spenden und Umsatzbeteiligungsmodelle. Rückzahlbare Spenden sind Kapital, das nur im Falle einer positiven Entwicklung des Unternehmens zurückgezahlt wird. Bleibt der Erfolg aus, werden sie in klassische Spenden umgewandelt. Die steuerliche Handhabung dieses Instruments ist jedoch kompliziert. Im Fall von wandelbaren Darlehen wird die Rückzahlverpflichtung beim Erreichen besonderer Meilensteine erlassen. Wandelbare Spenden sind Spenden, die bei positiver Entwicklung des Unternehmens in Eigenkapital umgewandelt werden. Dieses Konzept wird beispielsweise in Mikrofinanzinstitutionen angewandt. Allerdings sind auch hier die steuerlichen Aspekte im Einzelfall zu klären. Dies trifft auch auf Umsatzbeteiligungsmodelle zu. Sie sind rückzahlbar und nicht verzinst. Mit ihnen finanziert ein Kapitalgeber bestimmte Projekte oder auch das gesamte Unternehmen und wird am Umsatz beteiligt (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 82–84).

Sozialunternehmer erhalten mit Hybridkapital somit recht günstige Finanzierung mit hoher Flexibilität und ohne Kontrollverlust (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 71). Als Nachteil ist jedoch festzuhalten, dass Hybridkapital noch sehr selten und nicht ausgereift zu sein scheint.

2.3 Finanzierungsquellen von Sozialunternehmen

Sozialunternehmen haben Zugriff auf viele verschiedene Finanzierungsquellen. Auf der Seite der Innenfinanzierung stehen die Leistungsempfänger sowie die öffentliche Hand. Die öffentliche Hand wird in dieser Arbeit in Bezug zu den Leistungsempfängern gesetzt, da sie die Sozialunternehmen stellvertretend für die Leistungsempfänger finanziert (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 272).

Finanzierungsquellen der Außenfinanzierung lassen sich in drei Gruppen aufteilen: Philanthropen, sozial motivierte Investoren und kommerziell motivierte Investoren. Organisationen können entweder sozial oder kommerziell motiviert sein. Sozialunternehmen gehören zu den sozial motivierten Organisationen. BCG (vgl. Brown und Swersky 2012, S. 24–25) hat davon ausgehend eine Matrix entwickelt, die die fünf Arten der Finanzierung beschreibt (Abbildung 1). Typ 1 sind Spenden von Philanthropen an sozial motivierte Organisationen. Typ 2 ist die direkteste Art des sozialen Investments, da sozial motivierte Investoren in sozial motivierte Organisationen investieren. Typ 3 wird in der Regel nicht als soziales Investment bezeichnet, da sozial motivierte Investoren normalerweise nicht bereit sind in kommerziell motivierte Organisationen zu investieren. Aus diesem Grund wird es in dieser Arbeit nicht weiter besprochen. Typ 4 umfasst beispielsweise Kredite, die von kommerziell motivierten Investoren (z.B. Banken) an sozial motivierte Organisationen vergeben werden. Typ 5 ist ausschließlich kommerzielles Investment und wird in dieser Arbeit nicht behandelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Die fünf Arten der Finanzierung, Brown und Swersky 2012, S. 24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - Soziale und finanzielle Rendite in Trade Off-Beziehung, Spiess-Knafl und Achleitner 2012, S. 160

Wie bereits in 2.1 beschrieben, verfolgt ein Sozialunternehmen eine soziale und eine finanzielle Rendite. Diese beiden Renditen stehen miteinander in einer Trade Off-Beziehung, da die soziale Rendite positive externe Effekte generiert und so die finanzielle Rendite vermindert. Die drei beschriebenen Arten an Kapitalgebern, die für Sozialunternehmen zur Verfügung stehen, wägen bei ihren Investitionsentscheidungen ebenfalls zwischen den beiden Dimensionen ab, wie Abbildung 2 zeigt.

Die Renditekurve, auf der sich das Sozialunternehmen positioniert, zeigt den Trade Off aus seiner Perspektive, die Präferenzkurven die Vorlieben der Kapitalgeber. So sind Philanthropen in der Regel bereit, auf finanzielle Rendite komplett zu verzichten, sozial motivierte Investoren verfolgen die double bottom line und kommerziell motivierte Investoren bevorzugen Modelle, die die finanzielle Rendite maximieren. Die Kurven der Investoren sind im Vergleich zu den Philanthropen steil, da die Aufgabe einer Einheit finanzielle Rendite einen großen Zugewinn an sozialer Rendite bedeuten muss. Philanthropen sind wiederum für eine Einheit soziale Rendite bereit, große Einbußen bei der finanziellen Rendite zu akzeptieren (vgl. Spiess-Knafl und Achleitner 2012, S. 160).

2.3.1 Leistungsempfänger und öffentliche Hand

Leistungsempfänger sind eine Finanzierungsquelle von Sozialunternehmen, bei denen Markteinkünfte eine Rolle spielen. So kann die Zielgruppe eines Sozialunternehmens wichtig sein, wenn sie für Produkte oder Dienstleistungen bezahlt. Dies kann sie auch in Form von Mitgliedsbeiträgen tun. Zu den Leistungsempfängern können auch Franchisenehmer gehören (vgl. Brooks 2009, S. 88–89; Scheuerle et al. 2013, S. 71).

Zielgruppe

Bei der Finanzierung durch die Zielgruppe entsteht durch die Erbringung einer Dienstleistung oder den Verkauf eines Produkts eine Forderung. Dabei kann der Preis je nach Kundengruppe differieren, um jedes Mitglied der Zielgruppe bedienen zu können (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 73–74). Die Zielgruppe muss dabei nicht die direkte Anspruchsgruppe sein, sondern kann auch Dritte einschließen, wie beispielsweise Unternehmen, die von Fortbildungen ihrer Mitarbeiter profitieren (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 46).

Der klare Vorteil dieser Finanzierungsquelle ist, dass keine Beschränkungen in der Nutzung dieses Kapitals bestehen (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 73–74). In vielen Fällen werden in Sozialunternehmen jedoch nicht alle Forderungen eingetrieben und auch das Zahlungsziel kann untypisch lang sein. Ein gutes Debitoren-Management ist deshalb für Sozialunternehmen besonders wichtig (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 273).

Mitglieder

Mitglieder eines Sozialunternehmens können eine politisch relevante Basis für die Durchsetzung der Interessen des Unternehmens sein. Darüber hinaus können Mitgliederbeiträge so genannte Klubgüter finanzieren, die eine sehr klar definierte Zielgruppe haben, wie zum Beispiel Selbsthilfegruppen (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2013, S. 18). Außerdem gibt es Sozialunternehmen, die Mitgliedsbeiträge von der Anspruchsgruppe selbst sowie von Fördermitgliedern erheben und davon Dienste für die ganze Gesellschaft anbieten (vgl. Brooks 2009, S. 93).

Mitgliedsbeiträge sind attraktiv für Sozialunternehmen, da sie durch sie Paketpreise festlegen und so ihre Verwaltungs- und Transaktionskosten verringern können. Außerdem ermöglichen sie es das Verhalten der Mitglieder zu beeinflussen: Eine regelmäßige Teilnahme an den Angeboten des Sozialunternehmens ist bei der Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge wahrscheinlicher, als wenn jedes Mal einzeln abgerechnet wird (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 70).

Franchisenehmer

Franchisenehmer können eine weitere Finanzierungsquelle sein, wenn das Sozialunternehmen als Franchise-Modell operiert (vgl. Schmitz und Scheuerle 2013, S. 112). Das bedeutet, dass der Franchisenehmer den Franchisegeber für die Implementation dessen Geschäftskonzepts in seiner Region bezahlt (vgl. Hackl 2011, S. 319). Wenn das Geschäftsmodell Einkommen generiert, wird eine Lizenzgebühr erhoben (normalerweise 4-10% des Bruttoumsatzes), in anderen Fällen meistens Pauschalen (vgl. Schöning 2007, S. 200).

Die großen Vorteile von Franchising sind, dass der Ressourcenbedarf im Vergleich zur Skalierung durch eigene Filialen geringer ist, die Expansion schneller geschehen kann, geprüfte Konzepte unterstützt werden und dass durch gute Kommunikation zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer das System bestmöglich entwickelt werden kann. Allerdings ist die Kontrollmöglichkeit des Sozialunternehmers bei einem Franchise-System geringer als bei einem Filialnetz und die Auswahl von Franchisenehmern ist oftmals mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden (vgl. Hackl 2011, S. 321–322). Darüber hinaus eignet sich nicht jedes Geschäftsmodell für ein Franchise-System. Die Prozesse sollten sich gut standardisieren lassen und es sollte eine verlässliche finanzielle Basis haben (vgl. Schöning 2007, S. 196–197).

Öffentliche Hand

Die öffentliche Hand kann Projekte über einen festgelegten Zeitraum finanzieren, die im öffentlichen Interesse liegen. Diese Projektfinanzierung (oftmals auch in der Form von Subventionen) ist allerdings in der Regel nur als Anschubfinanzierung gedacht. Das Unternehmen muss als Basis ein Konzept vorlegen, das Lösungsansätze für ein bestimmtes Problem aufzeigt (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 272–273; Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 73). Im Gegenzug für diese Finanzierung werden umfassende Nachweise erwartet. Dabei deckt die Finanzierung durch die öffentliche Hand meistens nur einen geringen Anteil der Gemeinkosten (vgl. Scheuerle et al. 2013, S. 67). Zinsaufwendungen und Dividendenzahlungen werden ausgeschlossen (vgl. Achleitner et al. 2014, S. 91). Neben der Projektfinanzierung hat die öffentliche Hand die Möglichkeit, Zuschüsse zu gewähren und einen Markt für soziale Leistungen zu schaffen, indem sie Leistungssätze festlegt oder Ausschreibungen vornimmt. Diese Sätze sind in der Regel kostendeckend berechnet (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 272–273). Außerdem kann die öffentliche Hand Sozialunternehmen auch über steuerliche Vorteile unterstützen (vgl. Brooks 2009, S. 113).

Der Vorteil bei der Finanzierung durch die öffentliche Hand liegt für Sozialunternehmen darin, dass sie stabil ist (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 73). Probleme bei dieser Finanzierung gibt es durch den hohen administrativen Aufwand und der geringen Flexibilität bei der Verwendung der Mittel, dem Vorfinanzierungsbedarf und zunehmend kleineren öffentlichen Budgets aufgrund der schlechten Haushaltslage vieler Kommunen (vgl. Scheuerle et al. 2013, S. 67–69). All dies führt dazu, dass öffentliche Mittel meistens als nicht genügend unternehmerisch angesehen werden. Allerdings gibt es mittlerweile vermehrte Bestrebungen der Regierungen, Sozialunternehmen durch Initiativen wie social impact bonds besser zu unterstützen (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 73). Auf social impact bonds wird in 2.4.3 eingegangen. Außerdem hat die staatliche KfW in Deutschland ein Förderprogramm für Sozialunternehmen, das auf Eigenkapitalbeteiligungen beruht, aber auch Mezzaninkapital ermöglicht (vgl. Scheuerle et al. 2013, S. 72). Diese Förderung erfolgt stets mit einem Partnerinvestor, dessen Beitrag die KfW bis zu einer Höhe von 200.000 Euro doppelt (vgl. KfW (Hg.) 2012, S. 1–2). Aus zwei der geführten Experteninterviews geht allerdings hervor, dass das Förderprogramm zum Ende des Jahres 2014 ausgelaufen ist. Eine offizielle Stellungnahme der KfW hierzu gibt es bislang nicht.

2.3.2 Philanthropen

Philanthropen verfolgen ausschließlich soziale Ziele und erwarten meist keine Rückzahlung ihres Kapitals (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 48). Zu ihnen gehören Stiftungen, private Spender, Crowdfunding-Plattformen und Sponsoren. Sie stellen für die Sozialunternehmen Außenfinanzierung bereit.

Stiftungen

Stiftungen kommen durch den Transfer von Vermögen an eine unabhängige Institution zustande, die das Vermögen einem bestimmten Zweck auf Dauer widmet (vgl. Bischoff et al. 2013, S. 124–125). Stiftungen finanzieren Sozialunternehmen vor allem durch Spenden. Dafür erwarten sie, dass die Sozialunternehmen die Leistung erbringen, die sie mit ihnen vor Beginn des Projektes vereinbart haben. Allerdings gibt es oftmals keine klaren Erfolgskriterien (vgl. Thümler und Bögelein 2012, S. 267–268). Finanzierung durch Stiftungen ist, ähnlich die der öffentlichen Hand, in der Regel auf zwei bis drei Jahre begrenzt und trägt nur kleine Teile der Gemeinkosten (vgl. Bischoff et al. 2013, S. 53–56). Stiftungsgelder eignen sich somit vor allem für die Gründungsphase von Sozialunternehmen, bei Non-Profit-Sozialunternehmen aber auch als eine dauerhafte Finanzierungsquelle (vgl. Scheuerle et al. 2013, S. 70).

Der Vorteil in der Stiftungsfinanzierung liegt für Sozialunternehmen darin, dass sie die Mittel nicht zurückzahlen müssen. Allerdings sind die Bewilligungszeiträume für die Finanzierung durch Stiftungen lang und die Verwendung der Mittel oftmals nicht mit unternehmerischer Freiheit möglich. Diese Unstimmigkeiten hängen zum einen damit zusammen, dass Stiftungen auf Non-Profit-Organisationen spezialisiert sind und Sozialunternehmen andere Bedürfnisse haben. Außerdem bewegen Stiftungen sich bei der Förderung von Sozialunternehmen in einer rechtlichen Grauzone, da diese sowohl als For-Profit- als auch Non-Profit-Akteure agieren (vgl. Bischoff et al. 2013, S. 53–56). Letts et al. (1997) kritisieren, dass Stiftungen dazu tendieren Projekte zu finanzieren, sich aber nicht an der Skalierung der geförderten Organisation zu beteiligen. Stiftungen könnten Sozialunternehmer mit mehr als „lediglich“ Geld unterstützen und ähnlich wie Venture Capital Gesellschaften Organisationsstrukturen aufbauen, die langfristig in ihrem Sinne tätig sind.

Auf diese Kritik fußend wurden Venture Philanthropy Fonds gegründet. Sie werden in 2.3.3 besprochen. Eine andere neue Entwicklung im Stiftungssektor ist zweckbezogenes Investieren (mission investing). Es erlaubt Stiftungen ihr Vermögen für ihren Zweck anzulegen (vgl. Weber 2012, S. 15). Dabei wird mindestens der Kapitalerhalt angestrebt, es kann jedoch auch eine marktübliche Rendite entstehen. Mission investing ist in jeder Anlageklasse möglich. In Bezug auf Sozialunternehmen bieten sich als Eigenkapital Unternehmensbeteiligungen oder die Finanzierung der Immobilien der Unternehmen und als Fremdkapital Darlehen an. Als integrated mission investing wird die Kombination von „traditioneller“ Stiftungsförderung und zweckbezogenem Investieren gesehen, die die Wirkung beider Instrumente zusätzlich verstärkt. Dies ist jedoch nicht sehr häufig. Program related investments erlauben privaten Stiftungen in den USA in risikoreichere Geldanlagen zu investieren, wenn deren Ziel ist, den Stiftungszweck zu fördern. Sie verlangen Kapitalerhalt, die finanzielle Rendite liegt jedoch unterhalb marktüblicher Raten. Da das deutsche Stiftungswesen anders funktioniert als das amerikanische, ist ein Transfer dieser Ansätze nach Deutschland jedoch nicht ohne weiteres möglich (vgl. Weber und Schneeweiß 2012, S. 15-17, 21, 26).

Private Spender

Private Spender fördern Sozialunternehmen, wie der Begriff bereits impliziert, durch Spenden. Für sie erhalten sie einen privaten Nutzen, da ein öffentliches Gut geschaffen werden kann, das der Spender schätzt, und unter Umständen ein gesteigertes soziales Ansehen (vgl. Spiess-Knafl und Jansen 2014, S. 69). Außerdem können dem Spender steuerliche Vorteile entstehen. Dafür erwarten sie in vielen Fällen eine Zweckbindung der Spende (vgl. Pöllath 2007, S. 61). Oliveira et al. (2011) finden in ihrer Studie „The giving type: Identifying donors“, dass Spendenbereitschaft nicht mit demographischen Merkmalen oder dem Einkommen korreliert. Allerdings gäbe es einen individuellen Faktor, der Spendenbereitschaft ausdrückt. Menschen, die bereits für einen bestimmten Zweck spendeten, würden eher für einen weiteren Zweck spenden als Menschen, die bisher nichts spendeten. Dabei könnten sich die Zwecke durchaus unterscheiden. Diese Erkenntnisse empfehlen Sozialunternehmen und anderen sozialen Organisationen die Listen ihrer Spender gegenseitig auszutauschen, um Fundraising-Kosten zu minimieren. Darüber hinaus regen Oliveira et al. an, nicht ausschließlich wohlhabende Spender anzusprechen. Das Statistische Bundesamt stellt dahingegen durchaus Zusammenhänge zwischen Einkommen und demographischen Merkmalen und den steuerlich geltend gemachten Spenden fest. Nach seinen Informationen spenden Steuerpflichtige mit einem Einkommen von 100.000 Euro und mehr durchschnittlich am meisten. Außerdem scheint die Spendenbereitschaft beispielsweise mit der Kinderanzahl zu steigen (vgl. Buschle 2008). Brooks (2009, S. 104–105) beschreibt, die absolute Spendenmenge werde von Änderungen im Einkommen und Vermögen von Spendern beeinflusst, allerdings stiegen und fielen sie nicht proportional zum Einkommen. Das würde bedeuten, dass Spenden langsamer wachsen als die gesamte Wirtschaft, aber auch, dass spendenabhängige Organisationen von Rezessionen weniger betroffen sind als die gesamte Wirtschaft.

Vor- und Nachteile der Spendenfinanzierung wurden bereits in 2.2.4 beleuchtet. Eine recht neue Entwicklung, die Sozialunternehmen den Aufbau einer Fundraising-Struktur erleichtern, sind Crowdfunding-Plattformen.

Crowdfunding-Plattformen

Beim Crowdfunding finanziert eine Gruppe ein bestimmtes Ziel oder Projekt durch viele kleine Beiträge. Auch Sozialunternehmer können ihr Anliegen auf einer Crowdfunding-Plattform einer großen Anzahl an potenziellen Spendern online präsentieren. Crowdfunding kann dabei equity-based, credit-based, donation-based oder reward-based sein. Beim equity-based Crowdfunding wird Eigenkapital gegeben und beim credit-based Crowdfunding Fremdkapital, was auch als als peer-to-peer lending bezeichnet wird. Donation-based Crowdfunding soll zum Beispiel gemeinnützige Zwecke durch Spenden unterstützen und beim reward-based crowdfunding werden den Investoren als Gegenleistung für die Spende ein Produkt oder eine Dienstleistung angeboten (vgl. Kuti und Madarász 2014, S. 355–356). Equity- und credit-based Crowdfunding kann also auch mit einer finanziellen Renditeerwartung verbunden sein. In dieser Arbeit werden Crowdfunding-Plattformen dennoch zu den philanthropisch motivierten Investoren gezählt, da diese Formen für Sozialunternehmer tendenziell eine größere Rolle spielen (vgl. Scheuerle et al. 2013, S. 70–71). Die Erwartungen von Kleinspendern, die über Crowdfunding Sozialunternehmen unterstützen, kann aufgrund der Vielzahl der Ausgestaltungsformen jedoch nicht eindeutig beschrieben werden.

Crowdfunding hat für Sozialunternehmer den großen Vorteil, dass Risiko- und Wachstumskapital einfacher beschafft werden kann als durch traditionelle Finanzierungsquellen und dass Fundraising-Kosten gesenkt werden können (vgl. Breidenbach 2011, S. 303). Über Crowdfunding können zudem Vertrauensnetzwerke aufgebaut werden (vgl. Jansen 2013, S. 369). Allerdings verlangen Crowdfunding-Plattformen von den Sozialunternehmern, dass eine Vielzahl an in der Regel hochsensiblen Informationen über das Geschäftsmodell der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (vgl. Schmitt und Doetsch 2013, S. 1452). Außerdem kann das Investorenmanagement durch die hohe Anzahl an Investoren mühsam und kostspielig werden (vgl. Kuti und Madarász 2014, S. 359).

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[1] Obwohl aus Gründen der Lesbarkeit im Text die männliche Form gewählt wurde beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter. Dies gilt aus Gründen der Anonymität ausdrücklich auch für die im empirischen Teil befragten Experten.

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Titel: Die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen