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Erörterung der Bildungsreform nach Wilhelm von Humboldt

Hausarbeit 2015 11 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil
1. Annahmen des Immanuel Kant
2. Annahmen des Wilhelm von Humboldt
3. Das Bildungswesen nach Wilhelm von Humboldt

Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die folgende Hausarbeit thematisiert die Bildungsreform durch Wilhelm von Humboldt, welcher im 19. Jahrhundert ein neues System entwarf, mit dem Ziel, den Menschen aller gesellschaftlicher Schichten eine Chance auf Bildungserwerb zu ermöglichen. Sowohl Wilhelm als auch sein Bruder Alexander von Humboldt studierten zu Zeiten der Epoche der Aufklärung in Berlin und kamen so mit Schriften des Immanuel Kants in Verbindung. Darauf basierend kam Wilhelm von Humboldt zu Überlegungen über die Menschheit und die Notwendigkeit von Bildung. Seinen Überlegungen folgten Ideen, wie Bildung optimal zu gestalten sei. In kaum einem seiner Werke geht er zwar ausschließlich auf den Aspekt der Bildung ein, bezieht sich aber in den meisten mit darauf. Somit lässt sich durch Verknüpfung seiner Werke erkennen, welche Bedeutung Wilhelm von Humboldt Bildung zusprach und auf was für einem Menschenbild dieses basierte.

In der folgenden Hausarbeit wird nun dieses Menschenbild sowie Humboldts Sicht auf Bildung erörtert, sowie als Vergleich Annahmen des Immanuel Kants hinzugezogen. Weiter wird der Blick auf den Geschlechterunterschied gelegt, den Humboldt sowohl erkannte als auch in seinen Werken thematisierte.

Hauptteil

1. Annahmen des Immanuel Kant

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der Aufklärung. Seine Schriften aus dem 18. Jahrhundert sind bis in die heutige Zeit bedeutend. Immer noch prägend gelten seine Aussagen darüber, was Aufklärung sei. Sein Wahlspruch der Aufklärung: „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“[1] wird oftmals als immer noch aktuell angesehen.

Die Aufklärung wird heute als die Zeit gesehen, in der es zu einem Umdenken in der Gesellschaft kam. Die Menschen erhoben sich gegen die Vorschriften, die ihnen gemacht wurden und verlangten mehr Emanzipation und Mitspracherechte. Wichtiger Punkt war hier auch der Aspekt der Bildung.

Nach Immanuel Kant geht es dabei vorrangig um Bildung des Erkenntnisvermögens. Kant schrieb viel über den Verstand, den es zu nutzen gilt und rief die Bürger auf, diesen einzusetzen. „Kant zufolge ist […] Aufgabe des Menschen, sich selbst zu einem moralisch besseren Menschen zu machen.“[2] Dabei sei der Mensch ein nach Gründen suchendes Wesen, also versucht, Erklärungen für die eigene Existenz als auch die Existenz der Welt zu finden. Nach Kant besitzt der Mensch zwar Verstand und ein Erkenntnisvermögen, um aber die Erkenntnisse beurteilen zu können, ist Bildung nötig.[3] Wie auch in den Ausführungen seines kategorischen Imperativs - der in etwa aussagt, der Mensch solle so handeln, dass seine Taten jederzeit zum Gesetz für alle Menschen werden könnten - beschäftigt sich Kant viel mit der Moral des Menschen. So heißt für ihn Bildung auch, dass „Kinder an der Zukunft orientiert mit Blick auf die Idee der Menschheit erzogen werden […]“[4], dabei auch die Grenzen des Erkenntnisvermögens erfahren und schließlich in der Lage sind, vernünftige Vermutungen anzustellen und moralische Entscheidungen zu treffen.[5]

2. Annahmen des Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt, ein Gelehrter aus Preußen, beschäftigte sich in seinen Werken ebenfalls mit dem Thema Bildung. Er war zudem Begründer einer Universität in Berlin, welche er nach seinen Vorstellungen von optimaler Universitätsbildung erbauen ließ. Heute gilt er noch immer als Reformer des deutschen Bildungswesens und „verkörpert den deutschen Bildungsgedanken“[6].

Für Humboldt bedeutet Bildung eher, einen Bezug zwischen Mensch und der Welt herzustellen, wo hingehen Kant seinen Blick eher auf den Menschen an sich zentrierte. Dennoch bauen viele Aussagen Humboldts auf den Werken von Immanuel Kant auf.

„ Der Mensch bei Kant kann nicht ohne seine Anschauungsformen, nicht über die Grenzen seiner Vernunft hinaus, Welt wahrnehmen oder bestimmen. Humboldt geht aber […] über Kant hinaus indem er die grundsätzliche Trennung zwischen Mensch und Welt im Sprechen zu überwinden verspricht.“[7]

Kommunikation ist für Humboldt wichtigstes Werkzeug, um Bildung zu gewährleisten. Jeder Mensch hat seine eigene individuelle Sicht auf und ein subjektives Verständnis über die Welt. Erst wenn man diese Sichten kombiniert kann ein allumfassendes Verständnis der Welt entstehen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse Anderer sind aber ohne Worte niemandem sonst zugänglich, Sprache wird hier also zu Brücke und kann Meinungen und Erfahrungen verbinden und einen Austausch ermöglichen. Dieser Austausch durch Worte verhilft dabei, die „Wahrheit“ zu erkennen.

Bildung bedeutet demnach vor allem, sich auszutauschen und Erkenntnisse differenziert zu betrachten. „Sprache ist […][für Humboldt] der Ort, an dem Welt erkannt wird.“[8], Sprache als Bildung sorgt dabei für eine Verbindung zwischen den Individuen und der Welt.

Ähnlich wie bei Immanuel Kant beschreibt auch Humboldt Bildung als Auftrag, dass sich jeder einzelne Mensch „zu seiner Eigentümlichkeit [erhöht]“[9], also danach strebt, sich immer weiter zu bilden und zu entwickeln. Dabei führt Bildung aber nie zu etwas Schlechtem oder Bösem und hat auch nichts mit Erniedrigungen zu tun[10], vielmehr soll Bildung dafür sorgen, den Menschen zu stärken und voranzubringen, ihn also positiv in seiner Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen. Nach Humboldt ist der Mensch nicht „etwas Seiendes, sondern etwas Werdendes, eine in stetem Wandel begriffene Gestalt.“[11] Es müssen also immer weiter Erfahrungen gemacht werden und Erkenntnisse ausgetauscht werden, da die Komplexität der Welt, als auch der „konkrete Mensch in seiner Ganzheit“[12] nach Humboldt sonst kaum erfasst werden kann.

„Einsamkeit ist […] eine wichtige Voraussetzung für die Bildung eines Individuums und für die Welt, denn sie ist Ort der Bestimmung des Menschen als Teil der Welt.“[13]

Die Einsamkeit fördert die Kreativität des Menschen, dort bekommt er die besten neuen Ideen und erlangt Klarheit über wichtige Dinge die ihn beschäftigen. Erst wer alleine, unter sich ist, beginnt nachzudenken und dabei tiefgründige Gedanken zuzulassen. Beim Nachdenken kommt der Mensch dabei sich selbst näher und bildet unbewusst seine Persönlichkeit weiter.

Erziehung, die in Bildungsprozessen mitwirkt, soll dabei zum „Sich-selbst-bilden“ anregen, sowie die Tätigkeit des Denkens und Handelns leiten[14]. Dabei steht, wie auch bei Immanuel Kant, der Mensch im Mittelpunkt, dessen Aufgabe es aber ist, „sich mit der Welt in Verbindung zu setzten [und] auch die Welt in ihrer Totalität zu erkennen.“[15]

Humboldt spricht, wie auch Kant, von einem Bildungstrieb des Menschen. Während Immanuel Kant davon spricht, der Mensch müsse nur seine Faulheit und Feigheit überwinden und wäre ohne diese voller Begierde, sich zu bilden, spricht Humboldt von einer „besondere[n] Erscheinungsform der Lebenskraft, […] welche die Grundstoffe des Organismus in ein dynamisches Entwicklungsgeschehen einbindet […]“[16] Der Wunsch nach Erkenntnis ist demnach von Beginn an beim Menschen zu erkennen, wenngleich Humboldt zudem einen Unterschied zwischen den Geschlechtern ausmacht.

„Obgleich in jedem Menschen Vernunft- und Gefühlsvermögen in einem gewissen Ausgleich stehen, überwiegt seiner [Humboldts] Ansicht nach im Mann die Anlage zu Rationalität und in der Frau die Intuition.“[17]

Ebenso schreibt Humboldt dem männlichen Geschlecht eher Spontanität und dem weiblichen Geschlecht eher Rezeptivität zu. In seinen Augen ist demnach der Mann ein selbsttätiges und vernünftig denkendes Wesen, während die Frau eher instinktiv denkt und Dinge auf sich wirken lässt, bevor gehandelt wird.[18] Dennoch ist, unabhängig vom Geschlecht, dieser Bildungstrieb vorhanden. Bildung wird demnach auch zu einem Bedürfnis der Menschen, das es gilt zu stillen.

[...]


[1] Kant (1784): 481

[2] Junga (2010): 25

[3] Vgl. Junga (2010): 23

[4] Junga (2010): 25

[5] Vgl. Junga (2010): 27

[6] Junga (2010): 9

[7] Junga (2010): 245

[8] Junga (2010): 182

[9] Junga (2010): 181

[10] Vgl. Junga (2010): 181

[11] Dippel (1990): 140

[12] Junga (2010): 185

[13] Junga(2010): 261

[14] Vgl. Dippel (1990): 141

[15] Junga (2010): 212

[16] Dippel (1990): 96

[17] Dippel (1990): 98

[18] Vgl. Dippel (1990): 99

Details

Seiten
11
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668119925
ISBN (Buch)
9783668119932
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313356
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,3
Schlagworte
erörterung bildungsreform wilhelm humboldt

Autor

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