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Brechts politisches Theater. Ein Überblick

Hausarbeit 2014 9 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Brechts politisches Theater
2.1 Kritik der Poetik des Aristoteles
2.2 Kritik des zeitgenössischen Theaters
2.3 Das epische Theater
2.4 Die Lehrstücke
2.5 Verhältnis zum Marxismus
2.6 Verhältnis zur Soziologie

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bertolt Brecht, Dramaturg, Regisseur, Lyriker und Essayist, stellt eine der wichtigsten Persönlichkeiten der europäischen Kultur des 20. Jahrhunderts dar; nicht nur wegen seiner schöpferischen Tätigkeit und seines Talents, sondern auch wegen seines moralischen Anspruchs und seiner intellektuellen Kraft, die sich in seinen unzähligen Werken widerspiegeln. Er gehört einer Generation an, die von dem ersten Weltkrieg und der darauf folgenden Zeit der Armut und Unruhen geprägt wird, und erlebt das Ende des deutschen Kaiserreichs und die Wahl Hitlers zum Reichskanzler aus nächster Nähe. Daraufhin verlässt er Deutschland und im Exil kann er, nolens volens, sich seiner größten Leidenschaft, dem Theater, widmen. Doch in seinem Theater werden einzelne historische Ereignisse nicht explizit behandelt; vielmehr werden die gesellschaftlichen Verhältnisse einer (kapitalistischen) Gesellschaft, in der „schrankenlose Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung“ (vgl. Brecht 1697b: 479) herrschen, angesprochen, die die Arbeiterklasse, aber auch das Theater, einschränken und „verderben“ (ebd.: 231). Brechts Blick ist jedoch kein pessimistischer: Er sieht auch, welches Potenzial in der Menschheit steckt (vgl. ebd.: 668-669) und beschließt, eine neue Theaterform zu schaffen; eine, die dem „wissenschaftlichen Zeitalter“ gerecht wird (vgl. Brecht 1967c: 662) und die Kraft hat, die Gesellschaft zu verändern.

2 Brechts politisches Theater

Dauerten wir unendlich So wandelte sich alles Da wir aber endlich sind Bleibt vieles beim alten.

(Brecht 1967a: 1031)

2.1 Kritik der Poetik des Aristoteles

Brecht sieht nach seiner Analyse des aristotelischen Theaters die Notwendigkeit, sich von dieser Theaterform zu distanzieren, da sie für seine künstlerischen Bedürfnisse und seine politischen Absichten unbrauchbar bzw. kontraproduktiv ist. Seine theoretische Schrift „Über eine nichtaristotelische Dramatik“ (Brecht 1967b: 227-336), die in der Zeit entstand, als in Deutschland der Nationalsozialismus herrschte, rechnet mit dem klassischen Theater und seinem Hauptpunkt, der Katharsis, ab (vgl. ebd.: 240). Für Brecht steht fest, dass „die Nützlichkeit aristotelischer Wirkungen nicht geleugnet werden sollte; man bestätigt sie, wenn man ihre Grenzen zeigt“ (ebd.: 249), aber bei der Bestimmung der Funktion der Mimesis und der Katharsis - „es wird ersichtlich, daß die Nachahmung handelnder Menschen durch die Schauspieler eine Nachahmung der Schauspieler durch die Zuschauer [zum Zwecke der Auflösung von Furcht und Mitleid] auslösen soll“ (ebd.: 240) - stößt er auf die Schwierigkeit, diese Methoden für sein Theater zu gebrauchen: Er möchte „eine völlig freie, kritische, auf rein irdische Lösungen von Schwierigkeiten bedachte Haltung des Zuschauers“ (ebd.: 241) hervorrufen, und dies seit mittels der Katharsis unmöglich. Aus diesem Grund sieht er sich gezwungen, auf die Einfühlung zu verzichten, zumindest vorübergehend (vgl. ebd.).

2.2 Kritik des zeitgenössischen Theaters

„Das Theater wird langsam zu einem Puff für die Befriedigung von Huren“(Brecht 1967b: 63).

Mit dem obigen Satz schließt Brecht 1922 seine Gedanken zur Zukunft des Theaters ab. Er sieht im zeitgenössischen Theater nicht nur eine Kunstform, die dazu führt, dass „der Mensch von heute zum Fossil, ein Dummkopf und abergläubischer Bursche [wird], der seine eigenen Interessen nicht von denen seiner Gegner unterscheiden kann und darin einwilligt, in einen ihm fremden und keinem wirklichen Menschen mehr eigenen Jargon zu fühlen“ (ebd.: 90) und so einen Zustand der Apathie, der sich auch auf die Gesellschaft auswirkt, hervorruft (vgl. Brecht 1967c: 682). Das zeitgenössische Theater führt ebenfalls dazu, dass der Klassenkampf ausgeblendet (vgl Brecht 1967b: 90) oder gar zu Gunsten der herrschenden Klasse geführt wird:

„Das Theater, das wir in unserer Zeit politisch werden sahen, war vordem nicht unpolitisch gewesen. Es lehrte die Welt so anzuschauen, wie die herrschenden Klassen sie angeschaut haben wollten“(ebd.: 358).

Dem will Brecht ein Theater entgegensetzen, das die Möglichkeit der „Umgestaltung der Gesellschaft“ zeigt und die „Freuden der Befreiung“ aus der Ausbeutung und Unterwerfung vermittelt (vgl. Brecht 1967c: 687).

2.3 Das epische Theater

Als Konsequenz seiner von Marx beeinflussten Gesellschaftskritik und dem Entschluss, auf bestehende und bewährte Formen des Theaters zu verzichten, denn „dieses [aktuelle] Theater ist ein im Grund antirevolutionäres, weil passives, reproduzierendes“ (Brecht 1967b: 175), entwickelt Brecht seine eigene Theatertheorie, die zunächst nur negativ („ nichtaristotelisch“) definiert ist, dann aber konkrete Züge nimmt und zu einer eigenständigen Theorie, die des epischen Theaters, ausreift. Der Unterschied zwischen klassischen und epischen Theaters ist, dass „[das Theater] nicht so sehr an das Gefühl, sondern mehr an die Ratio des Zuschauers appelliert. Nicht miterleben soll der Zuschauer, sondern sich auseinandersetzen“ (vgl. ebd.: 132). Die theatralischen Künste müssen seiner Meinung nach „Darstellungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen anstreben, die dem Zuschauer eine kritische, eventuell widersprechende Haltung sowohl den dargestellten Vorgängen als auch der Darstellung gegenüber ermöglichen, ja organisieren“ (ebd.: 244).

Damit dies vonstatten geht, entwickelt er den Verfremdungseffekt: Der Gegenstand, das „Selbstverständliche“, „wird in gewisser Weise unverständlich gemacht, das geschieht aber nur, um es dann um so verständlicher zu machen“ (ebd.: 355). Dieser Effekt steht im Gegensatz zum klassischen Theater, denn dort wird „bei allem »Selbstverständlichen« (...) auf das Verstehen einfach verzichtet“ (ebd.: 265). Praktisch soll dies geschehen, indem man „dem Vorgang oder dem Charakter das Selbstverständliche, Bekannte, Einleuchtende [nimmt] (...) und über ihn Staunen und Neugierde [erzeugt]“ (ebd.: 301). Ein Beispiel für V-Effekte sind die Lieder, die, im Gegensatz zum klassischen Theater, nicht zum Handlungsablauf gehören, sondern von diesem „streng getrennt“

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668119390
ISBN (Buch)
9783668119406
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313295
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Brecht Theatersoziologie Poetik das epische Theater Lehrstücke Die Maßnahme moralische Anstalt Kultur

Autor

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Titel: Brechts politisches Theater. Ein Überblick