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Die Krise des Individuums in der Moderne. Gründe und Aspekte bei Adorno und Gehlen

Seminararbeit 2013 14 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Krise der modernen Gesellschaft
2.1 Soziale Ungleichheit der Gesellschaft
2.2 Zwang zur gesellschaftlichen Anpassung

3. Krise des modernen Menschen
3.1 Erfahrungsverlust, Vermassung und Erlebnisorientierung
3.2 Zerfall des Individuums

4. Schluss

5. Bibliographie

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

Unter einem Individuum versteht man ein Einzelwesen bzw. jemand Besonderen, der von anderen Personen unterschieden und als menschliche Persönlichkeit definiert wird. Durch die Gesellschaft kommt der einzelne Mensch zur Entfaltung seiner ihm eigenen Individualität. Das Individuum vollendet also erst in der Gesellschaft seine ursprüngliche Natur. Kann man sich den einzelnen Menschen ohne die Gesellschaft noch vorstellen? Christian Thies stellt in seinem Werk „Die Krise des Individuums“ von 1997 die Sichtweise von Theodor W. Adorno und Arnold Gehlen zur Krise des Individuums in der Moderne dar. Es wird untersucht, ob das Individuum eine Einheit von Individualität und Gesellschaft bildet.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, warum und wie es überhaupt zur Krise des Individuums kam und welche Aspekte eine besondere Rolle spielen. Es gibt eine Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen Adorno und Gehlen, jedoch unterscheiden sich beide Denker hinsichtlich der Institutionen, die unser Leben bestimmen. Wer ist schuld an dieser Krise? Wer vernichtet das Individuum? Adornos und Gehlens Kritik der Moderne bezieht sich in erster Linie auf den gesellschaftlichen Aspekt, der Einfluss auf den einzelnen Menschen und somit auch auf das Individuum ausübt. Beide Autoren beschäftigen sich ferner mit der „Frage, ob die gesellschaftlichen Strukturen als Entlastung oder Entfremdung zu bewerten seien“ (Thies 1997, 125).

Um einen Vergleich herzustellen, wird zunächst die Krise der modernen Gesellschaft erläutert, indem Bildung, Einkommen und Macht wichtige Aspekte in der sozialen Ungleichheit der Gesellschaft darstellen. Anschließend wird die Frage nach der gesellschaftlichen Anpassung untersucht: Ist es der Zwang, der die Menschen dazu treibt oder der eigene Wille? Warum ein Leben ohne die Gesellschaft unverzichtbar ist, wird ebenfalls erkennbar. Im Anschluss daran werden die individuellen Aspekte, insbesondere die Krise des modernen Menschen bzw. des Individuums mithilfe Adornos und Gehlens Kritik der Moderne, analysiert. Besondere Begriffe wie Erfahrungsverlust, Vermassung und Erlebnisorientierung hinsichtlich drei verschiedener Faktoren unterstreichen diese Krise und zeigen, warum das Individuum untergeht. Zum Schluss folgt eine ausführliche Analyse des Zerfalls des Individuums, welche den Kerngedanken der Hausarbeit widerspiegelt; Dieser Abschnitt zeigt ebenfalls, ob das Individuum in der Gesellschaft bereits verwurzelt ist, oder ob es in der Lage ist, diese Entscheidung aus eigener Kraft zu treffen.

Der zentrale Gedanke, warum das Individuum in der Moderne untergeht, wird in jedem der Abschnitte durch verschiedene Aspekte verdeutlicht. Ob die Gesellschaft zu der Krise des Individuums beiträgt oder das Individuum selbst, wird zum Schluss geklärt.

2. Krise der modernen Gesellschaft

Die Gesellschaft und ihre Strukturen haben eine besondere Bedeutung in der Kritik Adornos und Gehlens. Vielmehr ist der „Subjektivismus ein Resultat“ (Thies 1997, 125) der gesellschaftlichen Verhältnisse, welcher in den folgenden Abschnitten genauer erläutert wird. Unter Subjektivismus versteht man alle Urteile und Erkenntnisse, die allein durch das Subjekt erzeugt und bestimmt werden.

Adorno und Gehlen unterscheiden darüber hinaus drei gesellschaftliche Subsyteme, welche ebenfalls im Folgenden analysiert werden.

2.1 Soziale Ungleichheit der Gesellschaft

Die gesellschaftliche Krise hat unter anderem zur Folge, dass die sozio-ökonomische Polarisierung, also dem „Auseinanderdriften von Armut und Reichtum“ (Hamm 1996, 183), in der heutigen deutschen Gesellschaft immer größer wird. Man spricht von einer sozialen Ungleichheit der Gesellschaft, was im engeren Sinne „die unterschiedliche Verteilung von Vor- und Nachteilen unter den Mitgliedern einer Gesellschaft“ (ebd.) definiert. Dazu zählen in erster Linie Einkommen, Bildung und Macht. Obwohl Deutschland ein sehr reiches Land ist, leben sehr viele Menschen in absoluter Armut, die weder ihre Meinung öffentlich äußern können, noch in der Lage sind Geld für Bildung zu investieren. Woran liegt das? Sind es die politischen Machtverhältnisse, die die Menschen zu dem machen, was sie sind, oder vielmehr die sozialen Werte? Zitiert nach Thies (1997, 127) ist die Gesellschaft ein „result of human action, but not of human design“, d.h., nicht die menschlichen Planungen sind der Grund für die gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern vielmehr die menschlichen Handlungen.

Mit der steigenden Bildungsbedeutung und den steigenden Gewerkschaften, welche zu Massenorganisationen führen, sowie den wachsenden gesellschaftlichen Verhältnissen, wird das Individuum zunehmend über das Kapitalvermögen bestimmt. Die Ungleichverteilung der Einkommen zwischen 1960 und 1998 stieg weltweit von rund 50 Prozent auf 70 Prozent (Kluge, 2009). Das Auseinanderdriften von Einkommens- und Vermögensverhältnissen kommt durch den technischen Wandel und die Globalisierung zustande. Diese Ungleichverteilung führt dazu, dass das Individuum einer Gruppe zugeordnet wird, d.h., dass die Menschen sich untereinander nicht kennen, sondern anonym über Gruppen bestimmt werden. Das Individuum sucht also Halt in der Gesellschaft, weil sie in der Masse sonst untergeht. Hinzu kommen die modernen Parteien in Deutschland, die mit der Zeit stark angewachsen sind und heutzutage die Politik in Deutschland größtenteils bestimmen. Durch die Hierarchie wird eine (Über- und Unter-) Ordnung geschaffen, wobei man „als übergeordnete Instanz nur über die freiwillige Akzeptanz und Zuweisung des Untergeordneten“ (Deeg/Weibler 2008, 51) seinen Status erlangen kann. Sind die Menschen also selber schuld? Die Individuen haben keine andere Möglichkeit, als sich der Gesellschaft und den Übergeordneten anzupassen. Selbst wenn einige Menschen nicht mit der Politik oder den Sozialstrukturen zufrieden sind, werden sie durch die Mehrheit überstimmt. Egal welchen sozialen Status, welche Stellung im Beruf, welche Bildung und Ausbildung oder wie viel Einkommen der Einzelne besitzt, das Individuum ist und bleibt auf sich allein gestellt.

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Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668119673
ISBN (Buch)
9783668119680
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313278
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Bildungswissenschaften
Note
1.0
Schlagworte
Krise Individuum Krise des Individuums Thies Vergleich Adorno Gehlen Allgemeine Pädagogik Bildungswissenschaften Würdigung

Autor

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