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Grundlagen der Psychologie. Eignungsdiagnostische Fehleinschätzungen

Hausarbeit 2015 23 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1.1 Was sind Heuristiken?
1.2 Urteilsheuristiken nach Kahneman und Tversky

2. Personalauswahl
2.1 Eignungsdiagnostik
2.1.1 Definition und Ansätze der Eignungsdiagnostik
2.1.2 Klassifizierungen in der Personalauswahl
2.2 Gefahren von eignungsdiagnostischen Fehlurteilen
2.2.1 Studien zur Repräsentativitätsheuristik
2.2.2 Unternehmensgefährdung durch Fehlurteile
2.3 Handlungsempfehlungen

3. Persönliche Stellungnahme

Literaturverzeichnis

Einleitung

Tagtäglich werden Urteile gefällt. Sie verhelfen zu Entscheidungen und sind somit wichtiger Bestandteil von Entwicklungen. Da Entscheidungen oft mit gravierenden Konsequenzen verbunden sind, sollten Urteile sorgfältig und wenig fehlerbehaftet beschlossen werden. Ob der Finanzberater, der Gewinn-und Umsatzentwicklung von Unternehmen beurteilt, um eine gewinnbringende Anlagestrategie zu entwickeln oder der Verbraucher, der sich Angebote einholt und abgleicht, um das für ihn ideale Produkt zu erwerben. Beide bewerten erst die eingeholten Informationen und fällen als Ergebnis aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen ihre Urteile. Selten ist es allerdings der Fall, dass sich solche Urteilsprozesse durch Vollständigkeit und Transparenz auszeichnen. Vielmehr ist man aufgrund der Rahmenbedingungen als Verbraucher oder auch als Führungskraft, Politiker bzw. Finanzberater uvm. gezwungen, Abkürzungen der Prozesse vorzunehmen. Unzuverlässige Daten, Entscheidungskomplexität und vor allem der Zeitdruck sowie der Zwang zur Entscheidung lassen eine fundierte Entscheidung aus ökonomischer Sicht gar nicht mehr zu. Durch das Benutzen von Abkürzungen bzw. Faustregeln lässt sich zwar Zeit einsparen, auf der anderen Seite hingegen können dadurch auch eignungsdiagnostische Fehleinschätzungen resultieren. Kahneman spricht hierzu in seinem Buch „Schnelles Decken, langsames Denken“, das im Jahr 2012 erschienen ist, von zwei verschiedenen Systemen. Das erste System läuft laut ihm weitgehend automatisch und das zweite System wird von uns systematisch gesteuert und benötigt unsere Aufmerksamkeit.

Der Begriff Eignungsdiagnostik ist der „Sammelbegriff für Verfahren zur Messung von Kompetenzen und Verhalten, mit Bezug auf Bildungswege oder auf eine berufliche Passung“ (siehe Wiesner Kulovitz 2014) und beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie man seinen optimalen Bewerber aus vielen Alternativen herauskristallisieren kann. Es gilt sich allerdings auch kritisch mit der Thematik auseinanderzusetzen, warum Fehleinschätzungen überhaupt ein Problem darstellen und weshalb Faustregeln wie Heuristiken, die die Entscheidungskomplexität minimieren, zu systematischen Fehlurteilen führen können.

1.1 Was sind Heuristiken?

Wenn man einen logischen Weg zur Entscheidungsfindung wählen müsste, würde man sich höchstwahrscheinlich bemühen, alle notwendigen Informationen zu berücksichtigen und in den Prozess zu integrieren. Trotz diesem Wissen darüber, das in unserem Kopf verankert ist, kommt es immer wieder dazu, dass wir den einfacheren Weg wählen und Abkürzungen für unseren Urteilsprozess bevorzugen. Das Verhaltensmodell Bounded Rationality (Siehe Simon, 1958) versucht, dieses Paradoxon mittels rationalen Handelns zu erklären. Der Mensch handelt durch Vereinfachungen rational, da er beim Entscheiden kognitiven und zeitlichen Beschränkungen ausgesetzt ist. „People reason and choose rationally, but only within the constraints imposed by their limited search and computional capacities.” (Siehe Gilovich/Griffin, 2002). Im Gegensatz dazu haben Kahneman, Tversky und Erev allerdings durch ihre Studien gezeigt, dass Experten bei Wahrscheinlichkeitsschätzungen durch Heuristiken verursachte Rationalitätsdefizite aufweisen, indem sie die Axiome rationalen Handels verletzen (Vgl. Kahneman, Tversky, Slovic 1999).

Eine weit verbreitete Problemlösetechnik ist die sogenannte Heuristik. Heuristiken sind laut Definition „Faustregeln, die eine schnelle, sparsame und meist hinreichend genaue Urteilsbildung ermöglichen“ (Siehe Werth & Mayer, 2008, S.52). Sie werden vor allem dann eingesetzt, wenn in der zu entscheidenden Situation notwendige Kapazitäten fehlen bzw. das Urteil weniger von Belangen ist. Durch Heuristiken gelangt man im Normalfall nämlich nicht zur bestmöglichen Bewältigung des Problems, sondern vielmehr zu einer für den Entscheider befriedigenden Lösung mit geringerem kognitiven Aufwand.

1.2 Urteilsheuristiken nach Kahneman und Tversky

Es existiert eine Reihe von unterschiedlichen Heuristiken, allerdings gibt es mittlerweile drei etablierte Arten bzw. Typen, die von Kahneman und Tversky in ihrem Heuristics-and-Biases-Programm erarbeitet wurden:

“This article described three heuristics that are employed in making judgements under uncertainty: (i) representativeness, which is usually employed when people are asked to judge the probability that an object or event A belongs to class or process B; (ii) availability of instances or scenarios, which is often employed when people are asked to assess the frequency of a class or the plausibility of a particular development; and (iii) adjustment from an anchor, which is usually employed in numerical prediction when a relevant value is available. These heuristics are highly economical and usually effective, but they lead to systematic and predictable errors. A better understanding of these heuristics and of the biases to which they lead could improve judgements and decisions in situations of uncertainty.”(Vgl. Kahneman & Tversky, 1974, Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases , S. 1124-31, Zusammenfassung von PubMed.gov http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17835457 )

Kahneman und Tversky unterscheiden in ihrem Programm zwischen Repräsentativitätsheuristik (representativeness), Verfügbarkeitsheuristik (availability) und Ankerheuristik (anchoring bzw. adjustment from an anchor).

Bei der Repräsentativitätsheuristik wird ein Element einer Kategorie zugeordnet, mit dessen Prototyp (typisches Beispiel für etwas) es die meiste Ähnlichkeit besitzt. Andere Informationen, die nicht zum Prototypen-Bild gehören, werden vernachlässigt. Es wird die Wahrscheinlichkeit geschätzt, mit der ein Objekt zu einer bestimmten Kategorie gehört; es wird erläutert, wie typisch ein Fall für ein Modell ist. Zum Beispiel würde ein Mann mit Anzug, der durch die Innenstadt läuft, mit größerer Wahrscheinlichkeit als Bankkaufmann eingeschätzt werden als ein vollbärtiger Mann mit Bomberjacke. Wenn etwas plausibel ist, dann ist es auch wahr!

Fehleinschätzungen können hier unter anderem durch Konjunktionstäuschungen bzw. durch die Vernachlässigung der Basisrate entstehen. Hierauf werde ich im nächsten Kapitel zurückkommen.

Die Zweite der drei Urteilsheuristiken nach Kahneman und Tversky ist die Verfügbarkeitsheuristik. Hier bilden leicht verfügbare Informationen bzw. das Gefühl der Leichtigkeit, mit dem man Informationen abruft, die Grundlage für Häufigkeits- und Wahrscheinlichkeitsschätzungen. Wenn einem ein Ereignis leicht einfällt oder man es sich leicht vorstellen kann, dann wird es wohl häufiger vorkommen; die Wahrscheinlichkeit wird höher eingeschätzt als bei schwierig abrufbaren Informationen. Auch hier gibt es verschiedene Szenarien, bei denen durch Verzerrungen Fehlurteile entstehen können. Die Verfügbarkeit von Informationen kann hierbei unter anderem durch die Lebhaftigkeit und Auffälligkeit von Erlebnissen oder auch durch vermehrtes Auftreten von Hinweisreizen positiv bzw. negativ beeinflusst werden.

Beispielsweise beeinflussen Medien durch vermehrte Reportagen über außergewöhnliche Ereignisse die Leichtigkeit des Abrufens gewaltig.

In diesen Fällen ist es wichtig, sich nicht von dem Leichtigkeitsgefühl lenken zu lassen. Man sollte die gegebenen Informationen systematisch verarbeiten und sich die Irrelevanz des Leichtigkeitsgefühls bewusst machen, indem man zum Beispiel Alternativerklärungen liefert.

Letztendlich gibt es mit der Ankerheuristik noch eine dritte, bereits in der Psychologie etablierte, Faustregel zur Lösung von Problemstellungen. Urteilsunsicherheiten führen zu einem vorgegebenen oder auch selbst generierten Ausgangswert (Anker), der das Urteil bzw. die Einschätzung in seine Richtung hin verzerrt. Diese Orientierung an Umgebungsinformationen und an eigene Ausgangspunkte geschieht nicht immer bewusst, wir verzerren unsere Anfangsergebnisse auch unwissentlich. In der Praxis findet diese Art der Heuristik in sehr vielen Branchen und Situationen Anklang. Sowohl im Gericht (der Anker für das endgültige Urteil ist hier das Strafmaß) als auch in Verhandlungen (vor allem Anfangsgebote sind hier der Anker) kann durch die Ankerheuristik eine schnellere Lösung herbeigeführt werden. Fehleinschätzungen können durch übertriebene/ untertriebene Anker oder inkompetente Hinweisgeber entstehen. Bei der Fragestellung, wie lange man im Schnitt für das morgendliche Zähneputzen benötigt, wäre ein Anker von 30 Minuten völlig übertrieben und das Ergebnis würde in eine falsche Richtung verzerrt. Ein inkompetenter Hinweisgeber wäre in diesem Fall ein Kleinkind, das noch nie Zähne geputzt hat.

2. Personalauswahl

2.1 Eignungsdiagnostik

2.1.1 Definition und Ansätze der Eignungsdiagnostik

Zu Beginn des zweiten Kapitels möchte ich den bereits aus Kapitel eins bekannten Begriff Eignungsdiagnostik mit seinen Ansätzen näher erläutern. Wie schon erklärt, wird sich hier vor allem Fragestellungen zum Thema Personalauswahl gewidmet.

Durch die zunehmende Komplexität der Arbeitsfelder und durch die Globalisierung und den Wettbewerb verursachte Entwicklung der Arbeitswelt ist es heutzutage enorm wichtig, gutes Personal zu besitzen und einzustellen. Ziele der Eignungsdiagnostik sind das Erkennen von Entwicklungspotenzialen und die sowohl die Auswahl als auch die Platzierung von geeigneten Bewerbern. Eignung bedeutet in diesem Kontext die Erfolgswahrscheinlichkeit in Hinblick auf bestimmte Tätigkeiten.

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Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668120129
ISBN (Buch)
9783668120136
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313273
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
3,7
Schlagworte
grundlagen psychologie eignungsdiagnostische fehleinschätzungen

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