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Potentielle Geschäftsmodelle für nicht-kommerzielle Filmarchive. Streaming und Downloads als Möglichkeiten und Chancen

Seminararbeit 2013 27 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 BISHERIGER UND AKTUELLER STAND - GESCHÄFTSMODELLE, ZUGANG UND EINSATZ VOM INTERNET IN FILMARCHIVEN

3 DIGITALES ZEITALTER. TECHNISCHE MÖGLICHKEITEN UND BESTEHENDE GESCHÄFTSMODELLE FÜR NICHT-KOMMERZIELLE FILMARCHIVE
3.1 TECHNISCHE VORAUSSETZUNGEN
3.2 ANWENDUNG DER TECHNIK

4 RECHTLICHE PROBLEME BEI DER VERBREITUNG VON FILMBILDERN

5 EIN POTENTIELLES GESCHÄFTSMODELL FÜR FILMARCHIVE

6 SCHLUSSWORT

BIBLIOGRAPHIE

INTERNETQUELLEN

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit soll es sein, ein fiktives Geschäftsmodell, welches auf neuen Technologien basiert, für ein nicht-kommerzielles Filmarchiv zu erarbeiten. Das Internet ermöglicht es heutzutage, deren Sammlungen online zugänglich zu machen. Denn seit es Filmarchive gibt, ist nicht nur das Sammeln ihre Aufgabe, sondern auch die Vermittlung des Materials. Die Präsentation der Bestände im Internet könnte dazu beitragen, Zusatzeinnahmen zu generieren. In dieser Arbeit werden Technologien wie „Downloads“ und „Streaming“ auf mögliche Verwendung für den Zugang zu den Archivbeständen untersucht. Daraus resultieren auch die Leitfragen für die Arbeit: „Welche Chancen und Optionen bieten ‚Downloads’ und ‚Streaming’ nicht-kommerziellen1 Filmarchiven, um daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln und wo könnten Probleme auftauchen?“

Diese Möglichkeiten Filme herunterzuladen oder zu „streamen“ sind schon Teil von diversen Geschäftsmodellen. Beispielsweise nutzen Filmarchive, die einer Produktionsfirma wie Pathé gehören, diese Varianten schon. Deshalb soll das Hauptaugenmerk auf nicht-kommerzielle Filmarchive der Féderation Internationale des Archives du Film (FIAF), gerichtet sein, da diese noch kein solches Geschäftsmodell haben. Des Weiteren nutzen zahlreiche illegale Webseiten diese Möglichkeiten, um damit Geld zu verdienen. Das führt zu zahlreichen Komplikationen auf der rechtlichen Ebene, die für ein solches fiktives Geschäftsmodell durchaus eine gewichtige Rolle spielen können, so beispielsweise Schliessungen der betreffenden Seiten durch den Gesetzgeber oder andere Autoritäten, oder Gesetzesentwürfe, welche „Downloads“ und „Streaming“ deutlich erschweren beziehungsweise legal unmöglich machen.

Die Arbeit wird wie folgt gegliedert sein: Das erste Kapitel soll dazu dienen, einen Überblick über die bisherigen Nutzungs- und Zugangsmöglichkeiten zu Archiven zu geben und in welchen Punkten diese mit den neuen Technologien optimierbar wären. Im zweiten Kapitel werden die technischen Möglichkeiten des „Download“ und „Streaming“ kurz erläutert. Im Anschluss werden bereits bestehende Geschäftsmodelle und Einnahmequellen von Archiven, die nicht zur FIAF gehören und anderen Webseiten, wie beispielsweise kino.to vorgestellt, welche diese bereits mit gewissem Erfolg nutzen. Daraus lässt sich elaborieren, wie diese FIAF-Archive die von mir ausgewählten Technologien einsetzen könnten. Das dritte Kapitel behandelt rechtliche Aspekte, die einerseits im Kontext der Filmarchivarbeit allgemein gelten und andererseits solche, die sich beim Nutzen der Online-Angebote ergeben. Diese Analyse soll sicherstellen, dass das angestrebte Geschäftsmodell dem gesetzlichen Rahmen entspricht. Alle aus Kapitel 1 bis 3 gewonnenen Erkenntnisse werden dann im vierten Kapitel einander gegenübergestellt und so zu einem möglichen Geschäftsmodell zusammengeführt, welches möglichst realistisch sein soll. Dieses Geschäftsmodell soll - als weitere Eingrenzung - für eine Zielgruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (also in einer Altersspanne von etwa 15 bis 30 Jahren) gelten.

2 Bisheriger und aktueller Stand - Geschäftsmodelle, Zugang und Einsatz vom Internet in Filmarchiven

Schon seit ihren Anfängen gewährten Filmarchive einem Zielpublikum Zugang zu ihren Beständen. Iris Barry in New York und Henri Langlois in Paris waren die Pioniere, welche öffentliche Vorführungen des Materials ihrer Filmarchive organisierten. Das Reichsfilmarchiv in Berlin hingegen zeigte zu dieser Zeit sein Material einem ausgewählten Publikum, wie beispielsweise Filmemachern. In allen genannten Fällen, wurde aber eine Einsicht der Filme gewährt. Es war also nie so, dass Archive ihr Material nur horteten, sondern sie gewährleisteten immer, dass es Aussenstehende einsehen konnten. Die Statuten der FIAF besagen sogar, dass nur solche Archive eine Mitgliedschaft erhalten können, welche der Öffentlichkeit ihre Bestände zugänglich machen.

Hier muss man zwischen aktivem und passivem Zugang unterscheiden. Bei der passiven Variante wartet das Archiv, bis ein einzelner Nutzer oder eine Gruppe auf das Archiv zukommt und dessen Material einsehen will. Dann erhält der Anfrager das Material zur Konsultation. Bei der aktiven Version, geht das Archiv selber auf die Öffentlichkeit zu, indem es beispielsweise - wie es Barry, Langlois und das Reichsfilmarchiv taten - ein Programm zusammenstellt und die Filme entweder in einem hauseigenen Kino vorführt, oder mit einem anderen Kino kooperiert und die Filme dort zeigt. Eine andere Möglichkeit ist die Vermietung oder der Verkauf von hauseigenen Filmen auf Datenträgern wie VHS, DVD oder Blu-Ray. Beim der aktiven Variante agieren Archive also teilweise in der Rolle von Kinos oder Videotheken. Eine zusätzliche Option bei der aktiven Version, ist die Organisation von Filmfestivals oder die Teilnahme an solchen. In diesem Kontext spricht man oft auch von einem kombinierten Zugang, also einer Mischvariante aus der passiven und aktiven Haltung. Grund dafür ist, dass in einem ersten Schritt das Archiv sein Material der Öffentlichkeit aktiv anbietet, anschliessend treffen die Festivalorganisatoren selber eine Auswahl, welche Filme des Archivs gezeigt werden. Somit sind beide sowohl aktiv wie auch passiv tätig (vgl. http://www.fiafnet.org/~fiafnet/pdf/uk/fiaf55.pdf2 [Stand: 05.02.2013]). Die Möglichkeit Sammlungen einzusehen, speziell diejenigen der FIAF, gab es also vor dem Internet und dem digitalen Zeitalter. Das war und ist sehr wichtig, denn eine der bedeutendsten Aufgaben von Filmarchiven ist die Förderung der Forschung durch Zugang zu Informationen (vgl. Bowser 1991: 147). Die Palette an möglichen Nutzern ist sehr breit. Das Spektrum reicht von Einzelpersonen, die ein privates Interesse am Material haben, über Wissenschaftler, Forscher, Historiker und Studenten, bis zu Organisationen die entweder einen kulturellen und wissenschaftlichen Nutzen haben, wie Universitäten, Filmschulen, andere Archive oder Filmfestivals. Oder es sind Akteure, deren Fokus auf die Sammlungen kommerzieller Natur ist, wie Produktionsfirmen, Fernsehanstalten und Werbeagenturen. Die Genannten stellen nur eine kleinere Auswahl an potentiellen Kunden eines Archivs dar. Auch das Material, welches man einsehen kann, besteht nicht nur aus Filmen, sondern auch aus Fotos und Filmplakaten, Drehbüchern, Filmkritiken, Zeitungsartikeln, Büchern, Kameras, oder Projektoren (vgl. http://www.fiafnet.org/~fiafnet/pdf/uk/fiaf55.pdf3 [Stand: 05.02.2013]). Auch hier wird nur eine kleinere Auswahl des gesamten Spektrums präsentiert, die darstellen soll, wie vielfältig die Sammlungen von Filmarchiven gewöhnlich sind. Im weiteren Verlauf der Arbeit gehe ich nur auf das Filmmaterial und dessen Einsicht ein.

Neben dem Nutzen für Aussenstehende profitieren Archive von kostenpflichtigen Vorführungen. Auch der Verkauf und die Vermietung von Datenträgern sind Zusatzmöglichkeiten um Einnahmen zu generieren. Daraus erfolgt, dass man mit einem Geschäftsmodell, basierend auf den neuen Technologien, nichts Neues einführt, aber die bisherigen Möglichkeiten und Varianten des Zugangs optimieren kann. Vor dem Entstehen des Internets musste ein Nutzer, wenn er die Bestände sehen wollte, persönlich vor Ort erscheinen, beziehungsweise telefonisch oder per Post Kontakt aufnehmen. Das Material konnte ebenso vor Ort eingesehen werden. Für eine Sichtung ausserhalb des Archivs eine Ausleihe nötig (vgl. http://www.fiafnet.org/~fiafnet/pdf/uk/fiaf55.pdf.5 ) Die Suche nach Filmtiteln und ihre Sichtung waren insofern sehr zeitaufwendig. Alternativen gab es kaum. Konnte man die Kontaktaufnahme per Brief - was unter Umständen noch mehr Zeit kostete - oder telefonisch abwickeln, musste man die Werke zwingend im Archiv selbst einsehen. Dazu war der Bestand unter Umständen mit einem Karteikartensystem katalogisiert, was die Suche zusätzlich verlangsamte. Die aufkommende EDV schaffte zumindest in diesem Bereich Abhilfe. Datenträger, welche man einsehen wollte, waren immer physisch, sprich Nitratbänder, Videokassetten oder DVDs, um nur einige Beispiele zu nennen. Zusammenfassend kann man sagen, dass vor dem Internet der Zugang zu Archiven logistisch und zeitlich aufwendig und zudem kostenträchtig war, da man einen grossen Teil der Suche in der Kinemathek selbst erledigen musste. Datenträger waren physischer Natur und mussten ausgeliehen oder auf andere analoge Datenträger kopiert werden, sofern man sie ausserhalb des Archivs nutzen wollte.

Das Aufkommen des Internets erleichtert diese Arbeit durch das Web schon enorm. Betrachtet man beispielsweise die Startseite des Deutschen Bundesarchivs (vgl. http://www.bundesarchiv.de/index.html.de [Stand: 05.02.2013]) welches ebenfalls Mitglied der FIAF ist, so sieht man, dass man über den Link „Kontakt“ (vgl. http://www.bundesarchiv.de/service/kontakt/index.html.de [Stand: 05.02.2013]) schnell und einfach per Internet Kontakt aufnehmen kann. Über den Link „Recherche im Archivgut“ (vgl. http://www.bundesarchiv.de/recherche/index.html.de [Stand: 05.02.2013]) kommt man zur Onlinerecherche, in der man daheim über das Internet den Bestand einsehen kann. Man kann sich die Filme zwar nicht ansehen, aber die Suche vor Ort entfällt, da man diese zu Hause am Computer abwickeln kann. Insofern fällt durch das World Wide Web viel zeitlicher und logistischer Aufwand weg.

Die wichtigsten Infos sind aus den Suchergebnissen ersichtlich, so dass man lediglich ins Bundesarchiv gehen muss um dort die Filme einzusehen. Der Weg in die Bundeshauptstadt wird dem Interessierten allerdings nach wie vor nicht erspart.

Im nächsten Kapitel soll anhand bereits vorhandener Geschäftsmodelle erläutert werden, inwiefern sich diese Möglichkeiten durch die neuen Technologien weiter optimieren liessen.

3 Digitales Zeitalter. Technische Möglichkeiten und bestehende Geschäftsmodelle für nicht-kommerzielle Filmarchive.

3.1 Technische Voraussetzungen

Wie im vorausgehenden Kapitel bereits erläutert wurde, war und ist primär das Internet ausschlaggebend für die Möglichkeiten, die sich den Archiven eröffnet haben. Die Bestände und das Filmmaterial sind digital katalogisiert und von zu Hause aus einsehbar. Das World Wide Web bietet aber noch andere Chancen und Optionen, womit Kinematheken ihr Angebot für Nutzer verbessern können und woraus sich ein Geschäftsmodell entwickeln liesse. Hier sollen zunächst die neuen technischen Möglichkeiten vorgestellt werden, welche vorher unbekannte Optionen eröffnen, um Zusatzeinnahmen zu generieren. Danach wird ein Überblick über bereits bestehende Vertriebswege gegeben, die mit diesen Technologien arbeiten, welche ich später noch genauer definieren werde. Daraus leite ich dann eventuelle Vertriebskanäle für ein Filmarchiv ab.

Die digitalen Entwicklungen, die in diesem Zusammenhang im Vordergrund stehen, sind einerseits der „Download“ - auf Deutsch: „das Herunterladen“ - und andererseits das „Streaming“ oder der „Stream“, was am ehesten mit „fliessen“ oder „Fluss“, beziehungsweise „strömen“ oder „Strom“ übersetzt werden könnte. Eine detaillierte Erläuterung, wie diese technischen Vorgänge im Detail funktionieren, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Dennoch sollen die beiden Funktionsweisen anhand einer lexikalischen Definition so erläutert werden, dass sie in dem für diese Arbeit erforderlichen Rahmen nachvollziehbar sind.

„To download means to transfer files or a program from one computer to another computer” (http://www.yourdictionary.com/download [Stand: 09.02.2013]). „A download is the act of transferring files or a program from one computer to another computer, or something transferred to a computer” (http://www.yourdictionary.com/download [Stand: 09.02.2013]. Diese beiden Definitionen erläutern den Begriff „Download“ sowohl als Verb, als auch als Nomen. Damit ist die Übertragung von Daten oder Programmen von einem Computer zu einem anderen gemeint. Mit dieser Methode lässt sich alles, was sich in einem Dateiformat auf einer Festplatte abspeichern lässt, über das Internet auf einen oder mehrere andere Geräte migrieren. Dazu gehören beispielsweise Textdateien, Bilder, Musik oder auch Filme. Mit dieser Technik fällt der physische Datenträger weg. Ein Film befindet sich in einem entsprechenden Dateiformat als File in einem digitalen Speicher und kann so auf einen anderen Rechner kopiert werden. Man benötigt keine Videokassetten oder DVDs.

Die Definition des „Stream“ ist etwas komplizierter. Die vereinfachte Erklärung ist: „The continuous flow of data from one place to another”

(http://computer.yourdictionary.com/stream [Stand: 09.02.2013]. Allgemein lässt sich also sagen, dass damit ein ständiger Datenfluss von einem Ort zu einem anderen gemeint ist. Also Daten, welche permanent von einem Computer zu einem anderen übertragen werden, bilden den „Strom". In diesen Kontext sind Daten aber nicht genauer definiert. Wenn damit Videodaten gemeint sind, spricht man vom „Video-Stream“, dessen Definition komplexer ist und folgendermassen lautet:

A one-way video transmission over a data network. It is widely used on the Web as well as company networks to play video clips and video broadcasts. Computers in home networks stream video to digital media hubs connected to a home theater. Unlike movie files that are played after the entire file has been downloaded and stored, streaming video is played shortly after only a small amount is received. The data are not stored permanently in the destination computer. (http://computer.yourdictionary.com/streaming-video [Stand: 09.02.2013])

Die Videoübertragung erfolgt in eine Richtung von einem Rechner auf einen anderen. Im Gegensatz zum „Download“ wird hier der Film nicht als ganze Datei auf der Festplatte des Geräts abgespeichert, bevor er angesehen werden kann. Bereits nachdem eine geringe Anzahl an Daten den Zielcomputer erreicht hat, lässt sich das Video ansehen. Diese kleine Menge muss allerdings übertragen werden, damit die Übertragung möglich ist.

Watching momentary blips in video is annoying, and the only way to compensate for that over an erratic network such as the Internet is to get some of the video data into the computer before you start watching it. In streaming video, both the client and server cooperate for uninterrupted motion. The client side stores a few seconds of video in a buffer before it starts sending it to the screen and speakers. Throughout the session, it continues to receive video data ahead of time. (http://computer.yourdictionary.com/streaming-video [Stand: 09.02.2013])

Durch die temporäre Abspeicherung einer geringen Datenmenge lassen sich Unterbrechungen vermeiden und der Datenverkehr und somit die Videoübertragung werden fliessend, also zum „Stream“, zum Fluss. Dieser technischen Möglichkeit bedienen sich beispielsweise auch Fernsehsender, welche Nachrichten oder andere Teile ihres Programms im Internet übertragen.

3.2 Anwendung der Technik

Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist, wie diese beiden technischen Möglichkeiten Filmarchiven dienen können, um ihr Angebot anzupassen und Nutzern neue Möglichkeiten zu bieten und wie sich dadurch Einnahmen erzielen liessen. Diese Frage lässt sich am besten beantworten, indem man bereits bestehende Geschäftsmodelle betrachtet, welche die technischen Möglichkeiten der „Downloads“ und „Streams“ beinhalten. In den letzten Monaten und Jahren konnte man in den Medien viel hören, lesen und sehen, was im Kontext mit „Downloads“, „Streams“ und dazugehörigen Verdienstmöglichkeiten stand. Meistens erschienen diese Nachrichten im Zusammenhang mit illegalen Internetportalen, welche mit Filmpiraterie ihr Geld verdienten. Die bekanntesten Vorfälle waren die Verhaftungen der Besitzer von kino.to und Megaupload und die Schliessungen der betreffenden Seiten. Der erste Vorfall betraf die Seite kino.to, auf welcher man Filme und Serien sehen konnte und welche im Juni 2011 geschlossen wurde (vgl. http://www.rp- online.de/digitales/internet/polizei-nimmt-13-verdaechtige-fest-1.1300947 [Stand: 09.02.2013]). Das Konzept der Seite war illegal. Im Hinblick auf das Entwickeln eines Geschäftsmodells für ein Filmarchiv ist allerdings die Einnahmequelle von kino.to interessant. Die Betreiber der Seite verdienten ihr Geld mit Layer-Ads, einer Form von

Internetwerbung, und kamen so auf Einnahmen von rund 60'000 Euro monatlich (vgl. http://news.preisgenau.de/kinoto-umsatz-soviel-geld-verdienten-die-betreiber-pro-monat- 22116.html [Stand: 09.02.2013]). Die Idee, mit Werbung Geld zu verdienen, liesse sich für Filmarchive durchaus weiterverfolgen, denn die Einnahmequelle an sich war bei kino.to nicht illegal. Das Problem lag darin, dass kino.to keine Rechte an den Filmen in ihrem Angebot hatten. Filmarchive müssen die Rechteproblematik für ihren Bestand ohnehin klären, beispielsweise für den Fall, dass sie ihr Material in einem Kino aufführen wollten. Genauer auf die juristische Seite wird im Kapitel 4 eingegangen. Das Geschäftsmodell, Filme als „Stream“ anzubieten und durch Werbung Geld einzunehmen, lässt sich jedenfalls durchaus weiterverfolgen. Speziell Institutionen, welche Film als Schwerpunkt haben, wie beispielsweise Filmverleihe oder Produktionsfirmen, wären potentielle Werbepartner. Die illegalen Seiten mögen mit ihren dubiosen Praktiken und Verstössen gegen Urheberrechte viel Medienpräsenz erlangt haben und dadurch auch grosse Bekanntheit. Aber mittlerweile existieren auch solche Internetseiten, die ein ähnliches Modell in einem legalen Rahmen anbieten. Als Beispiele möchte ich hier www.maxdome.de oder www.hulu.com nennen. Hulu ist ein Videoportal aus den USA, welches mit den grossen Fernsehstationen und Produktionsfirmen des Landes zusammenarbeitet und somit Filme und Serien online legal anbieten kann. Es finanziert sich durch Werbung, welche wie im Fernsehen während eines Films oder einer Serie eingespielt wird. Die einzige Einschränkung ist, dass es aktuell nur in den USA verfügbar ist (vgl. http://www.hulu.com/about [Stand: 09.02.2013]).6

Maxdome ist das deutsche Gegenstück dazu, welches aber ein wenig anders funktioniert. Bereits auf der Startseite (vgl. http://www.maxdome.de/ [Stand: 09.02.2013]) wird erklärt, dass Maxdome als Online-Videothek gedacht ist. Wie in einer herkömmlichen Videothek zahlt man einen Preis, um sich ein Video ansehen zu können (vgl. http://www.maxdome.de/service/nutzung-und-preise [Stand: 09.02.2013]). Die technische Umsetzung ist insofern wie bei kino.to und bei Hulu der Stream, aber die Finanzierung ist eine andere. Man verdient nicht durch Werbung, sondern wird für das Zeigen des Videos vom Nutzer selbst entschädigt. Auch diese Möglichkeit, bei der man Filme online zum „Stream“ und „Download“ anbietet und dafür eine Entschädigung verlangt, lässt sich unter Umständen für ein Filmarchiv als Geschäftsmodell übernehmen. Nicht zu vernachlässigen ist dabei allerdings die Tatsache, dass sich für den Anbieter - also das Filmarchiv - so lediglich die Einnahmequelle ändern würde, für den Nutzer aber Unkosten entstehen, die bei einer durch Werbung finanzierten Plattform nicht vorhanden wären. Hulu ist für den Benutzer nämlich kostenlos (vgl. http://www.hulu.com/about [Stand: 09.02.2013]). Für die definierte Zielgruppe im Alter von 15 bis 30 Jahren wäre das vermutlich die geeignetere Variante. Der grösste Teil dieser Gruppe ist aus dem Internet gewohnt, dass verschiedene Seiten Werbung in irgendeiner Form schalten und würde sich daran nicht grossartig stören. Im Gegenzug umfasst diese Altersgruppe viele Schüler und Studenten, denen ein unentgeltliches Angebot sehr entgegenkommen würde.

Damit wären bereits zwei schon vorhandene Geschäftsmodelle ersichtlich, an denen sich die Filmarchive der FIAF orientieren könnten, um ein eigenes Modell einzuführen. In beiden Fällen würden Filme entweder zum Herunterladen, als „Stream“, oder sowohl in der einen wie auch in der anderen Variante angeboten. In der ersten Version wäre das Angebot für den Nutzer unentgeltlich. Die Finanzierung würde über Werbung erfolgen. Bei der zweiten Variante würde das Archiv eine Entschädigung verlangen, um den „Download“ zu erlauben oder das Video zu „streamen“.

Um ein Geschäftsmodell für ein Filmarchiv zu entwickeln, eignet sich vermutlich nichts besser, als bereits bestehende Geschäftsmodelle anderer Filmarchive unter die Lupe zu nehmen. Das „Nederlands Instituut voor Beeld en Geluid“ ist in diesem Fall ein sehr gutes Beispiel. Das Archiv verfügt über eine grosse Sammlung an Film- und Fernsehmaterial (vgl. Lenk 2011: 143). Aus diesem Material hat das Institut gleich mehrere Plattformen entwickelt. Zu erwähnen ist beispielsweise „Dutch Footage“. Auf dieser Seite wird Material aus dem Archiv online angeboten, welches man sich als „Stream“ kostenlos ansehen kann. Ebenso gratis ist das Herunterladen der Videos, welche in diesem Fall aber ein Wasserzeichen des Instituts enthalten. Möchte man dies nicht, kann man eine Lizenz erwerben, je nachdem wofür man das Video benötigt und in welcher Auflösung, und es danach ohne Markierung herunterladen (vgl. http://www.dutchfootage.com/ [Stand: 09.02.2013]). So variiert auch der Preis, je nachdem ob man beispielsweise eine Lizenz dafür erwirbt, das Video bei einer Ausstellung oder in einem Museum zeigen zu dürfen, oder ob man es im Fernsehen ausstrahlen will. Und auch ob man es landes- oder weltweit senden möchte, hat Einfluss auf den Preis. Das sind nur einige der möglichen Kategorien (vgl. http://www.dutchfootage.com/en/video/result/961/images-of-hitler-mussolini-and-hirohito- mass-rallies-and-military-parades [Stand: 09.02.2013]).7

[...]


1 Das Wort „kommerziell“ wird in diesem Kontext nach der Duden-Definition verstanden, als „auf Gewinn bedacht“ (vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/kommerziell [Stand: 04.02.2013]). Der Begriff „nicht- kommerziell“ wird insofern für Archive verwendet, welche zwar Einnahmen generieren können, aber nicht primär auf Gewinn fokussiert sind. Die Mitglieder der FIAF definieren sich dadurch, dass ihr Hauptziel das Sammeln, Katalogisieren und die Präservierung von Filmen ist (vgl. http://www.fiafnet.org/uk/members/cat_affilation.html [Stand: 04.02.2013]).

2 Nachzulesen auf den Seiten 6-8 der Ausgabe des Journal of Film Preservation, welche unter dem angegebenen Link im .pdf-Format zu finden ist.

3 Nachzulesen auf den Seiten 8-10 des betreffenden Journals.

4 Nachzulesen auf den Seiten 10-13 des betreffenden Journals.

5 Nachzulesen auf den Seiten 10-13 des betreffenden Journals.

6 Auf http://www.hulu.com/about [Stand: 09.02.2013] wird unter der Titel „User Experience“ angeführt, dass das Programm kostenlos ist und durch Werbung finanziert wird. Versucht man eines der Videos zu öffnen, erscheint eine Meldung, dass diese nur innerhalb der USA sichtbar sind.

7 Neben dem jeweiligen Video ist auf der rechten Seite ein Menü, welches mit „Calculate Price“ beschriftet ist und wo man zwischen den jeweiligen Kategorien und Formaten wählen kann. Dabei wird immer auch der jeweilige Preis in Euro angezeigt und man kriegt die Möglichkeit das Video in den Warenkorb einzufügen.

Details

Seiten
27
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668118379
ISBN (Buch)
9783668118386
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313084
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Seminar für Filmwissenschaft
Note
5 (schweizer Note)
Schlagworte
potentielle geschäftsmodelle filmarchive streaming downloads möglichkeiten chancen

Autor

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Titel: Potentielle Geschäftsmodelle für nicht-kommerzielle Filmarchive. Streaming und Downloads als Möglichkeiten und Chancen