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Trans*-Normvarianten der Schöpfung

Ausarbeitung 2015 9 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Trans* - Normvarianten der Schöpfung

Vortrag von Patricia Metzer vor dem Seminar „Theologie & Geschlechterstudien“ der Theologischen Fakultät der Humboldt Universität, Berlin

Ich begrüße alle Studierenden und bedanke mich bei Frau Amrei Sander für die Einladung. Ich freue mich über ihr Interesse und wünsche mir anschließend ein offenes Gespräch über ihre Fragen. Zu meiner Person, ich war 20 Jahre verheiratet, und meine 5 Wunschtöchter haben mir inzwischen 5 Enkelkinder geschenkt. Zu unserer Familie gehören nun Menschen aus Nigeria, Indonesien und jemand mit türkischen Wurzeln. Unser Glaube wurzelt im jüdischen, christlichen und moslemischen. Mein Glaubenserfahrung wurde vor allem während der 20 Jahre in der evangelikalen „Weltweiten Kirche Gottes“ geprägt, in der ich als ordinierter Ältester in Berlin eine Gemeinde pastoral geleitet hatte. Nach meinem transsexuellen Outen, musste ich diese Kirche verlassen. http://de.wikipedia.org/wiki/Weltweite_Kirche_Gottes Inzwischen bin ich Teil der evangelischen Kirchengemeinde Marienfelde und habe im Sommer 2000 die ökumenische Basisgemeinde Queer Christ Berlin mit gegründet. http://www.qc-berlin.eu/ Ich gehöre zum Vorstand der „Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti) http://dgti.org/ und berate Trans*Menschen seit vielen Jahren. Aus christlicher Sicht und persönlicher Betroffenheit bewegt mich die Geschlechtervielfalt nun seit 15 Jahren, so dass ich zu ihrer Information in beiderlei Hinsicht etwas dazu beitragen kann.

Der Fehler in der Betrachtung von Trans* ist, dass davon ausgegangen wird, es gäbe ein "Problem" mit dem man "irgendeinen Umgang" finden muss, weil es dummerweise nicht "heilbar" ist. Aber es gibt nichts zu heilen, denn wir sind einfach eine Normvariante der Schöpfung. Trans* ist heute ein verbreiteter Oberbegriff und umschreibt Menschen, die nicht in dem Geschlecht leben können oder wollen, welchem sie bei ihrer Geburt zugeordnet wurden. Später gehe ich auf weitere Benennungen ein.

1. Mo 1, 26-28. Beschreibt die Schöpfung des Menschen.

26 Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen!

27 Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau 22 schuf er sie.

28 Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!

Fußnote 22: wörtlich männlich und weiblich
(Elberfelder)

Die wörtliche Übersetzung ... „männlich und weiblich schuf Gott die Menschen“ ermöglicht uns ein erweitertes Verstehen.

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Identitätsdebatte im Rahmen der „Stadt der 1000 Fragen“ (Auszug)

Am 20. September 2003 fand die Diskussion über "Identität: Sind wir das Ergebnis kultureller Prägung oder Produkt unserer Gene" statt. Unter der Moderation von Volker Panzer, ZDF--Nachtstudio diskutierten Prof. Dr. Dietmar Mieth, katholischer Moraltheologe an der Uni Tübingen, Bill Cordray, Architekt und Gründer des internationalen Clubs der Vaterlosen aus Salt Lake City/USA, Prof. Dr. Detlev Linke, Hirnforscher an der Uni Bonn, Helma Katrin Alter, Geschäftsführerin der dgti in Köln und Martin Marquard, Berliner Landesbeauftragter für Behinderte.

Volker Panzer: Da würde ich gerne den Moraltheologen fragen. Gibt es mehr Geschlechter als männlich und weiblich?

Prof. Mieth: Die Antwort ist eindeutig JA. Ich denke wir haben ähnliche Probleme ja auch mit der Festlegung von Heterosexualität und Homosexualität.

Die Schöpfung ist außerordentlich variabel und es ist in der Tat eine Fremdbestimmung, wenn man bei der Geburt sagt, weil wir zuweisen müssen, deswegen weisen wir entweder nach „a“ oder „b“ zu und es gibt eben doch Variablen, die dadurch nicht erfasst werden können.

Ich finde menschenrechtlich gesehen wäre es notwendig diese Variablen gelten zu lassen. Es ist ja klar, dass gläubige Menschen der Meinung sind, dass sie von Gott gewollt sind und dass es offen gelassen ist, wie sie zu sein haben, also die Menschen es auch offen lassen sollen, weil eben diese Varianten alle in ihrer Individualität von einem Schöpfer gewollt sind.

http://dgti.org/genderpoltik.html?id=53

Gott ist so vielfältig, dass Er in der Bibel mit vielen Namen genannt wird.

Jeder Name Gottes beschreibt eine Facette Seiner Persönlichkeit. Gott ist sicherlich mehr als nur männlich oder nur weiblich, Er ist mindestens beides.

Weiblich und männlich sind jeweils weite Bereiche, die sich zudem noch überschneiden, und sie haben eine gemeinsame Schnittmenge. Jeder einzelne Mensch hat seinen Platz dort irgendwo in diesem weiten Bereich. So ist auch dieses zu verstehen: “Es gibt nicht nur männlich und weiblich, es gibt viele verschiedene Geschlechter.“ Einige Menschen verunsichert diese Vorstellung, deshalb diese Feststellung: „Wir sind bisher jedoch nicht bereit dies zu akzeptieren.“ Aus dieser Begrenztheit heraus wurden die Schubladen „Mann“ und „Frau“ geschaffen.

Gott ist ein Gott der vielfältigen Schöpfung! So ist eine naturbelassene Bergwiese mit einer Vielfalt an Wildblumen Ausdruck Seiner wunderbaren Schöpfung. Während der „englische Rasen“ wohl eher der menschlichen Begrenztheit entspricht. In Gottes Schöpfung ist in Fauna und Flora ein faszinierender Variantenreichtum zu beobachten, wie auch im menschlichen Leben. Gemeinsam mit der Schöpfung schuf Gott auch alle Gesetze und ist damit ebenso der Urheber der menschlichen Vielfalt.

Jakobus Kapitel 4:

*12 Gott allein ist beides: Gesetzgeber und Richter.

Er schuf die Erbgesetzen in der Weise, dass sie eine große Vielfalt des Menschen zulassen. Es können viele verschiedene Geschlechter des Menschen wahrgenommen werden, so wie es tatsächlich in anderen Kulturen heute noch der Fall ist. Gottes Schöpfung ist vielfältiger, als es menschliche Vorstellungskraft zulässt. Jeder Mensch ist einzigartig und unverwechselbar, und so auch in den „Büchern“ Gottes eingetragen.

Offenbarung Kapitel 20:

*12 Und ich sah alle Toten vor dem Thron Gottes stehen: die Mächtigen und die Namenlosen. Nun wurden Bücher geöffnet, auch das Buch des Lebens. Über alle wurde das Urteil gesprochen, und zwar nach ihren Taten, wie sie in den Büchern aufgezeichnet waren.

Die menschliche Vielfalt ist natürlich und keine Sünde! Die Bibel beschreibt Sünde als „dem Willen Gottes entgegengesetzt" oder „nicht Gott gewollt".

Die heutige Forschung bringt erstaunliche Einblicke in die vorgeburtliche Entwicklung. So entdeckten die Forscher, dass das heranwachsende menschliche Leben sich in vielen Sequenzen immer wieder für eine weibliche oder männliche Entwicklung entscheiden muss. Die medizinische Forschung kennt inzwischen 7 Merkmale eines Menschen, die entweder weiblich oder männlich geprägt sein können. Diese Merkmale finden sich in körperlichen, hormonellen oder seelischen Bereichen, aber auch in der Struktur der Gene.

Bei der Geburt wird unsere Identität auf Grund äußerer Merkmale bestimmt. Die meisten Menschen nehmen diese Fremdbestimmung als gegeben hin. Sie könnten sich aber von denen, die ihre Identität hinterfragen, gestört fühlen. Deshalb wird die menschliche Vielfalt oft als Bedrohung empfunden, und diese dann als „krank“ ausgegrenzt.

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Details

Seiten
9
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668117754
ISBN (Buch)
9783668117761
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313058
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Theologische Fakultät
Note
Schlagworte
trans*-normvarianten schöpfung

Autor

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Titel: Trans*-Normvarianten der Schöpfung